Projekt 20: All is possible

von Karolina
GeschichteRomanze / P18
22.10.2015
23.05.2020
13
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23.05.2020 1.405
 
Huch. Was macht er denn hier?
„Du bist zwölf Stunden zu spät Bruderherz!“
Yusei sieht verwirrt zu mir. Er sagt aber nichts weiter und geht nach oben. Als er die Tür aufmacht springt von meinem Bruder eine kleine weiße Wolke runter, saust an Yusei vorbei quer durch die Werkstatt zu mir. Kurz vor meinen Füßen bleibt es sitzen und springt hoch. Sanft landet es auf meinem Schoß und wuselt auf diesem rum. Im Ersten Moment erkenne ich die kleine Fellkugel gar nicht, die kenne ich nur in mausgrau und nicht in schneeweiß.
„Chinchi!“
„lla. Schön, dass du dich so freust uns zu sehen.“
„Wieso ist er weiß? Habt ihr ihn so geärgert? Oder haben die Nattern ihn in Wasserstoffperoxid geschmissen? “
Mein Bruder schüttelt seinen Kopf.
„An die kleine Ratte denkst du wieder bloß. Aber, dass ich als Ritter in schimmernder Rüstung extra hergekommen bin um die holde Maid zu retten wird nicht gewürdigt. Trotzdem frage ich : Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“
„Bin weder Fräulein, weder schön, kann auch ohne Geleit nach Hause gehen. Obwohl das mit dem Gehen derzeit schlecht aussieht.“
Fragend sieht er mich an. Noch unwissender sieht aber Yusei aus. Wo sind denn meine Manieren hin?
„Sorry Yusei. Greg das ist Yusei. Yusei das ist mein großer Bruder Gregorius.“
„Schwesterherz....“
Ich kicher. Er liebt es, hüstel, wenn man seinen eigentlichen Namen sagt. Die beiden geben sich ihre Hand.
„Ist Lyndon nicht wieder hier?“
Ich schüttele den Kopf. Es war schon schlimm, als unser Onkel starb, aber das er dann auch noch weg war, lies Tante Z sehr verbittern. Den Rest bekam sie noch als unsere Mutter starb.
„Hoffentlich wird das überhaupt mal wieder was. Es ist gut, dass du hier bist. Nicht nur deswegen. In der Hexenküche ist die Hölle los.“
„Ich weiß warum ich nicht Mamans Pfad gefolgt bin.“
„Wer weiß nicht, ob du es nicht doch noch tust.“
Hä? Hat er nicht mitbekommen was ich die letzten Jahre studiert habe. Das sind zwei Welten, die nicht weiter auseinander liegen können.
„Wie kommst du auf die Idee? Das ist ja so als würde man kochen mit Inline-Skaten vergleichen.“
Er zeigt auf meinen kleinen Freund. Eher Freundin. Die hat sich eingekuschelt und schläft.
„Du erzählst mir erst bitte was letzte Nacht passiert ist. Dann kann ich weiter helfen.“
„Sehr gut Brüderchen. Du hast das Problem genau getroffen. Ich habe keine Ahnung, was passiert ist.“
„War noch jemand dabei?“
„Sonst würden mich jetzt die Fische verspeisen. Der arbeitet aber noch. Wie lange keine Ahnung. Aber wir sollten besser hoch in die Küche. Yusei hat noch viel zu tun und wir lenken ihn nur ab.“
Dieser hat sich zwar wieder seiner Arbeit zugewendet, doch an seinen angespannten Gesichtszügen kann ich sehen, dass er sich nur schwer konzentrieren kann. Bevor ich aufstehen kann, hat mich mein Riesenbruder schon hochgehoben. Mit knapp 2.10 Metern ist er noch größer als Jack. Seine Haare sind so schwarz wie meine und auch lang. Im Nacken hat er sie zu einem Pferdeschwanz gefasst. Seine Augen gleichen meinen bis in die kleinste Farbschattierung. Ich glaube das sticht bei uns am meisten raus. Bei mir schauen wirklich ALLE als erstes auf meine Augen und nicht auf meine etwas größere Oberweite. Dennoch wirke ich neben ihm etwas zwergenhaft mit meinen 1.60 Metern. Selbst neben Jack sehe ich aus wie ein Winzling. Oben setzt er mich auf die Couch und zwingt mich dazu mich hinzulegen.  Er setzt sich vor mir auf dem Boden. Es sieht etwas seltsam aus, wie er hier auf dem Boden sitzt in seinem teuren, schnittigen Anzug. Chinchi auf meinem Schoß schlummert ruhig. Ich kraule sie hinter den Ohren. Wohlig streckt sie sich und kuschelt sich noch enger an mich. Leider konnte ich sie letztes Jahr nicht mitnehmen. Sie ist zwar der zahmste Chinchilla der Welt, ich konnte ihr beibringen auf Toilette zu gehen, aber den Stress musste sie nicht mitmachen. Ich hätte sie auch bald geholt, doch ich müsste, was sich jetzt unfreiwilliger Weise ergeben hat, erst mit meinen erst Mitbewohnern reden. Einmal bei mir, werden wir sie jetzt nie wieder weg von mir bekommen.
„Sie hat das ganze Jahr beim Schlafen mit deinem Bild gekuschelt. Wenn ich es nicht mit hatte, kam sie nicht mit und wenn Vater zu nah an es ran kam fauchte sie wild und wäre ihn manchmal angesprungen.“
„Sie ist eben mein Mädchen. Wann ist sie aber so weiß geworden?“
„Deswegen bin auch hier. Es ist letzte Nacht passiert, oder eher heute Früh. Es hängt wahrscheinlich mit dem was passiert ist zusammen.“
Eigentlich hat er schon zum nächsten angesetzt, doch dann kommt Jack.
„Wie geht es ihr?“
Wir haben die Tür nach unten aufgelassen, sodass wir gut hören können was unten gesagt wird.
„Sie kam vorhin selber hier runter. Ihr Bruder brachte sie wieder nach oben.“
„Alex ist selber hier runter gelaufen?!“
Das mit dem Bruder hat er gar nicht mitgeschnitten. Man kann nur noch polternde Schritte hören. Greg sieht mich belustigt an. Mit meinen Lippen forme ich die Worte: Denke noch nicht mal daran. Leider wird mein großer Bruder nicht darauf hören. Jack kommt hoch gestürzt. Unverblümt sauer sieht er mich an.
„Du liefst selber nach unten?“
„Schuldig im Sinne der Anklage und ich bereue nichts.“
Eigentlich will er näher zu mir kommen, doch jetzt wird er dazu gezwungen meinen Bruder wahrzunehmen. Dieser steht auf und richtet sich auf zu dem Wandschrank der er ist.
„Und sie sind also Jack Atlas. Was habe sie mit meiner kleinen Schwester zu tun?“
Jack lässt sich nichts anmerken und schaut ihm fest in die Augen.
„Ich bin einer ihrer Mitbewohner. Wegen mir ist das passiert, aber ich habe sie auch gerettet.“
Habe ich gerade wirklich das gehört, dass ich gehört habe? Er hat meinem Bruder gesagt, dass er Schuld ist? Zumindest das er der Meinung ist, dass er Schuld sei. Schitt. Ich kann regelrecht in der Luft fühlen, wie mein Bruder reagiert. Zumindest das davor. Das vorher war nur gespielt, doch die Wut ist jetzt Echt. Wenn ich hier nicht dazwischen gehe gibt es Tote.
„So ihr zwei Testosteronbomben. Entweder ihr beruhigt euch, oder ich stehe von der Couch auf.“
Den Knall auf den Boden der Realität kann man regelrecht hören.
„Du stehst nicht auf!“
Aus einem Munde. Ich habe zwei scharfe Hunde als Aufpasser. Das habe ich mir nicht richtig überlegt. Habe ich überhaupt gedacht?
„Setzt euch jetzt bitte erst mal. Du“ ,ich sehe zu Jack; „erzählst uns bitte erst mal was letzte Nacht passiert ist. Ich kann mich an nichts mehr erinnern. Und du mein liebes Bruderherz bleibst ganz brav auf dem Boden sitzen.“
Ganz brav folgen sie meinen Weisungen. Zumindest mit dem hinsetzen.
„Ich muss aber erst noch jemanden rauslassen.“
Jack öffnet seinen Mantel. In dem Moment wird meine Kleine plötzlich putzmunter. Sie setzte sich auf ihre Hinterbeine und starrt Jack an. Sie sieht ihm aber nicht ins Gesicht, sondern dahin wo er hinein greift. Als er seine Hand wieder rauszieht, hat er einen kleinen schwarzen Fellball in der Hand. Genauso einen, wie ich ihn auf dem Schoss habe.
„Wo hast du den Chinchilla her?“
Es ist ja nicht so, dass man die auf der Straße finden würde.
„Er ist mir auf der Straße zugelaufen.“
Wenn ich jetzt denke, dass es Erdbeeren regnet, wird das dann auch passieren?
„Ich bin nach der Arbeit noch in die Tiermeldestelle, doch niemand hat ihn als Vermisst gemeldet. Da sie voll sind haben sie ihn mir gegeben und gesagt, dass wenn jemand sich meldet sie mich anrufen.“
Ich betrachte die kleine Fellkugel näher. Der ist wirklich putzig. Nicht mit meiner Kleinen zu vergleichen, aber trotzdem.
„Irgendwie ist das lustig. Chinchi ist mir auch zugelaufen, oder eher gefallen. Sie war wesentlich kleiner als er und ich musste sie noch mit der Flasche großziehen.“
„Oder eher Mama. Bisschen seltsam ist das schon. Bei dir wundert mich das nicht, aber warum er auch noch ist komisch.“
Fragend sehe ich ihn an. Warum ist das bei mir nicht komisch aber bei ihm? Die Frage kann ich allerdings nicht stellen. Vorher fällt er über Jack her und quetscht ihn zu letzter Nacht aus. Jetzt wird mir erst RICHTIG klar, dass ich letzte Nacht fast den Löffel abgegeben hätte. Anscheinend hatte ich das auch ein paar Sekunden. Jack musste mich ja wiederbeleben. Er musste mich wiederbeleben!!! Seine Lippen waren auf meinen. Zählt das jetzt als Kuss? Das wäre dann unser erster. Hoffentlich nicht.