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Josephine Klick Staffel 3

von bichi
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fritz Munro Josephine Klick
20.10.2015
26.05.2016
38
86.642
3
Alle Kapitel
130 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
10.01.2016 3.736
 
Viel Spaß beim Verhör! :-)



(Alex)  Verärgert schlug ich mit meinen ausgestreckten Armen auf den Verhörtisch. „Verdammt Mauer jetzt hören Sie auf mit den Spielchen und kooperieren Sie endlich!!!“ Mittlerweile saßen wir hier drei geschlagene Stunden, hatten jedoch bisher keine richtige Information von ihm erhalten. Der Typ war viel zu sehr damit beschäftigt, sich selbst zu bemitleiden. Eindringlich sah ich ihn an in der Hoffnung, er würde langsam mal mit der Sprache heraus rücken, damit ich ENLICH in meinen wohlverdienten Feierabend gehen konnte. Doch meine Ansage schien ihn nicht zu beirren. Jedenfalls sitzt er nach wie vor dort und heulte wie ein Mädchen.
„Sie haben bereits das Geständnis und das Motiv. Was zum Teufel wollen Sie noch?!“ Er betonte dabei jedes Wort so, als wäre er der Meinung, dass ich nicht bis drei zählen könnte, was mich in Rage versetzte. Dachte der Typ etwa, er könnte uns verarschen?! Ich bis die Zähne grantig zusammen und ballte die Fäuste.
„Ich will die verfluchten Infos aber von IHNEN hören!!!“ In seinem Gesicht konnte ich erkennen, dass ihm meine Ansage ganz und gar nicht passte. Er hörte letztendlich doch auf, sich wie eine Frau zu benehmen, das ihre Tage hatte und verhielt sich nun endlich seinem Geschlecht entsprechend. Seine Körperhaltung war nun gerade. Er saß angespannt und angepisst zugleich auf seinem Sessel und fauchte mich regelrecht an. „Schlimm genug, dass mich dieser Tag für immer verfolgen wird. Aber ihn auch noch aussprechen können Sie vergessen. Eher lass ich mir die Zunge abschneiden als ihn Ihnen zu sagen. Ich hab doch gesagt ich wars. Also bringen Sie mich in den Knast und fertig.“ verlangte er von uns. Irgendwie war der Typ merkwürdig.
„Herr Mauer. Wir brauchen den Tathergang aber aus ihrem Mund. Wenn es zum Prozess kommt, wird Sie ein Richter auch danach fragen.“ mischte sich nun auch Fritz ein, probierte, ihn umzustimmen. Doch auch dieser Versuch verlief im Sand. Abermals staunte ich, seit wann mein Partner so entspannt war. Man konnte fast sagen er war die Ruhe selbst. Eigentlich seit seinem ersten Arbeitstag, nachdem er freigesprochen worden war. Ob ihn die Untersuchungshaft verändert hatte?

Ich hörte ihn neben mir ausatmen, scheinbar war mein bester Freund auch an seine Geduldsgrenze gestoßen. Dennoch brachte es ihn nicht aus der Fassung. Er setzte sich dem Tatverdächtigen gegenüber, legte seine ausgestreckten Hände auf den Tisch und blickte Herrn Mauer in die Augen. „Sie waren in Elisabeth verliebt, aber sie nicht in Sie nicht wahr? Das hat Sie verletzt oder?“ Herr Mauer blieb ruhig, wirkte jedoch nachdenklich. „Ich kann mir vorstellen, wie sie sich gefühlt haben. Sie mögen diese Frau und was macht sie? Nichts. Es lässt Sie kalt. Sie bemühen sich, rackern sich ab für nichts und wieder nichts. Sie sieht lediglich den besten Kumpel in ihnen. Und ob es nicht schon reicht, sie jeden Tag zu sehen, müssen Sie auch noch mit verfolgen, wie Sie mit einem anderen ins Verderben rennt. Und das nur, weil Sie einen einzigen verdammten Fehler gemacht hatten und die Frau so stur ist, ihnen keine zweite Chance zu geben.“ Ich zog die Stirn kraus. Dass das Opfer einen Freund hatte, wusste ich gar nicht.

Der Tatverdächtige schien genauso wenig eine Ahnung davon gehabt zu haben. Kurz blickte er überrascht, lehnte sich danach jedoch entspannt nach vorne und sah Fritz wissend an. „Reden sie jetzt wirklich noch von Elisabeth und mir?“ Auf diesen Satz hin spannte sich Fritz´s Körperhaltung ein wenig an. Er wirkte beinahe verletzt. Eilig rieb ich mir meine Augen, die mir scheinbar einen Streich spielten. Bizarrer konnte die Situation ja wohl kaum noch werden. Als ob Fritz sich selbst gemeint hätte. Völlig absurd. Nachdem er nun nichts mehr dazu sagte, fuhr ich fort. „Fakt ist, dass Sie unglücklich in Elisabeth verliebt waren. Und Sie dachten sich, wenn ich sie nicht bekomme, dann keiner. Sie warteten bis sie beide allein waren, zogen die Waffe und bumm. So war es doch.“ sagte ich energisch. Ich war überzeugt davon, dass es sich so abgespielt haben musste. Herr Mauer war es offenbar nicht. Irgendetwas an meiner Aussage schien ihn zu überraschen. „Wwwaffe? Wieso Waffe?! Ich hatte keine Waffe! Nur meine Hände … Moment. Sie wollen mich verunsichern, mich linken, dass ich doch noch den Hergang sage. Aber das schaffen sie nicht. Ich hatte nicht geplant, sie umzubringen.“ meinte er und sprang wütend auf. Seine Bewegung war dabei so schnell gewesen, dass sogar der Sessel nach hinten kippte.
„Hören Sie doch auf zu leugnen! Das Opfer wurde erschossen. Dazu mussten Sie eine Waffe benutzt haben. Es sei denn, Sie können aus ihren Fingerkuppeln eine Kugel abfeuern.“ meinte ich ironisch. Doch er blieb dabei. Angeblich sollen sie sich gestritten haben, er hat sie geschubst und dabei ist sie hingefallen und hat sich den Kopf angeschlagen. Selbst nach zehn Minuten änderte er nicht seine Meinung, weshalb mich Fritz bat, unter vier Augen zu reden.

Vor dem Verhörraum angekommen, stellte ich mich meinem Partner gegenüber und ließ meinen Ärger raus. „Eh der Typ verarscht uns doch!“
„Meinst du?“ Mein bester Freund weckte nicht den Eindruck, als wäre er davon überzeugt.
„Natürlich. Der will doch nur auf Notwehr raus.“ Dass er nicht auch der Ansicht war, verstand ich nicht. Das Zweiflerische war doch Bielefelds Part.
„Das ergibt keinen Sinn. Er hatte zugegeben, dass er es war. Er war bereit, dass wir ihn ins Gefängnis stecken. Und er wirkte ernsthaft überrascht, als du eine Waffe erwähnt hast.“
Ich verdrehte die Augen. Seit wann war Fritz denn bitte so kompliziert denkend?! „Dann ist er eben ein echt guter Schauspieler. Aber um frei zu kommen, hätte er sich eine bessere Story einfallen lassen müssen.“ Nachdem er sie im Pausenraum gestoßen hatte, versuchte sie sich noch in die Lagerhalle zu retten. Er war ihr jedoch gefolgt und hatte seine Tat vollendet. Genau so hatte es sich abgespielt und nicht anders.
„Und wenn es stimmt? Was, wenn er wirklich nur für die Beule am Kopf verantwortlich ist?“ Ich dachte über seine Aussage nach und musste zugeben, dass da was dran war. „Naja gut die konnte dann wirklich vom Sturz kommen. Als er merkte, dass reden zwecklos war, packte ihn die Wut und er schoss. Irgend so etwas halt.“ In Fritz´s Augen konnte ich jedoch erkennen, dass er von meiner Theorie nicht überzeugt war. Frustriert stöhnte ich kurz auf, gab jedoch dann nach. Schließlich ermittelte die Polizei in jede Richtung. Auch wenn diese noch so absurd erschien. „Also gut. Nehmen wir mal an, er hätte sie wirklich nur gestoßen. Wie kommt dann die Kugel in das Opfer?!“
„Vielleicht ein zweiter Täter?“ teilte Fritz nach Überlegung seine Vermutung mit.
Ich zog die Augenbrauen nach oben. „Ein zweiter Täter? Ist klar. Da sieht jemand, wie Herr Mauer das Opfer schuppst und dann weg rennt. Genau da beschloss derjenige, dass es doch eine tolle Gelegenheit wäre, die Olle loszuwerden die man nicht leiden konnte und es auch noch einen anderen in die Schuhe zu schießen. Und zufälligerweise hatte er auch noch eine Knarre dabei. Das ist genauso glaubwürdig als würde jemand sagen, dass du und Bielefeld mal heiraten werdet!“ Die Vorstellung kostete mir einen Lacher.
Fritz blickte mich überrascht an, fing sich jedoch gleich wieder und ging eilig zurück zum Verhörraum. Kurz sah ich ihm überrascht hinterher und fragte mich, was in letzter Zeit wohl mit ihm los war.

Nachdem ich den Raum betreten hatte, blieb ich wie erstarrt stehen. Der Anblick, der sich mir bot ließ mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Ich sah den Tatverdächtigen, der eine Pistole in der Hand hielt und damit auf Fritz zielte. Mein Atem ging automatisch schneller. Wo kam die denn jetzt bitte her?! War das etwa die Tatwaffe? Ich dachte er wäre nach Gegenständen untersucht worden?! Oder war es Fritz´s Waffe. Hatte er sie ihm weggenommen? Wie von selbst legte sich meine Hand ebenfalls um meine Knarre, zog sie jedoch nicht. Einige Sekunden später hatte ich mich gefangen und versuchte, die Lage objektiv zu betrachten. Ich sah Herrn Mauer an, erkannte aber, dass er sich alles andere als wohl fühlte. Im Gegenteil. Er schien vor der Situation Angst zu haben. Und Fritz? Der stand lässig da und wirkte, als würde er sich über irgendwas freuen. War ich im falschen Film oder was?! Sollte es nicht umgekehrt sein? Meine Hand ließ von meiner Waffe ab, und ich beschloss stattdessen abzuwarten. Eine Reaktion kam auch prompt vom Tatverdächtigen, indem dieser die Waffe beiseite legte und erleichtert seufzte. „Hah. Ich wusste es Alex. Erstens ist der Typ nicht fähig, ne Waffe auf einen Menschen zu richten. Und zweitens stimmt der Einschusswinkel nicht überein.“ Es stimmte. Der sah wirklich aus, als würde er sich gleich in die Hosen machen. Aber was meinte er mit Winkel? Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Theresa sagte doch, der Täter muss Rechtshänder sein. Herr Mauer hatte die Waffe jedoch links. Er konnte also nicht derjenige welche sein.

„Na gut na gut. Du hattest recht.“ gab ich zu, nachdem wir Herrn Mauer hatten laufen lassen und Fritz mich mit diesem speziellen Grinsen angrinste. Gemeinsam gingen wir zu unseren Autos, als ich plötzlich ebenfalls grinste. „Aber weißt du, was meine Laune hebt? Dass Josephine zum ersten Mal einen Falschen verdächtigte.“ Ich konnte nicht umhin, bei dem Gedanken ein wenig Genugtuung zu verspüren.
„Naja theoretisch lag sie nicht falsch. Sie meinte, dass er den Ring hat und das war ja auch so. Konkret, dass er der Mörder sein soll, hatte sie nie gesagt.“ warf Fritz ein.
Abrupt hielt ich in meiner Bewegung inne. Hatte er sie etwa gerade verteidigt?! Okay ….. sein Verhalten wurde immer eigenartiger. Fast als wäre er in sie ….. Ich verwarf den lächerlichen Gedanken sofort und holte meinen Partner schnellen Schrittes ein.
Dort angekommen sah ich, wie Fritz sein Handy zückte und meinte: „Ich geb noch schnell Josephine Bescheid, dass der Mauer es nicht war.“ erklärte er mir.
„Fritz sie will bestimmt an ihrem Feierabend nicht mit der Arbeit konfrontiert werden. Es reicht doch, wenn wir es ihr übermorgen nach ihrem freien Tag sagen.“ Fritz schien davon nicht begeistert zu sein, und grummelte irgendetwas daher. Schließlich gab er jedoch nach und fuhr mit seiner Maschine weg. Ich blickte ihm kopfschüttelnd hinterher, ehe auch ich mich auf den Weg heim macht.


(Josie) Frustriert fuhr ich mir durchs Haar, nachdem ich mich wieder in meinen Wagen gesetzt hatte. Greg schien nicht zu Hause zu sein. Zumindest hatte niemand aufgemacht, als ich geklingelt hatte. Ich fing an, mir die Schläfen mit den Fingerspitzen zu reiben. Mein Kopf dröhnte wie verrückt. Meine Gedanken kreisten um mich wie die Geier über einem toten Tier. Was war nur los mit mir? Ich hatte meinen Freund eine Ewigkeit nicht mehr in Person gesehen. Normalerweise müsste ich enttäuscht sein, dass es heute wieder nicht klappte. Doch ich war es nicht, jedenfalls nicht so sehr. Mein Blick huschte auf die Autoanzeige, die mir verriet, dass es kurz vor 21 Uhr war. Keine Ahnung wieso, aber ich wollte nicht nach Hause, wollte nicht wieder allein sein. Viktor würde sich bestimmt wieder mit Anna einen gemütlichen Abend machen. Zwar hätten sie garantiert nichts gegen meine Gesellschaft, doch ich wollte es nicht. Ständig fühlte ich mich dann wie das fünfte Rad am Wagen. So wie auch vor drei Tagen, als wir zu dritt einen Film ansahen. Während ich im Sessel saß, befanden sich die anderen beiden auf dem Sofa. Mit einem komischen Gefühl hatte ich Anna dabei zugesehen, wie sie sich an Viktor gekuschelt hatte und dachte bedrückt darüber nach, wieso Greg und ich nicht auch einmal so dasitzen konnten. Ich war keine Frau, die ständig beschenkt werden will oder klammert. Aber so kleine Gesten ab und zu und wenige Zärtlichkeiten waren doch nicht zu viel verlangt oder? Hatte er wirklich so wenig Bock drauf, mich ein einziges Mal in den Arm zu nehmen, ohne gleich über mich herzufallen? Konnte er nicht einfach mal ein lächerliches mickriges Blümchen mitbringen nur so als Zeichen, dass er an mich gedacht hatte? Konnte er nicht einfach mal Zeit mit mir verbringen außerhalb des Bettes? Konnte er nicht einfach ein wenig mehr sein so wie …... sein Bruder?

Ich verspürte plötzlich ein merkwürdiges Ziehen in meiner Brust. Ja Fritz war – anders als sein Bruder – zärtlich gewesen. Hatte mich geneckt, mir während des Aktes Küsse entgegen gehaucht. Hatte mich Richtung Höhepunkt getrieben, nur um kurz vorher mit seinen Bewegungen wieder aufzuhören und meine Lust weiter anzufachen. Ganze drei Mal hatte er dieses Spiel mit mir getrieben, bis ich endlich Erlösung gefunden hatte.
Nachdem das Beben abgeklungen war, hatte er sich neben mich auf den Rücken gelegt und mich mit seinem linken Arm zu sich gezogen. Seitlich liegend hatte ich meinen Kopf auf seine linke Brust gebettet und mit geschlossenen Augen seinem beruhigenden Herzschlag gelauscht. Diese Nacht war eine meiner schönsten gewesen. Es war etwas Besonderes. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, bis Fritz alles mit seinen Worten zerstört hatte. „Es ist passiert, weil Josephine und ich uns mögen.“ - Ich hatte nicht erwartet gehabt, dass er Alex so etwas sagen würde. Aber zu behaupten, dass nur ich diejenige war, die es wollte, hatte mich wütend und traurig zugleich gemacht. Ich wusste ja, dass Männer dämliche Sprüche loslassen konnten. Doch ausgerechnet in so einer Situation?! Dabei hatte ich doch gemerkt, dass es auch für ihn schön war. Es musste ihm viel Beherrschung gekostet haben, seine Begierde nicht sofort zu stillen. Das machte Mann doch nicht bei jeder X-Beliebigen, oder? Ich schüttelte den Kopf. Gott was ich mir schon wieder schön reden wollte. Fritz war nun mal vom Charakter her rücksichtsvoll. Vermutlich wollte er mir nur demonstrieren, welch toller Hengst er nicht sein konnte und dass ich nicht überall rumerzählte, wie schlecht er im Bett wäre. Nicht um sonst wollte er alles im Revier vertuschen. Weil er sich geschämt hatte, weil ich ihm nichts bedeutete. Und dennoch hatte er vor Alex geprahlt, wie geil er den Sex nicht gefunden hatte und dieser Fakt erfüllte mich ein wenig mit Stolz. Auch, wenn ich dieses Kompliment ebenfalls zurückgeben musste.

Tief einatmend lehnte ich mich in meinen Sitz zurück. Wie gerne ich doch zu ihm hin fahren würde, um ihn zu fragen, was er sich verdammt noch mal dabei gedacht hatte. Wie er auf solch bescheuerten Worte gekommen war und was verflucht noch einmal sein Problem ist.

Aufhören, aufhören, aufhören. Lieber an etwas Anderes denken. Ich hatte schließlich einen Freund, der zufälligerweise auch noch der Bruder meines Kollegens ist. Wie ich ein solches Gefühlschaos doch verabscheute. Stop, stop, stop. Ich hatte kein Chaos. Dass das klar war! Ich war ….. einfach sentimental. Mann oh Mann. Ich benahm mich ja schon fast wie unser Tatverdächtiger. Stimmt ja. Herr Mauer. Ob er wohl wirklich der Täter war? Ich wusste nicht wieso, aber in mir war ein komisches Gefühl. Ja er hatte den Ring bei sich, doch hatte er sie wirklich erschossen? Hätte er das tun können? Er hatte auf mich nicht so den Eindruck gemacht, als könnte er so etwas durchziehen. So sah er einfach nicht aus. Obwohl …. Fritz hätte ich es auch nie zugetraut, jemanden zu töten. Und dennoch glaubte ich immer weniger an diese Theorie. Er hatte Elisabeth geliebt. War regelrecht von ihr besessen. Vielleicht hätte er einen Rivalen beseitigt aber nicht seinen Lebensinhalt. Da muss noch eine andere Person mit im Spiel gewesen sein. Und diese Person rannte noch immer frei herum. Ich musste irgendetwas übersehen haben. Wer weiß, vielleicht würde ich ja jetzt etwas finden. Ohne großartig darüber nachzudenken fuhr ich zur Firma, da ich ja ohnehin nicht nach Hause wollte, konnte ich immerhin etwas Sinnvolles tun.

Ich parkte das Auto und näherte mich dem Nebengebäude. Im ersten Stock des Chefbüros brannte noch Licht, weshalb ich nach oben ging und an der Tür klopfte. Als Herr Neustätter mich sah, bat er mich höflich herein. „Ah Miss Klick. Setzten sie sich doch.“
„Nein danke. Sie arbeiten noch?“ lehnte ich höflich ab.
„Ja leider. Es ist noch einiges an Arbeit liegen geblieben und irgend jemand muss sie ja machen.“ Ich schenkte dem älteren Herrn ein Lächeln. Sein gemütliches und freundliches Gemüt gefiel mir. Wieso konnte mein Vater nicht auch so sein?
„Ja das kann ich mir vorstellen. Jetzt wo ihr Geschäftsführer ausgefallen ist.“
„Tragisch nicht wahr? Er wäre der letzte, dem ich diese Tat zugetraut hätte. Ich meine jeder in der Firma wusste, dass Elisabeth ihm gefiel. Geahnt hatte ich ja schon immer, dass das mehr als nur Schwärmerei war. Genau so wie bei ihrem Kollegen.“
Ich nickte bei seinen Worten. Auch er konnte es sich also nicht vorstellen. Aber stop. Was meinte er mit meinem Kollegen? „Ehm was genau meinen Sie damit?!“
„Na das sieht doch ein Blinder. So wie er Sie ansieht. Sie müssen ihrem Freund wirklich viel bedeuten.“ meinte er lächelnd und ich kam nicht drum rum, dass sich nach seinen Worten eine wohlige Wärme in meinem Herzen ausbreitete, die ich jedoch sofort wieder verdrängte.
„Da haben Sie was missverstanden. Ich bin nicht mit ihm zusammen sondern mit seinem Bruder.“ klärte ich ihn auf, obwohl es ihm eigentlich gar nichts anginge.
„Hah. Ich kann ihnen gerne meine Brille borgen. Vielleicht sehen Sie ja dann etwas klarer.“
Was bitte?! Ich beschloss, das Thema besser zu wechseln.

Mein Blick fiel auf seinen Schreibtisch, wo sich ein Foto befand. Darauf zu sehen war Herr Neustätter selbst, seine Frau, den Sohn und einem Hund. „Ach sie haben einen Hund? Ich hatte ja auch mal einen. Den Strolch. Wie in dem Film Susi und Strolich. Nur, dass unser Hund ein Mädchen war und eher Susi ähnelte aber der Name gefiel mir damals als Kind nicht. Bei uns im Dorf waren die Susis meistens ziemliche Zicken.“ Ich hielt den Mund, als ich bemerkt hatte, dass ich mal wieder viel zu viel quasselte.
Mein Gegenüber sah sich wehmütig das Foto an. „Ja unsere Donna war ein echter Schatz.“
„War?“ fragte ich ihn, konnte mir jedoch schon denken, was es bedeutete. Auch unser Hund war gestorben, kurz nachdem auch ihr Frauchen gestorben war – meine Mutter.
„Ja war. Sie ist letzte Woche einfach so gestorben. Der Tierarzt konnte es sich nicht erklären weshalb. Sie war doch noch so jung. Vor zehn Tagen hatten wir noch ihren zweiten Geburtstag gefeiert. Sie war wie ein kleiner Nachzügler für meine Frau und mich. Meine Gemahlin hat sie von vorne bis hinten verwöhnt. Unser kleines Mädchen. Ich weiß noch wie lebendig sie war, als sie ihre Geschenke ausgepackt hatte. Jedes einzelne hatte sie sich genau angesehen. Und so dankbar war sie darüber. Nicht so wie unser Junge. Der ist leider ein wenig materialistisch müssen sie wissen. Aber nicht unsere Donna. Die hatte sich schon über eine stink normale Puppe gefreut.“ Oh Gott weinte der etwa?
„Sie … haben ihr eine Puppe gekauft?“ fragte ich ungläubig nach. Man konnte es auch übertreiben.
„Nein nicht gekauft. Diese Puppe ist seit einigen Monaten in unserem Sortiment. Sie glauben gar nicht, wie viele Eltern ihren Kindern ausgerechnet diese Puppe kaufen wollen. Es gibt Baby Dolls, Baby Born, Barbie … und trotzdem wollen alle sie haben. Naja so günstig, wie mein Sohn diese verkauft. Da kann man ja nur zuschlagen.Ich hab ihm schon gesagt, dass er mehr verlangen kann. Er ist eben kein Geschäftsmann. Aber wenigstens sind die Produktionskosten gedeckt. Und es ist ja auch nicht so, als würde meine Firma nur wegen diesen Puppen in Konkurs gehen.“
Ich hielt den Atem an. Die Sache erinnerte mich an etwas. Oder besser gesagt an wen. Michael Hang. Einem Schüler in meiner Klasse. Er war bereits damals ein Geschäftsmann gewesen. Aber auch Erfinder. Dieses Schlitzohr hatte in der Schule Glücksschreiber verkauft zu einem stolzen Preis. Der Füller sah eigentlich ganz gewöhnlich aus. Ein runder schwarzer Füller, wo seitlich ein silberner Streifen glänzte. Die Lehrer hielten uns Schüler für verrückt, so viel Geld für einen hässlichen Kuli auszugeben, dachten sich jedoch nichts weiter dabei. Wozu auch? War ja auch unser Geld, das wir angeblich zum Fenster rausschmissen. In Wirklichkeit aber hatte der Füller ein Versteck. Wenn man an dem silbernen Streifen fest zog, kam ein eingebauter Zettel zum Vorschein. Dort konnte man sich dann Notizen zu einem Test machen und ohne große Bedenken schummeln, was das Zeug hielt. Leider war unser Biolehrer irgendwann mal auf die Schliche gekommen. Die Stifte jedoch wurden weiterhin verwendet. Wieso dies möglich war und der Biolehrer schwieg war eine andere Geschichte. Aber diese Story erinnerte mich sehr an diese hier und ich fürchtete, dass Herrn Neustätters Sohn doch ein besserer Geschäftsmann war, als er von ihm dachte.
„Herr Neustätter. Es macht ihnen doch nichts aus, wenn ich mich in der Firma noch ein wenig umsehe oder?“ Ich wartete erst gar nicht die Antwort ab, sondern schnappte mir den Schlüssel und rannte regelrecht rüber zur Fabrik. Ich musste einfach wissen, ob meine Theorie stimmte. Ob Markus Neustätter wirklich in den Puppen Drogen schmuggelte und alles Geld einkassierte.

Als ich bei der Abteilung angekommen war, nahm ich mir eine dieser Puppen in die Hand, die zugegeben nicht ganz so hässlich aussah als gedacht. Eigentlich sogar ganz süß. Dass hinter diesem Exemplar der Tod lauern könnte, dachte wohl hier niemand. Vermutlich kam Elisabeth nach dem Sturz wieder zu Bewusstsein und entdeckte per Zufall dann, dass die Puppen eine Füllung hatten. Ob sie wohl deswegen sterben musste? Vorsichtig nahm ich eine Puppe, die eigentlich morgen verschifft werden sollte, in die Hand und riss die Naht entlang auf. Der Mengeninhalt der Puppe ließ mich staunen. Ich hielt wohl eine der teuersten Puppen in der Hand, die es seit langem gegeben hatte. Ich verspürte den Drang, mein Wissen mit jemandem zu teilen. Düdü. Na toll. Mein Akku war fast leer. Schnell drückte ich die Kurzwahltaste eins und hielt mir das Handy ans Ohr. Ich runzelte die Stirn, als ich plötzlich Greg´s Anrufbeantworter hörte. Ach stimmte ja. Seit meiner Beziehung hatte ich ihn auf der eins und Fritz auf der zwei. Es gefrierten meine Adern, als ich hinter mir ein Geräusch vernahm. Verflucht. Der Akku würde nicht mehr so lange reichen, noch jemanden anzurufen. „Du Greg ich bins. Sag bitte Fritz, dass in den Puppen Drogen sind und Markus Neustätter der Mörder ….........“ weiter kam ich nicht mehr, da mein Handy nun vollständig den Geist aufgegeben hatte. Super, blödes Ding. Doch darüber konnte ich mich später noch ärgern. Erstmal sollte ich schauen, dass ich so schnell wie möglich hier raus kam bevor ….. da verspürte ich einen stechenden Schmerz. Mir wurde ganz schwummrig und ich taumelte etwas, bevor ich auf den Boden stürzte und in die Bewusstlosigkeit triftete.



Und hattet ihr diesen Wendepunkt erwartet? Sagt mir eure Meinung.
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