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Josephine Klick Staffel 3

von bichi
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Fritz Munro Josephine Klick
20.10.2015
26.05.2016
38
86.642
3
Alle Kapitel
130 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
02.01.2016 3.368
 
Ich war gerade mal sieben Jahre, als ich bei ihnen auf Besuch gewesen war. Bereits damals war ich irrsinnig neugierig gewesen und ging immer auf Entdeckungstour. Dies war es zumindest in meinen Augen, meine Verwandten meinten hingegen, ich würde schnüffeln. Die hatten es wohl nicht so toll gefunden, was ich immer alles so entdeckt hatte. Noch heute konnte ich mich an diesen Tag erinnern, als wäre es gestern erst passiert.

< Es war der 15. September gewesen. Dieses Datum würde mir wohl ewig in Erinnerung bleiben. Denn an diesem Tag hatte Tante Berta Geburtstag und wie jedes Jahr kamen zu diesem Anlass alle Verwandten zusammen, um ihren Freudentag zu feiern. So auch ich – gezwungenermaßen. Versteht mich nicht falsch, ich liebte meine Familie und ehrte gemeinsame Aktivitäten. Nur zu Mamas Schwester war ich irgendwie nie so richtig warm geworden. Automatisch tauchte vor  meinem inneren Auge meine Tante auf. Ihr Kopf war oval, er glich fast einem Ei. Meine Brüder und ich hatten ihr den Spitznahmen Bexe gegeben. Natürlich immer nur, wenn sie nicht in der Nähe war. Ich hatte mir nie erklären können wieso, aber sie hatte mir als Kind immer ein wenig Angst gemacht. Selbst meine Brüder wurden in ihrer Nähe kleinlaut. Ob es jetzt an ihrer übertriebenen Religiosität gelegen hatte oder an ihren unheimlichen stechenden fast lila farbenen Augen vermag ich nicht zu sagen. Doch nicht nur das unterschied meine Tante von meiner Mum. Auch hatte sie eine fette Nase. Ich wusste noch zu gut, als ich mit viereinhalb meine Tante gefragt hatte, ob Bienen bei ihrer Nase gestochen hätten. Den Blick, den ich für meine Frage von ihr kassierte, hatte mir eiskalt den Rücken herunterlaufen lassen. Seitdem hatte ich sie dann noch weniger leiden können.

Bertas Figur hatte die Form eines ausgewachsenen Kürbisses und mit ihrem blonden extrem lockigen Haar sah sie aus, als hätte sie in eine Steckdose gegriffen. Und wer weiß, vielleicht hatte sie das sogar einmal getan. Zumindest wäre dies eine passable Erklärung, weshalb Berta nicht alle Tassen im Schrank gehabt hatte. Nicht zu vergessen ihre dicke, fette, hässliche Warze, die sie auf der rechten Wange hatte. Meine Brüder hatten sogar einmal während eines kleinen Nickerchens meiner Tante versucht gehabt, besagte Warze mit einer Schere zu entfernen. Natürlich hatten sie es nicht geschafft, da sie kurz vorher aufgewacht war und ihren bösen Blick aufgesetzt hatte. Sie hatte dann meinen in Panik versetzten Brüder hinterhergerufen, dass sie meine Brüder für eine ganze Woche verfluchen würde. Ob es Zufall war, dass sie dann ganze sieben Tage am Stück eine Pechsträhne vom Feinsten hatten wussten meine Brüder und ich nicht. Und auch wie sie es immer schaffte, alle Menschen, die mit den verschiedensten Wehehchen zu ihr kam, zu heilen, blieb uns ebenfalls ein Rätsel. Doch seit dem Tag hatten wir unsere Bestätigung, dass das Wort Bexe zu unserer Tante völlig zutreffend gewesen ist.

Auch in meinen Augen, zumindest bis zum 15. September 1992. Es war mal wieder Bexes Geburtstag und der ganze Familienklan sich mal wieder bei dem Haus meines Onkels und meiner Tante versammelt hat. Es wurde mal wieder ordentlich gebechert und gefeiert und während die Erwachsenen sich angeregt im Garten unterhielten, sollten die Kinder am Spielplatz spielen. Gelangweilt lümmelte ich meinen Kopf in meine ausgestreckten Arme und starrte auf die Rutsche, die schon ziemlich morsch war. Generell hatten diese Geräte ausgesehen, als würden sie bald zusammenbrechen. Während ich so darüber nachdachte, was ich hier machen könnte, ohne gleich ins Krankenhaus zu müssen, überlegten auch meine Brüder, wie sie ein wenig Spaß haben konnten. Und die größte Freude hatten sie leider immer, wenn sie mich nerven konnten. So auch heute. Als sie mir entgegen kamen, hatte ich aufgesehen. Sofort fiel mir das verräterische Funkeln in ihren Augen auf, der mir verriet, dass sie mal wieder mit irgendwem wetten wollten. Eine Mutprobe. Normalerweise hatte ich jede Wette ohne Bedenken angenommen, durchgezogen und fast immer gewonnen. Doch diese Wette hatte mir bereits Bauchschmerzen bereitet noch bevor sie ausgesprochen wurde. Ich sollte einen Beweis finden, dass Tante Berta wirklich eine Hexe ist? Instinktiv hatte ich eigentlich ablehnen wollen. Doch aus irgendeinen Grund hatte es mich auch gereizt, eine Antwort auf diese Frage zu bekommen. Und so hatte ich eingewilligt und mich auf die Suche gemacht.

Nachdem ich das Haus betreten hatte, überlegte ich, wo ich nur anfangen konnte zu suchen. Wo würde sie etwas so dermaßen Persönliches verstecken, das niemand sehen durfte? Hieß es nicht immer, nichts wäre persönlicher als das eigene Zimmer? Vielleicht würde ich ja etwas im Schlafzimmer finden. Träge hatten mich meine Füße zu meinem Ziel in den ersten Stock geführt. Mein Blick wanderte einmal nach links, einmal nach rechts, bevor ich meine Hand langsam ausstreckte und vorsichtig auf die Türklinke legte, als wäre diese brennend heiß. Sachte drückte ich sie nach unten und stieß die Tür auf. Kurz blieb ich am selben Fleck stehen und starrte in das Zimmer. Da war ein großes Himmelbett aus Holz zu sehen, daneben standen links und rechts ein kleines Nachtkästchen und gegenüber befand sich ein riesiger Kleiderschrank. In diesem Raum lebten sie also? Bisher hatte ich mir keine Vorstellung darauf machen können. Umso erstaunter war ich, festzustellen, dass es hier einigermaßen normal aussah. Bedacht betrat ich das Zimmer und machte die Tür hinter mir zu. Das erste, was ich mir vornahm, waren die Nachtkästchen. Ruhig zog ich an dem Knauf, sodass der Magnet endlich nachgab und sich das Kästchen öffnete. Zum Vorschein  kamen ein paar Frauenmagazine, Wolle, eine Stricknadel und irgendeine Tablettenschachtel, wo Pille darauf stand. Ob das wohl der Beweis war? Eher unwahrscheinlich, da meine Mutter ebenfalls diese Dinger nahm.

Langsam ging ich ums Bett herum, um mich dem anderen Nachtkästchen – dem von Onkel Ernesto - zu widmen. Doch außer der Tatsache, dass mein Onkel genauso Magazine mit Frauen liest wie seine Frau, war nichts Interessantes zu finden. Hmm. Vielleicht ist ja etwas unter dem Bett. Mit Schwung ketschte ich mich auf meinen Bauch, um die Unterschicht zu untersuchen. Jedoch war auch dort nichts zu finden. Nur ein paar Staubknäuel hatten sich dort versteckt. Blieb also nur noch ein mögliches Versteck – der Kleiderschrank. Mit Schwung stand ich auf und klopfte mir meine Hose sauber. Hier sollte mal wieder dringend geputzt werden. Selbst unser Schweinestall war sauberer. Mum meinte imme  …........... Ich hielt den Atem an, als ich plötzlich im Haus Stimmen vernahm, gefolgt von einer Klospülung aus dem Erdgeschoss. Eine ganze Weile, es kam mir zumindest so vor, blieb ich wie eine Statue erstarrt stehen und lauschte. Ich machte einen beruhigten Seufzer, nachdem unten wieder Ruhe eingekehrt war. Dennoch sollte ich wohl etwas aufpassen. Um mich ja nicht bemerkbar zu machen, tapste ich wie in Zeitlupe mit klopfendem Herzen zum Schrank, welchen ich langsam öffnete. Ich umfasste mit meiner Hand die Schnalle und zog mit Bedacht daran. Kaum war die Schranktür offen, schon fielen lauter Sachen aus dem Schrank – direkt auf mir drauf und noch bevor ich hätte weghüpfen können, wurde ich auch schon von dem Kleiderberg begraben. Jetzt wusste ich definitiv, dass unsere Schweine sauberer und ordentlicher waren. Die Klamotten anstatt wegzuräumen einfach in den Kasten stopfen - der älteste Trick der Welt. Meine Tante und mein Onkel waren vielleicht doch nicht ganz soooooooo unsympathisch. Eilig versuchte ich, mich von dem Haufen zu befreien, um den lebensnotwendigen Sauerstoff zu erhalten. Nach meiner Befreiung schaute ich natürlich mit wachsamen Auge nach, ob nicht irgendetwas Wichtiges dabei wäre. Doch auch hier war Fehlanzeige. Nada nichts. Außer ein paar Spinnen und dass es hier vollkommen aussah wie im Kuhstall gab es nichts. Noch nicht einmal einen Besen. Mein Blick wanderte rund um mich. Gott. Wie viele Klamotten konnten Menschen denn bitte haben?! Na super. Ich hatte also nicht nur diese Wette verloren, sondern hatte jetzt auch noch einen Haufen Wäsche zum Wegräumen. Ich konnte schon jetzt die tadelnden Worte meiner Mutter hören – tja das kommt davon, wenn man immer so neugierig ist. Ja genau das würde sie sagen, wenn sie mich so sehen würde – wenn.

Mit meinen Armen umfing ich einen Teil des Kleiderhaufens, stopfte ihn zurück und drehte mich anschließend wieder um, um den nächsten zu holen. Kaum hatte ich das getan, stieß ich meinen großen Zeh an. Mit den Zähnen zusammenbeißend fluchte ich kurz, ehe ich mir den Übeltäter ansah, bei dem ich mir weh getan hatte. Meine Augen wurden riesengroß, als ich auf eine kleine Kiste blickte. Die war vorhin aber noch nicht da. Hmm. Bestimmt war die im Schrank versteckt. Ob da vielleicht ein Hinweis drin ist, dass Tante Berta eine Hexe ist? Es gab wohl nur eine Möglichkeit, dies herauszufinden. Ich nahm mir meine Schiebespange aus dem Haar und versuchte, das Schloss zu öffnen. Diesen Trick hatte mir einmal mein Opa – dem etwas schwarzen Schaf der Familie - beigebracht. Weshalb die restliche Familie nicht so begeistert von ihm waren und ihn immer Langfinger-Jo nannten, konnte ich mir nicht erklären. Ich für meinen Teil mochte ihn. Von ihm lernte ich immer die besten Tricks. Behutsam knabberte ich leicht an meiner Oberlippe, was ich immer tat, wenn ich mich konzentrieren musste. Und nun musste ich mich ganz besonders gut anstrengend, da dieses dämliche Schloss einfach nicht aufgehen wollte. Bestimmt war das irgendein spezielles Sicherheitsschloss. Verdammt wie geht das denn auf?! Hallo. gibt’s hier vielleicht irgendjemand, der sich mit dem Ding hier auskennt? „Zweimal mit viel Druck nach rechts und danach einmal leicht nach links drücken.“ vernahm ich hinter mir. Ich tat, wie mir geheißen und siehe da, das Schloss öffnete sich. Ein erfreutes und erfolgreiches „Jawohl, danke.“ entkam mir. Mein Herz klopfte wie verrückt bei dem Gedanken, dass ich gleich herausfinden würde, was meine Tante hier drin versteckt hatte.

„Bitte.“ hörte ich hinter mir abermals mit düsteren Stimme. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich nicht mehr allein in diesem Raum war. Langsam drehte ich mich der Person zu und erschrak, als plötzlich meine Tante vor mir stand. Oh scheiße. Aufgeflogen. „Was machst du hier?“ fragte sie mich anklagend. Mein Atem ging immer schneller, während ich ihr gefühlte tausend Mal ein Entschuldigung zuflüsterte. Gott was wohl jetzt passieren würde? Was wenn sie wirklich eine Hexe war? Was sie dann wohl machen würde? Bei Hänsel und Gretel wollte die Hexe die Kinder essen. Gut dass sie Vegetarierin war. Aber vielleicht war Tante Berta ja auch gut. Ich blickte in ihre Augen. Mhmh. So wie die dreinblickte garantiert nicht. Noch immer wartete sie auf eine Antwort und fuchtelte dabei mit den Händen vor meinem Gesicht herum, nachdem ich ihr noch immer nicht geantwortet hatte. Ob ich wohl jetzt versteinert werden würde oder so etwas? „Nein bitte verhex mich nicht.“ flüsterte ich ihr flehend zu, woraufhin sie in ihrer Bewegung inne hielt und die Stirn runzelte. „Was bitte?!“ fragte sie mich verblüfft, weshalb ich etwas mutiger wurde. „Na du bist doch eine Hexe oder?“ Kurz blinzelte sie, ehe sie anfing laut zu lachen. Dabei lachte sie so laut, dass ihr sogar Tränen kamen und sie sich krümmte. Nun war ich diejenige, die ein paar Mal blinzelte. So hatte ich sie noch nie gesehen. Es dauerte zehn Minuten, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Sie wischte sich die Tränen weg und legte anschließend eine Hand auf meine Schulter. „Wie kommst du denn darauf? Und was genau machst du mit meiner Kiste?“ Ich atmete tief ein und aus, bevor ich ihr alles erzählte. Gemeinsam setzten wir uns aufs Bett. Während ich ihr alles sagte, schwieg sie und hörte nur zu.  

Fassungslos schüttelte sie den Kopf, als ich zu Ende erzählt hatte. „Es ist mir unbegreiflich wie ihr auf so eine Theorie kommt. Was Kinder heutzutage alles denken. Tzzz. Da hast du aber am falschen Ort gesucht Kleine. Der Hexenkessel und das Zauberbuch befinden sich im Keller.“ sagte sie zu mir, weshalb ich kräftig schlucken musste. Meinte sie etwa den abgesperrten Keller, wo angeblich nur Gerümpel liegen soll? Der Raum, der zugesperrt war? Langsam drehte ich vorsichtig meinen Kopf in die Richtung meiner Tante, um mich zu vergewissern, dass ich gerade richtig verstanden hatte. Nachdem sie jedoch mein erschrecktes Gesicht entdeckte, erklärte sie mir, dass es nur ein Scherz war. „Der Kessel ist nur ein Topf und in dem Buch sind Kräuterrezepte. Dort unten im Keller stelle ich die verschiedensten Cremen und Salben her. Wenn du willst können wir einmal gemeinsam welche machen.“ schlug sie mir vor, ich jedoch verneinte sofort. Einen solchen Kram hatte auch Oma einmal gemacht, während ich zugesehen hatte und eines kann ich euch sagen, langweiliger ging es echt nicht mehr. Es irritierte mich etwas, dass Berta plötzlich so nett zu mir war. Scheinbar hatte sie meine Frage in meinem Gesicht ablesen können, denn sie erläuterte mir, dass sie nur so grantig war, weil sie dachte, dass wir sie nicht mögen. Und so mochte sie uns dann auch nicht. Komisch. Daran hatte ich ehrlich gesagt noch nie gedacht. Aber das erklärte auch nun einiges. Nur eines noch nicht. „Sind in der Kiste etwa deine Cremen?“ fragte ich sie neugierig und konnte erkennen, dass sich ihr Gesichtsausdruck veränderte. Kurz überlegte ich, doch nicht hineinzusehen, da Tante Berta nicht sehr begeistert schien, dass ich den Inhalt erkunden wollte. Mein Wissensdurst jedoch war so groß, dass ich trotzdem nachschaute. Verwirrt kratzte ich mich am Kopf, als ich in der Kiste Handschellen und noch anderes Zeug auffand. Fragend sah ich meine Tante an, woraufhin diese sehr nervös wirkte. „Ach weißt du. Manchmal ist dein Onkel Ernesto nicht brav und da muss ich ihn verhaften, damit er wieder gut wird. Verstehst du?“ Nicht sehr brav? „Bist du etwa Polizistin Tante Berta?“ fragte ich verwundert.

Sie wirkte überrascht, bejahte jedoch gleich darauf. „JA. Ja genau ich bin Polizistin. Aber das darf keiner wissen okay? Also was du heute entdeckt hast, bleibt ein Geheimnis okay?“ Nachdem ich nickte, atmete sie tief mit einem Lächeln aus, ehe sie mir einmal über den Kopf strich. „Kluges Kind. Du wärst auch eine gute Polizistin.“ Ich? Wie kam sie denn darauf? „Meinst du wirklich?“ fragte ich halb unüberzeugt, halb geschmeichelt. „Na und ob. Du hast dich heimlich ins Haus geschlichen und danach alles durchsucht, ohne dass einer der vielen Erwachsenen etwas bemerkt hatte. Du hast verschiedene „Beweise“ gefunden. Du hast mich überführt, dass ich so etwas Ähnliches bin wie eine Hexe bin. Also wenn du mich fragst ist das alles, was ein guter Polizist braucht. Und ich muss es wissen. Immerhin bin ich Expertin oder?“ Nach ihren Worten fing ich an zu grübeln. Ich als Polizistin. Hmm. Konnte ich mir das vorstellen? Ich wollte später schon immer einmal etwas Gutes machen. Und brave Menschen vor bösen zu beschützen war doch irgendwie gut, oder? Mit dem Polizeiauto fahren, die Sirenen anmachen, jemanden verhaften und mit einer Pistole schießen. So wie die Leute im Fernsehen immer. Das klingt echt toll. Genau das will ich auch. Ich werde Polizistin. Hah. Jetzt weiß ich vor meinen Brüdern, was ich werden möchte. Freudig umarmte ich meine Tante und zum ersten Mal konnte ich sie wirklich gut leiden. „Danke Tante Berta“, sagte ich freudig, rümpfte daraufhin jedoch die Nase, „aber kann ich die Handschellen auch in blau haben? Die rosaroten gefallen mir nicht.“ Meine Tante lachte kurz auf, sagte jedoch nichts weiter dazu. Na toll, ich hasste rosa. Ob man die vielleicht blau anmalen konnte? „Na komm. Wir gehen. Du musst doch deine Wette noch gewinnen.“ holte sie mich aus meinen Gedanken. Konfus sah ich sie an. „Was? Aber du bist doch normal.“ erinnerte ich sie dran. „Das wissen aber deine Brüder nicht. Du zeigst ihnen einfach meinen Raum im Keller und schon werden sie es dir glauben.“ sagte sie verschwörerisch und zwinkerte mir dabei zu. Nun fing auch ich an zu grinsen. Tante Berta hatte Recht. Böse Lausbuben mussten bestraft werden. Und ich als Polizistin musste das übernehmen. >

Tja Tante Berta hatte Recht behalten. Dank ihr bin ich zur Polizei gegangen. Und dank ihr wusste ich nun auch, wie ich dieses Spindschloss öffnen könnte. Zweimal mit viel Druck nach rechts, danach einmal leicht nach links drücken uuuunnnnddd …............ klick. Na endlich. Es war offen. Endlich, es ging doch. Ich hatte gerade angefangen, den Spind zu durchsuchen, als ich abermals ein „Scheiße, Scheiße, Scheiße“ von Alice vernahm. Wie sollte man sich denn bitte bei dem Lärm konzentrieren? Wenn sie nicht endlich aufhören würde, dann würden wir beide bald aufflieg …..... „Was zur Hölle macht ihr an meinem Spind?!“ vernahm ich hinter mir eine laute Stimme, weshalb ich inne hielt. „Ach das ist dein Spind und nicht meiner? Sorry da hatten wir wohl den falschen aufgemacht.“ hörte ich Alice sagen und verdrehte die Augen. Als ob er ihr das abkaufen würde. „Sofort weg da habe ich gesagt oder ich rufe die Polizei.“ drohte er uns und schnaubte dabei kräftig. Langsam drehte ich mich um und streckte ihm meinen Dienstausweis entgegen. „Die brauchen sie nicht zu rufen. Ich bin nämlich schon da. Klick von der Kripo.“ stellte ich mich kurz vor. Sein Ausdruck wechselte von ungläubig, zu überrascht bis schließlich hin zu beunruhigt. „Ddddarf ein Polizist denn ohne Durchsuchungsbefehl hier herumstöbern?“ fragte er kleinlaut und ich genoss es. „Undercover ermitteln? Ja, hab die Erlaubnis vom Chef. Und falls Sie ihren Spind zu durchsuchen meinen, dann lautet die Antwort ebenfalls ja. Es ist mir laut Herrn Neustätter erlaubt, in offene Schränke zu suchen.“ klärte ich ihn auf und sah, dass er wütend wurde und auf mich zukam. „Der war nie und nimmer offen!!!“
„Herr Mauer ich bitte Sie. Sie glauben doch nicht wirklich, dass ICH ein Schloss öffnen könnte, und das ohne Schlüssel?“ Er wurde verunsichert. Das war meine Chance. „Genug gefragt. Jetzt sind Sie dran, mir Fragen zu beantworten. Unter anderem wie Elisabeths Ring in Ihre Jackentasche kam.“ Seine Gesichtsfarbe wirkte nun weiß, fast als hätte er ein Gespenst gesehen. „Sie waren es nicht wahr? Geben Sie es zu.“ Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen, schon brach Herr Mauer zusammen. Wie ein Häufchen Elend saß er zusammengekrümmt am Boden und flüsterte die ganze Zeit „Ja ich war es.“ Kurz blinzelte ich, dass er so schnell ein Geständnis abgelegt hatte. Lange überrascht sein konnte ich jedoch nicht, da ich in Alices Augen pure Wut entdeckt hatte. Eilig schoss ich auf sie zu und konnte somit gerade noch verhindern, dass sie ihn verprügelte.

„Nein lass mich. Das Schwein hat es verdient.“ schrie sie mir entgegen und versuchte, sich aus meinem Griff zu befreien. Ich legte beruhigend meine Hände auf ihre Schultern und flüsterte ihr beruhigende Worte zu. Es dauerte nicht lange, schon brach sie weinend in meinen Armen zusammen. Einlullend strich ich ihr über den Rücken, bis sie sich wieder einigermaßen unter Kontrolle hatte. Ein wenig war ich verwundert darüber, dass sie dieses Mal nur zehn Minuten Beruhigungsphase gebraucht hatte. Normalerweise brauchte sie immer doppelt so …........ zehn Minuten? Scheiße. Zehn Minuten, wo der Verdächtige bestimmt die Beine in die Hand genommen hatte und nun über alle Berge war. „Ja ich wars.“ hörte ich hinter mir. Ich drehte mich um und sah, dass Herr Mauer nach wie vor am selben Platz saß und vor sich hin raunte. Verwirrt überrascht blinzelte ich. Entweder der Kerl war geistig ein wenig angeschlagen oder er hatte eingesehen, dass weglaufen keine Lösung war. Ach was solls. „Alice rufst du bitte die Polizei? Ich bewache währenddessen Herrn Mauer.“ Alice nickte und rannte nach draußen. In der Zwischenzeit schaute ich zu dem Mann, der vor meinen Füßen kniete und sich wie ein Baby hin und her wog. Ich wusste nicht wieso aber ich hatte Mitleid mit ihm. Er hatte diese Frau von ganzem Herzen geliebt, doch diese hatte diese Liebe nicht erwidert. Irgendwie konnte ich mir vorstellen, wie er sich gefühlt haben musste. Wusste ich nur zu gut, wie es sich damals anfühlte, als Fritz unsere gemeinsame Nacht vor Alex ins Lächerliche gezogen hatte. Selbst der bloße Gedanke daran versetzte mir nach wie vor einen Stich im Herzen.

Fassungslos schüttelte ich den Kopf. Nein das durfte nicht mehr sein. Ich war darüber hinweg. Ich war glücklich. Fritz war ein Kollege – NUR ein Kollege …....... und mein Schwager. Wieso also tat mir sein Verrat dann noch immer weh? Wieso zum Teufel gefielen mir die Worte Kollege und Schwager nicht? Gott ich war scheinbar schon viel zu lange von Greg getrennt gewesen. Heute Nacht würde ich zu meinem Freund gehen und gemeinsam Zeit mit ihm verbringen. Das würde mir bestimmt gut tun.
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