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Die dunkle Ritterin

von Dolette
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / FemSlash
15.10.2015
17.11.2016
66
215.595
5
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12.11.2015 3.379
 
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Die erste Festung fällt



Noch immer hallten die Worte der beiden Nachtelfen in ihr wieder. Sie fand den Gedanken, dass das Schicksal sie und die Paladin zusammen geführt hatte immer überaus tröstend. Aber nachdem sie nun die ganze Geschichte gehört hatten, die das Geheimnis um das sanfte Leuchten, das sie bei jeder Berührung umgab, gelüftet zu haben schienen, fühlte sie die Last, die es mit sich brachte. Sie saßen noch immer an dem kleinen weißen Tisch, am Teich und Marialle konnte in den Augen der Hochelfe sehen, dass auch sie diese Eröffnung bedrückte.
"Ich bin mir nicht sicher, ob ich die sein möchte, auf die man wartet wenn die Welt vor dem Untergang steht, Dole.", sprach sie leise über den Tisch und die Gläser Wein, zu ihrer Liebsten.
"Wärst du enttäuschst von mir, wenn ich dir sage, dass es mir nicht anders geht?" Dolette sah ihr in die silbern schimmernden Augen. Sie war unsicher, ein Blick den die Priesterin nicht mehr bei ihr gesehen hatte, seit sie sich so schwer tat, ihre Gefühle zu der jungen Menschenfrau einzugestehen. Ein Anflug von Panik stieg in ihr auf und sie war versucht vor der Elfe nieder zu knien und ihr ihr innerstes vor die Füße zu werfen und sie anzuflehen, sie möge sie nicht verlassen, doch sie wagte nicht sich zu rühren.
"Ich bin nie enttäuscht von dir, Dole und ich..." Sie musste sich unterbrechen, um den Kloß, der sich in ihrem Hals zu bilden drohte, runter zu schlucken.
"...ich könnte verstehen, wenn du diesen Weg nicht mit mir weiter gehen möchtest." Die Paladin erstarrte und sah ihr erschrocken in die Augen. Es vergingen einige Herzschläge, bis sie sich zu fassen schien. Sie erhob sich von ihrem Stuhl, trat um den Tisch, kniete nun ihrerseits vor der Priesterin nieder und ergriff ihre Hand. Marialles Herz setzte einen Herzschlag aus, als der Strom aus Gefühlen in sie eindrang und in ihr loderte. Heiß stiegen die ersten Tränen in ihre Augen und brachen sich ungehindert, über ihre Wangen Bahn. Die Elfe schüttelte den Kopf und sah leicht verzweifelt zu ihr auf.
"Wie kannst du denken, ich könnte auch nur einen Augenblick ohne dich Leben, Mari? Bevor du in mein Leben getreten bist, war es leer. Tag ein Tag aus, viele Jahrhunderte, war ich auf der Suche nach etwas, dass mich erfüllt und allem einen Sinn gibt. Ja auch ich habe Angst, aber ich würde es mir nicht anders wünschen." Sie strich der jungen Frau die Tränen aus dem Gesicht und gab ihr einen sanften Kuss auf die Hand.
"Ich liebe dich und werde nicht von deiner Seite weichen, solange das dein Wunsch ist." Die Priesterin fiel ihr um den Hals und gab ihr einen Kuss, in den sie all ihre Gefühle und Ängste legte. Die Arme der Paladin umschlangen sie und drückten sie fest an sich. Als sie sich schließlich voneinander lösten, fand Marialle ihre Stimme wieder.
"Ich will, dass du immer bei mir bist, jetzt und in Zukunft und über den Tod hinaus.", sagte sie ernst und wurde wieder in die leidenschaftliche Umarmung gezogen. Wären sie nicht so aufeinander fixiert gewesen, hätten die Paladin und die Priesterin mitbekommen, wie das Licht das sie in ihren Farben umgab, sich veränderte, in steten Wellen vermischt, von den Füßen hinauf zu den Köpfen waberte und den Eindruck erweckte, die zwei stünden in goldenen und silbernen Flammen.

Die Anspannung in den Reihen des Bündnisses der unterschiedlichen Völker nahm von Tag zu Tag an, denn Archimonde war noch eine ganze Weile damit beschäftigt seine Angriffslinie aufzubauen. Die Menschen, die den Dämonen und der Geißel als Erstes gegenüber stehen würden, waren besonders von dieser Anspannung betroffen. Marialle machte sich vor allem Sorgen um ihre jungen Gefährten, die anders als die meisten anderen noch nie auf einem Schlachtfeld waren. Nachdem sie mit Dolette über ihre Befürchtungen gesprochen hatte, haben die beiden sich darauf geeinigt, dass die Priesterin mit Maxime, William und Odessa diesen Nachmittag frei machen würde. Heute würde Archimonde nicht mehr angreifen.
"Sag mal, ich finde die Idee ja an sich gut, aber was macht dich glauben, dass du ihnen die Angst nehmen kannst? Du bist doch selbst noch nie in einer Schlacht gewesen und Maxime und William sind sogar älter als du.", hatte Dolette sie noch scherzend gefragt, doch Marialle antwortete ihr ganz ernst.
"Du hast selbst gesagt, dass ich in letzter Zeit viel reifer und autoritärer geworden bin. Ehrlich gesagt fühle ich mich oft viel älter als die drei und die Ruhe die ich empfinde möchte ich einfach mit ihnen teilen. Ich habe diese Ruhe immer an dir bewundert wenn du auf deine erhabene und würdevolle Art mit den Anführern sprichst, oder wie du ohne zu zögern mutig keinen Kampf scheust und ich glaube, dass ich durch unsere Verbindung mittlerweile einen Teil davon abbekommen habe." Dolette hatte strahlend gelächelt, als die Priesterin ihr dies eröffnete und sie selbst fühlte sich, mit ihr dadurch noch viel mehr verbunden, als es eh schon der Fall war.
Als sie ihre jungen Gefährten dann am Nachmittag eingesammelt hatte, führte sie die drei an einen See, der zwischen dem ersten und zweiten Stützpunkt lag. Sie hatte einen Korb mit Obst und Brot und eine Decke dabei. Die vier jungen Menschen machten es sich schließlich auf der Decke bequem und nachdem jeder etwas für sein leibliches Wohl getan hatte, ergriff die schweigsame Maxime das Wort. Sie hatte ihre dunklen Haare zu einem Zopf zusammen gebunden, die wie immer einen schönen Kontrast zu ihrer hellen Robe abgaben.
"Wie kommen wir denn zu der Ehre, Marialle? Sonst hast du ja auch keine Zeit für das niedere Volk." Die Priesterin streckte ihr die Zunge raus, aber Marialle wusste, dass das nur in Teilen ein Scherz war, also versuchte sie ihre Beweggründe zu sprechen:
"Naja wie ihr wisst sind wir ja so ziemlich die jüngsten, aber vor allem die unerfahrensten in unserem Heer, was Schlachten anbelangt und ich spürte grade in euch dreien eine wachsende Anspannung. Darum dachte ich wir vier hübschen machen mal etwas was nicht mit Tod und Vernichtung zu tun hat.", erklärte sie also und lächelte sanft in die drei jungen Gesichter. Grade von dem Ausdruck in Maximes Gesicht war sie überrascht, denn sie schien ehrlich dankbar.
"Achsooo und da DU ja keine Abwechslung nötig hast, dachtest du, du lässt dich dazu herab, uns ein wenig zu bespaßen, Mari?", warf Odessa zwinkernd ein.
"Nein, also ja ich meine, na hör mal ich dachte wir haben so was lange nicht mehr gemacht..." William unterbrach sie sanft, sie hätte aber eh nicht gewusst was sie weiter sagen sollte.
"Nicht doch Mari, du musst dich nicht rechtfertigen. Anders als wir, bist du völlig freiwillig und ohne Bezahlung hier. Und ich denke die Damen könnten etwas dankbarer sein. Außerdem schätze ich du hast selbst genug mit deiner eigenen Anspannung zu tun. Wir sollten uns glücklich schätzen eine Kommandantin zu haben die sich um mehr sorgt, als unser körperliches Wohl und dass wir immer einsatzbereit sind. Für mich stehst du Lady Glutklinge in nichts nach, Marialle.", sagte er freundlich und die Priesterin spürte wie ihr die Hitze ins Gesicht schoss. Natürlich schätzte er sie teilweise falsch ein, aber ihre jungen Gefährten mussten nicht wissen, dass sie der bevorstehende Kampf nahezu kalt ließ, denn das Gelingen oder Scheitern, dieses Unterfangens bedrückte sie viel mehr als der mögliche Verlust ihres eigenen Lebens.
"Hast ja recht, Will.", lenkte die junge Magierin ein.
"Was habt ihr eigentlich so vor wenn wir wieder nach Hause zurückkehren und Urlaub haben? Mari, du willst sicher erst einmal sehen wie es deiner Familie ergangen ist.", wechselte sie das Thema.
"Also ich werde mit meinem verlobten Urlaub machen, vielleicht in Westfall.", sprach Maxime gut gelaunt, Marialle wusste gar nicht, dass die andere Priesterin verlobt war und fragte daher:
"Du bist verlobt? Wieso hast du davon noch nichts erzählt? Wirst du denn nach unserer Rückkehr überhaupt wieder mit uns auf Reisen gehen?"
"Ihr habt doch nie gefragt oder? Mal unter uns Marialle, ich habe immer gesehen, mit welchen Blicken du mich bedacht hast, wenn ich mich mit Lady Glutklinge unterhalten habe. Das hat mich irgendwie immer etwas amüsiert, mal abgesehen davon, dass ihr über eure Beziehung auch nicht grade mit offenen Karten spielt, nicht wahr? Als wüssten wir nicht alle wie es um euch beide steht." Maxime zwinkerte ihr verschwörerisch zu, was Marialle noch mehr die Röte ins Gesicht schießen ließ. Die Brünette registrierte es schmunzelnd.
"Und ja es ist wahrscheinlich, dass ich nächstes Jahr nicht weiter mit euch reisen werde, Augustan und ich möchten Kinder.", gab sie nun lächelnd zu.
"Mensch Maxi und Mami? Na das kann ja was werden!", lachte Odessa und klopfte der Priesterin freundschaftlich auf die Schulter.
"Du lachst Odi, was hast du denn vor?", fragte nun wieder Will.
"Hm, keine Ahnung um ehrlich zu sein. Meine Mutter lebt in Sturmwind, ein paar Tage würde ich sicher bei ihr bleiben, danach kanns von mir aus direkt weiter gehen. Und was ist mit dir Will, was machst du im Urlaub und bist du danach noch weiter dabei?", sprach sie ernst. Odessa war dafür anscheinend von Anfang an leicht auf Marialle fixiert, was widerum Dolette etwas sauer aufstieß. Die Priesterin schmunzelte innerlich, als sie darüber nachdachte. Sie hatte ihren Vater verloren als sie noch ein Kleinkind war, ihre Mutter war alles was sie hatte, aber das Verhältnis zu ihr war gespannt, sie war immer dagegen, dass ihre Tochter sich zur Magierin ausbilden ließ.
"Oh, ich weiß nicht recht. Aber ich bin nächstes Jahr auf jeden Fall wieder dabei." William und seine Familie stammten aus dem ehemaligen Königreich Alterac, seine Eltern und Schwester wurden von den Truppen der Allianz getötet, als das Land von dem Bündnis zwischen Orks und Lord Perenolde dem Herrscher Alteracs, zurück erobert wurde. Marialle fragte sich des Öfteren, was den sanftmütigen jungen Mann, ausgerechnet diesen Weg gehen ließ.
Eine betretene Stille trat ein, die jäh von herannahenden Schritten unterbrochen wurde.
"He! Ihr da, was ist denn das hier für eine Zusammenkunft? Nur für die Jugend, oder wie?" Erklang die dunkle Stimme, des Zwergenjägers der auf die Lichtung trat, gefolgt von Orphan, Borigan, Gernodt, Malek, Dolette und dem Druiden Efendral, der ihnen als Berater von Malfurion zur Seite gestellt worden war.
"Wir dachten nur, dass es euch mit uns Jungspunden, vielleicht etwas zu wild zuginge.", scherzte Marialle.
"Zu wild? Wir haben wild erfunden, ihr jungen Hühner.", maulte der Schurke als Antwort.
"Habt ihr noch etwas Platz für die ältere Generation? In unserem Alter ist das lange Stehen durchaus anstrengend.", fragte nun auch der alte Magier.
"Sicher, setzt euch zu uns, wir haben grade darüber gesprochen, was wir mit unserem nächsten Urlaub anfangen wollen.", erklärte die Priesterin.
"Urlaub? Oh ja ich möchte gern mal wieder nach Hause und ein ordentliches Bier trinken. Wo ein Dach hoch genug jst, da ist dein Zuhause! Haha!"
"Wir reden von Urlaub und ihr denkt nur ans Saufen, Meister Zwerg! Zu trinken gibt es hier doch auch genug." Dolette war das Wesen der Zwerge schon immer ein Rätsel gewesen, immer gut gelaunt und doch mürrisch zur selben Zeit. Hausten unter der Erde und betranken sich jeden Tag. Aber dieses Exemplar mochte sie mittlerweile irgendwie.
"Das Gebräu hier...."

Die Umgebung verschwamm plötzlich vor den Augen Marialles, es war dunkel und von überall drangen Schreie an ihr Ohr. Sie wurde in unregelmäßigen Abständen geblendet, worauf immer ein dumpfes Grollen ertönte. Ihr linker Arm und der Hinterkopf schmerzte höllisch und als sie endlich wieder klar sehen konnte, wurde ihr bewusst, dass um sie herum eine Schlacht tobte. Vor sich erkannte sie Malek, der Schurke wehrte mit seinen grün schimmernden Dolchen zwei Untote ab, die ihm immer mehr zusetzten. Etwas weiter davor waren Borigan und Gernodt die jeder einen großen Dämonen mit ihren Schwertstreichen, versuchten zurückzudrängen. Jetzt erkannte sie auch was die Nacht so erhellte, riesige Feuerkugeln wurden von Katapulten in die Festung geschleudert und rissen große Löcher in die Gebäude und Abwehrreihen ihrer Truppen.
Die Priesterin versuchte aufzustehen, aus dem Augenwinkel sah sie wie ein Untoter sie mit seinem Schwert angriff, sie konnte es grade so mit ihrem Kampfstab abwehren und schleuderte ihm einen mächtigen Lichtblitz entgegen der ihn durch die Reihen der Gegner schleuderte und gleich drei Dämonen mit zu Boden riss. Taumelnd fand sie schließlich ihr Gleichgewicht wieder. Maxime und William sah sie oben auf einer der Balustrade, zusammen mit den anderen Priestern, sie warfen einen Schutzzauber nach dem anderen über die am Boden kämpfenden. Warum war sie hier unten und nicht bei den anderen Priestern?
Dole!
Panisch sah sie sich weiter um, es musste einen Grund geben warum sie nicht bei den anderen war. In dem Augenblick stürzte ein riesiger tätowierter Bär an ihr vorbei, den Marialle als Efendral erkannte, gefolgt von einem kleineren der ganz klar Bumer, der Begleiter von Bertak war.
Druiden waren wahrlich faszinirrende Geschöpfe. So waren sie in der Lage ihre Gestalt je nach belieben zu verändern. Der Bär, dessen Gestalt Efendral grade annahm, war stark und gut geeignet für den frontalen Kampf. In der Gestalt einer großen Katze waren sie, ähnlich einem Schurken wie Malek, in der Lage aus dem Schatten heraus empfindsame Punkte zu treffen. Verwandelten sie sich in einen kleinen Baum machten sie sogar ihr, als heilende und beschützende Priesterin, Konkurenz. Und dann war da noch die Gestalt des Moonkin. Ein Wesen, das stark an eine große Eule erinnerte. In dieser Form vermochten es Druiden gewaltige Zauber zu wirken. All diese Verwandlungen ließen auf die starke Verbindung zur Natur schließen, aus der die Druiden ihre Macht speisten. Sogar fliegen und unter Wasser atmen konnten die Verwandlungskünstler in dem sie ganz einfach die Gestalt eines Vogels oder eines Seelöwen annahmen.
Der Himmel verdunkelte sich kurz, als eine große Menge Pfeile aus der Festung nieder schoss und unzählige Gegner zu Boden rissen. Gleich darauf wurde es Tag hell als Feuerbälle und Eisblitze über ihren Kopf hinweg weitere Dämonen und Untote nieder streckten. Als sie sich umdrehte erkannte sie Odessa und Orphan die bei den Jägern und Magieren, angeführt von Jaina Prachtmeer, auf einer anderen Balustrade, einen Zauber und Pfeil nach dem anderen auf die Gegnerscharen schossen.
Dann entdeckte sie endlich wonach sie so verzweifelt suchte. Dolette stand vor einer riesigen, giftgrünen Monstrosität. Einige Ketten, mit denen die unterstützenden Priester das Ungetüm belegt hatten, hielten es in Schach und die Paladin setzte einen Hieb nach dem anderen an, um ihm irgendwie beizukommen. Die Ketten gaben jedoch eine nach der anderen nach und der goldene Schutzschild, der die Hochelfe umgab, begann zu flackern. Die Monstrosität schlug auf sie ein, Hieb um Hieb wehrte sie nur noch geschützt von ihrem silbernen, mit goldenen Runen besetzten, Schild ab und sank schließlich auf die Knie.
Marialle legte geistesgegenwärtig eine goldene Kugel um die Paladin, die die nächsten Schläge abprallen ließ und das Ungetüm sogar einige Körperlängen zurück schleuderte.
Dolette warf ihrer Geliebten einen dankbaren Blick zu und brüllte über das Kampfgetümmel hinweg.
"Konzentriert eure angriffe auf die Monstrosität!" Sie ließ ihren goldenen Hammer auf das Sammelsurium aus Leichenteilen niedersausen und es schrie auf vor Schmerz. Auf den Hammer folgten, Zauber und Pfeile und auch einige der vielen Nahkämpfer landeten einen Schwertstreich nach dem anderen. Das Monstrum sackte auf die nieder Knie, in dem Augenblick traf es eines der Katapultgeschosse und das Ungetüm wurde von der Explosion in tausende Teile zerrissen. Die Wucht der Explosion riss die Kämpfenden, im nahen Umkreis zu Boden. Marialle erstarrte als sie sah wie Dolette nieder geworfen und unter einer Masse Leichenteile begraben wurde. Zitternd rief sie sich selbst zur Ordnung und begann endlich zu laufen. Der Weg kam ihr unendlich lang vor, doch schließlich erreichte sie den Haufen und riss Arme und Beine heraus, bis sie endlich eine Hand ergriff die mehr Widerstand bot. Weitere Extremitäten und einen Torso zu Seite wuchtend erblickte sie das leblose Gesicht der Hochelfe.
"Dole!" Sie rüttelte an ihren Schultern, doch nichts geschah.
"Verdammt noch mal wach auf!", rief die Priesterin nun.
"Lady Lichtsprung! Da kommen drei weitere Monstrositäten! Wir müssen uns zurück ziehen.",brüllte ihr Borigan zu der sich grade erst wieder aufrappelte. Sie sah verzweifelt von ihm zurück zu der Paladin.
"Dole, wach aaauuuf.", schrie sie nun aus Leibes Kräften und ließ das Klatschen einer satten Ohrfeige ertönen, worauf die Paladin endlich die Augen öffnete.
"Mari? Bist du noch ganz bei Trost?", fragte Dolette verdutzt.
"Rückzug!" Erklang die magisch verstärkte Stimme von Jaina Prachtmeer und hallte über das gesamte Schlachtfeld.
"Keine Zeit für Erklärungen. Wir müssen zum Sammelpunkt, komm schon!", befahl die Priesterin und zog ihre Geliebte zu sich in den Stand. Gemeinsam mit den anderen Überlebenden, rannten sie hinter die Verteidigungslinien, wo schon die Fernkämpfer und Priester unter den Balustraden warteten. Als sie sich umdrehte, sah sie wie die gegnerischen Bogenschützen anlegten.
Schneller!
"Beeilt euch, wir kanalisieren schon den Teleportationszauber!", schrie ihnen Odessa entgegen.
Schneller!
Marialle sah wie Borigan, Efendral und einige andere den Sammelpunkt erreichten. Sie hörte schon das Zischen der Pfeile, die die Luft über ihnen durchschnitten.
Schneller!
Sie sah Dolette an, als sie sich gemeinsam vom Boden abstießen und in das blaue Schimmern sprangen, das von den Magiern ausging. Hinter der Elfe erkannte sie noch Gernodt der auch gesprungen war und plötzlich Stille.
Die Priesterin sah sich um, viele von ihnen lagen am Boden, neben sich erkannte sie die Paladin und ihr Herz setzte einen Moment aus.
"Wir haben es geschafft!" Erklang Jainas Stimme. Marialle sah sich um, zwischen den Magiern, Priestern und Jägern, erkannte sie ihre Gefährten, Maxime, William, Odessa, Orphan und Bertak, der glücklich seinen Bären Bumer kraulte. Sie ließ ihren Blick weiter wandern und erblickte Borigan und Efendral, der sich, wieder in seiner nachtelfischen Gestalt, schon erhoben hatte. Der einzige, der Ihren, der fehlte, war...
"Gernodt!", rief Borigan verzweifelt und auch die umstehenden sahen sich nach ihrem Kampfgefährten um. Doch Marialle wusste, dass er einen Herzschlag zu spät gesprungen war. Als der Blick des Kriegers den ihren traf, schüttelte sie leicht mit dem Kopf und er sank zurück auf die Knie.
"Nein!" Sie sah zur Seite als sie bemerkte wie Dolette sich erhob und schwere Verletzungen an ihrer gesamten linken Körperhälfte Preis gab. Sie schritt langsam, humpelnd auf den Krieger zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Sein Tod, wie die vielen anderen, die wir heute zu beklagen haben, darf nicht umsonst gewesen sein, Borigan, mein Freund. Wir müssen jetzt hoch in die zweite Festung steigen und ausruhen und kurieren. Dann ist es Zeit zu trauern. Jetzt erhebt euch, ihr alle. Wir haben überlebt, wir werden das Andenken unserer Kameraden nicht beschmutzen in dem wir uns jetzt hängen lassen." Die Paladin mutete ruhig und wahrlich erhaben an, wie Marialle fand, zum Ende wurde sie immer lauter und während sie sprach stand ausnahmslos jeder auf. Wer nicht vermochte allein zu stehen wurde von einem anderen gestützt.
"Die Priester mögen unsere Wunden schließen, damit wir schnell hinauf gelangen." Marialle und die anderen Priester kamen dem Befehl ihrer Kommandantin augenblicklich nach. Es wurde nicht gesprochen, man versorgte die zahlreichen Verwundeten und machte sich dann auf den Weg hoch zum Lager der neuen Horde. Die junge Menschenfrau ließ ihren Blick noch einmal zurück schweifen auf ihr eigenes Lager, das lichterloh brannte. Schwarze Wolken stiegen auf und von den Mauern war kaum noch etwas übrig. Marialle musste ihren Blick abwenden. Sie spürte wie ihre Hand ergriffen wurde, folgte dem Impuls und sah in die schönen, gold schimmernden Augen ihrer Liebsten. Ihr Gesicht war eine starre Maske, makellos und schön, aber auch kalt und ausdruckslos. In den Gefühlen, die die Paladin sandte lag etwas ganz anderes, pures Glück, dass sie es beide aus der brenzligen Lage, lebend heraus geschafft hatten. Dieses Gefühl überwog, auch in der Priesterin, die Trauer über die Verluste, die sie so eben erlitten hatten.
Dennoch schlich sich die traurige Gewissheit dazwischen, dass das erst der Anfang war.
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