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Josephine Klick Staffel 3

von bichi
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fritz Munro Josephine Klick
20.10.2015
26.05.2016
38
86.642
3
Alle Kapitel
130 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
01.02.2016 3.092
 
Nachschlag! Lösen wir mal den Fall auf. Ob wirklich alles gut ausgeht, seht ihr, wenn ihr dieses Kapitel lest :-) Viel Spaß!



(Josie) Obwohl. Er würde erst schießen, wenn ich ihn ansehen würde? Ein Geistesblitz durchzuckte mich, als mir die rettende Idee kam. So fest ich konnte, presste ich meine Augen aufeinander und konzentrierte mich wieder voll und ganz auf die Handschellen. Nur noch ein kleines bisschen. Ich versuchte, das Gezeter meines Gegenübers zu ignorieren, probierte, seine Attacken auszublenden. Einzig und allein das Schloss war wichtig. Hastig schob ich die Spange hin und her und hoffte, dass er sein Wort, mich nur zu erschießen, wenn ich ihn ansehen würde, hielt. Immer und immer wieder schlug er mir mit der Waffe auf den Kopf, weshalb mir bereits ein wenig schwummrig wurde. Wenn ich mich nicht beeilen würde, dann wäre wohl eine zertrümmerte Schädeldecke die aktuelle Sterbemöglichkeit. Wie lange hatte ich noch Zeit? Oder besser gesagt, hatte ich überhaupt noch eine? Es kam mir so vor, als würde ich mit jedem Schlag immer benommener werden. Wie eine Schallplatte wiederholte Herr Neustätter seine erbosten Worte, ich solle endlich die Augen öffnen, und je öfter er sie sagte, desto düsterer klangen sie. Abermals bekam ich einen kräftigen Hieb zu spüren, doch dieses Mal in den Magen, was mich ein wenig gequält aufkeuchen ließ. Mein Kopf tat weh, mein restlicher Körper wollte sich vor lauter Schmerzen am liebsten zusammenziehen, auch meine Beine wollten ihren Dienst quittieren. Doch ich versuchte mich zusammenzureißen. Denn auch wenn mir jeder erdenkliche Körperteil weh tat, so machte ich dennoch nicht die alles entscheidende Geste, die diese Gewalttaten und die damit verbundenen Qualen unterbunden hätten. Ich musste zugeben, dass ich sogar für einige Sekunden mit diesem Gedanken gespielt hatte. Nachzugeben und sich seinem Schicksal zu beugen wäre die einfachste Lösung für meine Misere, jedoch wäre sie auch gleichzeitig die feigeste gewesen und das war ich noch nie. Und ich würde den Teufel tun und diese Tatsache jetzt bei meinem vermeintlichen Tod ändern. „Seit wann bist du so ein Angsthase Bielefeld?“ hörte ich im Gedanken Fritz herausfordernd sagen. Fritz. Bei seinem gedanklichen Anblick konnte ich nicht anders als zu lächeln, was Herr Neustätter irritierte. Er hielt in seiner Bewegung inne und starrte mich verwirrt an. Kein Wunder. Wenn man bedachte in welch bizarren Lage ich mich gerade befand. Dem Sensenmann so nahe an der Klinge und dennoch lächelte ich. Egal, wie beschissen es mir ging, aber mein Spitzname konnte mich immer wieder aufheitern.

Ich spürte deutlich, wie meine Energie zurückkehrte. Ob es das Adrenalin war und mein gewaltiger Überlebenswille oder an den Gedanken meines guten Kollegen vermochte ich nicht zu sagen. Doch durch die Regungslosigkeit meines Gegenübers hatte ich mir wieder ein wenig mehr Zeit verschafft. Und zwar genau so viel, wie ich noch gebraucht hatte, um diese scheiß Handschellen zu öffnen. Es kam mir vor, als wären gerade tausend Steine von meinem Herzen gefallen, als ich nach endlos langen Minuten nun doch das alles ersehnte „Klick“ gehört hatte. Erleichtert atmete ich kurz tief aus, bis mir wieder bewusst wurde, dass ich noch lange nicht außer Gefahr war. Konzentrierend rief ich mir den Raum, in dem ich mich gerade befand, ins Gedächtnis  und versuchte, mir einen vermeintlichen Fluchtplan zu überlegen. Ich selbst war im Vorratsraum, wo man früher das Mehl aufbewahrt hatte. Vor und hinter mir befand sich eine Wand, links gab es ein kleines Fenster, von dem Sonnenstrahlen in den Raum kamen. Okay. Also blieb nur eine Möglichkeit, von hier zu fliehen. Langsam richtete ich mich auf, während ich meine Hände von dieser Stande löste. Mit gerade gerichtetem Blick öffnete ich schließlich die Augen und blickte direkt in Herrn Neustätters Gesicht. Dieser schien sich nach meinem Anblick von seiner Verblüfftheit gelöst zu haben. Er blickte mich mit einem zufriedenen Grinsen an und meinte mit selbstgefälligem Ton, dass es nun Zeit zum Sterben wäre. Kurz rann mir ein kalter Schauer über den Rücken, dann richtete ich mich auf, verfolgte seine Bewegungen genau und noch bevor er sich hätte von mir entfernen oder gar die Waffe erneut auf mich richten hätte können, holte ich mit meinem Bein aus und verpasste ihm einen kräftigen Tritt in die Zone, die Männer kampfunfähig machte. Während sich meine Hände nach vorne auf seine Schultern legten, nutzte ich den überraschten Moment seinserseits, um ihm mein Knie so dermaßen tief in die Weichteile zu befördern, dass ihm wohl hören und sehen verging.

Zufrieden erkannte ich, wie Herr Neustätter sich krümmend vor Schmerzen auf den Boden warf und sich zusammenrollte. Kurz überlegte ich, ihm die Waffe zu entnehmen, erkannte jedoch, dass er diese so stark umklammerte, dass ich sie ihm wohl kaum hätte entreißen können. Stattdessen nahm ich meine Beine in die Hand und rannte so schnell ich konnte zur Tür, die mit einem lauten Knall aufflog. Immer ein Fuß vor dem anderen raste ich in das nächste Zimmer und suchte blitzschnell den Ausgang. Als ich diesen gefunden hatte, hastete ich diesem entgegen. Doch kurz bevor ich ihn hätte erreichen können, spürte ich eine Blockade direkt vor mir. In irgendetwas war ich hineingeknallt. Etwa in eine Wand? Was war bloß mit meiner Orientierung los? Hatte sie unter den Attacken so sehr gelitten? Nein. Das war keine Wand. Die Wegversperrung vor mir war weich. Man könnte fast schon sagen menschlich. Für eine Millisekunde spannte sich mein Körper an, beschlich mich doch die Befürchtung, dass Herr Neustätter Komplizen hatte. Noch bevor meine Augen die entwarnende Information hätten registrieren können, hatte meine Nase mir bereits verraten, in wen ich hineingerannt war. Dieser Duft. Er war hier. Er war wieder gekommen, um mich zu retten. Ich entspannte mich sichtlich und blickte ihm endlich in die Augen. Auch er schien seine Kampfhaltung aufgegeben zu haben, nachdem er mich erkannt hatte. Kurz zierte sein Gesicht den Ausdruck der Erleichterung, ehe er mich in eine Umarmung zog. Er presste mich so nah an sich, dass kein Blatt mehr zwischen uns gepasst hätte. Meinen Kopf betete er auf seine harte Brust, sein regelmäßiger Herzschlag beruhigte mich. Kurz genoss ich dieses Gefühl von Sicherheit, das er mir gab. Am liebsten würde ich noch stundenlang so da stehen. Trotzdem war es noch nicht vorbei. Herr Neustätter hatte noch immer seine Waffe und auch wenn mein Schlag noch so gut war, lange wäre er wohl nicht mehr außer Gefecht. Unfreiwillig aber bestimmt löste ich mich von Fritz und blickte ihn an. Doch noch bevor ich ihm hätte warnen können, dass wir von hier verschwinden mussten, fing er sofort an zu reden.

„Verdammt Bielefeld mach nie wieder so einen Scheiß!“ tadelte er mich.
„Jaja ich versprechs aber wir müs.....“ setzte ich an, doch ich hatte das Gefühl, er würde mir nicht zuhören.
„Ich hatte echt eine beschissene Angst um dich!“ Mir stockte der Atem. Er hatte Angst um mich? Hieß das etwa, dass ich ihm doch nicht so egal war?
„Hat er dir was getan?“ fragte er als nächstes und fing an, mich abzuchecken.
„Nein aber jetzt müssen wir wirklich ….....“ probierte ich es abermals ihm mitzuteilen, dass wir noch immer in Gefahr waren. Doch es schien als ob ich mit der Luft sprechen würde. Wie aufgezogen quasselte und quasselte er. Normalerweise war das doch immer mein Part. Ob er sich dann auch so fühlte wie ich jetzt? Gott war diese Eigenschaft vielleicht lästig.
„Fritz wir mü.....“ Mir blieben die Worte im Hals stecken, als sich sein Blick verfinsterte.
„Du blutest. Ich bring ihn um! Ich werd ihn eigenhändig …..........“ fing er an loszuzettern. Mir schwirrten seine Worte herum. Ich bring ihn um. Die selben Worte wie auf der Brücke. Damals hatte er sie wirklich in die Tat umgesetzt und war beinahe ins Gefängnis deswegen gekommen. Ob er es jetzt wieder tun würde? Was war nur los mit ihm?! Noch nie hatte ich ihn bei einem Einsatz so aufgewühlt gesehen.
„Verdammt Fritz wir müssen raus! Herr Neustätter hat ne Waffe und ….......“ schrie ich ihn an, damit er mir endlich zuhörte. Als meine Worte ihn erreicht hatten, verstummte er, als wäre ihm erst jetzt der Ernst der Lage bewusst geworden.

„Und diese richtet er gerade auf die Bullenschnepfe.“ wurde mein angefangener Satz höhnisch beendet. Wie in Zeitlupe drehten sich unsere Köpfe zu Herrn Neustätter, der wirklich mit ausgestreckter Waffe vor uns stand. Ich blickte in seine Augen, die vor Freude leuchteten. Fast, als ob es ihn Spaß machte, die Angst in den Augen zu lesen. Auch er blickte mich an. „Es wird Zeit.“ meinte er gehässig und löste die Sicherung. Mein Herz raste wie verrückt. Wäre es jetzt doch zu Ende? Aber was dann? Was würde er dann mit Fritz tun? Oh nein. Bitte nicht. Er war Vater. Sollte sein Sohn etwa ohne Papa aufwachsen? Gott bitte nicht. Es war merkwürdig. So sehr ich mir noch vor wenigen Minuten gewünscht hatte, dass er kommen und mich retten würde, so sehr missfiel mir nun seine Anwesenheit. Ob sich Herr Neustätter dazu überreden lassen würde, Fritz zu verschonen? Immerhin wusste nur ich von seinem kleinen Nebengeschäft. Ich war die einzige lebende Zeugin. Ohne mich hätte er dann kein belastendes Material. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf ging ich einen Schritt auf ihn zu, bereit, die Konsequenzen für meinen Alleingang zu tragen. Ich war bereit dafür, doch Fritz war es scheinbar nicht. Er schien zu ahnen, was ich vorhatte. Konnte ich nur zu deutlich spüren, wie sauer und besorgt er war. Mit einer stürmischen Bewegung zog er mich hinter sich und straffte die Schultern. Ich wollte gerade protestieren, als er mir entgegenzischte: „Denk nicht mal dran!“ Seine Worte ließen kein Widerwort dulden.

Herr Neustätter war alles andere als begeistert. „Ey du da. Keine Ahnung wer du bist, aber du bist im Weg. Die da bleibt da und du gehst nach Hause. Dann sind alle glücklich und zufrieden.“ Nach diesen Worten entspannte ich mich etwas. Gut. Er wusste also nicht, dass Fritz mein Partner war. Und er würde ihn verschonen, zumindest hoffte ich das. Abermals versuchte ich, nach vorne zu kommen. Doch Fritz hielt mich mit eisernem Griff hinten, sodass ich mich nicht einmal einen Millimeter bewegen konnte. Er sagte zu mir kein Wort, stattdessen richtete er seine vollste Konzentration unserem Gegenüber. Dieser schien langsam aber sicher ungeduldig zu werden. Aufbrausend fuchtelte er mit der Waffe wild in der Luft herum. Er war mal wieder unachtsam. Die Chance, ihn zu verwunden und die Waffe zu entnehmen. Mein Blick fiel auf Fritz´s Hüften, wo sich sonst immer seine Dienstwaffe befand. Als ich dort nichts finden konnte, suchte ich sie weiter. Vielleicht in der Gesäßtasche? Mmmmh. Ich merkte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg. Er hatte die blaue Jeans an. Die selbe, die er auch in unserer gemeinsamen Nacht anhatte. Gott hatte der Anblick mich damals wahnsinnig gemacht. Ich konnte gar nicht in Worte fassen, wie sehr ich ihn damals wollte. Ob ich wirklich so notgeil war? Obwohl..... wäre ich es gewesen, dann hätte ich doch auch andere Männer ehm naja intensiv angestarrt oder? Aber das hatte ich nicht getan. Ich konnte mich nicht daran erinnern, einen anderen Kollegen im Revier begehrt zu haben. So wie Christoph. Naja gut der war schwul. Amann war alt und Alex verheiratet. Und natürlich Patrick. Gut der war alles andere als mein Typ. Aber war Fritz es denn? Er war ein Macho durch und durch. Er hasste zickige Frauen. War aufbrausend, nicht zu vergessen sein Frauenbild. Er hatte noch das alte Schema – Mann verdient Geld und Frau versorgt Kinder. Mann sagt, Frau macht. Genau so war auch Stefan und wenn ich es mir recht überlegte, so hatte mich sein Verhalten eigentlich immer abgestoßen. Wieso also hatte es das bei Fritz nicht auch? Naja er hatte sich schon ein wenig verändert. Er respektierte mich nun mehr. Sah mich genau wie Alex als fast gleichwertigen Kollegen an. Mehr oder weniger. Er war ein hervorragender Polizist und Partner, nicht zu vergessen seine sportliche Seite. Apropo Gewehr, wo ist diese verdammte Waffe?! Ich blinzelte durch, um aus meinen Gedanken zu kommen und schaute genau hin. Doch nirgends war eine zu finden.

„Verdammt gehen sie endlich weg!!!!!“ schrie Herr Neustätter so laut, dass ich kurz zusammenzuckte. Fritz jedoch verzog nicht mal eine Miene.
Mit ruhiger, fester Stimme meinte er: „Nur über meine Leiche.“
„Tzzz. Wie süß. Zu viel Fernsehen geguckt?  Na los gehen sie schon zur Seite!“ zog er Fritz´s Ansage ins Lächerliche. Ich jedoch konnte spüren, wie ernst er seine Worte meinte und sie behagten mir gar nicht.
„Ich meins ernst. Sie wolln sie erschießen? Dann müssen sie vorher mich abknallen denn eines ist sicher. Ich geh hier nicht weg!“ meinte er bestimmt, was mir den Magen umdrehte. Was zur Hölle machte er denn da?! Wieso tat er das?! Wieso setzte er sein Leben aufs Spiel?! Für mich?!

„Fritz.“ Ich versuchte, mich neben ihn vorbeizuschieben, scheiterte jedoch.
„Vergiss es Bielefeld.“ meinte er mit seinem chefmäßigen Unterton, was mir alles andere als gefiel. Ich hasste es, wenn er den Vorgesetzten raushängen ließ. Mit einer fließenden Bewegung stellte ich mich neben ihn hin und stemmte die Hände seitlich.
Er verdrehte genervt die Augen. „Mach gefälligst das, was ich dir sage!“ forderte er mich auf, ich schüttelte den Kopf.
„Kannste vergessen.“ meinte ich dominant und verschränkte meine Arme ineinander.
Ich konnte erkennen, wie wütend er bereits war. „Verdammt ich bin dein Chef also tu was ich dir sage!“ schrie er mir aufbrausend entgegen.
Na toll. Jetzt geht’s also wirklich los. „Nein.“ meinte ich mittlerweile beleidigt. Ich war erwachsen. Da brauchte er nicht mit mir reden als wäre ich ein kleines Kind.
„Ey ich bin jetzt nicht hierher gerast nur um dann zu hören, wie du das ´Einmal-Pathologie-bitte-Spiel´ spielen willst.“
„Wärs dir lieber, dass wir beide dieses Spiel spielen? Moment wo ist Alex überhaupt?!“ fragte ich ihn leise.
„Den kannst du suchen was du willst. Der ist nicht da.“ erklärte er mir sachlich, als ob es das Normalste der Welt wäre.
„Wie. Du gehst ohne Partner weg? Bist du irre?!“ warf ich ihm vor. Wusste er denn nicht wie saudämlich und saugefährlich das war?! Er geht doch sonst auch NIE ohne in einen Einsatz.
„Sagt ja die richtige. Wer von uns beiden ist denn alleine unterwegs hmm?“
„Man, konnte doch nicht ahnen, dass ich …........“
„Genau das ist das Problem. Weil du nie nachdenkst. Nie! Und ja scheinbar werd ich irre. Und zwar seitdem du da bist! Du bringst alles durcheinander!“
„Mo … ment mal ja! Deine Ehe war vor mir schon am Ende ja! Dafür kann ich wirklich nichts!“ So typisch. Da denkst man einmal, dass er hier ist, weil er mich mag und mich beschützen will. Und was stellt sich dann heraus? Dass ich in seinen Augen nur Ballast bin. Hat er mir doch schon des Öfteren gesagt, dass ich sein Leben ruiniert hab. Ich wollte es nur einfach nicht wahr haben. Vermutlich ist er nur hier, weil es als Polizist ja seine Pflicht ist, jemanden das Leben zu retten.
„Verdammt ich meinte nicht Stefanie sondern meine beschissenen Gef...............“

Bumm bumm. Ich zuckte, als plötzlich ein lauter Knall ertönte. Als mir bewusst wurde, dass Herr Neustätter gerade eine Kugel abgefeuert hatte, wurden meine Augen groß. Ich spürte keinen Schmerz, hatte keine Schussverletzung. Als mir das klar wurde, wurde mir spieübel. Mein Atem ging immer schneller. Leicht panisch blickte ich zu Fritz und suchte das Einschussloch, während ich betete, dass nicht lebenswichtige Organe getroffen wurden. Meine Körperhaltung entspannte sich, nachdem ich keinerlei Blutlache bei ihm feststellen konnte. Ich runzelte die Stirn. Aber wenn er nicht …. und ich nicht …... hatte Herr Neustätter etwa sich selbst ….. ? Mein Blick wanderte nach vorne, doch auch er schien noch heil zu sein. Mehr oder weniger. Mittlerweile wirkte er nicht mehr wie ein kaltherziger Mörder, sondern vielmehr wie ein verzweifelter Irrer.
„Haltet die Klappe verdammt noch mal!!!! Wir sind hier nicht in einer bescheuerten Barbara Karlich Show, wo ihr eure Beziehungsprobleme klären könnt verstanden!!!!!!!“ schrie er uns an, während er sich wütend die Haare raufte.
„Wir sind nicht zusammen.“ teilten sowohl Fritz als auch ich gleichzeitig mit, weshalb wir uns beide danach blinzelnd ansahen. Ich blickte ihm tief in die Augen, was mein Herz schneller schlagen ließ. Kurz schüttelte ich den Kopf, wollte so meine Kopfschmerzen verjagen. Mein Gehirn spielte mir schon wieder einmal einen Streich. Als ob Fritz noch ein leider daran gehängt hätte. Bestimmt hatte ich eine Gehirnerschütterung. Kein Wunder bei den Schlägen.
„Verflucht haltet die Fresse! Ich werd euch alle beide abknallen dann hab ich endlich ruhe!“ brüllte er und richtete die Waffe erneut auf mich. Na toll. Jetzt wären wir wirklich beide dran. Die Schuldgefühle breiteten sich aus. Wäre ich doch nur vorsichtiger gewesen. Hätte ich doch bloß nie den Hinweis hinterlassen, wer der echte Mörder war. Dann wäre Fritz jetzt nicht in der Schussbahn.

Die Müdigkeit und die Kopfschmerzen ausblendend atmete ich tief aus und bevor ich es übersah, stellte sich Fritz abermals vor mich. Ich blinzelte.
„Fritz was ….?!“ fragte ich ihn verwirrt, welchen Zweck er damit verfolgte. Ich verstand ihn einfach nicht.
Mit nicht zu deutenden Gefühlen aber auch bedauernswerten Blick sah er mich an, was mir den Atem raubte.
„Ich habe dir gesagt, dass ich dich mit meinem Leben beschützen werde.“ meinte er ernst.
Ich schluckte, versuchte jedoch ein Lächeln aufzusetzen. „Scheiß Polizisteneid was?!“ probierte ich meine letzten Minuten noch ein wenig aufzuheitern, auch wenn es nicht zum Lachen war. Für Fritz zumindest nicht. Dieser hatte noch immer seinen humorlosen undurchdringlichen Gesichtsausdruck aufgesetzte. Er entgegnete mir nichts, lediglich mit seinen Augen versuchte er mir, etwas mitzuteilen, was ich jedoch nicht decodieren konnte. Doch egal was seine Antwort war, wenigstens war das letzte, das ich zu Gesicht bekommen hatte, etwas Vertrautes und das beruhigte mich ungemein.  

„Polizei! Waffe runter! Geben sie die Waffe weg!“ hörte ich von weitem das SEK-Team, welches Herrn Neustätter festnahm. War es das? Hatte Fritz gewusst, dass Alex Verstärkung holen würde? Hatte er sich deswegen vor mich gestellt? Weil er die Sache hinauszögern wollte? Hah. Irgendwie kam ich mir gerade ziemlich dämlich vor und ich musste mir eingestehen, dass ein klintzeklitzekleiner Teil von mir gehofft hatte, dass es ihm um mich gegangen wäre. Hmmm. Völlig absurd. Ich bin seine Kollegin, seine Schwägerin. Greg. Wo war er eigentlich? Ob er sich wohl Sorgen gemacht hatte? Will ich, dass er sich welche gemacht hatte? Greg. Fritz. Greg. Fritz. Gott, meine Gedanken spielten verrückt. Alles drehte sich, als wäre ich zu oft hintereinander mit einem Karussell gefahren. Mir wurde schwarz vor Augen, bevor auch meine Beine nachgaben und ich zusammensackte. Ich merkte noch, dass mich irgendjemand auffing. Danach driftete ich einfach weg in die Finsternis.



Hoffe, ich habe die Charaktere getroffen! Ist bei solchen Ausnahemsituationen gar nicht mal so leicht :-)        lg
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