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Die dunkle Ritterin

von Dolette
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
15.10.2015
17.11.2016
66
215.595
5
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14.01.2016 4.008
 
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Der rote Faden

Der Weg zurück zum Heulenden Fjord verlief ereignislos und in jeder Hinsicht eisig. Dafür kamen die Gefährten um Sylvanas Windläufer auf den Wölfen der Orks äußerst zügig voran. So hatten sie nach nur zwei Tagen den Hafen der Vergeltung erreicht und bestiegen den Zeppelin in Richtung Tirisfal.
Dolette wich tatsächlich keinen Augenblick von der Seite der Hohepriesterin. Sie wechselten den ganzen Ritt über kaum ein Wort und Marialle war dankbar dafür. Bisher hatte sich noch keine weitere Situation aufgetan, in der sie ihren Entschluss, sich weiterhin unterzuordnen, prüfen musste.
An Bord der Wolkenkuss hatten sich die Verlassenen rasch unter Deck verzogen, um sich von dem langen Weg auszuruhen. Plagg und seine Sukkubus waren noch am Bug des Flugschiffes und unterhielten sich leise, worüber auch immer. Marialle lehnte an der Reling, flankiert von den beiden dunklen Elfen und schaute in den dichten Nebel des Heulenden Fjords. Ein wenig fühlte sie wie die Schnüre die ihre Brust zusammengezerrt zu haben schienen, sich lösten. Und als sie endlich das wunderschöne Azurblau über den Wolken erreichten, sog sie die frische Luft begierig ein. Aus den Augenwinkeln betrachtete sie die befremdliche Gestalt ihrer Liebsten, die mit verschränkten Armen neben ihr stand und hinabstarrte. Ihre Miene hatte sich seit ihrem Aufbruch kein einziges Mal verändert. Auf der anderen Seite die Bansheekönigin, die sich zwar genauso wenig auf ihrem Weg eine Regung abverlangte, aber dafür gab sie der Menschenfrau ein gewisses Gefühl der Sicherheit.
"Ihr werdet sicherlich in eurem Turm vermisst, Marialle?" Kurz fühlte sie sich ertappt, doch sah dann direkt in die glühenden, roten Augen, in denen eine gewisse Sänfte lag. Sie musste an Therez denken und Trauer überkam sie.
"Ganz gewiss, Sylvanas." Marialle rang sich ein Lächeln ab, um die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken.
"Da fällt mir ein, dass ich euch noch eine Entschuldigung schuldig bin." Dolette regte sich und zog eine Augenbraue hoch. Die Priesterin schaute verwirrt zu der Dunkelläuferin auf.
"Eure Entführung verdankt ihr mir. Die Unannehmlichkeiten, die ich euch bereitet habe und vor allem, der schwere Verlust den ihr erlitten habt, tut mir aufrichtig leid. Ich hoffe ihr könnt mir irgendwann vergeben." Dolette wandte sich wieder gleichmütig ab, doch Marialle blickte erstaunt in das warme Antlitz der Untoten. Allgemein fiel ihr jetzt auf, dass ihr das Verhältnis zwischen ihr und der Bansheekönigin, so wie es vor Unterstadt gewesen war, fehlte. Mit der erfrischenden Art und Weise wie Sylvanas mit Marialle sprach, hatte sie sich einen festen Platz im Herzen der Hohepriesterin gesichert. Jetzt da sie spürte, dass dieses natürliche Verhalten ausblieb, wurde sie sich dessen erst bewusst. Ihre Freundschaft war ihr viel Wert geworden und kurz glitt ein Lächeln über die Züge der Menschenfrau und sie wollte abwinken, doch da brannte sich die Trauer um den Tod von Therez wieder tief in ihre Gefühlswelt und darum nickte sie nur schlicht.
"Hinterher bekommt man immer zu spüren, dass der Zweck eben doch nicht alle Mittel heiligt." Überrascht drehte sie sich zu der Todesritterin, deren Stimme noch eisiger anmutete als sonst. Sylvanas beugte sich leicht vor und ihre glühenden Augen schienen die leuchtenden von Dolette zu verzehren.
"Interessant das aus eurem Munde zu hören, Lady Glutklinge.", sprach die Dunkelläuferin leichthin doch ihre Augen verrieten ihre Verachtung. Dolette zog ihrerseits ein weiteres Mal eine Augenbraue hoch.

Die verkümmerte Seele im Inneren der Todesritterin horchte auf. Dolette zeigte es nicht nach Außen, aber die provozierenden Worte der Bansheekönigin trieben Risse in das Dunkel, das sie hier gefangen hielt. Die Elfe bäumte sich dagegen. Hoffnung erweckte ihren Kampfgeist zu neuem Leben und sie konzentrierte sich auf den größten Riss, denn sie ausmachen konnte. Er wurde größer, oder sie kam ihm näher, das konnte Dolette nicht mit Sicherheit unterscheiden. Das Licht, das durch ihn zu ihr drang war weiß und gleißend hell und sie glaubte einen feinen roten Nebel darin zu erkennen, der sich wie ein Streifen am Firmament entlang zog. Sie steuerte weiter darauf zu, doch er schloss sich jäh. Es war als hätte sich ein Spiegel auf die stelle gelegt und die dunkle Ritterin starrte nun in ihre eigenen verzweifelten Augen, die matt golden schimmerten. Ihr Spiegelbild verzerrte sich ganz wenig und ihre Augen erstrahlten in dem unheilvolen Blau, das die Todesritterin in ihr ausmachte.
'Kannst du nicht einfach verschwinden?', verlangte das Spiegelbild zu erfahren.
'Du bist hier fehl am Platz!', erwiderte Dolette aufgebracht.
'Dein Körper, dein Diener, deine kleine Priesterin, das ist jetzt alles mein!', keifte die andere und das Gesicht verzerrte sich weiter, wurde gehässig und abstoßend. Dolette spürte wie die Dunkelheit sie wieder fester umschloss. Ein hämisches Grinsen trat auf die blutleeren Lippen des Spiegelbilds.

"Findet ihr, ich dürfte mir darüber kein Urteil anmaßen, meine Königin?" Sylvanas schmunzelte und Kampfeslust blitzte in ihren roten Augen auf.
"Das würde ich nicht sagen, aber vielleicht lehnt ihr euch etwas weit aus dem Fenster. Denn ich denke für euren eigenen Zweck würdet ihr jedes Mittel heiligen." Marialle war überrascht über die provozierenden Worte. Am Morgen ihres Aufbruchs wirkte es noch so, als würde die Bansheekönigin das Verhalten der Todesritterin ruhig hinnehmen wollen. Doch Dolette erwiderte das Schmunzeln.
"Ihr spielt auf einen bestimmten Zweck an, nehme ich an", antwortete die Todesritterin ruhig. Sylvanas lächelte nun vollends.
"Sicher tue ich das, Lady Glutklinge. Meint ihr nicht ein anderes Wesen besitzen zu wollen, wie einen Gegenstand, ist in diese Richtung einzuordnen?" Die dunklen Elfen schauten nun beide auf Marialle hinab, bis diese errötete. Damit hatte die Priesterin nicht gerechnet. Die Züge von Dolette verhärteten sich wieder und abschätzig ließ sie ihren Blick an der Menschenfrau rauf und runter wandern.
"Als ich sie euch angeboten habe, schient ihr eine weit weniger ablehnende Haltung diesem Umstand gegenüber zu pflegen, Mylady."
"Selbstverständlich, schaut euch eure Gefährtin an. Das bedeutet aber nicht, dass ich das Spiel von Todesrittern gutheiße. In solchen Dingen finde ich Manipulation und Unterdrückung äußerst fehl am Platze.", erklärte Sylvanas noch immer äußerst gefasst, doch Dolette bedachte ihre Gefährtin mit einem Blick der nichts Gutes zu verheißen schien.
"Fragt sie, ob sie freiwillig an meiner Seite ist." Marialle zuckte kaum merklich zusammen. Was sollte das? Sie wollte nicht lügen, doch konnte sie der Wahrheit ebenso wenig Luft machen. Warum brachte Sylvanas sie in diese Situation? Die Bansheekönigin nahm ihr die Antwort jedoch ab.
"Das ist nicht nötig, wie ihr wisst, habe ich mich eingehend mit ihr über euch unterhalten. Ein Todesritter der in der Lage ist zu lieben, faszinierte mich sofort. Allerdings muss ich gestehen, dass ich überrascht war, als ich euch dann näher kennengelernt habe. Ihr scheint euch weit weniger von jedem anderen beliebigen Todesritter zu unterscheiden, als es aus den Geschichten, den Anschein machte. Aber Marialles tiefe Liebe zu euch steht dem tapfer gegenüber. Sie wird nicht von eurer Seite weichen, das brauche ich sie nicht zu fragen." Die Hohepriesterin schluckte hart, bei der einfachen Wahrheit die die Dunkelläuferin anstandslos auf den Punkt brachte und Dolette entwich ein unterdrücktes Knurren. Die Todesritterin straffte jedoch rasch ihre Statur.
"Mylady Windläufer, Liebe ist nur ein Wort. Ich hätte euch nicht für eine Romantikerin gehalten. Ich gebe ihr was sie will und was sie braucht, dafür erwarte ich selbstredend auch eine Gegenleistung, die sie ganz offensichtlich bereit ist zu leisten. In gewisser Weise ist diese Beziehung also ein einfaches Abkommen." Die Stimme der dunklen Ritterin war wieder reserviert und kalt geworden und ein trauriger Glanz trat in Marialles Augen. Die direkten Worte stachen eins nach dem anderen direkt in ihr Herz und sie wusste nicht, ob sie dieser Unterredung noch weiter beiwohnen wollte. Die warme Hand der Bansheekönigin holte sie wie ein glühendes Eisen aus dem Feuer und sie fuhr zusammen.
"Ich will euch wirklich nicht zu nahe treten, Lady Glutklinge, aber ein heiliges Wesen wie dieses, braucht mehr als Sicherheit und einen guten Tauschhandel. Man muss sie auf Händen tragen und ihr den Himmel zu Füßen legen, aber vor allem muss man sie mit glühend heißer Liebe überschütten. Sie wird an eurer Seite verkümmern wie eine welke Blume, gescheitert an ihrer eigenen Liebe zu euch." Während Sylvanas sprach hatte sie den warmen Blick nicht von der Menschenfrau abwenden können und Marialle drohte darin zu versinken. Diese brennende Hitze die von ihr ausging, der schwere liebliche Geruch, die rauchige dunkle Stimme. Alles an Sylvanas Windläufer war plötzlich anziehend und bot Geborgenheit und Schutz.
Die eisige Kälte an der Schulter der Priesterin stemmte sich unbarmherzig dagegen, als Dolette sie mit ihrer Hand unsanft herumriss und sich vor sie schob.
"Ihr versteht sie vielleicht nicht, aber das IST meine Art zu lieben. Wenn man unbedingt von Liebe sprechen muss, dann nur von der die ich für Marialle empfinde!" Ein winziger Hauch Verzweiflung schwang in den hervorgepressten Worten mit und Marialles Herz schlug augenblicklich schneller. Was ging hier nur vor sich? Wie war es dieser Frau, dieser Banshee nur möglich dieses tiefe Gefühl der Nähe in ihr zu wecken und gleichzeitig der Todesritterin solche Worte zu entlocken. Marialle war augenblicklich wieder im Antlitz ihrer Geliebten gefangen. Diese unglaubliche Sicherheit breitete sich in ihr aus und ein einziger Gedanke bestimmte ihren Geist.
Wenn das so ist, soll es mir reichen. Die Dunkelläuferin schmunzelte nur.
"Ihr habt Recht. Sie ist da. Ich kann sie sehen. Tief in euch, mühsam unterdrückt, aber dass ihr von Liebe sprecht ist wahrlich lachhaft." Die Züge Sylvanas waren immer düsterer geworden und auch Dolettes Miene verfinsterte sich rasant.
"Wie meint ihr das, 'ihr könntet sie sehen'?", zischte die dunkle Ritterin nun bedrohlich leise. Die beiden dunklen Elfen fixierten einander und die Spannung zwischen ihnen wurde fast körperlich spürbar. Sylvanas trat in einer einzigen fließenden Bewegung auf Dolette zu und packte erst ihr und dann Marialles Handgelenk. Sie führte die beiden Hände zueinander, legte sie zusammen und umschloss sie mit ihren. Kurz blickte die Todesritterin in das erschrockene und fahl gewordene Gesicht der Priesterin und Marialle wurden die Knie weich als das Gold in ihren Augen satt aufglomm.

Dolette focht weiter gegen das Dunkel in sich, als sich plötzlich wieder der Riss auftat. Heller und blendender als zuvor formte er sich in fadenähnlichen Gebilden zu einer Hand, die zielstrebig auf si zu steuerte. Sie erkannte die unnachahmlichen Aura ihrer Königin und reckte sich ihr entgegen.
'Nein! Wage es nicht! Es ist alles mein! Du bist nur ein schwacher Abklatsch von dem was ich sein könnte, ohne dich!' Die Stimme kam von überall, doch Dolette erkannte die Schwäche darin. Es fehlte nicht mehr viel. Nur noch ein Stückchen.

"Die schicksalhafte Verbindung ist noch immer tief in euch. Man muss keine Banshee sein um das sehen zu können, aber ich sehe eure Gefühle deutlich, tief in eurem Inneren. Ich sehe die starke Unterdrückung mit der ihr eure Seele belegt habt! Sobald ihr etwas gereizt werdet, bröckelt die Mauer, die ihr um sie gebaut habt. Und ich sehe die Qualen ganz klar die sie durchleidet. Lasst sie frei, Dolette!" Marialle spürte mittlerweile wie sich Tränen glühend auf ihren geröteten Wangen Bahnen brachen und sie konnte ein Schluchzen nur noch schwer unterdrücken. Ihre Hand begann zu zittern und es übertrug sich auf Dolettes eisige und die heißen Hände der Dunkelläuferin. Die Todesritterin sah von den verschlungenen Händen wieder auf in das mittlerweile tränenüberströmte Gesicht. Die aschfahlen Züge waren schockiert, fast verängstigt, doch sie verhärteten sich jäh, als sie ihre Hand aus den anderen zog.
"Sie ist weich! Ihre Gefühlsduselei hat immer schon mich unterdrückt. Als das silberne Licht zurück auf die Priesterin ging war ich endlich in der Lage die Kontrolle zu übernehmen. Und dazu bekam ich dieses wundervolle Geschenk! Eine Heilige! Und sie lässt sich so gerne auf jede meiner Erniedrigungen ein, weil sie das kleine Elflein ja ach so liebt. Es erfüllt mich voll und ganz sie beherrschen zu können. Sie leiden lassen zu können, wann immer mir der Sinn danach steht. Es ist berauschend. Wie könnt ihr euch anmaßen zu glauben, dass ich DAS wieder aufgeben würde?" Eine Spur Wahnsinn schwang in der brüchigen, kalten Stimme mit und als Marialle genauer hinsah, bemerkte sie, dass das Gold noch immer in ihren Augen flackerte.
"Das ist nicht eure Entscheidung.", erwiderte Sylvanas knapp und alle Emotionen waren aus ihrer Miene und ihren Worten gewichen. Ihre heißen Hände umschlossen noch immer die zitternden der Hohepriesterin und obwohl die Bansheekönigin nichts mehr davon ausstrahlte, spendete ihr die Berührung Trost.

Mit einer Mischung aus Faszination und Schock hatte Dolette das aufschlussreiche Gespräch, während ihres inneren Kampfes, verfolgt, das das dunkle Wesen ihrer Klinge und die Herrscherin der Verlassenen miteinander führten. Hin und her gerissen betrachtete sie immer wieder ihre leidende Geliebte. Das silberne Schimmern in ihren Augen, so ungewohnt es noch immer für sie war, gab es ihr Hoffnung und Dolette bäumte sich weiter auf. Immer wieder. Das dunkle Wesen wankte und das spürte sie jetzt überdeutlich. Die Aura der Bansheekönigin war erdrückend und Dolette versuchte verzweifelt die Spur zu erreichen die sie glühend heiß in ihrem Inneren hinterließ.
"Das ist nicht eure Entscheidung", drang die dunkle schwere Stimme Sylvanas in ihr Bewusstsein.
'Nein! Es ist MEINE!', brüllte Dolette aus Leibeskräften und ergriff den roten, glühenden Schimmer, der sich in ihre Handinnenfläche einzubrennen schien. Der heiße Schmerz breitete sich in ihrem ganzen Körper aus, bevor er jäh abklang.
Die ungewohnte Bewegung ihrer sich öffnenden Lider schmerzte leicht, doch die grelle Sonne schien sich in ihre Augen zu brennen, wie zuvor die glühende Aura der Bansheekönigin. Sie ertastete den harten Holzboden auf den sie hinabgesunken war und spürte die frische Kühle der eisigen Luft Nordends. Eine sanfte Berührung an ihrer plattenbewehrten Schulter ließ sie in das verschwommene Gesicht ihrer Liebsten aufschauen. Es dauerte nur den Bruchteil eines Herzschlages, bis ihre Züge scharf wurden und Entsetzen und Sorge zeichneten sich darauf ab.
"Mari...", drang ihre eigene Stimme klar und deutlich an ihre Ohren. Die Angesprochene sank unter lautem Schluchzen auf die Knie und umschloss ihre Geliebte mit beiden Armen. Dolette spürte die tiefe und verzweifelte Sehnsucht der gebeutelten Frau und seufzend legte sie ihren Kopf leicht auf der zarten Schulter ab.
Ihr Blick wanderte über den Boden und fand die reich verzierten Lederstiefel der Dunkelläuferin. Dolette schaute an der grazilen und doch gestandenen Frau hinauf bis sie den glühenden Blick auf sich ruhen sah. Es kam ihr vor als würden ihre Blicke miteinander verschmelzen und augenblicklich breitete sich wieder die glühende Hitze in ihr aus und die Todesritterin erkannte was geschehen war. Sylvanas hatte einen Teil ihrer unvergleichlichen Aura in der dunklen Ritterin zurückgelassen und offenbar ersetzte diese, den verlorengegangenen Schutz der Priesterin. Dolette nickte der anderen Elfe dankend zu und langsam, als würde die Zeit drohen stehen zu bleiben, erwiderte die Dunkelläuferin die Geste. Kurz huschte ein siegreiches Grinsen über die dunklen Lippen, doch als sie sich zum Horizont wandte, schien es Dolette als legte sich ein trauriger Schimmer auf ihre Gesichtszüge. Das Schluchzen der Priesterin ließ die Zeit wieder normal vergehen und sie legte der heiligen Frau ihre Hände auf die Schultern, um sich leicht von ihr zu drücken. Sylvanas hatte sich mittlerweile lässig an die Reling gelehnt und Dolette betrachtete einen Augenblick zu lange das verweinte Gesicht ihrer Liebsten. Das silberne Leuchten waberte stetig in den tränengefüllten Augen, doch Verwunderung ließ die Bewegung erstarren. Unwillkürlich legte Dolette einen mitleidigen Blick auf. Marialle hatte so sehr gelitten und nun war sie es die die Todesritterin einmal mehr auffing. Ihr erkaltetes Herz schmerzte schon jetzt, wo sich die Worte die nun folgen würden in ihrem Geist formten.
"Ich bringe dich so schnell es geht nach Hause!", sprach Dolette entschlossen. Sie hatte das erwartet, doch die Worte trafen Marialle wie ein Schlag. Sie stieß sich von der dunklen Ritterin zurück und taumelte leicht, nachdem sie sich erhoben hatte.
"Nein, nein, nein! Ich kenne diesen Blick! Du wirst mich jetzt nicht im Stich lassen!", rief Marialle in die eisige Luft Nordends. Die Tage der Unterdrückung forderten offenbar ihren Tribut und so sank sie geschwächt zurück auf ihre Knie. Dolette hatte sich, so schnell es ihr möglich war, erhoben und stürzte auf die Hohepriesterin zu, doch Sylvanas kam ihr zuvor. Die Dunkelläuferin hatte der Priesterin einen Arm um die Taille gelegt und hievte sie zurück in eine stehende Position.
"Geschenke anzunehmen ist so oder so nicht grade eure Stärke, oder Lady Glutklinge?" Beschämt schaute Dolette zur Seite. Sie wusste, dass die Bansheekönigin von dem Teil ihrer Aura sprach, den sie in der Todesritterin zurückgelassen hatte. Doch das glühende Brennen, das Dolette verspürte zeigte ihr überdeutlich, dass das Wesen ihrer Runenklinge in ihr lauerte und den nächsten schwachen Moment nutzen würde, um die Kontrolle zurückzuerlangen. Sie drehte sich um. Ein weiterer Blick in das enttäuschte und traurige der Priesterin oder das vorwurfsvolle Gesicht der erhabenen Gebieterin über die Untoten, würde reichen um ihren Widerstand aufzugeben. Einfach die Menschenfrau in ihre Arme zu schließen und nie wieder loszulassen. Dolette setzte sich in Bewegung, doch die schwere, dunkle Stimme der anderen Elfe ließ sie erstarren.
"Denkt ihr nicht, ihr seid es ihr schuldig, es zumindest zu versuchen?" Ja das war sie.
Dolette drehte sich um und je eine Träne rann ihr über die Wangen. Sie zog ihr Runenschwert und sank wieder zurück auf ihre Knie. Sie betrachtete die goldenen Runen auf der Klinge und schwieg, ewig wie ihr schien. Einzig die vereinzelten Schluchzer der Priesterin durchbrachen die bedrückende Stille.
"Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ist ohne dich zu sein, Mari", erklärte sie schwach und wendete das Schwert gedankenverloren in ihren Händen.
"Auch wenn ich eingeschlossen war und dich leiden sah, so war ich doch unglaublich froh, dass ich noch weiter in deiner Nähe verweilen durfte, aber ich werde das hier wohl niemals loswerden, oder?" Sie deutete mit einem schwachen Nicken hinab auf ihr Schwert und die beiden anderen Frauen folgten der Geste. Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, doch der Wind trug sie hinüber zu Sylvanas, die Marialle noch immer stützend im Arm hielt.
Sie löste sich leicht von der Priesterin, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass diese sicher stand und schritt langsam auf die Todesritterin zu. Vor ihr angekommen, kniete sie auf einem Knie nieder und legte eine ihrer warmen Hände auf eine Schulter der dunklen Ritterin. Unter den Platten wurde es heiß.
"Wenn ihr so fühlt, dann lasst sie nie wieder los." Die knappen einfachen Worte drangen tief in das Bewusstsein von Dolette und brannten sich ein.
"Ihr habt schon so viel durchgestanden." Dolette schaute auf in das fahle Gesicht ihrer Königin und an ihr vorbei.
"Versprich mir, dass du gehst, falls ich die Kontrolle verliere!", wandte sie sich an der Untoten vorbei an ihre Geliebte. Marialle nahm eine aufrechte Haltung an und seit einer Ewigkeit strahlte sie wieder die Würde der Hohepriesterin aus, die sie war. Ein Lächeln glitt über ihre zartrosanen Lippen und Entschlossenheit spiegelte sich auf ihrem Antlitz.
"Niemals!", verkündete sie laut, woraufhin sich Sylvanas schmunzelnd erhob und Dolette eine Hand bot. Die Todesritterin konnte sich eines Schmunzelns ebenfalls nicht erwehren, als sie sich von der Dunkelläuferin aufhelfen ließ. Als ihre Hände einander wieder losließen, war es ihr als spürte sie noch immer die glühende Spur die sie in ihrem Inneren fest umklammerte. Nachdem sie ihr Runenschwert zurück in ihre Scheide gleiten gelassen hatte, betrachtete sie die Handfläche ihrer rechten Hand und war wenig verwundert eine feine rosafarbene Linie diagonal darüber laufen zu sehen.
"Dann eben niemals.", sprach sie mehr zu sich selbst als zu Sylvanas dennoch spürte sie einmal mehr den glühenden Blick auf sich ruhen und als sie ihn erwiderte umspielte ein sanftes Lächeln die blutleeren Lippen der ungleichen Untoten.
Die Dunkelläuferin entließ Dolette aus ihrem Blick und wandte sich Marialle zu, die sanft lächelnd auf ihre Liebste wartete. Die Todesritterin tat wie ihr geheißen und setzte sich endlich in Bewegung.
Ein ächzendes Geräusch ließ sie allerdings wieder zu der Bansheekönigin herumfahren.
"SUSI!!!" Plaggs Stimme klang hysterisch und für seine Verhältnisse, eilte er rasant in die Richtung aus der Dolette grade gekommen war. Grinsend beobachtete sie die Dunkelläuferin, die grade von der Sukkubus umgerempelt und nun überschwänglich bemuttert wurde.
"Oh Königin, entschuldigen. Meisterchen gesagt, Herrin Dolli wieder normal scheinen. Dann ein Windstoß und hihi..." Offenbar war die Dämonin mit ihrem Fehlgriff gar nicht so unzufrieden, denn jetzt schmiegte sie ihre Wange an die fahle der Bansheekönigin und konnte einige wohlige Seufzer nicht weiter für sich behalten. Sylvanas machte einen weit weniger erfreuten Eindruck und versuchte mit leicht angeekelter Miene das Gesicht von Susanne wegzuschieben.
"Susi, beim Dämon. Lass die Königin los. Mylady verzeiht mir!", flehte der Verlassene, als er bei seiner Königin angekommen war.
"Irgendwie weicht die Fixierung eurer Dienerin etwas zu weit von euch ab, Kinnab", entgegnete sie ihm schmunzelnd und versuchte noch immer die Dämonin von sich zu schieben.
"Susi, komm mal her. Lady Windläufer bekommt ja kaum noch Luft", befahl nun Dolette noch immer grinsend und hielt dabei die Arme auf. Das ließ sich die Sukkubus nicht zweimal sagen. Sie ließ sofort von der Bansheekönigin ab und schwang sich auf ihre langen Beine. Die Todesritterin bereute ihren Entschluss augenblicklich, als sie Susanne schnell schwebend und breit lächeln auf sich zu kommen sah. Aber ganz anders als bei der Dunkelläuferin zuvor, war die Dämonin äußerst behände in die ausgebreiteten Arme geglitten. Sie legte ihren Kopf auf die Schulter der dunklen Ritterin ab und ein leises Schluchzen entfuhr ihr. Dolette schmunzelte zu ihrem Diener hinüber, der die Szene mit großen Augen verfolgte.
"Jetzt reicht‘s aber, sonst wird mir noch übel von all dem Gekuschel", lachte die Todesritterin nun und gab der Sukkubus einen abschließenden Klaps auf den Hintern, der ihr einen Laut der Verzückung entlockte. Aufgeregt flog Susanne zurück zu ihrem Herrn und Sätze wie, "wieder die alte!", "gesehen Herrchen?" oder "besser als vorher!" verließen dabei plappernd ihren Mund. Der Untote wollte seiner Königin aufhelfen, doch das ließ die Sukkubus gar nicht zu und Sylvanas machte auch nicht den Eindruck, als wollte sie sich unbedingt erheben. Sie saß noch immer seicht lächelnd auf dem Boden und schaute von Dolette zu Marialle, die mittlerweile an sie herangetreten war. Von der Menschenfrau ließ sie sich offenbar gern in die Höhe ziehen und sie wurde in eine lange Umarmung gezogen. Die Dunkelläuferin schmunzelte, während sie die Umarmung der Priesterin erwiderte.
"Das war wohl eine bessere Entschuldigung."
"Absolut." Dolette beobachtete das verträumte Lächeln der hochgewachsenen untoten Elfe in den Armen ihrer Liebsten. Sie war kein bisschen verwundert als Sylvanas für einen Herzschlag genießend die glühenden Augen schloss und tief einatmete. Die beiden dunklen Elfen tauschten ein wissendes und gleichzeitig dankbares Nicken, während Marialle sich aus der Umarmung zurückzog und sich zu der Todesritterin umdrehte.
Dolette musste schwer schlucken, als die Priesterin ihr nun direkt in die Augen schaute. Sie sah gezeichnet aus und unerbittlich drangen die vielen Bilder in der dunklen Ritterin hoch, die sie schweigend mitansehen musste. Die Erniedrigungen und Züchtigungen hatten mehr oder weniger sichtbare Spuren hinterlassen, doch das milde Lächeln auf den zartrosanen Lippen riss sie aus ihren dunklen Gedanken.
"Bleib bei mir", bat Marialle ruhig und die heilige Anmut, die sie ausstrahlte, raubte Dolette den Atem. Ließ ihr gefrorenes Herz schneller schlagen. Sie nickte nur und spürte wie sich zwei warme Arme um ihren Hals legten. Der zwar schwache, aber in erster Linie glückliche Gesichtsausdruck ihrer Geliebten schien die Zeit langsamer laufen zu lassen. Das silberne Schimmern in den Augen der Hohepriesterin leuchtete stetig und die dunkle Ritterin zog ihre Liebste sanft näher an sich und wollte nur noch in ihrem Licht ertrinken. Dieses Gefühl steigerte sich ins Unermessliche, als sich die weichen Lippen der Priesterin sanft auf ihre legten und sich in einem liebevollen Kuss verbanden.
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