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Josephine Klick Staffel 3

von bichi
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fritz Munro Josephine Klick
20.10.2015
26.05.2016
38
86.642
3
Alle Kapitel
130 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
21.01.2016 3.719
 
Sooo. Verspätet aber doch. Hoffe es gefällt euch. Wenn ja schenkt mir bütte  bütte Motivation :-)




(Alex) Bedröppelt ließ ich meinen Kopf langsam auf meine Schreibtischplatte knallen. Mit einem leichten Dumpf kam er auf und fing sofort an, an der aufkommenden Stelle ein wenig zu pochen. Das würde wohl eine kleine Beule geben. Oder zumindest einen kleinen blauen Fleck. Ich stöhnte. Meine „körperlichen Schmerzen“ waren wohl das einzig Interessante, was heute alles passiert war. Seit Stunden saß unser Team bereits an den Tischen und erledigte rund um die Uhr liegengebliebenen Schreibkram. Schön langsam aber sicher spürte ich meine Finger nicht mehr. Wie sehr ich doch diesen Papierkram hasste. Viel lieber hätte ich einen neuen Fall geklärt aber nein, es kam und kam einfach nichts Neues rein. Noch nicht einmal ein kleiner Autounfall oder eine alte Dame, die friedlich in ihrem Schaukelstuhl eingeschlafen war. Nichts. Nada. Niet. Versteht mich nicht falsch. Natürlich war ich froh, dass wir heute ausnahmsweise mal kein Opfer hatten. Aber dieses ständige nichts tun machte mich wahnsinnig. Ich setzte mich wieder gerade auf in meinem Schreibtischsessel auf und streckte meinen Rücken ordentlich durch. Das leichte Pochen in meinem Kopf hatte noch nicht aufgehört, genauso wenig wie mein verspannter Rücken und auch mein Hintern kribbelte, als ob es bereits eingeschlafen wäre von dem ganzen Stillsitzen. Es fühlte sich an, als hätte ich 15 Stunden durchgehend auf ein und dem selben Platz gesessen und hätte mich nicht gerührt. Dabei waren es gerade einmal ein drittel davon gewesen. Wie sollte ich da also noch den restlichen Tag überleben?! Konnte nicht wenigstens ein einziger spannender Fall herein kommen? Nur einen Einzigen? Klar hatten wir eigentlich wenn man es genau betrachtete, noch einen offenen Fall. Doch wir waren ratlos, was diesen betraf. Herr Mauer war unsere einzige Vermutung und da wir diesen ja nun ausschließen konnten, tappten wir wortwörtlich im Dunkeln. Wir wussten einfach nicht, an welchem Punkt wir nun ansetzen sollten. Und so saßen wir also trotz des offenen Falles da und warteten ab. Vielleicht hatte ja Bielefeld eine Idee, wie wir weiter vorgehen sollten. Doch bis es so weit war, hatte ich noch einen anstrengenden Tag vor mir.

„Verdammt Patrick! Bei welchem Pizzadienst hast du denn bitte bestellt?! Die schmeckt ja, als hätte man die schon mal ausgespuckt!!!!! Das kannste vergessen, den Fraß ess ich garantiert nicht!!!!!!!!“

Korrigiere – Ich würde einen anstrengenden UND nervenaufreibenden Tag haben. Wieso? Weil Fritz mal wieder tierisch gute Laune heute hatte. Quatsch das wäre untertrieben. Schon seit Wochen war er ständig mies gelaunt, schnauzte wieder öfters rum und hatte wieder sein Kopf-durch-die-Wand-Schema. Seit WOCHEN. Wenn man es genau betrachtete, war es eigentlich, seitdem Bielefeld weg war. Ein Grund mehr weshalb ich ihn nicht verstand. Sollte er da nicht erleichtert sein, mal nicht ständig ihr Gequatsche anhören zu müssen? Irgendwie hatte ich das Gefühl, als würde ich meinen besten Freund und treuesten Partner immer weniger verstehen.

Ich fing an zu grübeln. Ob er wohl unter Sexentzugserscheinungen litt? Obwohl …. jetzt als Single hatte er wohl mehr davon als ich in der Ehe. Zumindest hatte ich das anfangs noch gedacht. Ständig schauten ihm die Weiber hinterher, wenn wir gemeinsam ein Bier trinken waren. Und jedes Mal hatte ich ihn nach jeder einzelnen gefragt. Mal waren sie gut, mal weniger. Aber was sollte MAN nun auch erwarten. Immerhin war nicht jede Frau eine Sexgöttin. Hauptsache er hatte seinen Spaß und den schien er gehabt zu haben.


*Dachte ich jedenfalls bis vorgestern, als ich mit Caro Hand in Hand allein Spazieren war. Wir waren gerade entlang der Spree gegangen, als wie aus dem Nichts plötzlich eine Frau auf mich zukam und mich an den Schultern packte. Verwirrt sah ich zu ihr, kannte sie jedoch nicht, was sie scheinbar noch mehr verärgerte. „Hallo? Was wollen Sie von meinem Mann?!“ fragte Caro verwirrt nach. Die Frau sah sie an und meinte beiläufig: „Von dem will ich nix. Er soll nur seinem Freund was ausrichten.“ Nach dieser knappen Erklärung wandte sie sich an mich und tippte mir mit einem Finger tadelnd gegen die Brust. Es tat nicht weh, doch ich war ein wenig sauer, dass Fritz´s Onenightstands nun zu meiner Frau und mir Kontakt aufnahmen und uns belästigten. Konnte er nicht endlich wieder eine normale Beziehung eingehen? Das wäre um einiges unkomplizierter. „Sag ihm, dass ich wirklich maßlos enttäuscht bin. Jawohl maßlos enttäuscht.“

Weswegen jetzt genau?! Dass es für ihn nichts bedeutet hatte oder weil er nicht gut war? Sie schien meine Gedanken gelesen zu haben und fuhr fort. „Ja richtig geraten. Der Typ hat doch ein Problem.“ Ich blinzelte. „Ein Problem!?“
Kurz deutete sie in meinen Schritt. „Alter sag ihm doch einfach, dass er schwul is. Dann erleben andere Frauen keine Sexflauten mehr.“
Eigentlich hätte ich bei dieser lächerlichen These laut auflachen können. Aber nur fast. Dafür wunderte ich mich viel zu sehr über die angebliche Flaute, die er hatte. Das konnte unmöglich der Fall sein. Fritz und mir war dies in all den Jahren noch nicht passiert. Selbst bei Bielefeld und ihrer nervigen Art hatte er einen hochgekriegt. Wobei …. ich würde auch eher bei meiner Kollegin als bei der da ….... stop. Ganz falscher Gedanke. Ich würde natürlich mit keiner anderen als meiner Frau!

„Ja grins nicht so. Es lief nix. Und das lag nich an mir, ich hatte mein Bestes gegeben ja! Aber als Mann sollte es einem zu denken geben, dass ER sich nach nem geilen Blow-job noch immer nicht rührt. Und zwar nicht nur an dem Abend. Meiner Schwester ist es auch passiert letzten Mittwoch und stell dir vor. Sie kamen noch nicht einmal bis zum Ausziehen, da hatte er die Flucht ergriffen. Also soll er den Frauen n Gefalln tun und seine Hingezogenheit mal ordentlich hinterfragn!!“ mit diesen Worten rauschte sie mit schnellen Schritten ab und hinterließ Caro und mich zurück. Unsere Münder waren ein wenig perplex geöffnet. Meiner Frau, weil dieses Wissen ihr scheinbar ein wenig unangenehm war und mir weil ich einfach nicht fassen konnte, was ich gerade gehört hatte. Fritz hatte mich belogen. Einfach so. Er hatte mich noch nie angelogen. Bisher hatten wir uns immer alles erzählt. Selbst wenn es noch so peinlich war. Ich fragte mich immer mehr, was wohl in ihm vorging. Gut, eine Niete konnte mal selbst dem Besten passieren. Aber es war anscheinend nicht nur einmal passiert. An die Braut letzten Mittwoch konnte ich mich noch genau erinnern. Die hatte Fritz aufgerissen, als wir gemeinsam bei Adi waren. Am nächsten Morgen hatte er mir dann erzählt, dass sie laut ihm gut gewesen war. Wieso sollte er das behaupten, wenn noch nicht einmal was passiert war?!

Ich spürte einen leichten Druck auf meiner linken Hand, den ich sofort erwiderte. „Ich glaube nicht dass er schwul ist. Da gibt’s bestimmt einen anderen Grund.“
Dankend, weil sie mich mal wieder aufheitern wollte, nickte ich ihr zu. „Sag am besten nichts. Wenn er darüber reden will, kommt er schon noch.“ Ein Lächeln bildete sich in meinem Gesicht. Gott, was hatte ich nur für eine kluge Frau! Langsam legte ich meine Lippen auf ihre und küsste sie gefühlte fünf Minuten, ehe wir uns wieder trennten um Luft zu schnappen. „Du hast recht. Vielleicht waren diese Hühner einfach nicht sein Typ.“ Meine wären sie auch nicht gewesen. „Kann sein. Oder aber er kann nur an eine denken. Hach wie romantisch.“ Heimlich verdrehte ich die Augen, während sich meine Frau bereits gemeinsame Pärchenabende ausmalte. Caro und ihre romantischen Fantasien. Als ob er sich verliebt hätte. Das wüsste ich. Außerdem.... in wen hätte er sich denn bitte verlieben sollen?! Es gab bestimmt eine plausible Erklärung dafür, und die würde ich früher oder später schon noch bekommen. *


Und nun saß ich hier und fragte mich, wie ich meinen besten Freund darauf ansprechen sollte. Sollte ich überhaupt? Würde ich selbst wollen, wenn mich jemand darauf ansprechen würde?  Ich zuckte kurz zusammen, als unsere Bürotür mit einem lauten Wumms ins Schloss fiel. Ein Blick in seine Miene verriet mir, dass diese nur seine Emotionen gerade widerspiegelte. „Beruhige dich Fritz.“ versuchte ich ihn zu besänftigen, doch es half nicht wirklich etwas. „Tzz. Beruhigen? Wie soll ich mich denn beruhigen, wenn Patrick noch nicht einmal ne Pizza ordentlich bestellen ka …....“ Er hielt in seinem Satz inne und schloss die Augen. Ein paar Mal fuhr er sich mit der Hand übers Gesicht und versuchte nun selbst, wieder herunter zu kommen, was scheinbar auch ganz gut klappte. Als er sich einigermaßen im Griff hatte, stützte er sich auf dem Schreibtisch mit ausgestreckten Armen ab und sah mich an. „Tut mir leid. Hab in letzter Zeit nicht sehr viel geschlafen.“ entschuldigte er sich und ich hatte sofort die Frage im Hinterkopf, was ihn wohl vom Schlafen abgehalten hatte. Die zahlreichen Frauen waren es ganz bestimmt nicht gewesen. „Was ist los mit dir?“ Diese Worte hatten meinen Mund verlassen, noch bevor ich großartig darüber nachgedacht hatte. Fritz schien ein wenig verwirrt über meine Frage, hatte sie bei der Beantwortung jedoch falsch verstanden. Jedenfalls bekam ich nicht die Antworten, die ich gerne gehabt hätte. Er zögerte, bevor er sprach: „Weiß nicht. In letzter Zeit wird mir vieles zu viel. Außerdem …. „ Okay. Scheinbar bezog er sich eher auf seinen derzeitigen Wutausbruch. Was meinte er mit außerdem? Was wollte er noch sagen? Würde ich jetzt endlich meine Informationen erhalten? Neugierig sah ich ihn an, schließlich sprach er dann doch endlich weiter. „Außerdem hab ich ein komisches Gefühl.“ sagte er gerade heraus.  Ich blinzelte. Er hatte ein Gefühl?! Der Satz könnte von Josephine stammen. Mein Gott es war tragischer als ich gedacht hatte. „Man Alex ich meine es ernst! Ich habe das ungute Gefühl, dass heute etwas Schlimmes passieren könnte. Etwas das …...... (er holte tief Luft, zögerte kurz.) …..... etwas das mit Josephine zu tun hat. Ich kann sie nicht erreichen.“ Geschockt lehnte ich mich in meinem Stuhl zurück und starrte Fritz verwundert an. Seit wann machte er sich denn so viele Gedanken um unsere Kollegin?! Und seit wann sprach er ihren Namen so …. so …. so anders aus?! Ich atmete tief aus. „Fritz. Das Handy wird aus sein. Die hat ihren freien Tag heute und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie die Wohnung beziehungsweise das Bett ihres Freundes den ganzen Tag nicht verlassen wird.“ Mir fiel auf, dass sich Fritz´s Ausdruck verändert hatte, fuhr aber trotzdem fort. „Und die Wahrscheinlichkeit, dass dort etwas Lebensbedrohliches passiert, liegt gleich bei …. keine Ahnung vielleicht 2 Prozent. (Ich fing an zu grinsen.) Naja es sei denn, er hat sie zu Tode geritten.“ meinte ich scherzhaft, doch Fritz war alles andere als zu scherzen zumute. Im Gegenteil. Hätte ich gewusst, wie wütend er dadurch wird, hätte ich wohl eher den Mund gehalten. Zornig schlugen seine Handfläche auf dem Schreibtischholz auf, so schnell wie ein Blitz. Ich hielt die Luft an und überlegte, was nun schon wieder sein Problem war. Kurz blickte ich auf seine Hände, die am Rang bereits die Farbe veränderte.

„Red nicht so über sie ja!!!!!!!! Und wehe du fängst noch ein einziges Mal mit meinem beschissenen Bruder an, dann ….... !!!!!!!!!!“ Mein Blick wanderte nach seiner harschen Ansage von seinen Händen zu seinem Gesicht. Er war wütend, mehr als das. Vielmehr war er fuchsteufelswild. Seine linke Halsschlagader pochte, in seinen Augen lag ein aufblitzendes Funkeln und seine Miene sah aus, als hätte es gerade sieben Tage durchgehend durchgeregnet. So aufgebracht gegenüber mir hatte ich ihn noch nie erlebt und ich fing an, mich zu fragen, ob sein komisches Verhalten wohl etwas mit Josephine zu tun hatte. Genau das wollte ich ihn auch gerade fragen, als plötzlich die Tür aufspringt und uns unterbricht. Wir drehten uns sofort in diese Richtung und sahen auf eine schneeweiße Karin. Scheinbar muss etwas ziemlich schlimmes passiert sein, wenn selbst Fritz sie nicht trotz Störung anschnauzt.


„Siehst du! Ich habs dir verdammt noch mal gesagt!Das ist alles NUR deine Schuld Alex! Hättest du mich nicht davon abgehalten Josephine zu informieren dass der wahre Täter noch frei rumläuft wäre sie jetzt vielleicht nicht in Gefahr! “ bekam ich von meinem Partner zu hören und fragte mich, seit wann er zu solchen Übertreibungen neigte. Ja diese Alice hatte Josephines Handy in der Firma gefunden. Aber vermutlich ist ihr das einfach aus der Tasche gefallen. Zuzutrauen wäre es ihr zumindest.und selbst wenn... Josephine machte liebend gerne Alleingänge. So war sie nunmal! Da Fritz sehr aufgebracht war beschloss ich seine Schuldanspielung  die an mich gerichtet ist zu ignorieren.

„Jetzt beruhige dich erstmal. Dann war sie eben nicht zu Hause, na und? Dann hatte sie eben das Handy verloren und bekam es vor lauter Sehnsucht überhaupt nicht mit. Wir fahren jetzt zu deinem Bruder. Und wehe wir stören die beiden bei einer Privatparty. Dann schuldest du mir nämlich ne Kiste Bier. Anders würde ich den Anblick nämlich nicht wieder losbekommen. Ging ja selbst bei dir und ihr schon fast nicht weg.“

Ich versuchte mich, auf den Verkehr zu konzentrieren, gleichzeitig aber überlegte ich, ob ich meinen Beifahrer richtig verstanden hatte Ich hatte mir eingebildet ein ´ Gefahr oder Bruder, kann mich nicht entscheiden, was mir lieber wäre.´ Meine Gedanken kreisten. Er machte sich ja wirkliche Sorgen um sie. Selbst an dem Tag auf der Brücke hatte ich ihn nicht so über-fürsorglich erlebt. Jedenfalls nicht so extrem. „Okay was ist los?“ fragte ich abermals, bekam jedoch noch immer keine Antwort. „Alex fahr einfach, ja!“ hörte ich ein wenig gereizt und ich beschloss deswegen, erst einmal zu klären, dass es Bielefeld gut geht, bevor ich mit ihm ein ernstes Gespräch führen würde.

Bei der Haustüre seines Bruders angekommen, klingelte ich, doch niemand öffnete. Nach dem dritten Klingeln wandte ich mich zu Fritz: „Lass uns gehen. Entweder sind sie nicht da oder wollen allein sein. Da stören wir nur.“ Zur Untermauerung meines Wunsches deutete ich mit meinem Kopf Richtung Stiegenhaus. Zu meiner Verwunderung ging er auch einige Schritte mit mir, blieb jedoch dann stehen, drehte sich um und ehe ich es mir versah, war er mit viel Schwung gegen die Tür gerannt. Diese sprang in hohem Bogen auf und knallte gegen die Wand. „Verdammt Fritz.“ murmelte ich. Musste er ständig so handeln?! Das tat er immer. Immer wenn es um ….... Bielefeld ging. Keine Zeit verlierend rannte ich meinem Kollegen hinterher. Das Bild das sich mir bot, ließ mich blinzeln. Vor mir stand tatsächlich ein verschlafener Greg, der offensichtlich erst aufgestanden war und gerade dabei war zu frühstücken. „Sagt mal habt ihr sie noch alle?!“ Fritz ignorierte ihn und platzte mit seiner Frage heraus. „Halt die Klappe und sag mir lieber, wo Josephine ist!“ forderte er ihn auf, doch er zuckte nur die Schultern. „Woher soll ich das wissen!?“
„Sie wollte abends zu dir. Also verarsch mich nicht!!!“
Fritz wurde durch sein dumm stellen noch wütender und ging einen Schritt auf ihn zu. Sofort stellte ich mich dazwischen. „Ich war nicht da. Hatte n Meeting und noch andere Businessgeschäfte zu erledigen.“
„Mhm. Die Art von Geschäfte kann ich mir vorstellen. Verdammt Greg du bist ihr Freund. Du solltest wissen, wo sie ist. Aber dir ist ja alles scheißegal. Dir sind ALLE Leute scheißegal.“ Ich hatte erneut Mühe, die beiden auseinander zu halten.
„Fritz jetzt beruhige dich verdammt. Das hilft uns nicht weiter. (Fritz grummelte, sah jedoch ein, dass ich recht hatte. )Und du. Hat sich Josephine vielleicht irgendwie bei dir gemeldet?“

„Nein leider nicht außer … Moment …..“ Kurz schien er zu überlegen und ging danach schnell ins Schlafzimmer. Wenig später kam er mit fahlem Gesicht und seinem Handy in der Hand zu uns zurück und meinte, dass wir uns das wohl besser anhören sollten. Was wir da zu hören bekamen, ließ uns beinahe alle drei aus den Socken hauen. Drogen in einer Spielzeugpuppe?! Das klang völlig absurd. Als käme es direkt aus einem Krimi. Gab es nicht sogar schon einmal so einen Krimiinhalt? Egal. Keine Zeit verlierend eilten wir zu unserem Wagen. Leider konnte ich nicht verhindern, dass Fritz abermals nahe an seinen Bruder trat. „Während du hier die ganze verdammte Nacht rumvögelst brauchte Josephine deine Hilfe! Sie hat dich angerufen. Sie hat nicht Alex, Patrick, Karin oder mich angerufen sondern DICH und DU hast nichts Besseres zu tun als sie zu BETRÜGEN?! Du bist echt das Letzte!!!“
„Moment Mal ja!!!! Ich hatte gestern WIRKLICH nur ein Meeting und bin dann gleich ins Bett. Bin nämlich ein wenig erkältet sollte es dich interessieren. Und dass sie einen Alleingang gemacht hat kann ich nichts für. Sollte ich sie anketten oder was?!“
Fritz sagte dazu nichts weiter und beschloss nun doch endlich, mir zu folgen. Unser nächstes Ziel war Johann Neustätter. Alle unsere Hoffnungen lagen nun bei ihm. Sein Sohn war gerissen und vorsichtig. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er sein Handy dabei haben würde. Dafür wäre er viel zu klug. Sonst wäre er nicht monatelang unentdeckt geblieben. Elisabeth wird wohl nur durch Zufall dahinter gekommen sein und Josephine …
Er hatte die erste Zeugin ohne mit der Wimper zu zucken erschossen. Neustätter Junior wird alles dafür tun, um nicht aufzufliegen. Dafür würde er selbst einen Polizistenmord ausüben. Bei diesem Gedanken fuhr ich automatisch schneller. Ja sie wahr eine Nervensäge. Aber sie war unsere Nervensäge und ich würde den Teufel tun und zulassen, dass ihr etwas zustößt.

Eilig fuhr ich auf das Fabrikgelände und ließ das Auto irgendwo stehen. Es war mir egal wo es stand. Immerhin waren wir gerade im Einsatz. Der Wagen hatte noch nicht einmal gestanden, schon war Fritz rausgesprungen und ins Büro gerannt. Nachdem der Motor still war, folgte ich meinem Partner ebenfalls und betrat das Geschäftszimmer. Und wie es nicht anders zu erwarten war, fand ich Fritz gefährlich nahe an Herrn Neustätter, welcher ziemlich durch den Wind wirkte. Ob Fritz ihm wohl schon die Wahrheit gesagt hatte? Zumindest würde es seinen Ausdruck erklären. „Fritz.“ fing ich an, doch er gab mir mit einer Handbewegung zu verstehen, dass er wusste, was er tat. Ich respektierte seinen .Wunsch, blieb jedoch in der richtigen Position, um im Notfall gleich eingreifen zu können. Fritz wirkte ruhig, und doch konnte ich sehen, wie aufgewühlt er innerlich doch war.  „Herr Neustätter. Ihr Sohn hat Drogen geschmuggelt und eine Frau getötet. Ohne Ihre Hilfe könnte er meiner Josephine etwas antun also bitte … bitte helfen Sie uns. Sagen Sie uns, wo Ihr Sohn sein könnte. Bitte!“ Sein Ton klang beinahe flehend.

Wie erstarrt blieb ich stehen, der Atem versagte mir. Hatte ich gerade richtig gehört? Er könnte meiner Kollegin etwas antun ….. Er könnte meiner Partnerin etwas antun …. von mir aus auch meiner Bielefeld aber MEINER Josephine?! Immer mehr kam mir der Verdacht auf, dass unsere Kollegin ihm wichtiger war, als ich bisher angenommen hatte.
„Ich ich ich …. Ich weiß nicht.“ stotterte Herr Neustätter und ich sah, wie Fritz sich verzweifelt und beruhigend zugleich durchs Gesicht strich. Mein Blick fiel auf den Firmenbesitzer, welcher wie ein Häufchen Elend vor uns saß. Er wirkte wie ein kleines vierjähriges Kind, das man gerade gesagt hatte, dass es das Christkind nicht wirklich gab. Ich konnte mir vorstellen, dass es schlimm für ihn sein musste. Vermutlich würde ich genauso reagieren, wenn mir jemand sagen würde, dass meine Tochter jemanden umgebracht hatte. Ich wäre ebenfalls am Boden zerstört. Doch wir konnten auf seine Gefühle nun keine Rücksicht nehmen. Immerhin hing ein Menschenleben davon ab und DAS hatte oberste Priorität. „Herr Neustätter. Gibt es vielleicht einen Ort, wo sich Ihr Sohn besonders wohl fühlt? Wo er vielleicht immer hingegangen war, wenn es ihm schlecht ging.“ versuchte ich spezifisch, zu hinterfragen und sah, dass er ein AHA-Erlebnis hatte.
„Ja die Mühle. Neben einer unbefahrenen Straße steht eine alte Mühle, die seit über zwanzig Jahren nicht mehr in Betrieb ist. Dort war er immer als Kind und Teenager.“ Eine verlassene Mühle an einem verlassenen Ort? Das klang doch vielversprechend. „Noch eine Frage. Wann haben Sie Ihren Sohn das letzte Mal gesehen?“ fragte ich und hoffte so, vielleicht noch einen kleinen Vorsprung zu bekommen. Als hätte Herr Neustätter meine Gebete erhört bestätigte er mir, dass er ihn den ganzen Vormittag in der Firma gesehen hatte und erst vor einer Stunde das Gelände verlassen hatte. Die Frage war nur … reichte diese Zeit aus, jemanden zu töten? Reichte IHM diese Zeit? Wir sollten es wohl besser nicht ausprobieren.

„Vielen Dank.“ richtete ich Herrn Neustätter aus und drehte mich um. „Lass uns fah …. Fritz?!“ Wo war er denn bitte hin?! „Fritz!!!“ Ich blickte mich im Raum um, doch nirgends war eine Spur von ihm. Ich griff mit einer Hand in meine rechten Hosentasche und riss erschrocken die Augen auf. Verdammt. Wie konnte er mir bitte die Schlüssel klauen, ohne, dass ich etwas bemerkte?! Josephine schien wirklich immer mehr auf ihn abzufärben. Eilig rannte ich zum Bürofenster, und der Anblick, welcher sich mir bot, bestätigte leider nur meine schlimmsten Befürchtungen. Mein bester Freund und Kollege rannte auf unseren Wagen zu.

Ich klopfte an die Scheibe, so fest ich nur konnte und schrie laut seinen Namen, auch wenn ich wusste, dass er das wegen der Entfernung wohl nicht hören würde. Und dennoch hielt er kurz vorm Einsteigen noch inne und sah zu mir hoch. Als hätte er es geahnt, dass ich ihn beobachtete. Sein Blick war entschlossen. Egal, wer etwas sagt oder tut, aber ich hole sie da raus. Koste es was es wolle. Ich ließ die Schultern hängen. Scheiße der Typ hatte eine Waffe und war gefährlich. Wir wussten ja noch nicht einmal, ob Josephine überhaupt noch lebte. Was, wenn Fritz sich umsonst in Lebensgefahr brachte? Verdammt hätte er nicht einfach noch ein wenig warten können? Mit dem SEK wäre sie in null Komma nichts in Sicherheit gewesen und niemand wäre verletzt. Genau das versuchte ich Fritz mit meinem Blick auch zu vermitteln. Doch er warf mir nur einen letzten „Ich kann nicht anders.“ Blick zu und sauste davon.
„Ich hoffe, Ihre Kollegin wird noch rechtzeitig gefunden.“ hörte ich Herrn Neustätter neben mir sagen. Ich nickte und betete, dass dieser recht behalten würde. Was würde ich tun, wenn ich auf einen Schlag gleich beide Kollegen verlieren würde? Das konnte ich doch nicht zulassen. Eilig wollte ich mir mein Handy aus der Hosentasche holen, als mir einfiel, dass es ja im Wagen lag. Na toll. Immer wenn man sich auf dieses Mistding verließ … „Kann ich Ihr Telefon benutzten?“ fragte ich höflichkeitshalber Herrn Neustätter, wartete jedoch gar nicht erst eine Antwort ab, sondern wählte die Nummer des Präsidiums. Wir brauchten dringend Verstärkung.


Tja. Ob das SEK wohl rechtzeitig kommen wird? Lg :-)
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