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Systemfehler - Kopf steht Welt

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Ben Clint Frypan Jeff Newt OC (Own Character)
01.11.2015
22.12.2016
81
128.317
13
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02.11.2015 1.589
 
Mein Herz hämmerte wie wild gegen meine Brust und ich versuchte ruhig zu bleiben. Panik brachte mir jetzt auch nichts. Ich schloss kurz die Augen, atmete tief ein und aus und öffnete sie wieder.
Alby schaute mich prüfend und mit verschränkten Armen an.
"Willst du den Stein weglegen?", fragte er und zog eine Augenbraue hoch.
Mein Blick glitt nach unten zu meiner Hand und verwundert stellte ich fest, dass ich ihn immer noch fest umklammert hielt. Ich warf ihn neben mich zu Boden und fühlte mich sofort viel schutzloser.
Alby nickte und ein leichtes Schmunzeln legte sich auf seine Lippen. "Na also. Kannst du dich erinnern, wer du bist?"
Ich schüttelte ängstlich den Kopf und biss mir auf die Unterlippe, damit diese nicht zu zittern anfing. Tränen bildeten sich in meinen Augen und ich musste mich echt zusammenreißen, um diese nicht zu vergießen.
"Hey, keine Sorge, dass ist nicht schlimm, das ging uns allen so.",  versuchte Alby mich zu beruhigen und hom beschwichtigend eine Hand. "Du wist dich bald wieder an deinen Namen erinnern können."
Ich nickte und nahm noch einen tiefen Atemzug. Mein Blick glitt wieder an den Mauern hoch und der Junge vor mir folgte ihm.
"Das hier ist die Lichtung.", beantwortete er meine unausgesprochene Frage und ich richtete meine Augen wieder auf ihn. "Hier leben wir, arbeiten, essen, schlafen."
Ich blinzelte, wollte eine Frage stellen, hatte jedoch Angst davor, meine Stimme zu hören. Was wenn sie mir nicht gefiel? Wenn sie ganz hoch und nervig war, oder tief und rauchig?
Ich drehte mich um und sah zu dem gewaltigen Tor hinter mir. Ein langer steinerner Gang lag dort, der nach ungefähr 50 Metern in eine andere Richtung verlief. Was war das hier? Über den Mauern auf der Seite der Lichtung ging gerade die Sonne unter, sodass ich zumindest wusste, wie die Lichtung ausgerichtet war. Das hier musste dann die Westseite sein.
Ich ging langsam auf das Tor zu und wollte mir das mal genauer anschauen.
"Wow, wow, wow, da darfst du nicht raus.", rief Alby und stellte sich mir in den Weg.
Ich zog die Augenbrauen leicht wütend zusammen und Alby verdrehte die Augen.
"Komm mit, ich zeig dir die Lichtung.", sagte er, nickte mit dem Kopf in eine Richtung und lief los.
Ich folgte ihm, nicht ohne nochmal einen nachdenklichen Blick auf die Mauer und das Tor zu werfen.
Alby ging wieder zu der Box, die sich etwa in der Mitte der Lichtung befand und für einen Moment befürchtete ich, ich müsste wieder zurück in diesen Käfig. Er deutete auf die wieß-graue Flügeltür am Boden, die jetzt verschlossen war.
"Das ist die Box.", erklärte er und ich zog eine Augenbraue an. Wie waren sie bloß auf diesen Namen gekommen? "Jede Woche kommt sie mit einer Lieferung hoch, in der alles ist, was wir brauchen. Essen, Kleider, Tiere. Einmal im Monat kommt ein neuer Frischling mit ihr hoch und diesen Monat warst du das. Entschuldige, die Blicke der Jungs, aber es ist bisher noch nie ein Mädchen in der Box hochgekommen."
Na, das war mir jetzt aber noch nicht aufgefallen. Ich sah ihn entgeistert an. Aber wenn sonst nie Mädchen hier hoch kamen, was machte ich dann hier?
"Komm, weiter geht die Tour.", sagte Alby und führte mich weiter. "Die Lichtung ist in vier Orte aufgeteilt, die Gärten, das Bluthaus, das Gehöft und das Schädelfeld.", mir lagen so viele Fragen auf der Zunge, doch ich wagte es immer noch nicht zu sprechen. Alby fuhr fort: "Wir nennen uns die Lichter, wegen der Lichtung, kapiert?"
Ich nickte. und sah mich um, versuchte die Lichtung den Namen zuzuordnen, die der Dunkelhäutige genannt hatte, doch ich konnte mit den Begriffen wenig anfangen. Das einzige, was ich mir denken konnte, war die Gärten, auf die wir offensichtlich gerade zuliefen und die sich in der Nord-Ostecke befanden.
Alby stellte sich an den Rand des Feldes und winkte einen Jungen zu sich, der dort arbeitete. Sofort kam er angerannt.
"Das ist Zart. Er ist der Hüter der Hackenhauer." Ich verzog verwirrt das Gesicht und Zart hielt mir lachend die Hand hin.
Zögernd ergriff ich sie.
"Freut mich, Frischling.", ich erzwang mir mit zusammengepressten Lippen ein kurzes Schmunzeln. "Dir hats wohl die Sprache verschlagen."
Tja, mein Lieber, mir hats wohl einiges verschlagen, dachte ich nur und strengte meine grauen Zellen an. Was zur Hölle waren Hackenhauer und was sollte bitteschön ein Hüter sein?
"Ich sehe, du hast nicht den leisesten Schimmer, wovon ich rede.", erkannte Alby und lachte leise. Ich kniff die Augen zusammen. Wie denn auch, wenn ihr so komisch redet? "Die Hackenhauer sind die Gärtner und der Hüter ist sowas wie der Anfürer des jeweiligen Berufs." Berufe? "Wir haben hier verschiedene Aufgaben.", fuhr der Junge fort, während Zart zurück an seine Arbeit ging und Alby mich weiterführte. "Es gibt die Hackenhauer, die Schlitzer, die Sanis, die Eintüter, die Schwapper, die Läufer und die Kartenzeichner."
Mein Blick wurde nur immer verwirrter und Alby seufzte. Wir kamen bei der Nord-Westecke an, wo das windschiefe Haus stand und drohte beim kleinsten Windhauch umzukippen.
"Das hier nennen wir das Gehöft. Da essen wir und es gibt Duschen. Einige von uns schlafen in der Hütte, andere dort hinten in Hängematten.", er zeigte auf eine Überdachung fast direkt neben dem Gehöft, wo Haufenweise Hängematten verteilt waren. "Die Sanis, also Sanitäter, haben ihren Raum auch im Gehöft.
Er drehte sich um und lief diagonal über die Lichtung in Richtung Südostecke. Als wir schon nah dran war, konnte ich auch die Tiere sehen, die hinter den Zäunen zufrieden grasten. Es gab Ziegen, Schafe, Schweine....Und ganz in der Ecke stand eine weitere Hütte.
"Das ist das Bluthaus, also Schlachthaus, hier arbeiten die Schlitzer. Winston ist ihr Hüter."
Jetzt machte er sich nicht die Mühe, weiter zugehen, sondern deutete einfach nur zur Südwestecke, zu dem kleinen Wäldchen.
"Das ist das Schädelfeld."
Der Name lies mich erschaudern und ich starrte mit großen Augen zu dem kleinen Wald herüber, als erwartete ich, dass gleich eine Horde Geister daraus hervorfleuchen würden.
"Dfür sind die Eintüter verantwortlich.", erklärte Alby weiter und ich wandte ihm meinen Blick zu. "Es ist aber schon eine Weile her, dass sie jemanden begraben mussten."
Ich zuckte zusammen. Warum war es überhaupt nötig, dass sie begraben werden mussten?, fragte ich mich leicht verstört.
Alby und ich gingen ungefähr zehn Meter von der Mauer entfernt an ihr entlang und ich konnte meinen Blick nicht von dem riesigen Tor lösen.
Als wir an dem Tor ankamen blieb ich neugierig stehen und machte einen Schritt darauf zu. Alby stellte sich mir sofort in den Weg.
"Hör zu, wir haben hier strenge Regeln, damit wir die Ordnung hier beibehalten können.", begann er. "Die erste ist, leiste deinen Beitrag. Wir können hier keine Faulpelze gebrauchen. Die zweite ist, füge niemals einem anderen Lichter Schaden zu und die letzte und oberste Regel von allen...", er sh mich ernst an und ich schluckte. "Geh niemals weiter, als bis zu den Mauern. Niemand darf die Lichtung verlassen."
Ich zog fragend die Augenbrauen zusammen und schaute an Alby vorbei. Was war denn da draußen so schlimmes?
Er schien meine Frage zu erraten, seufzte und fuhr sich mit den Händen kurz durchs Gesicht.
"Okay, pass auf, die Lichtung befindet sich in einem riesigen Labyrinth.", ich riss die Augen auf und stolperte einen Schritt zurück. "Wegen dem Labyrinth, darf niemand die Lichtung verlassen, außer ein paar wenigen. Das sind die Läufer. Sie sind die Schnellsten, Stärksten und Klügsten von uns und sie gehen jeden Tag da rein, laufen die Gänge ab, prägen sich alles ein, suchen nach einem Ausgang. Aber das ist nicht so einfach, wie du jetzt vielleicht denkst, denn die Wände verschieben sich jede Nacht. Seit einem Jahr sind wir jetzt hier gefangen und suchen nach einem Ausgang. Wir haben hier unsere eigene Zivilisation gegründet und darum ist es auch so wichtig, dass jeder hier seinen Beitrag leistet."
Er wollte noch etwas sagen, als hinter ihm zwei Jungen aus dem Labyrinth gejoggt kamen, ein Asiate und ein Blonder. Alby drehte sich zu ihnen um und sie hielten auf ihn zu.
"Irgendwas neues?", fragte er die beiden und der Blonde schüttelte enttäuscht den Kopf. "Nein, wieder nichts."
Er sah niedergeschlagen aus und lies seine Schultern betreten hängen. Dann fiel sein Blick auf mich. "Ein neuer Frischling wie ich sehe.", meinte er und seine Miene hellte sich auf, auch wenn genau wie bei den anderen zu Anfang, große Verwirrung darin abzulesen war. "Ein Mädchen, das ist....ungewöhnlich.", er streckte die Hand aus. "Ich bin Newt. Weißt du, wie du heißt?"
Ich schüttelte den Kopf und ergriff zögerlich seine Hand, während mich der Asiate mit unergründlicher Miene musterte.
In dem Moment ertönte lautes Poltern und Krachen und ich fuhr zusammen und meine Augen schnellten zum Tor, dass sich langsam begann zu schließen. Moment mal, was?! Diese gewaltige Wand aus massivem Stein bewegte sich doch tatsächlich und schloss sich langsam, bis sie laut Knallend auf die andere Wand traf und versiegelt war.
Mit erschrocken aufgerissenen Augen und leicht geduckter Haltung sah ich an der Mauer hoch und wagte es endlich, etwas zu sagen.
"Was zur Hölle...?"
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