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Antebellum home

von Sally78
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P6 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega
22.10.2015
22.10.2015
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3.354
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OS – Antebellum home

„Sehen Sie das blaue Kabel?“
James runzelte die Stirn. Und einmal mehr verfluchte er Jane Shepard für ihre überzeugende Art, die ihn überhaupt erst in diese verzwickte Situation gebracht hatte. Er seufzte, rückte das Band mit der Taschenlampe auf seiner Stirn zu Recht und widmete sich wieder dem Kabelsalat vor ihm.
„Shepard, bei allem was Recht ist, ich sehe hier fünf verschiedene blaue Kabel. Sie müssen schon etwas genauer werden“, murmelte er, verzog zweifelnd das Gesicht und schüttelte den Kopf.
Er hörte Shepards Seufzen und verdrehte die Augen. Er war Soldat verdammt, was hatte sie denn erwartet?
„Okay, James. Sehen Sie... es muss ein blaues Kabel zwischen einem weißen und einem gelben sein“, erklärte sie etwas genauer.
James zog die Augenbrauen zusammen und fand nach wenigen, schweigenden Sekunden das gesuchte Kabel.
„Gefunden!“, bestätigte er stolz.
„Sehr gut. Das müssen Sie rausziehen und in den... grünen Slot stecken“, erklärte sie weiter. Die Möglichkeit, dass er sich täuschte bestand zwar, aber James glaubte fest daran, Ungeduld in ihrer Stimme zu hören. Oder war es doch eher Nervosität?
„Commander, wie wichtig ist dieses Gespräch?“, fragte er, bevor er sich auf die Unterlippe biss und zum ersten Mal in seinem Leben bedauerte, derartig starke Hände zu haben. Unwillkürlich dachte er an seine letzte Beobachtung des Commanders. Jane hatte kleine, zierliche Hände. Sie hätte diesen Job bei Weitem besser erledigen können wie er. Wenn sie nur gekonnt hätte...
Sie schwieg einen Moment und er hielt in der Bewegung inne. James lauschte dem Rauschen des interoms und wartete auf eine Antwort. Sie hatte erzählt, es ginge dabei um Leben und Tod – den Krieg gegen die Reaper. Er hatte ihr das zwar nicht ganz abgekauft, aber inzwischen kannte er sie doch schon etwas besser und ihr schien das sehr viel zu bedeuten.
„...sehr wichtig“, sagte sie schließlich leise.
Shepard wirkte immer gefasst und stark, sicher, selbstbewusst. Er hatte nie gedacht, sie jemals dermaßen unsicher zu erleben. Allerdings bestärkte ihn das nur in seinem Vorhaben.
„Also gut... blaues Kabel ist... jetzt im grünen Slot“, verkündete er grinsend und kroch langsam aber sicher zurück an die Oberfläche. James war definitiv nicht dafür gebaut in derartige Schächte zu kriechen. Und das nur weil Shepard unbedingt nach außen telefonieren musste. Eigentlich war James nicht unbedingt ein Gesetzeshüter, aber seit er bei der Allianz war, hatte er sich weitestgehend daran gewöhnt gehabt, sich an Regeln zu halten. Nur Jane war dazu fähig ihn dazu zu überzeugen, jegliche Gesetze und Regeln für sie zu brechen. Wenn ans Licht kam, dass er die Gefangene unterstützte Kontakt nach außen zu bekommen, wäre er seinen Job für immer los. Er seufzte, fuhr sich einmal mit der flachen Hand über das Gesicht und betete, dass das die letzte Aufgabe gewesen ist, die mit Technik zu tun hatte.
„Und es funktioniert“, erwiderte Jane begeistert. „Danke, James. Sie sind wirklich... sehr gut gemacht.“
James lächelte leicht, schaltete die Taschenlampe aus und nahm das Band von seinem Kopf. Gut, wenigstens hatte Jane etwas Ahnung von diesem ganzen Kram gehabt. Ohne sie hätte er nun wirklich nicht gewusst, was er tun musste. „Kann ich jetzt wieder zu Ihnen zurück kommen?“, fragte er, während er langsam, leise den dunklen Gang entlang lief. Shepard war nun schon seit drei Monaten und zwei Wochen eingebuchtet. James hatte die Ehre gehabt sie kennen lernen zu dürfen und Acht auf sie zu geben. Ursprünglich hatte er sich sogar sehr darüber gefreut, schließlich hatte er sie schon immer mal kennen lernen wollen, aber inzwischen wusste er, warum sie so berühmt berüchtigt war. Jane war keine normale Frau.
„Ja, können Sie. Aber seien Sie vorsichtig. Niemand darf Sie sehen“, befahl sie leise, gerade so, als dürfte sie ebenfalls niemand hören. Dabei war sie sicher eingesperrt in ihrem kleinen luxuriösen Apartment. James verdrehte die Augen, entgegnete darauf nichts mehr und machte sich auf den Weg zurück zu ihr.

Janes Hände zitterten leicht und ihr war seltsam kalt. Einerseits fühlte sie sich fast schon ein wenig schlecht, den armen James so ausgenutzt zu haben, aber andererseits war sie unsagbar froh, endlich eine sichere Leitung nach Palaven zu haben. Sie wusste, wie sie Garrus erreichen konnte und die Tatsache, dass da wirklich “Verbindung wird hergestellt“ auf ihrem Omnitool stand, brachte ihr Herz schlagartig zum Rasen. Jane wusste, dass sie sich später bei James entschuldigen müsste. In den letzten Wochen hatte sie so gut es ging sein Vertrauen gewonnen, nur für diesen Augenblick. Für den Moment, Garrus' Stimme zu hören. Shepard hatte das Gefühl, nicht mehr lange fest auf den Beinen stehen zu können. Sie setzte sich auf das Sofa und wartete ungeduldig darauf, dass ihr turianischer Freund ihren Anruf annehmen würde. Vermutlich wäre dieser Kontakt der einzige, den sie haben würden, bis sie wieder entlassen würde. Falls, sie jemals wieder entlassen werden sollte...
Ein Klicken und schließlich sah sie ihn.
„Shepard?“
Jane lächelte erleichtert und sie wusste zuerst gar nicht was sie sagen sollte.
„Garrus“, erwiderte sie nur und musterte ihn einen Moment lang. Dann erkannte sie andere Turianer hinter ihm, einen ziemlich dunklen Ort, vielleicht eine geheime Einrichtung. So genau wusste sie es nicht und er schien es auch eilig zu haben, den Raum zu verlassen.
„Warte einen Moment“, sagte er und Jane hätte am liebsten erwidert, dass er sie gar nicht darum bitten müsste. Sie hatte schon so lange gewartet, da machten ein paar Sekunden mehr oder weniger auch keinen großen Unterschied mehr.
Es dauerte einige Sekunden bis sie das automatische Schließen einer Türe und schließlich das typische Geräusch einer Verschlüsselung vernahm.
„Ich dachte du bist eingesperrt“, meinte er, aber es klang mehr nach einer Frage.
Die Türen zu ihrem Apartment öffneten sich und für den Bruchteil einer Sekunde rutschte ihr das Herz in die Hose. James. Für einen kurzen, schrecklichen Augenblick hatte sie geglaubt, jetzt wäre alles aus. James hob beschwichtigend die Hände – allem Anschein nach stand ihr der Schock ins Gesicht geschrieben.
„Keine Sorge, Shepard, ich bin's nur“, flüsterte er und deutete in Richtung Toilette. „Ich lasse Ihnen dann mal ein bisschen äh Privatsphäre“, erklärte er und verschwand in dem kleinen Raum.
Jane atemte erleichtert aus.
„Alles in Ordnung?“, fragte Garrus und Jane warf wieder einen Blick auf den Schirm ihres Omnitools.
„Ja, besser als das“, erwiderte sie und glaubte sogar ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht zu erkennen. „Wie geht es dir?“, fragte sie, machte es sich etwas gemütlicher auf dem Sofa.
„Den Umständen entsprechend. Die Reaper sind inzwischen eine realistische Bedrohung und das turianische Militär ist verdammt stur. Von wegen Hilfe bei anderen Spezies suchen, sie wollen diesen ganzen Krieg alleine führen. Und außerdem-“
„Garrus.“
„Jane?“
„Lass uns nicht über die Reaper sprechen“, bat Jane leise. In den letzten Wochen hatte sie genug Zeit gehabt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, sie hatte schlicht und ergreifend keine Lust jetzt, wo sie zum ersten Mal seit Wochen wieder seine Stimme hörte, wieder über diesen verdammten Krieg zu sprechen. Es gab genug das schief lief in dieser Galaxie, aber dazu zählte definitiv nicht ihre Beziehung zu Garrus. Und das war es, was sie momentan am meisten beruhigte. Zu wissen, dass er da war, wenn auch nicht direkt bei ihr, er lebte und das reichte ihr. Für den Moment. Immerhin wusste sie, dass sie so oder so nichts tun konnte um diese Entfernung zu überbrücken.
„Natürlich“, stimmte er schnell zu. Jane bemerkte seinen alarmierten Blick, als allem Anschein nach auch bei ihm jemand an die Tür klopfte. Nach wenigen Sekunden schien aber doch alles in Ordnung zu sein. „Geht es dir gut? Wie behandeln sie dich?“, fragte er. Jane hörte die Besorgnis in seiner Stimme und vielleicht mischte dabei auch etwas Wut mit, ganz so genau konnte sie seinen typisch turianischen Unterton nicht erkennen.
„Überraschend gut. Ich bekomme mehr als genug zu essen und habe eine wirklich angenehme Zelle. Wenn man das hier denn so nennen kann...“, erklärte sie. „Allerdings...“, sie seufzte und presste konzentriert die Lippen zusammen.
„Allerdings was?“, fragte er und die Tatsache, dass sie ihm nicht mehr in die Augen sah, schien ihn noch etwas mehr zu stören als die Art, wie sie versuchte ihm auszuweichen.
„Nichts“, entgegnete sie schnell. Sie hatte gesagt, dass sie nicht über diese Dinge sprechen wollte. Dazu gehörten auch ihre Albträume.
„Jane“, erwiderte er mahnend.
Sie schloss kurz ihre Augen und überlegte, ob es eine gute Idee war ihm jetzt davon zu erzählen. Himmel, er war unzählige Lichtjahre von ihr entfernt und egal wie sehr sie sich wünschte, er wäre hier, sie könnte überhaupt nichts tun um ihn so schnell zu sehen.
„Es sind nur... Albträume“, gab sie schließlich nach und versuchte das so gut es ging herunterzuspielen. Sie wollte nicht, dass er sich Sorgen machte.
„Die gleichen Visionen wie damals bei dem Sender?“, hakte er nach und sie schüttelte schnell den Kopf.
„Nein, das ist es nicht“, erwiderte sie. „Es ist... anders. Realistischer. Greifbar... irgendwie... zu echt“, versuchte sie zu erklären, aber sein Blick zeigte, wie sehr ihn ihre Worte verwirrten. Es klang verrückt, lächerlich und vollkommen absurd. Jane schüttelte schnell noch mal den Kopf. „Vergiss es. Es geht mir gut, weitestgehend. Ich... bin nur ein bisschen einsam. Vielleicht liegt es ja auch daran“, meinte sie und versuchte sich an einem leichten Lächeln – scheiterte aber.
Garrus sagte eine Weile nichts, sah auch kurz auf den Boden und dann schließlich wieder zu ihr. „Ich habe mindestens eine Millionen Mal versucht dich zu kontaktieren. Tali hat mir eine Zusammenfassung ihrer gesammten Hackerkenntnisse geschickt. Damit hab ich es auch versucht. Aber die Allianz scheint es mit deiner Haft ziemlich ernst zu nehmen“, knurrte er.
Jane grinste leicht. „Wir konnten uns ja nicht mal richtig verabschieden...“, entgegnete sie wieder leise. Sie betrachtete ihn einen Moment lang, die blaue Clanfarbe, seine Narbe auf der rechten Wange. Er trug nicht länger den Verband und sie erinnerte sich daran, wie schlimm es damals ausgesehen hatte. Die Wunde war gut verheilt. Jane merkte, wie es in ihren Fingern kribbelte. Wie gern sie ihm nun über die Wange gestrichen hätte...
Garrus bemerkte ihren träumenden Blick und lachte leicht. „Kein Grund so niedergeschlagen zu sein, Shepard. Sie können dich da nicht ewig festhalten. Zumal sie ja anscheinend wissen, wie wertvoll du bist“, raunte er absichtlich. Allem Anschein nach war sein Vorhaben von Erfolg gekrönt. Jane wurde etwas rot und er konnte sich ein Grinsen kaum verkneifen. Er wusste, wie sehr sie seine Stimme liebte.
„Da hast du zwar Recht, aber bis jetzt habe ich absolut keinen Weg gefunden hier rauszukommen. Nicht mal ansatzweise...“, erwiderte sie und sah einige Sekunden lang angestrengt auf ihre Hände.
„Mich zu kontaktieren ist doch schon mal ein guter Anfang...“, entgegnete er und setzte sich auf den Boden. Jane hatte keine Ahnung, wo Garrus sich eigentlich befand – sein blaues Visor war das einzige, das für etwas Licht in dem dunklen Raum sorgte. Nur dank ihm und seinem Omnitool konnte sie ihn einigermaßen gut erkennen.
„Kontaktieren reicht mir aber um ehrlich zu sein nicht“, meinte sie und zog einen Schmollmund. Allein wie er eben mit ihr gesprochen hatte, bestätigte ihre Sehnsucht nach ihm. Es brauchte nicht viel, nur so wenige Worte von ihm und sie hätte am liebsten alles hinter sich gelassen um zu ihm zu kommen.
Dieses Mal war es an Garrus etwas in Verlegenheit zu geraten.
„Das verstehe ich“, erwiderte er und seine Kieferplatten zuckten leicht. „Hast du mit Anderson gesprochen?“, fragte er plötzlich.
Jane zog beide Augenbrauen hoch. Anderson? Er hatte sie hin und wieder besucht und ihr Kleinigkeiten wie Schokolade vorbei gebracht – besser gesagt, geschmuggelt – aber mehr als Small talk war da nicht gewesen. Die Allianz wusste von ihrer guten Beziehung zu dem Admiral und hatte ihr daher jegliche längeren Gespräche untersagt.
„Hin und wieder mal. Aber nie sehr lange... warum?“, fragte sie. Inzwischen hatte Shepard sich auf das Sofa gelegt. So war es definitiv angenehmer. Und in ihrer Fantasie war sie auch nicht mehr ganz so allein...
„Ach... nur so“, wimmelte er sie schnell ab und Jane verzog verwirrt das Gesicht. Nur so? Ganz sicher nicht 'nur so'.
„Garrus, was ist los?“, hakte sie nach. Die Armlehne des Sofas war definitiv zu weich. Sie hatte sich in den letzten Wochen, bevor sie von der Allianz eingesperrt worden war, so sehr an Garrus' Anwesenheit gewohnt gehabt. Insofern unterstütze dieses Möbelstück ihre Gedanken nicht gerade effektiv.
„...dir hat niemand davon erzählt?“, fragte er nach und sie warf ihm nur einen unbeeindruckten Blick zu.
„Würde ich sonst fragen?“
Garrus schwieg wieder einige Sekunden lang und Jane kam das fast schon zu lange vor. Sie hatte keine Ahnung wie lange es dauerte, bis die Allianz herausbekam, dass sie gerade dabei war, Kontakt zu einem ihrer früheren Crewmitglieder aufzunehmen insofern war sie fest davon überzeugt, dass sie dieses Gespräch nicht mit derartig viel Schweigen füllen sollten.
„Wir haben versucht dich rauszuholen“, erklärte er und er wusste, wie wütend sie das machen würde. Aber im Augenblick vertraute er darauf, dass ihr dieser Kontakt mit ihm zu wertvoll war, als dass sie ihn nutzen würde um ihm irgendwelche Vorwürfe zu machen.
„Ihr habt... was? Wer? Du und wer sonst?“, fragte sie und saß abrupt auf.
Das war schwachsinnig. Mehr als das! Wie waren sie nur darauf gekommen, sie könnten eine derartig dumme Aktion starten? Jane hätte das nie gut geheißen. Selbst wenn es funktioniert hätte. Dann wäre sie erst Recht angeklagt worden und als Gehilfin von Cerberus abgestempelt worden. Niemand hätte ihr mehr geglaubt, dass sie nie für den Unbekannten gearbeitet hatte. Lediglich mit ihm. Und auf diese Präposition legte sie sehr viel Wert.
„Alle“, sagte er und sie wusste, wen er meinte. Jane wollte ihm eigentlich eine Standpauke halten, sagen, wie dumm diese Idee war und wie viel dümmer es noch war, es überhaupt zu versuchen, umzusetzen. Aber sie beherrschte sich, biss sich auf die Unterlippe und sah ihn einfach nur skeptisch an.
„Wann?“, fragte sie nach und legte sich wieder hin.
„In der ersten Woche“, erwiderte er und sah sie nicht mehr an.
So... früh schon?
„Ich...“, er seufzte. Es war nicht unbedingt schwer, Garrus Vakarian die Sprache zu verschlagen, aber die Art und Weise, wie er schwieg, zauberte Jane insgeheim ein Lächeln auf die Lippen. Genaugenommen hatten sie nie richtig über ihre Beziehung gesprochen, es war nie nötig gewesen. Sie hatten sich auch ohne Worte verstanden und erst jetzt wurde ihr das Ausmaß ihrer Verbindung bewusst. Es hatte gerade mal eine Woche gebraucht, bis er die Initiative ergriffen hatte um sie wiederzusehen. Auch wenn sein Versuch allem Anschein nach gescheitert war – das war mehr als nur rührend. „...wir sind nicht weit gekommen. Anderson hat das alles auf seine Kappe genommen“, erzählte er und sah sie immer noch nicht an. „Die Allianz hatte die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, damit wirklich niemand zu dir kommen kann. Ich... weiß das war dumm und unüberlegt. Das musst du mir nicht sagen...“
Jane schwieg einige Sekunden lang und verfluchte gedanklich diese ganze blöde Situation. Garrus wirkte verunsichert, etwas nervös. Vermutlich befürchtete er, sie mit seinem offensichtlichen Gefühlen zu sehr zu bedrängen, dabei erwiderte Jane das alles in vollem Ausmaß.
„Garrus...“, begann sie, aber er unterbrach sie schnell wieder.
„Nein, hör zu Jane: Es war meine Schuld. Die anderen haben mich lediglich unterstützt, aber ich hatte den Plan“, erklärte er schnell, etwas gehetzt.
Jane hätte ihn küssen können. Und nicht nur das. Am liebsten hätte sie noch ganz andere Dinge mit ihm angestellt. „Hör auf zu reden“, befahl sie so liebevoll wie möglich.
Er verstummte sofort und sah sie endlich wieder an. Es vergingen unzählige Sekunden, bevor sie ihre Stimme wieder fand.
„Ich... brauche dich. Sofort“, flüsterte sie leise. „...aber ich weiß, dass es nicht geht und das macht mich unsagbar verrückt“, fuhr sie fort.
Garrus seufzte und lehnte seinen Kopf an die Wand hinter sich.
„Ich weiß ganz genau was du meinst“, entgegnete er und sah wieder zu ihr. „Jane...“
Sie schwieg eine Weile, genoß diesen Moment.
„Du weißt gar nicht was ich jetzt alles dafür geben würde, dich zu küssen“, murmelte sie etwas abwesend. Garrus erwiderte ihren Blick. Seine blauen Augen wirkten gequält, gerade so, als wüsste er wie sie sich fühlte. Jane schloss die Augen und seufzte frustriert. „Ich frage mich wie lange sie mich noch hier festhalten wollen...“
„Sie können dich nicht-“
Garrus verstummte als er, wie Jane die Türe ihres Badezimmers vernahm. James warf ihr einen etwas gehetzten Blick zu.
„Shepard, ich glaube, sie haben es bemerkt“, meinte er warnend.
Jane konnte ihr Bedauern darüber kaum verstecken. So schnell schon?
„Können Sie nicht...“, sie schwieg einige Sekunden lang und fuhr sich nachdenklich durch das Haar. „James, lenken Sie sie bitte noch etwas ab“, befahl sie so beherrscht wie möglich. Sie hatten gerade mal was... zehn Minuten miteinander gesprochen? Wie konnte die Allianz das so schnell bemerken? Vermutlich hatte sie ihre Techniker doch unterschätzt.
„Jane...“, begann Garrus aber Jane gab ihm schnell ein Zeichen still zu sein. Sie stand auf und schob James aus dem Badezimmer.
„Was... Moment, haben Sie etwa vor sich darin zu verbarrikadieren?!“, fragte James fassungslos und Jane wusste wie kindisch diese Aktion auf ihn wirken musste. Das hörte sie nur zu deutlich in seiner Stimme.
„Bitte James.“
Shepard wechselte einen langen, nachdrücklichen Blick mit dem Lieutenant, bevor er seufzend nachgab und zum Eingang des Apartments ging.
Garrus wirkte immernoch etwas verwirrt und fragte nun schon zum dritten Mal was los war.
„Nichts... es ist alles in Ordnung ich...“, stammelte sie, merkte aber schnell wie unnötig es war ihn jetzt anzulügen. „Ich hab nicht mehr viel Zeit. Garrus, ich wollte dir eigentlich... die ganze Zeit noch was sagen...“, fuhr sie zögernd fort. Es war dumm. Naiv und eigentlich vollkommen unpassend. Der Augenblick war absolut nicht der richtige, aber womöglich der einzige der ihr blieb, bevor sie ihn auf unbestimmte Zeit nicht mehr sehen könnte. Jane biss sich auf die Unterlippe und versuchte ihren ganzen Mut zusammen zu nehmen. Es gab keinen Grund nun so nervös zu sein, er wusste es vermutlich so oder so schon.
„Jane, gib mir irgendwas. Ich hol dich da raus“, bat er aber sie schüttelte nur den Kopf. Selbst wenn sie gewollt hätte, sie hatte ja selbst keine Ahnung wo sich ihre Kammer eigentlich befand. Sie konnte nicht einmal ganz sicher sein, dass sie auf der Erde war.
„Hör zu, bevor...“
Ein Krachen und Jane zuckte zusammen.
Sie hörte James' Stimme, ein paar spanische Wörter und schließlich einstimmiges Lachen. Er war wirklich unverbesserlich. Was auch immer es war, der Lieutenant hatte einen unfassbaren Charme.
„Garrus ich...“, Jane konnte kaum glauben, wie schwer es ihr fiel diese einfachen drei Worte zu sagen. Sie hatte so lange daran gedacht, wie sehr sie es bereut hatte, es ihm nicht gesagt zu haben, bevor die Allianz sie geholt hatte.
Der Turianer schien nicht zu ahnen, was sie von ihm wollte, was sie ihm eigentlich offenbaren wollte, er sah sie nur aus seinen besorgten, blauen Augen an.
„Ich liebe dich“, sagte sie ohne weiteres Zögern, ohne auf ihren Verstand zu hören. Es würde nichts ändern – natürlich nicht, aber sie müsste sich nicht länger Vorwürfe machen, es nicht gesagt zu haben. Sie könnte von nun an höchstwahrscheinlich besser schlafen mit dem Wissen, dass er ihre Gefühle kannte, wusste wie sehr sie sich nach ihm sehnte.
„Jane, ich-“
Ein Rauschen und auf einmal war er weg.
„Nein“, brachte sie nur hervor und tippte sofort hektisch auf ihrem Omnitool rum. „Verdammt!“
Jane ließ sich an die Türe gelehnt, langsam auf den Boden herunter und legte das Gesicht in die Hände. James' Stimme war das nächste was sie nach etlichen Minuten zu hören bekam. Er klopfte an die Türe, fragte ob alles in Ordnung wäre, ein paar Allianz-Mitglieder wären hier um sie zu befragen. Shepard seufzte, wohlwissend dass sie dem folgendem Gespräch nicht entgehen konnte und stand langsam wieder auf. Sie löste die Verschlüsselung und warf einen Blick in das Gesicht der jungen Frau in Uniform vor ihr.
„Jane Shepard? Mein Name ist Maja Brooks. Wir haben ein Exploit aufgespürt, mit dem jemand unerlaubt Zugriff auf unser System bekommen hat. Dürfte ich Ihnen ein paar Fragen stellen?“


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Da ich momentan solche Probleme mit meiner anderen FF habe, dachte ich, schreib ich mal wieder einen OS :)

Vielen lieben Dank für's Lesen!
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