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Aurora und Augustus oder: das Spinnrad

von Katazina
GeschichteFamilie, Fantasy / P12 / Gen
18.10.2015
18.10.2015
1
1.942
 
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18.10.2015 1.942
 
Es waren einmal eine Königin und ein König, die mit großer Güte und Milde über ihr Volk regierten. Bei allen waren sie sehr beliebt und nichts hätte ihre Freude wohl trüben können, nur das sie noch immer -trotz dass sie wirklich sehr liebevoll miteinander umgingen und sich oft sehr nahe kamen- nicht das Glück hatten Eltern, sprich Mutter und Vater zu werden, was ganz besonders die Monarchin immer mehr betrübte...
Eines Tages sprach sie zu ihrem Gemahl: "Liebster, du siehst, dass ich dir bisher keinen Nachwuchs schenken konnte! Deswegen bitte ich dich nimm dir eine Mätresse und zeuge mit ihr ein Kind!" Der Regent jedoch wollte davon nicht wissen und erwiderte empört: "Du bist die Einzige, die ich liebe! Du sollst die Mutter meiner Kinder, meiner Töchter und Söhne werden und keine andere! Und wenn wir bis zu unserem Tode beide ohne Nachkommen bleiben sollten, so wird es wohl schon seinen Grund haben!"
Landesherrin: "Aber irgendwann werden die Leute anfangen darüber zu reden und gewiss werden sie mir die Schuld an der Kinderlosigkeit geben!"
Daraufhin nahm der Adelige ganz behutsam und sehr zärtlich seine Angetraute in seine Arme, begann sanft über ihren Rücken zu streicheln und flüsterte: "Was andere sagen, interessiert mich nicht! Viele sind geneigt -wenn der Kindersegen ausbleibt- die Schuld beim Weib zu suchen, doch gehören dazu immer zwei! Der Grund, dass ich dir noch nicht helfen konnte Mutter zu werden, kann genauso gut bei mir liegen!"
Das tröstete die Königin ein wenig und sie antwortete: "Ja, vielleicht hast du Recht!"
Herrscher: "Auf jeden Fall muss es nicht unbedingt dein Fehler sein!"
Um seine Ehefrau und Liebste von ihrem Kummer abzulenken, kam ihm eine Idee: "Was hältst du davon, wenn wir einen warmen Kamillentee trinken sowie ein warmes Bad nehmen würden?"
Königin: "Das ist ein guter Einfall!"
Und so ließen die hohen Herrschaften sich von einer Zofe einen Tee mit Kamille kochen, sowie in der Badestube heißes Wasser einlassen. Sie leerten die Tassen mit dem Heißgetränk und stiegen gemeinsam in die Wanne, genossen die wohltuende Wärme, die sie umgab und entspannten sich. Dann bekamen sie richtig Lust aufeinander, was dazu führte, dass sie sich sehr nahe kamen...
Ein paar Wochen später bemerkte die Monarchin einige Veränderungen bei sich. So kam es immer wieder vor, dass ihr morgens übel war und sie sich übergeben musste, sie hatte Stimmungsschwankungen und ihr Blutung blieb aus. Als der König es mitbekam meinte er nur zu ihr: "Ich denke, dass wir uns nur noch etwas gedulden müssen, bis uns das Glück Eltern zu werden beschert wird!" Und voller Freude nahm er sie in den Arm.
"Ja, endlich scheint es auch mal bei uns geklappt zu haben!" freute sich die Regentin, was ihr vom Leibarzt am Hofe auch bestätigt wurde.
Nach Ablauf von zehn Mondmonaten war es dann soweit: die Königin lag in den Wehen und brachte ein Zwillingspärchen eine Tochter und einen Sohn zur Welt! Groß war die Freude im ganzen Reich! "Endlich ist auch unserem Herrscherpaar das Glück beschert worden, dass sie Eltern geworden sind!" sprachen die Leute. "Wer von den beiden Babys wohl später mal über das Gebiet regieren wird?" Diese Frage war durchaus berechtigt, denn trotz dass es damals noch in vielen Reichen von Monarchen üblich war, dass der erstgeborene Sohn die Krone erbte, so war es in jenem Land so, dass das erstgeborene Kind später einmal das Sagen hatte und zwar unabhängig seines Geschlechtes! Dieses Gesetz hatte der König gleich als erstes -kaum dass er an die Regierung gekommen war- erlassen, da er es nicht gut fand, dass Menschen -nur aufgrund ihres Geschlechtes- benachteiligt wurden und es ist wohl überflüssig zu sagen, dass seine Braut ebenso viel zu melden hatte wie er...
Die Königskinder -Aurora und Augustus genannt- wuchsen heran und wurden in vielen Dingen gemeinsam unterrichtet. Aurora lernte sowohl die Dinge, die typisch für ein Mädchen damals waren, als auch jene Sachen, die für Jungen üblich sind und für ihren Bruder Augustus galt das Gleich. "Es soll sich keiner von beiden in irgendeiner Hinsicht benachteiligt fühlen!" sprach ihr Papa und ihre Mama nickte.
Eines Tages entdeckte Augustus, als er durch das Schloss tobte, einen abgesperrten Bereich, was seine Neugier weckte. Er fragte seine Mutter, was es mit diesem Teil des Palastes auf sich hatte: "Mutter, warum gibt es hier in der Burg einen abgesperrten Bereich?" "Nun, es dient zu euer Sicherheit! Ich möchte dich bitten, nicht weiter nachzufragen! Bleib einfach dem Teil des Gebäudes fern, ja?" Und damit war für die Königin und Mama das Thema erledigt. Doch wuchs die Neugier des Jungen von Tag zu Tag, so dass schließlich seine Schwester es bemerkte und so sprach das Mädchen seinen Bruder darauf an: "Augustus, was ist mit dir los? Du machst den Eindruck, als wärst du irgendeinem Geheimnis auf der Spur!"
Augustus: "Nun ja, Schwesterherz! Wie du sicherlich weißt, gibt es da einen verborgenen Teil hier in unserem Zuhause!"
Aurora: "Du meinst diesen abgesperrten Bereich? Ja, und?"
Augustus: "Ich habe unsere Frau Mama schon danach gefragt, doch kam von ihr keine befriedigende Antwort, nur das es zur unserer Sicherheit dient und dass ich dem Teil des Hauses fernbleiben sowie nicht weiter darüber nachfragen soll!"
Aurora: "Das ist keine Antwort! Mutter hätte dir ruhig die Wahrheit erzählen können!"
Augustus: "Das finde ich auch und ich denke, dass ich heute Nacht mal nachsehen werde, was es da für ein Geheimnis zu erkunden gibt! Kommst du mit?"
Aurora: "Na klar, ich bin dabei!"
Augustus: "Also dann, um Mitternacht?"
Aurora: "Punkt Null Uhr, wenn der alte Tag vergangen und der neue anfängt!"
Und so machten sich die beiden Geschwister Aurora und Augustus- jeder mit jeweils einer großen Kerze, als Lichtquelle in einer Hand- um Mitternacht auf, um den abgesperrten Bereich des Schlosses zu erkunden. Nachdem sie unter der Absperrung durchgekrochen waren, schritten sie den Gang voran, bis sie zu einer kleinen Tür kamen, die -wie sie feststellen mussten- jedoch abgeschlossen war.
Augustus: "Zugesperrt! Und was machen wir jetzt?"
Aurora: "Warte mal, vielleicht bekomme ich das Türschloss ja mit meiner Haarnadel auf!?"
Mit diesen Worten reichte das Mädchen seinem Bruder ihre Kerze zog eine der Haarspangen aus seinem natürlichem Kopfschmuck und steckte diese in das Schloss der Tür. Tatsächlich erwies sich diese Handlung als sehr erfolgreich, so dass sie die Tür schließlich öffnen und ihren Weg fortsetzen konnten. Hinter der Tür setzte sich der Gang fort, bis sie wieder an eine Tür gelangten. Auch diese ließ sich mithilfe der Zubehörs für Frisuren öffnen und dann ging es weiter den Korridor entlang, bis zu einer dritten Tür. Hinter dieser befand sich eine kleine Kammer in der sich -wie die beiden im Schein ihrer Kerzen erkennen konnten- ein großes Spinnrad. Doch schien der Vollmond so hell durch das Fenster, dass sie auch gut auf die Kerzen nun hätten verzichten könnten! Um keinen Brand zu riskieren bliesen sie daher die kleinen offenen Feuer auch aus. Aurora und ihr Zwillingsbruder Augustus konnten es nicht glauben: "Ein Spinnrad? Was ist denn daran so gefährlich?" fragten sich die beiden verwundert und sahen sich um. Im Zimmer lag zudem noch eine ganze Menge an Rohmaterial, sprich Flachs, der gesponnen werden wollte und da der volle Mond für genügend Helligkeit im Raum suchte, sprach Augustus: "Aurora, lässt du mir bitte den Vortritt?"
Aurora: "Gerne, lieber Bruder!"
Und so setzte sich der junge Prinz daran und seine Schwester reichte ihm Flachs, so dass er zu spinnen anfangen konnte. Das ging für einige Zeit ganz gut und viele Spulen wurden voll, bis sich Augustus mit der Spindel in den Finger stach.
"Aua!" sagte er noch, bevor beide sehr müde wurden, niedersanken und einschliefen. Da es jedoch eh Nacht war, wachte am nächsten Morgen im Schloss und auch im ganzen Reich keiner mehr auf. Ganz gleich ob Frau oder Mann, Mädchen oder Bub, junge oder alte, arme oder wohlbetuchte Leute, alle schlummerten einfach weiter. Doch nicht nur mit den Menschen, nein auch den Tieren erging es nicht anders, alle schliefen ein. Nur die Pflanzen blieben noch aktiv, sie wuchsen wie sie wollten. An den Grenzen des Landes jedoch begann eine Hecke mit Stacheln zu wachsen, die innerhalb kürzester Zeit immer dichter wurde, bis schließlich niemand mehr in das Gebiet hineinkonnte.
So schliefen sie alle und die Jahre vergingen. Etwas Gutes hatte das Ganze jedoch für alle Betroffenen: während sie schlummerten, alterten sie nicht!
Es schien, als würden sie bis in alle Ewigkeit weiterschlafen, wenn Aurora und Augustus nicht angefangen hätten sich gegen ihren Zustand zu wehren und so schafften sie es eines Tages oder besser gesagt eines Nachts wieder aufzuwachen! Wieder war es Punkt Mitternacht und wieder schien der Vollmond! Und -obgleich sie ihre Kerzen damals ausgeputzt hatten, so brannten und leuchteten diese wieder.
Augustus: "Schwesterherz! Was habe ich nur getan?"
Aurora: "Nicht du bist dafür alleine verantwortlich was geschehen ist, ich haben ebenso meinen Teil dazu geleistet, lieber Bruder!"
Die jungen Leute verließen die kleine Kammer, schlossen die Tür, gingen den Gang zurück und verschlossen auch die anderen beiden Türen wieder, anschließend krochen sie wieder unter der Absperrung durch.
Aurora: "Puh, was für ein Abenteuer, Augustus!"
Augustus: "Du sagst es, Aurora!"
Als die Sonne dann am nächsten Morgen bei Tagesanbruch ihre ersten rötlichen Strahlen über die Berge schickte, erwachten sie alle wieder, die geschlafen hatten. Es dauerte auch gar nicht so lange, bis der König und Königin über den Zustand ihres Reiches sowie darüber informiert wurden, was an den Grenzen los war. Sofort war ihnen klar, was passiert war! Streng sprach die Mutter zu Augustus: "Du hast meinem Wort nicht gehorcht!"
Augustus: "Ja, das habe ich!"
Aurora: "Mama, ich bin genauso an der Sache beteiligt gewesen!"
Mutter: "Du also auch, meine Tochter? Nun, dann werde ich wohl mit eurem Vater darüber reden müssen!"
Und so geschah es. Der König fand es gar nicht so gut, dass die Geschwister ungehorsam waren, konnte es aber auch gut verstehen, dass sie neugierig und der Sache nachgegangen waren. "Ich denke, dass sie mithelfen sollten, im Reich alles wieder in Ordnung zu bringen!" meinte er. Seine Gattin und Mutter seiner Sprösslinge war damit einverstanden und so geschah es. Nur die Stachelhecken an den Grenzen blieben vorerst als Schutz vor Feinden. "Liebster, was machen wir damit? Zwar halten diese Gewächse uns Gegner vom Hals, doch auch Handelsleute und andere, die in unser Land reisen wollen!" "Keine Sorge, da wird uns schon was einfallen!" erwiderte der Edelmann. Doch zunächst wollten sie sich um das Spinnrad kümmern und so füllten sie etwas Weihwasser aus einem kleinen Becken aus einer Kapelle in eine Feldflasche und gingen durch die Gänge öffneten die drei Türen und kamen so in die Kammer, dort wo das Spinnrad stand. Dies besprengten sie mit dem geweihten Wasser, so dass es von einem verfluchten Spinnrad ein normales Handwerkszeug zum Spinnen von Flachs wurde. Nun konnte man damit arbeiten, ohne dass es gleich irgendwelche Auswirkungen auf alle Menschen und Tiere in der Region hatte, wenn der- oder diejenige die daran arbeitete sich mal verletzte.
Die Hecke mit den Stacheln umgrenzt es bis heute, doch gibt es sogenannte Mauthäuschen, Grenzpunkte, dort wo große Öffnungen sich auftaten, nachdem der "Fluch" von dem Spinnrad genommen worden war und durch die man bis zum heutigen Tage in das kleine Reich gelangt...
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