Tanz mit dem Tod

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18
Emmy Altava Hershel Layton OC (Own Character)
17.10.2015
14.02.2016
3
6976
1
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
Ein kalter Wind fegte durch die Straßen Londons, zerrte an Bäumen, ließ Fenster klappern. Das Schreien von Katzen und das Rascheln der Sträucher um mich herum ließen mich zunehmend unruhig werden. Schnee wurde an den Straßenkanten aufgewirbelt, flog mir ins Gesicht, fand irgendwie den Weg durch meinen Schal und hinterließ Gänsehaut auf meinem Hals. Hektisch schloss ich meine Haustür auf und betrat den langen Hausflur. Warme, angenehme Wärme und der Geruch von Zimt, gepaart mit Mandarinen und Keksen strömten mir entgegen. Sofort ließ ich meine Tasche achtlos fallen und zog meinen dicken Mantel aus. Meinen Schal, meine Mütze und meine Handschuhe ließ ich in dem großem braunem Eichen Regal verschwinden, ebenso meine Winterstiefel. Dann schlich ich auf leisen Socken in das Wohnzimmer, aus welchem diese Weihnachtsdüfte kamen und musste anfangen zu lächeln, trotz der Tatsache, dass meine Wangen vor Kälte brannten und meine Fingerkuppen immer noch schmerzten. Hershel stand in der Mitte des Raumes, eine Flasche Wein in der einen und zwei Gläser in der anderen Hand. Jetzt lächelte ich wahrscheinlich noch dämlicher und wedelte mit dem Umschlag in meiner rechten Hand herum. Hershel zog nur fragend eine Augenbraue hoch. „Rate mal, wer für den Rest des Jahres Frei hat?“. Der Mann mir gegenüber lächelte nun auch breit und ließ dabei ein paar strahlend weiße Zähne sehen. Oh man, sah das heiß aus. Ich verkniff mir ein Grinsen und war mit zwei schnellen Schritten bei ihm. „Du sagst ja gar nichts“, schmollte ich gespielt beleidigt und zog eine Schnute. Hershel war nie ein Mann der großen Worte gewesen. So auch nicht an diesem Tag. Doch etwas war anders. Mir fiel es in diesem Moment nur nicht auf, dass etwas los war. Hätte ich es mitbekommen, wäre wahrscheinlich alles anders gelaufen.
Er lächelte mich nur wieder an und deutete dann auf die Sachen in seinen Händen. „Feiern wir das mit einem Glas Wein?“, fragte er und stellte die Flasche auf dem Sofatisch ab. Ich nickte glücklich. „Ich mach uns nur noch eben etwas zu knabbern“. Ich war im Inbegriff zur Küche zu gehen, als Hershel mach sanft am Arm festhielt. Auf meinen leicht irritierten Gesichtsausdruck hin stand er nur schweigend auf und verschwand, statt mir, in der Küche. Kurz hörte ich Teller klappern und roch Schokolade. Hershel kehrte mit einem Teller voll kleiner Kuchen zurück und ich grinste verzückt. „Ich dachte, ich überrasche dich“. Er stellte auch den Teller auf den Tisch und gesellte sich dann wieder zu mir, da ich immer noch mitten im Raum stand. Liebevoll legte ich meine Arme um seinen Nacken und zog ihn ein wenig zu mir herunter. „Überraschung geglückt“, flüsterte ich dann lächelnd und küsste ihn. Und hörte auch vorerst nicht mehr damit auf, bis Hershel mich sanft von sich wegschob. „Kate, dafür haben wir später auch noch Zeit“, sagte er zärtlich und strich mir eine Haarsträhne meiner schwarzen Haare hinter mein Ohr. Ich konnte nicht umhin als zu lächeln und angesichts der Zweideutigkeit leicht zu erröten. Dann nickte ich leicht und ließ mich von ihm auf das Sofa führen.


Die Nacht war noch jung, die Weinflasche halb voll und die Kuchen fast alle weg, als wir küssend auf dem Sofa lagen und uns immer wieder irgendwelche kitschigen Sachen zuflüsterten. Ich schätzte, zum Teil war der Alkohol daran Schuld, zum anderem aber auch die Tatsache, dass Hershel und ich nicht wirklich Zeit für diese Art von Zärtlichkeiten gefunden hatten. Dies lag größtenteils daran, dass uns unsere Arbeit zu sehr eingenommen hatte.
Ich war Anfang 30, wenige Jahre jünger als Hershel und arbeitete als Professorin an der Universität in London. Ich hatte mich auf Jura spezialisiert und unterrichtete dieses Fach mit Freude. Nur leider kam ich deshalb meist völlig entkräftet nach Hause und konzentrierte mich dann nur noch darauf, meinen Unterricht für die kommenden Stunden vorzubereiten. Bei Hershel war es ungefähr genauso. Auch er Arbeitete als Professor an der Universität, hatte somit das gleiche Pensum wie ich. Nur ihn schien das alles nicht so zu schaden. Mochte vielleicht auch daran liegen, dass er sehr oft auf gefährlichen Reisen oder Aufträgen war, wenn er wieder einen Fall zu lösen hatte. Erst letztens hatte er eine Zeitmaschine benutzen müssen, um den Premiere Minister zu retten. Es hatte Monate gedauert, bis er wieder zurück kam. Allerdings mir völlig fremd. Ich wusste sofort, dass etwas passiert war und fragte ihn das auch, kaum dass er wieder da war.
Also begann er zu erzählen. Von ihr. Von ihnen. Von Clair Foley. Die Frau, die er einst geliebt hatte. Die Frau, die eines tragischen Todes gestorben war. Er erzählte von ihr, während er versuchte die Fassung zu bewahren.
Er endete mit einem leisem Schlucken und sah mich nur entschuldigend an. Zuerst tat es leicht weh, auf einmal von einer Frau zu hören, welche er einst sehr geliebt hatte. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich Verständnis für ihn. Hatte Verständnis für den Mann, den ich liebte. Ich hatte ihn darauf nur angelächelt und gemeint, dass ich ihm dankbar für seine Ehrlichkeit war.
Er öffnete sich nur selten Menschen richtig, ließ sie nicht ganz an sich heran. Auch mir war es Anfangs merkwürdig vorgekommen, hatte mich mit der Zeit dann aber daran gewöhnt. Hauptsache war, dass er hier war. Bei mir.
Ich musste lächeln und fing darauf hin unkontrollierbar an zu weinen. Einfach so, ohne den Gedanken an etwas trauriges. Ich ließ mir zuerst nichts anmerken und erwiderte den Kuss, welchen Hershel wieder begann. Als ich plötzlich aufschluchzte und meine Hände in seinen braunen Haaren vergrub, ließ er von mir ab und sah mich zuerst fragend und dann wissend an. „Schon gut“, flüsterte er beruhigend, strich mir meine Tränen aus dem Gesicht. Ich hatte diese Stimmungsschwankungen öfters, wusste nicht woher sie kamen. Wie eine ertrinkende krallte ich mich in Hershels Hemd fest und weinte stumm vor mir her. Ohne Protest ließ ich mich von ihm hochziehen, so dass ich an seiner Brust lehnte und mich immer noch an ihm festkrallte. Hershel fuhr in sanften Kreisen über meinen Körper und hauchte mir immer wieder Küssen auf meinen Scheitel, während er mich an sich drückte. Nach einiger Zeit wurde ich wieder ruhig, lauschte seinem regelmäßigem Herzschlag, seinem gleichmäßigem Atem. Ich wurde müde, schloss leicht die Augen. Ich bekam mit, wie Hershel vorsichtig seinen Arm unter meine Kniekehle schob und aufstand. Er trug mich die Treppe hoch in unser Schlafzimmer, legte mich vorsichtig auf dem Bett ab und breitete die Decke über mir aus. Dann küsste er meine Stirn noch einmal und verließ das Zimmer.
Ich bekam später mit, wie die Tür aufging und dann leise wieder geschlossen wurde. Das Licht wurde auf die niedrigste Stufe gedimmt, eine Schranktür geöffnet. Die Matratze senkte sich hinter mir, um mich wurde eine Arm gelegt. Dann wurde ich leicht an eine Brust gezogen und musste müde lächeln. Nach kurzer Zeit schon hatte mich die Wärme vollkommen eingelullt und Hershels gleichmäßiger, tiefer Atem ließ mich zunehmend schläfrig werden. „Ich liebe dich“, flüsterte ich noch, ehe ich einschlief.
Review schreiben