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Ekkaia Caras

von Calypso96
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Aragorn Gimli Legolas
22.10.2015
24.11.2022
27
49.219
6
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
24.11.2022 2.288
 
Hallöchen :)
erstmal ein großes Danke an alle, die diese Geschichte noch, wieder oder zum ersten mal verfolgen! Es freut mich, dass euch die Geschichte zusagt :)
Deswegen muss ich euch auch bitten, die Verspätung zu entschuldigen, aber wir haben derzeit Prüfungsphase und ich bin einfach nicht dazu gekommen, das Kapitel hochzuladen.
Ich hoffe, euch gefällt das neue Kapitel!
In dem Sinne: Viel Spaß!

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So gehen einige Wochen ins Land und ich lerne in dieser Zeit meine Magie immer besser zu beherrschen.
Meistens trainiere ich mit meiner Großmutter, doch auch die Lady Galadriel hat mit ihrer Weitsicht und Weltenkenntnis einige Tipps parat und teilt diese gerne. Ansonsten ist niemand bei meinem Training anwesend, da sowohl die Lady Galadriel, als auch meine Großmutter und ich dies als besser empfinden. Und so trainieren wir an einem abgelegenen Ort direkt am Wasser. So auch wieder diesen Tag.

„Versuch, die Bewegung noch ein wenig akkurater auszuführen!“ ruft Liaewen mir zu. Angestrengt nicke ich und ziehe hoch konzentriert die Stirn kraus. „Ja, genau so!“ Freut sich meine Großmutter, als der kleine Wasserbogen, den ich nun seit einigen Minuten unter Kontrolle habe, größer wird und Seerosen in ihm wachsen. „Nun versuch die Seerosen in Brand zu setzen und hinterher das Feuer durch die Luft wachsen zu lassen.“
Konzentriert strecke ich die Zunge leicht raus, während ich die Bewegung des Feuers andeute und die Seerosen anfangen zu qualmen. Das Feuer leckt an den zarten Pflanzen und der Wind vergrößert die Flammen um einige Zentimeter. „Sehr gut,“ lobt mich meine Großmutter und klatscht in die Hände. Erfreut blicke ich auf, nur um kurz darauf klatschnass zu werden, weil ich die Konzentration verliere. Prustend schüttele ich mich, während Liaewen lachend näherkommt. „Das war doch ein guter Anfang! Ein wenig mehr Übung und dann beherrschst du alle vier Elemente mit Bravour.“ Sie tätschelt mir den Oberarm und reicht mir das Handtuch, dass wir für alle Fälle mitgenommen haben. Gemeinsam gehen wir zu ihrem Flett zurück, von wo aus ich zum gemeinsamen Abendessen mit den Gefährten gehen möchte.

Ein Klopfen reißt uns aus der Stille. „Ja bitte?“ fragt meine Großmutter und blickt aufmerksam zur Tür. Legolas tritt ein und verneigt sich leicht vor Liaewen. „Guten Abend, Milady.“ Grüßt er galant, dann blickt er mich an. „Ich wollte dich abholen und zum Essen begleiten.“ Erklärt er sich, doch sein Blick sagt mir, dass da noch was anderes hinter steckt. Ich nicke kurz, dann sehe ich zurück zu meiner Großmutter, die mich aufmunternd anlächelt und verabschiede mich von ihr.

„Was gibt es?“ Wende ich mich an Legolas, als wir die Treppe vom Flett hinunter sind und beide den Boden erreicht haben. „Ich habe das Gefühl, wir sehen uns in letzter Zeit kaum noch,“ beginnt er. Fragend ziehe ich eine Augenbraue hoch. Das ist mir durchaus bewusst, aber unsere Freundschaft beginnt doch gerade erst zu erblühen, wieso kommt er dann so bei mir an? Und dann dämmert es mir. Wahrscheinlich hat er einfach das Maul voll von der männlichen Gesellschaft und bedarf des weiblichen Charmes. Leise lache ich. „Wenn du Sehnsucht nach meinem Charme hast, Legolas, dann sag das ruhig!“ Irritiert starrt der Elb aus dem Düsterwald mich an und schüttelt dann den Kopf und spart sich den Kommentar. Nach einer Weile des schweigsamen Gehens beginnt er jedoch wieder. „Eine Freundschaft kann sich nur formen, wenn man sich auch sieht. Mir ist viel daran gelegen, die Streitigkeiten mit dir endgültig zu beseitigen und deswegen würde ich gerne mehr Zeit mit dir verbringen und dich besser kennenlernen, Elinna.“ Überrascht bleibe ich stehen und sehe ihn an. „Ich dachte, die Streitigkeiten wären schon beseitigt,“ erwidere ich und verschränke die Arme. Bestätigend nickt Legolas. „Das stimmt, aber dennoch habe ich das Gefühl, das wir kaum ein Wort gewechselt haben und das möchte ich ändern. Gibst du mir die Chance dazu?“ Aufmerksam sieht er mich an. Langsam nicke ich. „Was hältst du von einem Bad nach dem Essen?“ Erschrocken reißt der Elb die Augen auf. „Ein Bad?! Du und ich… nackt? In einem ZUBER?!“ Er wird etwas laut zum Ende des Satzes hin und ich muss unwillkürlich grinsen. „Nein, wo denkst du hin! Meinen Waschzuber genieße ich lieber alleine,“ fast schon erleichtert atmet Legolas auf. „Ich meinte schwimmen im Anduin!“ Und seine Erleichterung ist wieder verschwunden. Doch er reißt sich zusammen und nickt. „In Ordnung. Eine bessere Art sich kennenzulernen, gibt es wohl nicht.“ Erfreut springe ich auf und jauchze, das wird ein Spaß!

Das Abendessen verläuft fast wie die letzten Tage. Gimli beschwert sich über das fehlende Fleisch, Merry und Pippin ziehen ihn damit auf und wir anderen lassen uns von der gelösten Stimmung anstecken. Nur eins ist anders: Legolas, der abermals neben mir sitzt, unterhält sich ausgelassen mit mir. Er fragt mich viel zu der Verwandlung in eine Sirene, Familienbande in meinem Volk und auch über Ekkaia Caras… Wobei ich dieses Thema aber lieber vermeide. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen an meine Familie und ich möchte nicht, dass jeder an diesem Tisch sieht, wie sehr es mich mitnimmt, so weit fort von zuhause zu sein. Ich habe Heimweh, weswegen ich Legolas auch das Schwimmen im Anduin vorgeschlagen habe. Die Verwandlung in eine Sirene und das Schwimmen helfen mir, mit dem Heimweh umzugehen, obwohl ich das niemals zugeben würde.

Meine Gedanken schweifen ab, doch als die Hobbits und Aragorn, der heute ebenfalls neben mir sitzt, anfangen sich über den alten Tobi zu unterhalten, werde ich hellhörig. Sie kennen die Geschichten des alten Tobi?
Die Geschichten hatten in meiner Kindheit mir so einige Stunden versüßt, meine liebste war die, wo der alte Tobi einer alten Seekuh half, ihre Enkel wiederzufinden, die bei der Ebbe auf einer Insel gestrandet waren. Und der alte Tobi, ein Meermann, der schon lebte, bevor es die Sirenen gab, webte einen Zauber, um die Enkel der Seekuh wieder ins Meer zu befördern. Die Seekuh und ihre Enkel waren dem alten Tobi so dankbar, dass sie ihm zuliebe die schönsten Perlen suchten und eine Kette daraus zauberten, die der alte Tobi behielt und in Ehren hielt, genauso wie seine Töchter und deren Töchter nach ihm. Gedankenverloren fasste ich an die kleine Perle an meiner Kette, die laut meiner Mutter vom alten Tobi stammte. Zumindest hatte sie mir das erzählt, als ich noch ein Kind war.
„Ihr kennt die Geschichten des alten Tobi?“ frage ich also aufgeregt, worauf mich die vier Hobbits und Aragorn mit großen Augen angucken, genauso wie die anderen Gefährten an diesem Tisch.
„Welche ist eure Lieblingsgeschichte? Meine ist die mit den alten Seekühen…“ beginne ich und will die Geschichte erzählen, als ich sehe, wie meine Gefährten immer verwirrter gucken. „Kennt ihr die Geschichte nicht? Meine Mutter erzählte sie mir, als ich noch ein kleines Mädchen war. Aber dann kennt ihr bestimmt die Geschichte vom alten Tobi und den Korsaren von Umbar?“ Die Blicke meiner Gefährten sind in diesem Moment unbezahlbar. Dennoch verstehe ich sie nicht. Sie haben doch vom alten Tobi angefangen, wieso sehen sie dann jetzt so verwirrt aus?
Als dann jedoch Aragorn zu lachen anfängt und die Hobbits einstimmen, verstehe ich die Welt erst recht nicht mehr. Da kann ich doch gar nichts missverstanden haben, oder?

„Elinna, wir reden nicht von Geschichten, sondern gewissen Kräutern, die wir in die Pfeife stopfen und rauchen – Alter Tobi wird das genannt und ist das beste Kraut aus dem gesamten Auenland!“ Klärte Aragorn mich auf und Merry ergänzte: „Es stammt aus dem Südviertel des Auenlandes und ist das beste Pfeifenkraut in ganz Mittelerde! Da könnt ihr jeden fragen.“
Ich schlage mir die Hand vor die Stirn, muss dann aber auch grinsen. Ulmo, wieso haben die hier oben ein Pfeifenkraut, was nach dem alten Tobi benannt ist, aber kennen die Geschichten um den alten Tobi nicht? Das ist doch nicht zu fassen!
Während des weiteren Verlaufes des Abendmahls lausche ich den Gesprächen der anderen, ich habe keine Lust, in ein weiteres Fettnäpfchen zu treten.

Nach dem Essen gehe ich mit Legolas zum Anduin, wo ich mittlerweile beinahe jeden Abend schwimmen gehe. Dadurch habe ich auch bereits eine schöne Stelle gefunden, wo die Kleidung trocken bleibt und man gut und vor allem schnell ins tiefere Wasser gelangt. Die Wege von dem Elben und mir trennen sich kurz, um Handtücher zu organisieren, dann treffen wir uns wieder, um gemeinsam zum Fluss zu gehen.

Wie ein Gentleman dreht Legolas sich fort, damit ich mich ungestört entkleiden kann, wobei ich nur ein schmales Tuch um die Brust binde, um meine Blöße zu verdecken. Auf eine Hose verzichte ich, da mir diese nur schmerzen beim Verwandeln bereiten würde. Dies ist auch der Grund, warum ich bereits ins Wasser gehe, während Legolas sich noch auskleidet. Und so bin ich schon verwandelt, als Legolas sich umdreht, nur mit seinen Hosen begleitet. Mir bleibt der Mund offenstehen. Er ist schlank, doch durchtrainiert, daran besteht kein Zweifel. Dennoch ist sein Körper so anders als die der Meermänner und männlichen Sirenen, die ich kenne! Ich kann nicht beschreiben, wieso, aber der Körperbau, abgesehen von der Schwanzflosse, unterscheidet sich auf eine maßgebliche Weise von der des Elben.

„Komm rein, das Wasser ist herrlich!“ rufe ich ihm zu, doch richtig überzeugt sieht Legolas nicht aus. Trotzdem watet er ins Wasser und schwimmt dann mit kraftvollen Zügen auf mich zu. Ich muss kichern, es sieht so ulkig aus, wie Landbewohner schwimmen! „Lach nicht!“ brummt der Elb und spritzt mich mit einer Ladung Wasser nass, was mich nur noch mehr dazu verleitet, zu lachen. Ich spritze ihn ebenfalls nass, woraus eine schöne Wasserschlacht entsteht, bei der ich durch meine Schwanzflosse eindeutig einen entscheidenden Vorteil habe.
Nach einiger Zeit tauche ich unter, hole Schwung und springe übermütig aus dem Wasser und in einem hohen Bogen über Legolas hinweg, der mich staunend beobachtet. Dann lasse ich mich neben ihm treiben, während er am Ufer entlang schwimmt. „Du wirkst so losgelöst.“ Stellt er fest und ich sehe ihn nachdenklich an. „Das bin ich,“ bestätige ich und suche die passenden Worte. „Wenn ich schwimme, habe ich das Gefühl ich selbst zu sein. Ich fühle mich meiner Familie wieder näher und vor allem habe ich das Gefühl, das Wasser und seine Bewohner verstehen mich auf eine Weise, die ihr Landbewohner die verstehen könnt.“ Zögerlich nickt Legolas. „Ich glaube ich verstehe dich. Mein Vater wollte immer, dass ich im Düsterwald bleibe und irgendwann herrsche, doch es zieht mich in die Welt hinaus. Ich kann nicht das Werk meines Vaters vollführen und daheimbleiben, wenn es da draußen so viele Probleme und Missstände es gibt, die ich nicht ignorieren kann und werde!“

Erstaunte lausche ich seinen ehrlichen und vor allem sehr offenen Worten. Ich kann nicht anders, als ihm zuzustimmen. „Genauso ging es mir auch. Ich bin die Erstgeborene, weswegen die Verantwortung über Ekkaia Caras und sein Volk auf Dauer bei mir liegt. Aber ich kann und will nicht dortbleiben, da es mir eher wie ein goldener Käfig vorkommt.“ Der Elb neben mir macht eine zustimmende Geste. „Ich weiß genau, was du meinst. Und ich muss ehrlich sagen, ich hätte nicht gedacht, dass es dir genauso geht wie mir, aber ich freue mich, eine verwandte Seele gefunden zu haben, die weiß, wie ich mich fühle. Dieser Zwiespalt zwischen Pflichtbewusstsein und Wunsch, zu handeln und die Welt zu bereisen.“ Die letzten Worte habe ich leise mit ihm gesprochen, denn mir geht es genauso wie ihm.
Es ist schön, jemanden zu haben, der einen versteht und dem man sich öffnen kann, weil man weiß, dass diese Person genauso denkt. Dennoch wollte ich dieses schöne Ausklingen des Tages nicht so trübsinnig enden lassen. „Was hältst du von einem Wettschwimmen Legolas? Wer zuerst auf der anderen Seite des Flusses ist!“ Ich schwimme los, vernehme aber noch das Prusten und Auflachen Legolas‘, der sich darüber beschwert, dass dieser Wettkampf nicht fair sei. Aber das ist mir in diesem Moment auch egal, da ich der trübsinnigen Stimmung entfliehen will und vor allem meine Flosse mal wieder fordern muss. Und so springe ich immer wieder in großen, eleganten Bögen aus dem Wasser und auf die andere Seite des Flusses zu, wobei ich der Fairness halber immer mal wieder zu Legolas zurückschwamm, um ihm wenigstens das Gefühl zu geben, er könnte es schaffen und mich besiegen.

Als ich wieder auf das andere Ufer zu schwimme, ist etwas anders. Ich fühle eine gewisse Beklemmung in mir und Féa ist immer wieder vor mir im Wasser. „Dreh um, Elinna!“ Ruft sie mir zu. „Schwimm nicht näher an das andere Ufer ran, dort lauert Gefahr!“

Doch zu spät. Bevor ich reagieren kann, bin ich in etwas reingeschwommen, was sich als Netz herausstellt. Wild zapple und zucke ich hin und her und versuche mich irgendwie aus diesem Netz zu befreien, doch umso mehr ich mich bewege, umso mehr zieht es sich um mich zusammen. Ich tauche unter, was mich grundsätzlich erstmal nicht beunruhigt, allerdings kann ich so auch Legolas nicht warnen. Ich kann zwar unter Wasser sprechen, doch das würde ihn nicht erreichen und wenn doch, würde er es nicht verstehen. Alle meine Kraft zusammennehmend, versuche ich das Netz mit meiner Feuermagie zu durchtrennen, allerdings kann ich mich nicht konzentrieren und die kleine Flamme, die ich herbeirufen kann, erlischt aufgrund des Wassers sofort wieder.

Dann spüre ich, wie sich das Netz ohne mein Zutun um mich herum weiter zusammenzieht und ich dem Ufer näherkomme. Sobald mein Kopf aus dem Wasser schaut, suchen meine Augen Legolas, der noch zu weit entfernt ist als dass er mir helfen könnte. Und so tue ich das in meinen Augen einzig vernünftige. Ich rufe ihm zu, zu verschwinden und sich selbst in Sicherheit zu bringen.
Doch selbst aus der Entfernung kann ich die Hilflosigkeit und das Entsetzen in seinen Augen sehen. Ich drehe mich um und sehe, was das Grauen in Legolas‘ Augen auslöst: Meine Entführer sind Orks, und zwar verdammt große Orks!
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