Schwarzgrün

GeschichteDrama, Romanze / P16
13.10.2015
31.07.2017
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Sie war aufgeregt.

Sakura konnte sich nicht daran erinnern, jemals so aufgeregt gewesen zu sein. Noch eine Haltestelle, dann war sie endlich da. Sie hatte Freunde und Familie hinter sich gelassen und würde sie die nächsten Monate nur selten zu Gesicht bekommen. Das alles für eine Beschäftigung in einer Stadt, die mehr als 200 Kilometer nördlich von ihrer Heimatstadt entfernt lag. Acht Monate lang würde sie sich um einen erblindeten jungen Mann kümmern. Der Erblindete, Izuna Uchiha, lebte zusammen mit seinem Bruder, der bedauerlicherweise wenig Zeit hatte, sich alleine um seinen Bruder zu kümmern.

Einige Fahrgäste erhoben sich von den dunkelblauen Sitzen, obwohl noch keine Ansage gemacht wurde. Sie zogen sich an, suchten die Toilette auf, spazierten zu den Gepäckablagen. Es sorgte dafür, dass Sakura noch eine Spur aufgeregter wurde, tatsächlich wurde sie sogar ein wenig nervös durch die Menschen, die sich zum Aussteigen bereit machten.

Sie war froh, dass sie einen Vierer nur für sich hatte; ihr großer grüner Koffer stand zwischen ihren Knien und dem Zweiersitz gegenüber. Sie fischte aus ihrer beigefarbenen Tasche ihr Mobiltelefon und tippte rasch eine Nachricht an ihre beste Freundin Ino, die zusammen mit Sakuras Mutter und Vater Sakura am Gleis verabschiedet hatte.

Gleich bin ich da! Bin sehr aufgeregt.

Es war die dritte Nachricht an Ino heute. Die erste hatte sie verfasst, als sie das erste Mal hatte umsteigen, die zweite, als sie das zweite Mal das Gleis hatte wechseln müssen. Zum Glück hatte sie dafür genug Zeit gehabt, sie hatte es auch geschafft, sich beim zweiten Mal etwas zu essen zu holen. Ihre Nudeln hatte sie nicht ganz geschafft und war gezwungen gewesen, die Reste schlechtes Gewissens wegzuwerfen; von dem kleinen Abfallbehälter unterhalb des Fensters, an dem ein grauer Himmel, kahle Bäume und Gebäude vorbeizogen, ging der Geruch von Nudeln und Hühnchen aus.

Sakura bekam eine Nachricht von Madara.

Ich warte am Bahnsteig.

Sie fragte sich, was Madara Uchiha für ein Mensch war. Er wusste, wie sie aussah, ihr Lebenslauf enthielt ein Foto von ihr. Auf ihre Frage, wie sie ihn erkennen könne, hatte er geantwortet: „Das müssen Sie nicht. Ich werde Sie erkennen.“

Ein wenig mulmig war ihr in diesem Augenblick schon zumute gewesen. Selbstverständlich interessierte sie nicht ausschließlich das Äußere ihres neuen Arbeitgebers. Sie hatte das Gefühl, dass er ein Mensch von Distanz und Kühle war. Sie schrieb ihm diese Eigenschaften nicht direkt zu, schließlich hatten die beiden nur einige Mails ausgetauscht. Doch das war der erste Eindruck, den sie von ihm hatte. Natürlich interessierte es sie ebenfalls brennend, wie Izuna Uchiha war.  

Eine hohe männliche Stimme erklang durch das Abteil und kündigte die nächste Haltestelle an – den Zielbahnhof.

Sakura hatte wahnsinniges Herzklopfen, als sie aufstand und sich ihren hellbraunen Wollmantel anzog. Sie sah aus dem Fenster, während sie den Mantel unbeholfen zuknöpfte, ihre Finger ab und an in das weiche Material krallend.

Als Bahnsteige in ihrem Sichtfeld erschienen, presste sie die Lippen zusammen und schloss die Augen, bemüht, sich selbst zur Ruhe zu bringen. Sie empfing eine Nachricht von Ino, die sie sogleich las.

Das glaube ich dir! Schreib mir in einer freien Minute oder ruf mich an. Ich bin gespannt!

Das war Sakura auch.
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