Josephine Klick Staffel 3

von bichi
GeschichteKrimi, Romanze / P16
Fritz Munro Josephine Klick
20.10.2015
26.05.2016
38
86.642
3
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Dieses Kapitel
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22.10.2015 1.701
 
Einige Monate früher


(Josy) Nervös durchstöberte ich meinen Kleiderschrank auf der Suche nach dem passenden Outfit. Was sollte ich Samstag bloß anziehen? In einem Steakhaus reichte doch wohl Jeans und T-Shirt. Andererseits war es ein Date und dafür wollte ich hübsch aussehen. Vielleicht ein Kleid? Immerhin hatte Fritz mich noch nie in einem gesehen und ich wollte ihm gefallen, wollte, dass es ihm die Sprache verschlägt. Zu Overdresst wollte ich jedoch auch nicht wirken. Wo wir wieder beim Anfang wären – was zur Hölle sollte ich nur anziehen?! Mein Blick streifte durch mein Zimmer, wo sich der gesamte Inhalt meines Schrankes befand. Die Dinge, die ich von vornherein ausgeschlossen hatte. Übrig geblieben waren lediglich zwei Kleider. Doch das eine hatte meines Erachtens nach zu viel Ausschnitt und das andere war viel zu zugeknüpft. Ich atmete frustriert aus. Ich wollte weder wie eine Nutte noch wie eine Nonne zu meinem Date erscheinen.

Der Kalender fiel mir ins Auge, welcher mir verriet, dass heute Donnerstag war. In zwei Tagen war es so weit. Bei diesem Gedanken bekam ich ein eigenartiges Gefühl im Bauch. Kurz schüttelte ich den Kopf über mich selbst. Gott wieso benahm ich mich bitte so? Das war doch nur Fritz. Er hatte mich in meinen schrecklichsten Klamotten bereits gesehen, kannte meine Macken und dennoch hatte er zugegeben, dass er mich mochte. Also war das dann doch gar keine große Sache. Und trotzdem fühlte ich mich wie ein Schulkind vor dem ersten Tag. Was war denn nur los mit mir?

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ich den Klingelton meines Smartphones vernahm. Stirnrunzelnd fragte ich mich, wer mich um zehn Uhr abends noch anrufen sollte. Mein Herz klopfte, als ich seinen Namen las. Mit einem Lächeln im Gesicht nahm ich ab, und begrüßte ihn möglichst neutral. „Schönen Abend Herr Kollege. Was gibt es denn zu so einer späten Stunde?“ erkundigte ich mich freundlich nach seinem Begehr und hörte gespannt zu, was er mir zu sagen hatte. Es dauerte einige Sekunden, ehe er anfing zu reden. „Jose … Bielefeld. Tut mir leid, dass ich dich so spät noch anrufe aber wegen Samstag …. Sorry aber ich muss leider absagen.“ teilte er mir mit, seine Stimme hatte dabei einen ganz merkwürdigen Klang. Enttäuscht ließ ich die Schultern hängen. „Naja ich hab Ben ganz spontan übers Wochenende bekommen.“ Auch wenn ich enttäuscht war, so freute ich mich dennoch für ihn. Wusste ich doch, dass er nicht wirklich viel Zeit mit dem Jungen verbringen durfte. Da nahm er natürlich jede Gelegenheit an, die er kriegen konnte. „Und du willst lieber noch warten, bis er mich kennen lernt. Kann ich verstehen Fritz. Dann holen wir das Date eben nächste Woche nach.“ klang ich optimistisch und hoffte, er würde es hören, dass ich mich schon freute. Wieder herrschte einige Sekunden Stille. „Eh ja. Sicher. Nacht Bielefeld.“ „Gute Na ...“ weiter kam ich nicht, da er bereits aufgelegt hatte. Schade. Dann musste ich eben noch etwas länger auf mein Steak warten. Irgendwie aber bekam ich ein ganz komisches Gefühl. Mein Unterbewusstsein schrie mir, dass es auch zu diesem Date nicht kommen würde.

Und es sollte recht behalten. Anfangs hatte er jedes Mal eine andere Ausrede, weshalb er an diesem Tag nicht konnte. Mittlerweile wich er immer wieder meinen Fragen, wann es im denn passen würde, aus. Was sollte nur das ganze? Wollte er etwa doch keine Verabredung mehr mit mir? Wollte er, dass alles so blieb wie beim Alten? Wenn ja wieso sagte er mir das dann nicht einfach? Ich hätte ihm sicherlich nicht den Kopf abgerissen, wenn er mich weiterhin nur als Kollegin haben wollte. Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass er mir immer öfters aus dem Weg ging und sich von mir entfernte.

Frustriert atmete ich aus und blickte aus meinem Bürofenster. Inzwischen war es Herbst geworden. Die Blätter färbten sich und fielen anschließend zu Boden. Auch die Temperaturen sanken merklich. Irgendwie floss die Zeit nur so dahin. Ein Jahr war es nun schon her, dass ich meine Verlobung mit Stefan gelöst hatte. Wenn ich es recht bedachte, war ich eigentlich froh gewesen, dass es nicht zu dieser Ehe gekommen war. Stefan war mein erster richtiger Freund gewesen. Und genau da war das Problem gelegen. Er war für mich nicht mehr als ein Freund gewesen – ein guter Freund. Seine Familie und er waren 2000 nach Bielefeld gezogen. Da waren wir gerade mal vierzehn Jahre und waren eher in der Ferne befreundet.

Zwei Jahre später sind wir dann irgendwann zusammen gekommen. Wieso wusste ich bis dato nicht wirklich. Es hatte viele süße Jungs in meiner Klasse gegeben, aber Stefan war der Einzige, den meine Brüder nicht vertrieben gehabt hatten. Erst im Nachhinein hatte ich erfahren, dass Stefan sie mit Fußballkarten bestochen hatte. Mit achtzehn war ich furchtbar wütend darüber gewesen, dass ich ihm lediglich zwei Fußballkarten wert gewesen war und das, obwohl seine Familie einen Haufen Kohle besaß. Aber er war ja schon immer ein Geizhals gewesen. Ich war keine Frau, die einen reichen Schnösel angeln wollte, um sich erhalten zu lassen. Dennoch verlangte ich wenigstens etwas Entgegenkommen. Bei unserem ersten Date hatten wir uns gemeinsam einen Kinofilm angesehen. Ananfürsich war der Abend ja okay gewesen. Wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass ich mir meine Kinokarte selbst bezahlen musste. Gut da ich ja ohnehin unabhängig sein wollte wäre es ja zum Hinnehmen gewesen. Aber dass ich seine Karte dann auch noch zahlen musste, da er sein Geld angeblich vergessen hatte, setzte dem ganzen dann doch die Krone auf. Ich hatte ihm dennoch eine Chance gegeben, da er ja der einzige Kerl war, der sich aufgrund meiner Brüder überhaupt in meine Nähe getraut hatte. Und irgendwie hatte ich damals gedacht besser ihn als keinen.

Ja das waren meine Brüder. Sie hielten Jungs von mir fern wie ein Pittbull, da sie Angst hatten, dass ich verletzten werden würde. Vermutlich weil sie es mit ihren Freundinnen nicht anders taten. Aber kaum, dass sie sich zwischen mir und Fußball entscheiden mussten, schon wussten sie nicht mehr, wie man Beschützerinstinkt schrieb. Sie liebten ihre kleine Schwester, waren aber leider viel zu egoistisch. Ich war damals mächtig sauer auf die beiden gewesen und meinen Freund gewesen. War ihnen aus dem Weg gegangen und hatte mit Stefan gebrochen. Mein Vater war darüber alles andere als glücklich gewesen. Nach dem Tod meiner Mutter hatte er den Hof gewaltig vernachlässigt. So war ich eben, während meine Brüder von einem Fest zum nächsten gezogen sind, zuhause beschäftigt. Damals mit siebzehn hatte ich versucht, meinen Vater zu unterstützen wo ich nur konnte. Leider hatte es nicht sehr viel geholfen, denn die Einnahmen waren dennoch immer weniger geworden und die Schulden haben sich dabei eben gehäuft. Da war es eben praktisch gewesen, einen Schwiegersohn zu bekommen, dessen Eltern Geld besaßen. Ich wollte mein Elternhaus einfach nicht verlieren. Es war der einzige Ort gewesen, an dem ich meiner Mutter noch hatte nahe sein können. Also kam ich erneut mit Stefan zusammen und versuchte, mich mit seinen Eltern gutzustellen. Diese hatten ein riesiges 4-Sterne-Hotel, Restaurant inklusive. Irgendwie hatte ich sie dank meiner Überredenskunst dazu gebracht, meinen Vater als ihren neuen Lebensmittellieferanten zu ernennen. Die Schulden wurden dadurch immer weniger und ich war froh, mein zuhause nicht verloren zu haben. Den nächsten Fehler, den ich begangen hatte – Dankbarkeit mit Liebe zu verwechseln. Ja ich war ihm dankbar dafür gewesen, doch so ein kribbelndes Gefühl wie es immer in den Zeitschriften beschrieben wurde, hatte ich nie. Und so lebten wir Jahre zusammen. Unsere Beziehung war nicht mehr, aber auch nicht weniger geworden. Bis Stefan eines Tages dann doch beschlossen hatte, dass zehn Jahre genug Beweis waren, dass ich es nicht auf sein Geld abgesehen hatte. Er machte mir einen Antrag und welche Laune mich dazu bewegt hatte, ja zu sagen, wusste ich bis heute nicht. Dafür freute sich meine Familie umso mehr darauf und war dementsprechend geschockt, dass ich ihn wegen einer Lappalie, wie sie es genannt hatten, sitzen ließ.

Bis heute gab es keine Woche, an dem mich mein Vater nicht fragte, ob ich es mir anders überlegt hätte. Doch so wenig ich auch meinen Dad enttäuschen wollte – ich konnte und wollte Stefan keine Chance mehr geben. Gerade jetzt in Berlin hatte ich erst erkannt, wie eintönig mein Leben doch vorher gewesen war. Berlin war mein neues Zuhause geworden und wenn meine Familie das nicht akzeptieren konnte, war das nicht mein Problem.

Ich schüttelte meine Gedanken ab, als Alex und Fritz das Büro betraten. Mein Blick lag augenblicklich auf ihm, und ich merkte, dass es ihm Mühe kostete, mich zu grüßen und dabei auch noch in meine Augen zu sehen. Nach einem kurz angebundenem Morgen verließ er fluchtartig den Raum. Was war nur los mit ihm?, fragte ich mich selbst, als ihm ich hinterher blickte. Heute. Heute würde ich erfahren, was seine Beweggründe sind, nahm ich mir fest vor und versuchte, den Alltag zu überstehen.

Der Tag zog sich in die Länge. Außer Bürokram gab es nichts was sonst angefallen wäre. Die ganze Arbeitszeit über hatte ich versucht, mit Fritz zu reden. Doch ich war noch immer nicht viel schlauer als heute Morgen. Und da es Mittwoch war, würde ich ihn heute auch nicht mehr alleine antreffen. Als der Feierabend angebrochen war, und Karin und Patrick bereits weg waren, beschloss ich, ebenfalls nach Hause zu fahren. Ich zog mir meinen Mantel über und schnappte mir meine schwarze Handtasche. Nun war ich abfahrbereit. Mein Blick fiel auf das Büro der Jungs, wo noch immer Licht brannte. Ich musste lächeln. Vermutlich saßen die beiden wieder mal wie kleine Jungs vorm Tischfußball und lieferten sich ein Match. Wer wohl diesmal gewann? Teil höflich teils neugierig steuerte ich ihr Büro an, um ihnen einen schönen Abend zu wünschen. Bereits von weitem konnte ich erkennen, dass Alex die Tür mal wieder nur angelehnt hatte, anstatt sie zu schließen. Wenn ihm das bei seiner Haustür zuhause auch passierte, war es kein Wunder, dass seine Frau da die Krise bekam. Langsam streckte ich meine Hand zum Türgriff, hielt jedoch inne, als Alex ein Thema ansprach, was mich seit Wochen bereits interessierte. Wie gebannt trat ich näher heran und versuchte, das Gespräch der beiden zu lauschen.



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