Am Kletterfelsen

KurzgeschichteAbenteuer, Romanze / P12
Till Brummer / Kummer
25.10.2015
25.10.2015
1
1920
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Titel: Am Kletterfelsen
Rating: P12
Disclaimer: Die Figuren der Band Kraftklub gehören nicht mir, die restlichen Figuren sind frei erfunden. Ich verdiene kein Geld hiermit!

Inhalt:
Till ist mit seinem Kumpel Simon zum Klettern verabredet. Dabei ergibt sich eine unerwartete Begegnung.

A/N
Mir schwirrte da eine kleine Idee im Kopf rum, die ich euch kurzerhand verschriftlicht habe. Ich hoffe, sie versüßt euch das Wochenende :)

_______________________________________________________________________


Till und sein Kumpel Simon hatten es endlich mal wieder geschafft, sich gemeinsam ein verlängertes Wochenende freizuschaufeln. Sie kannten sich vom Klettern und betrieben den Sport jetzt schon jahrelang gemeinsam. Meistens in der heimischen Halle in Chemnitz – aus Zeitgründen. Aber beide waren eigentlich lieber draußen in der freien Natur, an richtigen Felsen und nicht an künstlichen Kletterwänden. Deshalb hatten sie es sich zur Regel gemacht, mindestens zwei Mal im Jahr gemeinsam für ein langes Wochenende raus zu fahren und ihrem gemeinsamen Hobby nachzugehen. Und endlich war es wieder soweit. Jetzt Anfang Oktober war die beste Zeit zum Klettern – es war nicht zu heiß und auch nicht zu kalt, es wurde noch nicht allzu früh dunkel und im Herbst war die Natur hier ohnehin am schönsten.

Till hatte sich schon wochenlang gefreut: endlich mal wieder draußen sein, den Kopf freikriegen, sich richtig auspowern. Die Gesellschaft von Simon war auch nicht zu verachten. Zwar hatten sie sich beim Klettern kennengelernt und ihre Beziehung beruhte in vielerlei Hinsicht nicht gerade auf Gesprächen, sondern mehr auf dem gemeinsamen Hobby. Und doch würde er Simon mittlerweile zu einem seiner besten Freunde zählen. Die Kletterwochenenden mit ihm versprachen immer eine Menge Spaß.

Diesmal war die Wahl (mal wieder) auf Tills Lieblingsgebiet in der sächsischen Schweiz, das Klettergebiet „Brand“, gefallen. Hier waren die meisten Aufstiege recht schwierig, aber Till liebte die Herausforderung. Außerdem kletterten Simon und er ja beide schon seit Jahren und waren durchaus zu den erfahreneren Sportlern zu zählen. Gerade hatten sie im Hotel eingecheckt – hier im Hotel „Zur Aussicht“ in Hohnstein kannte man sie bereits, da sie seit geraumer Zeit mindestens einmal im Jahr zum Klettern vorbeikamen und immer hier wohnten.

Die ältere Dame an der Rezeption hatte sie freudestrahlend empfangen und ihnen gleich die Schlüssel zu „ihrer“ Suite in die Hand gedrückt. Sie hatten schon diverse Zimmer im Hotel bewohnt, aber mit der Zeit hatte sich eine der Suiten als ihr liebstes Zimmer herauskristallisiert. Auf der Hotel-Homepage wurde diese Suite nicht explizit genannt, man musste sie also schon einmal bewohnt haben, um gezielt danach fragen zu können. Im Gegensatz zu den anderen Suiten hatte diese kein Doppelzimmer und einen angrenzenden Wohnraum, sondern zwei Einzelzimmer mit einem gemeinsamen Wohnraum in der Mitte. So hatten sie nachts ihre Ruhe und konnten tagsüber oder abends trotzdem gemeinsam im Wohnraum Unsinn machen. Das nahmen sie auch meistens zur Genüge in Anspruch. Die Kletterwochenenden mit Simon waren irgendwas zwischen Klassenfahrt und WG-Feeling.

Jetzt saßen sie bereits gemeinsam im Restaurant, verspeisten das rustikale Abendessen und diskutierten die Tour für den nächsten Tag. Schnell hatten sie sich entschieden, erst einmal mit der “Brandscheibe“ loszulegen, einem der nächsten und auch schönsten Klettergipfel in der Nähe. Als sie gerade aufstanden, um noch einen Film im Hotelzimmer anzusehen, kam eine Dreiergruppe Mädchen herein, sie mochten ungefähr im gleichen Alter sein wie Till und Simon. Sie scherzten und lachten, während sie langsam in Richtung eines Tisches wanderten. Sie schienen die beiden Jungs gar nicht zu bemerken, Till hingegen musterte die drei aufmerksam. Zwei von ihnen waren blond, eine mit kurzen, eine mit langen Haaren. Die dritte hatte dunkelbraune schulterlange Haare. Alle drei hatten Rucksäcke dabei, an einem hingen Kletterschuhe. Da schienen sie wohl Konkurrenz bekommen zu haben in ihrem liebsten Kletterhotel, dachte Till sich im Vorbeigehen, bevor er hinter Simon die Treppe hoch zu ihrem Zimmer verschwand.

Einige Stunden später lag Till schließlich in seinem Hotelbett – morgen war früh Aufstehen angesagt. Das Bett stand in der Nähe der Wand, an die das nächste Zimmer angrenzte und von dort konnte er Stimmen hören. Weibliche Stimmen, es schienen drei zu sein. Das mussten ja eigentlich die drei Mädchen von eben sein, was für ein Zufall. Viel verstehen konnte er nicht durch die Wand, auch wenn sie ziemlich laut redeten und außerdem ziemlich viel. Zwischendurch vernahm er immer mal wieder ein Kreischen oder Jauchzen und wurde zunehmend ärgerlich. Er war ja sonst nicht fürs früh Zubettgehen, aber beim Klettern war es anders. Dafür brauchte er Konzentration, besonders bei den schwierigen Felsrouten in der Gegend. Und wenn die Mädchen auch klettern wollten, müssten sie das eigentlich wissen…

Till hörte sich das Gekreische noch weitere 10 Minuten an, dann nahm er einen seiner Schuhe, der neben dem Bett stand, und warf ihn mit aller Kraft gegen die Wand zum Zimmer der Mädchen. Schlagartige Stille folgte. Till wartete ungefähr eine Minute, nichts passierte. Er traute der Ruhe trotzdem nicht so ganz und schleuderte den anderen Schuh mit voller Wucht hinterher. Dann ließ er sich zufrieden in die Laken sinken und schlief fast sofort ein.

+++


Am nächsten Morgen waren Till und Simon die ersten beim Frühstück und brachen danach gleich auf in Richtung Felswand. Das Wetter spielte mit, es versprach wunderbar sonnig und gar nicht kalt zu werden. Also wanderten sie gut gelaunt in den Sonnenaufgang hinein zum Kletterfelsen.

Der Tag war phantastisch. Till war schon diverse Felswände hinaufgeklettert, mal im Wettkampf um die Zeit mit Simon, mal besonders auf die Technik bedacht, mal mit Zusatzherausforderungen, die sie sich spontan ausdachten. Gerade hatten sie auf einem Gipfel sitzend das Lunchpaket vom Hotel verschlungen und eine Pause in der Sonne mit perfekter Aussicht gemacht, jetzt ging es weiter.

Till hing im Felsen, gesichert von Simon, und beeilte sich ausnahmsweise mal nicht. Normalerweise war er sehr ehrgeizig beim Klettern und verschwendete keine Zeit, um bis zum Gipfel zu kommen. Jetzt aber, nachdem er schon einiges geschafft hatte heute und sich noch gar nicht richtig die Zeit genommen hatte, sich darüber zu freuen hier zu sein – in der freien Natur, an einer echten Felswand, bei tollem Wetter – kletterte er gemächlich die Wand hoch, sah sich immer wieder um, beobachtete Tiere in der Nähe oder genoss die Aussicht.

„Ganz schön langsam für jemanden, der eigentlich ganz sportlich aussieht“ riss ihn eine weibliche Stimme von links aus seinen Gedanken. „Sag das nochmal“ konterte Till, sofort in Wettkampfstimmung, während er sich zu der Stimme umdrehte. Das letzte Wort blieb ihm schon beinahe im Halse stecken, denn wie sich herausstellte, gehörte die Stimme zu der Brünetten aus dem Restaurant. „Oh, na sieh mal einer an. Da hat aber jemand ne ganz schön große Klappe dafür, dass sie gestern offenbar lieber feiern wollte als sich für eine Klettertour auszuruhen.“ gab er dann leicht giftig zurück. Das Mädchen runzelte die Stirn. „Woher willst du das wissen?“ fragte sie misstrauisch. „Ich bin der Typ, den ihr mit eurem Gekicher im Hotelzimmer zu Tode genervt habt.“ setzte er den nächsten Hieb nach. Das Mädchen grinste. „Oh Mann, dann warst du sicher auch der Vollidiot, der irgendwas gegen die Wand geworfen hat, um uns zum Schweigen zu bringen?“ Ihr Grinsen steckte an, Tills Mundwinkel zogen sich jetzt ebenfalls zu einem noch etwas schiefen Grinsen nach oben. „Hat doch funktioniert, oder?“ „Ja, aber auch nur, weil du uns zu Tode erschreckt hast. Zwei Mal!“ gab sie lachend zu. „Was zur Hölle war das, was du da an die Wand geworfen hast?“ „Meine Schuhe“ grinste Till. „Aber zurück zum Wesentlichen. Ich hab gehört, du willst einen Wettkampf? Wer zuerst oben ist?“ forderte Till sie jetzt mit einem Funkeln in den Augen heraus.

„Klar, warum nicht.“ erwiderte das Mädchen. „Bei deinem derzeitigen Tempo kann ich ja bloß gewinnen.“ „Darauf würde ich mich mal nicht verlassen.“ gab Till siegessicher zurück. „Was ist der Wetteinsatz?“ fragte er gleich hinterher. „Hmm, gute Frage.“ Sie wirkte einen Moment lang abwesend, dann grinste sie breit. „Also wenn ich gewinne, krieg ich deine Schuhe. Dann hast du heute Nacht wenigstens nichts mehr zum Werfen. Hast du noch ein zweites Paar dabei?“ „Nein.“ „Prima, dann wäre das ja schon mal geklärt.“ amüsiert blickte sie Till an. „Alles klar. Und wenn ich gewinne, gehst du heute Abend mit mir essen. Das Restaurant such ich aus.“ forderte Till jetzt seinen Wetteinsatz und konnte kurz die Überraschung in ihren Augen ausmachen. Damit hatte sie offenbar nicht gerechnet. Till hatte das eigentlich auch nicht geplant, schließlich fand er sie gestern Abend noch ziemlich ätzend. Aber so bei Tageslicht und an einer Kletterwand fand er sie doch ganz süß und er wusste schon das perfekte Restaurant für dieses Date. Im Ort gab es noch ein anderes Hotel, dessen Restaurant ein toller Geheimtipp war. Während Till in Gedanken schon bei dem phantastischen Sauerbraten aus diesem Restaurant war, verschwand der Anflug von Überraschung aus ihren Augen und sie fasste sich wieder. „Okay, Deal.“ sagte sie und hielt ihm die Hand hin. Er schlug ein, blickte nach unten und gab Simon per Handzeichen zu verstehen, dass die Sache jetzt schnell gehen würde.

Till strich sich die Haare aus den Augen. „Alles klar, auf drei geht’s los, okay?“ fragte er und erntete ein Nicken von links. Sie blickte schon konzentriert auf die noch etwa 15 Meter Felswand, die sie vom Gipfel trennten. Till zählte „Eins…zwei…DREI!“ und startete gemeinsam mit dem Mädchen den Weg nach oben.

Verbissen kämpfte er sich von Griff zu Griff, zog sich hoch, fand keinen richtigen Halt mit dem rechten Fuß und suchte einen besseren Felsvorsprung. Er kam gut voran, aber auch ganz schön ins Schwitzen. Aber er würde ja wohl nicht gegen ein Mädchen verlieren! Er gab alles, da waren nur noch er und die Felswand, keine Zeit, um nach links zu schauen, wie sie sich schlug. Till atmete schwer und innerhalb von einer Minute schmerzten seine Finger höllisch von der plötzlichen extremen Beanspruchung, aber das war ihm alles egal. Jetzt ging es ums Gewinnen.

Er sah nach oben. Nur noch ein knapper Meter, dann hatte er es geschafft. Mit zwei letzten geübten Griffen zog er sich hoch und schließlich über die Kante der Felswand auf das Plateau darüber. Das Mädchen hing noch gut einen Meter unter ihm in der Felswand. Till grinste und ließ es sich nicht nehmen, sich kurz zu einer Siegerpose hinreißen zu lassen. Dann löste er den Sicherungshaken von seinem Klettergurt und machte sich auf den Weg nach unten zu Simon, über einen schmalen Pfad, der neben der Kletterwand nach unten führte. Im Weggehen drehte er sich noch einmal halb um und rief über die Schulter „Um Sieben dann. Ich hol dich ab! Oh, und mein Name ist übrigens Till.“ Er sah gerade noch, wie sie ihren Kopf jetzt über die Kante der Felswand reckte und ihn anlächelte. „Ich bin Katja.“

Grinsend kam er kurze Zeit später unten bei Simon an, der sich gerade selbst zum Klettern fertig machte, sodass Till ihn sichern konnte. Grinsend ging Till auf ihn zu. „Den Filmabend musst du heute wohl alleine machen – ich hab ein Date.“