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Wenn wir Liebe spüren

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12
30.10.2015
30.10.2015
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Hüter der Erinnerungen von Lois Lowrey ist ein, meiner Meinung nach, geniales Buch,
welches eine streng geregelte Gesellschaft beschreibt. Der Hauptcharakter Jonas wurde
erwählt der nächste Hüter der Erinnerungen zu sein. Als solcher muss er als einziger mit
den schrecklichen aber auch schönen Erinnerungen an Krieg, Liebe und Emotionen
klarkommen. Er beginnt die morgendliche Injektion auszulassen und möchte seiner besten
Freundin Fiona unbedingt zeigen was er wirklich fühlt. Mein OS setzt an wenn das
Buch endet: Jonas flieht mit seinem Bruder Gabriel aus der Gemeinschaft und über lässt
seine Erinnerungen den Menschen dort.

Hope you'll enjoy it!

Wenn wir Liebe spüren


“Ich möchte eine Verbindung mit dem Hüter der Erinnerungen herstellen! Sofort! “
“Wir haben kein Recht auf Einsicht in die Wohnstätte des Hüters, Chefälteste. Ihr werdet ihn
nur hören können.”, antwortet die mechanische Stimme. Ungeduldig wedele ich mit der
Hand: “Jaja los jetzt!”
“Natürlich, Chefälteste”
­Verbindung hergestellt­ , ploppt auf dem Bildschirm auf.
“Guten Tag Hüter. Ich entschuldige mich für mein eindringen”, ich versuche zu tun als wäre
es ein völlig belangloses Gespräch. So wie jedes Gespräch in der Gemeinschaft es
gewesen war. Bis jetzt.
“Ich nehme ihre Entschuldigung an, Chefälteste und vermute es geht darum, dass Jonas die
Grenze überquert hat?”
“Wir haben den Jungen an den Abgrund verloren und das mag sehr erschreckend für euch
sein, nichts desto trotz muss ich euch darauf hinweisen dass ihr wieder versagt habt!” “Sein
Name ist Jonas!” “Der Junge”, ich betone die Worte besonders,
“Hat ein schweres Verbrechen begangen! Ich erwarte euch zur Freigabe der Nummer 9918.”
“Das ist jemand aus Jonas Jahrgang”, bemerkt der Hüter. “Ich entschuldige mich nochmals
für mein Eindringen.” Ich drücke einen Knopf und die Verbindung bricht ab. Wut kocht in mir
hoch, so intensiv, wie ich sie lange nicht mehr gespürt habe. Im hinaus gehen drücke ich
meine Hand auf die Spritze an der Tür. Es ist meine vierte Injektion heute, und sie scheint
immer noch nicht auszureichen um die Kraft der Erinnerungen zu unterdrücken. Vor dem
Medizinischen Forschungszentrum hat sich meine verängstigte Gemeinschaft ein gefunden.
Ich gehe hinein, und es tut weh sie leiden zu sehen. Wieder erklingt die mechanische
Stimme aus den Lautsprechern: “Eure Injektionswerte sind zu hoch, Chefälteste. Dies kann
zu gereizter Haltung und plötzlichen Ausbrüchen von sogenannten Erregungen führen. Ihr
müsst euch einem Bluttest unterziehen.” Erneut wedele ich abwehrend mit der Hand, gehe
aber einfach weiter.
Der Hüter erwartet mich bereits. Er steht auf als ich reinkomme: “Guten Tag Hüter”, ich halte
ihm mein Handgelenk hin, “ Mädchen sagte vor seiner Freigabe, ihr würdet das so
handhaben. Nehmt sie weg.”
“So so”, der Hüter machte keine Anstalten mein Handgelenk zu nehmen, “das hat Rosemary
euch erzählt. Nun dann gab sie euch falsche Informationen. Ich bin der Geber, ich kann
keine Erinnerungen nehmen. Ich gebe sie, wie der Ausdruck schon sagt” “Was soll das heißen? Ihr könnt sie nicht wegnehmen?” “Was ist mit den Menschen dort draussen? Ich
hörte die Forscher hielten die Injektion schon bereit?” Er klingt so ruhig. Das macht mich so
wütend. Ich stolpere zurück, dass sind die Erregungen vor denen mich die Stimme gewarnt
hat, habe Angst vor mir selbst und den Gefühlen in meinem Kopf. Die schrecklichen Bilder
die ich verdrängt hatte, kommen in mir hoch. Ich laufe los, stolpere hinaus auf den Flur,
immer verfolgt von der Stimme: “Eure Injektionswerte sind verfälscht. Unterzieht euch einem
Bluttest.” Ein Blick durch die Glasfront des Gebäudes verrät mir, dass die
Gemeinschaftsbürger panisch über den Platz laufen. Es verstärkt die Erregungen nur noch
und ich laufe schneller, habe den angegebenen Raum für die Injektion fast erreicht doch
plötzlich stolpere ich, falle auf den Boden, und spüre zum ersten mal in meinem Leben
Schmerz. Es ist schrecklich: “Warum?”, stöhne ich, “Warum tut das so weh?” Ich höre
Schritte und fühle schon wieder eine Emotion, so stark, dass mein Gesicht kribbelt. Niemand
soll mich sehen. Nicht so! Ich bin die starke Chefälteste, der Kopf der Gemeinschaft. Jetzt
liege ich auf dem Boden, überwältigt von mir selbst. Und plötzlich ist da wieder die Wut. Die
Wut auf den Jungen. Er hat uns das eingebrockt! Und die Abscheu. Die Abscheu gegenüber
dem Hüter. Und plötzlich steht genau der vor mir. Ich erkenne es an dem sauber
gearbeiteten Hosensaum und an den hochwertigen Stoff Schuhen. “Ihr seid eine Närrin!
Über legt euch das mit der Injektion! Ich werde zu der Gemeinschaft sprechen. Es muss sich
etwas ändern.” “Nein!”, meine Stimme ist nur ein ängstliches Flüstern, “ Wenn Menschen frei
entscheiden dürfen, entscheiden sie falsch!”
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