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Tomorrow Is Another Day

GeschichteDrama, Tragödie / P16 Slash
Akashi Seijūro Aomine Daiki Kagami Taiga Kise Ryōta Kuroko Tetsuya OC (Own Character)
19.10.2015
21.11.2019
4
13.472
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19.10.2015 4.085
 
Mitte Sommer. Das Wetter folglich warm, schwül und stickig. Ich kniff mir unwillkürlich die grünen Augen zusammen, als die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Gesicht einschlugen. Die Temperaturen waren in Tokio mittlerweile auf zweiunddreißig Grad im Schatten gestiegen. In der Nacht selbst führte die ungenießbare Hitze und ohne Fächer oder funktionierender Kühlanlage, würden alle Menschen in Japan elendig wegschmelzen und sterben. Der Sommer in diesem Land, war so gut wie jedes Jahr unerträglich und erschwerte den Gang zur Schule noch ein Stück mehr, als er schon war. Kühle Getränke und reichlich Eis waren momentan die einzigen Nahrungsmittel auf der Erde, die einen zufrieden stellten. Es ist also unmöglich acht Stunden am Tag im engen Raum in der Schule zu sitzen, zu lernen und das Gefasel von unnötigen Formeln zu ertragen. Ich schmiss mich nach einem anstrengenden Tag auf die große Wiese vor unserem Gebäude und versuchte für fünf Minuten meinen Geist abzuschalten und zu entspannen. Das Zwitschern der Vögel, die leisen Gespräche der Schüler, die ihren Weg nach Hause einschlugen und das gleichmäßige Schlagen in meiner Brust waren die einzigen Geräusche, die mein Ohr erreichten. Ich lockerte die rote Schleife um meinen Hals, die mir die Luft zum Atmen zuzog und öffnete zwei Knöpfe von meinem weißen Hemd. Ein lauter Seufzer verließ meine Kehle – Freiheit. Ich verzog das Gesicht und wischte mir den Schweiß von der Stirn, als die Strahlen auf meinem Gesicht weiterhin glücklich tanzten. Ich murrte genervt und legte die Hand vor meinen empfindlichen Augen. Der Sommer muss unbedingt von den Jahreszeiten ausgeschlossen werden. Man, lass mich in Ruhe, du ungenießbare Kugel! Mein Kopf richtete sich nach links, um jeden Kontakt zu meiden und mein Körper versuchte eine ordentliche Position zu erlangen. Die wunderschöne Sonne schien meine Gebete in Betracht zu ziehen, ein großer Schatten tauchte vor mir auf, als würde Gott seinen schönsten Engel zu mir schicken. Ich öffnete zaghaft ein Auge und mein Blick richtete sich auf eine schmale Figur vor mir. Ein Lehrer?! Mist, es war ja schon Zeit, nach Hause zu gehen! Ich schluckte ängstlich: nach Unterrichtsschluss zu trödeln war verboten und die Flure zu wischen würde mir im Moment gar nicht passen. Mein Körper lehnte sich nach vorne, als der Unbekannte seine Hand nach mir ausstreckte und somit wortlose aufforderte aufzustehen. Merkwürdig. Ich schmollte sichtlich irritiert und wollte mich wieder ins Gleichgewicht ziehen, als der eintreffende Schmerz in meinem Rücken unterträglich wurde und mein Körper für einen Moment erstarrte. Ich lächelte schief und verfluchte gleichzeitig meinen großen Ehrgeiz. Die anderen Schüler, die mich verwirrt anstarrten, schienen leise und unauffällig zu schmunzeln und auch die Person vor mir ließ ein ruhiges Kichern von sich.
„Ryouta?” Ich registrierte die familiäre Stimme nach Sekunden der unbeholfenen Stille und meine Aufmerksamkeit galt der Person gegenüber mir, die mich am Handgelenk griff und mir auf die Beine half. Meine schlechte Laune änderte sich schlagartig und mein Körper schien wieder seine gewohnte Kraft zu erlangen. Ich versuchte normal auf den Füßen zu stehen aber scheiterte elendig, als der Besagte erneut anfing zu lachen. Mein Murren lies ihn verstummen und Ryo grinste entschuldigend. Ich war mittlerweile in der Lage, meinen Gegenüber tonlos zu studieren. Bemerkenswert, nach acht Stunden Unterricht schien er noch immer gut in Form zu sein, die graue Uniform und die grellen Haare saßen nach wie vor perfekt und das Gesicht zierte weder ein grimmger Ausdruck, noch Anzeichen von Müdigkeit. Die goldenen Augen strahlten und die Lippen verzogen sich zu einem liebevollen Lächeln.
„Kein Stück verändert, Nana-cchi!”, sagte er seufzend und strich mir die langen, honigblonden Haare zurück, die wirr in mein Gesicht fielen. Ich legte verlegen die Hand auf den Kopf und nickte stumm.
„Nächsten Montag startet der Summer Cup, nicht wahr?” Ich sah meinen Kumpel fröhlich an, worauf er überglücklich grinste und mir zustimmte. Ich griff mir meinen schwarzen Rucksack vom weichen Gras und streifte ihn mir über die Schulter.
Die Liste meiner sieghaften Spiele und erfolgreichen Kämpfe war endlos aber der Summer Cup war eine andere Liga. Die größten und stärksten Mannschaften waren vertreten und somit natürlich auch die ehemaligen Mitglieder der Teiko. Es war mein erstes Jahr auf der Samezu und somit mein erster Summer Cup. Die Freude war maßlos und unaufhaltsam. Die vier jahreszeitlichen Cup waren enorm angesehen und die einflussreichsten Trainer anwesend. Ein Stipendium war für manch motivierten Schüler und unanfechtbares Talent nicht ausgeschlossen. Inmitten Asien war Japan einer der erfolgreichsten Länder im Basketball aber international sah es ziemlich mickrig aus. Naja, mickrig schien uns wie angegoßen zu stehen, viele Japaner waren mickrig und winzig. Meine 1.65 Wenigkeit wehrte es aber nicht ab, Großes zu jagen und mein Bestes zu geben. Der Cup war das einzige Tunier im Jahr, die die Mannschaften der Frauen in die Liste einzog. Diese Chance entgehen zu lassen, wäre ein großer Feher!
Meine Aufmerksamkeit galt wieder Ryouta. Er war mittlerweile auf meiner Höhe und sah mich nun sorgenvoll und unruhig an. Die große Hand legte er auf meine zierliche Schulter und die Brauen zog er zusammen, als würde er wortlos, mit Hilfe von Telepathie, mit mir schimpfen. Er war Derjenige, der mich täglich erinnerte meine Hausaufgaben zu erledigen, einen Apfel zu essen oder mitten im Unterricht nicht einzuschlafen. Ich machte einen Schritt zurück und legte die Hand in den Nacken. Kise Ryouta war offen und äußerst direkt. Seine echte Art schlug oft gegen meinen scheuen Charakter auf Unverständniss und Unsicherheit. Ich traf Ryouta zufällig auf einem Sommerfest, organisiert von Samezu. Ich war eigenlich gar nicht interessiert an der Veranstaltung und eilte mit einem Basketball in der Hand zu meiner Mannschaft. Dank der langen Schlange und das Kreischen gewisser Mädchen, war es unmöglich über die Massen zu flüchten und rechtzeitig zum Training zu gelangen. Ich versuchte also meinen Weg zwischen die Schüler zu zwingen und lief prompt in die Arme von Kise Ryouta. Der geachtete Status von Ryo war mir vorerst namenlos und erst nach einem Denkzettel der Mädchen wurde mir klar, wer eigentlich vor mir ruhte. Durch schicksalhafte Treffen wurden wir zu engen und guten Partnern und trotz großem Unterschied, half er mir meine angesehene Position als Point Guard den letzten Schliff zu verpassen.
„Erde an Nana-cchi!” Ich schwelgte in tiefe Erinnerungen, als mich die laute Stimme von Ryouta aus meinen Gedanken riss. Den Stapel Zettel, den er in der Hand hielt, stellte er auf meinen Kopf ab.
„Entschuldige!” Ich ließ ratlos den Blick senken.
„Ryo, müsstest du eigentlich nicht in Kanagawa sein?” Ich lenkte vom Thema ab und meine Miene änderte sich schlagartig, als mir ein wichtiges Detail auffiel. Ich legte meinen Kopf schief und versuchte mit Hilfe meiner Finger zu zählen, wie viel Minuten Fußweg von Kanagawa nach Samezu nötig sind. Mit der U-Bahn sind es gut zwei Stationen also wären es zehn Minuten mit dem Rad und zwanzig zu Fuß.
„Mir wurde die Aufgabe erteilt, die Anmeldungen der naheliegenden Schulen einzusammeln...”, murmelte er leise und schon fast gekränkt. Er schaute erneut auf mich, oberservierte mein Gesicht vom Nahen und sah mich grimmig an.
„Du solltest dich lieber schonen und fit für Montag sein!” Ich grinste schief und nickte eifrig. Er sah flüchtig auf seine Uhr und meinte anschließend, er müsse schnell zurück nach Kanagawa. Ich sah irritert zu, wie er versuchte, etwas aus seiner großen Tasche zu ziehen.
„Hier!”, sagte er mit einem Lächeln und reichte mir ein Magazin. Ich lehnte mich neugierig nach vorne und versuchte ausfindig zu machen, welches Gesicht das Cover zierte.
„Zwanzig Seiten voller Informationen über die jeweiligen Mannschaften!” Ich legte erschrocken die Hand vor meinen Mund und mein Herz schlug ein Stück schneller in meiner Brust. Mein Coach setzte uns zwar vor einem Fernseher und redete uns vier Stunden lang ein, wie wir vorgehen müssen aber Artikel oder Berichte über den letzten Summer Cup zu lesen und gar ausfindig zu machen, war selten. Die meisten Magazine und Zeitschriften waren leer geräumt und so gut wie ausverkauft. Ich zog erst vor einem Jahr nach Tokio. Es war Ende Sommer und der Summer Cup war infolgedessen scharf an mir vorbei gerauscht. Ich verbeugte mich als Dankeschön und war offiziell gestärkt für das Turnier.

*

Nach meinem Treffen mit Ryouta, führte mein Weg nach Hause. Ich warf mich direkt nach einer eiskalten Dusche auf mein weiches Bett und schloss zufrieden die Augen. Nächsten Montag startet der Summer Cup. Ich vergrub das Gesicht in mein Kissen und versuchte nicht gleich los zu schreien vor Freude. Meine Wangen glühten und das Kribbeln in meinen Fingern war wahnsinnig. Mein Blick richtete sich auf das große Poster über meinem Schreibtisch. Ich starrte lange auf die Person, die auf dem Bild abgebildet war und grub das Gesicht wieder in den Stoff.
Ich sprang geschickt auf die Beine nach dem vergeblichen Versuch für fünf Stunden zu schlafen und holte das Magazin von Ryouta aus meinem schwarzen Rucksack. Ich setzte mich auf das Sofa und ging neugierig durch die Seiten. Mit einem trägem Gähnen stach mir ungemein ein neuer Name ins Auge. Ich blinzelte irritiert und platzierte den Zeigefinger auf die Zeile. Seirin High? Ich legte den Kopf schief und war sichtlich verwirrt. Kagami Taiga, der aufsteigende Tiger? Kagami Taiga? Das Bild neben dem Artikel zeigte einen großen und schon fast gruseligen Mann mit roten Haaren. Ein entschlossener und motivierter Blick, Augen wie das Feuer, ein sanftes Lächeln und die Faust in die Luft geballt. Mein Blick schweifte zum anderen Teil der Spezial Ausgabe über das Inter High vor einem Jahr. Erneut ein neuer Name. Kuroko Tetsuya? Kuroko. Kuroko? Kuroko! Ich verzog das Gesicht und versuchte mich mühevoll an den vertrauten Namen zu erinnern. Ich grübelte und grübelte und grübelte aber mein Gehirn war wie ausgeschaltet und davon getreten. Es zeigte einen schon fast winzigen Jungen mit einem ausdruckslosen Gesicht aber ein leichtes Lächeln zierte seine Lippen. Blaue, schöne Haare und ein schmächtiger Körper. Ich hielt das Magazin vor die Nase und studierte genau das Gesicht von Kuroko Tetsuya. Er war vertraut aber wiederum total unsichtbar. Ich schüttelte lachend den Kopf. Nur ein Zeichen von Übermüdung und Anstrengung. Eine Portion Schlaf wäre momentan ziemlich energiefördernd. Die Zeitschrift landete neben dem leeren Platz auf meinem Sofa.

*

Für einen Donnerstag war der Morgen ziemlich ruhig und gelassen. Ich rieb mir verschlafen die Augen, als mein Mund ein Seufzer verließ. Eigentlich würde der junge Mann, der gegenüber wohnt, sein aufregendes Gespräch am Telefon führen, über den Flur rufen und die Treppen runter zur Arbeit stürmen. Komischerweise war dieser Donnerstag still und gemütlich. Ich richtete meine langen Haare zurecht und wollte mich strecken, als der Schmerz in meinem Rücken erneut auftauchte und mein Körper zum vierten Mal in zwei Tagen erstarrte. Mein Blick richtete sich schmerzverzerrt auf die Uhr und die grellen Zahlen ließen meine Augen weiten vor Schreck. 8:25?! Ich sprang aus meinem Bett, zog mir in einer Minute meine Uniform an und griff mir meine Tasche. Meine Strümpfe waren wie verschwunden, meine Schleife war zwischen dem Sofa versteckt und die Schlüssel ebenfalls verloren. Ich wischte mir die Schweißperlen von der Stirn und wusch mir das Gesicht. Die Tasche über meine Schulter lag zur Hälfte auf dem Boden und mein Rock saß auch schief. Ich schaute zum letzten Mal in den Spiegel, zupfte an meinen Zopf, streifte meine Klamotten zurecht und trug einen leichten Lippenstift auf. Ich wollte gerade aus der Tür gehen als mein Weg wieder in den Raum führte. Ich stellte mich vor die Kommode, schloss die Augen und sprach ein leises Gebet. Ich lächelte zufrieden die Person auf dem Bild an, rannte die Treppen runter und lief mit schnellen Schritten Richtung Samezu.

*

„Du freust dich zwar unglaublich auf den Summer Cup aber die Schule...” Der Begriff Schule ließ mich leicht den Kopf auf den Boden richten und meinen Blick nach rechts fixieren um jeden Kontakt zu vermeiden. Ich schaffte es mit viel Glück zur zweiten Stunde aufzutauchen und war in der Lage mit strahlenden Augen und einem Schmollen, meinen Lehrer eine leichte Erkältung vorzutäuschen. Mein Gehör schaltete sich aus, mein Blick lag jetzt auf der Zeitschrift, die aus meiner offenen Tasche guckte und erneut spukte der vertraute Name in meinem Kopf. Ich stocherte gelangweilt in mein Essen herum und lies die Stirn auf die Tischplatte der Cafeteria fallen. Ich sah zu meiner geliebten und fürsorglichen Freundin, die mich gerade des Guten lehrte und mir eine endlose Predigt. Moment! Ich lließ die Gabel aus meiner Hand fallen und lehnte mich nach vorne. „Kyoko!” fiel meine Stimme ihr unverschämt in den Satz. Ich erstarrte und rutschte ein wenig zur Seite, als sie gefährlich den Stift in die Luft hielt und mich verstummen ließ.
„Was?”, sagte sie genervt und sah mich mit zusammengezogenen Brauen an. Kyoko Mitobe war meine erste Freundin auf Samezu. Sie war äußerst mütterlich und sorgte sich stets um mein Befinden, schrieb mir Notizen auf, zwang mich zu essen und gab mir täglich eine Massage. Kyoko scheute sich nicht mein Essen vor die Tür zu stellen oder meine Basketball Uniform zu waschen. Ich fühlte mich in ihrer Nähe geborgen und sicher. Dennoch war die Schwarzhaarige der Teufel in Person wenn meine Noten sanken oder mein Magen vor Hunger grollte. Sie meinte vor ein paar Monaten, dass ihr Bruder auf einer anderen Schule Basketball spielt. Meine letzte Chance.
„Kennst du vielleicht eine Person namens Kuroko Tetsuya?” Meine Kameradin schien nach meiner Frage scharf zu überlegen. Ich schaute erneut auf den Blauhaarigen und seufzte auf. Das zierliche Gesicht war lieblich und nett aber sein ausdrucksloser Blick, weckte meine innerliche Neugier. Kyoko tippte mir auf die Schulter, als meine Augen auf den Artikel fixiert waren. Ich sah sie mit winziger Hoffnung an aber sie schüttelte nur den Kopf und strich die mittellangen schwarzen Haare zurück.
Ich wirbelte den Stift in meiner Hand von Seite zu Seite und öffnete die tiefste Schublade in meinem Gedächtnis. Kein Kuroko Tetsuya oder Kagami Taiga war verzeichnet. Moment, verzeichnet? Ich stand wie vom Blitz getroffen mit einem Ruck von meinem Platz auf und streifte mir eilig die Tasche über die Schulter. Mich traf soeben ein Geistesschlag getroffen. Ich stopfte mir den letzten Happen meines Mittagessens in den Mund und warf meine Schulsachen in meine Tasche.
„Entschuldige, Kyoko!” Ich ruffelte ihr mit vollem Mund die Haare und verbeugte mich hilflos. Der Teufel wird mich nach meiner Aktion in die Hölle jagen aber mein Interesse an Kuroko Tetsuya war im Moment größer.
„Nana! Der Mathe Unterricht startet gleich!”, rief mir meine Freundin zu aber mein Weg führte mit schnellen Schritten in den zweiten Stock. Die Sport Abteilung der Bibliothek hat so gut wie alle Magazine, Zeitschriften und Artikel über die Basketball Kämpfe der vergangenen Jahre aufgezeichnet. Ich tapste mit federleichten Schritten die Gänge entlang und blieb vor der Basketball Reihe stehen. Kein Mensch zu sehen, freie Bahn. Ich machte einen Schritt zurück: die Reihe S ist ausgerechnet auf der obersten Ecke und schien meine Größe auszulachen. Meine Füße nahmen Anlauf und der Körper stieß ohne Gnade gegen das Regal hinter mir, als mein Versuch wie ein Kaninchen zu springen, in die Hose fiel. Paar Bücher fielen lautstark zu Boden und meine grünen Augen richteten sich siegessicher auf die Englisch Bücher. Ich stapelte mein Sprungbrett auf und legte sicher einen Fuß ab. Ich seufzte wütend und versuchte auf den Spitzen die Akte zu greifen: mit einer wackeligen aber trotzdem mutigen Hilfe unter mir. Ein Stück! Ich lehnte mich weiter nach vorne und wollte mir mit Gewalt die Zettel schnappen, als eine andere starke Hand schneller agierte und mir die Magazine vor der Nase angelte. Mein rechtes Bein taumelte in der Luft und mein lockerer Schuh fiel mit einem Plop zu Boden. Der nagende Schmerz und der anschließende Krampf in den Beine erreichte mich und mein fragiler Körper geriet ins Straucheln.
Die seltsame Person legte aber gezielt seinen Arm um meinen Rücken und stützte mich sicher auf die Füße zurück. Die warmen, schmalen Finger erfüllten mich mit einer Herzlichkeit. Ich machte schüchtern einen Schritt zurück und strich mir die offenen Haare zur Seite. Der großgewachsene und äußerst muskulöse, junge Mann, mit meiner geliebten Akte in der Hand, musterte mich jetzt anspruchsvoll. Ich schluckte als er mich mit seinen starken Augen anstarrte. Haare die einer Beere erinnerten, ein gebräunter Teint und der Blick wie ein wilder Panther. Er strahlte eine massive Aura aus. Die Uniform, die er trug war mir neu. Eindeutig nicht von Samezu. Ich verbeugte mich leicht und entschuldigte mich für meine Achtsamkeit. Mein Blick schweifte immer wieder von den Blättern in seiner Hand zurück zu seinen Augen. Er merkte mein intensives Starren und setzte für einen Moment ein leichtes Lächeln auf. Kein liebes Lächeln, eher ein schadenfrohes Grinsen. Ich schmollte als der Unbekannte mir augenblicklich den Rücken zu wandte, vier Schritte machte und wieder anhielt. Ich legte die warme Hand in den Nacken und war sichtlich enttäuscht. Mist!
„Du willst diese Mappe?”, murmelte er leise und seine tiefe Stimme rang in mein Ohr. Sein Körper richtete sich zu mir und er sah mich fragend an und schien mich gleichzeitig zu mustern. Wie ein wildes Tier seine winzige Beute. Ich versuchte zaghaft zu nicken, worauf er seinen Kopf schief legte.
„Ich werde sie nicht lange ausleihen, Freitag um vierzehn Uhr?”, sagte er, als würde er eine Verabredung mit mir verainberen. Bitte? Ich studierte seine markanten Gesichtszüge: der Blick war finster aber auf einer merkwürdigen Weise machte er mir keine Angst. Meine Stimme versagte elendig und mein Hals schmerzte vor Aufregung. Ich nickte erneut, als meine Stimme nicht arbeiten wollte. Dieser junge Mann war ein Mysterium und meine Interesse an Kuroko Tetsuya und Kagami Taiga wurde soeben von einer weiteren Person übertroffen. Der Basketball in der rechten Hand und das vertraute Zeichen auf der Tasche waren wesentlich interessanter, viel interessanter!

*

Mit einem eiskalten Getränk in der rechten Hand und den Basketball in der linken Hand, führte mein Weg nach Schulschluss in das gegenüberliegende Gebäude von Samezu. Das Trainingslager der Mädchen war recht versteckt und schien von außen unmerklich und latent. Die eiserne Metalltür, die jeden Tag immer schwerer wurde, die schäbige Umgebung, die täglich mehr an Müll gewann und zu guter Letzt der Lärm der Fußball Mannschaft, die ihr Training auf dem Platz gegenüber verrichtete. Die Jungs hingegen durften in dem ruhigen Abteil von Samezu ihr tägliches Training ausführen. Die Kühlanlage war nicht zugängig, die Bälle waren teils billig und der Raum war mickrig und eng. Ich musste jeden zweiten Tag meinen Basketball zur Schule tragen, schützen und durfte ihn wieder zurück nach Hause schleifen. Zusätzlich rufen uns die Jungs schwachsinnige Sprüche zu und stellen uns als zierliche und schwache Mädchen dar. Jungs sind wahrlich doof.
Ich schleifte meinen schwachen Körper mit einem Seufzer in den Raum, legte den Basketball und mein Getränk zur Seite, griff mir wie gewohnt einen Onigiri aus der Tasche und entfernte langsam die Folie. Mein Kopf war nach wie vor gesenkt und meine Laune ziemlich miserabel. Erneut verließ ein Seufzer meine Kehle. Ich kriege weder Kuroko, Kagami noch Panther aus meinen Kopf und es machte mich verrückt. Besonders Panther schien Interesse an der Akte S zu pflegen. Möchte er vielleicht mehr über Seirin erfahren oder eventuell eine andere Mannschaft mit dem Buchstaben S? Ein anderes, starkes Team mit S? Ich lief im Kreis und schlug mir leicht auf den Kopf. Kagami Taiga war der Super Star der diesjährigen Generation. Der recht alte Artikel von Kuroko Tetsuya war mit fünf Zeilen versehen und bot weder Informationen noch ausschlaggebende Details. Ich schüttelte den Kopf um meine Gedanken frei zu kriegen und machte einige Übungen.
Ich wagte es mittlerweile meinen Blick aufzuraffen um die ersten Bälle aufzustellen und einige Körbe zu werfen als mein Gesicht wieder an Farbe gewann und meine Augen sich in Entsetzen weiteten. Die ganze Mannschaft war sorgfältig in eine Sequenz aufgestellt und alle zwölf Mitglieder musterten mich amüsiert. Meine Augen fielen von einer grinsenden Sachiko zu einer sorgenvollen Ume und dann zu einem zornigen Coach Akio. Ich rieb mir die Augen als Akio wütend auf mich zu lief und mein Körper reflexartig einen Schritt zurück machte. Die Haare waren zerzaust und sein Gesicht zierte tiefe Augenringe. Er schien gruseliger als sonst. Ich war doch auf die Minute eingetroffen, nicht wahr? Ich verschaffte mir einen flüchtigen Blick auf die Uhr und sie schlug 13:54. Pünktlich! Akio verschränkte die Arme vor die Brust und machte verärgert Halt vor mir. Ich schmollte irritiert und legte ängstlich meine Hände vor die Augen. Er würde mir eine Predigt halten, mich laut anmotzen und anschließend zum nachträglichen Putzen auffordern. Kann mich zwar weder an einen Fehler noch an einen Delikt erinnern aber ein Missgeschick müsste mir verlaufen sein sonst würde Akio mich nicht grimmig ansehen. Ich wartete also auf meine gerechte Strafe aber fühlte eine warme Hand auf meine Schulter. Ich wagte es unsicher die Arme sinken zu lassen. Der Ausdruck von Akio war mittlerweile glücklich und zufrieden und er lächelte sanft. Ich wollte gerade meinen Mund öffnen und unzählige Fragen stellen als die Mädchen gleichzeitig ihre Jacken auszogen. Ich legte den Kopf schief und Akio zupfte sanft mit einem Grinsen an meinen Zopf und anschließend kniff er mir in die glühende Backe. Ich schloss ein Auge und versuchte zu entschlüsseln welchen Schriftzug die neuen Trikots zierten. Sa-me-zu. Ich richtete mich mit ganzer Energie zu Akio und sah ihn mit strahlenden Augen an.
„Eure neuen Trikots sind eingetroffen!”, sagte er ruhig und nickte mir zu. Ich zögerte nicht lange und ging leise auf meine Kameradinnen zu. Die neuen Trikots! Mein Körper erfüllte eine große Menge Adrenalin und meine Finger zitterten vor Aufregung. Sachiko, unser Small Forward und gleichzeitig Kapitän reichte mir mit einem Lächeln meine Uniform entgegen.
„Für den Ace der Mannschaft die glorreiche Nummer 7...”, grinste die Blonde fröhlich.
Ich begutachtete mein Trikot genau – wie unsere Uniform war sie aus vier Farben gemacht. Das Trikot selbst war Schwarz mit der weißen Zahl am Rücken und den roten Akzenten an Schulter und Hosenrand. Das tiefe Blau wurde in den Samezu Schriftzug auf der Brust eingebaut.
„Bereit für das Training, Mädchen?” rief unser Coach in die Runde und legte stark seine Hand auf meinen Rücken. Ich streifte mir mein Trikot gleich über meine Kleidung und nickte eifrig.

*

Ich saß seit gefühlten zehn Stunden auf meinem Bett und starrte auf mein Poster über meinem Schreibtisch und studierte jedes Detail der vertrauten Person gründlich. Ich starrte und starrte und starrte und vergaß zu essen, zu schlafen oder meine Hausaufgaben zu erledigen. Morgen würde der ersehnte Summer Cup starten und mein Körper war seltsamerweise entspannt, zitterte nicht oder sprang durchs Haus. Das Magazin von Ryouta war fest in meiner rechten Hand. Ich würde nach unserem ersten Kampf einen flüchtigen Blick auf die männliche Seirin Mannschaft werfen und Kagami exakt untersuchen und jeder seiner Bewegungen verzeichnen. Der Super Star der neuen Generation nach Teiko hat zweifellos großes Potenzial und starke Fähigkeiten. Kuroko Tetsuya war schmächtig und winzig aber auch er war ein geschlossenes Buch. Meine Gedanken schweiften zum mysteriösen Panther und mein Körper sprang auf – die Akte S! Ich sollte vorgestern die Akte S um zwei Uhr aus der Bibliothek holen! Ich schlug mir mit der Handfläche auf die Stirn und ließ mich genervt auf mein Bett zurück fallen. Es war Sonntag und die Schule eindeutig geschlossen. Ich murrte missmutig und verfluchte mein schwaches Gedächtnis. Das Zeichen der Too High war auf seiner Tasche eingraviert und sein Basketball war unzweideutig von Qualität. Er war Mitglied der männlichen Too Mannschaft. Kein Zweifel. Ich grübelte und setzte mich an meinen Schreibtisch, holte einen Stift und Zettel aus der Tasche und fing an die jeweiligen Mannschaften unter eine Reihe zu stellen. Coach Akio hat mir flüchtig die zehn Frauen Mannschaften der Schulen auf ein Blatt gekritzelt und ihn mir in die Hand gedrückt. Samezu war vertreten, weder Seirin noch Too hat eine weibliche Gruppe, die von Kaijou hat zu wenig Mitglieder, die aus Azabu werden antreten, die Starken aus Shinjuku, Setagaya, Ginza. Ich schaute mit einem Seufzer auf meinen fertigen Zettel und prägte mir die Namen ein.
Ich legte anschließend müde und erschöpft die Stirn auf meinen Arm und gähnte laut.
„Ich werde mir ein Stipendium ergattern und in der WNBA antreten...” Ich murmelte diesen Satz täglich zweimal zu mir selber und verschaffte mir somit meine nötige Motivation. Mein Flüstern war auf mein Poster gerichtet. Die Person sah mit einem Lächeln zu mir runter. Die Augen leuchteten und die Faust war stolz in die Luft geballt. Ich legte sachte meine Hand auf das Gesicht der vertrauten Person und strich mit meinen Fingern sanft über die schwarzen Haare.
Der Summer Cup startet in genau sechszehn Stunden. In sechszehn Stunden wird mein Leben eine ordentliche 180 Grad Drehung machen.
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