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Dragonball Ultimate

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Sci-Fi / P18 / Gen
25.10.2015
05.05.2016
7
147.327
1
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25.10.2015 20.123
 
Dragonball Ultimate: Buch 1 - "Macht, die du nicht begreifen kannst"

Hundert Jahre nachdem Son-Goku mit Oob gen Süden geflogen war

spielten die Dragonballs vorerst keine Rolle in der Geschichte der Menschheit. Viele hielten sie für die Wurzel allen Übels, obwohl sie durch ihre Wünsche vieles wieder gutgemacht und sogar die Welt gerettet hatten. Doch die Menschen wollten es so, dass die Dragonballs an den gefährlichsten Orten der Welt verborgen werden sollten, wo seltsame, feindselige und von vielen noch unentdeckte Kreaturen hausten. Der Weltfrieden war für eine Weile wieder hergestellt und die Menschheit erfreute sich einer konfliktarmen Zeit.

Somit wurde auch die übermenschliche Kampfkunst in der Gesellschaft verpönt, als das Böse angesehen und später sogar von der Regierung verboten.

Die Menschen wussten nicht, dass langsam wieder böse Machenschaften in den Regierungen unbemerkt entstanden und sich ausbreiteten, welche die übermenschliche Kampfkunst unterdrücken wollten. Sie entwickelten neuartige, elektromagnetische Waffen, mit welchen sie die Energieladung eines übermenschlichen Kämpfers behindern und unterdrücken konnten. Nach einer langen Zeit der Anwendung und der Unterdrückung der Übermenschlichkeit, spielte jene kaum noch eine Rolle auf der Erde. Doch es gab noch eine Schule, welche ein tiefes Geheimnis verbarg.

Kapitelübersicht

Kapitel 1 Die Kakarott-Oberschule

1-1: Die Vergangenheit von Andreyi Wagnor
1-2: das 1. Training
1-3: In der ersten Woche
1-4: Der mysteriöse Keller
1-5: Wer sind Zlurks und Zlorks
1-6: Kampfunterricht bei Dralle und Stimaling
1-7: Ein „ungewöhnlicher“ Schultag

Kapitel 2 Mysteriöse Ferien und das Winterturnier

2-1 In den Weihnachtsferien
2-2 Das Winterturnier naht
2-3 Endrunde des Winterturniers
2-4 Erkenntnisse über Darou
2-5 Finale des Winterturniers

Kapitel 3 Die übermenschliche Kampfkunst

3-1 Wesemeiers Offenbarungen
3-2 Der geheime Kampftrainingskomplex
3-3 1. Training im Kellerkomplex
3-4 Die Gravitationskammer
3-5 Andis Privattraining
3-6 Ein neuer bedeutender Schüler

Kapitel 4: Die Demon-Sekte

4-1 Petrov´s Nachforschungen
4-2 Seltsame Ereignisse
4-3 Unliebsame Besucher
4-4 Zlurks Erwachen
4-5 Verstärkung naht

Kapitel 5: Das Sommerturnier

5-1 Das Sommerturnier beginnt
5-2 Das „indizierte Turnier“ (geheimer als geheim)
5-3 Dereks Training und sein neuer Meister
5-4 Die Viertelfinals des Sommerturniers
5-5 Das Halbfinale
5-6 Das Finale

Kapitel 6: Die Saga des indizierten Turniers

6-1 Der neue Derek
6-2 Dereks erster Kampf
6-3 Harte Zeiten
6-4 Neues Bündnis
6-5 Die beste Zeit Dereks Lebens
6-6 Laprax Offenbarungen
6-7 Derek vs „Die Dunkelheit“
Extrakapitel: Alle Kämpfe von Derek im indizierten Turnier
X-1 Derek vs  ?
X-2 Derek vs  ?
X-3 Derek vs  ?
X-4 Derek vs  ?
X-5 Derek vs  ?
6-8 Schicksalsschlag

Dramatis Personae

Bedeutende Schüler

Andreyi Wagnor: Anfangs ein gewöhnlicher Junge mit einem ungeheurem Potenzial an verborgener Kampfesenergie

Renéji Secktang: Neuer Klassenkamerad von Andreyi Wagnor, welcher ebenfalls ein sehr hohes verborgenes Kampfkraft-Potenzial aufweist.

Xirtam Lowman: Siehe Renéji Secktang
Derek Newman: Siehe Renéji Secktang

Patryk Darou(cynkowski): Gehässiger Kampfschüler vom Rektor Dralle, welcher es von Anfang an auf die Wesemeier-Schüler abgesehen hat. Alle nennen ihn Darou

Tommy Tamons: Ebenfalls Dralles Kampfschüler aus der 9.
Klasse. Hat schon viel Kampferfahrung, ist genauso gehässig und sehr stark
     
Reymond Wesemeier: Andis neuer Klassenlehrer und Kampfmeister.
Sieht und spürt schnell das Potenzial in Andi. Will ihn und andere Schüler für den Kampfunterricht gewinnen.

Ulejef Stimaling: Physiklehrer und Kampfmeister/-lehrer
Anfangs der Geschichte Dralles rechte Hand
Ebenfalls sehr stark, Physik-Genie

Alphonse Berner: Sport- und Kampflehrer einer anderen 7. Klasse

Jochen Hecker: Chemie und Kampflehrer, etwas schwächer, aber ein Chemie-Genie, Stimalings Konkurrent.

Heijner Grabbe: Arbeitslehre-, Physik- und Kampflehrer.

Jürgen Dralle: Rektor der Kakarott-Oberschule, ebenfalls starker Kampfmeister und –lehrer, wird bösen Machenschaften verdächtigt, hat zu wenigen Lehrern ein gutes Verhältnis

Weitere bedeutende Kämpfer: Aram Kedar     , Jang-Tsu Wrang     
Später hinzu kommende Kämpfer:Miko Chiclaas: Kommt im 2. Halbjahr nach Andreyis Eintreten auf die Kakarott-Oberschule, besitzt enormes Kampfkraft-Potenzial

Thanial Jackson Chiclaas: Bruder von Miko, Beschreibung siehe Miko

Godar Hetwick: Kommt später zum Kampfunterricht dazu, genau wie
Maltos Wachmann und Morten Anglaube     

Sonstige Personen:
Petrov: Andis bester Freund
     

Kapitel 1 – Die Kakarott-Oberschule

Kapitel 1-1 Die Vergangenheit des Andreyi Wagnor´s
                   und sein 1.Schultag

Der volle Mond ließ das Zimmer des neunjährigen Andreyi Wagnor im düsteren Schein erhellen und zeichnete durch die Äste der Bäume, welche sich vor Andis Haus befanden, unheimliche Muster an die helle Wand. Andi glaubte durch seine Fantasie, Kreaturen mit Höckern und Verkrüppelungen darin zu erkennen. Manchmal, wenn sich die Äste im Wind bewegten, schien es, als wären die Schatten herumwirbelnde Arme der Krüppel und vollführten ihre eigenen, unbekannten und unheimlichen Tänze. Andreyi lag in seinem Bett, löste sich einen Moment aus seiner Fantasiestarre und schaute für einen Moment auf ein Buch im Regal, welches einen weißen
Umschlag besaß. Es hieß „Der Weiße Krieger“ und Andreyi brannte förmlich darauf es zu lesen. Schon eine Weile hatte dieses Buch eine magische Anziehungskraft und jedes Mal, wenn Andreyi sein Zimmer betrat, wanderten seine Augen als allererstes darauf. Seltsamerweise gab es noch eine zweite Stimme in seinem Kopf, die ihn jedes Mal davon abriet es zu lesen. Er drehte seinen Kopf zum Fenster und sah den wunderschönen Mond und den Sternenhimmel und vergaß völlig seine unheimlichen Fantasien. Trotzdem er solch eine schöne Aussicht genießen konnte, war ihm unbehaglich zumute. Zwei Tränen kullerten über sein emotionsloses Gesicht welches zwei graublaue, leere und vor sich hin starrende Augen besaß. Er versuchte wieder einzuschlafen, erschrak dann aber durch lautes Gebrüll aus dem Erdgeschoss des Hauses. Für Andreyi war es schon Gewohnheit abends seine Eltern streiten zu hören. Sein Vater wurde sogar schon handgreiflich gegenüber seiner Mutter, doch diesen Abend eskalierte die Situation. Das Gebrüll im Erdgeschoss wurde lauter und Andreyi konnte genau vernehmen, was seine Eltern dort schrien. Er stülpte seinen Kopf unter sein Kissen und spürte nun dumpfe Geräusche mit leichten Vibrationen. Es war sein Vater, der die Treppen hoch polterte und wild um sich schrie.
„WO BIST DU, DU KLEINER WURM!? OHH, BIST DU SCHON IM BETTCHEN“, rief er spöttisch.
„Lass den kleinen endlich in Ruhe“, rief Andreyis Mutter die seinem Vater folgte. »KLATSCH«, machte es laut. Dies was Andreyi gerade hörte war eindeutig eine Ohrfeige und daraufhin polterte jemand die Treppen hinunter. Andi schreckte in seinem Bett hoch und in ihm stauten sich die Gefühle Wut, Angst und Hass auf. Er wusste dass sein Vater seine Mutter gerade von der Treppe geschmissen hatte.
„DAS HAST DU VERDIENT DU SCHLAMPE“, rief sein Vater und das war für ihn die Bestätigung. Sein Herz fing heftig an zu pochen. Er musste handeln. Sofort rannte er zu einem Schrank worin sich ein Baseballschläger befand. Kaum hatte er diesen griffbereit trat sein Vater die Kinderzimmertür auf. Sie wurde mit einem lauten Krachen gegen den Kleiderschrank geschleudert. Für einen kurzen Moment hielt sein Vater vor dem Türrahmen inne und es war still.
Andreyi konnte sein eigenes Herz in der Brust hämmern hören und den Puls in den Stirnadern fühlen. Von der Seite sah er bis jetzt nur den gigantischen Schatten seines Vaters. Erst jetzt als sich dieser wieder vorwärts bewegte, holte er mit zitternden Händen zum Schlag aus.
„Verdammt, wo bist du Schabe“, fragte Andreyis Vater ins Zimmer hinein, als er bemerkte, dass Andreyi nicht in seinem Bett lag. Sobald er zwei Schritte in das Zimmer gelaufen war, schlug Andreyi aus dem dunklen des Zimmers zu und entwickelte dabei ungeahnte Kräfte.
»KRACK«, machte es laut, als er den rechten Unterschenkel seines Vaters traf.
„AAAAHHH“, schrie sein Vater, fiel zu Boden und krümmte sich vor Schmerz. Zuerst blieb Andreyi wie angewurzelt stehen und wunderte sich über die Wirkung des Schlages. Er ließ perplex den Baseballschläger fallen und hastete aus seinem Zimmer die Treppe herunter. Seine Mutter lag am Fuße der Treppe mit einer stark blutenden Platzwunde am Kopf.
„Mama sag doch was. Bitte stirb nicht“, sagte Andreyi zu ihr kniend und heulend.
„Mein Sohn…“, begann sie stotternd und fuhr fort.
„Hilf mir in die Küche zum Wasserhahn. Schaffst du es die Polizei zu holen?“
„Ja das werde ich. Ich will diesen Penner da oben loswerden“, rief Andreyi plärrend. Er half seiner Mutter auf, wankte mit ihr in die Küche und ließ sie am Geschirrspüler nieder.
„Warum hat der eigentlich so wie am Spieß geschrien“, wollte Andreyis Mutter wissen.
„Ich hab ihm eine verpasst mit dem Baseballschläger“, antwortete er.
„Du musst ja gut getroffen haben.“ Andreyi äußerte sich dazu nicht.
Er befeuchtete einen Lappen mit warmem Wasser und gab ihn seiner Mutter.
„Danke mein Sohn. Kümmere dich bitte um die Polizei. Sag ihnen, sie sollen gleich einen Krankenwagen schicken“, keuchte sie erschöpft.
Daraufhin schilderte Andreyi weinend am Telefon der Polizei den Fall und kehrte in die Küche zurück.
„Die Polizei kommt gleich. Nehmen die Papa mit?“
„Auf jeden Fall. Hier lass ich den nicht bleiben.“
Plötzlich nahm Andreyis Mutter verschwommen im dunklen Flur hinter dem Küchentürrahmen eine Gestalt wahr. Sie erkannte nur wenig von ihr, weil Andreyi vor ihr stand und die Gestalt fast vollständig verdeckte.
„Mama, was ist los“, fragte Andreyi, der ihren starrenden und ängstlichen Blick bemerkte. Die Gestalt trat nun ins Küchenlicht.
In dem Moment wo Andreyis Mutter zu schreien begann drehte sich Andreyi um und traf mit seinem Blick sofort den der Gestalt. Es war sein Vater – nur mit monströsen rot leuchtenden Augen. Dieser hielt gerade hoch über Andreyis Kopf den Baseballschläger um diesen zu zermalmen und Andreyi war nur hypnotisiert von den Augen und dem Gesicht seines Vaters. Das Gesicht hatte wohl die böseste Ausstrahlung welche Andreyi jemals wahrnahm. Die Muskulatur des Gesichts war so verkrampft und verformt, dass es nur noch unendlichen Hass ausstrahlte und zusätzlich wirkte es noch schlimmer durch das übertriebene Zähnefletschen. Andi spürte in dem Moment des Schreckens eine Übelkeit und war für einen kurzen Moment wie paralysiert. Was nun passierte nahm Andreyis Mutter nur als ein Sekundenbruchteil war. In dem Moment als Andreyis Vater zuschlagen wollte, verpasste Andreyi ihm mit einer halben Drehung einen, für einen Jungen in seinem Alter, ungewöhnlich heftigen und schnellen Tritt gegen den Brustkorb. Sein Vater flog mit voller Wucht durch den Küchentürrahmen gegen einen Wandspiegel im Flur. Es klirrte laut, die Scherben flogen in alle Richtungen und sein Vater rutschte bewusstlos an der Wand zu Boden. Er hinterließ zusätzlich aufgrund der Wucht des Aufpralles einen meterlangen Riss in der Wand. Andreyis Mutter schaute genauso wie Andi für Sekunden wie ein Auto.
„Was geht hier vor. Ihr seid nicht normal. Hast du sein Gesicht gesehen? Es ist jetzt wieder völlig normal. Und wie kannst du so schnell und stark sein“, fragte Andreyis Mutter hysterisch.
„Ich weiß es nicht. Weder über ihn noch über mich.“
Seine Mutter stand auf und schaute ihren Sohn an. Er kam näher und sie ging einen Schritt zurück. Konnte das denn sein, fragte sie sich. Sie verspürte tatsächlich Angst vor ihrem eigenen Kind. Er lief erneut auf sie zu und sie öffnete langsam ihre Arme. Dann ließ sie es zu, dass er sie umarmte und auch sie schloss langsam ihre Arme um ihr Kind. Noch immer war sie entsetzt und schaute sich ihren bewusstlosen Mann im Flur an. Von draußen hörte man Polizeisirenen und die Lichter der Polizeiautos schienen schon in die Küche herein. Wie sollte sie das hier alles bloß erklären?

Vier Jahre später im gleichen Haus

Andreyi schloss für Sekunden die Augen und genoss die Sonnenstrahlen des Morgens eines Augusttages, die auf sein Gesicht trafen. Sie schenkten ihm schon zu dieser frühen Stunde eine angenehme Wärme und er vergaß noch einmal alles um sich herum bevor er in den Tag startete. An diesem ungewöhnlich warmen Montagmorgen stand ihm der erste Schultag bevor. Er wachte schon kurz vor sieben Uhr auf und döste nun noch ein Weilchen vor dem Fenster an seinem Schreibtisch. Nun war er dreizehn Jahre alt und wird an diesem Tag den ersten Schultag in einer neuen Schule erleben, da er von der Grundschule in die Oberschule gewechselt hatte. Bis heute fand seine Seele keine vollständige Ruhe. Ihn plagten oft Albträume von seinem Vater. Meistens träumte er von dem schrecklichen Gesicht und wachte schweißgebadet auf. Manchmal schlief er kaum um Träume zu vermeiden. Wenn er dies tat, setzte er sich an seinen großen Eichenholzschreibtisch und las und schrieb in seinem Tagebuch. An jenem Abend als die Polizei seinen Vater damals abholte, wurde dieser nach dem Krankenhausaufenthalt in eine Psychiatrie gebracht, weil Andreyi und seine Mutter beteuerten, dass sein Vater höchstgefährlich und nicht zurechnungsfähig war. Zuerst schenkte die Polizei Andreyi und seiner Mutter keinen Glauben, als sie den Vater mit gebrochenen Rippen und gebrochenem Bein vorfanden. Andreyi behauptete, dass er vor diesem Vorfall oft Karate mit seinem Vater geübt hatte. Angesichts dessen, dass er einen Baseballschläger eingesetzt hatte und sagte es war Notwehr, glaubte die Polizei ihm und seiner Mutter schließlich. Dies taten sie auch aufgrund des blau geschlagenen Gesichtes und der gebrochenen Nase von Andis Mutter, welche sie die Tage zuvor durch Andreyis Vater erworben hatte. Andreyi hatte genauso wie seine Mutter seinen Vater nie in der Psychiatrie besucht und nie wieder etwas von ihm gehört.
Um punkt sieben Uhr öffnete Andreyis Mutter die Tür zu seinem Zimmer und riss ihn aus seiner Trance.
„Oh, du bist ja schon wach. Wie erfreulich.“ Er klappte sofort sein Tagebuch zu.
„Was machst du denn so früh am morgen“, fragte sie neugierig.
„Nichts Besonderes. Ich konnte nur nicht mehr schlafen und habe gelesen“, log er. Er erzählte seiner Mutter nie über seine Albträume. Durch seine Vergangenheit war er ein verschlossener und introvertierter Typ und aufgrund dessen auch ein Einzelgänger. Bisher hatte er nur einen guten Freund namens Petrov. Mit seiner Mutter konnte er zwar über Gefühle reden, aber seinen Vater verdrängte er doch lieber. Somit redeten die beiden nicht mehr über ihn.
„Machst du dich dann bereit für deinen ersten Schultag“, fragte seine Mutter lächelnd.
„Musst du mich daran erinnern“, murrte er und suchte das Badezimmer auf. Er betrachtete sein Gesicht im Spiegel. Es war voller Pickel auf den Wangen und er hatte kleine schmale Lippen. Seine Brille mit ovalen Gläsern ergänzte seine leeren graublauen Augen. Die schwarzen Haare ließ er sein ganzes Leben immer wieder auf die gleiche kurze Länge scheren, so musste er sie nie kämmen. Als er sich so im Spiegel betrachtete, wollte er viel lieber wieder ins Bett. Jedoch war er auch etwas gespannt auf seine neue Schule. Seine Mutter saß derweil unten am Küchentisch und las die Tageszeitung von Hero City durch.
„Oh, mein Gott“, sagte sie leise als sie die Schlagzeile las:

Ein 15-Jähriger Junge wurde im Revalpark mit einem Pickel erschlagen.

Sie blätterte zum Bericht und fuhr fort mit lesen.

Letzte Nacht wurde ein 15-jähriger Junge mit einem
Pickel im Kopf in einem Gebüsch im Revalpark gefunden.
Außerdem war sein gesamter Körper mit Messerstichen übersät…

Sie hörte auf zu lesen, weil Andreyi die Treppe herunter kam.
„Andreyi, Das musst du lesen. Jemand wurde im Revalpark übel hingerichtet.“
„Im Revalpark? Das ist ja in unserem Bezirk“, sagte Andi erschrocken und nahm die Zeitung entgegen.
„Was es nicht alles für kranke Leute gibt. Wie kann jemand nur so grausam sein“, fragte sich Andreyis Mutter.
Hier steht, dass es mehrere Personen sein mussten. Auf dem Bauch des Jungen stand nämlich mit Blut geschrieben: Wir brauchten seine Seele. Außerdem wurden drei halb abgebrannte Kerzen neben dem Jungen gefunden.“
„Was? Das ist ja irre. Es muss sich dabei um irgendeine Sekte handeln“, spekulierte Andreyis Mutter. Er war ziemlich vertieft in den Bericht, schaute jedoch kurz auf, um die Uhrzeit auf der Wanduhr zu lesen. Er sprang förmlich aus dem Stuhl, als er sah wie spät es schon war.
„Oh, mein Bus ist gleich da. Ich muss los.“
„Stimmt! Wir haben die Zeit ganz vergessen. Na dann viel spaß bei deinem ersten Schultag.“
Er griff nach seinem Rucksack und eilte zur Eingangstür hinaus. Die Bushaltestelle befand sich gleich beim Eingang seines Wohnblocks, so dass er sie schnell erreichen konnte.
„Dann bis später Mama“, rief er zurück und lief schnellen Schrittes zur Bushaltestelle. Kaum war er angekommen, sah er auch schon seinen Bus heranfahren. Schon von weitem erkannte er, dass der Bus voller Schüler war und stöhnte in Gedanken auf. Wenn er etwas absolut nicht leiden konnte, dann war das während einer Fahrt im vollen Bus stehen zu müssen. Als er in den Bus einstieg betrachtete er die müden und betrübten Gesichter. Glücklicherweise war in der letzten Reihe noch ein Platz frei. Diese Gelegenheit nutzte er natürlich und ließ sich dort nieder. Nachdem der Bus ein paar Sekunden fuhr begannen zwei Jungen, welche eine Reihe vor ihm saßen, eine Unterhaltung.
„Bist du gespannt, ob es dieses Jahr ebenbürtige Gegner geben wird“, fragte ein Junge mit kurzen, stoppeligen schwarzen Haaren.
„Glaube ich eher nicht. Wenn doch, dann mach ich die schon platt. Jedenfalls freue ich mich schon auf das nächste Turnier“, sagte der andere.
„Sag mal hast du heute morgen zufällig Zeitung gelesen“, fragte der Schwarzhaarige.
„Nein, wieso fragst du.“
„Letzte Nacht wurde im Revalpark ein 15-jähriger mit einem Pickel erschlagen. Der Pickel steckte noch in seinem Kopf und außerdem war der Junge mit Messerstichen übersät. Es wurden keine Spuren am Pickel entdeckt.“
„Das ist ja heftig. So etwas passiert in unserem Bezirk“, fragte der andere Junge entsetzt. Nachdem Andreyi die Unterhaltung mitgehört hatte, kam ihm auf einmal wieder das monströse Gesicht seines Vaters in den Kopf. Es war für ihn so als blickte er in diesem Moment tief in die Augen seines Vaters. Daraufhin hörte er in Gedanken ein schreckliches, lautes Schreien, welches kurz darauf in ein qualvolles Überging. Andi stellte sich ohne es zu wollen vor, wie der Mord im Revalpark abgelaufen sein könnte. In Gedanken sah er den Jungen vom Revalpark vor sich, wie er noch lebte – also sah er aus der Perspektive des Mörders. Andi erkannte das Gesicht durch die Dunkelheit nur vage und die ängstlichen Augen stachen daraus hervor. Es schien als leuchteten sie wie kleine Taschenlampenlichter und Andi konnte darin diese tiefe Furcht und diese Erkenntnis sehen, dass er den Tod vor Augen hatte. Plötzlich änderte sich Andis Perspektive. Nun sah er durch die Augen des Jungen. Für einen Sekundenbruchteil erkannte Andi eine Gestalt mit schwarzem Umhang und dann die Pickelspitze über seinem Kopf. Der Junge schrie und in diesem Moment schlug der Pickel ein. Der Gedanke war weg und Andi sah nur noch schwarz. Er zuckte auf und öffnete die Augen. Für die ersten Sekunden war er noch gar nicht in der Realität.
Das erste was er sah, waren die beiden Jungs vor ihm, welche die Unterhaltung geführt hatten. Sie hatten sich zu Andi umgedreht und schauten ihn verdutzt und sogar ein wenig ängstlich an. Anscheinend hatten sie sein Zucken bemerkt. Der linke besaß ein braungebranntes rundes Gesicht mit einer leichten Hakennase, relativ dicken Lippen und haselnussbraunen Augen. Der rechte hatte braune kurze Haare, eine Sturmfrisur, schmale Lippen, eine kleine Stupsnase und etwas hellere braune Augen als der Junge neben ihm.
„Ähm…alles klar Kumpel? Du bist ziemlich blass und schwitzt“, fragte der Schwarzhaarige. Plötzlich bekam Andi Nasenbluten und Kopfschmerzen.
„Oh, warte ich gebe dir ein Taschentuch“, sagte der Braunhaarige.
„Es geht schon. Das passiert selten“, sagte Andi, damit sich die zwei Jungs wieder umdrehten. Trotzdem nahm er das Taschentuch an.
Kurz darauf mussten die Schüler aussteigen. Als Andi ausgestiegen war fühlte er sich wieder relativ gut, was er sehr merkwürdig fand, außer dass er noch ziemlich perplex von den Gedanken war. Die Haltestelle befand sich unweit seiner Schule, die er die nächsten vier Jahre besuchen würde. Lediglich eine schmale, zirka hundert Meter lange Seitenstraße trennte die Schule von der Hauptstraße, wo sich die Haltestelle befand. Andi war mit seiner Mutter bereits in der Schule gewesen, um sich dort anzumelden. Es handelte sich hierbei um die Kakarott-Oberschule, welche direkt neben der Muten-Roshi-Oberschule stand. Das Gebäude selbst war kastenförmig hatte eine Betonplattenfassade mit Kieselsteinen und an beiden Seiten befanden sich Trakttürme. Die Trakttürme hatten eine gelbe Ziegelsteinfassade und in ihnen befanden sich die Klassenräume. Nachdem sich Andi wieder beruhigt hatte, dachte er nicht mehr an sein Blackout im Bus und konzentrierte sich auf den ersten Schultag. Er betrat die mit neuen Schülern gefüllte Vorhalle. Sie war rechteckig und in der Mitte befanden sich vier quadratische gelbe Säulen. Der Boden bestand aus schwarzen Fliesen. Wenn man die Vorhalle vom Eingang betrat, befanden sich auf der linken Seite ein Gang, der zur Aula führte und geradezu ein Gang zum Traktturm A. In diesem Gang befand sich noch die Tür zum Schulhof. Auf der rechten Seite der Vorhalle befand sich ein weiterer Gang. Dort befanden sich das Lehrerzimmer, daneben das Sekretariat und schließlich der Durchgang zum Traktturm B. Die neuen Schüler versammelten sich alle in der Vorhalle und wurden dort von ihren Klassenlehrern abgeholt. Andis zukünftiger Klassenlehrer war Herr Wesemeier. Das wurde ihm bei der Anmeldung mitgeteilt. Plötzlich wurde Andi von hinten mit einem Finger angestupst. Andi drehte sich um und stand einem grünäugigen, dünnen Jungen mit einer auffällig großen Knollnase, schmalen Lippen und ebenso wie Andi selbst mit einem Pickelgesicht gegenüber. Seine kurzen Haare glichen beinahe einer Igelfrisur und waren dunkelbraun.
„Hi, bist du auch in Wesemeiers Klasse“, fragte der Junge freundlich.
„Ja“, war alles was der schweigsame Andi herausbrachte ohne sich zu fragen, wie der Junge das ahnen konnte.
„Ich bin Renéji und wie heißt du?“
„Andreyi, kannst aber auch Andi sagen.“
„Okay, mich kannst du ruhig Reyney nennen. Ist mein Spitzname und
Die meisten nennen mich so.“
„Na ja, dann werden wir voraussichtlich die nächsten vier Jahre zusammen in der Klasse verbringen. Vorausgesetzt keiner von uns bleibt sitzen. Oh da kommen die Lehrer der siebten Klassen.“
Die vier Lehrer kamen aus dem Gang, wo sich das Lehrerzimmer befand. Sie stellten sich vor dem Gang zum Traktturm A in einer Reihe auf. Der Lehrer ganz rechts sah aus wie ein Professor. Er hatte grau-weiße lange Haare, eine ovale Brille, graublaue Augen und einen weißen Schnauzer. Desweiteren trug er einen dunkelroten Pullover ohne Aufschrift oder sonst etwas darauf und eine beige Jeans. Der Pullover konnte seinen etwas dicklichen, aber noch nicht zu sehr auffälligen Bauch schwer verbergen.
„RUHE BITTE“, schrie dieser laut auf und es half. Auf einmal war es totenstill in der Vorhalle.
„Das klappt doch sehr gut, muss ich sagen. Mein Name ist Herr Stimaling. Ich leite die Klasse 7.2, bin zudem Physiklehrer mehrerer Klassen und auch Kampflehrer der Klassen 7.2 und 8.2. Dies ist Herr Grabbe.“
Stimaling deutete auf seinen nebenstehenden Kollegen. Dieser war etwas kleiner als er, besaß einen kleinen Bierbauch, einen langen schwarzen Rauschebart und trug eine Brille mit runden Brillengläsern.
Desweiteren besaß er eine kleine kugelige Nase, grüngraue Augen und eine Halbglatze, mit ein paar restlichen schwarz-grauen Haaren an den Kopfseiten.
“Morgen Kinder. Ich spüre schon eure Freude auf die Schule in der Klasse 7.1. Dort lehre ich Arbeitslehre und ebenfalls Physik. Stimaling ist in diesem Gebiet sozusagen mein engster Kollege“, sagte Grabbe mit einem breiten Grinsen. Schon jetzt wussten die Schüler der 7.1, dass sie ein großes Glück hatten, denn Grabbe schien ein netter Spaßvogel zu sein. Der nächste Lehrer in der Reihe meldete sich zu Wort. Es handelte sich hierbei um einen robust gebauten, glatzköpfigen Mann, mit leuchtend blauen Augen, einer kleinen Stupsnase, ebenfalls einer Brille, einem Schnauzbart und einem lilafarbenen Trainingsanzug. Sein Outfit ließ etwas zu wünschen übrig, dachten die Schüler.
„Guten Morgen. Ich bin Herr Berner und leite die Klasse 7.3. Zudem bin ich Sport- und Kampfkurslehrer. Also alle Schüler dieser Klasse gleich mit mir mitkommen“, sagte er nur.
Der Lehrer ganz links war demnach also Herr Wesemeier. Wesemeier hatte einen weiß-grauen Scheitel, einen Vollbart derselben Farbe, trug auch eine Brille und besaß blaue Augen. Das interessanteste Merkmal bei ihm waren jedoch seine Leder-Sandalen welche er mit Socken trug. Andi und die anderen Schüler guckten bei diesem Merkmal nicht schlecht. Er meldete sich nun zu Wort.
„Guten Morgen. Mein Name ist Wesemeier. Ich starte eure Schullaufbahn bei mir mit einem Satz: Wissen ist Macht, deswegen lasst uns danach streben. Denn ihr müsst wissen: es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Wieder setzte eine unangenehme Stille ein, in welcher ein Grillenzirpen jetzt eine perfekte Ergänzung gewesen wäre. Scheint wohl ein ganz großer Schlaukopf zu sein, dachten sich einige der Schüler, welche für die 7.4 zugeordnet waren.
„Gut, wir haben uns jetzt alle vorgestellt. Die Schüler, die mir zugewiesen wurden folgen mir bitte“, forderte Stimaling auf.
Nach und nach wurden alle Schüler in ihre Klassenräume gebracht. Andi seiner befand sich im 3.Stock des Traktturmes A. Es gab in seinem Klassenzimmer eine Fensterseite und eine Wandseite. Der Fußboden war gelb und die Wände öde weiß. Zudem befand sich im Klassenzimmer ein Schrank, eine Tafel und neben der Tafel eine Kommode mit einem Aquarium darauf. Andi sicherte sich schnell einen Sitzplatz am Fenster in der vorletzten Reihe. Kurz darauf setzte sich Reyney neben Andi.
„Ist doch okay, wenn ich mich einfach neben dich setze.“
„Kein Problem“, antwortete Andi.
Nachdem jeder seinen Platz gefunden hatte, begann Wesemeier vor seinem Lehrerpult stehend zu sprechen.
„So, ich hoffe ihr seid fit für das kommende Jahr.“ Daraufhin stöhnten die Schüler leise, mussten dann aber grinsen.
„Ach kommt schon ich hab mich schließlich auf euch gefreut. Wir werden sicher eine Menge Spaß miteinander haben. Es gibt ja auch gute Seiten, wie Freizeitkurse und die Klassenfahrten.“
Wesemeiers Gesicht wurde knallrot vor Freude.
„Na gut, genug geredet. Ihr bekommt jetzt erst einmal euren Stundenplan und danach sprechen wir über die Schulordnung.
Später wenn wir alles geklärt haben stellt sich jeder vor.“
„Neeiiin“, stöhnten die Schüler erneut im Chor.
„Doch, es muss sein“, sagte Wesemeier.
Nachdem sie die Stundenpläne erhalten und die Schulordnung studiert hatten, kam Wesemeier auf das letzte Thema zu sprechen. Die Kakarott-Oberschule war nämlich bekannt für ihren Kampfsportunterricht. Jedes Jahr wurde dort ein Sommerturnier auf dem Sportplatz und ein weniger bedeutendes Turnier im Winter in der Turnhalle veranstaltet.
„Wir haben für diese Klasse sechs Plätze für den Kampfsportunterricht frei. Wer hat Interesse“, fragte Wesemeier. Andi wurde neugierig. Er erinnerte sich an die Kräfte die er damals gegen seinen Vater entwickelt hatte. Seitdem wurde er in keiner Form mehr gewalttätig. Aber vielleicht hat er verborgenes Talent. Es gab nämlich zu dieser Zeit wenige Menschen die verborgene Kräfte in sich hatten und nach hartem Training sogar übermenschlich kämpfen konnten. War Andi etwa einer davon? Er wollte es herausfinden und meldete sich.
„Ah, der erste Mitstreiter. Wie ist dein Name“, fragte Wesemeier.
„Andreyi Wagnor.“
Wesemeier notierte sich Andi. Kurz danach meldeten sich auch Renéji und ein weiterer.
„Ach, der Renéji auch? Ich kenne ihn ja schon, da seine Mutter Elternvertreterin ist“, teilte Wesemeier der Klasse mit.
„Und du bist…“, fragte Wesemeier auf den weiteren Jungen deutend. Sein auffälliges Merkmal waren seine Segelohren. Dazu kamen braune Knopfaugen, eine große Nase und als Frisur nach hinten gegelte, kurze Haare. Für einen kurzen Moment traf sein Blick Andis und Andi hätte schwören können, ein leichtes rot in seinen Augen gesehen zu haben. Er verdrängte diesen Gedanken sofort wieder.
„Xirtam Lowman.“
„Sehr gut, dann habe ich schon drei Leute. Der erste Trainingstag ist übrigens schon heute um sechzehn Uhr in der Sporthalle. Die Siebtklässler müssen jedoch nicht gleich heute anfangen. Es ist euch überlassen, ob ihr heute schon erscheinen möchtet. Okay, das war´s dann auch schon für den ersten Schultag. Morgen fängt es dann richtig an. Habt ihr noch irgendwelche Fragen“, fragte Wesemeier und niemand meldete sich.
„Nicht? Dann könnt ihr jetzt nach Hause gehen. Euch noch einen schönen Tag.“
Wesemeier konnte es gar nicht fassen, so schnell verdufteten alle Schüler.
„Pah, ich werde euch schon umstimmen“, sagte Wesemeier alleine im Klassenraum leise zu sich. Andis Mutter bereitete zuhause Andis Leibspeise zu: Kohlroulade mit Rahmsoße, Kartoffeln und Bohnen. Sie wusste, dass Andi kein Schulfan war und sicher noch weniger eines ersten Schultages, obwohl es am ersten Tag noch nicht richtig anfing. Aus dem Flur drangen auf einmal seltsame Geräusche. Sie kamen genau genommen von der Eingangstür. Sie lief in den Flur und hörte nun deutlich was es war. Jedenfalls konnte sie es sich vorstellen. Jemand fummelte an dem Türschloss herum. Wahrscheinlich mit einem Dietrich. Das Adrenalin schoss durch die Adern von Andis Mutter. Ein Einbrecher wäre nicht so dumm und würde am helllichten Tage kommen um einzubrechen. Schon gar nicht, wenn er sah, dass in der Küche Licht brannte. Es musste jemand sein, dem die Konsequenzen egal waren und der genau wusste, dass die Person in dem Haus, also Andis Mutter, schnell zu überlisten war. Jemand der nur kurzen Prozess machen wollte. Andis Mutter kam sofort jemand in den Sinn. Plötzlich erschrak sie und zuckte zusammen. Die Türklingel läutete überraschenderweise. Eine Sekunde später schaffte es die Person vor der Tür sie doch noch zu öffnen. Andis Mutter stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben.
„Puh, du bist es nur. Was war denn los“, fragte sie leicht gereizt und beruhigte sich zugleich.
„Der Schlüssel ist leicht verbogen. Ich glaube ich benötige einen neuen. Zuerst habe ich es nicht geschafft und habe geklingelt. Doch dann klappte es doch noch“, sagte Andi.
„Ich hatte nur Angst du wärst jemand anders. Ich dachte er wäre zurückgekehrt“, sagte Andis Mutter und Andi wusste sofort wen sie meinte.
„Tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken.“
„Ist schon okay. Komm mal her“, sagte Andis Mutter und nahm ihn in den Arm.
„Dein Essen ist gerade fertig. Du kannst mir ja gleich von deinem ersten Schultag erzählen“.
Somit setzte sich Andi an den Esstisch und erzählte ihr von seinem Stundenplan, von den neuen Schülern und Lehrern und natürlich von dem Kampfunterricht.
„Was du hast dich gleich angemeldet ohne mit mir darüber zu reden. Du weißt ich verabscheue Gewalt und hätte das schon gerne vorher gewusst“, fing Andis Mutter an zu meckern. Andi verdrehte die Augen.
„Ach, das ist schon okay. Ich möchte mich ja nur gut verteidigen können“, beteuerte Andi.
„Ja, ja, ich weiß. Du wirst bald neue Freunde finden die es cool finden sich zu prügeln und dann…“
„Unsinn. Glaub mir doch, das wird gut für mich sein. Ich bin so dünn und zerbrechlich. Ich werde deshalb nicht gleich ein Schläger.“
„Na gut und wann und wie oft in der Woche hast du Training“, fragte Andis Mutter.
„Näheres wird uns noch mitgeteilt, aber ich könnte heute um sechzehn Uhr schon hingehen.“
„Was? Heute schon? Hast du denn die Absicht es zu tun“, wollte Andis Mutter wissen.
„Ich denke schon. Es wird bestimmt nicht hart am Anfang sein.“
„Ich sehe es schon kommen. In Zukunft wirst du nur noch mit blauen Flecken vom Training übersät sein“, seufzte Andis Mutter.
„Nein, ganz bestimmt nicht“, versicherte Andi, stand auf und brachte seinen Teller in den Geschirrspüler.



























Kapitel 1-2 Das 1.Training

Später am Nachmittag

Über den einsamen Schulhof der Kakarott-Oberschule wehte ein angenehm kühler Wind. Genau richtig an diesem warmen Augustmontag. Hinter dem Schulhof befand sich der große Fußballplatz und vor ihm die Sporthalle. Auf der rechten Seite des Schulhofes befand sich das Hauptgebäude mit den zwei Türmen.
Der Schulhof bestand aus einem Betonboden, welcher hier und da aus quadratischen Abschnitten mit Erde unterbrochen wurde, aus welchen Laubbäume ragten. Die Stille auf dem Schulhof wurde lediglich durch das Rascheln der Blätter und zwei Stimmen unterbrochen. Renéji und Xirtam standen mit einem weiteren neuen Schüler der Klasse 7/4 vor der Turnhalle. Der andere Schüler war größer als Renéji und Xirtam, hatte eine Scheitelfrisur, braune Haare und einen für Xirtams und Renéjis Meinung nicht sonderlich guten Kleidungsgeschmack. Seine beigefarbene Jeans lag viel zu eng an der Haut und besaß eine karottenform und der dunkelgrüne Pullover war zu klein und passte nicht zu seiner Hose.
„Wie findest du so die Leute der neuen Klasse vom ersten Eindruck her“, fragte Xirtam Renéji.
„Ich kenne ja noch niemanden, aber dieser Andi ist ziemlich okay.
Er ist zwar sehr ruhig, aber kommt ganz cool rüber.“
„Also ich find ihn ziemlich merkwürdig“, mischte sich der andere mit dem Scheitel und schlechten Kleidungsstil ein.
„Wir werden ihn sicher noch besser kennen lernen. Wie heißt du eigentlich“, fragte Xirtam.
„Derek. Wie heißt ihr?“
„Ich bin Xirtam und das ist Renéji. Wieso hast du dich später angemeldet zum Kampfunterricht.“
„Ich wusste am Anfang nicht, ob ich das wirklich will. Aber jetzt bin ich mir hundertprozentig sicher. Ich habe von einem älteren Kumpel gehört, dass die Turnierkämpfe ziemlich brutal sein sollen und dass es einen gibt, der zwar verdammt gut ist, aber trotzdem zu unfairen Mitteln greift.“
„Aha, erzähl weiter“, bat Renéji.
„Es soll ein Schüler von Dralle, dem Schulleiter sein. Er ist letztes Sommerturnier Schulmeister geworden und hat alle mit KO besiegt.“
„Was ist mit deinem älteren Kumpel passiert“, wollte Xirtam wissen.
„Er hat die Schule letztes Jahr verlassen, weil er meint hier geht was nicht mit rechten Dingen zu. Das Merkwürdige ist, dass dieser Kumpel Meister im Kickboxen in seiner Altersklasse war, jedoch gegen diesen Schüler von Dralle in der Vorrunde ausschied.“
„Ist ja krass. Das bedeutet, dass die Schüler dieser Schule alle viel stärker sind“, bemerkte Renéji.
„He, wir bekommen Gesellschaft“, sagte Xirtam und deutete auf die Tür vom Hauptgebäude zum Schulhof. Dort erschien gerade Andi und lief schnellen Schrittes auf die drei Jungs zu. Andi sagte kurz »Hallo«, stellte sich neben die Drei und stand wieder ruhig da wie eine Statue. Die drei anderen Schüler unterhielten sich weiter und kurz darauf erschien auch Wesemeier.
„Ah, wie ich sehe seid ihr vollzählig. Gleich so fleißig am ersten Schultag“, fragte Wesemeier erfreut.
„Aber hallo. Haben ja schon gehört wie stark die Schüler hier sein sollen. Besonders von Dralle. Wesemeier bekam einen roten Kopf und schloss darauf die Stahltür zur Halle auf.
„Ach, so gut sind seine Schüler nun auch nicht. Aber wir werden ja sehen, wie es dieses Jahr läuft.“
Daraufhin folgten die vier Schüler ihn in einen dunklen Gang.
Wesemeier betätigte den Lichtschalter an der rechten Seite nach dem Eingangstor und vor ihnen tat sich ein Gang mit grauem PVC-Boden, ockergelb bestrichenen Wänden und weißer Decke auf. Links des Ganges befand sich eine Tür und rechts, relativ weit am Ende, zwei schmalere, auf welchen sich die Männchen für die WC-Kennzeichnung befanden. Am Ende des Ganges befand sich ein weiteres Stahltor, dessen rechter Flügel offen stand und blick ins Halleninnere darbot. Wesemeier lief kurz in die Halle und kam mit vier weißen Anzügen und weißen Gürteln wieder heraus.
„Das sind eure Anzüge. Ich warte dann in der Halle auf euch.
Die einzelne Tür hier auf der linken Gangseite ist der Umkleideraum.“
Die vier Schüler begaben sich in den Raum in dem verteilt vier lange Bänke mit Schuhablagerungen darunter standen. Zusätzlich befanden sich Häken für die Jacken im Winter an der Wand.
„Ich hoffe dass das nicht so eine Art Judo ist, was wir hier machen“, sagte Derek beim Umziehen.
„Stimmt ja, wir wissen noch gar nicht was das eigentlich für eine Kampfsportart ist“, stellte Renéji fest.
Andi, Derek, Xirtam und Renéji verließen die Umkleidekabine nacheinander und traten in die Sporthalle ein. Auf der gegenüberliegenden Wandseite der Halle befanden sich auf der oberen Hälfte etliche, dicke und kleine Vierecke aus Glas, welche gegen Ballstöße bruchsicher waren. Die untere Hälfte dieser Wandseite war lediglich weiß bestrichen und wies schon einige dünne Risse auf. Auf der Wandseite, wo die Schüler in die Halle durch das Stahltor gelangten, befanden sich noch drei in diesem Moment offen stehende, etwa sieben Meter breite und zwei Meter hohe Tore, welche wie Garagentore nach oben gefahren waren. Hinter diesen Toren befanden sich Räume mit etlichen Übungsgeräten, Mattenwagen und fahrbare geschlossene Gitterkäfige mit diversen Bällen. Es waren also die Geräteräume.
„Da seid ihr ja schon. Stellt euch in einer Reihe auf“, forderte Wesemeier. Die Schüler taten wie geheißen und Wesemeier begann zu sprechen.
„Kampfsport hat nicht nur was mit dem Körper zu tun, sondern auch mit dem Geist. Versucht euch vor dem Training erst einmal im Inneren zu entspannen, damit Körper und Geist eins werden können. Schließt am besten mal eure Augen.“
Die vier Schüler wunderten sich etwas über diese Aufforderung, führten sie jedoch aus.
„Haltet die Augen so lange geschlossen bis ich euch erlaube sie wieder zu öffnen. Versucht an nichts zu denken und genießt die Stille in der Halle.“
Was die vier nicht wussten war, dass Wesemeier besondere Fähigkeiten besaß und eine gerade begann zu benutzen.
Wesemeier hob seinen Arm und richtete dann nacheinander auf jeden Kopf der Schüler seine Handfläche. Er spürte so ihre verborgenen Fähigkeiten und Kräfte. Bei jedem Einzelnen schossen ihm verschiedene Gedanken durch den Kopf. Als erstes deutete er auf Derek. Wesemeier dachte sich bei jedem, auf den er seine Handfläche deutete etwas.
Mmh, Derek kann viel Kraft entwickeln. Ich spüre jedoch etwas viel böse Energie in dem Jungen. Ob es vielleicht zu viel ist?
Dann deutete er auf Xirtam.
Körperlich sehr vital und fit. Er hat ein besonderes Talent für geschickte Bewegungen. Oh, eine besondere verborgene Fähigkeit, die er relativ schnell erlernen könnte ist das Fliegen.
Für einen Moment öffnete er die Augen und Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, als er auf Renéji deutete.
Er kann zwar nicht so viel körperliche Kraft einsetzen, hat aber einen ungewöhnlich starken Geist. Er ist gewitzt und ein Taktiker. Was sind das bloß für welche, die haben alle so starke, verborgene Talente.
Wesemeiers Hand zitterte, als er auf Andi deutete.
Er ist kalt und leer im Inneren. Wahrscheinlich durch einen Schicksalsschlag in seinem Leben. Dafür besitzt er kaum böse Energie. Oh…seine verborgenen Kräfte sind enorm…diese Kraft, das ist nicht möglich.
Plötzlich schnellte Wesemeiers Hand zurück. Sie war leicht erwärmt.
Sie schnellte reflexartig durch Andis innere Kraft zurück, welche er zu tief angetastet hatte. Andi selber hatte ein Kribbeln und ein unangenehmes Gefühl im Inneren gespürt und sich dagegen gewehrt. Noch immer hatten alle jedoch die Augen geschlossen. Nun streckte Wesemeier seine Arme vertikal in die Höhe. Andi, der sich schlapp und müde gefühlt hatte, fühlte sich auf einmal topfit. Die anderen fühlten sich ebenfalls wie neugeboren. Es war die Fähigkeit von Wesemeier, den Körpern, ähnlich wie bei einer magischen Bohne, wieder optimale Fitness zu geben. Dies gelang ihm jedoch nur, wenn er selber zwischen 70 und 100 Prozent seiner maximalen Energie besaß. Bei jener Fähigkeit konnten jedoch Brüche, Wunden und Krankheiten nicht geheilt werden.
„Ihr könnt eure Augen jetzt öffnen“, sagte Wesemeier stolz.
„Scheint doch zu wirken. Ich fühle mich topfit. Ihr auch“, fragte Xirtam erstaunt und die anderen sagten nichts und wunderten sich nur.
Sie waren plötzlich so konzentriert, hellwach und fühlten sich vital.
Wesemeier begann weise und ruhig sein Programm zu schildern.
„Ausdauer ist etwas sehr wichtiges für den Kampfsport und genau das beginnen wir zu trainieren. Ihr werdet euch jetzt erst mal fünfzehn Minuten warm laufen. Alle drei Minuten erhöht ihr das Tempo.
Ich habe eine Stoppuhr und werde euch dann schon das Kommando geben.“
Wesemeier rannte mit und stachelte die Jungs an, wenn sie zu langsam wurden. Nach zehn Minuten wunderten sich die Schüler, warum Wesemeier nicht die Luft ausging. Es schien so als würde er immer noch total entspannt sein. Dabei war er doch schon so ein Greis und sein Körper wirkte auch nicht wie der eines Kämpfers.
„Jetzt wird gerannt! Ich will euch schwitzen sehen“, rief Wesemeier in der letzten Minute und grinste dabei leicht. Die Jungs waren schon außer Atem und konnten es nicht fassen, wie leicht Wesemeier das Rennen nahm. Danach legten sich die jetzt schon stark hechelnden Schüler auf den Boden und Wesemeier stand leicht atmend und grinsend vor ihnen.
„Aha, das habe ich mir gedacht. Euch fehlt die Kondition. Aber das kriegen wir schon hin. Ihr bekommt eine Minute Pause und macht dann zwanzig Liegestütze. Das ganze wird dann fünf Mal wiederholt.“
Dies schafften nur Andi und Xirtam, was Wesemeier nicht sonderlich schlimm fand. Er musste sie ja motivieren und nicht die ganze Zeit herumnörgeln. Danach mussten die vier noch gegen Sandsäcke Schlag- und Trittübungen vollführen, obwohl ihre Muskeln schon schmerzten.
„Ihr wart ziemlich gut für den Anfang. Für heute ist Schluss.
Am Mittwoch ist das nächste Training und dann trainiert ihr mit den Schülern der anderen siebten Klassen. Wir Kampflehrer haben uns entschlossen es so zu handhaben: Zweimal in der Woche hat jede 7. Klasse alleine Training mit ihrem Kampflehrer und einmal in der Woche am Mittwoch haben alle siebten Klassen zusammen Unterricht, wobei sich am Mittwoch jede Woche einmal der Kampflehrer der vier siebten Klassen abwechselt. Diese Woche ist Herr Berner, Klassen- und Kampflehrer der 7.1 an der Reihe. Die Woche darauf Herr Stimaling, Kampflehrer der 7.2 und so weiter. Wir haben dies so organisiert, damit sich alle Kampfschüler mal untereinander kennen lernen und für ein besseres Miteinander. Bei mir habt ihr wieder Unterricht am Freitag direkt nach eurer letzten Stunde. Xirtam kannst du den Hallenschlüssel bitte im Sekretariat abgeben? Ich habe noch einen wichtigen Termin.“
In dem Moment hörte Wesemeier die Eingangstür zur Halle zufallen.
„Was war das“, fragte sich Wesemeier, lief rasch zur Eingangstür und öffnete sie um zu sehen wer gerade dort war. Wesemeier schaute über den Schulhof und sah, wer dort lief. Es war Stimaling, der nun mit hastigen Schritten zum Schulgebäude eilte.
„Du bist es schon wieder“, murmelte Wesemeier leise in seinen Bart.
Kurz darauf eilte Wesemeier wieder in die Halle, ohne ein Wort über den Vorfall eben gerade zu verlieren. Er sagte ihnen es hatte sich um einen Windstoß gehandelt. Dann entließ er die Schüler für heute aus der Halle. Beim Umziehen unterhielten sich die Kampfschüler noch ein wenig über das Training und die sonderbare Aktion mit der Eingangstür. Nach einigen Minuten waren sie fertig und Xirtam brachte den Hallenschlüssel ins Sekretariat. Die Tür zum Sekretariat stand offen und hinter dem Schreibtisch saß Stimaling.
„Was gibt es“, fragte Stimaling Xirtam ungeduldig.
„Ich möchte nur den Schlüssel der Sporthalle abgeben. Wesemeier
Musste dringend weg.“
„Häng ihn dort ans Schlüsselbrett“, wies Stimaling mit dem Finger an die von Xirtam aus gesehene rechte Wand, wo ein riesiges Brett mit unzähligen Schlüsseln für alle Klassenzimmer und sonstigen möglichen Räume hing. Xirtam fand relativ schnell den Platz des Hallenschlüssels und verließ dann das Sekretariat. Als er aus dem Türrahmen in den vorderen kleinen Gang trat wurde er fast von einem heraneilenden, schwarzhaarigen, großen und kräftigen Jungen angerempelt. Es war der gleiche Junge, der im Bus vor Andi saß, als dieser seine Vision und das darauf folgende Nasenbluten bekommen hatte. Der Junge betrat das Rektorzimmer. Als Xirtam schon gehen wollte, hörte er jemanden aus dem Rektorzimmer fluchen, welches sich eine Tür weiter links befand. Xirtam ahnte, dass es der Rektor selbst war und konnte nicht widerstehen zu lauschen.
„Tommy! Er hat schon wieder so ein Wunderkind. Wir müssen ihm in die Quere kommen“, fluchte ein Mann und Xirtam erkannte an der Stimme, dass es tatsächlich Rektor Dralle war. Dralle hatte sich bei einer Versammlung eine Woche vor Schulbeginn selbst allen Schülern und Eltern vorgestellt, daher kannte Xirtam dessen Stimme. Stimaling hatte davon Notiz bekommen, dass Xirtam umgekehrt und bei der Rektorzimmertür stehen geblieben war.
„Junger Mann, gibt es noch etwas“, rief Stimaling aus dem Sekretariat.
„Ähm, ich habe nur auf das Informationsblatt hier an der Wand geschaut“, log Xirtam und verließ darauf zügig das Schulgebäude um nach Hause zu fahren. Er dachte sich vorerst nicht mehr viel dabei, als er über die Wutrede von Dralle sinnierte.
























Kapitel 1-3 In der 1. Woche

In der ersten und zweiten Stunde des zweiten Schultages hatten die Schüler der Klasse 7.4 Physik bei Herrn Stimaling. Das erste Thema war die Wärmelehre. Xirtam hatte das Gefühl, dass Stimaling eine gewisse Abneigung gegenüber ihm und auch Derek hatte.
Jedes Mal, wenn sie sich meldeten, warf er ihnen verächtliche Blicke zu, nahm sie aber auch das eine oder andere Mal widerwillig wirkend ran. Vielleicht bildete sich Xirtam das auch nur ein, dachte er. Bei Renéji war es etwas komplett anderes: jedes Mal, wenn er sich meldete, nahm er ihn mit einem Lächeln ran. Andreyi meldete sich sowieso nicht. Er saß immer nur stumm und mit starrem Gesicht da. Würde er das so durchziehen würde er überall im Mündlichen ein „Mangelhaft“ bekommen, dachte sich Xirtam. In den Stunden drei und vier hatte die Klasse 7/4 Matheunterricht bei Frau Berner. Frau Berner besaß rote kurze zottelige Haare, grüngraue Augen, eine spitze Nase und eine Brille mit ovalen Gläsern. Sie war die Frau des Klassenlehrers der 7/3, welcher sich am 1.Schultag bei der Klassenaufteilung vorgestellt hatte. Die ersten beiden Stunden Mathe vergangen wie im Fluge und Frau Berner erwies sich als recht gute Lehrerin, weil sie die Aufgaben leicht verständlich beibrachte, sodass kaum ein Schüler lustlos oder unkonzentriert wurde. Danach klingelte es zur zweiten großen Pause. Andi und seine neu gefundenen Kumpels Xirtam, Derek und Reyney standen in der zweiten Pause auf dem Schulhof in einem Kreis. Der Himmel war dermaßen dunkelgrau, dass man die Straßenlaternen in Betrieb hätte setzen können. Dazu kamen ein unangenehm kühler Wind und ein feiner Sprühregen. Xirtam, Derek und Reyney unterhielten sich über Computerspiele und Andi stand wie sooft daneben und schwieg. Auf einmal kam ein kräftig gebauter Junge mit schwarzen Haaren und einem hinterhältigen Grinsen auf die vier zu und sprach Xirtam an.
„Hi. Ihr seid doch die neuen Schüler von Wesemeier. Wie gefällt euch denn so der Kampfunterricht.“
Xirtam und die anderen wunderten sich warum der Junge schon am zweiten Schultag kam und so etwas fragte.
„Verrate uns doch erstmal deinen Namen, wenn du uns schon ansprichst“, forderte Reyney etwas genervt.
„Bleib mal locker. Ich wollte es gerade tun. Mein Name ist Tommy.
Ich bin der Schüler von Dralle, der die letzten zwei Turniere Meister war.“
„Na ganz toll. Das hat uns jetzt ziemlich interessiert“, sagte Xirtam, der Tommy für einen Angeber hielt. Aber moment…Tommy,
dachte sich Xirtam und ihm fiel gestern wieder diese laute Diskussion
im Rektorzimmer ein zwischen Rektor Dralle und jemandem namens
Tommy. War dies hier der Tommy, mit dem sich Dralle gestern unterhalten hatte? Aber wieso sollte sich der Rektor mit einem Schüler über ein „Wunderkind“ so lautstark unterhalten. Xirtam schob die Gedanken vorerst beiseite
„Spielt ihr eigentlich mit dem Gedanken am Winterturnier teilzunehmen“, wollte Tommy wissen.
„Das fragst du uns am zweiten Schultag? Das wissen wir doch jetzt noch nicht“, sagte Derek.
„Wie auch immer. Ich würde mich freuen einen von euch beim Kampfturnier zu vermöbeln. Was ist eigentlich mit dem Stummen da? Ist das Sprechen bei ihm verboten“, fragte Tommy und deutete hochnäsig mit einem Hochziehen des Kopfes auf Andi. In Wahrheit wurde Tommy durch Andis Ausstrahlung auf ihn aufmerksam, was er aber nicht bewusst wahrnahm.
„Halt die Schnauze“, sagte Andi kühl und mit gewohnter Monotonie in seiner Stimme.
„Was hast du gesagt“, fragte Tommy mit gereiztem Blick und trat vor Andi.
„Willst du mal meine Faust kosten? Du weißt wohl nicht wie viele bei den Turnieren im Krankenhaus gelandet sind.“
„Ich würd´s lassen“, sagte Andi gelassen ohne seine Mimik oder seinen Blick auch nur ansatzweise zu verändern. Er erwiderte Tommys starrenden bösen Blick gelangweilt und wirkte unbeeindruckt.
„Du wirst schon sehen Junge. Pass ab jetzt auf wo du in der Schule lang läufst. Vielleicht ist meine Faust im Weg.“
„Werden wir sehen“, gab Andi wieder cool von sich.
Danach zog Tommy wieder davon und stellte sich zu einer Gruppe von älteren Schülern, die allesamt sehr kräftig aussahen und fiese Gesichter schnitten.
„Ein Armleuchter mit einer großen Fresse“, sagte Andi erneut als wäre nichts passiert und behielt seine coole und gelangweilte Mimik bei. Andis Klassenkameraden und neu gewonnene Freunde fanden einerseits, dass seine Mimik wie versteinert war, ihn aber andererseits wieder extrem cool wirken ließ.
„Er hat es wirklich nicht geschafft dich einzuschüchtern, obwohl er größer und stärker ist als du“, wunderte sich Derek.
„Der bestimmt nicht“, sagte Andi knapp.
„Er ist bestimmt gar nicht so gut. Er schüchtert seine Gegner sicher mit einem großen Maul ein“, spekulierte Reyney, welcher noch mal
zu Tommys Gruppe rüberschaute und bemerkte, dass einige davon
ständig zu ihnen mit herablassenden, einschätzenden und niederträchtigen Blicken rüberschauten, so als ob sie etwas gegen sie aushecken würden. Was machte sie nur für Tommy und seine Leute, sogar schon am 2.Schultag, so interessant? Kurz darauf klingelte die Schulsirene zum Pausenende. Als Derek das Treppenhaus des Traktturmes betrat konnte er in das Kellergeschoß schauen. Dort sah er Herrn Stimaling und den Rektor Dralle. Sie diskutierten laut und sahen ziemlich verärgert aus.
Derek blieb auf der Treppe stehen und versuchte außer den lärmenden Schülern die gerade vom Pausenhof kamen und die Treppe hochstürmten, zu verstehen, worüber die zwei diskutierten. Jedoch konnte er nur Bruchstücke der Diskussion mithören.
„…brauchen noch mehr…werden es nie schaffen…hier ist es zu laut, lassen sie uns reingehen“, krächzte Dralle. Die beiden Lehrer öffneten die Kellertür. Bevor sie den Keller betraten, fiel Derek auf, dass beide Lehrer Sporttaschen bei sich hatten. Er fand es recht merkwürdig, warum Stimaling und Dralle mit Sporttaschen in den Keller gingen und fragte sich worüber Dralle und Stimaling diskutiert hatten. Jedoch verwarf Derek seine Gedanken und lief die Treppen bis zum zweiten Stock hoch, wo sich das Klassenzimmer der 7/4 befand.

Nach dem 2.Schultag stand schon fest, wer die Streber in der Klasse
der 7/4 waren, denn bis zur 7.Schulstunde hatten sich die kleine
brünette Helena und die große schlaksige Jeanette mit den vielen
Sommersprossen im Gesicht an die fünfzig Mal gemeldet.
So schätzte es zumindest Reyney ein, dem es so langsam sichtlich
auf den Sack ging. Xirtam, der am Nebentisch von Jeanette und Helena gesessen hatte, hatte bemerkt, dass sich beide notierten, wie oft sie sich pro Stunde und am Tag meldeten. Auf jeweils einen kleinen Notizblock machten sie sich jedes Mal nach einer Meldung einen Strich. Wie viele es waren, dass konnte Xirtam von hier jedoch auch nicht erkennen. Er schüttelte im Inneren nur den Kopf über die Beiden.

Am nächsten Tag hatte die Klasse 7/4 in den ersten beiden Stunden Geschichte bei Herrn Wesemeier. Wesemeier war ziemlich leidenschaftlich darin Geschichte zu lehren. Mit Enthusiasmus erzählte er über die damalige Rivalität zwischen dem Herrn der Kraniche und dem Herrn der Schildkröten und wie es dazu kam, dass Son-Goku, welcher eigentlich ein Saiyajin namens Kakarott gewesen war, auf die Erde kam und nach und nach seine ersten Gefährten wie zum Beispiel Bulma oder Krillin kennen lernte. Danach lernte die Klasse 7/4 das erste Mal Herrn Hennsel kennen, ihren neuen Englischlehrer. Seine Körpergröße von etwa 1,90 Metern in Kombination mit breiten und muskulösen Gliedmaßen schüchterte die Schüler zuerst ein, doch sein sympathisches und charismatisches Wesen, welches sich schon in den ersten Minuten herauskristallisierte,
belehrte sie eines Besseren. Desweiteren besaß Herr Hennsel einen grau-schwarzen Scheitel, dunkle braune Augen unter einer Brille mit runden Gläsern, eine große runde Knollnase und ein braungebranntes Gesicht. Nachdem er ein angenehmes Klima in der Klasse verbreitet hatte, ertrugen die pubertierenden Schüler in ihrer Null-Bock-Phase den restlichen Schultag besser.

Am Nachmittag war es dann wieder so weit: Kampfsportunterricht
war zum zweiten Mal angesagt.
Wie vereinbart trafen sich alle Schüler der siebten Klassen vor der Turnhalle nach der siebten Stunde. Reyney und Derek bemerkten sofort die verachtenden Blicke und das hämische Grinsen von einigen Schülern. Die Wesemeier-Schüler schätzten, dass auch sie Tommy kannten. Tommy selber war nicht dabei, weil er ja zwei Klassen höher gewesen war. Schon in der Umkleidekabine gab es Unannehmlichkeiten. Die Schüler, welche die Wesemeier-Schüler draußen so verachtend angeschaut hatten, waren etwas früher umgezogen als Wesemeiers Schüler und rempelten sie beim Herausgehen aus der Umkleidekabine absichtlich an.
„HEY!!! IST GUT JETZT“, brüllte Derek den dünnen Jungen mit kurzen, schwarzen und zotteligen Haaren an, dessen Gesicht er von hinten nicht sehen konnte. Dieser drehte sich um und Derek blickte direkt in diese fiesen, schmalen und pechschwarzen Augen. Zudem besaß der Junge eine kleine dünne Nase und sehr schmale Lippen.
„Spar dir dein Atem dafür auf, wenn meine Faust in deinem Bauch landet, Nulpe“, drohte der Junge Derek und verschwand aus dem Umkleideraum.
„Sie können es einfach nicht lassen“, sagte Reyney fassungslos und spürte Wut in sich aufsteigen. Jetzt hatte er erst mehr Lust auf ein Kampfturnier. Aber dafür musste er erst einmal hart trainieren und das würde er auch. Wenig später hatten sich die insgesamt neunzehn Schüler in der Turnhalle in einer Reihe nebeneinander aufgestellt und horchten Berners Worten:
„Ich wünsche euch einen wundervollen Tag, an dem wir hier das erste Mal alle zusammen kommen. Was bedeutet Kampfunterricht? Nun wir werden nicht euren Körper, sondern auch euren Geist stählen, um euch auf das Leben vorzubereiten. Es wird nicht immer so reibungslos und fair ablaufen, wie ihr das gerne hättet und es werden immer welche geben, die euch eins ins Bockshorn jagen wollen.“
Unwillkürlich mussten Wesemeiers Schüler an Tommys Kumpel denken.
„Wie dem auch sei. Wir veranstalten im Jahr zweimal ein Turnier. Ein etwas Kleineres und ein etwas Größeres. Im Winter veranstalten wir ein Turnier, welches für euch die Möglichkeit darstellen soll eure bisherigen Kräfte beziehungsweise euren Fortschritt auszutesten. Hierfür gibt es für die ersten drei einen kleinen Pokal. Im Sommerturnier gibt es für die ersten drei größere Pokale. Nun gut, genug der Worte. Ihr werdet euch jetzt bei fetziger Diskomusik warmlaufen und zwar so lange, wie ich das will…aber nicht etwa nur gewöhnlich.“
Berner hatte neben sich einen geschlossenen Metallkasten zu stehen.
Er öffnete ihn und hob etwas daraus. Es handelte sich um Beingewichte mit Klettverschlüssen. Einige der Kampfschüler stöhnten.
„Aber, aber…nicht doch. Wenn ihr so etwas seht, beziehungsweise, wenn ihr es überhaupt mit erschwerenden Maßnahmen zu tun bekommt, müsst ihr euch freuen. Das ist eins der Geheimnisse der Kampfkunst: sich darüber zu freuen, dass es immer noch härter wird, dass die Herausforderungen niemals aufhören. Diese Gewichte kann man übrigens durch Auffüllen von Sand noch erhöhen. Heute ist es nur ein leichtes Gewicht. Kaum der Rede wert. Kommt nun, für jeden gibt es ein Paar“, sagte Berner und die Schüler traten vor und schnappten sich die Gewichte. Berner verriet ihnen nicht das aktuelle Gewicht. Sie banden sich die Sandgewichte um die Beine.
Kurze Zeit später waren alle bereit.
„Gut, dann auf“, sagte Berner und schaltete Musik mittels einen an großen Boxen angeschlossenen MP3-Player, welche an der Wandseite der Halle postiert waren. Einige Sekunden später ertönte ein moderner Dance-Beat, welcher die Gemüter der Schüler etwas verbesserte.
Die Gewichte an ihren Beinen machten einigen jedoch schon nach 5 Runden zu schaffen.
„KOMMT, KOMMT, KOMMT!!! MACHT IHR JETZT ETWA SCHON SCHLAPP??? DANN HABT IHR HIER NICHTS VERLOREN!!! ZEIGT WAS IN EUCH STECKT!!! BESIEGT EURE KÖRPER“, feuerte Berner die Schüler an und seltsamerweise hatte seine lautstarke Forderung ihre Wirkung gezeigt. Diejenigen, welche jetzt schon aus der Puste kamen, spürten neue ungeahnte Energien in sich, welche nur auf eine menschliche Eigenschaft zurückzuführen waren: Willen! Die Aufwärmphase dauerte bisher 12 Minuten, als Herr Berner plötzlich etliche Medizinbälle aus dem Gymnastiklager heraus rollte.
„SO!!! JEDER SCHNAPPT SICH FÜR DIE NÄCHSTEN DREI MINUTEN EINEN MEDIZINBALL UND JOGGT MIT IHM WÄHREND IHR IHN ÜBER DEM KOPF HALTET“, schrie Berner den stark schwitzenden Schülern entgegen. Abermals stöhnten sie im Inneren auf und konnten nicht fassen, was Berner da von ihnen forderte. Aber drei Minuten? Das musste doch zu schaffen sein.
Somit taten es die Schüler und es sah auch zuerst ganz gut für alle aus, bis zwei oder drei unter dem Gewicht nach weiteren zwei Minuten zusammenbrachen. Gute Quote, dachte sich Berner. Letztes Jahr waren es noch sechs, die schon vor der vierzehnten Minute aufgaben, erschöpft den Ball wegwarfen und sich hechelnd auf den Rücken legten. Bei der ersten Übung nach dem „Aufwärmen“ mussten die Schüler in Rekordzeit einen Parcours, bestehend aus mehreren Turmkästen, Ringen, großen Reifen und Bocks aufstellen. Der Parcours war so aufgebaut, dass sich die Schüler von Turmkasten zu Turmkasten mittels der Ringe hangeln, von Reifenloch zu Reifenloch springen und zum Schluss noch Medizinbälle zwanzig Mal, während sie auf einem schmalen hohen Turmkasten auf dem Bauch lagen, hochziehen mussten. Der Parcours war schwieriger als erwartet, zumal die Schüler schon viel Kraft beim Aufwärmen gelassen hatten.
Nach dem Parcours ließ Berner die Schüler in einer Quaderformation 4 mal 5 Schüler hintereinander aufstellen (die Formation war nicht ganz komplett, weil in der Reihe der Klasse 7/4 mit Andreyi, Renéji, Derek und Xirtam nur 4 Schüler standen).
Mmh…seltsam, sonst war die Formation doch jedes Jahr komplett, naja vielleicht kommt in Weses Klasse noch ein Schüler dazu, dachte sich Berner.
„Boah man…wann geht´s denn los mit Kampftraining. Wir sind ja schon ausgepowert, wenn wir damit beginnen“, beschwerte sich ein Schüler. Einer von Tommys Kumpels linste geringschätzig und beinahe ruhig atmend zu ihm herüber.
„Ruhe! Oder willst du, dass ich den Parcours noch einmal starten lasse. Dies trainieren wir von nun an jeden Mittwoch, bis euch die Aufwärmrunde und die erste Parcourübung nichts mehr ausmachen.
Nun kommen wir zu Tritt- und Schlagüben“, sagte Berner und ließ die Schüler wieder schnell ein paar Sandsäcke, an der Decke hängenden Ketten mit großen Karabinerhaken anbringen. Dies machte den Schülern nun sichtlich mehr Spaß. Reyney konnte beobachten, wie der Kumpel von Tommy, welcher vorhin Derek angerempelt hatte, den Sandsack zähnefletschend und mit voller Wucht wegtrat. Kleine Äderchen leuchteten rot auf seinen Augäpfel, welche Derek und Reyney bis hierher hatten sehen können.
„Seht ihr das hässlicher Vogel und Riesennase? Das werden eure Rippen sein die brechen“, sprach Tommys Kumpel nur so laut, dass die Wesemeier-Schüler es hören konnten.
„Ich weiß echt nicht, was der für´n Problem hat“, sagte Derek, welcher entsetzt über die hasserfüllten Augen des Pöblers war.
„Na ist doch klar. Der und Tommy haben Schiss vor unserer Kraft.
Wir werden einfach im Turnier viel härter zuschlagen, BAAACK“, rief Reyney aus und trat ebenfalls mit voller Wucht gegen  den Sandsack, welcher weit nach oben flog und um sich selber rotierte.
Derek war erstaunt.
„Alle Achtung, der war nicht schlecht“, sagte er.
„Is´ Standard. Wäre doch gelacht, wenn der Typ stärker wäre als ich“, höhnte Reyney. Ganz schön übermütig, dachte sich Xirtam, aber musste zugeben, der Tritt war nicht ohne. Nun kam Andi, gelassen und mit steinerner Miene, scheinbar unbeeindruckt zum Zuge. Den anderen drei Wesemeier-Schülern fiel die Kinnlade herunter, als er zutrat. Der Sandsack flog fast 90 Grad hoch. Zufälligerweise stand der Derek-Pöbler gerade mit Blick zur anderen Seite gewandt, doch die anderen Tommy-Kumpels hatten diesen Tritt sehr wohl gesehen und rissen ungläubig ihre Augen auf.
„Darou, hast du das gesehen“, fragte einer der Mitschüler des Pöblers und konnte seinen Blick von Andi nicht abwenden, genau wie die drei anderen. Andi begab sich ganz cool wieder zum Ende der Schlange. Der Derek-Pöbler, welcher also Darou hieß, schaute wieder zu Andi, dann zum Sandsack, welcher nun eine tiefe Delle aufwies.
„Aaaach, egal! Pickelface, Starrgesicht. Wart´s nur ab beim Turnier, HAAA“, schrie Darou und boxte mehrmals patschend gegen seinen Sandsack. Nach dem Schlag- und Tritttraining ließ Berner die Schüler sich um einen Ring mitten in der Halle versammeln, welcher aus vielen harten und dünnen Sportmatten bestand. Die äußeren Matten waren rot, um dem Kämpfer zu signalisieren, dass hinter diesen Matten die Ringbegrenzung war und die Mittigen grün. Als alle Schüler wieder ruhig waren und nur noch einige etwas lauter atmeten, begann Berner zu sprechen.
„Werte Schüler, ich bin ziemlich zufrieden mit euren Tritten und Schlägen und auch eure Ausdauer beim Aufwärmen und beim Parcours hat überrascht. Nichtsdestotrotz haben wir noch viel Arbeit vor uns und eure Kondition muss sich mehr und mehr anpassen. Wenn ihr das, was ihr hier tut sehr ernst nehmen wollt, empfehle ich euch auch, auf eure Ernährung zu achten. Ich als Lehrer kann euch natürlich nicht vorschreiben, was ihr privat essen sollt, aber es wäre gut für euren Körper und euren Fortschritt euch ein wenig damit zu beschäftigen. Kommen wir nun zu Griffübungen. Ich möchte euch einige Wurf- und Grifftechniken zeigen und beibringen, bei denen ihr eure Gegner kampfunfähig machen könnt.
Wie ist dein Name“, fragte Berner, indem er auf Andi deutete.
Dieser war etwas verdutzt, verriet ihn aber.
„Komm her und schlag mir ins Gesicht forderte Berner ihn auf.
„Was…aber.“
„Na komm schon, brauchst dich nicht zurückzuhalten“, forderte Berner ihn auf. Daraufhin kam er sofort auf Berner zu und holte zum Schlag in dessen Gesicht aus. Andi wusste gar nicht wie ihm geschah, so schnell hatte Berner seinen Arm gepackt und ihn im gesamten über seinen Kopf hochgehoben. Nun wussten die anderen Schüler auch, warum Berner etwas abseits des Ringes zusätzlich eine große, dicke und blaue Matte aufgebaut hatte. Er warf Andi wie eine Puppe aus Styropor, wobei dieser erschrocken aber nicht zu laut oder ängstlich „OOH“ schrie und in hohem Bogen durch die Luft flog. „WOFF“ machte es, als Andi auf der blauen und weichen Matte landete. Die anderen Schüler klatschten und Berner grinste. Jedoch nur kurz, denn sofort forderte er die Schüler wieder auf still zu sein.
„Es ist gut wenn man es kann, aber Kampfkunst dient nicht dazu sich zu rühmen, sondern um sich selbst zu verteidigen und einer Philosophie zu folgen. Ich zeige euch die Abfolge meiner Griffe noch einmal im langsamen und ihr sollt das dann auch probieren. Andi, bitte noch einmal zu mir“, bat Berner Andi, welcher inzwischen wieder aufgestanden war. Berner zeigte den anderen Schüler langsam die genaue Abfolge seiner Griffe und Bewegungen und die anderen schauten gebannt zu. Diesmal warf er Andi jedoch nicht, sondern hielt ihn lediglich über seinen Kopf.
„Gut, jetzt seid ihr an der Reihe. Ich komme zu jedem Paar einmal, um euch zu verbessern. Bitte werft euch jetzt noch nicht, weil ihr noch ungeübt seid und euch verletzen könntet“, bat Berner, als er Andi wieder wie einen Gegenstand abgestellt hatte. Die Schüler taten sich schwer und lange bekam es keiner hin, den Gegner überhaupt über dem Kopf zu halten. Darou kam überfreundlich zu einem Kampfschüler aus einer anderen Klasse.
„Hey, kann ich das mal an dir ausprobieren, anstatt an einem meiner Klassenkameraden“, fragte er mit einem zu freundlichen Grinsen.
„Klar“, stimmte der Schüler zu. Reyney war gerade dabei nach dem Griff Derek in die Höhe zu stemmen. Er probierte es einmal, dann zweimal, dann dreimal erfolglos und erst beim vierten Mal hob er Derek mit Mühe und Not über seinem Kopf. Etwas ungeschickt wankend und mit zitternden Armen stand Reyney da und hielt Derek gerade so über sich.
„Pass bloß auf Junge“, sagte der.
„Klar doch…du bist doch ein Klacks“, log Reyney.
„VORSICHT“, schrie Xirtam förmlich und Reyney schaute gerade noch im letzten Moment nach rechts.
„WAAH“, machte Reyney und warf Derek von sich, welcher unsanft auf den dünnen Matten landete. Doch hätte Reyney diesen Reflex nicht gehabt, wäre der Schüler, welchen Darou kurz zuvor hochgehoben hatte, genau in die beiden hineingeflogen.
„AUU! KANNST DU NICHT AUFPASSEN“, beschwerte sich Derek und hielt seinen Hintern. Kurz darauf bemerkte er jedoch den ebenfalls daliegenden, von Darou geworfenen Schüler.
„Was…“, brachte Derek verwirrt hervor und schaute wie Reyney in dieses gemeine und gehässige Grinsen von Darou.
„WICHSER“, sagte Reyney etwas zu laut, sodass sich Berner umdrehte. Dieser war in dem Moment, als Darou den Schüler geworfen hatte zu sehr damit beschäftigt anderen die Griffe korrekt zu zeigen. Er hatte es also gar nicht mitbekommen.
„WAS??? WAS IST HIER LOS“, kam Berner gereizt und laut fragend an.
„Wir benutzen hier keine Kraftausdrücke“, beschwerte er sich bei Reyney.
„Dieser verdammte Typ da…er hat den Schüler nach uns geschmissen, wo ich gerade Derek gehalten habe“, sagte Reyney zu Berner. Dieser schaute zu Darou und kam auf ihn zu.
„Hey, habe ich nicht etwas gesagt? Noch keine Würfe!“
„Upsi, dass kam irgendwie einfach so aus dem Fluss heraus. Bin dann abgerutscht“, log Darou Berner ins Gesicht.
„Pass beim nächsten Mal gefälligst besser auf. Das hier ist kein Raufplatz. Hier können komplizierte Verletzungen entstehen. Wir wollen unsere Techniken sauber lernen und unsere Gegner nur kampfunfähig machen“, sagte Berner eindringlich zu Darou.
„Ja, Sir“, kam es etwas zu frech aus Darou.
„Ich bin nicht Sir verstanden“, sagte Berner nun leiser und seine blauen Augen bohrten sich in Darous.
„Verstanden“, gab Darou von sich, brach mit seinem Blick aber nicht ein. Berner wand seinen Blick ab und begab sich noch einmal zu Derek, Reyney und dem anderen Kampfschüler.
„Bei euch alles okay“, fragte Berner.
„Also bei mir und Derek schon…nur dem anderen Schüler geht´s nicht ganz so gut glaube ich“, sagte Reyney und deutete auf diesen.
Der geworfene Schüler saß mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einer Seitenbank und hielt sich den Unterarm.
„Was ist los…lass mal sehen“, bat Berner den Schüler und schaute sich den Arm an. Er konnte einen Bluterguss sehen.
„Ich bringe dich in die Umkleidekabine. Wenn der Schmerz in zehn Minuten nicht besser wird oder sich die Blaufärbung verschlimmert, rufe ich den Notarzt. Vielleicht ist es ein Bruch“, sagte Berner zu dem Schüler und brachte diesen aus der Halle. Die gute Stimmung war durch den Vorfall etwas gekippt, doch die Schüler trainierten weiterhin die Griffübung. Dies ging noch einige Minuten so, bis Berner die Unterrichtseinheit für beendet erklärte.
„Nun gut werte Schüler, die Griffe und das Heben des Gegners haben noch nicht so gut geklappt. Eure Muskeln sind noch schwach. Ich denke aber das bekommen wir nach ein paar Einheiten  in den Griff. Nächste Woche betreut euch dann Stimaling. Ich übermittle ihm meinen heutigen gezeigten Stoff und er wird es dann unter anderem noch einmal mit euch durchgehen. Ich hoffe, dass jeder von euch seinen Gegner ruhig in der Luft halten kann, wenn wir uns in vier Wochen wiedersehen. Erholt euch gut.“
Mit diesen Worten entließ Berner die Schüler, außer Darou. Er wollte mit ihm noch ein Wörtchen reden. Außerdem wusste er, dass die Situation in der Umkleidekabine noch einmal eskalieren könnte. Somit zogen sich Wesemeiers Schüler erschöpft und ereignislos um, um im Anschluss nach Hause zu fahren. Dort erzählte Andi seiner Mutter begeistert von dem ersten Kampfunterricht aller siebten Klassen, ließ aber die Tatsache weg, dass es mehrere Typen gab, welche es im negativen Sinne auf Andi und seine Freunde abgesehen hatten und es schon mehrmals zu Reibereien kam. Dies war auch gut so, denn im nächsten Moment ließ sich Andis Mutter über den Kampfsport aus, wie gefährlich er doch sei und dass sie es ganz und gar nicht für eine gute Sache hielt.
„Aber letztendlich musst du wissen was du tust“, hatte sie noch gesagt. Hätte Andi von den Reibereien erzählt, wäre sie sicher nicht so ruhig geblieben und ihm den Kampfsport womöglich noch verboten. Auch Derek, Xirtam und Reyney erzählten mit Enthusiasmus ihren Eltern von dem Kampfunterricht, wobei diese wesentlich begeisterter reagierten.
























Kapitel 1-4 Der mysteriöse Keller

Der Donnerstag verlief fast ereignislos und war für die Schüler der 7/4 ziemlich langweilig. Sie hatten an diesem Tag zwei Stunden Kunst, zwei Musik und zwei Stunden Biologie. Die letzteren beiden Stunden waren die einzigen beiden, welche die Schüler annähernd fesseln konnten. Während der letzten Stunde Biologie begab sich Derek auf die Toilette und konnte aus dem Treppenhausturm Gemurmel vernehmen. Er fragte sich was das sei und begab sich in den Turm, wobei er zwei Stimmen wahrnahm, welche wieder heftig miteinander diskutierten. Er konnte die Stimmen eindeutig dem Rektor Dralle und dem Lehrer Stimaling zuordnen. Zuerst dachte er sich, es sei nur eine belanglose Auseinandersetzung, doch dann wurde Stimalings Stimme lauter, als Derek gerade zurückgehen wollte.
„NEIN WERDE ICH NICHT“, konnte er hallend bis nach oben zum 3.Stock vernehmen. Befanden sich die beiden etwa wieder ganz unten vor der Kellertür? Derek wurde neugierig und begab sich ein Stockwerk tiefer um noch weit genug oben zu sein, dass die beiden ihn nicht erspähen konnten, er der Unterhaltung aber so gut es ging folgen konnte.
„Was meinen sie damit. Keiner muss davon erfahren…Kräfteweckung früher einsetzen…“, verstand Derek die Bruchteile des Satzes mit dem Dralle Stimaling anblaffte.
„Es könnte die Körper der Schüler schädigen. Es ist schon für die Achtklässer eine ziemlich hohe Belastung, sie in die Antigravitationskammer zu stecken oder ihnen unsichtbare Kinetikstrahlen beizubringen. Warum können sie nicht einfach warten“, verstand Derek nun deutlicher von Stimaling, weil er genauer hinhörte.
„ICH KANN NICHT WARTEN“, blaffte Dralle etwas zu laut.
Er bemerkte es sofort und senkte seine Stimme.
„Dem muss Einhalt geboten werden“, gab Dralle noch von sich.
„Wenn die anderen Lehrer merken, dass wir den Schülern Kinetikstrahlen beibringen um die…(Derek verstand nicht alles vom Satz)…sind wir geliefert. Darüber hinaus können die Zellen unserer Schüler entarten“, beharrte Stimaling.
„Papperlapapp!!! Die Tests haben ergeben das die Chance seehr gering ist“, sagte Dralle.
„Die Tests waren an Laborratten…kommen sie lassen sie uns das woanders ausdiskutieren“, sagte Stimaling und beide verschwanden in einer Tür, welche sich mit einem „KLACK“ schloss. Anscheinend waren die beiden wirklich wieder ins Kellergeschoss gegangen.
Antigravitationskammer? Kinetikstrahlen? Was um alles in der Welt ging hier vor sich. Derek wusste es nicht, aber er würde der Sache noch auf den Grund gehen. Zuerst begab er sich wieder in seinen Klassenraum um den Rest der Biologiestunde mitzubekommen. Seine Chance kam jedoch schon am nächsten Tag: In der 3.Stunde fiel Englisch bei Herrn Hennsel aus und irgendwie hatte die Lehrerschaft es nicht geschafft eine Vertretung für die Klasse zu finden. Die Schüler befanden sich also im lehrerlosen Klassenraum und beschäftigten sich mit sich selber oder trieben irgendwelchen Unfug.
Warum sollte Derek diese Chance nicht nutzen und mal schauen, ob er nicht irgendwie einen Blick in das Kellergeschoß erhaschen konnte.
Ein Papierflieger traf Derek mit der Spitze am Kopf.
„HEY WIRF DEINEN SCHEISS WOANDERS HIN“, rief Derek dem Werfer zu, welcher ihn nur auslachte. Derek wandte sich an seine Freunde.
„Hey, hört mal. Was haltet ihr davon, wenn wir uns ein wenig im
Schulgebäude umsehen. Einfach nur so. Wir kennen noch nicht den anderen Trakt mit den anderen Klassen“, schlug er vor.
„Toll und was willst du da sehen“, fragte Reyney gelangweilt.
„Außerdem kann es doch gut sein, dass mal ein Lehrer auf den Gängen innerhalb der Schulstunden rumläuft, um etwas Wichtiges aus einem anderen Raum zu holen. Wenn die uns erwischen bekommen wir mächtig Ärger“, warf Xirtam ein.
„Aaaach! Ihr macht euch zu viel Gedanken. Wir sagen dann einfach, wir sind zusammen losgegangen, um jemandem Bescheid zu sagen, dass wir in dieser Stunde keine Vertretung haben“, meinte Derek.
Eine weibliche nervige Stimme riss die vier Jungs aus ihrer eigenen Welt.
„ich finde Xirtam hat vollkommen recht. Ihr wisst doch, dass bei einer Freistunde, wenn die Schüler keine Aufsicht haben, alle in ihrer Klasse bleiben müssen“, sagte Helena vom Nebentisch wichtigtuerisch mit erhobener Augenbraue und Zeigefinger. Derek und die anderen hatten gar nicht mitbekommen, dass sie sie belauscht hatte.
„Ja, ja die brave Helena. Tu was du nicht lassen kannst. Erzähle es ruhig dem Rektor. Wir bekommen ja solche Angst“, sagte Derek.
Doch in Anbetracht des mysteriösen Kellers, wo auch Rektor Dralle immer verschwand hätte Derek den letzten Satz lieber unausgesprochen gelassen. Nun ging es aber nicht mehr. Er wandte sich enger an seine Freunde und sprach fast im Flüsterton weiter.
„Es ist so: ich habe nun mehrmals beobachtet wie Rektor Dralle, Stimaling und auch andere Lehrer im Keller mit großen Sporttaschen verschwinden. Ich frage mich was sie da wollen? Außerdem haben sie einige Male heftig davor diskutiert. Habt ihr nun Lust mitzukommen?“
Andreyi, Reyney und Xirtam überlegten kurz.
„Also ich weiß ja nicht was dort so cooles sein soll, aber ich hab grad übelste Langeweile. Ich komme mit“, sagte Xirtam.
„Gut! Und was ist mit euch beiden?“
„Meinetwegen“, sagte Andi.
„Bin dabei“, stimmte auch Renéji zu.
„Gut, damit es nicht so stark auffällt gehen zuerst ich und Andi heraus und Reyney und, ihr beide folgt etwa drei Minuten später“, schlug Derek vor.
„Geht klar“, stimmte Xirtam für sich und Reyney zu. Wenig später waren die Jungs vor der Klasse und begaben sich zum Treppenhausturm, welcher vom Vorraum der drei Klassenräume jedes Stockwerkes von einer Doppelglastür getrennt war. Derek lief voran öffnete die Glastür und konnte sofort durch den Spalt zwischen den Geländern jemanden ein Stockwerk tiefer hastig die Treppen hinunterrennen sehen. Stumm gab Derek den drei anderen Jungs ein Handzeichen noch kurz zu warten und gab dann das Zeichen mit einem Zeigefinger auf dem Mund, dass sie ruhig sein sollten.
„Was ist“, fragte Reyney sehr leise nach ein paar Sekunden.
„Es ist wieder Stimaling. Er läuft wieder in den Keller“, flüsterte Derek zu den Jungs. Nachdem die vier hörten, wie die Kellertür zufiel, sprach er wieder lauter.
„Wir haben Glück. Lasst uns schnell in das Kellergeschoss.“
„Aber…bist du verrückt? Was ist wenn…“, gab Xirtam von sich, doch ehe er es sich versah, eilte er mit den Jungs bis hinunter vor die metallene, grau angestrichene Kellertür. Die Kellertür besaß ein altmodisches Schloss, mit einem großen Loch, durch das man hindurch spähen konnte.
„Derek, was ist wenn er nur schnell was holt und gleich wieder zurück kommt? Dann sind wir am Arsch man“, giftete Xirtam ihn mit unterdrückter Stimme an.
„Man jetzt hab dich doch nicht so. Ich will ja nur schnell mal gucken. Wenn ich ihn durch das Schlüsselloch kommen sehe, können wir ja sofort wieder verduften“, meinte Derek und tat wie geheißen.
„Und was ist“, fragte Reyney.
„Da ist Stimaling…am anderen Ende des Ganges. Etwa fünfzig Meter oder so entfernt im letzten Raum. Was tut er da?“
Derek sah, wie Stimaling irgendetwas an der Wand im letzten Raum tat. Es sah aus, als würde er irgendetwas eintippen, so als ob dort irgendein Apparat wäre. Die Seitenschiebetür des letzten Raumes schloss sich und in diesem Moment blickte Stimaling direkt auf das Schlüsselloch, wo Derek gerade durchschaute. Derek erschien es in dem Moment, als ob Stimaling direkt in sein Auge schaute und es mit seinem Blick durchdrang. Derek fühlte sich ertappt und zog seinen Kopf wieder vom Schloss weg.
„Na? Was war denn nun“, fragte Reyney ihn verwundert an. Derek war etwas blass geworden, was die anderen bemerkten.
Derek schilderte den Jungs das Gesehene, während sie die Treppen wieder nach oben liefen und als sie zurück in ihrem Klassenraum waren, spekulierten sie noch den Rest der Stunde, was es wohl mit diesem Raum auf sich hatte. Reyney warf die Vermutung ein, dass es sich um einen Stromkasten oder etwas Ähnliches handelte, worauf Stimaling dort herumgedrückt hatte. Andererseits hatte die Schule doch extra einen Hausmeister dafür, dachten die Jungs. Derek hatte eine Idee.
„Wir können es ja so machen: in exakt einer Woche um die gleiche Zeit…Uhrenvergleich! (Alle vier Jungs schauten auf ihre Armbanduhr. Jeder sagte 10:37. Derek sprach weiter)
„…schleichen zwei von uns sich in den Keller…falls wir Englisch haben. Wenn es wieder ausfällt und wir wieder keine Vertretung haben…“
„Das wäre ja übertriebenes Glück. Bleib realistisch“, unterbrach Reyney Derek. Dieser fuhr abermals fort.
„…ja, ja. Also zwei von uns können ja, auch wenn wir normal Englischunterricht haben kurzzeitig nacheinander sagen, dass er auf die Toilette muss“, schlug Derek vor.
„Und du glaubst, dass Herr Hennsel das durchgehen lassen wird. Zwei auf einmal auf der Toilette? Wo lebst du“, fragte Reyney mit erhobenen Augenbrauen.
„Dann sag ich eben, ich muss mich übergeben und kann nicht warten. Was soll er da machen“, konterte Derek. Reyney war einsichtig.
Auch die anderen stimmten zu.
„Aber was genau erhoffst du dir dort zu sehen“, wollte Reyney wissen.
„Das werden wir sehen wenn es soweit ist. Ich denke ich werde dann schnell näher an diese Schiebetür gehen, sobald sie zugefahren ist“, meinte Derek. Die Verwunderung in Reyneys Augen vergrößerte sich, doch er sagte dazu nichts mehr.
„Gut. Dann machen wir es so. Aber lasst uns jetzt über etwas anderes sprechen. Helena und Jeanette schauen wieder so neugierig herüber. Die anderen dürfen davon auf keinen Fall etwas mitbekommen. Irgendjemand würde unser Vorhaben ja doch petzen“, sagte Derek und kurz darauf klingelte es zum Stundenende. Die nächsten drei Schulstunden verstrichen ohne besondere Vorkommnisse. Als Xirtam zusammen mit Reyney und Andi das Schulgebäude verlassen wollte (Derek hatte es etwas schneller verlassen, weil er eine bestimmte Serie im Fernsehen nicht verpassen wollte. Diese war auch das Einzige, was seine Gedanken von dem mysteriösen Keller verdrängen konnte), wurde er in der Vorhalle zum Hauptausgang nochmal auf etwas aufmerksam und stoppte abrupt. Reyney und Andi bemerkten sein abruptes Stoppen und schauten ihn verwundert an. Xirtam deutete mit einem seitlichen Kopfnicken auf die Glastür links von ihm in der Vorhalle, welche zu den Musikräumen und einem weiteren Treppenhaus zum Lehrerzimmer und Sekretariat führte. Hinter der Glastür standen Tommy und Dralle und unterhielten sich lautstark.
„Die beiden sind anscheinend unzertrennlich“, kommentierte Andi mit seinem kühlen Blick.
„Ich wüsste nur zu gerne, was die beiden so stark miteinander zu tun haben“, meinte Reyney. Die drei Jungs nahmen das erstmal so hin und verließen anschließend das Gebäude.

Kapitel 1-5 Wer sind Zlurks und Zlorks?

Das Wochenende verlief angenehm und ruhig für die vier Kampfschüler unter Wesemeier. Jeder machte sein eigenes Ding, faulenzte und das Thema des Kellers wurde erst mal beiseitegeschoben. Am Montag konnten die Schüler laut ihres Stundenplanes eine Schulstunde später kommen und hatten in der zweiten und dritten gleich bei ihrem Klassenlehrer Wesemeier Unterricht. Gleich in der zweiten Stunde war Geschichte an der Reihe, wo Wesemeier das Thema der Red-Ribbon-Armee vorstellte und den Kampf zwischen Son-Goku und dem damaligen General Blue.
Es dauerte nicht lange und die streberische Helena meldete sich zu Wort.
„Ja Helena was ist“, fragte Wesemeier.
„Nun…es gehört zwar gerade nicht zum Thema, aber ich habe ein sehr detailliertes und umfangreiches Buch über Helden und fremde Wesen gefunden und möchte es für den Geschichtsunterricht vorschlagen“, sagte Helena mit besserwisserischer Stimme.
Die anderen Schüler stöhnten leise im Chor und verdrehten die Augen.
„Ja ja. Da will man mal etwas Gutes tun…“, meckerte sie und verschränkte die Arme.
„Ist schon okay Helena. Es gibt nichts Gutes außer man tut es. Erzähl mir mehr von dem Buch“, bat Wesemeier sie. Ihre Augen begannen zu glänzen und von den anderen Schülern erntete sie nur noch genervte oder empörte Blicke.
„Nun ja, dort steht drin, dass es noch einen unentdeckten überintelligenten Saiyajin gibt. Welcher einen IQ von 837 besitzt und…“
„837“, kam es staunend und ungläubig aus verschiedenen Mündern.
„Ja…es ist so, dass er in Dimensionen denken kann, die wir uns nicht vorstellen können. Ich wollte fragen, ob sie etwas darüber wissen Herr Wesemeier“, fragte sie mit bittenden und glasigen Augen. Wesemeier strich sich mehrmals sichtlich interessiert über seinen weißen Vollbart.
„Interessant, interessant. Ich glaube von unserer werten Helena können wir noch einiges lernen. Nun diese Legende war für einige Zeit ein großes Thema…doch: nein, es gibt so einen Quatsch nicht.
Was stand noch in dem Buch…du sprachst auch von fremden Kreaturen?“
„Nun ja, dort sind alle ehemaligen Kreaturen und große Gegner von Son-Goku sehr gut beschrieben und dargestellt. Auch ein wenig, wie ihre Körper aufgebaut sind und wie ihre Anatomie funktioniert. Zum Beispiel Cell oder Freezer. Boos Körper ist jedoch bis heute ein Phänomen und unerklärbar.“ Wesemier nickte einige Male interessiert Helena fuhr fort.
„Dann waren da noch für mich diese unbekannten Zlurks und Zlorks…“
„WAS“, kam es urplötzlich und völlig entsetzt aus Wesemeier. Seine Augen weiteten sich…schienen zu zittern. Er räusperte sich und strengte sich an im normalen Ton weiterzureden. Die anderen Schüler bemerkten jedoch sehr wohl sein schweres Schlucken.
„Liebe Helena. Das ist eines dieser Humbug-Bücher, die wir letztes Jahr aus der Schulbibliothek entfernt haben. Wir müssen ein Exemplar einfach vergessen haben“, sagte er etwas gereizt. Winzige Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn.
„Es stimmt schon, dass ich es aus der Bibliothek habe…aber“,
„GENUG“, unterbrach Wesemeier nun etwas lauter. Helena und auch die anderen Schüler waren schockiert über seine Reaktion.
„Helena, gib mir das Buch. Ihr werdet noch viel bessere erhalten. Dieses ist veraltet“, bat Wesemeier.
„Aber kann ich es nicht trotzdem behalten“, fragte Helena und wollte das Buch schon umklammern.
„Tut mir leid. Es ist Eigentum der Schule und nur wir dürfen entscheiden, was damit geschieht.“
„Hmpf“, machte Helena und händigte das Buch mit dem Titel »Legenden und böse Kreaturen« Wesemeier aus. Sie war sichtlich beleidigt. Einige Mitschüler schmunzelten, kicherten oder belächelten sie.
„HÖRT SOFORT AUF“, kam es nun erzürnt aus Wesemeier.
„Helena ist eine sehr gerissene Schülerin, die eine Bereicherung für unsere Klasse ist. Durch ihre Hilfe haben wir nun ein weiteres Erbstück der Schule gefunden, welches Lügen, nichts als Lügen in dieser Schule verbreitet und unsere klugen Köpfe verunreinigt hätte. Also sind wir ihr nur zu Dank verpflichtet, nicht etwa zu Spott“, nahm er Helena in Schutz, welche trotzdem noch etwas beleidigt war, dass man ihr das Buch aus der Hand gerissen hatte. Die anderen Schüler waren wieder ruhig. So verlief der Schultag wieder verhältnismäßig ereignislos und die vier Kampfschüler freuten sich wieder auf den heutigen Kampfunterricht. Dieser war heute besonders spaßig. Das Aufwärmen gelang den Schülern nun sichtlich leichter und gleich danach hatte Wesemeier Seilklettern angeordnet.
Das wird ja einfach heute, dachte sich Xirtam.
Nach fünf Durchgängen bis zur Hallendecke und zurück fühlten sich die Jungs aufgewärmt.
„Ich bin immer noch nicht warm. So´n Klacks, der ist doch Alteisen“, höhnte Reyney, so dass er glaubte Wesemeier hätte es nicht gehört. Doch zu seiner Überraschung hatte der Alte ein verdammt scharfes Gehör und trat mit einem gemeinen Grinsen vor die vier Jungs.
„Jungs, Jungs, Jungs…das war doch nur die Aufwärmrunde des Seilkletterns. Jetzt beginnt MEIN Seilklettern sagte er und nickte auf den geöffneten Geräteraum neben der Halle. Die vier Jungs blickten dorthin und sahen die Medizinbälle mit einem Seil und einem dicken Ledergürtel daran befestigt herumliegen.
„Äh…was“, fragte Reyney.
„Ach das…sind nur kleine Arbeitsgeräte. Ihr nehmt jetzt die Medizinbälle, schnallt die Ledergürtel um eure Taille und klettert mit ihnen zur Decke…ich würde sagen…zehn Mal.
„WASSS“, fragten die Schüler ungläubig.
„Ach, Papperlapapp! Seid ihr Weicheier oder was? Hoch da“, forderte Wesemeier grinsend und feixte noch eine Weile in sich hinein.
„GRMPF“, machten die Schüler außer Andi, welcher immer einen leeren, gelangweilten und unbeeindruckten Blick drauf hatte und alle schnallten sich die extra großen Medizinbälle um den Körper.
„Ey, das kann nicht ihr ernst sein“, meinte Derek und auch Xirtam blickte ihn mit fassungslosem Blick an.
„Hopp, na los. Ihr müsst eure Körper besiegen. Das schreibt nun mal die Kampfkunst vor“, sagte Wesemeier immer noch grinsend und bei lauter Dance-Musik, welche er eingeschaltet hatte. Diese vermochte die Laune der Schüler jedoch nicht im Geringsten anzuheben. Somit quälten die Schüler sich ächzend die Seile herauf. Andi schafften es satte sechs Mal, Derek und Xirtam jeweils fünf und Reyney nur vier Mal hoch und runter zu klettern.
„Na Renéji? Heute besonders gut drauf was? So wie du zumindest vorhin geklungen hast? Na ich schiebe das mal auf deine sagen wir…etwas dürftig ausgebildete Muskulatur. Aber das bekommen wir schon hin“, feixte sich Wesemeier eins, während Reyney sich auf seinen Oberschenkeln abstützte und heftig atmete.
„Als ob sie das noch schaffen würden“, gab Reyney etwas provozierend von sich.
„Mmhhh…du willst mich herausfordern? Na gut“, sagte Wesemeier, schnallte sich einen Medizinball mit dem Gürtel und dem damit verbundenem Seil um die Taille und schaltete laute Rock-Musik ein.
Wesemeier entnahm eine coole Sonnenbrille aus seiner Tasche und setzte sie sich auf. Die vier Schüler gafften mit offenen Mündern verdutzt den alten Greis mit den Birkenstock-Sandalen und der Sonnenbrille an.
„Hey Baby, ich komme“, sagte er cool und blickte nach oben zur Decke. Sofort danach warf er sich ans Seil, während der Medizinball wild herumschlängelte, ihn aber keineswegs aus der Fassung brachte.
Im Gegenteil: der Ball schien Wesemeier gar nicht mehr zu interessieren und mit zusammengebissenen Zähnen kletterte er mit seinem kleinen Bäuchlein in Windeseile an die Decke. Die vier staunenden Schüler wussten nicht ob das jetzt 5 oder sechs Sekunden waren. Nein, sie waren wie erstarrt und sahen mit an, wie der alte oberkluge, sonst so spießig wirkende Kampflehrer dort locker, ohne heftig zu atmen, zehn Mal hoch und wieder hinunter kletterte. Auch nachdem Wesemeier die laute Rockmusik abgeschaltet hatte, konnten die vier Schüler die Münder nicht mehr zukriegen.
„Eine meiner leichtesten Übungen. So jetzt bin ICH warm…etwas“, sagte er gelangweilt ohne zu atmen und ohne Schweißperlen auf der Stirn. Derek fiel auf, dass Herr Wesemeier mehr Schweißperlen beim Hören der Namen Zlurks und Zlorks auf der Stirn hatte, als bei dieser Übung hier.
„Nun gut, meine Schüler. Nachdem ich euch die Mäuler gestopft habe, üben wir zuerst ein paar Wurf- und Abwehrtechniken und danach will ich zwei kleine Testkämpfe sehen, um zu schauen, wie schnell ihr das Gelernte verinnerlicht“, erklärte er den heutigen Unterrichtsinhalt. Und so taten die Schüler wie geheißen. In der Mitte der Halle war bereits der gleiche Ring aus dünnen harten Kampfmatten aufgebaut, wie am ersten Schultag und Wesemeier zeigte ihnen zuerst, wie man Tritte und Schläge korrekt abwehrt und einige Möglichkeiten des Greifens von Gegnern, um sie anschließend in den Schwitzkasten zu nehmen oder sie auf eine bestimmte Weise wegzuwerfen (jedoch nicht so wie bei Berners Training, wo man den Gegner über den Kopf stemmte um ihn dann weit weg zu werfen.
Das war schon eine spezielle Taktik).
Die Schüler waren nach Wesemeiers Klettervorstellung so baff, dass sie ihm nun voll und ganz vertrauten und sich total auf das Training konzentrierten. Somit gelangen ihnen die Abwehr- und Wurftechniken bei den Testkämpfen ziemlich gut. Wesemeier war zufrieden. Vielleicht sollte er öfter so eine Demonstration vollführen, dachte er sich. Nach dem Kampftraining unterhielten sich die Wesemeier-Schüler auf dem Nachhauseweg noch etwas. Xirtam erzählte Derek von dem Vorfall, wie Dralle sich mit Tommy über ein „Wunderkind“ unterhalten hatte. Irgendetwas ging hier auf der Schule nicht mit rechten Dingen zu. Die beiden Schultage Dienstag und Mittwoch der 2. Woche vergingen ohne nennenswerte Ereignisse. Am Mittwochnachmittag sprachen die Schüler in der 6. Stunde, als sie Geschichte hatten, über die damalige Rivalität zwischen dem Herrn der Schildkröten und dem Herrn der Kraniche und wie es überhaupt dazu kam, dass Son-Goku, welcher eigentlich vom Planeten Vegeta stammte und dort Kakarott hieß, zur Erde gelangte. Geschichte war besonders für die vier Kampfschüler Xirtam, Reyney, Andi und Derek immer ein besonders interessantes Fach und dort waren sie auch die Besten.















Kapitel 1-6 Kampfunterricht bei Dralle und Stimaling

Eine Überraschung erwartete die Schüler, als sie am nächsten Mittwoch in ihren weißen Kampfanzügen in die Halle traten. Normalerweise hieß es, dass jeden Mittwoch nur ein Lehrer alle siebten Klassen unterrichten solle, doch dieses Mal erwarteten Stimaling und Rektor Dralle die Schüler.
Die vier Wesemeier-Schüler hatten schon vergessen, wie fies das Gesicht des Rektors war und erschraken fast bei dessen Anblick. Stimaling blickte wie immer kühl und distanziert und wirkte an Dralles Seite wie seine rechte Hand.
„Nun gut meine Schüler, heute ist es so weit. Ich erwarte Kampfgeist und Disziplin von euch. Wir werden nur das typische Aufwärmtraining machen und dann sofort auf Tritt- und Multischlagübungen übergehen. Danach üben wir Block- und Wurftechniken und – ich habe die Kampfunterrichtszeit heute extra länger angesetzt – wir werden Trainingskämpfe veranstalten.
„Jaa!“ „Sehr gut!“ „Neeiin.“
Diese und mehrere Kommentare kamen gleichzeitig aus den Mündern diverser Schüler. Der fies dreinblickende Darou, welcher letzte Woche Derek angepöbelt hatte, knackte sich die Handknochen und blickte zu den Wesemeier-Schülern herüber.
„Dieser Darou geht mir langsam auf die Nerven. Immer hat er es auf mich abgesehen“, sagte Derek leise zu Reyney und Andi.
„Der is´ Geschichte“, sagte Andi nur monoton ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
„Äh…naja, da bist du dir deiner Sache ja ganz schön sicher“, meinte Derek und schaute in Andis graue, emotionslose und vor sich hin starrende Augen.
„Achte nicht auf Hampelmänner“, sagte er nur wieder cool und schaute von Derek weg. Derek fragte sich, ob dieser Mensch überhaupt Gefühle hatte.
„RUHE JETZT UND FANGT ENDLICH MIT DEM AUFWÄRMEN AN“, brüllte Dralle die laut murmelnde Menge zurecht.
Sofort begannen die Schüler im Kreis zu joggen. Natürlich hatten sie sich vorher Sandgewichte um die Beine geschnürt. Sie hatten schon gecheckt, dass dieses Kampftraining hier kein normales, sondern extravagantes war. Alle waren somit immer gespannt, was wohl als nächstes für ungewöhnliche Methoden kommen würden. Für heute wussten sie ihren Plan jedoch schon. Alles ging sehr zackig voran, denn die vorgesehene Trainingseinheit von Dralle und Stimaling würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Gleich nach dem Aufwärmen sollten sich die Schüler ohne kurze Pause in vier Reihen hinter Sandsäcken aufstellen, welche diesmal schon vorher aufgebaut waren. Die Schüler sollten schnell drei Kicks ausführen und sofort Platz für den nächsten Schüler machen. So ging das Ganze in mehreren Durchgängen mit verschiedenen Trittarten. Wie geplant kamen danach die Tacklings und Würfe an die Reihe. Im gesamten Trainingsverlauf machte Dralle besonders Wesemeiers Schüler fertig wo es nur ging. Ihnen flogen regelrecht Sätze um die Ohren, wie: „Was sind denn das für Schläge? Viel zu weich!“
„Schneller!!!“
„Wie bewegst du dich denn??? Viel zu ungeschickt!!!“
„Reyney wo sind deine Muskeln!! Trainier gefälligst!!!“
„Dralle hat es total auf uns abgesehen“, sagte Reyney zu Andi, welcher gerade einen Kick gegen den Sandsack vollführt hatte.
„Ja. Stimmt. Mir egal“, sagte Andi nur knapp und trat noch einmal extra hart zu.
„Andi hat recht. Lass ihn doch labern. Wir machen schon unser Ding“, sagte Xirtam und Derek war einsichtig. Was brachte es sich zu scheren, was ein anderer Kampflehrer von ihnen dachte, wenn sie die Möglichkeit hatten seinen Schülern beim Turnier das Maul zu stopfen. Einige Zeit später war es dann soweit: Die Testkämpfe begannen. Schnell wurde ein 10 mal 10 Meter großer Ring aufgebaut und Dralle und Stimaling bestimmten einfach irgendwelche Schüler, die gegeneinander antraten. Xirtam war zufällig der Erste und sollte gegen einen blonden großen Jungen aus der 7/3 mit auffällig hervorstehendem Kinn, blauen Augen, einer großen kantigen Nase und einem schlaksigen Körper antreten.
„Na dann zeig mal was du drauf hast“, meinte Derek nur, als Xirtam den Ring betrat. Xirtam war im Angesicht seines ersten Kampfes noch ein wenig mulmig zumute. Die beiden Schüler stellten sich gegenüber und blickten sich in die Augen.
„Wie ist dein Name“, fragte Stimaling Xirtams Gegner.
„Fabian“, antwortete der.
„Okay, verneigt euch voreinander“, bat Stimaling und die beiden taten wie geheißen.
„Gut, LOS“, rief Stimaling und es wurde sehr still in der Halle, denn alle Schüler waren gespannt, wie die beiden das Gelernte wohl umsetzen würden. Schnell bewegte sich Fabian auf Xirtam zu und wollte ihm einen Tritt gegen die Seite verpassen, doch Xirtam blockte geschickt ab und konnte Fabians Bein sogar noch ein wenig wegschubsen, was Fabian aus der Fassung brachte. Xirtam nutzte diesen kurzen Moment und landete einen Tritt gegen Fabians linke Seite. Fabian probierte es mit kurzen Schlägen denen Xirtam mühelos auswich. Doch es wurden so viele, dass Xirtam sehr mit ausweichen beschäftigt war, seine Deckung vernachlässigte und ebenfalls einen Tritt kassierte.
„Mach ihn fertig“, rief ein Klassenkamerad Fabians eher aus Spaß, weil sie wussten, dass dies nur ein Übungskampf war. Dralle blickte ihn sofort böse an, weil er wollte, dass sich die Kämpfer konzentrierten. Xirtam konnte Fabian in den Schwitzkasten nehmen und ihn wegwerfen. Nachdem Fabian wieder aufgestanden war, war er wesentlich aggressiver und trat nun was das Zeug hielt gegen Xirtam, dessen Verteidigung etwas einbrach. Zwar kassierte er drei der sechs Tritte, konnte beim siebten Tritt jedoch Fabians Bein greifen und ihn über die Ringbegrenzung werfen. Xirtam hatte seinen ersten Kampf gewonnen.
„Okay, Xirtam ist der Gewinner. Fabian steh auf und tritt noch mal mit Xirtam in die Mitte des Ringes…gut, verneigt euch.“
Derek bemerkte Dralles noch grimmigeres Gesicht, nachdem Fabian aus dem Ring flog. Was hatte dieser Mensch nur für ein Problem mit Wesemeiers Schülern?
„Ich will noch einen zweiten Kampf…Andi du bist als nächster an der Reihe. Gegen…Darou“, meldete sich Dralle zu Wort, welcher bequem neben dem Ring saß. Darous Augen blitzten unter einem gemeinen Grinsen auf und fixierten Andi. Andi bemerkte dies aus den Augenwinkeln und erwiderte seinen Blick mit seinen müden Augen.
Konnte das ein Zufall sein, dass diese verfeindeten Jungen hier und jetzt schon aufeinander trafen oder hatte Dralle dies geplant.
Andreyi war es einerlei. Er lief gemütlich mit starrem Gesicht in den Ring und verneigte sich mit Widerwillen vor Darou. Stimaling eröffnete den Kampf. Zuerst standen die beiden einige Sekunden lang und fixierten gegenseitig ihre Augen, während Darous Grinsen immer stärker wurde. Schnell drehte sich Andi um sich selbst, um einen Tritt gegen Darous Seite auszuführen.
„Oh…“, machte Dralle, welcher verblüfft von der Geschwindigkeit der Drehung war, obwohl Andi doch nur so kurz trainiert hatte.
Mit einem „BAACK“ wehrte Darou den Tritt zwar ab, konnte aber deutlich die Wucht in seinem rechten Arm spüren und unterdrückte mit einem leisen „Grrr“ die Schmerzen. Andis Blick blieb kühl und wieder schauten die beiden sich lang in die Augen. Nun brach der Kampf aber aus und es kam zu einem doch ganz ansehnlichen Schlagabtausch zwischen den Neulingen. Beide hatten eine gute Defensive und kaum ein Treffer landete. Doch nun wurde Darou aggressiver und Andi unachtsamer. Darou rammte sein Knie mit voller Wucht in Andis Magen, welcher daraufhin einige Schritte zurücktaumelte. Andi schaute Darou verwundert an. Was ihn so verwunderte und was alle anderen mitbekommen hatten war, dass Andi anscheinend freiwillig seine Deckung aufgegeben hatte. Kurz vor dem Bauchtreffer hatte er kurz seinen Arm gehoben. Aber Andi wollte dies gar nicht. Für einen kurzen Moment hatte sein Körper ihm nicht gehorcht und er wusste nicht warum. Er dachte zu lange nach, denn sofort schnellte Darous Bein vor und traf gegen seinen Kopf, sodass sich die Gesichtsmuskulatur ulkig zur Seite knautschte. Zumindest in Zeitlupe wäre dies gut für einen Lacher gewesen.
„Urrgghh…verdammt“, gab Andi von sich und schaute perplex Darou an. Er schüttelte seinen Kopf durch, um wieder bei Sinnen zu sein.
„Naa Andi, ich dachte du wärst so gut. Nicht so große Töne spucken“, giftete Darou.
„Konzentriert euch. Wir sind beim Training“, ermahnte Dralle den fiesen Darou.
„Schon gut, schon gut“, sagte er und kämpfte weiter. Der Kampf ging überraschend lange und es wurden von beiden viele Schläge und viele Tritte ausgeführt. Was Andi nur wunderte war, dass er ab und zu das Gefühl hatte, dass er sein Bein oder Arm nicht richtig bewegen konnte oder er es beziehungsweise ihn manchmal zu sehr bewegte, sodass Darou öfter vorteilhafte Situationen ergattern konnte. Die beiden besaßen zwar ungefähr dieselbe Härte bei den Schlägen, jedoch gewann Darou durch Andis unerklärliche Unkontrolliertheit allmählich die Überhand. Und so passierte es nach einer Weile, dass Andi bei einem Schlag, welcher Darous Kopf bei seiner schlampigen Deckung perfekt getroffen hätte, abrupt vor dessen Kopf stoppte.
Die Wesemeier-Schüler bekamen das mit. Manche andere nicht.
„Hä…“, machten sie fragend.
„Was“, gab Andi von sich und Darou nutzte diesen Augenblick, schnappte sich Andis Arm und warf ihn über die Ringbegrenzung.
„Aber…das kann doch nicht sein“, sagte Andi zu sich selber.
„Andreyi, aufstehen. Verneige dich nochmal vor deinem Gegner“, sagte Dralle ohne ihn anzuschauen und Andi tat immer noch perplex wie geheißen. Dabei sah er in diese hinterhältigen Augen dieses Darou. Wut stieg in Andi auf. Er unterdrückte sie und konnte gerade noch so seine nichtssagende Miene aufrecht erhalten.
„Was war los? Wolltest du ihn gewinnen lassen“, kam Derek fragend zu Andi.
„Ach, ich glaube ich weiß was los war. Du willst ihn nur im Glauben lassen er wär besser und dann beim Turnier…ZACK…da schlägst du zu“, meinte Reyney, welcher nicht glauben konnte, dass Darou wirklich besser als Andi war.
„Nein…es ist seltsam. Irgendwas stimmt mit meinem Körper nicht“,
sagte Andi und blickte zu Darou welcher zusammen mit seinen Kampfschülerkameraden lachte und noch mal ab und an zu Andi rüberblickte. Andi wollte den heutigen Ereignissen nicht mehr zu viel Beachtung schenken. Vielleicht war er nur körperlich schlecht drauf und einen anderen Tag würden diese seltsamen Erscheinungen wieder weg sein. Kurz darauf war die Unterrichtseinheit auch schon vorbei.
















Kapitel 1-7 Ein „ungewöhnlicher“ Schultag

Am Donnerstagmorgen als Andi mit dem Bus zur Schule fuhr, war er seltsamerweise der Einzige im Bus. Der Himmel war dunkelgrau, dicke Regentropfen prasselten, nein platschten mit voller Wucht gegen die Scheiben und bildeten auf der Außenseite mehrere kleine Mini-Wasserfälle, sodass Andi bald nur noch Umrisse der äußeren Umgebung erkennen konnte. Blitze zuckten in der Ferne und Bäume tanzten im Sturm wild hin und her. Andi fühlte sich noch nie so unbehaglich. Das hatte der Wetterbericht doch gar nicht voraus gesagt…
Zusätzlich kam es Andi so vor, als ob der Busfahrer alle paar Sekunden in den oberen Spiegel schaute, um Andi zu beobachten. Jedes Mal, wenn Andi dorthin schaute, bewegten sich auch die Augen des Busfahrers zum Spiegel um seine zu fixieren. Sollte er sich nicht auf die Fahrt konzentrieren. Andi zwang sich nicht noch einmal hinzuschauen. Er spürte so eine unerklärliche Angst und konzentrierte sich, nicht noch einmal in die Augen des Busfahrers zu schauen. Doch er verspürte so einen heftigen Drang und konnte dem nicht widerstehen. So tat er es nach einer Weile doch und sah sie: diese rot leuchtenden Pupillen, welche auch damals sein Vater besaß, wird er auf Lebzeiten nicht mehr vergessen. Sofort schrak er hoch in seinem Sitz und sah diese wutverzerrte Fratze des Busfahrers im Rückspiegel.
Zufälligerweise hielt er gerade eine Station vor der Haltestelle, wo Andi hätte aussteigen müssen. Vorne standen an der Tür einige Leute bereit zum Einsteigen, doch noch öffnete der Busfahrer die Tür nicht.
Sahen sie denn nicht alle diese rot leuchtenden Augen? Die hintere Tür öffnete und Andi rannte hinaus, an der kleinen Menschengruppe, welche nun in den Bus eintrat vorbei und den Rest der Straße, bis zur nächsten Querstraße hinunter, wo er eigentlich hätte aussteigen müssen. Nun lief er in die Querstraße hinein und dort liefen hunderte Schüler auf beiden Seiten des Gehweges Richtung Schule.
Was geht hier nur vor, dachte sich Andi, der bemerkte, dass etliche Schüler die Köpfe herumgedreht hatten und ihn mit leeren und ernsten Augen anschauten, so als ob sie genau gewusst hätten, dass er gerade in die Seitenstraße eingebogen war. Sie drehten ihre Köpfe wieder herum. Alles wirkte grau und trist an diesem Tag. Keiner der Schüler schien etwas Farbliches zu tragen und auch der Himmel verdunkelte sich weiter. Wenig später war es soweit: die erste Stunde sollte beginnen und Andi lief mit der stummen Menge seiner Klassenkameraden auf seinen Klassenraum zu. Dort wartete Wesemeier aber schon davor und stoppte mit ernster, regungsloser Miene und mit genau den leeren Augen wie jeder andere an diesem Tag auch schon.
„Andreyi…du nicht. Du wirst erwartet. Im Rektorzimmer“, sagte Wesemeier ohne die Mimik zu verändern oder in irgendeiner Weise zu verraten, ob es sich hierbei um etwas Gutes oder Schlechtes handelte.
„Okay“, gab Andi nur verdutzt von sich und machte sich auf den Weg zum Rektorzimmer.
Dort angekommen öffnete er die Tür und sah Rektor Dralle mit giftigem Blick und ineinander verschränkten Fingern dort sitzen.
Links neben ihm stand der gemein dreinblickende Tommy.
„Komm herein werter Andreyi und setz dich“, bat Dralle trotz seiner Mimik mit authentisch wirkender Höflichkeit.
„Okay“, sagte Andi wieder nur kurz. Die Tür brauchte er nicht zu schließen. Dort stand ein bulliger, fast zwei Meter großer Typ, mit markantem Kinn, kantigem Schädel, kurzen schwarzen Haaren und harten Gesichtszügen. Andi schluckte innerlich. Was hatte das alles zu bedeuten. Er setzte sich erst einmal.
„Okay, Andreyi. Ich erzähle dir jetzt, was es mit der Schule auf sich hat.“
„Ähm…na dann mal…Oh…URRRGGHH“, machte Andi, weil Tommy urplötzlich auf ihn zukam, ihn am Kragen hochhob und ihn mit voller Wucht sein Knie in den Magen rammte. Tommy ließ Andi wie ein Sack Kartoffeln auf den Stuhl zurückfallen und so sackte er auch gekrümmt und sich den Bauch haltend zusammen.
„AHHH…UHHH“, gab er nur mit schmerzverzerrtem Gesicht von sich. Dralle grinste.
„Der Kampfunterricht ist dazu da, um euch zu drillen. Wir sind hier so etwas wie eine eigene, vom Staat unbekannte Wehreinrichtung von elitären Kämpfern“, erzählte Dralle. Du glaubst du bist gut? Dann wart´s mal ab“, sagte Dralle. Von hinten wurde Andi ein stofflicher Sack über den Schädel gestülpt.
„NEIN…ICH…MMHHH..MHHH“, gab er geschockt von sich. Er hatte sich ja alles ausgemalt, aber das war nun wirklich zuviel.
Schnell und ohne, dass Andi sich wehren oder gar befreien konnte, verschränkte der bullige Typ mit immenser Kraft Andis Arme auf dem Rücken und fesselte sie. Er hörte nur noch Dralles hinterhältiges Keckern und spürte, wie er längs hochgehoben und von dem bulligen Typen abtransportiert wurde. Er zuckte wie wild am ganzen Leib bei dem mehrminütigen Transport, aber der bullige Typ war einfach zu stark. Nach scheinbar endloser Zeit wurde Andi auf einen Boden gelegt. Er ahnte, dass es der Boden der Sporthalle war, weil er die Stahltür derer hatte zufallen hören. Dralles bulliger Türsteher nahm ihm den Stoffsack vom Kopf und Andi konnte nun sehen, was um ihn herum passierte: Ringsherum an der Wand der Turnhalle standen etliche Schüler der ganzen Schule und blickten leer und starr geradeaus. Das schlimmste aber sah Andi über sich: Einen riesigen übergroßen Sandsack, weit nach oben mit einem Seil gezogen kurz unter der Decke, welcher genau über seinem Kopf baumelte. Mittels einer besonderen Apparatur wurde Andis Körper von dem bulligen Typen fest unter zwei Seile gespannt, sodass er sich nicht mehr bewegen konnte. Andi zappelte wild hin und her, doch es nützte nichts.
„TUT DOCH WAS!!! WAS IST LOS MIT EUCH“, rief er den stumm dastehenden und nun zu Boden blickenden Schülern entgegen.
Sie reagierten nicht und Dralle lachte nur laut.
„HAHAHAHAHAHAHAHA!!! DAS WIRD DEINE ERSTE PRÜFUNG MEIN KLEINER“, sagte er laut und mit wahnsinnigen Augen.
„NEEEEEEEIIIIINNN“, schrie Andi und der bullige Typ entknotete das unten an der Wand befestigte Seil, um den überschweren Sandsack auf Andis Kopf niederfallen zu lassen. Im Schreien sah Andi, wie dieser immer näher auf seinen Kopf zuraste. In dem Moment, wo der Sandsack landete, schrak Andi in seinem Bett hoch.
Blass und schwer atmend schaute er sich in seinem durch die Digitalanzeige seines Weckers schwach beleuchteten Zimmer um.
Es war nur ein Traum…aber…nein, das konnte nicht sein.
Andi tastete sein Gesicht ab. Es war noch ganz. Natürlich war es gut, dass es nur ein Traum war, aber es kam ihm so verdammt real vor. Hatte er etwa die Fähigkeit der Vorahnung beziehungsweise Vision, welche er in seinen Träumen sah? Andi ließ sich wieder auf sein Kissen fallen und reagierte sich erst einmal ab. Dieser Traum würde ihn noch eine Weile zu schaffen machen und eigentlich war er nicht derjenige, der sich so stark mit den Geheimnissen dieser Schule auseinandersetzte, sondern Derek. Von nun an würde sich das jedoch ändern. Nach einer Weile unbehaglichen Gefühls konnte Andi, immer noch mit schweißnasser Stirn, wieder einschlafen und wachte um sechs Uhr dreißig durch seinen Wecker wieder auf. Er fühlte sich noch immer unbehaglich durch diesen Traum. Was war das bloß, bin ich ein Freak, dachte Andi fragend an sich selbst, als er so sein verstörtes blasses Spiegelbild kurz nach dem Aufstehen betrachtete. Er entschied seiner Mutter nichts davon zu erzählen. Sie regte sich innerlich über so etwas immer zu sehr auf. Außerdem redete sie ständig von der Geschichte im Revalpark und dass Kinder ja gar nicht mehr alleine herumlaufen sollten. Das nervte Andi ein wenig zumal er ja dreizehn Jahre alt war und solche Dinge in jedem Bezirk ab und an passierten. In seinem Bezirk war die Gewaltrate ja noch relativ gering.
Der echte Donnerstagmorgen in der Schule begann mit zwei Stunden Chemie. Chemie hatte die 7/4 bei Herrn Hecker, einem dünnen Mann mit einer Körpergröße von etwa 1,90 Meter, einem runden Schädel mit Glatze, einer Brille mit runden Brillengläsern über blauen Augen und einem grauen Schnauzer. Heute trug er eine hellblaue Jeans mit übergroßen dunkelbraunen Stiefeln und einem gelb-grün karierten Holzfällerhemd. Das Einzige, was Andi von der Stunde mitbekommen hatte, war Periodensystem und Atom. Ansonsten ließ er sich diesen abgefahrenen Traum mit all seinen Einzelheiten durch den Kopf gehen. Immer und immer wieder. Zwischendurch hatte Stimaling an der Tür geklopft und hereingeschaut. Er und Hecker hatten sich feindselige Blicke zugeworfen. Hatten die beiden etwa auch ein Problem, so wie Stimaling und Wesemeier, dachten sich Derek und Reyney.
„Was möchtest du“, fragte Hecker mit einem etwas genervten Unterton in seiner Stimme.
„Habe meine Lesebrille im Nebenraum vergessen“, sagte Stimaling, trat ein und öffnete eine Tür neben der Wandtafel zu einem weiteren Raum. Dies war ein Vorbereitungsraum für chemische und physikalische Experimente nur für Lehrer. Schnell schnappte sich Stimaling sie und verließ augenblicklich und ohne ein Wort zu sagen den Chemieraum. Seltsam, seltsam diese ganzen Lehrerverhältnisse“, dachte sich Derek, aber auch Andi, welcher kurz aus seinen Träumereien erwachte. In der dritten Stunde war es für Derek nun so weit. Sie hatten zwar diese Woche wirklich Englisch, jedoch würden sie auch zu zweit mehr über den Keller erfahren. So hatten sie es ja ausgemacht. Würde Englisch stattfinden, könnte erst einer auf Toilette gehen und der zweite mit einem Vorwand nachziehen. Das klappte auch. Reyney ging als Erster und etwa zwei Minuten später beteuerte Derek, dass ihm sehr schlecht sei und er auch schnell auf Toilette müsse. Herr Hennsel machte eine Ausnahme und ließ ihn gewähren. Reyney wartete schon am Treppenabsatz. Derek kam ebenfalls ins Treppenhaus.
„Schon was…“, …gesehen, wollte Derek weiter sagen, doch Reyney legte einen Zeigefinger auf den Mund und deutete nach unten. Tatsächlich liefen Dralle und Stimaling hektisch über die Treppen in den Keller.
„Hast du alles“, fragte Dralle. Soviel konnten die beiden Jungen hier oben hören.
„Ja“, antwortete Stimaling.
„Dann los, Beeilung“, sagte Dralle und Stimaling öffnete mit einem Schlüssel die Kellertür. Die Lehrer begaben sich hinein und ließen die Kellertür einfach zufallen. Derek und Reyney hörten nicht, ob sie die Kellertür wieder abschlossen. Anscheinend hatten sie es diesmal eilig und hielten es nicht für nötig. Schnell hasteten auch Derek und Reyney in den Keller. Zuerst schaute Derek wieder durchs Schloss und sah gerade noch wie Stimaling wieder gegen die Wand im letzten Raum tippte. Stimaling plapperte irgendetwas zu Dralle. Die Seitenschiebetür schloss sich daraufhin.
„Lass mich auch mal“, forderte Reyney und schubste Derek beinahe weg. Er sah jedoch nur noch die zugefahrene Seitenschiebetür.
„Verdammt…und nun“, fragte Reyney.
„Lass uns doch einfach mal an die Tür ran gehen und horchen“, schlug Derek vor. Andi, der gerade im Englischunterricht saß und wusste, dass die beiden dort ihre Neugierde befriedigen konnten, wusste auch nur zu gerne, ob es wirklich irgendetwas mit dem Keller auf sich hatte. Aber drei Schüler auf einmal, die angeblich auf Toilette wollten? Nein, das wäre zu auffällig. Derek und Reyney öffneten die graue Tür zum Kellerbereich und huschten in den etwa fünfzig Meter langen Gang, an dessen rechter Seite sich in einigen Meterabständen ebenfalls drei weitere graue Türen befanden. Stimaling hatte noch nicht mal das Licht des Ganges ausgeschaltet. Er musste es ja wirklich eilig gehabt haben. Schnell waren die beiden Schüler vor der letzten metallenen Schiebetür angelangt. Sie hörten Stimaling dort drinnen sprechen.
„Heute ist ein großer Tag…bin schon sehr weit mit…Experimenten…Durchbruch“, hörten sie nur die Worte durch die Tür.
„Wurde auch langsam Zeit“, kam es jedoch ohne Lob, nein eher mahnend aus Dralle. Plötzlich ertönte ein lautes Surren aus dem Raum, dann ein Klackern.
„Was ist das“, fragte Derek.
„Keinen blassen Schimmer“, antwortete Reyney. Nun spürten sie auch eine ganz leichte Vibration am Boden. Die Stimmen von Dralle und Stimaling, welche sich immer noch unterhielten, schienen immer leiser zu werden. Das Klackern wurde lauter. Irgendwann waren die Stimmen von den Lehrern ganz verschwunden.
„Merkwürdig. Höchst merkwürdig.“, gab Reyney von sich.
„Ja find ich auch“, sagte Derek. Nach einer Weile der Stille versuchte Derek die metallene Tür, welche keinen Griff aufwies, durch seine flachen Hände aufzuschieben.
„Hey, bist du Irre. Wenn die uns erwischen“, meinte Reyney.
„Naja…geht eh nicht auf“, sagte Derek.
„Okay, du hattest was du wolltest…lass uns gehen, bevor die Tür nicht wirklich noch aufgeht und Stimaling und Dralle vor uns stehen.
„Ja, ja, ist ja schon gut“, stimmte Derek widerwillig zu und die beiden begaben sich wieder in den 3.Stock und nacheinander in den Klassenraum, sodass Herr Hennsel keinen Verdacht schöpfte.
Nach der vierten Stunde standen Derek, Xirtam, Reyney und Andi wie gewohnt zusammen und Derek konnte über nichts anderes mehr reden als über den Keller.
„Man nu mach aber mal nen Punkt. Haben wir irgendwas weltbewegendes gesehen? Ich glaube soo interessant ist dieser Keller auch nicht“, sagte Reyney genervt zu Derek.
Andi musste wieder an seinen Traum denken, wollte die anderen an seinen Gedanken aber nicht teilhaben lassen.
„Vielleicht hast du recht und meine Fantasie geht nur mit mir durch“, sagte Derek. Kurz darauf kam Darou mit einem fiesen Grinsen von seiner Gruppe auf die Wesemeier-Schüler zugelaufen.
„Naa, Andreyi? Hat wohl doch nicht so gut geklappt bei deinem Kampf mit deinen Künsten. Wo waren sie denn“, gab er feixend von sich.
„Ich würd´s lassen“, sagte Andi nun etwas gereizter und man konnte die Wut in seinen Augen sehen.
„Andi, nicht! Lass dich nicht provozieren“, hielt Xirtam Andi zurück.
„Na was willst du denn tun? Wieder ins Leere schlagen? Hahahahahahahaha“, lachte Darou.
„MAN VERPISS DICH ENDLICH VON UNSERER GRUPPE“, wetterte Derek gegen Darou. Wesemeier, der diese Pause Aufsicht hatte, bemerkte den Streit und eilte herbei.
„WAS IST HIER LOS“, fragte er laut.
„Nichts. Ist schon okay“, sagte Andi.
„NICHTS IST OKAY! Dieser Darou und seine Freunde hetzen ständig gegen uns und provozieren uns“, sagte Derek.
„Ach vergesst es. Aber du Andi! Wir sehen uns spätestens beim Turnier. Und dann werde ich nicht so soft mit dir umgehen, wie bei dem Trainingskampf, den du auch schon verloren hast“, höhnte Darou und machte sich schnell wieder vom Acker, bevor Wesemeier auf ihn zukam. Wesemeier wurde hellhörig, als er von dem Trainingskampf hörte.
„So, so. Ihr hattet also einen Kampf gegeneinander“, gab Wesemeier nachdenklich von sich.
Höchst seltsam. Andi hat eine wesentlich stärkere verborgene Kraft, als dieser Darou. Wie kommt es, dass er besiegt wurde…, waren seine momentanen Gedanken.
„Andi, Xirtam hat recht. Bleib ruhig bis zum Turnier. Selbst wenn du noch einige weitere Testkämpfe verlierst, ist es nicht schlimm. Außerdem weiß ich wie du bist. Du entwickelst enorme Kräfte, wenn du wütend wirst. Du könntest jemanden verletzen. Wenn dies passiert, werden andere Lehrer es nutzen dich vom Training auszuschließen.
Halte dich zumindest bis zum ersten Turnier unter Kontrolle.
Ich werde euch allen noch mehr über verborgene Kräfte erzählen. Jetzt ist aber noch nicht der richtige Zeitpunkt“, erzählte Wesemeier und zog wieder von dannen.
„Wie hat er das gemeint…es nutzen ihn auszuschließen…das bedeutet…“
„Ja. Es gibt Lehrer die haben es auf uns abgesehen. Wahrscheinlich Dralle und Stimaling“, schlussfolgerte Andi und beendete für Derek den Satz.
„Ich wusste es. Irgendetwas ist hier absolut nicht geheuer an dieser Schule…und es hängt…“
„Derek! Komm jetzt bloß nicht wieder mit deinem Keller. Wahrscheinlich gibt es dort unten nichts als Gerümpel und ein paar Ratten“, unterbrach Reyney Derek.
„Mmhh, klar. Und deswegen gehen die beiden Lehrer da so oft hin. Aber bitte. Ich sag nichts mehr“, meckerte Derek schon beinahe. Aber er wollte seine Freunde behalten. Er wusste, würde er sie weiterhin nerven, würden sie auch ihm irgendwann aus dem Weg gehen.

So verliefen die nächsten Monate bis zu den Weihnachtsferien relativ ereignislos. Derek verwarf seine Gedanken über den Keller und ließ die Sache ruhen, Andi und auch die anderen Wesemeier-Kampfschüler hatten immer mal wieder Probleme mit Darou und seinen Leuten, gingen ihnen aber so gut es ging aus dem Weg. Vier Wochen nach den ersten Trainingskämpfen, wo Andi gegen Darou aus ihm unerklärlichen Gründen das Nachsehen hatte, luden Dralle und Stimaling alle Kampfschüler ein, den Neunt- und Zehntklässern
Bei ihren Kämpfen zuzuschauen. Diese fanden anstatt dem normalen Kampfunterricht der siebten Klassen in der Halle der Kakarott-Oberschule statt. Als die Wesemeier-Schüler mitsamt den anderen Siebtklässern die Halle betraten, sahen sie, wie drei Ringe aus den dünnen harten Trainingsmatten bereits geformt waren und sich auf jeweils einem Ring zwei Kampfschüler warm machten.
„So was. Fangen die gleich mit Sparring an, anstatt mit Geräten zu üben oder sich warm zu laufen“, fragte Derek Andi, Reyney und Xirtam. Stimaling stand zufällig in der Nähe und hatte diese Frage gehört.
„Nun, warmgelaufen sind sie schon…das Geräteüben ist in den hohen Klassen nicht mehr ganz so wichtig. Natürlich üben sie es noch aus, aber heute wollten wir extra für euch ein paar Kämpfe zeigen. Somit beginnen die Schüler mit Sparring und danach zeigen wir euch Griffe, Würfe, schnelle Blocktechniken und einige Kämpfe. Dann könnt ihr euch ein viel besseres Bild machen, wie diese ablaufen und euch eventuell ein bisschen was abgucken“, sagte er zu Derek.
Kaum zu glauben, dass dieser Lehrer einen Wesemeier-Schüler auf diese nette Art und Weise angesprochen hat. Vielleicht war er doch kein so übler Kerl, dachte sich Derek. Alle Siebtklässer standen oder saßen ringsherum am Rand der Halle und schauten gebannt zu. Was jedem auffiel war, dass alle überraschend konzentriert und zügig zu Werke gingen. Wenn die Trainierenden mal nicht an der Reihe gewesen waren und abseits des Ringes im Schneidersitz warten mussten, gab es nie irgendwelche kleinen leisen Gespräche oder kurze Witzeleien. Auch sie schauten gebannt zu. Der Kampfunterricht wurde also sehr ernst genommen, auch wenn es nur ein „Schulunterricht“ war. Derek und die anderen Wesemeier-Schüler hatten längst begriffen, dass der Kampfunterricht das Maß aller Dinge der Schule war und nicht nur einfach ein Extrakurs, den man mal so eben aus Langeweile belegte. Die jungen Schüler sahen unter Kampfschreie der Älteren harte Tritte, Würfe und schnelle Schlagabfolgen. Hier und da blutete schon mal eine Nase und so manch einer musste aufgrund dessen den Ring verlassen und pausieren. Doch aufgeben tat wegen einem Wehwehchen keiner. Im Gegenteil: die Blutenden kamen schnell wieder von der Toilette, mit einem Papiertuch sich die Nase oder Wunde haltend und schauten gebannt bei den Testkämpfen zu. Tommy Tamons, Dralles bester Schüler, war ebenfalls anwesend und hatte bisher überhaupt am wenigsten gezeigt, was die Wesemeier-Schüler wunderte.
„Das ist doch dieser Tommy, der mal zu uns auf dem Schulhof gekommen ist und uns gedroht hat“, bemerkte Derek.
„Ist euch aufgefallen, dass er selbst bei den Wurftechniken und Trittübungen kaum mitgemacht hat? Und der soll gut sein?
Scheint mir eher ´n Faulpelz zu sein“, gab Reyney leise von sich, so dass nur die Wesemeier-Schüler es hören konnten.
Wie aus der Pistole geschossen, so als ob Dralle es gehört hätte, forderte er Tommy zum Testkampf auf.
„Tommy du bist an der Reihe. Versuch den Flash-Triple-Kick und die Sonic-Thunder-Punches einzubauen, damit die Schüler sehen was sie noch lernen werden…oder was ihnen noch blüht, hehehe“, sagte Dralle den letzten Teil des Satzes so leise und gemein grinsend, so dass nur Tommy ihn hören konnte.
„Flash-Triple-Kick? Sonic-Thunder-Punches? Was ist das nu wieder für´n Quatsch“, fragte Reyney seine Mitschüler.
„Hat er sich vielleicht selber ausgedacht. Soll nur originell klingen“, meinte Derek geringschätzig.
„Naja…er war wie er damals auf dem Schulhof sagte die zwei letzten Male Turniermeister der Schule. Das soll schon was heißen“, gab Xirtam sein Kommentar dazu ab. Andi schaute nur gebannt und neugierig auf den Ring wo Tommy und ein kleinerer Junge mit langen blonden Haaren aufeinander zuliefen. Beide kämpften mit freien Oberkörpern und die Wesemeier-Schüler staunten, wie durchtrainiert sie waren. Tommy hatte eine stolze Größe von fast 1,90 Meter, war sehr athletisch bis sehr muskulös ausgestattet und grinste selbstbewusst. Man erkannte kein Zucken oder keine Nervösität in seinem markanten Gesicht mit der großen Nase, den pechschwarz wirkenden Augen, dem leicht hervorstehenden Kinn und den schmalen Lippen. Seine schwarzen Haare standen zu etlichen, dünnen und spitzen Stacheln nach oben. Es schien so, als ob er Kleber anstatt Haargel dafür verwendet hatte. Die vielen Stacheln glänzten regelrecht und es erschien den Wesemeier-Schülern so, als ob er damit jemanden aufspießen könnte. Sein gegenüber ließ schon Angst in seinen Augen erkennen, auch wenn dieser einen ähnlich durchtrainierten Körper aufwies. Der Kampf begann und Tommy ging sofort auf seinen Gegner zu. Dann tänzelte er um ihn herum, um ihn einerseits etwas zu veräppeln, anderseits um sich noch ein wenig wärmer zu machen. Die erste Attacke ging so schnell, dass die jüngeren, zuschauenden Schüler ihn fast nicht gesehen hatten. Es war ein Drehkick in der Luft, welcher den blonden Jungen sofort mit einem heftigen „KLATSCH“ zu Boden gehen ließ.
„OUHHHH“, raunten die jüngeren und auch die um den Ring herumsitzenden Schüler. Manche vergruben ihr Gesicht in ihren Händen. Doch der blonde Kämpfer ließ sich nichts anmerken und stand sofort wieder mit dem Gesicht gewandt zu Tommy auf. Sein Blick wurde hart und konzentriert und er schien seine rot glühende Wange gar nicht zu bemerken. Auch er holte nun wild und provoziert zu einigen Kicks aus, welchen Tommy zuerst mit Leichtigkeit, dann aber schon mit mehr Mühe ausweichen konnte. Anscheinend war sein Gegner nicht schlecht und musste erst einmal wach gerüttelt werden. Doch er traf einfach nicht und wieder drehte sich Tommy blitzschnell um seine eigene Achse und verpasste seinem Gegner einen Schlag mit dem Faustrücken, der sich gewaschen hatte.
„UHHH“, machte sein Gegner und taumelte zurück. Wieder raunte die Menge, doch wieder fasste sich Tommys Gegner sofort.
„Wahnsinn, diese Schläge! Aber wie viel dieser blonde Junge einstecken kann“, bemerkte Derek und die gebannten Wesemeier-Schüler nickten bloß. Wieder ging der Blonde – überhaupt nicht eingeschüchtert – wild auf Tommy los und schlug ein paar Mal um sich. Tatsächlich traf er ihn auch. Doch auf jeden Treffer des Blonden folgte jedes Mal ein noch härterer von Tommy, jedes Mal begleitet durch laute Klatscher. Beide Köpfe zuckten bei jedem Schlag schnell zurück. Derek und die anderen schienen die Schmerzen mitzufühlen.
„Auuhh, das tut doch weh“, sagte Derek.
„Eindrucksvoll…ein Arschloch, aber eindrucksvoll“, sagte Andi nur mit seiner steinernen Miene. Dann war es soweit: Tommy preschte auf einmal so schnell vor, dass es so schien, dass er über den Mattenboden glitt und verteilte in rascher Abfolge etwa sieben Schläge. Sie waren zwar vom menschlichen Auge noch mitzuverfolgen, erinnerten jedoch schon an die damalige Zeit vor hundert Jahren, wo die übermenschliche Kampfkunst noch erlaubt war. Der Körper des blonden Kämpfers wackelte nur so hin und her. Doch das war nicht alles. Unmittelbar nach den Schlägen sprang Tommy senkrecht nach oben und vollführte drei extrem harte und schnelle Sidekicks. Der Erste am Kopf, der Zweite auf den seitlichen Brustkorb und der Dritte in der Taille des Blonden. Auch hier kam das menschliche Auge nur schwer mit. Plötzlich hob der Blonde vom Boden ab und flog weit über die Ringbegrenzung hinaus. Sitzende Neunt- und Zehntklässer sprangen auseinander und der Blonde flog genau in das kleine Handballtor und wurde vom Netz aufgefangen. Er hatte Glück. Wäre er etwas weiter links oder rechts am Tor vorbei geflogen, wäre er mit dem Gesicht voran in die Wand der Turnhalle geflogen. Und das wäre für ihn wahrscheinlich schlecht ausgegangen.
„UUHHHRR…“, machte der Blonde. Blut tropfte, nein floss förmlich aus seiner Nase. Die Kinnladen der meisten Schüler und auch von Derek, Reyney und Xirtam waren weit unten. Andi war wieder der Einzige, welcher nur cool und ohne Gesichtsregung zu dem Blonden schaute. Etliche der älteren Kampfschüler eilten zu dem Blonden, um ihn zu untersuchen. Auch Stimaling und Dralle eilten herbei.
„Was ist, was ist los mit ihm“, fragte ein Kampfschüler.
„Ich weiß nicht. Er ist bewusstlos“, sagte der andere.
„Aus dem Weg! Lasst mich zu ihm. Holt einen Krankenwagen“, rief Stimaling den älteren Kampfschülern, welche sich um den Blonden versammelt hatten, entgegen. Sie stoben auseinander. Stimaling brachte den Blonden Jungen in die stabile Seitenlage und fühlte seinen Puls.
„Niedriger Puls. Beeilen sie sich Dralle. Rufen sie schon den Krankenwagen“, forderte Stimaling ihn mit bösem Blick auf.
Ein anderer tat dies schon an seiner Stelle. Stimmengewirr, Besorgnis und Panik brachen in der Turnhalle aus und alle versammelten sich um den daliegenden blonden Kämpfer, aus dessen Nase immer noch das Blut strömte und sein Gesicht bedeckte und langsam eine kleine Pfütze auf dem Hallenboden bildete.
„Was ist mit seiner Kräftereduktion“, giftete Stimaling so leise, dass nur Dralle es hören sollte. Die Wesemeier-Schüler hörten es jedoch auch.
Kräftereduktion? Was meint er? Und meinte er gerade Tommy, fragte sich Derek genauso wie die anderen.
„Es war wirklich nur…wenig was ich ausgelassen habe“, sagte Dralle zu Stimaling leise, so als ob die jüngeren Schüler dies nicht hören durften.
„Nur wenig? ALLES“, gab Stimaling von sich sodass auch einige jüngere Schüler es gehört hatten.
„Nicht hier“, sagte Dralle im ruhigen und mahnenden Ton zu Stimaling. Dieser winkte wütend ab und wollte Dralle nicht mehr anschauen. Nur Tommy stand noch aufgeplustert im Ring und schaute ausdruckslos auf die herumstehende und tuschelnde Menge. Es schien ihm gar nichts auszumachen, was er da eben angerichtet hatte, so dachten sich zumindest Derek, Xirtam, Andi und Reyney.
„Oh, oh, Andi, wenn wir ihm im Turnier begegnen, na dann gute Nacht“, sagte Derek nur mit leichter Blässe im Gesicht.
„Abwarten“, gab Andi nur von sich.
Kann ihn denn wirklich nichts aus seiner Coolheit holen, dachte sich Derek. Er betrachtete noch mal Tommy, welcher beinahe anmutig und mit verschränkten Armen im Ring stand und von alledem scheinbar keine Notiz nahm. Auch Tommy hatte ja einige Punches abbekommen, aber er wirkte so, als ob ihm das rein gar nichts ausgemacht hätte. Auch die roten Stellen, welche kurzzeitig in seinem Gesicht zu sehen waren, waren längst wieder verschwunden und sein Gesicht wirkte scheinbar unberührt. Na das kann ja heiter werden, dachte sich Derek, dem im Augenblick gar nicht mehr nach dem Turnier zumute war.
 
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