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3 1/2 Morde

Kurzbeschreibung
GeschichteHorror, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Beyond Birthday OC (Own Character)
14.10.2015
20.10.2015
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14.10.2015 1.466
 
...

Seufzend zog Ella ihre Jacke enger um sich.
Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen sich auf die kalte Eisenbank an der Haltestelle zu setzten, denn sie fror schrecklich. Sie war als erste dort gewesen und die Leute die sich nach und nach zu ihr gesellt hatten, waren so schlau gewesen sich nicht auf die unterkühlte Bank zu setzten.
Seit mehr als zehn Minuten wartete sie jetzt schon auf den Bus.
>Wenn ich zu Fuß gegangen wäre, wäre ich schon längst Zuhause< ärgerte sich die Brünette.
Aber dieser Gedanke verflog  so schnell wie er gekommen was, als sie die Frau sah, die sich völlig durchnässt unter die Überdachung der Bushaltestellte stellte. Ihre blonden Locken klebten an ihrer schwarzen Jacke, ihre Schminke war leicht verlaufen und ihre Wangen leicht gerötet.
Sie war wunderschön.
Auch dem Mann rechts von Ella schien dies aufgefallen zu sein, denn auch sein Blick blieb an ihr hängen.
Ella wandte ihren Blick ab und starrte geradeaus auf die Straße.
Die Regentropfen schlugen hart auf der Erde auf, dennoch sah es jedes Mal so aus, als würden sie einfach vom Boden abprallen.
Nur die Pfützen verrieten, dass sie doch auf der Straße liegen blieben.
Heute war einfach nicht ihr Tag gewesen. Doch obwohl sie fror und schon ziemlich lange auf den Bus wartete war sie seit langem mal wieder glücklich.
Es war als würde der Regen ihre Last abwaschen und ein angenehmes Gefühl von Reinheit und Ruhe hinterlassen.
Erleichtertes Seufzten sagte ihr, dass die Leute um sie herum den Bus  um die Ecke fahren sahen.
Sie stutzte.
War es vor ein paar Minuten noch ihr sehnlichster Wunsch gewesen das der Bus sie endlich nach Hause brachte, so verspürte sie jetzt Enttäuschung darüber gleich nach hause zukommen. Irgendwie beschlich sie ein merkwürdiges Gefühl.
Sie konnte es nicht einordnen und erst recht nicht erklären.
Vielleicht war es, weil Zuhause der Abwasch von gestern auf sie wartete, den sie unbedingt noch heute machen musste, da sie morgen in ihrem Haus geschäftlichen Besuch empfangen würde. Ella seufzte. Es wäre schön, wenn es nur bei dem Abwasch bleiben würde.
Warum mussten diese Treffen auch immer bei ihr stattfinden?

Als Ella eine halbe Stunde später aus dem Bus stieg schüttete es wie aus Eimern. Anders als weitere Fahrgäste die mit ihr ausgestiegen waren, stellte sie sich nicht erstmal bei der Haltestelle unter, sondern hastete stattdessen die nasse Straße entlang und verfluchte sich dabei mehr als einmal dafür keinen Regenschirm mitgenommen zu haben.
Zwei Straßen weiter blieb sie vor ihrem Haus stehen und stutze.

Hatte sie vergessen das  Licht im Schlafzimmer auszumachen?
Langsam  drehte sie den Schlüssel im Schloss.
Das zweimal abgeschlossen war, beruhigt sie.
Sie hatte es anscheinend wirklich einfach nur vergessen.
Ella drückte die Tür auf und betrat endlich ihr trockenes Haus.
Obwohl sie sofort nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen, ihre Schuhe ausgezogen  und diese auf die Fußmatte gestellt hatte, die als Ersatz für ein Schuhregal dort lag, war die Fliesen so nass, dass sie erstmal ins Bad eilte, um sich ein Handtuch zu holen.
Im Badezimmer ließ sie ihre klatschnasse Jacke in die Badewanne fallen und schnappte sich zwei Handtücher.
Das eine wickelte sie sich erstmal um die nassen Haare um nicht noch mehr Wassertropfen auf dem Boden zu verteilen.
Mit dem zweiten kehrte sie zur Haustür zurück und ließ sich auf die Knie sinken.
Gerade als sie mit dem aufwischen begonnen hatte, klingelte es an der Tür.
Ella konnte einen spitzen Schrei nicht unterdrücken und fasste sich an ihr Herz.
Himmel!
Hatte sie sich erschrocken!
Mit wackeligen Beinen stand sie auf, griff nach der Türklinke und zog diese auf.
Der Anblick der Person die vor ihrer Tür stand ließ sie erneut zusammenzucken.
Die Erscheinung des jungen Mannes war alles andere als normal.
Seine gebückte Haltung und seine großen dunklen Augen verliehen ihm etwas Gruseliges.
Das breite Grinsen was seinen Mund umspielte widerlegte diesen Eindruck nicht gerade.
„Hallo…Kann ich Ihnen helfen?“
Seine dunklen Augen bohrten sich direkt in ihre. Sie schienen interessiert zu Glitzern.
„Ja, das können Sie in der Tat.“
Ella empfand den Klang seiner Stimme als sehr angenehm. Sie klang dunkel und rau.
Sein Blick glitt nach oben: Er schien ihren Handtuchturban zu betrachten.
Ella schoss die Röte in die Wangen.
Oh Gott, wie dämlich musste sie wohl aussehen?
Ihre Hände schnellten nach oben und lösten das Handtuch von ihrem Kopf, sodass ihre braunen Locken hinab fielen und ihr wieder bis zur Hüfte reichten.
Der Ausdruck in seinen Augen veränderte sich, wenn Ella sich nicht irrte, leuchtete plötzlich Misstrauen in ihnen auf.
Verwirrt zog sie die Augenbrauen zusammen und biss sich auf die Unterlippe. Erst jetzt fiel ihr auf, dass es immer noch in Strömen regnete, der junge Mann jedoch fast völlig trocken war. Vielleicht war er mit dem Auto gekommen. Aber was wollte er denn hier?
„Warum sind Sie hier?“
„Wie heißen Sie?“
Ellas Augen weiteten sich.
„Wie bitte?“
„Ihr Name, wie lautet er?“
Warum wollte er das wissen?
Hatte er beim Klingeln nicht auf das Klingelschild geschaut?
„Winter.“
Obwohl sie seine Frage beantwortet hatte schien er nicht zufrieden zu sein.
Ella beschlich ein ganz komisches Gefühl. Sie wollte diesen komischen Typen so schnell wie möglich loswerden.
„Wie heißen Sie?“
„Ryuzaki.“
Was war das den bitte für ein Name?
„Und warum sind Sie jetzt noch mal hier?“
„Natürlich, verzeihen Sie meine Neugier. Dürfte ich vielleicht einmal kurz ihre Toilette benutzen?“
Ella fühlte sich dabei nicht gerade wohl, aber eigentlich schien von diesem Mann keine Gefahr auszugehen. Ryuzaki war ohne Zweifel etwas merkwürdig, aber sollte sie ihm deshalb verweigern ihre Toilette zu benutzen?
Danach war er ja wieder weg.
„Ja natürlich. Kommen Sie!“
Sie trat zur Seite und ließ ihn eintreten.
Ella wollte gerade ansetzten zu sagen, er solle seine Schuhe ausziehen, damit sie nicht noch mehr wischen musste, da fiel ihr ein, dass das automatisch bedeutete, dass Ryuzaki noch länger blieben würde und lies es lieber.
„Gerade aus die letzte Tür links.“
„Ich danke Ihnen vielmals!“
Ella nickte nur und beobachtete wie Ryuzaki in ihr Badezimmer schlurfte.
Was für ein komischer Kautz!
Da Ella nicht im Flur stehen bleiben wollte, schlüpfte sie in ihre Hausschuhe und ging in  die Küche, die sich unmittelbar neben dem Bad und daher ebenfalls im Erdgeschoss befand und sie somit mitbekommen würde wenn Ryuzaki das Bad verließ.
Damit sie nicht noch mehr Zeit verschwendete die sie eigentlich zum Aufräumen und Abwaschen brauchte, begann sie schon mal mit dem Abwasch.
Als sie ihre kalten Hände in das warme Wasser gleiten ließ schloss sie kurz die Augen.
Erst jetzt merkte sie wie kalt ihr eigentlich gewesen sein musste, da die Wärme ihr unheimlich gut tat.
Plötzlich hörte Ella ihre Haustür ins Schloss fallen und riss die Augen auf.

Moment! Wann war dieser Ryuzaki den bitte aus dem Bad gekommen?
Schnell schnappte sie sich das blaue Geschirrtuch und hastete in den Flur.
Dieser war leer. Hatte sie sich das ganze nur eingebildet?
Ella schlich langsam zur Badezimmertür und lauschte angestrengt.
Nichts.
Nach kurzem Zögern und einem Klopfen riss sie die Tür auf und betrat das Bad.
Auch dieses war leer.
Aber irgendetwas stimmte nicht.
Etwas war anders. Aber was?
Die Badewanne!
Der Vorhang der nun die komplette Badewanne umhüllte, war vorher zurück gezogen gewesen.
Was sollte das?
Böses ahnend zog Ella diesen zur Seite und blickte ängstlich in die Badewanne.
Kaum hatte sie in die Badewanne geblickt, sackte sie auf die Knie und schlug sich die Hand vor den Mund.
Ihr wurde schlecht.
Was hatte Ryuzaki nur getan!
Da lag ein Arm in ihrer Badewanne!
Ella zitterte so sehr und der Ekel nahm von Sekunde zu Sekunde zu, trotzdem konnte sie den Blick einfach nicht abwenden.
„…Polizei, Ich muss die Polizei rufen!“ flüsterte sie heißer und zog sich schwankend an der Badewanne hoch.
Benommen stolperte sie in den Flur zurück, wo normalerweise auf einem kleinen Tisch immer ihr Telefon stand.
Doch diesmal war dieser leer!
Schwankend hielt sie sich am Tisch fest. Ihr war so schwindelig.

„Suchen Sie das hier?“ flüsterte eine heisere Stimme in ihr Ohr und eine weiße dünne Hand hielt ihr das Telefon vor die Augen.
Ella wollte schreien.
Sie wollte um sich treten und schlagen, doch ihr Körper bewegte sich kein Stück.
Alles drehte sich immer schneller und die Übelkeit erreichte ihren Höhepunkt.
Sie beugte sich vor und übergab sich auf die Fliesen.
„Na, wie ladylike.“ erklang es höhnisch an ihrem Ohr.

Ella wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Die Übelkeit hatte nachgelassen, aber das Wanken der Wohnung eher zugenommen.
Krampfhaft versuchte sie ihren Kreislauf unter Kontrolle zu kriegen.
Die Dunkelheit schob sich aber ohne Erbarmen in ihre Sicht, bis sie letztendlich in sich zusammensackte.
Ella spürte starke Arme die sie auffingen.
„So verletzlich…das wird mir Gefallen bereiten“ flüsterte die Stimme verzückt.

Dann verlor Ella das Bewusstsein.
 
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