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Systemfehler - Kopf steht Welt

GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 Slash
Ben Clint Frypan Jeff Newt OC (Own Character)
01.11.2015
22.12.2016
81
128.317
12
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Dieses Kapitel
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01.11.2015 1.450
 
Ich zog keuchend die Luft ein und riss panisch die Augen auf, während ich versuchte wieder zu Atem zu kommen. Ich setzte mich auf und stützte mich auf meinen Händen ab. Ich befand mich in einem dunklen Raum, einer Art riesiger Box aus Gittern, um mich herum standen Kisten verschiedener Größen. Diese 'Box' in der ich mich befand bewegte sich nach oben.
Ich spürte die Vibration des Käfigs und konnte das Gefühl spüren, wie wenn man in einem Aufzug saß. Alle paar Meter fuhr die Kiste an einem weißen Licht vorbei und die Box wurde kurz erhellt. Moment mal? Woher wusste ich was ein Aufzug war? War ich denn schon einmal Fahrstuhl gefahren?
Ich überlegte krampfhaft, doch ich konnte mich einfach nicht erinnern. Mir fiel auf, ich konnte mich an gar nichts erinnern. Wer ich war, woher ich kam, wer meine Eltern waren. Hatte ich überhaupt Eltern?
Ich spürte, wie sich langsam eine Panikattacke anbahnte und meine Atmung wurde schneller. Ich wusste noch nicht einmal meinen Namen, wie ich aussah, wie sich meine Stimme anhörte.
Ich bekam keine Luft mehr und zwang mich, mich zu beruhigen. Ich streckte die Arme in die Luft, weil ich mich aus irgendeinem Grund daran erinnern konnte, dass das bei Atemnot half. Eine Tüte wäre sicher effektiver gewesen, aber ich hatte gerade keine.
Neben mir raschelte etwas und ich erschrak. Vorsichtig hob ich das Tuch, dass über einer Kiste hing hoch und wagte einen neugierigen Blick hinein. Ich rutschte erschrocken auf dem Hintern zurück, als mich eine dreckige Schweineschnauze angrunzte und presste mich mit dem Rücken gegen die Gitterwand.
Was zur Hölle?
Meine Augen waren bis zum Anschlag aufgerissen und ich spürte eine Träne über meine Wange kullern. Wo war ich hier?!
Plötzlich stoppte die Box ganz abrupt und ich klammerte mich mit den Fingern an den Gittern fest, um nicht quer durch die Box zu fliegen.
In einer Ecke leuchtete auf einmal ein rotes Licht auf und mein Blick schnellte hoch. Das Licht wurde grün und dann öffnete sich über mir ein Spalt, durch den warmes Sonnenlicht in die Kiste flutete.
Ich hielt mir gegen die blendende Helligkeit einen Arm vor die Augen und lugte vorsichtig dahinter hervor. Viel erkennen konnte ich nicht, da sich meine Augen noch nicht an das Licht gewöhnt hatten.
Die Box klirrte und wackelte und ein Schatten fiel auf mich. Ich presste mich noch weiter in die Ecke hinein, als sich der große Junge verwundert über mich beugte.
"Was siehst du, Gally?", hörte ich von oberhalb der Box eine Jungenstimme und der Junge, der bei mir stand richtete sich auf.
Mit völlig verwirrt klingender Stimme antwortete er: "Es ist ein Mädchen."
Ich konnte aufgeregtes und verwirrtes Stimmengewirr über mir wahrnehmen.
Mein Gott, wie viele waren denn da oben?!
"Na, worauf wartest du noch, hohl sie hoch!", eine andere Stimme, ebenfalls die von einem Jungen.
Wieder fiel der Schatten des großen auf mich und meine Augen hatten sich so weit angepasst, dass ich sein Gesicht sehen konnte. Er hatte blonde ganz kurze Haare, grüne Augen und merkwürdige Augenbrauen.
"Na los, Frischling, raus aus den Federn." Er beugte sich zu mir runter und wollte mich am Arm packen, um mich hoch zuziehen, doch in dem Moment legte sich bei mir ein Schalter um und mein Fluchtinstinkt meldete sich.
Mit immer noch panisch weit aufgerissenen Augen und ohne richtig zu realisieren, was ich tat, trat ich dem Jungen mit voller Wucht zwischen die Beine, sodass er keuchend zu Boden fiel. Über mir ertönte begeistertes Gelächter.
Ohne zu zögern sprang ich auf, auf ein paar Kisten drauf und zog mich am Rand der Box nach oben. Ohne lange in dieser verletzlichen Position am Boden zu verweilen, erhob ich mich schnell auf die Füße und mein Blick flog hastig umher.
Um mich herum stand eine Horde von Jungs und sah mich teils verwirrt, teils belustigt an.
Ich zitterte, stand verzweifelt da, bemühte mich aber, meinen Blick drohend zu halten und funkelte die Leute um mich herum herausfordernd an. Wenn mir auch nur einer zu nahe kam...., sagte ich mir und versuchte alles um mich herum gleichzeitig zu sehen und zuhören. Aus der Box ertönte ein schmerzvolles Stöhnen von dem Großen, doch ich blendete ihn aus.
Ein kräftig gebauter dunkelhäutiger Junge, schob sich durch die anderen durch und kam auf mich zu und hielt mir mit einem Grinsen seine Hand hin. "Hallo Frischling, ich bin Alby."
Ich starrte einen Moment mit großen Augen seine Hand an, trat eingeschüchtert einen Schritt zurück.
Warum waren hier so viele Jungs? Was war das hier? Was machte ich hier?
"Hey, ist schon gut, wir~", der Dunkelhätige , Alby, kam nicht zum ausreden. In einer Panikreaktion sprang ich vor, quetschte mich an den ganzen Jungen vorbei und rannte.
Ich hatte keine Ahnung wohin, aber das war mir egal, hauptsache weg.
Hinter mir hörte ich die johlenden Jubelrufe der Jungs und ich rannte schneller. Meine Füße flogen beinahe über das grüne Gras, ich sprang über Hindernisse, wie Steine oder Baumstümpfe einfach hinweg und die Rufe hinter mir waren waren jetzt weiter entfernt. Tränen stiegen mir in die Augen und meine Sicht verschwamm.
Ich blinzelte die Tränen weg und sah plötzlich etwas, was mich abrupt stoppen lies. Ich machte eine Vollbremsung und schlidderte noch ein Stück über den staubigen Boden, ehe ich zum stoppen kam.
Schwer atmend richtete ich mich auf und drehte mich im Kreis. Was war das hier?!
Um mich herum erhoben sich vier Wände mindestens 50 Meter hoch und mit jeweils einem gigantischen Tor in der Mitte. Die Steinwände erhoben sich grau und drohend über mir und mir wurde schwindelig. Wo zur Hölle war ich?!
Ich wollte schreien und war kurz davor in Tränen auszubrechen.
Ich zitterte und wieder bekam ich keine Luft. Ich machte tiefe verzweifelte Atemzüge und blinzelte, in der Hoffnung, das sei nur ein Traum und ich würde gleich aufwachen. Was sollte das, verdammt?
"Hey! Ganz ruhig.", ich wirbelte herum, wo die Jungs alle auf einmal angerannt kamen, ganz an der Spitze lief Alby.
Ich trat eingeschüchtert ein paar Schritte rückwärts und sah hektisch von einem Jungen zum nächsten. Mein Blick flog suchend über den Boden und ich schnappte mir einen Handtellergroßen Stein mit einer Kantigen scharfen Seite und hielt ihn hoch, bereit zu werfen. Ich weis, sehr bedrohlich. Ich musste in dem Moment, wie ein Feigling gewirkt haben, aber doch auch irgendwie verständlich, wenn man von ungefähr 50 oder 60 Jungen umkreist wurde. Ich hatte offenbar eine lebhafte Fantasy und malte mir alle möglichen Bilder aus.
Meine Hand mit dem Stein zitterte und ich presste die Lippen aufeinander um nicht loszuheulen. Diese Scham würde ich mir nicht antun. Nicht vor all den Jungs. Verdammt, es waren so viele!
Alby hatte offenbar meinen Blick bemerkt, denn er wandte sich an die anderen.
"Hey, ihr Strünke, hört auf zu glotzen und macht euch nützlich! Hier gibt es genug zu tun, klar!", schnauzte er die anderen an. Er schien hier sowas wie der Boss zu sein.
Ich versuchte mein Zittern ein wenig unter Kontrolle zu bringen und beruhigte mich ein wenig, als die ganzen Jungen sich langsam zerstreuten und enttäuscht miteinander tuschelten. Ich hörte viele Dinge durcheinander, wie...:
"Da kommt endlich mal ein Mädchen und wir werden weggeschickt."
"Bin gespannt, wer als erster ran darf."
"Wann passiert denn hier schonmal was interessantes?"
"Die hat Mut, Gally einfach so in die Eier zu treten."
"Habt ihr gesehen, wie die gerannt ist?"
"Die hätte das Zeug zur Läuferin."
"Minho würde doch niemals ein Mädchen zur Läuferin machen!"
"Endlich mal was schönes auf der Lichtung."
"Die ist irgendwie scharf."
"Was macht denn ein Mädchen hier?"
Ich beobachtete sie prüfend und leicht ängstlich, während sie zu ihrer offensichtlichen Arbeit zurückkehrten. Diese Kommentare, trugen nicht unbedingt dazu bei, dass ich mich besser fühlte. Schließlich wandte ich meinen verstörten Blick Alby zu.
"Willkommen auf der Lichtung!", sagte dieser mit einem freundlichen Lächeln, hob einen Arm und deutete über die ganze Fläche, wo wir uns befanden.
Ich blickte mich nochmal um, versuchte diesmal nicht auf die Mauern zu achten.
Es war tatsächlich eine große Lichtung, mit einem kleinen Wäldchen in der einen Ecke, Zäune mit Tieren und einem großen Holzschuppen in der anderen, Gärten in der Dritten und einem windschiefen Gebäude in der letzten Ecke, das nicht so aussah, als würde es einem Sturm lange widerstehen können.
Überall liefen Leute herum, schoben Schubkarren, pflanzten Dinge, nagelten an Häusern herum. Doch egal wie sehr ich mit den Augen auch suchte....Ich war das einzige Mädchen hier.
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