When Fire and Ice collide

von Ravna
GeschichteDrama, Freundschaft / P18
29.10.2015
22.11.2015
5
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Hallo zusammen!
Klar, Vorworte und Author's notes sind immer ätzend, aber ich sollte hier wirklich ein paar erklärende Worte hinterlassen.
Die Story ist nicht neu; ich habe sie 2005 bereits schon einmal hier gepostet, sie aber aufgrund massiver beruflicher und privater Probleme nie beendet.
Ich wollte sie zu Ende schreiben, und als ich mich letztens daran machte, meinen Vorsatz in die Tat umzusetzen... musste ich feststellen, dass ich vieles heute ganz anders schreiben würde und ich einige Aspekte der Ursprungsgeschichte so nicht mehr mag.
Kurz und gut: „Fire and Ice“ wird komplett überarbeitet. Die neue Fassung könnte also auch für Leser der alten Version interessant sein ;)
Jetzt höre ich aber wirklich auf zu schwafeln und wünsche viel Spaß mit „When Fire and Ice Collide“.
- die Krähe



Disclaimer: Harry Potter, seine Welt und die Charaktere darin gehören JKR.  Die an den Kapitelanfängen zitierten Auschnitte aus Gedichten oder Songtexten gehören den jeweiligen Inhabern der Urheberrechte. Ich erziele keinen finanziellen Profit mit diesem Machwerk; mir gehören lediglich meine Originalcharaktere.


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Prolog: Stimmen im Wind


OTTERY ST. CATCHPOLE, GROSSBRITANNIEN

Harry Potter schlief, doch es war keineswegs eine Erholung. Immer wieder verfolgte ihn dieser Traum, ließ ihn nicht zur Ruhe kommen und zeigte ihm beunruhigende Bilder.
Voldemort, Cedric Diggory, Wurmschwanz, die Geister seiner Eltern, Viktor Krum, Dementoren und Todesser tanzten in einem rasenden, gespenstischen Strudel um ihn herum... Der schwarze Schlund drohte ihn zu verschlingen, und tief in ihm glühte in krankhaftem Grün das Dunkle Mal.
„Expecto Patronum!“
Doch nichts geschah. Wieder schwang er seinen Zauberstab - und musste entsetzt feststellen, dass er statt dessen eine Stange von Filibusters nass zündendem Feuerwerk in der Hand hielt.
„Man sagt, die Elementarmagier stammen von einer Unsterblichen ab, die sich in einen keltischen Fürsten verliebte... Doch genau wie diese Liebenden sind sie zum Untergang verurteilt.“ Die Stimme der Frau war rau und kehlig, als wäre mit ihren Stimmbändern etwas nicht in Ordnung. Ihr blasses Gesicht wurde vom dem dunklen Nebel verschleiert, der Harry und sie umgab; ihre Augen leuchteten im Glimmen von Voldemorts Hoheitszeichen. „Kompletter Blödsinn, wenn du mich fragst. Ammenmärchen, um etwas zu erklären, das man von vorneherein nicht verstanden hat. Humbug.“
Nachlässig wischte sie einen sich nähernden Dementor beiseite, der zerstob und sich mit dem Dunst vereinte, obgleich sie keinerlei Anstalten gemacht hatte, einen Zauber zu wirken. Traumlogik, beschloss Harry.
„Wer bist du?“
Die Frau legte den Kopf schief und betrachtete ihn wie ein besonders interessantes Insekt, das es gewagt hatte, sich in ihren Salat zu verirren. „Ich bin die Dreizehnte.“ Für einen Moment verdunkelten sich die fiebrig leuchtenden Augen. „Ich bin die Letzte.“
Der Strudel verschlang ihn, und Harry wachte schreiend auf.

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ANKOÙ, DÉPARTEMENT FINISTÈRE, BRETAGNE (FRANKREICH)

„Die Letzte...“ Sie stand auf der Klippe und lauschte den Stimmen im Wind, die ihr von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erzählten. Das Meer raunte ihr zärtliche Worte zu, und die salzige Brise streichelte ihr Gesicht. Es ist so weit.
Seit mehr als zehn Jahren hatte sie gewusst, dass dieser Moment kommen würde. Im Stillen hatte sie immer gehofft, dieser Kelch möge an ihr vorübergehen, doch natürlich war ihr dieses Glück nicht beschieden gewesen. Nun war es also so weit. Alles würde sich ändern.
Abwesend kraulte sie den Kopf des großen, grauen Wolfs, der neben ihr stand und sich an ihr Knie schmiegte.
„Du hattest recht, Skeud(1). Man kann seinem Schicksal nicht entkommen.“
Er wuffte leise.
„Kein Grund, sentimental zu werden, Pelzknäuel. Ich wusste von Anfang an, was auf mich zukommt. Niemand hat je behauptet, dass das Leben fair ist. Vor allem nicht für jemanden wie mich.“
Auf Dauer machte es keinen Sinn, sich gegen seine Bestimmung zu stellen - das hatte sie selbst auf die „harte Tour“ lernen müssen.
„Ich hatte eigentlich gedacht, meine Aufgabe sei etwas ruhmreicher, als auf einen Zauberlehrling aufzupassen, der mehr Glück als Verstand hat.“
Skeud, der Wolf, schien zu grinsen.
„Schon gut. Lass' uns gehen.“
Sie warf einen Blick auf das kleine, von Efeu und Kletterrosen überwucherte Haus, das sich an den Felsen festklammerte. Was hätte sie nicht dafür gegeben, nur eine friedliche Woche hier verbringen zu können! Es war ihr Zuhause, und doch waren ihr immer nur kurze Ruhepausen hier vergönnt. Nach Morwenna Colberts Tod war ihr Territorium an die benachbarte Hexe – Morgaines Großmutter – gefallen, die es wiederum an ihre Enkelin weitergegeben hatte. Auch, wenn die wenigsten Muggel heutzutage noch an Magie glaubten, war es doch nicht ganz einfach, ein so großes Gebiet zu betreuen. Nicht zuletzt war da noch ihr Beruf, der zugleich ihre Berufung und doch eine schwere Last für sie war. Nein, sie hatte definitiv nicht die Muße, auf der aus Treibholz gezimmerten Bank vor dem Haus zu sitzen und träumend auf die Wellen tief unter ihr zu schauen.
Langsam ging sie durch den wild wuchernden Kräutergarten zur Tür ihres Hauses und prüfte ein letztes Mal den Zauber, den sie auf das Schloss gelegt hatte.
„Bombensicher“, murmelte sie zufrieden.
Der Bürgermeister des zu Fuß etwa eine Viertelstunde (mit dem alten Fahrrad, das im Schuppen geparkt war, ging es ein wenig schneller) entfernten Örtchens Ankoù war bereits darüber informiert, dass sie für eine längere Zeit abwesend sein würde. Bereits im letzten Monat hatte sie die Schutzzauber auf den Fischerbooten erneuert und andere nötige Vorarbeiten geleistet. Im Gegenzug dafür würden die Menschen des Dorfs hier nach dem Rechten sehen und sich um die Tiere – einige Hühner, zwei Kühe und drei zottige Schafe – kümmern.
Sachte legte sie eine Hand auf das raue, von Seewind und Zeit gebleichte Holz des Türrahmens und schloss die Augen. An diesem Ort lebten so viele Erinnerungen...

Sie hatte die Schule gerade beendet und sich endgültig von ihrem für sie inakzeptablen Vater losgesagt. Ihrem Onkel wollte sie auch nicht länger zur Last fallen; immerhin hatte er mit seiner Lehrtätigkeit in Hogwarts mehr als genug zu tun und mit Sicherheit andere Probleme, als sich um seine sechzehnjährige Nichte zu kümmern. Nein, Severus hatte bereits zu viel für sie getan und schließlich, wenn auch nur unter scharfem Protest, zugestimmt, Morgaine auf eigenen Füßen stehen zu lassen. Das bedeutete allerdings nicht, dass nicht in regelmäßigen Abständen eine Eule mit besorgten Briefen eintraf.
Ein Herbststurm pfiff um die Mauern der Hexenhütte, in der sie von nun an leben würde, und peitschte die Wellen gegen die Klippe. Sie saß, zusammen mit Skeud in eine von ihrer Großmutter genähte Patchworkdecke gewickelt, vor dem Kamin und starrte ins Feuer. Die Verzweiflung und die Einsamkeit trieben sie beinahe in den Wahnsinn, und nicht einmal ihr Schutzgeist konnte sie aufheitern. Ja, sie hatte diese Entscheidung selbst getroffen, um ihrem Onkel nicht im Weg zu stehen, und außer ihrem Vater gab es sonst ohnehin niemanden, zu dem sie hätte gehen können. Doch es war gerade nach ihrer von Wärme und Kameradschaft bestimmten Schulzeit so schwer und schmerzhaft, ausgerechnet hier allein zu sein.
Skeud fiepte leise und leckte ihr die Wange, als plötzlich jemand an ihre Tür klopfte. Zunächst hielt sie es für einen nicht geschlossenen Fensterladen, der gegen die Wand schlug, doch als sich das Klopfen - nun etwas eindringlicher - wiederholte, überwand sie ihre Lethargie, erhob sich und öffnete.
Eher verwundert als erschrocken sah sie in das verwüstete Gesicht des Mannes, der da inmitten des Sturms vor ihrer Tür stand. Er strich sich die lange, grauweiße Mähne aus der Stirn und fragte mit tiefer, warmer Stimme: „Morgaine LaMort?“
„Ja.“
„Ich bin Alastor Moody. Auror des britischen Zaubereiministeriums.“
Sie starrte ihn nur völlig perplex an. Es ging nichts Bedrohliches von ihm aus, ganz im Gegenteil: sie spürte instinktiv, dass sie diesem Mann vertrauen konnte. Wortlos trat sie zur Seite, um ihn in die Hütte zu lassen, während sie den verkrampften Griff um ihren Zauberstab langsam ein wenig lockerte.
Erst als ihr Besucher an ihr vorbei hinkte, bemerkte sie sein Holzbein. Offenbar war der Beruf des Auroren nicht ganz ungefährlich.
Zögernd folgte sie ihm in das kleine, behagliche Wohnzimmer, wo er sich gerade in dem Ohrensessel ihrer Großmutter niederließ. Nachdem er einen kräftigen Schluck aus seinem mitgebrachten Flachmann genommen hatte, musterte er sie prüfend. Schließlich hielt er ihr die Flasche hin. „Bist zwar’n bisschen jung, um zu trinken, aber...“
Sie nippte vorsichtig- und begann zu husten. Die Flasche enthielt Schnaps, und zwar teuflisch starken.
„Na, na“, brummte Moody belustigt.
„Was wollen Sie von mir?“, erkundigte das Mädchen sich barsch; sie mochte es nicht, ausgelacht zu werden. Und sympathisch hin oder her - er hatte bestimmt nicht den weiten Weg bis zu ihrem Dorf am Ende der Welt zurückgelegt, nur um ihr dieses Höllengebräu anzubieten. Außerdem hielt sie nichts von Umschweifen oder dem umständlichen Austausch von Höflichkeiten vor einer unangenehmen Wahrheit. „Hat das Ministerium Sie auf mich angesetzt? Werden Sie mich nach Askaban bringen, weil ich eine LaMort bin?“
In ihrer Stimme schwang mehr Bitterkeit mit, als sie wollte, aber die Gefühle, die sie so lange tief in sich vergraben hatte, ließen sich nun nicht mehr länger unterdrücken. Moody betrachtete sie aufmerksam sowohl mit seinem gesunden als auch mit dem magischen Auge. „Gibt es denn einen Grund, aus dem ich hinter dir her sein sollte?“
„Ich bin eine Elementarhexe. Und das Ministerium hat meine Familie schon immer gehasst.“
Er nickte langsam. „Kann schon sein. Aber ich bin nicht hier, weil sie mich auf dich ‚angesetzt’ haben. Du solltest wissen, dass ich im Gegensatz zu den meisten dieser Schreibtischtäter keine Vorurteile gegen Elementarmagier habe. Ganz im Gegenteil: deine Großmutter und ich waren gute Freunde.“
„Das heißt?“, erkundigte Morgaine sich ungerührt.
Ein anerkennendes Lächeln verzog seinen ohnehin schon schiefen Mund. „Du lässt dich nicht so leicht einwickeln, was?“
Sie zog langsam eine Augenbraue hoch und wartete schweigend.
„Na schön. Was hältst du davon, Aurorin zu werden?“
„Wie bitte?“ Damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Erlaubte er sich einen Scherz mit ihr?
„Ich habe gehört, dass du deine Lehrer auf Avalon mächtig beeindruckt haben sollst. Sie sagen, du wärst gut. Und das Blut der LaMorts prädestiniert dich nahezu für diese Aufgabe.“
„Haben Sie nicht gerade noch behauptet, Sie hätten keine Vorurteile?“
Moody lachte leise. „Hat Araminthe dir denn nie gesagt, dass es die Aufgabe der LaMorts ist, die Unschuldigen zu schützen?“
„Doch. Oft genug.“
„Eine bessere Möglichkeit dazu wirst du wahrscheinlich nicht bekommen. Außerdem...“ Er zögerte und warf ihr wieder einen seiner Röntgenblicke zu. „Außerdem wärst du dann nicht allein. Und dein Leben hätte einen Sinn.“
Morgaine fühlte sich, als habe Moody ihr gerade in den Magen geboxt. Woher wusste er, was sie gerade noch gedacht hatte? Mit einem Mal kam alles wieder hoch: Angst, Einsamkeit und hilflose Wut.
„Mein Leben hat einen Sinn“, gab sie, schärfer als beabsichtigt, zurück. „Ich bin die Hexe von Finistère. Ich habe ein Territorium, über das ich zu wachen habe.“
„Mhmh.“ Der englische Auror starrte sie weiterhin durchdringend an. „Und wird es dir genug sein, dein Leben lang nur 'die Hexe von Finistère' zu sein? Versteh' mich nicht falsch, es ist eine äußerst ehrenhafte Aufgabe... aber wirst du wirklich damit zufrieden sein, Kräuter zu sammeln, Liebestränke zu brauen, krankes Vieh zu heilen und Fischkutter zu segnen? Willst du jahrzehntelang diese Dinge tun und dich hier vor dem verstecken, was dort draußen wartet? Erzähl' mir nicht, dass du nicht wütend über das Unrecht bist, das dir widerfahren ist. Du hast die Möglichkeit, zu verhindern, dass anderen ähnliches geschieht. Und vielleicht wird es dir helfen, eines Tages zur Ruhe zu kommen...“
„Hören Sie auf!“ In ihren Augen brannten Tränen, aber sie wollte nicht weinen. Nicht vor diesem Mann. Vor niemanden. Auch nicht, wenn sie allein war. Sie hatte sich geschworen, nie wieder zu weinen...
Hastig wandte sie sich ab, doch Moody hatte sich bereits erhoben und humpelte zu ihr hinüber. Sanft, aber bestimmt legte er zwei Finger unter ihr Kinn und zwang sie, den Kopf zu heben und ihn anzusehen. „Es ist keine Schande, zu trauern, Morgaine“, sagte er leise. „Es ist nur eine Schande, das Unrecht schweigend hinzunehmen, wenn man die Ursachen bekämpfen kann.“
Ihr Hals war wie zugeschnürt, daher nickte sie nur stumm; Moody umarmte sie, ohne noch etwas zu sagen. Sie vergrub das Gesicht in dem rauen Stoff seines Reiseumhangs und ließ ihren Tränen zum ersten Mal seit fast neun Jahren freien Lauf.

Abrupt fand sie in die Realität zurück, als der Wolf sie sanft ins Knie biss.
„Ja, wir gehen jetzt wirklich. Kein Grund, zu drängeln. Mr. Potter wird auch noch einige Tage ohne uns auskommen.“


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(1)Skeud – bretonisch für „Schatten“


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