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Die dunkle Ritterin

von Dolette
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
15.10.2015
17.11.2016
66
215.595
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19.10.2015 3.489
 
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Verzögerungen


"Schön euch wach zu sehen, Kinnab! Ich hoffe es geht euch besser, damit wir endlich wieder in vernünftigem Tempo voran kommen.", ließ die dunke Ritteri sarkastisch verlauten, drehte sich um und setzte sich dem Hexenmeister gegenüber ans Feuer.
"Danke Lady Glutklinge, mir geht es schon wieder ganz gut. Ich wusste gar nicht, dass ihr so bewandert in der Heilkunst seid.", erwiderte der Verlassene gut gelaunt.
Sie schmunzelte und warf einen Blick auf Marialle.
"Das war nicht mein Verdienst, Kinnab. Die geehrte Hohepriesterin hat das vollbracht.", erklärte sie wieder anteilnahmslos.
"Dann ist mein Dank wohl der Eure, Mylady. Und wie ich sehe, haltet ihr die Fesseln nicht mehr für nötig, Herrin?" Missfallen lag irgendwo in seinem Blick und er verzog das Gesicht ein wenig, was seine untoten Züge zu einer gruseligen Fratze wandelten. Dolette knurrte kaum merklich. Marialle schmunzelte nur.
"Ohne ihr beherztes Eingreifen wäret ihr jetzt vermutlich nur noch ein Haufen Knochen, nicht dass es einen nennenswerten Unterschied machen würde." Ihr Blick zeugte von Missgunst, seiner Undankbarkeit gegenüber, aber es war vielleicht auch zu viel von dem Hexenmeister verlangt, es zu verstehen. Er betrachtete die Hohepriesterin und schien die Angemessenheit seiner Worte tatsachlich zu überdenken.
"Lassen wir das. Hast du auch schon etwas gegessen Therez?", fragte sie die junge Frau, die den Untoten immer noch finster musterte. Die junge Frau war leicht zu lesen und das Wechselspiel, das sich auf ihrem Gesicht abzeichnete amüsierte Dolette irgendwie. Ihr Gemüt schien von Hass über Angst und Ablehnung zu einer gewissen Dankbarkeit der Untoten gegenüber, Verständnis und vielleicht sogar einem kleinen Zuspruch zu springen und wieder zurück. Das hatte die dunkle Elfe am Abend zuvor schon beobachtet und als der Verlassene wieder zu Bewusstsein kam, verstärkte sich dieses dieser Anblick auf ihren Zügen noch enorm.
"Eh ja, habe ich Todesritterin. Herrin, wie soll das denn hier weiter gehen?"Therez Antwort brauchte einige Augenblicke. Die Priesterinnenanwärterin fühlte sich sichtlich unwohl, nicht wissend wohin mit ihren Gedanken und suchte nun bei ihrer Lehrmeisterin nach einer Lösung.
Marialle schien aus einer Trance zu erwachen als sie angesprochen wurde und sammelte sich die Worte zusammen, die sie ihrer Schülerin als Antwort geben würde.
"Es ist so, dass die Verlassenen mit meiner Hilfe eine Seuche erschaffen wollen, mit der die Armee der Geißel stark dezimiert, wenn nicht gar ganz vernichtet werden soll. Und damit haben wir ein gemeinsames Ziel. Ich habe mich dazu entschlossen diese Reise nicht als Gefangene zu unternehmen. Das ist im Grunde schon alles, Therez." Ihr Ton klang sanft und bemüht ihren Standpunkt der jungen Frau verständlich zu machen.
Die nickte sachte, aber in ihrem Antlitz war deutlich abzulesen wie wenig sie mit der Entwicklung der Dinge einverstanden war.
"Also brechen wir gleich auf nach Lordaeron?", fragte sie nun wieder an die Elfe gewandt.
"Marialle wenn ihr auch noch Frühstücken möchtet? Danach würde ich aufbrechen wollen, damit wir nachmittags in Unterstadt eintreffen." Die Priesterin sah sie an, schien aber immer noch einen verträumten Funken in ihrem Blick zu haben.
"Wenn ihr euch dazu gesellt würde ich gern eine Kleinigkeit zu mir nehmen, Dolette." Ihre Irritation verdrangend wies diese mit der Hand auf ihr Felllager. Setzte sich nach der Frau dazu und sie fingen an sich an den Resten des Fisches und etwas Brot zu bedienen.

Therez musterte die Todesritterin und ihre Meisterin, verblüfft. Sie waren so vertraut miteinander als würden sie sich schon Jahre lang kennen, dabei waren sie doch in vielerlei Hinsicht Todfeinde. In der Visage des Verlassenen sah sie dieselbe Ungläubigkeit, was sie nur bedingt beruhigte. Diesen Gedanken hing sie noch die ganze Zeit nach bis sie ihr Lager abbrachen und sich anschickten ihre Reise fortzusetzen.

Die Morgenröte, tauchte die Ruinen, der Hauptstadt des einst blühenden Landes Lordaeron, in ein unnatürliches Licht das ihnen fast wieder Leben einzuhauchen schien. Die Ehrfurcht  gebietede Gestalt Sylvanas Windläufers stand vor einer kleinen Armee Verlassener und hatte grade ihre Rede beendet.
"....also lasst uns nach Nordend einmarschieren und die Geißel und den Lich König zu Fall bringen!" Die Untoten jubelten und stießen ihre Hände in die Höhe, als die Bansheekönigin ihnen den Befehl gab, los zu marschieren. Varimathras schaute ihnen zufrieden nach. Sein Plan ging auf.
"Jetzt muss Lady Glutklinge nur noch mit dieser Priesterin zurückkehren und wir haben tatsächlich gute Chancen es diesem Scheusal zurückzuzahlen." Hörte er sie mehr zu sich selbst, als zu ihm sagen und auch er hoffte darauf, dass diese Todesritterin bald hier auftauchen würde, denn das war das letzte Puzzelteil was noch fehlte.
Die derzeitige Herrscherin von Unterstadt, denn mehr war sie in seinen Augen nicht, nickte ihm zu und setzte sich in Bewegung, ihren Truppen zu folgen.
Der Schreckenslord verbeugte sich tief und sah ihr, mit einem verschlagenen Lächeln hinterher. Als sie aus seinem Sichtfeld verschwanden, wandte er sich um in sein Arbeitszimmer zurück zukehren und weiter an seinem Putsch zu feilen.

Sie wusste nicht, ob es an dem geschwächten Untoten in ihrer Begleitung, oder an ihr selbst lag, aber sie kamen heute einfach nicht gut voran.
Unterbewusst nutzte Dolette jeden auch noch so kleinen Tümpel, um etwas Wasser aufzufüllen oder blieb unnötig lange an Weggabelungen stehen. Es waren diese wirren Gefühlsregungen die sie dazu trieben. Das war ihr mittlerweile gewahr geworden, dennoch unternahm sich nichts zwingendes um sich diesen zu erwehren.
Auch wenn sie die Veränderung die damit einher ging nicht gut hieß, genoss sie diese unbekannten Gefühle doch irgendwie.
Die ständigen Zwiste zwischen Plagg und Susi, Plagg und Therez und natürlich auch die zwischen ihr selbst und der aufdringlichen Sukkubus hätte sie vorher als lästig empfunden, doch heute waren sie sehr amüsant und erhellten das sonst so abgekühlte Gemüt der Todesritterin. Sie spürte eine ungekannte Wärme in sich aufsteigen und dass dieses Gefühl ein so jähes Ende nehmen sollte, stimmte sie melancholisch.
Und so blieb die dunkle Elfe einige Schritte zurück und beobachtete die Gruppe wie sie sich immer noch angeregt unterhielten und diskutierten.
Therez stritt äußerst lautstark mit Plagg darüber, dass Lordaeron und somit seine Heimat Unterstadt, ja an die Menschen zurück gehen müsste. Gehör fand sie damit, aber bei dem Verlassenen selbstredend, nur wenig bis gar keines. Daneben schwebte die Sukkubus, leicht abwesend und mit einem verträumten Lächeln auf den Lippen. Dolette wagte es nicht sich auszumalen was der Dämonin dieses seichte Lächeln auf die vollen Lippen zauberte.
Dieses Dämonenwesen war der jungen Schülerin erst recht ein Dorn im Auge und sie beschwerte sich immer wieder über deren Anwesenheit generell, die sie einfach nicht verstehen wollte. Dolette musste abermals schmunzeln.
Als sie ihren Blick schließlich abschweiften ließ, um sich nach dem Stand der Sonne zu erkunden, bemerkte sie nicht, wie sich die Hohepriesterin ebenfalls zurück fallen ließ und nun neben ihr her ging.
"Passt euch am Stand der Sonne etwas nicht, Dolette?" Etwas überrascht sah sie in die bernsteinfarbenen Augen der Frau und entdeckte mit Gefallen, dass ihre Augen anscheinend immer, sobald sie in die Sonne schaute sofort einen sanften Goldton annahmen. Jetzt grade, so fand sie, verlieh ihr das einen überirdischen Anblick und sie fragte sich ob sie eine wunderschöne Göttin vor sich hatte.
Dolette schickte sich rasch an räuspernd zu antworten, als sie das Schmunzeln auf den Lippen der Priesterin sah und wusste, dass sie ein weiteres mal ertappt wurde.
"Nein, ganz und gar nicht. Ich dachte nur, dass wir etwas schneller wären, aber die Verletzung von Plagg scheint ihn doch stark auszubremsen. "
Das Schmunzeln wandelte sich in ein verheißungsvolles Grinsen als Maraille nur zu bedenken gab:
"Klar Plaggs Verletzung...Ihr seid euch aber schon darüber im Klaren, dass ihr es seid, die die ganze Zeit hinterher trottet?"
Diese Frau las in ihr wie in einem offenen Buch und das ärgerte die Elfe. Aber gleichzeitig es gab ihr auch das Gefühl von Freiheit. Sich nicht verstellen zu müssen, einfach jede Gefühlsregung ausleben zu können und in ihrem Gegenüber nie mehr als pures Verständnis und ein zauberhaftes Lächeln zu erblicken. Berauscht von diesem Gedanken brachte sie nicht mehr als, "Ja, schon, aber..." zu Stande.
"Vielleicht hätten wir zur Mittagszeit doch eine richtige Rast einlegen sollen.", sprach Marialle und wieder lag dieses wissende, aber auch warme Lächeln auf ihren Lippen.
"Warum eigentlich nicht? He da vorn, habt ihr Hunger?Wollen wir doch lieber eine Rast einlegen?"
Die drei drehten sich um und nickten allesamt.
"Uiiii Herrin Dolli achtet darauf, dass wir nicht vor Erschöpfung umfallen, sie ist einfach die Beste!"
Witzelte Therez ironisch, die offensichtlich mittlerweile etwas besser mit dem Hexenmeister und seiner Dienerin auszukommen schien.
Susanne grinste begeistert und rannte zurück zu Dolette um sich bei ihr unterzuhaken und sie einfach mit sich zu ziehen, bis zu einem Platz der sich zum Ausruhen eignete. Sie sah verzweifelt zu der Priesterin, als sie weggeschliffen wurde und rief dieser noch zu:
"Irgendwie geht das immer so aus sobald ich euch nachgebe, Marialle!" Doch ein kleines, verspieltes Lächeln legte sich auf ihre Lippen.

"Susiiii, zerr doch nicht immer so an Lady Dolette!", rief Plagg als er den beiden hinterher eilte, so gut er konnte.
Marialle beobachtete das Geschehen mit einem verträumten Lächeln, bis sie die Stimme ihrer Schülerin neben sich vernahm.
"Irgendwie haben sie was von Kindern.", sagte diese schmunzelnd.
"Und dann wirken sie wieder so als würde das Schicksal der Welt auf ihren Schultern lasten. " Mit einem nachdenklichen Blick sah die Meisterin ihre Schülerin an.
"Weißt du Therez, in gewisser Weise ist das ja auch so. Wir wissen es natürlich nicht, aber vielleicht hängt vom Gelingen dieser Mission der weitere Verlauf des Kampfes, gegen den Lich König und die Geißel ab. Vielleicht steht und fällt eben unser aller Schicksal mit diesen beiden dort hinten."
Melancholisch glitten ihre Augen wieder von der Priesterinnenanwärterin zu ihren Begleitern und sie begann sich zu fragen ob diese Reise in der Unterstadt Lordaerons ein jähes Ende finden würde.
"Und vor Allem von der verrückten Dämonin, die sich nicht zwischen den beiden entscheiden kann!", gab Therez lachend zurück, Marialle stimmte mit ein.
"Schon bemerkenswert so eine Sukkubus. Dass sie Männern gegenüber so lasziv sind ist bekannt aber bei Frauen?", fragte die Schülerin und fügte noch hinzu.
"Gibt es nicht eigentlich auch eine Dämonenart die dasselbe mit Frauen macht?"
"Ja richtig, Therez . Das männliche Pendant zum Sukkubus ist der Inkubus, aber die Sukkubi sind über die Inkubi erhaben, beherrschen und versklaven sie für die Brennende Legion. Soweit ich weiß ist es unseren neutralen Hexenmeistern der Allianz und Horde gar nicht möglich Inkubi zu beschwören. Also ist es gar nicht so verwunderlich. Sukkubi sind vielleicht viel weniger unterwürfig als sie uns glauben lassen wollen. Und dieser spezielle Sukkubus ist vielleicht einfach der undefinierbaren Anziehungskraft zum Opfer gefallen, die von Dolette ausgeht." Marialle blickte lächelnd in das wissensdurstige Gesicht ihres Schützlings, die die Worte anscheinend erstmal sortierte und Stolz stieg dabei in ihr auf. Kurz glitt die Hohepriesterin dabei in Erinnerungen, an eine etwas jüngere Version ihrer Schülerin ab und eine Flut unterdrückter Trauer drohte in ihr hoch zu kriechen, doch mit eisernem Willen schluckte sie es hinunter und zerrte sich wieder ins hier und jetzt. Die Schülerin starrte zu der Todesritterin rüber. Das Gesagt beschäftigte sie offenbar doch etwas mehr, was Marialle erneut wissend grinsen ließ. Dolette hatte wirklich etwas unbeschreibliches an sich, das wusste sie besser als jeder andere.
"Na komm Therez wir gucken uns das lieber wieder aus der Nähe an."

Es war ruhig geworden in der Gruppe und jeder hing offenbar seinen eigenen Gedanken nach. Dolette saß auf ihrem ausgebreiteten Umhang, und ihre schwarze Plattenrüstung schimmerte bläulich in der Sonne. Erst jetzt konnte Maraille sehen, wie viel nackte Haut sie doch unverhüllt ließ.
Sie setzte sich neben die Elfe und legte sich rücklings hin. Schweigend genoss sie eine ganze Weile die Anwesenheit der Anderen und ließ sich die Sonne in das Gesicht scheinen.
Unvermittelt durchbrach die Todesritterin die Stille und sprach leise zu ihr:
"War ich das wirklich mal? Das was ihr heute Nacht gesagt habt?"
In ihren Augen lag viel mehr ein bedrückter Schimmer, der sich nach der Wahrheit sehnte, als eehrliches Interesse. Aber ihr Blick hielt stand, es war ihr ernst, das war deutlich. Die Priesterin atmete geräuschvoll aus, sie war durchaus überrascht, dass die Elfe das Thema von sich aus anschnitt, aber sie selbst wollte eigentlich nicht grade jetzt nochmal darüber sprechen, schließlich blieb ja auch nicht mehr so viel Zeit und sie fand, dass diese mit dem Thema vergeudet würde, da es ein viel ausgiebigeres Gespräch brauchte um der Todesritterin zu vermitteln wer sie einst war. Und vor allem wer sie einst für die Hohepriesterin war.
Und deshalb antwortete sie mit einer gespielt frechen Art.
"Ohhhhh, ich finde das ist ein wirklich guter Grund sich nach unseren Pflichten ,die in Unterstadt warten, noch einmal zu treffen. Selbstverständlich nur um euch über euer vorangegangenes Leben zu berichten."
Tatsächlich glitt ein Lächeln über Dolettes Gesicht, auch wenn sie nicht zufrieden aussah, schien sie die Aussicht, die Priesterin noch nicht aus ihrem Leben streichen zu müssen, als durchaus reizvoll zu empfinden und so nickte sie sachte.
"Nagut. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass man das nicht auch jetzt eben hinter sich bringen könnte, aber wenn es euer Wunsch ist, komme ich dem natürlich nach."
Etwas enttäuscht sah sie zwar drein aber dennoch lag immer noch ein seichtes Lächeln auf ihren blutleeren Lippen.
"Und an was für ein Treffen habt ihr gedacht, wenn wir diese Geschichte hinter uns gebracht haben?" Marialle dachte nach. Ihre Gedanken und Gefühle waren etwas abgedriftet und sie hatte Mühe darauf zu antworten also sagte sie schlich.
"Das sehen wir wenn es so weit ist." Sie grinste zwar doch konnte sie am Blick der Todesritterin sehen, dass sie erkannte was in ihr vor ging.
"Was denn? Keine zweideutige Antwort? Kein freches Grinsen für mich?" Sie schenkte ihr ein ehrliches und aufmunterndes Lächeln und gab ihr einen freundschaftlichen Knuff, wie sie es bei der Elfe noch nie erlebt hatte und war der Fähigkeit zu Sprechen beraubt. Sie starrte ihr in die leuchtenden, blauen Augen,
"Na was...?" jetzt lag ein erwartungsvoller Ausdruck darin. Marialle musste schwer schlucken und räusperte sich um ihre Sprache wieder zu finden ehe sie gedämpft zu sprechen begann:
"Manchmal ist Schweigen nun mal wirklich Gold und reden nur Silber."

Dolette musterte die schöne Frau neben sich, verneigte ihren Kopf theatralisch, verfiel dann aber in ein leichtes Lachen.
"Danke, Mylady Hohepriesterin. Eure Weisheit färbt schon langsam auf mich ab!"
Da konnte auch Marialle nicht mehr an sich halten und fing ebenfalls an zu lachen. Die Wärme in ihrem Inneren verteilte sich in ihren ganzen Körper und sie dachte bei sich, dass es doch manchmal viel leichter sein kann die trüben Gedanken eines anderen zu bekämpfen, als die eigenen. Das war etwas was sie jetzt, in diesem Moment als Glück bezeichnet hätte.
Dass es ihr aber vorallem deshalb so erging weil sie grade der Priesterin ihre Melancholie nehmen konnte, war ihr zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst und so ließen sie die kostbare, unbeschwerte Zeit ungenutzt verstreichen.

Die Sonne stand mittlerweile schon schräg am Himmel und so ließ es sich nicht weiter hinauszögern die Reise fortzusetzen. Dass ihre Gefährten ebenso schweigsam den Weg weiter führten, verwunderte und erfreute Dolette zugleich. Ein Gefühl der Verbundenheit stieg in ihr auf, wie sie es sich nicht hätte vorstellen können. Einzig die Dämonin plapperte immer wieder, mehr oder weniger verwirrendes und zusammenhangsloses Zeug, unterbrach damit die Stille.
Und so hatten sie die Strecke recht schnell zurück gelegt, als sie kurz vor Einbruch der Dämmerung die Ruinen Lordaerons erreichten.
"Es hat wirklich nichts mehr mit dem prunkvollen Reich gemein, das Lordaeron einst war." Erklang die erstaunte und gedämpfte Stimmer der Priesterin.
"Wer weiß ob Sylvanas die Stadt wieder aufbauen lässt. Momentan hat wohl keiner hier einen Sinn dafür. Außerdem scheinen sich die Verlassenen in der Unterstadt recht wohl zu fühlen, oder Kinnab?", sprach Dolette und wandte sich dem Untoten zu.
"Das kann man so sagen, aber ich habe keine Ahnung was in Zukunft hier geschehen wird. Sylvanas vorrangiges Ziel, neben dem Sturz Arthas', ist es erstmal ihr Gebiet auszuweiten. Die Verlassenen sind schon fast bis Süderstade vorgedrungen und wenn das Bündnis mit der Allianz nicht hält werden sie die Stadt einnehmen. Dann hat sie noch ein Auge auf das Königreich Gilneas geworfen, was auch immer uns dort erwarten mag."
Marialle und Therez machten beide eine besorgte Miene, doch es war jetzt nicht die Zeit um über derlei Konflikte zu diskutieren, also sagte sie nur:
"Hoffen wir, dass ihr das Bündnis so viel Wert ist, wie eurem Kriegshäuptling." Alle nickten zustimmend, nur Susanne starrte verträumt ins Leere.
Sie erreichten den Eingang zur Unterstadt.
"Nach euch, Myladys.", sprach Plagg und deutete eine Verbeugung an, als er die Frauen vorbei ließ.
"Uhm, hier stinkt es ja wirklich fürchterlich!", ließ sich Therez vernehmen, die Zustimmung im angeekeltem Gesicht ihrer Meisterin fand.
"Ich würde ja sagen man gewöhnt sich dran..." Kam es gedämpft von der Elfe. Sie erhöhte das Tempo um schneller ans Ziel zu gelangen, nicht dass es dort angenehmer sein würde.
Eine große Gestalt baute sich vor ihnen auf, als sie in den nächsten Korridor abbogen. Dolette stoppte sofort und kurz darauf auch die anderen, nur Susanne stieß gegen ihren Meister. Ihrem Laut der Klage gebot die Todesritterin mit einem kurzen Blick augenblicklich Einhalt.
"Lady Glutklinge, schön, dass ihr es auch endlich geschafft habt! Man wartet schon sehnlichst auf..." Die Gestalt unterbrach sich als sie mit Missfallen sah, dass die beiden Menschenfrauen nicht gefesselt waren.
"Varimathras, es gab eine kleine Verzögerung auf See. Deshalb hat sich die Rückreise etwas verlängert."
"Und deshalb bringt ihr diese Menschenweiber her als wären sie Sylvanas Privatkonkubinen?" Sie knurrte unterdrückt und sah, dass ihn das zu amüsieren schien.
"Was? Sie sind freiwillig mit uns gekommen! Auf ganz Azeroth wünscht man den Tod des Lich Königs!" Der Schreckenslord nickte und seine Augen funkelten gefährlich. Dolette konnte diesem verräterischem Dämonen nicht das geringste abgewinnen und fragte sich immer noch wie Sylvanas ausgerechnet ihn an ihrer Seite dulden konnte, als Majordomus, die Gesetze und Bücher der Stadt verwaltend.
"Ihr da! Begleitet Lady Glutklinge ins Hauptlabor des Großapothekers!", befahl er zwei Wachen die am Eingang eines weiteren Ganges standen. Sie eilten augenblicklich an die Seite der Elfe und bedeuteten ihr loszugehen. Sie drehte sich noch einmal um, als Varimathras gebieterische Stimme erneut erklang.
"Ach Glutklinge? Richtet Putress aus, dass ich bald nach komme und Ergebnisse erwarte!"
Sie nickte nur und setzte ihren weg fort.
Im Labor angekommen, wurde die Gruppe hocherfreut in Empfang genommen und der untote Herr über die Laboratorien stürmte ihnen entgegen. Die beiden Wachen gesellten sich zu den Vieren, die am Eingang des Labors standen und unterhielten sich mit gedämpften Stimmen.
"Mylady Glutklinge, ihr habt es geschafft, wie überaus erfreulich!", sprach er mit überschwänglichem Gehabe auf die Todesritterin ein. Ihr Gesichtsausdruck wurde daraufhin kalt und reglos.
"Selbstverständlich, Großapotheker. ", entgegnete sie knapp, mit dem Respekt, den sie grade so aufbringen konnte.
Er schickte sich schon wieder an, zu seinen Instrumenten zurückzukehren und ließ, "Die Hohepriesterin hier hinein!" verlauten und wies auf einen Käfig, der mitten im Raum stand.
"Die andere steckt irgendwo zu denen da und zieht den Käfig dann neben den der Priesterin!", fügte er hinzu und zeigte in eine Ecke des großen Raumes, in der ein Dutzend mannshoher Käfige standen. Ein Laut  der Entrüstung entwich den zarten Lippen von Marialles Schülerin.
"Das ist nicht nötig Putress, sie sind freiwillig hier!" Unterbrach Dolette das Treiben der Wachen, die die beiden Menschenfrauen schon an den Armen packten. Die Augen des Apothekers funkelten, als er gefährlich leise, zischend erwiderte:
"In meinem Labor gebe ich die Befehle, Lady Glutklinge!" Und als die Frauen eingesperrt waren fügte er boshaft grinsend hinzu.
"Außerdem würde ihre Mitarbeit sicher ein jähes Ende nehmen, wenn sie wüssten, was ich mit ihnen vorhabe." Er lachte widerwärtig und laut auf, was die vier besorgte;Blicke tauschen ließ.
Dolette fasste sich als erste und nun flackerten ihre Augen bedrohlich auf. Feine Rauchschwaden stiegen aus dem kalten Blau ihrer Augen auf und verliehen der Todesritterin einen angsteinflößenden Anblick.
"Ihr überschreitet eure Kompetenzen bei weitem, Putress, wenn ihr meint, das Bündnis, zwischen Horde und Allianz, ungehindert so mit Füßen treten zu können!" Sie schob ihren Umhang bei Seite und ließ ihre Hand zum Heft ihres, am Rücken ruhendem, Runenschwerts wandern.
Er grinste nur verhöhnend als sich ein stechender Schmerz auf ihrem Hinterkopf ausbreitete und sie in eine unruhige Ohnmacht riss.
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