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Assassin's Creed Unity: The Eagle's Song

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama / P16 / Gen
Napoleon Bonaparte Pierre Bellec
20.10.2015
29.10.2015
10
18.294
 
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20.10.2015 2.255
 
Recht.
Unrecht.
In unserem Land überleben nur die Stärksten und es spielt keine Rolle, ob sie gut oder böse sind, Recht oder Unrecht haben. Doch jene Männer, die mein Dorf überfielen und die Brüder meiner ausrotteten, waren durch und durch böse. Kilometerweit bin ich geflohen, der verbrannte Duft noch immer in meiner Nase, das rote Kreuz verfolgend in Richtung der königlichen Stadt. Meine Beine hörten längst auf, mich zu tragen. Das, was mich vorantrieb, war undefinierbar.
Rache?
Angst?
Ich weiß es nicht.
Jérôme erzählte immerzu, in Paris gäbe es Brüder, die auch demselben Kredo folgten, aber auf andere Art und Weise. Sie ließen ab von den traditionsreichen Bräuchen und Ansichten, erzählte er. Ich verstand nicht, was er damit meinte und nun war er tot. Seine Worte schwirrten noch immer in meinem Kopf. „Gehe nach Paris“, flehte er, während ich seine blutverschmierte Hand fest hielt. Immer und immer wiederholte er „Gehe nach Paris“. Also tat ich es. Aber was würde mich erwarten? Ich würde es erfahren, wenn ich jemals in Paris ankäme; und ich hoffte, die Bruderschaft würden mir, ihrer Schwester, Zuflucht gewähren.

Die Sonne stand tief und des Himmels Farbe wurde in ein warmes orange getaucht. Der Wind wehte angenehm ruhig durch die sich färbenden Blätter der Bäume und lies sie sanft zu Boden fallen. Es schien, als hätte ich die Verfolger lange abgehängt.Zwei Tage war ich nun unterwegs, den Blick gen Norden, wo ich jeden Moment die Dächer Paris’ am Horizont erwartete. Doch alles, was ich zu Gesicht bekam, waren verkommene Dörfer, bewohnt von ärmlichen Leuten. Es war also doch nicht zum Greifen nahe, mein Ziel.Also ging ich weiter, die ganze Nacht, bis mich schlussendlich die kalten Stadtmauern begrüßten. Doch ehe der Tag anbrach, ließ ich mich in einer einsamen Seitengasse der Stadt nieder, gab nach und ruhte.

In der mittäglichen Sonne begab ich mich auf den Weg durch die pariser Straßen. Noch nie hatte ich so viele Menschen auf einem Fleck gesehen, doch besonders glücklich und friedlich sahen sie nicht aus. Alles schien so hektisch und laut, so ungewiss und ratlos. Wenn ich mir vorstellte, hier zu leben, würde es mir ganz anders, aber sehr viele andere Möglichkeiten blieben mir leider nicht, da meine Heimat nun nicht mehr existent war. Ist das nicht komisch? Vor meinen Augen wurden meine Brürder ihrer Leben beraubt, unter ihnen auch Jérôme und mein Vater.
Hätte ich aktiv gegen die Templer kämpfen sollen? Ich allein gegen ihre Horde, deren Kredo Brutalität heißt? Ich glaube nicht, dass ich etwas hätte ausrichten können. Und doch habe ich immer gedacht, wenn man alles verliert, ist man am Boden zerstört und will am Liebsten selbst gar nicht mehr am Leben sein. Wieso fühle ich mich dann nicht so? Habe ich mich vielleicht so sehr an mein Leben geklammert, dass ich den Verlust unbewusst verdrängt habe? Vielleicht war ich auch durch die Ausbildung meines Vaters so geworden. Wer weiß…
Das Wichtigste war nun, die pariser Bruderschaft ausfindig zu machen, doch das war nun wirklich leichter gesagt, als getan. Ich hatte nicht einen Anhaltspunkt, wo sich ihr Hauptquartier hätte befinden können, also blieb mir nichts anderes übrig, als die ganze Stadt nach ihnen abzusuchen.

Wenige Meter vor mir stand ein großer Turm, dessen Spitze sich weit nach oben erstreckte.
„Der perfekte Platz, um mir einen Überblick zu verschaffen", dachte ich.
Geschwind lief ich auf den Turm zu, griff einen Ziegel nach dem anderen, rangelte mich zügig immer weiter nach oben, bis ich in die Ferne über die Dächer von Paris blicken konnte. Von hier oben sah die Stadt plötzlich ganz friedlich aus und schien auch gar nicht mehr so gigantisch weit, wie sie zu meiner Ankunft aussah.
„Na schön, wenn ich ein Großmeister wäre, wo würde ich mein Quartier wohl aufschlagen? In einem prächtigen Gebäude? Wäre das nicht viel zu offensichtlich? Die Templer sind schließlich nicht auf den Kopf gefallen. Aber wie um alles in der Welt kann man an solch einem Ort ein verstecktes Hauptquartier errichten? Ganz bestimmt nicht oberirdisch. Gibt es hier wohl Katakomben?“
Je länger ich mir die Stadt aus der Vogelperspektive ansah, desto konfuser wurde ich. Ich beschloss, wieder zurück auf die Straßen zu gehen. Der Weg über die Dächer ginge auf Dauer nicht unbemerkt; viel zu viele Menschen waren unterwegs. Vielleicht war die Chance, einen Assassinen auf offener Straße zu begegnen nicht besonders hoch, aber bestimmt sicherer. Und nach all der Rennerei der letzten beiden Tage, war mir ein Stückchen Sicherheit gerade sehr lieb.

Ich beschloss, noch viel weiter zum Zentrum der Stadt zu laufen. Dort habe ich riesige Gebäude gesehen, von denen aus man sicherlich auch eine prima Aussicht hat. Ich glaube, eines davon war die Kathedrale Notre-Dame; die wollte ich schon immer mal sehen.
Ich breitete meine Arme aus und lies mich wie ein Adler durch den Wind gleiten, bis ich sicher in einem Heuhaufen landete.
„Die Assassinen in dieser Stadt scheinen gut ausgestattet und sehr vorausschauend zu sein. Wie viele Heuhaufen habe ich heute schon gesehen? Wenn die in ganz Paris verteilt sind, dann kann sich das noch als sehr praktisch erweisen.”
Frohen Mutes wollte ich drauf los gehen, doch Schreie und großes Getümmel unterbrachen mich plötzlich. Eine Menschenmenge sammelte sich binnen Sekunden auf einem nahegelegenen Platz an. Durch das Getümmel konnte ich nicht erkennen, was vor sich ging, doch den Schreien nach zu urteilen, sicher nichts Gutes.
„Das ist nicht gut.“, hörte ich eine gebrechliche Stimme krächzen, „Dieser Schuft schon wieder.” Es war ein alter, zerzauster Mann, vielleicht war ein er Bettler und er schien über die Situation Bescheid zu wissen. Ich ging auf ihn zu. Zu große war meine Neugierde
.„Verzeihung, was passiert denn hier gerade?“, trat ich bescheiden an ihn heran.„Mein Kind, Du solltest zusehen, dass du von hier verschwindest. Dieser Kerl hat schon wieder einen Aufstand angezettelt und das ist das Ergebnis.”, erklärte der ältere Herr aufgebracht.
„Wie meint Ihr das, Monsieur?“
„Siehst du den Mann dort drüben? Den mit dem Dreispitz?”, er deutete auf einen Grau gekleideten Mann, dessen Blick geschärft auf das Spektakel gerichtet war. Die pariser Soldaten schnappten einen Herren und griffen nach ihm. Er versuchte sich zu wehren, doch zu dritt waren sie einfach mächtiger, als eine einzelne Person. Der grau gekleidete Mann stand jedoch teilnahmslos daneben und beobachtete nur.
„Was ist mit ihm? Er sieht mit seiner fies grinsenden Visage nicht besonders freundlich aus. Ist er Soldat?“, wunderte ich mich.
„Ist er.”, sprach der Herr nun langsam besänftigt,
„Das ist Julien Fénelon. Er kommt regelmäßig in diese Gegend, um sich die Zeit zu vertreiben. Er stichelt gern die Bürger an, sodass er und seine Sippe einen Grund haben, am Ende des Tages jemanden festzunehmen, und in die Conciergerie zu werfen. Furchtbare Ketzerei!“Ich war erschüttert,
„Ist das Euer Ernst? Aber wieso tut er so etwas? Und warum wehrt sich niemand dagegen?”
.„Mein Kind, sehe ich so aus, als sei mir zum Scherzen zu Mute? Er nutzt seine Machtposition aus und hofft wohl, dass sein Rang beim Militär steigt, das liegt doch auf der Hand. Und gegen die Soldaten sollte man sich nicht stellen, wenn man den Sonnenaufgang des nächsten Tages noch miterleben möchte.“
„Also spielt er mit den Bürgern, weil er mächtiger ist, als sie?”
„Ganz offensichtlich. Und nun geh, du junges Ding, sonst wirst du da auch noch mit reingezogen.“, mit einer Handbewegung, als wolle er mich hinfort scheuchen, trennten sich unsere Wege.

Ich ging langsame Schritte um die Masse und sah das unfaire Spektakel. Der angebliche “Täter” wurde geknebelt und geschlagen, weil er versuchte, sich loszureißen. Zu Unrecht stand er da und je mehr er versuchte, freizukommen und für seine Unschuld zu plädieren, desto härter wurden die Schläge und Tritte, die er einstecken musste.Konnte ich wirklich nur daneben stehen und zuschauen, wie dieser Mann vielleicht unschuldig zu Tode geprügelt wird? Ich lernte doch das kämpfen nicht umsonst…
Ich beschloss, der armen Seele aus der Klemme zu helfen und kletterte auf ein Gebäude. An der Wand schlich ich mich hängend und unbemerkt näher an das Geschehen. Jetzt war ich auf der Höhe eines Soldaten, der die Bürger davon drängte. zwei weitere Soldaten taten dasselbe und mit dem Rücken zur Wand droschen drei weitere auf das Opfer ein. Julien Fénelon nach wie vor tatenlos am Beobachten.
Wo sollte ich anfangen?
Es gab so viele Möglichkeiten.
Ich könnte mir zu erst einen derer vornehmen, die die Masse in Zaum hielten. Dann würde der Funke vielleicht auf die Zivilisten überspringen und sie würden die Handvoll Soldaten einfach umrennen. Ich könnte aber auch direkt einen derer ausschalten, die gewalttätig gegen den Mann vorgingen. Doch dann hätte ich die anderen beiden am Hals, wenn ich nicht schnell genug reagieren würde. Oder aber ich schalte direkt ihren Befehlshaber aus - Fénelon - und dann hätte das ganze Theater künftig ein Ende.
In diesem Moment zog einer der Soldaten seine Pistole
„Jetzt halt endlich still, Alter! Ich jag dir eine Kugel durch deine Haxen, dann zappelst du wenigstens nicht mehr so lästig.“
„Nein —- nein…!”, winselte der Mann.
„Gleich machen wir einen Ausflug in die Conciergerie, mein Freund!“
Ich musste nicht lang überlegen, um mich für ein Ziel zu entscheiden. Dem Mann musste geholfen werden, ehe der Soldat abdrücken konnte. Also griff ich nach einem meiner Messer, die in dem Beutel meines Gürtels verstaut auf ihren Einsatz warteten, zielte zunächst nur auf die Hand, in der er seine Pistole hielt und warf. Im nächsten Augenblick schrie der Soldat auf und lies seine Waffen zu Boden fallen. Alle schreckten auf und sahen sich hektisch um. Doch bevor sie mich entdecken konnten, war ich bereits weitergeklettert, brachte mich in Position und warf weitere Messer auf die Arme der anderen Soldaten, die ihre Waffen zogen.
Erneut verschwand ich, um kein Aufsehen zu erregen und sprang in einem unbemerkten Moment zurück auf den Boden, um mich in der Masse zu tarnen.
Die Zivilisten waren nun noch aufgeregter als vorher und dem Gefangenen gelang es, sich loszureißen und davon zu rennen.
Ich atmete auf, doch im nächsten Moment hörte ich den lauten Knall einer Schusswaffe und ein Donnern durchfuhr mich. Hastig fuhr ich um und entdeckte Fénelon, der breit grinsend mit seiner Pistole auf den Fliehenden zielte. Er ging zu Boden und eine Blutlake bildete sich binnen weniger Sekunden um den leblosen Körper.

Ich traf die falsche Entscheidung.

Ich bahnte mir unbemerkt den Weg durch die Masse an Zivilisten, um Fénelon ins Visier nehmen zu können.
Käme ich nur nah genug an ihn ran, könnte ich ihn mit meiner versteckten Klinge ausschalten.
„Das passiert mit denen, die sich dem Gesetz widersetzen. Lasst euch das eine Warnung sein.”, verkündete er fast schon stolz, „bringt mir den Assassinen, der dieses Chaos hier angerichtet hat – Sofort!“
Assassine–? Wie konnte er mich bemerkt haben? Ich habe alles genau kalkuliert, er hätte mich nicht sehen dürfen.
Jetzt galt es, schnell zu handeln. Meine Schritte mit dem Ziel Fénelon, nahmen an Geschwindigkeit zu. Meine Bewegungen wurden unbedachter und ich merkte, unter wie viel Druck ich auf einmal stand.
Fénelon war wenige Meter von mir entfernt - zwei, drei vielleicht. Er stand mit dem Rücken zu mir; ein Satz nach vorne würde reichen, um ihn mit meiner versteckten Klinge zu erstechen.
Jetzt wurden meine Schritte noch hastiger, ich hob den Arm, ließ die versteckte Klinge durch meine Finger fahren und setzte zum Stich an. In diesem Moment drehte sich Fénelon um, parierte meine Klinge mit seinem Dolch, den er geschwind aus seinem Gürtel herauszog und griff nach meiner unbewaffneten Hand. Jetzt sah mir seine fies grinsende Visage tief in die Augen und durchbohrte mich mit seinem Blick. Doch er schien überrascht.
„Ein Weib?”, gab er von sich, „ich hatte dich mit breiterem Kreuz in Erinnerung, Assassine.“
Was meinte er damit? Doch um mir genauer darüber den Kopf zu zerbrechen, hatte ich nicht genug Zeit, ich musste versuchen, mich aus der Situation zu lösen, doch das war leichter gesagt als getan, denn sein Griff war so fest, doch um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, waren nun auch seine Männer auf dem Weg zu mir. Ich fuhr um, als ich das Klicken der Gewehre hörte.
Jetzt wurde es brenzlich.
Wäre ich nur in der Lage, die Kontrolle zu gewinnen, könnte ich ihn im entscheidenden Moment als Schild benutzen und hätte zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Aber das war gerade nur Wunschdenken. Ganz gleich, wie viel mir mein Vater beigebracht hatte, gegen erwachsene Männer konnte ich körperlich nicht anstinken.
„Die pariser Bruderschaft der Assassinen schickt neuerdings kleine Mädchen? Mit dem alten Mirabeau geht es den Bach runter, ich habs ja gesagt.”, er fuhr um, „Männer — Bereit zum Feuern!“
Die Soldaten begaben sich in Position. Hastig untersuchten meine Augen Fénelon und versuchten verzweifelt, einen Schwachpunkt zu finden. Doch ich konnte keinen ausmachen. Plötzlich sah ich etwas, dass mich erstarren lies: Um den Hals trug der Mann ein Amueltt mit einem roten Kreuz - dem Kreuz der Templer.
„Feu–!”, wollte Fénelon den Befehl geben, doch sein Kommando wurde durch einen lauten Knall unterbrochen. Innerhalb von zwei Sekunden war der komplette Platz in Rauch gehüllt und man vernahm lautes Husten und Keuchen aus allen Ecken. Ich merkte, wie sich Fénelon Griff zu lockern begann und ergriff die Chance. Ich riss mich von ihm los, rammte ihm mein Knie in den Magen und setzte erneut mit der versteckten Klinge an. Blind suchte ich das Ziel, aber alles, was ich sah, war ein Schatten
.„Dort bist du!“ - rief ich, und stieß meinen Arm in seine Richtung. Doch ehe meine Klinge ihn erreichen konnte, zog mich eine mächtige Hand an der Schulter von meinem Ziel fort. Raus aus dem Rauch.
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