Of Scrolls & Legends

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Angus - Mystischer Ritter der Erde Deirdre - Mystischer Ritter der Luft Garrett - Mystischer Ritter des Waldes Ivar - Mystischer Ritter des Wassers König Conchobar Rohan - Mystischer Ritter des Feuers
16.10.2015
25.05.2016
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69.009
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Dieses Kapitel
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16.10.2015 3.185
 
Vorwort:
Erst mal vorab danke an alle, die diese FanFiction lesen werden, ich hoffe auf reichlich Reviews :-)
Dies ist meine erste Mystic Knights Fanfiction und ich hoffe sie gefällt euch.
Da es sich um eine Fortsetzungsgeschichte handelt, wird es ab und an neue Kapitel geben.
In welchen Abständen ich diese online stellen werde, kann ich noch nicht sagen,
ich habe schließlich noch Haushalt und Beruf im Real Life.
Auch bin ich mir noch nicht sicher, in welche Richtung die Story geht, daher bin ich genauso gespannt,
wie ihr, wie sie weiter gehen wird ^^
Viel Spaß beim Lesen!

Du bist verstoßen aus der Welt, du bist auf dich allein gestellt!
Die Waldluft hüllt dich tröstend ein, sie scheint dir Freund und Schutz zu sein.
Du hast den Kampf noch nicht verlor’n, du kommst zurück, hast du geschwor’n!
Und wenn die Hexe wiederkehrt, dann bleibt kein Richter unversehrt!


Viele Jahre befanden sich die beiden Königreiche Kells und Temra im Krieg gegeneinander. Viele Jahre voll Angst, blutiger Kämpfe und Verlusten. Doch diese dunklen Zeiten sollten nun vorüber sein. Für mindestens einhundert Generationen. So besagte es die Legende. Kells hatte gesiegt und Königin Maeve wurde verbannt. Draganta’s Schicksal hatte sich erfüllt.

Die Freude über den Sieg war überall spürbar. In Kells sowie auch in Temra und natürlich Tir na nog, das Land der kleinen Leute. Die Bewohner von Kells bereiteten alles für das morgige Fest vor, dass im Schloss - und selbstverständlich auch in den umliegenden Dörfern – gefeiert werden sollte zu Ehren der Mystischen Ritter und um dem Sieg zu feiern. Auch die Bewohner von Temra feierten bereits ausgelassen, wurden sie doch nun endlich von der Schreckensherrschaft Maeve’s befreit. Dadurch, dass Maeve nur noch darauf fixiert war, Kells zu erobern, hat sie ihre eigenen Untertanen vollkommen vernachlässigt. Hungersnot und Elend waren die Folge. Doch nun, da ihre Königin verbannt wurde, konnte es nur noch bergauf gehen. Auch wenn die Bewohner Temra’s noch nicht wussten, wer ihr neuer Herrscher werden würde.

In Tir na nog hingegen wurde am eigentlichen Tag des Sieges viel gefeiert. Musik spielte, es floss reichlich Nektar und sie tanzten als gäbe es kein Morgen. Zumindest für ein paar Stunden. Denn schon kurz nachdem Maeve von Pyren in ihr Exil gebracht wurde, brach König Fin Varra zusammen und wurde von einer Vision heimgesucht. Eine neue Bedrohung lauerte Kells. Er musste sofort nach den Mystischen Rittern schicken lassen.

*****


Unterdessen gingen die bevorstehenden Feierlichkeiten auch an den Mystischen Rittern und König Conchobar nicht spurlos vorbei. Auch sie waren alle guter Laune und freuten sich auf das Fest – sagen wir lieber mal fast alle.
Rohan – dem der Sieg schlussendlich zu verdanken war – schien sich zwar äußerlich genauso wie seine Freunde zu freuen, aber innerlich fühlte er sich zerrissen. Zum einen liebte er seine Heimat Kells, seine Freunde und sein Leben als mystischer Ritter doch andererseits machten sich immer mehr Zweifel in ihm breit, ob dieses Leben das richtige für ihn sei. Schließlich war er Maeves Sohn, wie konnte man jemandem trauen in dessen Adern das Blut des personifizierten Bösen floss? Selbstverständlich hatte er rein gar nichts mit Maeve gemeinsam aber die Furcht, etwas von ihren Eigenschaften könnte eines Tages auch bei ihm durchdringen, die blieb.
Noch dazu kamen da einige ungeklärte Fragen: Warum hat sie ihn und Lugad überhaupt weg gegeben? Warum Lugad zu Nemain und ihn nach Kells? Und vor allem: Wer war sein Vater? Diese Fragen quälten Rohan seit dem Zeitpunkt, an dem er erfahren hatte dass Lugad sein Halbbruder und Maeve seine Mutter war. Ob er wohl jemals Antworten darauf bekommen würde? Er wusste es nicht.
Vermutlich wäre es das Beste, er würde die Insel für eine Weile verlassen und sich auf die Suche nach seinen Wurzeln begeben. Nun, da Frieden herrschte, käme Kells bestimmt gut ohne ihn zurecht.
Rohan seufzte schwer und legte seinen Kopf in seine Hände. Er saß allein in seiner Hütte, Angus befand sich im Moment im Schloss. Wahrscheinlich war er gerade damit beschäftigt das große Fest vorzubereiten, so wie alle anderen. Oder er startete erneut den kläglichen Versuch einer der Zofen den Hof zu machen. Ein kurzes Lächeln huschte über die Lippen des Ritters. Angus war sein bester Freund seit er denken konnte. Immer brachte er ihn zum Lachen. Was aber noch wichtiger war: Er wusste stets was in seinem besten Freund vorging. Sicher würde er es am Besten verstehen, wenn Rohan sich aufmachen würde um Antworten auf seine Fragen zu finden.
Gedankenverloren starrte er auf den dunklen Holztisch vor sich. Trotz allem. Angus würde sicher nicht gerade erfreut darüber sein, wenn sein bester Freund für eine ganze Weile verschwinden würde. Doch Rohan war sich sicher: er hatte keine andere Wahl. Er musste es wissen. Nur so würde er sein Schicksal besser verstehen lernen.
„Ist alles in Ordnung mit dir?“, eine zarte, besorgte Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Diese Stimme war ihm nur allzu vertraut. Doch seit Maeve verbannt wurde, hatte er sie nicht mehr gehört. Verständlich, denn im Schloss ging es seit diesem Zeitpunkt ziemlich rund. Schon allein wegen den Vorbereitungen für das Fest.
Rohan hob seinen Kopf in Richtung des Eingangs der Hütte. Da stand sie, nicht in ihren üblichen Kampfklamotten, nein, sie trug das wunderschöne blaue Kleid, das sie sonst nur im Schloss an hatte. Ein seltsamer Anblick, sie außerhalb des Schlosses in einem Kleid zu sehen. Der Kampf war vorüber, vermutlich wurde sie nun von König Conchobar angehalten sich auch außerhalb der alten Gemäuer als Prinzessin zu repräsentieren. „Deirdra... nein es ist alles in bester Ordnung. Was führt dich zu mir?“, sagte er lächelnd und deutete ihr sich zu ihm zu setzen. Ein wohlig warmes Gefühl machte sich in ihm breit, so wie jedes mal wenn er in der Nähe der Prinzessin war.
Deirdra schüttelte den Kopf. „Ich habe keine Zeit, Rohan...“ Sie hielt kurz inne und sah sich um. Etwas stimmte hier nicht aber sie hatte einfach keine Zeit um näher darauf einzugehen. „Ich dachte nur weil wir dich seit Tagen nicht im Schloss gesehen haben...“, wieder hielt sie inne und räusperte sich. Dann lächelte sie. „Mein Vater schickt nach dir, er möchte uns alle unverzüglich im Schloss sehen. Heute noch.“
Das klang ernst. Wenn der König sie alle sehen wollte, das hatte meist gravierende Gründe. Vielleicht machte er sich aber auch nur unnötig verrückt. „Dann sollten wir zu ihm gehen.“, antwortete der mystische Ritter und erhob sich. Deirdra wandte sich zur Tür und trat hinaus, Rohan folgte ihr.

*****


Auf dem Weg zum Schloss sprachen die beiden kein Wort miteinander. Still und leise gingen sie nebeneinander her. Ab und zu beobachtete Rohan die Prinzessin aus den Augenwinkeln. Wie schön sie doch war. Schon lange hatte er tiefere Gefühle für die Prinzessin von Kells als nur reine Freundschaft. Angus wusste davon. Vermutlich ahnte es auch Garrett. Ja vielleicht sogar Ivar. Gab es doch ein paar Momente in denen er seine Gefühle nicht wirklich gut verbergen konnte. Nur Deirdra gegenüber schaffte er es bisher immer recht gut. Immer wieder versuchte er sich selbst verständlich zu machen, dass diese Gefühle für eine – noch dazu – bereits versprochene Prinzessin keinen Bestand haben würden. Dass Deirdra selbst ihn nur für ein „Jüngelchen“ hielt, hatte sie ihm bereits vor Jahren klar gemacht. Natürlich hatte sich in dieser Zeit viel verändert und sie waren gute Freunde geworden aber trotzdem. Sie war eine Prinzessin, die zukünftige Königin von Kells. Und er war nur ein mystischer Ritter der aus ärmlichen Verhältnissen stammte. Wieder kam ihm Maeve in den Sinn, doch bevor er diesen Gedanken weiter vertiefen konnte, riss ihn erneut Deirdra's Stimme aus seinen Gedanken. „Ivar und Garrett verlassen Kells nach den Feierlichkeiten für eine Weile.“
Rohan blickte zu ihr auf. „Wirklich? Doch so schnell?“ Es war abzusehen, dass die beiden in ihre Königreiche zurückkehren würden. Waren sie doch schon so lange Zeit fort von zuhause. „Ja. Ivar wird voraussichtlich erst mal in seinem Königreich bleiben. Natürlich kehrt er sofort zu uns zurück, sollten wir seine Dienste benötigen. Und Garrett...“ sie seufzte. „Das wird sich zeigen.“
Wird sich zeigen? Also war das Thema Hochzeit anscheinend doch noch nicht ganz vom Tisch. Sie erreichten das Schloss von Kells.

*****


Die Stimmung im Schlosshof und auch in den Räumlichkeiten war ausgelassen und fröhlich, ganz genauso, wie Rohan es vermutet hatte. Im Thronsaal wurden sie schon bereits von Angus, Ivar, Garrett und König Conchobar erwartet. Die drei Ritter saßen zusammen an der hölzernen Tafel, der König stand vor seinem Thron und neben ihm Cathbad. Deirdra trat an die Seite ihres Vaters, die mystischen Ritter erhoben sich und Rohan gesellte sich ebenfalls zu ihnen. Angus grinste an ihm vorbei in Richtung einer der Zofen und winkte ihr. Diese rollte nur mit den Augen und verließ schnellen Schrittes den Thronsaal. Rohan lächelte. Typisch Angus.
„Es freut mich, dass ihr alle hier seit. Wie ihr wisst, steht uns morgen ein großes Fest bevor. Die Siegesfeier zu euren Ehren.“, fing der König an. „Ich würde diese Feierlichkeit gerne dazu nutzen, noch ein paar Veränderungen bekannt zu geben.“ Der König sah lächelnd zur Seite, auf seine Tochter hinab. „Ich habe bereits Nachricht von Garrett's Vater erhalten. Wenn  dem nichts entgegensteht, werden Deirdra und Garrett nächsten Monat vermählt.“
Rohan schluckte. Also doch. Er hatte es bereits geahnt. Mit geballten Fäusten stand er neben seinen Freunden, sagte jedoch nichts. Auch Garrett schien es die Sprache verschlagen zu haben. Lediglich Deirdra fand schnell ihre Stimme wieder. „Aber Vater....“, fing sie an, wurde jedoch sogleich von ihrem Vater unterbrochen. „Nicht jetzt, Deirdra. Wir unterhalten uns später darüber.“
Deirdra wirkte nicht sonderlich glücklich darüber. Etwas benommen ließ sie sich auf ihren Stuhl sinken und stierte zu Boden. Obwohl sie und Garrett mittlerweile Freunde geworden sind, konnte sie sich scheinbar weiterhin nicht mit einer Ehe mit ihm arrangieren zu können. Angus stieß Rohan in die Seite. „Diesmal scheinen beide nicht vor Freude aus dem Häuschen zu sein.“, flüsterte er seinem Freund zu. Rohan's Blick fiel auf Garrett. Angus hatte recht. Letztes mal grinste Garrett noch siegessicher vor sich hin, doch diesmal betrachtete er nur mit besorgter Miene die Prinzessin.
„Nun zu meinem nächsten Anliegen. Ich habe mir die politische und gesellschaftliche Situation Temra’s in den letzten Tagen genau angesehen und muss sagen, das Volk braucht einen neuen König. Ich bin nicht in der Lage mich um beide Königreiche zu kümmern. Rohan...“ Mit einem mal zuckte der Ritter zusammen und sah zu seinem König auf, bevor dieser fortfuhr. „Du bist Maeve’s Sohn. So schwer die Situation für dich auch sein mag aber du hättest ein Anrecht auf den Thron. Bevor du dich weigerst, bitte ich dich, denk eine Nacht darüber nach. Es gibt keinen, der sich besser für diese Aufgabe eignen würde und unsere beiden Völker wären sicher mehr als erfreut darüber. Draganta auf Temra’s Thron würde ihnen nur noch mehr Sicherheit geben.“
Rohan schluckte schwer. Er als König? An so eine Option hatte er bisher noch nie auch nur im Traum gedacht. Zumal das seine Pläne, Kells erst mal für eine Reise zu verlassen, auf einen Schlag zu Nichte machen würde. „Mein König....“, setzte er an, doch Conchobar hob seine Hand und hielt ihn an zu Schweigen. „Ich sagte doch, du sollst mir jetzt nicht widersprechen und erst einmal in Ruhe darüber nachdenken. Nun geht, wir sehen uns morgen bei den Feierlichkeiten.“
Angus, Ivar und Cathbad nickten dem König zu. „Komm, mein alter.“, sagte Angus und zog Rohan mit sich.

*****


Ihr Weg führte die drei Ritter und den Druiden in dessen Kammer. Cathbad schloss die Tür hinter sich. „Rohan, ich weiß was du denkst.“, fing er an. Rohan wandte sich wütend zu dem Druiden um. „Ach ja? Ihr wisst wie es ist innerhalb eines Monats herauszufinden mit wem man Verwandt ist, seine eigene Mutter besiegen zu müssen und dann auch noch ihren Thron für sich beanspruchen zu müssen?“ Wütend fuhr sich der Ritter durch die Haare. Das war einfach zu viel Information für einen Tag. Während der Druide versuchte, beruhigend auf Rohan einzureden und ihm des Königs Standpunkt zu verdeutlichen, hatte Angus sich zu dem kleinen Fenster zurückgezogen, durch das man den Thronsaal beobachten konnte.
Deirdra stand neben ihrem Vater, Garrett saß an der Tafel. „Vater du kennst meinen Standpunkt, ich will nicht heiraten. Nicht aus diplomatischen Gründen.“, hörte Angus Deirdra sagen. „Meine Tochter, diese Hochzeit war bereits arrangiert als ihr beide kaum auf der Welt wart. Aus Gründen der Allianz zu Rhegget ist diese Heirat nicht mehr nötig, das weißt du. Aber ich werde den König nicht durch ein brechen meines Versprechens kränken. Hast du Garrett denn nun nicht bereits besser kennen- und schätzen gelernt?“ Garrett räusperte sich, bevor Deirdra antworten konnte. „Verzeiht mir mein König, aber ich denke dies ist eine Angelegenheit die ihr unter vier Augen besprechen solltet.“ Conchobar nickte Garrett zu und dieser verließ sogleich den Thronsaal. Der König wandte sich nun wieder seiner Tochter zu. „Nun?“, fragte er nach. Deirdra schüttelte den Kopf. „Natürlich schätze ich Garrett sehr und er wurde in den letzten Monaten mehr und mehr zu einem lieben Freund aber ich habe keinerlei romantische Gefühle für ihn.“ „Meinst du nicht du könnest lernen ihn zu lieben?“
Eine Frage auf die Deirdra nicht antworten konnte. Zumindest nicht sofort. Sie wusste, egal was sie sagen würde, ihr Vater würde sogleich wieder das Beispiel ihrer Mutter anführen. So sollte es auch sein, obwohl sie ihm nicht antwortete. „Ich erzählte dir bereits davon, dass deine Mutter genauso stur gegen eine arrangierte Ehe gewesen ist wie du heute. Nur wir beide kannten uns vorher nicht, du und Garrett hattet die Gelegenheit euch besser kennenzulernen. Über Monate hinweg. Valera ließ es mich Monate lang spüren, dass sie nicht besonders glücklich über diese Verbindung war und schließlich lernte sie, mich zu lieben. Und ich liebte sie auch. Mehr als alles andere.“ Deirdra seufzte schwer. Selten hatte ihr Vater ihre Mutter beim Namen genannt. Es schmerzte ihn zu sehr. Auch jetzt sah sie die schmerzen ihres frühen Ablebens in seinen Augen. „Der Tag deiner Geburt war der glücklichste und zugleich schmerzvollste Tag meines Lebens. Als die Amme mich in ihre Gemächer rief weil Valera im sterben lag. Ihre letzten Worte an mich, nachdem sie mir sagte ich solle mich immer gut um dich kümmern, waren 'Vergiss mein nicht und denk an mich im nächsten Leben da wart ich auf dich.' Ohne die arrangierte Ehe hätte ich sie niemals kennengelernt.“, sagte König Conchobar und ließ sich auf seinem Thron nieder. Deirdra setzte sich neben ihn und nahm ihn zärtlich bei der Hand. „Vater, das bei Mutter und dir war etwas anderes. Auch wenn ihr beide gegen diese Ehe wart, so waren eure Herzen frei um zueinander zu finden.“

*****


„Ich bin nicht in der Lage König zu sein“ Angus wandte sich zu seinem Freund um, der immer noch mit Cathbad diskutierte. Bei dieser Lautstärke konnte man nicht mal in ruhe lauschen, dachte er sich. Garrett befand sich mittlerweile ebenfalls in Cathbad's Kammer. Als er Angus am Fenster sitzen sah, gesellte er sich zu ihm. „Du weißt schon, dass es verboten ist, persönliche Gespräche des Königs zu belauschen...was sagen sie?“ Neugierig blickte auch Garrett durch das schmale Fenster hinunter auf den König und die Prinzessin. „Conchobar hat Deirdra von ihrer Mutter erzählt, er versucht scheinbar so sie zu eurer Hochzeit zu überreden.“
Als Rohan die Worte seines Freundes hörte, hielt auch er inne und trat zu ihnen hinüber. Er sagte jedoch kein Wort. Ivar und Cathbad tauschten kurze Blicke aus, bevor er sagte: „Das sind Gespräche die euch nichts angehen! Hört gefälligst auf den König zu belauschen.“ „Schscht“, herrschte ihn Garrett an. Dass ausgerechnet Garrett, der ebenfalls ein Prinz war und die Gepflogenheiten im Schloss kannte, so neugierig die Privatgespräche des Königs belauschte, konnte er nicht begreifen.
Währenddessen schwieg König Conchobar. Er dachte über die letzten Worte seiner Tochter nach, bevor er ihr nach einer gefühlten Ewigkeit endlich antwortete. „Ich weiß, um wen es hier geht, Deirdra, aber ich kann nun mal mein Versprechen nicht brechen. So gern ich dich glücklich sehen würde als dein Vater so muss ich dennoch handeln wie ein König und als solcher ist es meine Pflicht dich mit Garrett zu vermählen. Es gibt Abmachungen, die können nicht gebrochen werden.“
Mit entsetzen beobachteten die mystischen Ritter von ihrem geheimen Versteck aus, wie Deirdra von ihrem Stuhl aus auf den Boden sank und zu schluchzen begann. König Conchobar hatte sich erhoben. Seine Stimme wurde ernst und bestimmend. „Das war mein letztes Wort!“ Mit diesen, letzten, Worten verließ er den Thronsaal.
Angus wandte sich nun seinen Freunden zu, die immer noch fassungslos auf die am Boden kauernde Deirdra blickten. „Habt ihr das kapiert?“
Ivar rollte mit den Augen und Cathbad räusperte sich. „Das Herz einer Frau ist so tief und unergründlich wie der Ozean.“, sagte er nur mit einem flüchtigen Blick in Richtung Rohan's. Sie alle hatten Deirdra's Worte vor einigen Wochen vernommen, als Rohan tödlich verwundet wurde und fast daran gestorben wäre, wenn Garrett nicht das Elixier der Vitalität von Lynette's Vater geschenkt bekommen hätte. „Ich hatte nie Gelegenheit, die meine wahren Gefühle zu offenbaren.“, hatte sie damals gesagt. Jeder einzelne von ihnen war dabei, selbst König Conchobar. Nur Rohan konnte sie nicht hören. Selbst Angus erinnerte sich nun wieder an Deirdra's Worte somit verstand er schlussendlich worum es im letzten Teil des Gesprächs wirklich ging.
Rohan dagegen war verwirrt. Er hatte wirklich gedacht, Deirdra's Einstellung Garrett gegenüber hätte sich inzwischen geändert. Doch warum war sie dann immer noch so gegen eine Heirat? „Deirdra will nicht zu einer Hochzeit gezwungen werden aus Diplomatischen Gründen oder weil sie aufgrund eines Versprechens das zu Zeiten ihrer Geburt gemacht wurde, dazu gezwungen wird. Sie möchte diesen Schritt aus Liebe gehen. So wie es in der normalen Bevölkerung der Norm entspricht. Jede Frau möchte erobert werden und nicht wie ein Stück Vieh verkauft werden.“, sagte der Druide. Rohan schluckte, hatte er seine Gedanken etwa laut geäußert? Er sah zu Cathbad auf, der lächelte. „Ich habe mehr Tricks auf Lager, als du glaubst, mein junger Ritter. Jetzt kommt. Es gibt noch viel vorzubereiten für morgen und Rohan, denk über meine Worte nach und überlege dir genau wie du dich entscheidest. Es geht hier nicht nur um dich, sondern um das Volk.“

*****


Währenddessen herrschte noch immer große Unruhe in Tir na Nog. Die Vision ließ Fin Varra keine Ruhe mehr. Er musste mit den mystischen Rittern reden. „Ich spüre, dass Kells Gefahr droht.“, hatte er gesagt nur kurz nachdem Maeve verbannt wurde. Welche Art Gefahr, wusste er noch nicht. Er war sich lediglich bewusst, dass diese Gefahr unheilvoller und gefährlicher war, als alles, was Maeve in den vielen Jahren ihrer Schreckensherrschaft unternommen hatte. Doch sollte er gleich nach den mystischen Rittern schicken lassen?
Tage lang quälte ihn diese Frage, bis er sich schließlich dazu entschloss, sie erst nach den Feierlichkeiten rufen zu lassen. Nach den vielen Geschehnissen hatte es das Königreich verdient, ein paar glückliche Stunden zu verbringen. Ohne Furcht und Kummer. Und vielleicht, nur vielleicht, werde er bis dahin mehr in Erfahrung bringen können, über die dunkle Bedrohung die sich langsam über Kells zusammenbraute.
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