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Endzeit - In Time

von Flaviena
GeschichteSci-Fi / P16 / Gen
01.11.2015
01.11.2015
2
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01.11.2015 4.580
 
Wieder einmal war es einfach viel zu spät geworden und Gray stand in seinem Büro im obersten Stockwerk des 90stöckigen Gebäudes, die Hände hinter dem Körper verschränkt und den Blick aus dem Panoramafenster schweifend dachte er nach. Ein Jahr war es nun her das sie versucht hatten durch ein großes Ritual in Josephines Gedanken zu schauen um zu verstehen warum sie bis jetzt noch immer nicht in der Lage war ihre enorme Kraft gänzlich zu kontrollieren.

Ein Jahr war es nun her das Joe eine ganze Kreuzung zerlegt hatte und es war auch genau so lange her das die Öffentlichkeit die Geschichte des Anschlage auf seine Schwester geschluckt hatte. Natürlich gab es auch heute noch Leute die das nicht glauben wollten, manche waren lauter von ihnen und manche leiser.

Die Geschäfte liefen ganz gut, im letzten Jahr konnte die Carlyle Legion einige lukrative Aufträge im Ausland ergattern und so haben sie ihrer privaten Sicherheitsmannschaften nun bei Polarexpeditionen, Urwaldminen, einige andere Fabrikationsanlagen in sehr gefährlichen Ländern. Auch innerhalb der Stadt waren noch ein paar mehr Klienten dazu gekommen.
Die Forschung lief gut und einige Prototypen sind noch vor dem Bau so gut wie verkauft gewesen.

Etwas problematisch allerdings war die Ausbildung der Waisen und Verfolgten Magier, erst vor 6 Wochen war eines der "Camps" ausgehoben worden von radikalen Anhängern der "Faust des Landes", eine Gruppe die Magier für viele Probleme verantwortlich macht. Zum Glück konnten alle Fäden und Hinweise zur Carlyle Legion entfernt werden, dennoch war es ein herber Rückschlag.

Und Joe, tja ... er wusste noch immer nicht wer ihre Peiniger waren, die ihr scheinbar in der Kindheit so etwas angetan hatten, er wusste immer noch nicht wie er ihr helfen konnte ihre Kräfte bei sich zu halten und es war nur eine Frage der Zeit bis all das auseinander brach. Doch was sollte er tun?

Gelangweilt saß Joe in ihrem Mega-Sessel, indem man locker zu zweit Platz hätte, und starrte an die Decke. Er wollte schon länger zu Hause sein. Wahrscheinlich hatte er es wieder mal nicht geschafft, pünktlich aus dem Büro zu kommen. Innerlich grollte sie und legte ihren Kopf in ihre Hand. Mit zunehmender Wut, klirrten die Gläser in den Schränken sacht vor sich hin, als würde jemand an den Schränken rütteln.

Sie hatte extra eine DVD ausgeliehen, war einkaufen, hatte ein paar Snacks und zwei Flaschen des schwarzen Erfrischungsgetränkes geholt. Sie schwang ihre Beine über die Lehne und schob ihren schlanken Körper darüber, ehe sie ihre Füße auf den Boden setzte und aufstand. Sie lief in den Flur und schob ihre Füße in die Sneakers, ehe sie ihre schwarze Jacke überstreifte.

Die Kapuze auf dem Kopf, die Hände in den Taschen streifte sie durch die abendlichen Straßen und versuchte sich abzuregen. Es brachte nichts, sich ihrer Wut hinzugeben. Es gab nur Chaos. Scheiben, an denen sie vorüber ging, erzitterten, knirschten von dem Druck

"Mensch, Gray!!!!!" fauchte sie vor sich hin und krallte ihre Hände in den Stoff ihrer Jackentasche
Mittlerweile saß er in dem Wagen der ihn nach Hause fuhr. Gefahren wurde er von Karl Jenkins, ein guter und netter Mann, absolut loyal, dachte Gray so für sich selbst. In letzter Zeit dachte er nur in Loyalität und wie Leute seines Unternehmens zu ihm und der Familie an sich standen. Karl war schon für seinen Vater gefahren und Karls Vorgänger hatte ihn persönlich ausgesucht, dass war zu einer Zeit als Gray`s Großvater noch den Konzern leitete.
„Hast du die Pizza bestellt? Für Joe und mich?“
„Natürlich, Master Carlyle. Ihr hattet ja ausdrücklich darum gebeten.“
Gray nickte nur, eigentlich hatte er ein weiteres mal gehofft es könnte sich ein Gespräch entwickeln und Karl würde wenigstens einmal im Leben etwas erzählen, aber er war ein absoluter Profi. Natürlich wusste Gray alles über ihn was es zu wissen gab, er kannte jede Kleinigkeit, schließlich vertraute er dem Mann sein Leben an und auch das seiner Schwester, aber es wäre mal nett etwas von ihm zu hören und nicht alles aus den Akten.

Gedankenverloren schaute Gray aus dem Fenster während der Fahrt und stützte das Kinn in die Hand. Es war einsam, dachte er bei sich. Gerade Joe würde einfach mal eine Freundin oder einen Freund brauchen, aber wer kam mit ihr klar? Nicht das sie einfach launisch war, oder problematisch, nein es war schlichtweg gefährlich bei ihr, wenn man nicht wusste wie man sie behandeln musste. Er dachte noch lange darüber nach wie jemand sein musste und wen er kannte den er an Joe vermitteln konnte.
Mit einem Mal ging die Tür auf und Grayson blinzelte Karl an, waren sie schon da? In der Tat, ein lächeln stahl sich auf seine Lippen und er stieg aus. Er nahm die Pizza von Karl.
„Danke, du kannst dich dann zurückziehen, ich glaube kaum dass wir noch weg müssen heute. Ruh dich aus.“
Die Pizzaschachteln in einer Hand, seine Tasche in der anderen ging er durch das Foyer des Hotels in dem sie momentan wohnten, das Hotel gehörte dem Konzern und war auch von selbigen gesichert. Eigentlich war es mehr eine Art moderne Burg, die auch Zimmer an ausgewählte Gäste vermietete. Er stieg in den Aufzug und fuhr zum Penthouse, wo ein leises "Bing" ihn ankündigte in der Wohnung konnte man auf dem Bildschirm genau sehen wer in dem Fahrstuhl stand.

"ich werde pünktlich sein, Joe... Ich versuche früher aus dem Büro raus zu kommen." grollte sie leise vor sich hin und kickte ein Steinchen weg, allerdings sauste jenes mit dreifacher Geschwindigkeit nach vorn und bohrte ein kleines Loch in eine Metalltonne, die in der Nähe stand. Es schepperte nicht einmal laut, so schnell ging alles. Sie nahm ihre Hände wieder aus den Taschen und rieb sie aneinander "Scheiß drauf, Gray... du kannst mich mal!" fluchte sie lauter und spuckte dann auf den Boden. Launisch, zornig ging sie weiter und um sie herum schien die Luft zu vibrieren. Kleine Steinchen begannen zu schweben, Scheiben knarrten in ihren Rahmen.

„Shhhh, Joe... ruhig Joe.. es geht sonst wieder in die Hose.“

Sie sah sich um und schüttelte den Kopf, atmete tief ein und wieder aus... ein und wieder aus. Ihr Kopf begann wieder zu schmerzen und sie hob ihre Hände zu ihren Schläfen, begann jene mit ihren Fingern zu massieren.
"Gray.... " hauchte sie nun und ging in die Hocke, wiegte sich leicht vor und zurück und versuchte ihrer Wut Einhalt zu gebieten, damit sie nicht schon wieder ausflippte. Ganz ruhig, ganz ruhig. Dann kommt er halt später. Er wird schon auftauchen.

Sie keuchte leise und stutzte dann, erhob sich, griff in ihre Hosentasche und zog das schwarze, schmale Mobiltelefon hervor. Flink drückte sie auf die Schnellwahltaste und hielt das Telefon an ihr Ohr "Geh ran... Gray... geh ran..." hauchte sie leise und lauschte auf das Tuten um sich ein wenig abzulenken.
Er stellte die Tasche ab, als das Handy klingelte. Kramte es flink aus der Tasche schaute drauf und ging dran.

„Ich bin bereits im Fahrstuhl des Hotels und habe Pizza mitgebracht.“
Sagte er kurz, er entschuldigte sich erst gar nicht dafür das er zu spät kam, es war nicht das erste mal und würde nicht das letzte mal sein, eigentlich wusste sie ja was er tun musste und das es meistens Zeit in Anspruch nahm.
Außerdem war es besser die Dinge die sie aufregten gar nicht erst anzusprechen, besonders wenn es nicht nötig war. Während er redete schaute er in die Kamera im Fahrstuhl und hielt wie zum Beweis die Pizzaschachteln hoch.
"Ich bin nicht zu Hause.." sprach sie leise und hob ihren Kopf. Aus ihren dunklen Augen starrte sie zu Boden und hinter ihr begann es zu Knirschen. Das Geräusch von zersplitterndem Glas war zu hören, ehe die ehemalige Fensterscheibe zu Boden regnete. Erschrocken hob sie ihren Kopf und umklammerte das Telefon "Entschuldigung..." rief sie aus und drehte sich dann um, um den Schaden zu begutachten. Sie hatte es schon wieder getan und könnte sich darüber nur noch mehr aufregen, dass zu noch mehr Schaden führen konnte. Schnell rannte sie in die Richtung, aus der sie gekommen war, gen Hotel. Sie hasste es, sich nicht kontrollieren zu können, sie hasste es, so schnell sauer zu werden. Was sie nur noch wütender machte. Sie schloss kurz ihre Augen und öffnete sie wieder, ehe sie leise aufstöhnte. Die Kopfschmerzen wurden wieder schlimmer. Je öfter ihre "Macht" in Gebrauch war, umso mehr Kopfschmerzen bekam sie. Es war ein Teufelskreis.
"Ich komm zurück...." keuchte sie ins Telefon und lief noch schneller

„Du bist ...“
An der Stelle hatte sie aufgelegt und er stand in dem Fahrstuhl dessen Türen sich gerade öffneten, dass "übliche" Chaos war in der Wohnung, sie war wohl relativ sauer gewesen. Mittlerweile konnte er anhand der Einrichtung auf einer Skala von 1 - 10 einschätzen wie ihr Tag war.
Warum sagt mir niemand dass sie gegangen ist?!
Er stellte die Pizza in den Backofen damit sie wenigstens etwas an Wärme behielt und wählte die Nummer eines Mannes der Joe eigentlich auf den Fersen sein sollte.
Warum weiß ich nicht dass sie weggelaufen ist?
Ah ? Normal gegangen ... ein wenig Kopfschmerzen ... ach und glaubst du so was interessiert mich mittlerweile nicht mehr??? Verdammt mach deine Arbeit richtig, wo ist sie jetzt?
Er ging zum Erker des Apartments, der vollkommen aus Glas war und einen atemberaubenden Blick über die Metropole freigab. Er blickte hinab zum Eingang des Hotels.
Es dauerte nicht sehr lang, da war Joe schon am Hotel angelangt. Sie blieb ein wenig davor stehen, hielt sich mit beiden Händen den Kopf und wankte. Ihre Kiefer schmerzten, als sie ihre Zähne aufeinander presste. Ein leises Stöhnen entrann ihrer Kehle und sie knurrte leise auf. Dieser Kopfschmerz war einfach kaum zu ertragen. Und das nur von dem Bisschen Scheibensplittern. Das Ganze Gebäude, dass vor ihr stand, schien für einen Bruchteil einer Sekunde zu erzittern. Shhh, Joe... Shhh... alles wird gut... beruhigte sie sich selbst und kam wieder runter. Sie spürte, wie sich ihre Atmung verlangsamte. Sie zählte von 10 abwärts..

Zehn... neun...
Hände vom Kopf nehmen und sich gerade hinstellen
acht... sieben...
Tief durchatmen und einen Schritt vor den anderen setzen
sechs... fünf...
die Türen öffnen, leicht.. nicht zu fest... auf den Fahrstuhl zugehen
vier... drei...
drücken und warten.....
zwei.... eins.....

"Bling".. der Fahrstuhl war da und sie ging langsam hinein... sie drückte den Knopf zu ihrem Appartement und kauerte sich dann in die hinterste Ecke des Aufzuges.

Grayson hatte in der Zwischenzeit Bescheid vom Hotelmanager bekommen und ja, morgen würde man von partiellen Erdbeben und Bauarbeiten an der Tiefgarage eines Nachbargebäudes in den Nachrichten hören, sofern Joe nichts Schlimmeres anstellte.
Als das Gebäude ein wenig gebebt hatte, hatte er die Augen geschlossen und seine Sinne in die Astralwelt ausgedehnt. In dieser Welt war Joe nicht schwer zu finden, erfasste ihre Energie doch das gesamte Gebäude wie eine Kralle, doch ebenso schnell ließ sie auch wieder davon ab und wie ein Orkan peitschten diese Energien an allem in der Umgebung vorbei.
Gray konnte nicht viel dagegen tun, besonders nicht so schnell, doch er konnte den Schutz um das Apartment wieder hochziehen und seine Energie dazu verwenden, dass zumindest außerhalb niemand etwas anderes mitbekommen würde, wenn Joe erstmal hier drinnen war.
Dann sah er sie im Fahrstuhl über den Monitor und ein letzter Anruf bei zwei ihm sehr vertrauten Personen sicherten ihn ab. Die beiden würden seinen Schutz um das Apartment diesen Abend abwechselnd mit ihrer eignen Kraft überwachen und ausbessern wenn es nötig war. So wartete er am Fahrstuhl um ihr die Hand zu reichen, als sie ankam
„Komm ... wir essen erst einmal ein wenig was zusammen, was meinst du?“

"Ich habe es versucht, wirklich. Ich hab wirklich versucht unten zu bleiben... aber es hat einfach nicht geklappt" hauchte sie leise und drehte langsam den Kopf zur Seite um ihn ansehen zu können. In ihren Augen spiegelten sich ihre Emotionen: die abgeflaute Wut, ein Hauch von Traurigkeit und das aufkeimende Schuldgefühl.
Nur langsam streckte sie ihre Hand aus und legte sie in die seine, drückte jene um dann langsam aufzustehen. Als sie stand taumelte sie einen Schritt vor und schlang ihre Arme um ihren Bruder. Ihre Finger krallten sich in seine Kleidung.
Leise atmete sie aus und schloss ihre Augen, während sie sich und den Sturm in ihrem Innern beruhigte.
Er umarmte sie sachte und führte sie dann zum Esstisch
„Das weiß ich doch, dass du das versucht hast. Soweit ich das mitbekommen habe, war es auch nicht ganz so schlimm wie sonst.
Hast du dir mal überlegt ob du irgendjemanden anheuern könntest, für ein paar Entspannungs-und Konzentrationsstunden? So was wie Yoga ... nur als Beispiel ?
Ich bin immer noch der Meinung dass wir alles ausprobieren sollten selbst wenn es das Problem nur abschwächt.“
Er bot ihr den Stuhl an und legte dann die Pizzaschachteln bereit, öffnete sie, es dampfte nicht mehr in den Schachteln, aber warm war die Pizza noch.

"Yoga???? Grayson Charlyle, du tickst ja nicht ganz richtig. Ich setz mich doch nicht im Schneidersitz auf ne Isomatte und Omme vor mich herum. Und die Augen bei wildfremden Leuten zumachen will ich auch nicht. Ich bin einfach nich der Öko-Typ, der sich stundenlang mit dämlichen Zeugs berieseln lässt"
Mit diesen Worten nahm sie auf einem der Stühle platz und griff in die Pizzaschachtel. Als der Käse sich so langsam verselbstständigte und gen Tisch lief, bekam sie Sternchenaugen und hob das Teil über sich um den Käse genüsslich mit ihrer Zunge auffangen zu können. Sie kaute und wischte sich mit ihrer freien Hand über den Mund, sah dabei aus dem Fenster und seufzte. Als sie ihren Mund geleert hatte wand sie sich wieder an ihren Bruder
"Sag mal... glaubst du ich krieg das irgendwann in den Griff?? Und... was glaubst du warum das bei mir so ist. Aey, die meisten kriegen das hin... Der kleine Feuerjunge schafft das auch seine Pyromanie zu zügeln... warum schaff ich das mit meiner Pipifax Telekinese nicht???"
Erneut seufzte sie und schob sich die Pizza in den Mund, kaute und schob einen Teil in die Wange, um weiter reden zu können
"Oder du... Du kannst deine Kräfte auch kontrollieren. Fleur kann ihr Bio-Pflanzenwachsgedöns auch dann machen, wann sie es will. ALLE können das, nur ich nich... das nervt! echt man!!"
Sie schluckte ein wenig und verschluckte sich anscheinend, denn kurz daraufhin musste sie husten. Ein Griff zum Glas, ein Schluck getrunken und schon war alles wieder gut. Aus ihren dunklen Augen sah sie zu Gray auf.

Gray biss ebenfalls von seiner Pizza ab und merkte erst jetzt wie hungrig er eigentlich war. Daher genoss er den ersten Bissen ausgiebig und schlang einen weiteren herunter bevor er sie nachdenklich ansah und nachdachte.
„Wenn du mich so direkt fragst, ich glaube nicht das es daran liegt das du es nicht kannst.“
Wieder kaute er ausgiebig und dachte über seine nächsten Worte gut nach.
„Mir scheint es eher so das etwas passiert ist ... früher vielleicht, das dich blockiert. Irgendein Erlebnis in der Kindheit, etwas das so einschneidend war. Doch ich müsste davon doch wissen oder nicht? Wir waren nicht länger als ein paar Stunden oder einen Tag getrennt, wir haben alles zusammen gemacht...“
Er verfiel in ernstes Grübeln wie es so oft passierte wenn er über dieses Thema nachdachte, zwar aß er nebenbei weiter aber sehr langsam.

Joe hob ihren Kopf und blickte ihren Bruder lange an, ehe sie erneut in ihr Pizzastück biss. Lange und genüsslich kaute sie, ließ den geschmolzenen Käse auf ihrer Zunge zergehen, ehe sie alles hinunterschluckte. Sie wollte gerade erneut hinein beißen, bis ihr einfiel, dass sie vielleicht erst sprechen und dann wieder reinbeißen sollte.

"Ja super. Und was soll so schlimmes passiert sein? Uhhh, unsre Eltern sind gestorben, tada.. War ich dabei oder was?" Sie klang fast schon ein wenig zynisch. Den Tod ihrer Eltern hatte sie nur schwer verdaut.
"Außerdem, wie du schon gesagt hast, waren wir ständig zusammen. Es sei denn ein Mungo aus der Akademie blockiert mich. Ich wüsste zwar nicht wer, aber was anderes kann ich mir nicht vorstellen..." sie schaute hoch und biss in ihre Pizza. Sie konnte sich schon den halb entsetzten Ausdruck im Gesicht ihres Bruders vorstellen, als sie ihren Verdacht äußerte
"Du brauchst auch gar nicht erst komisch gucken. Könnte doch sein. Nicht alles ist immer Friede, Freude, Eierkuchen. Auch nich in der Akademie. Aber mal abgesehen davon... Es müsste ja jemand sein, der mental und telekinetisch und überhaupt viel stärker sein als du... du würdest das doch merken, oder nich?" ihren Mund leerte sie wieder, ehe sie ihn erneut füllte. Gespannt auf seine Antwort sah sie ihn an und schob den Rest ihres Pizzastücks in die Fressluke, nahm sich währenddessen ein weiteres Stück. Stöhnend verdrehte sie ihre Augen und nuschelte ein: "Mahhh, ich dach jut...."

Er sah sie eine sehr, sehr lange Zeit an und sagte nichts, kaute dabei geistesabwesend langsam und schluckt das was sie sagt und er im Mund hatte zum Schluss symbolisch lautstark hinunter.
„Auf diesen Gedanken bin ich nie gekommen...“
Er schaut auf die Pizza vor sich und schob sie erst mal weg.
„... wenn es so jemanden bei uns gibt ...
... der so stark ist und so was kann ...
... wäre es kein Problem für ihn oder sie sich vor uns zu verstecken.
Es könnte ja auch jemand sein der schon eine Weile draußen ist. Aber ...“
Er verfiel wieder in schweigendes Nachdenken und sein Gesicht nahm den Ausdruck des Geschäftsmannes an, den er seit Jahren gab. Für sie sollte offensichtlich sein, dass er gerade äußerst besorgt war.

Joe sah auf die Pizza und schließlich wieder zu ihrem Bruder auf. Grübelnd blickte sie ihn aus ihren beinahe schwarzen Augen an. Das schwarze Haar umrahmte sacht ihr blasses Gesicht. Weiche Züge hatte sie, die Züge ihrer Mutter, das Kinn ihres Vaters. Spitz zulaufend und dennoch markant. Die Nase war geradlinig und stubsig am Ende. Ihre Augenbrauen waren schön geschwungen und schmal. Ihre glatte Stirn hatte sie nun mit Falten versehen, als sie jene runzelte.
"Na,ja... vielleicht ist es ja gar nicht so. Ich mein... es war ja nur so daher gesagt..."
Sie schob die Pizzaschachtel von sich und seufzte, ehe sie ihren Bruder wieder ansah
"Ich gehe duschen, okay? Vielleicht können wir uns ja dann noch einen Film ansehen..."

Kurz blinzelte er und schaute sie an als würde er eben erst wieder zu sich kommen, dann nickte er.
„Ja, na klar, mach das. Der Abend ist ja noch ...“
Dann schaute er auf seine Uhr
„... oh, gut der Abend ist nicht mehr jung, aber ein Film geht in jedem Fall noch.“
Nun konzentrierte er sich wieder auf die Reste seines Essens.
„Sag mal, willst du morgen vielleicht etwas unternehmen? Tut uns beiden vielleicht gut, wenn wir mal etwas raus kommen.“
"hm... können wir machen. An was hattest du gedacht, an einen Spaziergang?" langsam erhob sie sich und blickte dann auf ihren Bruder herunter. Ihre Miene war nicht wirklich zu deuten. Freute sie sich? War es ihr egal? Man konnte es einfach nicht sagen.
"Na, ja ist ja auch egal. denk dir einfach was aus... ich geh erst mal duschen."
langsam drehte sie sich um und ging auf die Tür zu ihrem Zimmer zu, öffnete es und verschwand darin, um sich ein paar Kleidungsstücke herauszuholen. Schnell huschte sie ins Badezimmer, schloss die Türe und kurz darauf war das Geräusch von Wasser zu hören. Wenig später sogar ihre Stimme. Joe sang unter der Dusche und das gar nicht mal so schlecht.

Zur gleichen Zeit in einem anderen Teil der Stadt. Etwas Uraltes schient zu erwachen und rüttelte an seinen Fesseln. Die Gegenstände im Zimmer fingen an und wackeln, die Fenster klirrten und das Wasser im Glas auf dem Tisch fing an zu sprudeln, so als würde es fast kochen. Mit einem Ruck schlug der Mann die Augen auf. Seine Haut ist von einer schweren, salzigen Schweißschicht überzogen. Was ist da gerade passiert, wo bin ich und vor allem WER bin ich? Diese Fragen schossen ihm als erstes durch den Kopf. Er hatte das Gefühl als würde er gerade aus einem Traum erwachen. Einem Traum unglaublicher Macht aber auch grenzenlosen Hasses. Zum Glück ist er noch rechtzeitig erwacht. Oder war das vielleicht gar kein Glück? Und mit diesem Gedanken kehrten seine Erinnerungen langsam wieder zurück.

„Verdammt. Ich war so nah dran.“

Schwer erschöpft fällte er den Entschluss noch eine Runde draußen spazieren zu gehen um sein aufgewühltes Inneres zu beruhigen.
Die kalte Abendluft tat ihm sehr gut, als er seine Schritte ohne einen bewussten Gedanken, durch die Straßen lenkte. Als er an einer dunklen Seitengasse vorbeigehen wollte, hörte er plötzlich Lärm. Eine junge Frau, die von 2 Kerlen bedrängt wurde bettelte, dass sie sie doch bitte gehen lassen würde, doch die beiden Raudis lachten nur dreckig. Kurz entschlossen entschied Jame Wolf, dem Mädchen zu Hilfe zu kommen. So oft hatte er davon geträumt ein Held zu sein und hier bot sich die Chance. Als das Mädchen auf ihn aufmerksam wurde benachrichtigte sie durch ihren Blick leider auch gleich die beiden Kerle mit. Während der eine weiter die Frau festhielt, kam der andere auf Wolf zu, der aber keine Anstalten machte zu fliehen. Stattdessen versuchte er die Situation durch Worte zu klären.
„Hört zu Leute. Noch ist nichts passiert. Lasst die Frau einfach in Ruhe und verschwindet.“
Der, der auf ihn zukam grinste nur höhnisch und meinte ...
„Verschwinde du lieber, bevor wir dir noch wehtun müssen.“
Als Wolf keine Anstalten machte, der Aufforderung nach zu kommen, ging der Kerl entschlossen auf ihn los. Von irgendwo her hatte er plötzlich ein Messer in der Hand und nach einem kurzen Kampf, stand Wolf mit dem Rücken an der Wand, das Messer an der Kehle und musste Hilflos mit ansehen wie der andere die Frau weiter traktierte. Während der sie schüttelte und beschimpfte, vermischten sich in Wolf seine Ängste, Selbstzweifel und Schamgefühle zu einem Brei von Emotionen, der drohte in zu ersticken. Auch wenn bisher noch nichts Schlimmes passiert ist, das Flehen der Frau wurde immer schlimmer und begann an der Substanz seiner Ängste zu nagen. Lange würde er die Situation nicht mehr ertragen können ...
In diesem Moment schlug die Frau ihrem Gegner die Fingernägel ins Gesicht und verletzte ihn damit leicht. Mit einem wütenden Knurren schlug der andere sie darauf hin nieder und hielt sich anschließend die Wange auf der deutlich sichtbar die Kratzer zu sehen waren.
„Pass auf, die kleine hat Krallen.“ lachte sein Partner und war für einen Moment unaufmerksam. Der Druck des Messers an der Kehle ließ etwas nach. Aber noch etwas anderes geschah in diesem Moment. Als Wolf sah, wie der Kerl die Frau ohne Erbarmen niederschlug und diese weinend in einer Ecke lag, war das zu viel für ihn. Du warst schon immer schwach. Träumst davon ein großer Held zu sein und schaffst es nicht einmal hier zu Helfen. Und noch etwas schoss ihm durch den Kopf. Warum habe ich Idiot nicht einfach die Polizei verständigt. Jetzt bin ich Schuld an dem Leid der Frau. Tränen liefen ihm übers Gesicht und er war kurz davor endgültig auf zugeben. Doch tief in ihm regte sich Widerstand. Wenn du nichts machst könntet ihr beide schwer verletzt werden, oder schlimmeres ... Und mit dieser Erkenntnis gefror der emotionale Morast in den er sich geflüchtet hatte und zerbrach in tausend Splitter. Was zurück blieb war grenzenloser Hass und der Wunsch zu verletzten. Der Typ war immer noch abgelenkt. Mit der rechten Hand packte Wolf den Waffenarm des Anderen und trat ihm gleichzeitig mit dem linken Bein mit voller Wucht gegen das rechte Knie. Der andere Schrie vor Schmerzen. Wolf drehte den Arm in einem Halbkreis von links nach rechts, streckte dabei den Ellbogen seines Gegners und sperrte das Handgelenk. Das Messer flog ihn hohem Bogen davon.

„So eine Scheiße. Lass meinen Freund sofort los dreckiger Abschaum.“ brüllte der andere während er drohend auf Wolf zuging. Dieser blickte sich kurz um und grinste nur böse. Bevor irgendeiner reagieren konnte sprang er etwa 20cm in die Höhe, hob seinen linken Arm und schlug den Handballen mit dem ganzen Schwung und aller Kraft von oben auf das Gelenk seines unglücklichen ersten Angreifers. Mit, in Wolfs Ohren durchaus befriedigendem Knacken, gab der Ellbogen nach. Sein Gegner viel Flach auf den Boden und wimmerte vor Schmerzen. Ein tritt in die kurzen Rippen und in die Niere und er übergab sich vor Schmerzen. Einer erledigt, einer übrig. Unterdessen war der andere herangekommen und versuchte einen Schwinger gegen Wolfs Kopf zu landen, der sich allerdings noch ducken konnte. Es entstand ein kurzer, aber heftiger Kampf, in dem beide Kontrahenten eine Menge austeilten aber auch einstecken mussten. Es schien, als wäre Wolf der unterlegende, aber jedes mal hielten ihn seine Gefühle auf den Beinen. Als der Kerl wieder einmal versuchte, Wolf einen Schwinger zu verpassen, konnte dieser dem anderen direkt von vorne gegen das Knie treten. Nicht besonders heftig, aber schlimm genug um anhaltende Schmerzen zu hinterlassen. Der andere versuchte den Tritt noch im letzten Moment zu blocken und riss die Hände nach unten. Dadurch war sein Kopf ungeschützt und Wolf setzte ihm eine schnelle Gerade mitten auf die Nase die unter dem Schlag nachgab. Blind vor Schmerz und Blut hielt sich der andere das Gesicht. Ein Tritt von hinten in die Kniekehle fällte ihn endgültig und nach 2 weiteren schweren Tritten in die Seite übergab auch er sich in die Gasse. Das Gesicht von Wut verzerrt und aus einigen Schrammen blutend, steht Wolf in der Gasse und begutachtet sein Werk. Sollte er den beiden den Rest geben? Als beide sich mühsam aufrappelten ließ er sie allerdings ziehen. Ihm waren die beiden eigentlich vollkommen egal. Sie waren keine Bedrohung mehr und ihn dürstete nach Kampf, Schmerz und Blut. Leise hörte er neben sich die Frau wimmern. Sie starrte ihn aus weit aufgerissenen Augen an. Offensichtlich sah er furchtbar aus. Und was noch viel schlimmer war, in seinen Augen war deutlich zu sehen, das er im Blutrausch gefangen war und kein Mitleid kannte. Drohend machte er einen Schritt auf die Frau zu ... dann noch einen. Sie versuchte sich weiter in die Ecke zu kauern. Da durchfuhr ein Schaudern Wolf. Was mache ich hier? Die Frau ist keine Gegnerin und sie ist mir vollkommen gleichgültig. Da draußen sind noch andere. Niemand wird sich je wieder über mich lustig machen. Heute Nacht werde ich es ihnen allen zeigen. Mit einem letzten angewiderten Blick drehte er sich in die Richtung des Eingangs der Gasse. Doch mit jedem Schritt in diese Richtung schien ein anderes Gefühl an seiner Seele zu nagen. War es Mitleid? Du kannst die Frau hier nicht so liegen lassen. Du musst ihr helfen. Es ist deine Pflicht. Mit jedem Schritt wurden diese Gedanken stärker, gewannen an Macht, bis schlussendlich Hass und Mitleid sich die Waage hielten und er wie versteinert mitten in der Gasse stehen blieb. Du musst ihr helfen. Nein, du bist unbesiegbar. Was kümmert dich die Alte? Du bist ein guter Mensch, du bist verpflichtet zu helfen. Du WILLST ihr doch helfen! Als er den inneren Streit nicht mehr aushielt legte er den Kopf in den Nacken, und hier, in einer Gasse in der noch der Schatten des Gebäudes des Carlyle Konzerns zu sehen war, brüllte er alle Selbstzweifel, allen Hass und alle Ängste heraus, bis nichts mehr übrig war außer einem blutenden und vollkommen erschöpften Jame Wolf.
 
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