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Willkommen in der Winkelgasse

von - Leela -
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Albus Dumbledore Harry Potter Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
22.10.2015
22.10.2015
1
3.615
4
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4 Reviews
Dieses Kapitel
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22.10.2015 3.615
 
Die folgende Geschichte gehört zu dem wundervollen und einfach zauberhaften Projekt »Füllt die Winkelgasse!« von »Molli«. Mal sehen, vielleicht wird ein Bummel durch weitere verschiedene Geschäfte noch folgen. ^.~

Anm. d. Aut.:
Zum Kapitel: Das kommt dabei raus, wenn man auf dem Weg zur Arbeit den Sprinter einer Tischlerei vor sich hatte!

Nun geht’s aber los! ^^


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Winkelgasse Nr. 65

Welcome to »Woodchucks Magic Wooden Goods«
(Willkommen bei »Woodchucks magische Holzwaren«)

In dem weitläufigen hellen Verkaufsraum, durch dessen große Schaufenster das Tageslicht hereinfiel und goldene Streifen auf den Boden und einige Verkaufstische malte, stand ein älterer Mann mit weißem Haarkranz und ebenso weißem Schnurrbart an dem hölzernen Tresen, der den Raum im hinteren Bereich teilte. Gerade führte er sorgsam das Kassenbuch, als die Türglocke neue Besucher ankündigte, und er sah automatisch auf.
      Zwei Jungen und ein Mädchen im Teenageralter betraten den Laden gerade staunend.
      Der alte Herr schmunzelte. „Kann ich euch helfen, oder wollt ihr euch nur umsehen?“
      „Nur umsehen!“ antwortete das Mädchen mit den langen braunen Haaren schnell. Offenbar war das Trio durch die Auslage auf den Laden aufmerksam geworden, denn die verschiedenen Holzwaren, die hier zum Verkauf angeboten wurden, weckten ihre Neugierde.
      Kaum daß die Tür in’s Schloß gefallen war, war mit einem Mal Fußgetrappel auf der Treppe zu hören, die hinter dem Ladentisch in den privaten Bereich des Hauses führte, und kurz darauf konnten die erschrockenen Neuankömmlinge eine große hölzerne Kiste betrachten, die in den Laden stürmte und sie mit neugierigen Beschlägen ansah.
      Das Mädchen und der dunkelhaarige Junge an ihrer Seite staunten unverhohlen, als sie die große Schatztruhe begutachteten, die zutraulich den Deckel öffnete.
      „Du meine Güte, was ist das?“ rief das junge Mädchen überrascht.
      „Echt Birnbaumholz!“ erklärte der Ladeninhaber.
      Der zweite, etwas schlaksigere Junge an ihrer Seite schien nur milde beeindruckt. „So eine hatte meine Tante mal auf dem Dachboden stehen. Die hatte unendliches Fassungsvermögen.“
      „Ja, diese kleinen Kisten sind schon ganz oho, aber auch sehr gefräßig.“ erklärte der ältere Herr, der sich gemütlich mit den Armen auf den Tresen gelehnt hatte und sie beobachtete. „Man bekommt nicht alles wieder, was man hineintut. Und oft geht das nicht ohne schwere Verletzungen beiderseits vonstatten.“
      Der Junge mit der Brille, auf dessen Stirn man für einen kurzen Moment eine Blitznarbe zwischen den Haarsträhnen erkennen konnte, riß sich widerwillig von der Truhe los, die ihn mit ihren Scharnieren so treu und erwartungsvoll wie ein Hund ansah, und wandte seine Aufmerksamkeit dem über und über mit Holzwaren gefüllten Verkaufsraum zu.
      Das Mädchen ließ derweil den Blick über die Regale, Tische und Wände schweifen und stupste den dunkelhaarigen Jungen neben sich an. „Sieh mal, Harry. Dort sind Bilderrahmen!“
      „Sie sehen nicht anders aus als die, die ich aus der Muggelwelt kenne!“ erwiderte Harry.
      „Mag sein, aber sie sind anders! Komm mit!“ Die resolute junge Dame drängte ihren Kameraden in die entsprechende Richtung und besah sich die verschiedenen Ausstellungsstücke.
      Harry neben ihr begann, verschiedene Schilder zu lesen. „»Bilderwechsler«…“ Er sah sich den Holzrahmen dazu an und stellte fest, daß dieser von allein die Bilder im Inneren wechselte. Als Demonstration waren drei Bilder in dem Rahmen hinterlegt: Eine Blumenwiese, ein Stilleben mit einer Obstschale und ein Bild von einem Mädchen, das vor einem Haus spielte. Erstaunt beobachtete Harry, wie sich die Blumen in einem leichten Wind bewegten; dann wechselte das Bild und er sah, wie das Mädchen, das einen Ball gegen die Hauswand warf und wieder auffing, eine der Blumen pflückte, gerade bevor das andere Bild ganz aus dem Rahmen verschwand. Einen Augenblick später legte sie die Blume auf den Tisch zu Obstschale und nahm sich statt dessen einen Apfel. Harry beobachtete gerade verträumt die kleine Szenerie, als das Stilleben wieder zur Blumenwiese wechselte, und plötzlich aus dem Nichts ein Rabe aus dem Himmel herabgeschossen kam, sich einen weiteren Apfel pickte, und mit ihm wieder in den Himmel davonschoß. Erschrocken trat der Junge einen Schritt zurück.
      „Harry, schau dir das hier an!“ rief seine Kameradin gerade neben ihm.
      Der Angesprochene bemühte sich, wieder in das Hier und Jetzt zurückzukehren. Er war sich nicht mehr so sicher, daß er so einen Bilderwechsler haben wollte. Nach seinen gerade gemachten Erfahrungen mochte er sich nicht ausmalen, was passieren würde, wenn er dort verschiedene Familienfotos und Bilder aus seinem Freundeskreis hinterlegen würde… Er atmete durch und wandte sich um. „Was ist denn, Hermine?“
      Das Mädchen deutete auf einen anderen Bilderrahmen, der aus einem rotbraunen, lackierten Holz bestand. „Das hier ist ein »Atmosphäre-Anpasser«!“ erklärte sie ernst. „Der Bilderrahmen scannt seine Umgebung und das Bild, das du in den Rahmen getan hast, und erkennt anhand dessen, welche Form und Farbe er annehmen muß, damit er harmonisch in’s Bild paßt. Also, ob er eher modern oder nostalgisch sein soll, rustikal oder schlicht, welche Verzierungen am besten passen und welche Farbe zu dem Umfeld paßt.“
      Harry musterte den Rahmen, der gerade ein Foto von dem Laden zeigte und wirklich gut zu der ganzen Holzeinrichtung in dem Raum paßte, nachdenklich. „Hm, ich möchte wissen, was passiert, wenn man ein modernes Bild in dem Bilderrahmen in einer rustikalen Wohnstube aufhängt!“
      „Der Bilderrahmen wird’s schon richten!“ erklärte Hermine knapp und schloß damit das Thema. Dann sah sie sich nach dem zweiten Jungen um, der auf der anderen Seite des Raumes entlanggegangen war, und sich ein paar hölzerne Hocker angesehen hatte.
      »Magischer Fußtritt« stand auf einem Schild bei einem kleinen Schemel, der gerade mal die Höhe einer hohen Treppenstufe hatte. Neugierig trat der Junge auf die schmale Trittfläche, und kurz darauf verlor er mit einem erschrockenen Aufschrei fast das Gleichgewicht, als der Tritt von allein weitere Stufen hervorbrachte, die sich nach oben ausdehnten und so seinem Benutzer ermöglichte, an eine höhere Stelle im Raum zu gelangen. Als der Prozeß zum Stehen kam, ruderte der rothaarige Junge ein wenig mit den Armen, fing sich aber schnell wieder.
      „Ron!“ Das war Hermines tadelnde Stimme. Neben ihr kam auch der Besitzer des Ladens alarmiert um den Tresen herum.
      Ron stieg gerade vorsichtig die Stufen wieder herab, bis er wieder auf dem Boden stand.
      „Junge, Junge…“ tadelte ihr Gastgeber. „Erst lesen, bevor ihr etwas ausprobiert!“ Er zeigte auf den kleinen Text, der unter der Artikelbezeichnung auf dem Schild stand. »Mit einem Tritt auf der richtigen Höhe – links für auf; und rechts für ab!« „Du hattest Glück, daß der Hocker so nah an dem Regal stand! Sonst wärst du womöglich auf dem Dachboden gelandet!“ tadelte der Ältere, unter dessen Blick Ron so rot wurde, daß seine Gesichtsfarbe seinem Haarschopf Konkurrenz machte.
      Harry war neugierig nähergekommen. „Wie funktioniert das, Mister…“
      „Woodchuck!“ Der Mann in der braunen Arbeitslatzhose lächelte den Jungen mit der Brille warmherzig an. Dann erklärte er den dreien: „Also, seht ihr hier die Fußabdrücke auf dem Trittbrett?“
      Die drei nickten.
      „Tritt man auf den linken, fährt der Tritt in die Höhe. Tritt man auf den rechten, geht es wieder hinunter. Aktiviert werden die Richtungen aber nur, wenn man den anderen Fuß nicht auf der zweiten Fläche stehen hat! Lediglich wenn das obere Ende des Tritts an ein Hindernis stößt, hält er von alleine. Wißt ihr, er ist nämlich so schlau und merkt, daß er am Ziel sein muß, wenn es nicht mehr weitergeht.“
      Die drei Jugendlichen lächelten fasziniert.
      „Aber, wie hält man den Schemel denn selbst an?“ fragte Hermine. „Ich meine, wenn sowohl links und rechts immer eine Bewegung auslösen, dann ist er ja immer in Bewegung!“
      „Du kannst es beeinflussen, indem du springst!“ erklärte Woodchuck. „Wenn du mit beiden Füßen gleichzeitig die Stehfläche verläßt, und wieder aufkommst, bleibt er stehen.“
      Hermine sah ein wenig skeptisch aus. „Ich weiß nicht, das klingt ziemlich gefährlich.“
      „Man braucht nur ein wenig Übung.“ behauptete der Ladenbesitzer vergnügt und schob seine kleine Brille mit den ovalen Gläsern zurecht. „Hausfrauen schwören auf den Magischen Fußtritt.“
      Harry konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen; Ron hingegen trat noch zwei Schritte zurück, und in seinem Gesicht konnte man ablesen, daß er keinen Fuß mehr auf so ein Ding setzen würde.
      Der Holzwarenverkäufer ging mit einem Schmunzeln wieder zum Tresen zurück, und auch Harry, Ron und Hermine sahen sich weiter um.
      Ein paar Schritte weiter wurden die drei auf etwas neues aufmerksam. In einer Ecke mit Spielwaren stand ein schön gearbeitetes Holzschaukelpferd. Es war noch ein junges, ungestümes Pferdchen. Es legte den Kopf in den Nacken und wieherte. Harry konnte ein verträumtes Lächeln nicht unterbinden. So ein Pferd hätte er als Kind auch gerne gehabt…
      Ron blieb bei dem Pferd stehen und betrachtete es gedankenvoll. „So ein Pferd hatte Charlie früher auch. Es war schon ein gebrauchtes. Mom sagt, das war ein Glück, so brauchte es nicht mehr eingeritten zu werden. Wir hatten es lange in der Familie, bis es an Altersschwäche gestorben ist. Es ist zum Schluß förmlich auseinandergefallen, also haben Mom und Dad sich entschlossen, es für den Kamin zu benutzen. Ginny hat eine Woche durchgeheult, als es zu Brennholz verarbeitet wurde.“
      „Aber wenn es doch schon so alt war…“ meinte Harry. „Sie hätte doch auf ein neues sparen können, wenn sie wieder eins hätte haben wollen.“
      Ron sah seinen Freund mit großen Augen an. „Hast du eine Ahnung, wie die Viecher wiehern können? Einmal war das Bein von dem Pferd gebrochen, weil Fred zu wild damit geschaukelt ist, obwohl er schon viel zu alt dafür war. Ich werde nie die herzzerreißenden Schmerzensschreie vergessen, bis Dad es repariert hat. Gott sei Dank ging das schnell mit dem Holz-Repair-Zauber. Aber irgendwann konnten wir es damit auch nicht mehr retten. Und da wir Holz für den Kamin brauchten, bot es sich gerade an, das eine mit dem anderen zu verbinden. Dad hat gesagt, so etwas macht er nie wieder. Wir haben das todgeweihte Wiehern im Kamin gehört, bis der ganze Holzkopf zu Asche zerfallen ist. Danach waren Mom, Ginny und ich für drei Monate in Gruppentherapie…“ Ron schauderte noch heute in der Erinnerung an das Ereignis.
      Mittlerweile war Harry ganz froh, daß er nie ein magisches Schaukelpferd besessen hatte. Er hatte unwillkürlich die Arme um den Körper geschlagen, als würde er frösteln.
      Ron stöberte inzwischen durch die Regale. Neugierig gesellte sich der Dunkelhaarige zu ihm. Gerade standen sie an einem Bord mit Spielsachen.
      „»Sich selbst zusammensetzende Holzpuzzle«…“ las Harry erstaunt von einem Schild vor, hinter dem sich Holzkästen mit bunten massiven Würfeln oder sorgfältig ausgesägten Puzzleteilen aus Spanplatten verbargen, die alle zusammen ein Bild ergaben. „Was hat das denn für einen Sinn, wenn man das nicht selber macht?“
      Ron sah ihn an, als hätte Harry den Verstand verloren. „Das ist ja der Sinn der sich selbst zusammensetzenden Holzpuzzle, daß man es nicht selbst machen muß!“
      Harry starrte Ron an und merkte, daß sie nicht auf einen Nenner kommen würden. Also gab er es auf. Als er die Reihe weiter entlangging, fand er eine Kiste mit verschiedenen Anhängern aus Holz für den Weihnachtsbaum. Fasziniert nahm er den einen oder anderen in die Hand. Ein Engel spielte Harfe, ein Weihnachtsmann ließ ein fröhliches „Ho ho ho“ hören und ein Schneemann kämpfte verzweifelt mit einem roten, weißgepunkteten Taschentuch gegen die Wärme in dem Laden, und wischte sich das Tauwasser von der Stirn.
      Als die Türglocke läutete, sah Harry sich automatisch um. Ein großer, etwas älterer Zauberer mit einem anthrazit-farbenen Umhang trat ein.
      „Ah, freut mich, Sie zu sehen, Mister Patchett!“ begrüßte der Ladeninhaber den neuen Kunden.
      „Guten Abend, Mister Woodchuck. Haben Sie meinen Spezialauftrag fertig?“
      „Alles paßgenau, Mister Patchett.“ Woodchuck griff unter den Ladentisch und holte eine große, quadratische Holzplatte hervor, auf der ein großes, filigranes Gebilde aus kleinen Holzfragmenten zu sehen war, die alle zusammen eine Pyramide bildeten. Unwillkürlich hatten sich die drei Jugendlichen zu dem Käufer umgedreht und staunten. „Möchten Sie es ausprobieren?“ fragte Mister Woodchuck gerade.
      „Warum nicht?“ Der Mann namens Patchett nahm einen Stab aus der Leiste, die das Holztablett begrenzte. Jetzt erst sahen die drei, daß zu allen vier Seiten farbige Stäbe in die Seitenleisten integriert lagen. Der große, stattliche Zauberer klopfte auf das Holz des Tabletts, und plötzlich kam Bewegung in die Elemente. Auf einmal sortierte sich alles in einem spektakulären Gewusel neu, bis sich alles zu einem hölzernen Kranich mit ausgebreiteten Flügeln zusammengefunden hatte.
      Von drei Seiten lagen staunende Gesichter auf dem Spiel.
      Patchett nickte zufrieden. „Eine phantastische Arbeit, Woodchuck. Wie immer. Das wird die Kinder freuen.“ Er klopfte mit dem Stab in eine Ecke, und die Elemente fügten sich wieder zu der Pyramide zusammen. Anschließend bezahlte er den stolzen Tischler und verabschiedete sich herzlich.
      Woodchuck beobachtete die begeisterten Freunde mit einem Lächeln.
      „Was war denn das?“ konnte Harry sich nicht verkneifen zu fragen.
      „Ich glaube, ich weiß es!“ rief Hermine. „Das ist ein Spiel, an dem kleine Kinder bereits das Zaubern lernen können, richtig?“
      Woodchuck nickte. „Und das ganz ungefährlich. Wie ihr gesehen habt, kann man die unterschiedlichsten Formen mit den Stäben zaubern, aber sie reagieren nur auf das Spielbrett, und deswegen ist es bereits für Kinder zugelassen, um ihre Fertigkeiten ausprobieren zu können. – Normalerweise sind diese Spiele kleiner. Dort drüben in dem Regal mit den Spielwaren müßten noch welche stehen. Mister Patchett bat mich, ein richtig großes für ihn zu bauen, aber die einzelnen Elemente sollten die gleiche Größe behalten, wie die aus den kleinen Spielen. Auf diese Weise erhält man natürlich viel mehr Spielmöglichkeiten! Ihr glaubt gar nicht, wie viele Einzelteile in dem großen Spiel verbaut sind. Ich kann euch sagen, das hat eine Weile gedauert, bis ich das fertig hatte!“
      Die drei lachten herzlich. Dann kehrte Hermine gedanklich wieder dorthin zurück, wo sie unterbrochen worden war, und nutzte die Chance, die Jungen gleich mit sich zu der anderen Wand herüberzuziehen, wo sie ihnen die in Holzrahmen eingefaßten Spiegel zeigte. „Habt ihr die schon gesehen? Das sind Stimmungsspiegel! Die Rahmen zeigen genau an, wie sich derjenige, der hineinblickt, fühlt! Hier ist eine Liste! Je nachdem, welche Farbe der Rahmen annimmt, kann man hier nachschauen, in welcher Stimmung der Benutzer des Spiegels ist! Ich habe es vorhin schon ausprobiert, und es funktioniert tatsächlich!“
      „So? Welche Farbe hatte der Rahmen? Giftgrün?“ frotzelte Ron, was Hermine mit einem bissigen Blick kommentierte.
      „Ich glaube eher nicht.“ bemerkte Harry, der bereits die Liste in Augenschein genommen hatte. „Giftgrün, wenn man die Farbe so bezeichnen kann, bedeutet nämlich, daß jemand gelangweilt ist. Und das kann ich mir von Hermine gerade nicht vorstellen.“
      „Nein!“ bestätigte sie hochmütig und löste auf: „Es war ein schönes rotbraun!“
      „Und das bedeutet…?“ fragte Ron abwartend.
      Harry konsultierte die Liste. „Aufgeregt!“
      „Schau du doch mal rein!“ Hermine gab Ron einen Schubs, und als er in den Spiegel sah, beobachtete sie nachdenklich den Farbwechsel. „Hm, was war denn noch Flaschengrün…?“
      Harry sah bereits wieder auf die Liste und biß sich auf die Lippe. „Genervt…“
      Einen Augenblick herrschte verlegene Stille.
      Harry räusperte sich schnell und warf ein: „Aber was macht so ein Spiegel, wenn mehrere Personen gleichzeitig hineinschauen?“
      „Du meinst, wenn sie sich unterschiedlich fühlen? Ich denke, er wird alle Farben irgendwie darstellen…“ Sie stellte sich hinter Ron, und zu dem Flaschengrün, das mittlerweile schon wieder ein wenig verblaßte und einem neugierigen Braun Platz machte, mischte sich wieder das euphorische Rotbraun aus Hermines Gefühlswelt.
      Harry beobachtete es lächelnd. „Ich weiß nicht, ob so ein Spiegel so gut ist. Außerdem weiß man doch selbst am besten, wie man sich fühlt. – Ich möchte mir die kleinen Spiele noch mal ansehen, wie das große von vorhin.“
      Ron nickte, und so trennten sich die Wege der Jungs und Hermines wieder, da es das Mädchen in eine andere Richtung zog.
      Schnell hatten der dunkelhaarige Junge mit der Brille und der rothaarige mit den Sommersprossen die Spiele gefunden.
      „Wollen wir uns so eins kaufen?“ fragte Ron. „Wir könnten zusammenlegen, dann haben wir etwas gemeinsames für die Ferienzeit in Hogwarts.“
      Harry lachte. „Aber bald können wir doch genausogut auch so zaubern! Dazu brauchen wir dann kein kindgerechtes Spiel mehr.“
      Rons Blick sagte, daß er mit dem Gedanken noch nicht ganz abgeschlossen hatte, ließ es aber dabei bewenden, als Harry sich schon auf einem Tisch mit verschiedenen Fächern umsah, in denen Haushaltsutensilien lagen; hölzernes Besteck - hier hatte es ihm insbesondere der »selbstwürzende Löffel« angetan -, Frühstücksbretter aus Holz, die eine Brotscheibe, welche man auf sie legte, auf der Unterseite wahlweise mit Butter, Frischkäse oder Schokocreme bestrichen, hölzerne Becher, die, wenn sie umkippten, nicht ausliefen oder die Grillzange mit dem eingebauten Feuerzauber, so daß sie den Grill entbehrlich machte.
      Hermine war auf der anderen Seite des Ladens mittlerweile bei einer Ecke angekommen, wo verschiedene durcheinandergewürfelte Sachen lagen und standen. Ein paar kleine Holztruhen standen dort und sahen sie mit traurigen Beschlägen an. Holzkisten und verschiedenes Spielzeug lag auf einem Tisch, sowie auch der eine oder andere Bilderrahmen, und einige Möbel standen ebenfalls unsortiert zwischen dem Regal und dem Tisch, welche offensichtlich zu einem Themenbereich zusammengehörten. Vor dem Bereich standen große Schilder mit der Aufschrift: »Fehlerhafte Produkte und Sturzware, günstig abzugeben«. Hermine hatte eine kleine Truhe in die Hand genommen, die sie flehentlich ansah.
      „Die würde ich nicht nehmen.“ sagte Ron, der gerade zu ihr aufschloß. „Sieh mal, eine Ecke ist abgeschlagen, und die Scharniere sind verbogen.“
      „Aber schau mal, wie sie dich ansieht!“ hielt das Mädchen dagegen. „Sie wird einmal runtergefallen sein. Sie kann doch gar nichts dafür…“
      „Was nützt es dir denn, wenn du sie aus Mitleid kaufst?“ argumentierte Ron. „Schau mal, sie schließt ja gar nicht mehr richtig! Kauf dir doch lieber eine heile, so teuer sind die auch nicht. Da hast du aber mehr von.“
      Die kleine Truhe hatte mittlerweile demoralisiert den Deckel geschlossen, den Blick der Scharniere zu Boden gesenkt.
      Von der anderen Seite kam Harry gerade zu ihnen herüber. „Ach du meine Güte, da hast du dir ja die schäbigste Truhe aus dem ganzen Laden ausgesucht!“ rutschte es ihm heraus, bevor er es aufhalten konnte.
      Die Truhe wirkte, als würde sie im nächsten Moment in Tränen ausbrechen wollen.
      Das gab bei Hermine schließlich den Ausschlag. Entschlossen nahm sie die Truhe und ging damit zum Tresen. Ron und Harry wechselten einen nicht sehr überzeugten Blick und zuckten die Schultern. Als sie bei Hermine ankamen, hatte diese gerade bezahlt und wirkte sehr zufrieden. Und die kleine Truhe in ihren Händen schien auf einmal ihren Kummer hinter sich gelassen zu haben.
      Als die drei beisammen standen, atmete Hermine durch. „Was meint ihr, wollen wir gleich noch ein Eis essen gehen?“
      Ron und Harry strahlten. „Na klar!“
      Sie verabschiedeten sich von Mister Woodchuck, und kamen auf ihrem Weg nach draußen an den Stimmungsspiegeln vorbei.
      „Hey, wartet mal!“ rief Harry plötzlich, gerade als Hermine an einem Spiegel vorbeikam. Der Rahmen färbte sich in einem leuchtenden Rot. Der junge Zauberer mit der Blitznarbe schaute interessiert in die Liste. „Rot bedeutet, jemand ist sehr glücklich.“
      „Dann muß das auf Hermine und die Truhe zutreffen!“ beobachtete Ron. „Der Rahmen hat nur eine Farbe.“
      „Fast…“ sagte Harry, der den leichten orangenen Schimmer entdeckt hatte. „Ich will mal etwas ausprobieren. Bitte gib mir mal deine Truhe, Hermine!“
      Etwas widerwillig gab das junge Mädchen ihren neu erworbenen Schatz in die Hände ihres Freundes, und als sie allein vor dem Spiegel stand, verschwand der orange Schimmer.
      „So, und jetzt…“ Harry drapierte die Truhe gegenüber dem Spiegel auf einem Stapel Bücher über Holzverarbeitung, die auf einem Tisch hinter ihnen lagen und scheuchte Hermine und Ron vor dem Spiegel weg. Tatsächlich färbte sich das Holz des Rahmens nun zusätzlich zu dem glücklichen Rot in einem intensiven Orange.
      „Und was hat das zu bedeuten?“ fragte Ron.
      „Orange bedeutet, daß jemand sehr dankbar ist.“ erklärte Harry.
      Eine bedeutsame Stille senkte sich für einen Moment herab, in der Hermine tiefgründige Blicke mit den Jungs tauschte. Dann nahm sie ihre Truhe und ging voran aus dem Laden.

Einige Augenblicke später saßen die drei Freunde bei Florean Fortescue’s Eissalon an einem der Tische vor dem Haus. Oder richtiger hieß es nun, die vier Freunde, nur daß lediglich drei von ihnen Eis aßen. Hermines Truhe nahm den vierten Platz auf dem Tisch ein.
      „Was machst du jetzt mit ihr?“ fragte Harry neugierig mit vollem Mund.
      „Irgend etwas lasse ich mir schon einfallen. Sie wird eine schöne Aufgabe bekommen.“ versprach Hermine, während sie ihr Maroni-Amarena-Eis löffelte. Auf einmal hörten sie eine vertraute Stimme und wandten sich synchron um. Professor Dumbledore stand nicht weit entfernt und unterhielt sich mit einem anderen Zauberer.
      Jetzt sah er sie und kam mit einem Lächeln zu ihnen herüber. „Ah, ihr laßt euch Fortescues wunderbares Eis schmecken! Das ist vernünftig. – Oh. Hermine, was ist denn mit deiner Truhe passiert?“ Ehrliche Betroffenheit klang durch die Stimme des alten Zauberers, und so erzählten die drei Zauberschüler die ganze Geschichte. Der Schulleiter von Hogwarts lächelte, als sie geendet hatten. „Na, da muß sich doch etwas machen lassen.“ Er nahm seinen Zauberstab hervor, tippte gegen die Truhe und sprach einen Zauberspruch, der die Truhe in ein kurzes, gleißendes und wirbelndes Licht hüllte. Als das Licht verschwand, erstrahlte die Truhe in ganz neuem Glanz, und war in einem einwandfreien Zustand.
      Die beiden Jungs schnappten nach Luft, und Hermine klatschte sich vor die Stirn. „Ein Reparaturzauber! Und wir haben davon vorhin noch gesprochen! Warum bin ich da nicht von allein drauf gekommen?“
      „Kannst du den denn schon?“ fragte Ron decouragiert.
      „Nein, aber ich hätte jemanden fragen können!“ erklärte Hermine, die sich über sich selbst ärgerte.
      Dumbledore lächelte milde. „Gräme dich nicht deswegen, Hermine. Im Gegenteil. Denn du hast bewiesen, daß du die kleine Truhe auch so mochtest, wie sie war.“ Er zwinkerte der Gruppe zu und ließ sie wieder allein, in erstaunte, nachdenkliche Gedanken versunken.

Und so kam es, daß Hermine die einzige Truhe aus Birnbaumholz besaß, aus der sie alles, was sie hineintat, auch ohne Zwietracht, Kampf und Widerworte wieder herausbekam.
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