Familienporträt

GeschichteAllgemein / P12
Abraham "Abe" Morgan Detective Jo Martinez Dr. Henry Morgan Lucas Wahl
20.10.2015
15.10.2016
5
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Hey, hier kommt das erste Kapitel ;)
Hoffe es gefällt euch...falls das jemand liest XD
Tut mir schon mal Leid...ich habs nicht so mit Absätzen ;)

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Sevland wachte von einem sehr seltsamen Geräusch auf. Es hörte sich an, wie ein Rumpeln, dann wie ein Knacken. Da Sevland wusste, dass alle seine Bediensteten bereits zu Hause waren und sein Sohn auf Geschäftsreisen war, dachte er sofort an einen Einbruch. Oder noch schlimmer, ein Auftragskiller. Sevland selber wurde schon häufiger gesagt, dass er äußerst paranoid und ich bezogen war und das war er wohl auch. Von sich selbst überzeugt, wie eh und je, stieg er also aus dem Bett und schlich auf den Korridor hinaus. Er hielt den Atem an und horchte nach dem Geräusch.
Knarrrrrrr
Da war es wieder ! Es kam aus der Galerie. Sevland wusste, dass sich in der Galerie einige wertvolle Gemälde befanden. Manche sogar bis zu 2 Millionen Dollar wert. Empört bewegte er sich weiter auf das Geräusch zu und dachte nicht einmal daran, die Polizei zu rufen.
Diesen Möchtegerneinbrechern würde er es zeigen !
Die Tür zur Galerie stand einen Spalt breit offen, dämmriges Licht schien in den Korridor. Vorsichtig drückte sich Sevland an der Wand entlang und schielte um die Ecke in den Raum hinein.

In der Galerie standen zwei Männer in schwarzen Anzügen mit einer Taschenlampe. „Hast du es, Rock ?“, fragte der eine. „Nein.“, knurrte der andere genervt. „Sonst hätte ich es dir wohl schon gesagt.“ „Der Boss hat gut Reden.“, meinte der andere. „Wie sollen wir hier jemals das richtige Bild finden. Für mich sehen die alle gleich aus.“ „Deswegen bin ich ja da, Lash. Weil der Boss weiß, dass du absolut keinen Plan von Kunst hast und erst Recht nicht, von der des 18. Jahrhunderts.“, erwiderte Rock. „Los lass uns weitersuchen. Der Boss meinte, es wäre im späten 18. Jahrhundert gemalt worden, da fallen ja zumindest ein paar weg, oder Lash.“ Lash schnaubte.
Sevland runzelte die Stirn. Spätes 18. Jahrhundert ? Ihm fiel spontan kein sehr wertvolles Gemälde aus dieser Ära ein, also beschloss er, abzuwarten und die Einbrecher dann zu gegebener Zeit aufzuhalten. Bewaffnet schienen sie ja nicht zu sein. Vielleicht ergab sich ja ein günstiger Moment, um zumindest einen vorzeitig außer Gefecht zu setzen.
„Ich glaub, ich hab es.“, meinte Rock nach ein paar Minuten. Lash kam näher. „Du hast Recht.“ Rock ließ seine Taschenlampe über das Gemälde gleiten und lachte leise. „Sieh mal Lash. Der Boss hatte Recht. Wie zum Teufel konnte er das wissen ?“
Als beide so ehrfürchtig vor dem Gemälde standen, sah Sevland seine Chance. Beide Einbrecher waren abgelenkt. Leise schlich er von hinten an die Einbrecher heran. Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals, aber er hatte sich schon lange nicht mehr so lebendig gefühlt. Diesen Einbrechern würde er es zeigen !
Mit einem Satz warf sich Sevland auf Rock und riss ihm so die Taschenlampe aus der Hand. Beide Männer fielen zu Boden und Lash war zu verwirrt, um einzugreifen. „Was zum Teufel -“, knurrte Rock, während er sich mit Sevland auf dem Boden umherwälzte. Lash schien mittlerweile den ersten Schock überwunden zu haben und hechtete zur Taschenlampe. Sofort richtete sich der Lichtkegel der Taschenlampe auf Sevland und Rock. Sevland bekam kurzerhand einen gut gezielten Tritt von Lash an den Kopf und Rock überwältigte ihn letztendlich.
Erst jetzt, wo Rock ihn fest im Griff hatte und Lash sein Gesicht mit der Taschenlampe inspizierte, kam Sevland in den Sinn, dass es vielleicht unklug gewesen war, so eigenmächtig zu handeln.

„Du bist der Hausbesitzer, nicht war ?“, stellte Lash fest. „Hast du gedacht, dass du hier so einfach reinplatzt und uns fertig machst ???“, fragte Lash amüsiert. Rock lachte und Sevland wurde siedendheiß vor Scham, doch er fing sich wieder. „Ihr werdet es noch bereuen, hier bei mir eingebrochen zu sein.“ „Ganz schön große Töne für jemanden, der verdammt tief in der Klemme steckt.“, bemerkte Lash und Rock festigte seinen Griff. „Ich habe die Polizei gerufen !“, bellte Sevland, seinen letzten Trumpf ausspielend. „Das hast du nicht.“, sagte Rock. „Lash hat die Stromversorgung gekappt und dein Haus komplett vom Netz genommen. Selbst wir hier drinnen kein Empfang.“ Lash grinste und entblößte eine Zahnlücke. Sevland sah nach unten. „Tja.“, redete Rock weiter. „Es tut mir wirklich Leid für dich, aber ich schätze du bist nun ein Risiko, dass es zu beseitigen gilt.“ Lash grinste noch breiter und zog ein Messer aus seiner Tasche. Sevland wurde aschfahl. „Halt. Ich -“, stotterte er. „Ich habe nichts gehört. Wirklich. Ich verpfeife euch nicht.“ Lash kam langsam mit dem Messer näher. „Das mag sein, aber ich kann dir da leider nicht ganz vertrauen. Du verstehst sicher, was ich meine.“, sagte er und setzte kichernd das Messer auf Sevlands Brust. Sevland verlor den Verstand vor Angst, er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. „Halt. Warte noch Lash !“, rief Rock plötzlich. „Ich möchte ihm vorher noch eine Frage stellen.“ Lash warf einen zutiefst bösen Blick zu, so als wäre er bei seinem Lieblingsspiel unterbrochen worden. Trotzdem ließ er zumindest kurzzeitig wieder von Sevland ab. „Nun. Ich würde gerne wissen, woher du das hier hast ?“, fragte Rock und deutete auf ein Gemälde an der Wand. „Ich – Ich weiß nicht.“, stammelte Sevland, die Angst vor dem Tod saß ihm noch tief im Nacken. Lash setzte das Messer wieder an. „Ich. Von einem Händler. Er wollte es nicht mehr haben.“, entgegnete Sevland. „Du weißt also gar nicht, was das wirklich Wertvolle an diesem Bild ist. Und der Händler offensichtlich auch nicht.“, stellte Rock lachend fest. Auch Lash grinste. „Na dann adieu.“, sagte Rock. Es waren die letzten Worte, die Sevland hörte, bevor Lash das Messer in seine Eingeweide trieb.



Detective Jo Martinez hatte sich gerade ihren Morgenkaffee gemacht und unterhielt sich mit Hanson, als ihr Handy klingelte. Sie seufzte auf. „Das Verbrechen lässt einen wohl nie in Ruhe.“, bemerkte Hanson und grinste. Jo warf ihm einen genervten Blick zu und ging ans Handy.
„Detective Martinez hier ?“
„Ich hab einen frischen für dich, Jo.“
„Jetzt schon Derrin ? Es ist doch erst sieben Uhr.“
„Jop. Reece hat angeordnet, dass du sofort hinsollst. Ich bin gerade dabei den Tatort zu sichern. Eastwood Street Nummer 4. Scheint wohl ein relativ reiches Opfer zu sein.“ Jo schnaubte. Wie immer regierte Geld die Welt. Sogar nach dem Tod, wie es schien.
„Ach ja und Hanson und Morgan sollen auch da sein. Ich würde mich an eurer Stelle beeilen.“, meinte Derrin. „Danke.“, erwiderte Jo und legte auf.
Dann wandte sie sich wieder an Hanson, der immer noch gemütlich seinen Kaffee schlürfte. „Spezielle Anforderung von Reece. Wir müssen jetzt sofort los. Ich hol Henry.“, sagte Jo und Hanson verzog missbilligend das Gesicht. „Können sie mir nicht mal den Morgenkaffee lassen.“, grummelte er genervt und zog seine Autoschlüssel aus der Tasche. „Na los. Dann hol mal den Doc.“, meinte er und machte sich auf den Weg zu seinem Auto, während Jo nach unten in die Leichenhalle ging.
Sie fand Henry schließlich in seinem Büro über ein paar Akten gebeugt. Papierkram also. Tja selbst ein Gerichtsmediziner blieb davon offensichtlich nicht verschont. Lucas schien noch nicht da zu sein. Jo klopfte vorsichtig an die Scheibe des Büros. Henry schreckte hoch, sein Blick schnellte ins Hier und Jetzt zurück und fiel auf Jo. Diese war sich beinahe zu hundert Prozent sicher, dass Henry mal wieder irgendwelchen Gedanken nachgehangen hatte und nur zufällig auf die Akten gestarrt hatte.
Henry öffnete überrascht die Tür. „Schon so früh, Detective ?“ „Ja. Spezielle Anforderung von Reece. Wir sollen uns beeilen.“ „Natürlich.“, erwiderte Henry und folgte ihr nach oben. „Offensichtlich ein wohlhabendes Opfer.“ Jo nickte und verdrehte die Augen. „Und das wird natürlich sofort zur Priorität.“ Henry lachte. „Natürlich.



Um kurz nach sieben kamen Hanson, Henry und Jo schließlich am Tatort an. Schon von weitem konnten sie sehen, dass das Opfer wahrlich wohlhabend gewesen war. Ein riesiges Anwesen erstreckte sich vor ihnen und ein aufgeregter Bediensteter kam sogleich auf sie zugewuselt. „Ich führe Sie dann zu dem Hausherrn, wenn es gerecht ist ?“ Jo schnaubte und alle drei folgten dem Bediensteten durch mehrere Korridore in eine Galerie voller Gemälde. Hanson pfiff ehrfürchtig. „Das dürfte verdammt viel wert sein.“ Dann richtete sich ihr Blick auf den Hausherrn Mr. Sevland, der ein klaffendes Loch in der Brust hatte und leblos auf dem Boden lag. Henry hatte sich bereits zu dem Opfer hinunter gekniet. „Die Todesursache war offensichtlich ein großes Messer, wie es in Schlachtereien vor den Maschinen verwendet wurde.“, sagte er. „Es sind noch Reste von schwarzer Wolle in der Wunde, aber ich bezweifle, dass man darauf DNA Spuren finden wird. Auch sind ihm die Finger abgeschnitten worden, damit DNA Spuren an den Fingernägeln des Opfers ausbleiben. Das waren Profis.“ „Ein Profikiller ?“, fragte Hanson überrascht. „Nein.“, erwiderte Henry. „Erst einmal waren es zwei Personen. Die eine Person hat unser Opfer von hinten festgehalten, während der andere zugestochen hat. Und zweitens waren die beiden keineswegs darauf aus, unser Opfer hier zu töten. Sie wollten in erster Linie hier einbrechen.“ „Wurde etwas gestohlen ?“, fragte Jo den Bediensteten. „Hier gibt es doch sicherlich ein paar wertvolle Bilder, oder ?“ Der Bedienstete schüttelte den Kopf. „Alle Bilder von Mr. Sevland sind an ihrem rechten Platz.“, antwortete er. „Dann müssen sie es ja doch auf ihn abgesehen haben.“, meinte Hanson. „Nein.“, widersprach Henry. „Er hat sein Nachthemd an. Ich bin mir sicher, er ist durch die Geräusche, die beim Einbruch der beiden Männer erzeugt wurden, wach geworden und wollte dem selber auf den Grund gehen.“ „Das war dann wohl nicht sehr erfolgreich.“, bemerkte Hanson. „Und warum wurde dann nichts gestohlen ?“, fragte Jo. „Genau das ist die Frage, Detective.“, meinte Henry und lächelte. „Ich bin mir sicher, dass die Antwort genau hier in den vielen Gemälden liegt.“ Jo nickte und  sie machten sich daran, die Gemälde zu untersuchen.
Henry erkannte mit wenigen Blicken, dass die meisten der Gemälde weit über fünfhundert tausend wert waren. Alles lohnenswerte Ziele für Einbrecher, doch diese hier hatten keines der Gemälde auch nur angerührt. Wie in Trance schritt Henry an den Gemälden vorbei. Es war ihm beinahe, als würde er eine Zeitreise machen. Bilder aus dem frühen 20., dem späten 19. und schließlich dem 18. Jahrhundert reihten sich gut geordnet aneinander.
Henry merkte erst Minuten später, dass er den Atem angehalten hatte und stehen geblieben war. Seine Augen hatten sich geweitet. Er biss sich auf die Lippe und starrte ungläubig auf das Bild vor ihm.

Spätes 18. Jahrhundert.
Der Maler hob beständig den Blick und strich mit dem Pinsel über die Leinwand, während die Familie vor ihm versuchte möglichst entspannt und fröhlich auszusehen. Henry wusste noch, dass es sehr anstrengend gewesen war, so lange still zu stehen. Aber er wollte auch, dass das Bild schön wurde, also riss er sich zusammen. Er spürte eine beruhigende Hand auf seiner Schulter. „Keine Sorge. Bald haben wir es geschafft, Henry.“


Der Klang ihrer Stimme. Henry hatte ihn beinahe vergessen, solange war es her gewesen. Ihr Gesicht, ihre Stimme. Das alles war über die Jahre verblasst, bis sie und alle anderen aus seinem früheren Leben nichts weiter als blasse formlose Schemen waren.
Nun aber wirkten sie plötzlich so lebendig, wie schon lange nicht mehr. Es war, als würde er durch einen Spiegel in die Vergangenheit schauen. Der große Mann im Hintergrund in eleganter Kleidung, der seiner Frau den Arm um die Hüfte gelegt hatte. Die Haare der Frau kringelten sich in wilden braunen Locken hinab. Eine Hand ruhte auf der Schulter eines kleinen Jungen mit ebenfalls braunen Locken. Daneben stand ein älteres Mädchen mit ebenfalls braunen Haaren. Alle lächelten. Der Maler hatte diesen Moment perfekt eingefangen. Zu perfekt, wie es schien. Henry schluckte. Er hatte sie beinahe vergessen. Erinnerung um Erinnerung überrollten ihn.
Wieder wanderte sein Blick zu dem Bild. Seiner Familie. Und dann schließlich zu seinem jüngeren Selbst. Wie glücklich er damals doch gewesen war. Wenn er damals nur schon geahnt hätte, was ihn für ein Albtraum erwartete.
Ein bitteres Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.