Future Rider

GeschichteFreundschaft, Sci-Fi / P16
23.10.2015
11.02.2016
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Kapitel 2

Jason war schon ein netter Junge in seinem Alter. Aber in einem hatte er Unrecht. Ich war ein schlechter Lehrer. Alles kam, weil ich 'nen Job  brauchte und war unteranderem eins der Versuchskaninchen, das die neue Studiumsmethode versuchen musste.
Irgendwelche verrückten Professoren in hohem Alter hatten die Idee, eine Maschine zu bauen, mit der man täglich, ein Jahr lang, Daten ins Gehirn eingespeist bekam.

Das war alles Stress. Fünf Stunden täglich sitzen, einen komischen Hut mit Kabeln auf dem Kopf tragen und sonst nichts tun. Keine Vorlesungen wie früher. All dies hätte ich nicht durchmachen müssen, wenn mich die Army nicht rausgeschmissen hätte.

Sie behaupten, ich hätte in paar Jahre verdeckt für die Regierung gearbeitet. Aber meines Wissens war ich durchgängig bei der Army... Immerhin hatte ich ja auch das Tattoo davon... Ich zog meinen Ärmel hoch und starrte auf das Muster. Diese Zeiten sind vorbei, jetzt saß ich hier und muss dämliche Kinder unterrichten.

Nach ein paar Minuten Stille im Chemieraum, ertönte der Gong. Scheisse. Pausenende, ich muss zum Computerraum. Also schnappte ich mir meine Utensilien und rannte raus auf den Flur.
In dem ganzen Schülergewusel mit den vielen Stimmen und Bewegungen würde mir plötzlich stark schwindelig.
Ich schüttelte meinen Kopf und guckte mich um. Unvorbereitet wurde ich von hinten umgestoßen. Sofort kamen einige Schüler auf mich zu und entschuldigten sich, doch mir wurde schwarz vor Augen.


So weit ich meine Umgebung erfassen konnte, umgab mich nur Leere. Schwarze Leere. Irgendwie kam mir das schon aus meinen Träumen bekannt vor. Trotzdem drehte ich mich hastig im Kreis.
Da! Plötzlich ein Licht flackerte auf. Doch keins für gute Hoffnung. Ein unheimliches Gelbes. Zwei Streifen, die leicht im gleichmäßigen Tempo hin und her schwankten. Dies blieb auch nicht lange allein. Ein Motorengeräusch. Wenn ich mich nicht irrte mindestens 300 Pferdestärken.

Durchdrehende Räder. Es kam. Es kam auf mich zu.

Als mich kaltes Metall berührte, stürzte ich zu Boden. Hochfrequenzierte Töne durchdrangen mich. Ich fasste mir an die Ohren und versuchte mein Bestmögliches. Letzteres fing ich an zu schreien. Das Motorengeräusch wurde lauter. Das kalte Metall drückte mich zu Boden. Ich konnte mich nicht mehr bewegen... Meine Ohren taub, meine Augen erblendet, meine Stimme stumm, mein Körper... Regungslos.

Dann... Stille. Das Monster... Wieder bekam ich etwas mit, etwas sprach zu mir.

"Geben Sie auf, Knight! Es ist zu Ende!", brüllte eine Stimme in einem tiefen bedrohlichen Unterton. Sie kam aus Richtung des Lichtes, doch dies verschwand genau so schnell wie es mich gefunden hatte.

Nun lag ich da... Regungslos in einer schwarzen Leere.
Langsam schloss ich meine toten Augen und mein Herz erlitt einen Stillstand.



"Mr Knight? Sie haben ihr Bewusstsein wieder erlangt.", hörte ich im Fernen. Langsam öffnete ich meine Augen und sah alles Verschwommen. Automatisch begab ich mich in eine Sitzende Position. Doch etwas drückte mich zurück.

"Mr Knight! Bitte bleiben Sie liegen. Sie brauchen sehr viel Ruhe.", sprach eine männliche Stimme weiter. Ich öffnete meinen Mund, doch als ich den ersten Ton ansetzen wollte, spürte ich ein Stechen in meinem Kopf.

"Bitte bleiben Sie ruhig liegen. Nach einer weiteren Operation werden auch ihre Stimmbänder zusammengenäht. Wir hätten es schon gestern gemacht, aber als wir es bemerkt hatten, wachten Sie schon wieder auf."
Schnell griff ich an meinen Kopf, da das Stechen stärker wurde. Ich fühlte - einen Verband! Was war passiert?! Ich sah immer noch nichts. Mein nächster Griff war zu meiner Brust. Das Schlagen - meines Herzens - es - war - weg. Ich machte anscheint ein komischen Gesichtsausdruck, da der Mann mir alles mitteilte, was ich hören wollte.

"Mr Knight, als Nebeninformation, ich bin Dr. Clouse. Sie hatten in der Neptunschule einen Herzstillstand erlitten. Dadurch, dass eine Schülertasche auf ihr Gesicht fiel waren ihre Nase und Mund zum Atmen blockiert.
Durch den gleichzeitigen Vorfall, bekam ihr Gehirn kein frisches Sauerstoff mehr. Wir haben drei Tage gebraucht um ihre linke Gehirnhälfte zu ersetzen. Zusätzlich, wie sie gerade bemerkt haben, mussten wir ihr Herz auch austauschen. Gut, dass Ms Underson sofort nach dem Vorfall angerufen hat, so konnten wir sie noch einigermaßen retten. Ich habe ein Attest geschrieben, was Sie für 12 Monate freistellt. Mein persönlicher Vorschlag ist, fahren Sie in die Berge oder generell luftige Höhen, vielleicht nach Norwegen oder so. Ein paar Monate frische Bergluft tut Ihrem positronischen halben Gehirn ganz gut. Es hilft auch Ihnen sich besser daran zu gewöhnen. In Drei Tagen können Sie los.", überschwemmte mich der Doktor.

Es war ich das, was ich nie sein wollte. Ein Cyborg... Solange ich noch meine eigenen Knochen und Augen besaß. Im Liegen nahm ich meine Hand und rubbelte ein bisschen an meinen Augen herum. Wieso sah ich alles verschwommen?! "Ich sehe, Sie können nicht klar sehen? Schwester Catrin, bitte bringen Sie mir mal den Einstellungslaser.", warte was?! Einstellungslaser?! Was war das jetzt schon wieder?

Ich spürte, dass der Doktor mit diesem Laser an meinen Augen herumarbeitete.
Nach gefühlten Zwanzig Stunden war er endlich fertig. "Ich verschreibe ihnen noch zwei Tage hier Bettruhe und dann fahren oder fliegen Sie sofort in den Urlaub. Und machen Sie sich bitte keine Sorgen, ihr Körper hat bereits perfekt registriert, dass ein halber Computer in ihnen ist. Haben Sie schon mal in Betracht gezogen, mit KIs zu arbeiten? Sie würden Sie sicher gut empfangen. Ich komme heute Abend noch einmal wieder.", er wartete auf ein  Nicken, was ich ihm als Bestätigung gab.

Nun lag ich hier mit Kabeln versorgt und mit meinen mechanischen Fingern spielend. Nach einzelnen Stunden verschärfte sich auch mein Blick, ich sah jetzt besser, wie der Raum aussah. Neben mir sprach ein weiterer Patient die meiste Zeit mit dem Fernseher. Mag erschreckend klingen, aber der antwortete ja auch. Mein Bildschirm zeigte 'normale' Werte meines Körpers an, glaube ich zumindest. Medizin war noch nie meine Stärke.

Ich bewegte meine Finger weiterhin. Wir waren nur zwei in einem Zimmer, sonst war immer noch eine dritte Person vorhanden, aber desto ruhiger, umso besser. Selbst wenn, könnte ich mich eh nicht unterhalten. Keine Stimme, kein Gespräch, ganz einfach. Ich nutzte die restliche Wartezeit um zu schlafen oder um Tetris zu spielen. Das Spiel war schon uralt und auch langweilig, aber immerhin der beste Zeitvertreib, den es gab.
Unerwartet kam dann der Doc herein.

"Mr Knight, ich habe gute Neuigkeiten für Sie. Ihre Stimmbänder sind überwiegend unbeschädigt und daher können Sie ab morgen wieder normal sprechen.", er grinste leicht und starrte auf den Bildschirm. Langsam verfinsterte sich sein Blick. "Ihr Körper hat die mechanischen Teile perfekt angenommen. Sie dürfen gehen.", schaute er dann ernst zu mir rüber.

Ich blickte überrascht auf und versuchte einige Töne zusammen zu bekommen, jedoch klang es so: "Krächz Iwlk Ürbs."

Ich hatte den ganzen Tag gar nicht gesprochen, aber so etwas hatte ich wiederum auch nicht erwartet. Der weißgekiltelte ergriff sofort eine Spitze und rammte sie mir in den Arm. "Tut mir leid, Mr Knight. Sie bekommen nun doch noch mechanische Stimmbänder.", mit der Berührung der Nadel war mein Augenlicht schwarz, doch konnte ich einen wütenden Ton heraus hören. Und eben meinte er noch ich darf gehen, so viel dazu.




Wieder sah ich in die Leere. Und auch wieder kamen diese gelben verdächtigen Streifen.

"Knight! Ich bitte Sie nicht noch einmal, hören Sie auf sich zu quälen. Mit dem Gedanke, dass Sie wieder zu 100% menschlich werden würden, wären Sie  ebenfalls gestorben. Wenn Sie mir nicht die Mühe machen würden, Sie zu töten, wäre die Welt so viel einfacher.", sprach die Stimme. Irgendwie nahmen die Nebenwirkungen immer mehr zu. Dabei trank ich doch in der letzten Zeit gar kein Alkohol.

Der gelbe leuchtende Streifen kam wieder auf mich zu, doch diesmal war ich frei und sprang zur Seite.

"Ich würde mich freuen, wenn Du mich diesmal nicht überfahren würdest.", rief ich dem Etwas zu.

"Ich habe Sie nicht überfahren. Es waren ihre eigenen Gefühle und Gedanken. Gott, was ist aus dieser Welt geworden, wenn ich schon Psychiater spiele.", grummelte die Stimme.

"Mach dass ich aufwache. Und belästige mich nicht noch einmal."

"Knight! Sie sind ein Cyborg. Sie werden Mich immer in Ihnen haben.", die Stimme verstummte mit einem hämischen Lachen. Das gelbe Licht ging ebenfalls aus.

Ich guckte mich um. Es bildete sich eine Straße. Wenn ich mich nicht irrte, vielleicht mitten durch Kalifornien.

Plötzlich stand ich auf der Straße. Warmer Sand wehte mir ins Gesicht. Es ertönte ein Geräusch. Ähnlich wie bei meinem letzten Traum. Es waren wieder Motoren. Nein ein Motor. Wie bei einem Film sauste an mir die Gegend vorbei. In der nächsten Kurve wurde der Motor stärker und lauter. Auf der anschließenden Gerade erschien am Horizont etwas Schwarzes. Es kam auf mich zu.


Der Traum riss ab und ich blickte von einer Sekunde zur anderen von der Landstraße in die Augen des Doktors.

"Wie schön, dass Sie aufwachen. Seit 26 Stunden liegen Sie im Koma. Nachdem wir Ihnen mechanische Stimmbänder einoperiert hatten, spielten ihre Organe verrückt und Sie fielen in das natürliche Koma. Die Messergebnisse zeigen, dass Sie nun gehen dürfen. Ich hoffe, Sie befolgen meinen Ratschlägen und fliegen in die Berge. Und jetzt, auf Wiedersehen und weiterhin gute Besserung. In Sechs Monaten dürfen Sie ihren Dienst wieder aufnehmen.", verabschiedete sich dieser Doc. Die Krankenschwester legte mir meine Sachen an das Fußende und verlas ebenfalls das Zimmer.

"Der Doktor dachte schon, er hätte Sie verloren. Wie können Sie bloß so eine Angst erzeugen?", grinste mich mein Bettnachbar an. Dieser war, immer noch, von oben bis unten eingegipst.

Ich setzte mich hin und starrte ihn an.

"Ich wusste selber nicht, dass mein Körper so etwas zu Stande bringen kann...", ich brach ab als ich meine Stimme hörte. Es war nicht meine Stimme. Sie hatte einen technischen Unterton. Fast wie ein Roboter. Nein, selbst die sprachen natürlicher.
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