Der Tag an dem ich Vater wurde  (kleine One-Shot-Sammlung)

KurzgeschichteFamilie, Fantasy / P12
Harry Potter Lily Potter Severus Snape
18.10.2015
16.12.2018
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Der Frühling des Jahres 1994 war angenehm warm und hatte das bislang schönste Wetter des Jahres, was der Laune des Zaubertrankmeisters sogar so guttat, dass er seine Schüler noch fieser behandelte, als er es normalerweise tat, wobei zügellose Kommentare über Frühlingsgefühle und das Liebesleben seiner Schüler mit inbegriffen waren.
Das dritte Schuljahr von Potter wäre in einigen Monaten vorbei, dem Auserwählten, wie alle ihn immer nannten und Mitglied des sogenannten goldenen Trios, das unter dem schützenden Deckmantel Dumbledores agierte. Gerade jetzt musste der Lehrer auch noch genau diese drei Schüler im Unterricht haben und sich sehr zusammenreißen, um ihnen und ihrem Haus nicht wahl- und grundlos Punkte abzuziehen und sich dann Ärger von Minerva McGonagall einzuheimsen, wobei er zudem seine verrückt spielenden Emotionen darüber verbergen wollte, was er vor nun genau 18 Jahren getan hatte.
Er wandte sich gerade Hermione Granger zu, die sich in einer Partnerarbeit mit Ronald Weasley im Gegensatz zu ihrem Partner mal wieder hervorragend anstellte, als ein lauter Knall ertönte und dafür sorgte, dass ein scharfer, beißender Gestank den gesamten Raum erfüllte und einige Schüler husten und nach Atem ringen ließ.
In dem Versuch, die Ruhe zu bewahren, drehte sich der Tränkemeister um und musterte Neville Longbottom, den Zeigefinger drohend erhoben, den Mund geöffnet, bereit zum Losbrüllen, während eine dicke Rauchwolke ihm langsam die Sicht nahm, ihn husten ließ und er taumelte, als alles vor seinem Blick verschwamm und ihn kurz danach die Schwärze einfing und zu Boden riss.

,,Sevi? Severus? Sev, was ist los mit dir?'', ertönte eine leise und liebliche Stimme, von der er sich seit so vielen Jahren wünschte, sie wieder einmal hören zu dürfen. Nur langsam öffnete der Schwarzhaarige seine Augen und das Erste, was er sah, waren strahlend grüne Augen, deren Blick voller Sorge und unterdrückter Liebe war, weswegen er leicht seine Stirn runzelte, während er sich von ihr aufhelfen ließ. Die Liebe in ihrem Blick war anders, als er es kannte, als er es in letzter Zeit hatte erleben dürfen, es war eine beinahe mütterliche Liebe, die von ihrem gesamten Körper ausgestrahlt wurde, doch er erinnerte sich nicht daran, sie jemals gesehen zu haben, nachdem sie Mutter geworden ist. Oder war er umgekommen und wurde nun von seiner großen Liebe im Himmel begrüßt, dessen Existenz er bislang für unmöglich gehalten hatte?
Er streckte sich vorsichtig und straffte sich, die Schultern etwas erhoben, ehe er einen möglichst festen Blick auf die zierliche, junge Frau richtete, die genauso aussah, wie er sie in Erinnerung hatte.
Aber statt einer agilen, gertenschlanken, jungen Frau, sah er in müde Augen, unwirklich große Brüste und einen Bauch, bei dem man eine leichte Wölbung unter dem Oberteil sehen konnte. Sie trug einfache Muggelkleidung, wohl der Gemütlichkeit wegen, er kannte die Problematik der unbequemen Zaubererkleidung ja selber zu genüge. Sein Blick glitt nun zurück in ihr Gesicht und er bemerkte einen bitteren Zug um ihre Mundwinkel herum, wobei ihre Lippen immer noch so schön weich und rosig aussahen, wie er es von Lily kannte. Wie er sie einmal hatte kennenlernen dürfen. Aus ihrer Kehle drang ein tiefes Grummeln, während sie mit einem ihm mittlerweile gut bekannten, spöttischen Unterton zischte: ,,Starr mich nicht so an Ich weiß, dass ich nach der Schwangerschaft noch etwas unförmig bin''. Severus fragte sich, was sie für eine Schwangerschaft meinte, während er sie unverwandt ansah, denn er rätselte nun herum, ob er sie nicht vielleicht doch nach ihrer Schwangerschaft mit Harry gesehen hatte, bevor sie dank seiner Schuld starb.
Nun fiel sein Blick auf ein kleines Bündel, dass da klein und ruhig, zusammengekugelt auf seinem Bett lag, was ihn daran erinnerte, dass sie sich in seinem Schlafzimmer befanden. Langsam verstand er wirklich nichts mehr von dem, was hier passierte. Entschuldigend sah Lily ihn nun an und trat näher, legte ihre Hände auf seine Schultern und lächelte dann vorsichtig. ,,Ich weiß, dass du James hasst und meine Ehe mit ihm nie akzeptieren wirst. Aber ich möchte dir gerne unseren Sohn vorstellen'', flüsterte sie und betonte das Pronomen auf so eine ungewöhnliche Art und Weise, dass er sie irritiert anblickte, während ihre raue Stimme ihn zu dem Gedanken verleitete, ihr einen Tee machen zu wollen, wie er es immer gemacht hatte, wenn sie sich in den Winterferien eine Erkältung eingefangen hatte. Lily blickte ihn an und er versuchte irgendwie zu analysieren, warum sie ihren Satz auf so eine merkwürdige Art und Weise betont hatte, denn er kannte es von ihr schon lange nicht mehr so. Seit dem Tag, an dem ihm dieses schlimme Wort herausgerutscht war. Ob das vielleicht einfach nur an diesem Kind lag? Diesem dämlichen Kind, dass ihm seine große Liebe von Tag zu Tag immer mehr entfremdete und dem Zaubertranklehrer von Hogwarts irgendwann gegenüber sitzen würde und ihm in jeder Schulstunde zeigen würde, wer ihm Lily weggenommen hatte?
,,Severus, verzeih mir bitte. Ich möchte dir etwas mitteilen. Aber du wirst dich danach nicht mehr daran erinnern dürfen. Es wäre zu gefährlich. Ich weiß nicht viel über diesen Zauber, aber er soll sich in einigen Jahren wieder legen und ich hoffe, dass Voldemort dann endlich besiegt ist und wir alle eine glückliche Zeit haben können. Ich hoffe, dass alles gut wird'', meinte Lily und stellte sich langsam auf ihre Zehenspitzen, während ihre Mimik zwischen Fröhlichkeit, Trauer, Zuneigung und Liebe wechselte, ehe sie sanft ihre Lippen mit seinen versiegelte, woraufhin er seine Augen aufriss und nur langsam den zögerlichen Kuss erwiderte, auch wenn er noch immer nicht wusste, was Lily überhaupt sagen wollte, dass sie ihn gleich wieder vergessen lassen wollte.
Severus sah tief in Lilys Augen und entdeckte eine Mischung verschiedenster Emotionen, entdeckte Tränen in ihren Augenwinkeln und wollte automatisch mehr. Er wollte sie berühren, trösten und fest in seine Arme schließen.
Aber sie hatte diesen Potter und wollte sicher nichts Wichtiges von ihm, den Todesser, der sie auf schlimmste Art und Weise beleidigt hatte. In seinen Gedanken ließ Severus aus, dass die Frau, die er liebte, ihn gerade Atem raubend küsste.
Wenn auch nur irgendein Anderer aus Voldemorts Kreisen wüsste, was er für Lily noch immer empfand, wäre sie in großer Gefahr, es wäre zumindest ihr Tod, wenn nicht auch noch seiner und der ihrer Familie. Dennoch konnte er sich nicht zurückhalten und strich durch ihre Haare, über ihren schmalen Rücken und schloss schließlich langsam und genüsslich seine Augen, während seine Fingerspitzen den Ansatz ihres Pos erreichten. Er liebte sie noch immer über alles.
Doch langsam löste sie sich von ihm und drehte sich um zum Bett, von dem sie das kleine Bündel hochhob und ihm wortlos in seine Arme drückte, mit den Worten, dass er sich den kleinen Jungen namens Harry ansehen solle, weshalb er langsam ein wenig die Decke beiseite schob und das kleine, pausbäckige Gesicht anstarrte, dass außer der Haarfarbe keinerlei Ähnlichkeit mit James Potter hatte. Eine kleine, erstaunlich gerade und spitze Nase, kugelrunde Murmelaugen in diesem rauchigen Apfelgrün, wie es nur Lilys Augen sonst hatten und schmale, blasse Lippen, die er selbst jeden Morgen in seinem eigenen Spiegel beobachten konnte.
Das Baby sah verdammt niedlich aus, so wie es für Babys nun einmal üblich war und dennoch sah es dem Todesser so ähnlich, dem seiner Meinung nach hässlichen Verräter und dabei war doch sein Feind der Vater, der Kerl, welcher ihm Lily weggenommen hatte, obwohl ihm plötzlich einfiel, dass es garnicht so lange her war, dass Lily ihn einmal Abends besucht hatte, vor etwas mehr als neun Monaten, wenn er genau sein wollte und plötzlich erinnerte er sich daran, dass die Beiden eine Nacht miteinander verbracht hatten, eine sehr schöne, leidenschaftliche Nacht.

Nach einigen Momenten der Betrachtung sah Severus wieder nach oben und entdeckte dicke Tränen auf den Wangen der ehemaligen Gryffindorschülerin, die ihre blasse Haut hinabrannen und ihn fast dazu verleiteten, sie in seine Arme zu ziehen und sie fest zu drücken. ,,Ich habe eine Art Vaterschaftstrank brauen können'', murmelte  Lily leise und fuhr dann fort: ,,Er wird aussehen wie James. Ich - ich liebe dich und das habe ich auch schon immer Sevi. Aber es ist gefährlich und wird immer gefährlicher und ich liebe dich jetzt sogar stärker, als wie vor einigen Jahren. Oh Sevi. Es tut mir leid''. Dann wandte sie sich zur Tür des Zimmers, öffnete sie und drehte sich im Herausgehen einmal herum, richtete ihren Zauberstab auf ihn und ihm wurde schwarz vor Augen.

,,Professor? Professor Snape?'', hörte er die aufgeregte und schrille Stimme von Poppy, der Schulkrankenschwester Hogwarts, die sich besorgt über ihn gebeugt hatte und immer wieder Zauber murmelte, um ihn zu untersuchen.
,,Mister Potter, Mister Malfoy, vielen Dank, dass sie ihn gemeinsam hierhergebracht haben'', flüsterte sie zwei jungen Männern zu, die sich außerhalb von Severus Blickfeld befanden, teilweise hinter einem Vorhang verborgen. Suchend glitt sein Blick umher und hing schließlich an Harry Potter fest, während er sich leise ächzend aufrichtete, und sich kurz an diesen Nachmittag erinnerte, als Lily ihn eigentlich zum Tee trinken treffen wollte, um mit ihm zu reden. Der Mittdreißiger schwang nun seine Beine über die Bettkante und stand auf, während er seine Kleidung glattstrich, wobei er etwas knapp unter Potters Kinn entdeckte. Es war ein kleines, dunkles Muttermal, welches anderen Personen eigentlich kaum auffallen dürfte.
Die Hand des Tränkeprofessors wanderte langsam an sein eigenes Kinn, ehe er sich stürmisch von der Bettkante, an der er noch lehnte, abstieß und mit großen, sowie zügigen Schritten die Krankenstation verließ.

Er war Vater.
Lily hatte es ihm damals indirekt mitteilen wollen.
Er war tatsächlich VATER.
Harry Potters Vater.
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