A Storm In My Hands

von Rai-chwan
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Kominato Haruichi Sawamura Eijun Yuuki Tetsuya
12.10.2015
20.10.2015
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Nach längerer Zeit mal wieder ein deutsches Werk von mir - und das war ursprünglich auch Englisch. Ich dachte, ich versuch mich mal an einer Übersetzung meiner eigenen Fic.

Den Manga hab ich leider noch nicht gelesen, also weiß ich nicht, welche Unterschiede sich da ergeben. Sollte aber trotzdem lesbar sein. :P Baseball verstehe ich auch nur sehr rudimentär (obwohl ich sagen muss, dass es definitiv schon besser geworden ist.)

Ich möchte mich bei Sayu für die spätnächtliche Unterstützung bedanken (und auch fürs Zuhören während des Übersetzens heh).

Viel Spaß beim Lesen.    (◡‿◡✿)

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Kapitel 1

Chris hatte sich relativ schnell an seine neue Routine an der Universität gewöhnt. Jedenfalls mochte er es das zu sagen, nachdem er ein Jahr dort verbracht hatte.

Er hatte das Glück, nicht im Wohnheim leben zu müssen sondern eine kleine Wohnung außerhalb des Campus zuhaben. Sein Vater bezahlte dafür, natürlich, da sein Studium und das Training ihm keine Zeit für einen Job ließen, aber es gehörte trotzdem ihm allein.

Das neue Semester hatte noch nicht angefangen, würde dies auch für zwei weitere Wochen nicht tun, aber Chris war früher aus den Ferien wiedergekommen, die er mit seiner Familie in den Staaten verbracht hatte. Das Training fing früher an als die Universitätskurse und er brauchte einen Vorsprung. Nicht, dass er sich während des Urlaubs hatte gehen lassen – das konnte er sich definitiv nicht leisten.

Trotzdem war es schön wieder in seinen eigenen vier Wänden zu sein und ein wenig Ruhe und Frieden zu haben. Er mochte es besonders frühmorgens, kurz nach Sonnenaufgang, neben seinem offenen Küchenfenster zu sitzen und der Stadt beim langsamen Erwachen zuzuhören.


Er war gerade von seinem Morgenlauf wiedergekommen, sein durchgeschwitztes Shirt klebte an seinem Rücken, aber er erlaubte sich fünf Minuten um eine Tasse Kaffee zu trinken bevor er duschte. Natürlich konnte das nicht ideal für seine Muskeln sein aber die Angewohnheit hatte bereits Wurzeln geschlagen und über das vergangene Jahr hatte sie ihn auch nicht umgebracht, also entschied er sich weiterhin dazu erst abzukühlen, bevor er unter die Dusche stieg.

Nachdem er seine leere Tasse ins Waschbecken gestellt hatte streckte er sich, dem Fenster zugewandt, wo er, drei Stockwerke unter sich, auf der Straße zwei Mädchen auf ihren Fahrrädern vorbeischießen sah. Er lächelte, strich sich die Haare aus den Augen mit der linken Hand und wandte sich dann ab, um endlich die Dusche zu genießen, die sein Körper brauchte.


Während das warme Wasser über seinen Rücken lief rollte er seine Schultern, instinktiv nach irgendwelchem Zwicken, den Anzeichen von Steifheit, irgendeiner Außergewöhnlichkeit in seiner rechten Ausschau haltend. Er hatte seit über zwei Jahren nichts ungewöhnliches mehr gespürt, das über normalen Muskelkater nach dem Training hinausging doch er sich nicht davon abhalten, sich selbst zu beobachten.


Sein Vater hatte gewollt, dass er auf eine Amerikanische Universität ging – wann hatte er das jemals nicht gewollt – und Chris hatte eine Weile ernsthaft darüber nachgedacht. Doch letzten Endes hatte er sich dagegen entschieden. Er war zu alt, um es ohne Stipendium in ein Baseballteam einer Universität in den USA zu schaffen. Und er mochte Japan. Trotz – oder vielleicht gerade aufgrund – seiner Erfahrungen mit dem Sport dort wollte er immer noch Baseball in dem Land spielen, das er liebte.


Er verließ seine Wohnung gegen Neun, die Stadt belebt um ihn herum als er in Richtung des Campus lief. Er wohnte nur fünfzehn Minuten Fußweg entfernt und war glücklich darüber, eine Wohnung so nah an der Universität gefunden zu haben. Egal wie heiß oder regnerisch es war, er zog es vor durch den Dunst der Stadt zu laufen, anstatt in einem vollen Bus gefangen zu sein, den er nur drei Minuten später in einer Traube anderer Studenten verlassen würde.

Die Bibliothek war leer, bis auf einen neuen Professor, der versuchte seine Arbeit zu erledigen bevor der Stress des neuen Jahrs begann, und den ein oder anderen Studenten, der fieberhaft an einer sehr verspäteten Arbeit schrieb – oder vielleicht den Stoff von vermissten Stunden nachholte.

Chris lief in Richtung des Tisches, den er sich während der Prüfungszeit oft mit einer Gruppe von Mitstudenten teilte. Heute war er natürlich unbesetzt, bis auf Yuki, der von seinem Notizbuch aufsah, als er Chris kommen hörte.

„Guten Morgen“, sagte er, während Chris den Stuhl gegenüber von ihm herauszog, um sich zu setzen.

„Guten Morgen“, echote Chris.

Dass er auf der gleiche Univerität gelandet war wie der ehemalige Seidou Kapitän war kein glücklicher Zufall gewesen. Chris war mit Yuki in Kontakt geblieben und hatte diese Universität stark favorisiert, nachdem er sich über ihr Curriculum informiert und Berichte über die Trainingseinheiten aus erster Hand von Yuki erhalten hatte. Er hatte nur Glück gehabt angenommen zu werden.

Das einzige, an das er sich noch nicht gewöhnt hatte, war ein Jahr unter Yuki zu sein, obwohl er älter war.

Nach dem Abschluss hatte er sich ein wenig verloren gefühlt. Er hatte gewusst, dass er weiterhin Baseball spielen wollte, aber er war sich nicht sicher gewesen wo und ob er es überhaupt schaffen konnte. Also hatte er sich entschieden sich ein Jahr frei zu nehmen, egal wie schädlich es für seine Karriere war und egal wie sehr sein Vater diskutierte. Und im Nachhinein war es die bessere Entscheidung gewesen – egal, wo Chris hinging, er hatte sich immer gefühlt als würde ihn etwas zurück nach Japan ziehen. Zurück nach Hause.

„Irgendwelche guten Neuzugänge?“, fragte er, zu den Papieren nickend, die vor Yuki lagen.

Yuki zuckte mit den Schultern. „Ich hab von den meisten schon gehört“, sagte er, „alle sehr talentiert, natürlich.“ Er überflog die Liste und Chris konnte den Anflug eines Lächelns auf seinem Gesicht sehen. „Zwei ehemalige Seidou Schüler.“

Chris lehnte sich instinktiv vor, versuchte, einen besseren Blick auf die Liste zu erhaschen doch Yuki verdeckte sie mit seiner Hand. „Wer?“

Yuki klopfte mit seinem Zeige- und Mittelfinger auf den Tisch und nun war sein Lächeln deutlicher. „Ryos kleiner Bruder“, sagte er, „und – das wird dir gefallen – Sawamura.“

Die Luft entwich Chris' Lungen mit einem leisen Ton, ähnlich einem Seufzen, und er ließ sich in seinen Stuhl zurückfallen. Er hatte nicht gewagt es zu erwägen, hatte alle Gedanken daran, dass Eijun zu seiner Universität kommen könnte, verbannt. Aber natürlich war der Junge genau so dickköpfig wie er talentiert war. Natürlich hatte er es geschafft.

Er fühlte, wie ein kleines Lächeln an seinen Mundwinkeln zog. „Er wurde gescouted?“, fragte er und Yuki nickte.

„Beide sind mit Baseball Stipendien hier“, sagte er, endlich die Liste umdrehend, und schob sie über den Tisch damit Chris sie lesen konnte. „Kominato hätte vermutlich auch ein akademisches Stipendium bekommen können, aber Sawamura hatte nicht die Noten. Ich bin überrascht, dass er es überhaupt durch die Eignungstests geschafft hat.“

Chris konnte nicht anders als ein wenig zu lachen. „Das kann ich mir vorstellen“, sagte er, „besonders, wenn er immer noch so langsam ist, wie in seinem ersten Jahr...“

Yuki prustete. „Nun, er hat seine Noten ziemlich gehoben aber sie sind trotzdem nicht so ausgezeichnet wie deine.“

„Das hätte mich auch geschockt, wenn ich ehrlich bin“, sagte Chris und zog die Liste näher zu sich, um einen besseren Blick darauf werfen zu können. Er runzelte die Stirn. „Hier steht nicht, was sie studieren...“ Warum waren solche wichtige Informationen nicht Teil der Liste?

„Ja, das Sekretariat dachte anscheinend nicht, das das wichtig ist. Da musst du ihn selber fragen, fürchte ich“, seufzte Yuki.

Chris' Augen wanderten weiter die Liste hinunter, bis er zu einem weiteren bekannten Namen kam. „Todoroki?“, fragte er, die Augenbrauen hebend.

Yuki nickte. „Ich war auch überrascht, aber er ist ein starker Batter und sein Feldspiel ist anscheinend weitaus besser, als es mal war. Wir müssen nur schauen, dass es keine... Konflikte gibt.“

Chris lachte. „Vielleicht ist Eijun ja ein wenig reifer geworden.“

Yuki sah ihn an, als könnte er nicht recht glauben, dass das gerade aus Chris' Mund gekommen war, doch Chris zuckte nur mit den Schultern. Es waren zwei Jahre vergangen, war es so absurc anzunehmen, dass Eijun – und auch Todoroki – ein wenig erwachsener geworden war?

Sicher, Chris hatte schon seit einer Weile nicht mehr mit ihm geredet aber allein schon Eijun's athletisches und akademisches Wachstum auf dem Papier zu sehen machte ihn irgendwie... stolz.

Die Wahrheit war, dass er Eijun vermisst hatte. Er war letztes Jahr nicht für einen Besuch zurück nach Seidou gegangen und hatte nur ein Spiel gesehen, daher war er gespannt auf ein Wiedersehen.

„Wir machen vermutlich wieder nur ein dreitägiges Trainingscamp an einem Wochenende“, unterbrach Yukis Stimme seine Gedanken. „Aber das sollte ausreichen, um das Team aneinander zu gewöhnen und wir werden vermutlich bereits vorher sehen, woran wir arbeiten müssen.“

„Hast du schon ein Datum?“, fragte Chris, die Liste an Yuki zurückgebend.

Yuki kratzte sich an der Wange. „Es ist noch nichts in Stein gemeißelt aber vermutlich das zweite Wochenende nach Kursbeginn.“

„Das ist gutes Timing“, nickte Chris. Das Arbeitspensum würde noch nicht so groß sein und es war noch Zeit, bis die eigentliche Wettkampfsaison anfing.

Yuki schaute kurz auf sein Handy. „Ich muss los“, sagte er dann, „Jun will in einer halben Stunde skypen.“

„Ah, ich hoffe er hat dieses Mal kein Equipment kaputt gemacht“, lachte Chris und Yuki verdrehte die Augen.

„Das hoffe ich auch“, sagte er und packte sein Notizbuch und die Liste zurück in seine Tasche. „Wir sehen uns nächste Woche!“

Chris sah ihm hinterher, dann nahm er sein eigenes Handy für einen Moment aus der Tasche. Keine neuen Nachrichten, nur die Zeit war auf seinem Lock Screen zu sehen. Er seufzte, ließ es zurück in seine Tasche gleiten und stand dann auf, um selbst zu gehen.

Er freute sich nicht nur darauf, Eijun wieder zu sehen, wenn er ehrlich war. Er hatte auch ein wenig Angst davor. Was, wenn sie sich zu sehr verändert hatten? Was, wenn sie sich zu wenig verändert hatten?



***




Bis die nächste Woche kam – und damit der Beginn der Trainingszeit – hatte sich dieses Gefühl nur verschlimmert.

Yuki und der Trainer waren bereits im Clubraum als Chris für die Anfangsversammlung dort eintraf, obwohl er eine halbe Stunde zu früh war. Aber er hatte wirklich nicht weniger Arbeitsmoral von Yuki erwartet.

Es brauchte für Yuki nur einen Blick zu Chris, um ihn eine Augenbraue heben zu lassen.

„Nervös?“, fragte er und Chris dachte, dass es sinnlos war, es abzustreiten.

„Ein wenig“, sagte er. Er hätte nie gedacht, dass er Yuki je so viel anvertrauen würde, wie er es im letzten Jahr getan hatte, doch mit Tanba durch seine professionelle Spielerkarriere abwesend war Yuki durch eine fast schon selbstverständliche Entwicklung schnell zu Chris' engstem Freund an der Universität geworden.

„Nun, du wirst sowieso für Sawamura zuständig sein“, sagte Yuki, „und er kennt dich bereits und vertraut dir, wenn wir also darauf aufbauen können haben wir definitiv einen Vorteil.“

Chris nickte doch in Wahrheit war er sich nicht sicher ob er Eijun noch kannte.

„Ist deine Rede fertig?“ fragte er in einem Versuch das Thema auf Yukis neuen Kapitänsrang zu lenken. Er konnte jetzt nicht darüber nachdenken, was für eine lange Zeit zwei Jahre waren.

Yuki lächelte ein wenig. „Das ist mein zweiter Durchlauf, wenn man Seidou zählt, also wusste ich schon, worauf ich mich eingelassen habe.“

„Und ich bin dankbar dafür“, unterbrach sie der Trainer. „Ich habe große Hoffnungen für euch dieses Jahr.“ Er sah kurz auf seine Armbanduhr. „Lasst uns aufs Feld gehen, es gibt immer jemanden, der zu früh kommt.“


Glücklicherweise war noch niemand dort, aber keine fünf Minuten, nachdem sie angekommen waren trafen die ersten Mannschaftsmitglieder ein. Alles bekannte Gesichter vom letzten Jahr, wie Chris beim Begrüßen feststellte.

„Ich hab gehört dieses Jahr treten zwei Leute von eurer alten Schule bei“, sagte Nakai, der Shortstop, als er sich neben Chris stellte.

„Das stimmt“, nickte Chris.

„Hab letztes Jahr ein paar der Spiele gesehen. Welche von ihnen kriegen wir?“

„Du lässt es klingen, als wären sie Pferde“, antwortete Chris mit einem Seufzen. „Sawamura, den Pitcher, und Kominato, Second Baseman.“

„Ohhhh!“, machte Nakai. „Der rosahaarige Typ und der Kerl mit der verrückten Form! Nice!“

Chris musste ein wenig lachen. Anscheinend war das immer noch der Ruf, der Eijun umgab. Nun, er war sicherlich effektiv und würde ihm vermutlich helfen später seinen Weg in der professionellen Welt zu gehen. „Das sind sie“, sagte er.

„Man, ich freu mich darauf mit ihnen zu arbeiten. Diese Würfe müssen schwer zu treffen sein. Und der Batter hat echt was drauf.“

„Erzähl das nicht mir, ich weiß es schon“, sagte Chris. „Du kannst ihnen später selber Komplimente machen, wenn du es unbedingt loswerden musst.“

„Machst du Witze? Ich kann doch keine Teenager loben.“ Nakai schüttelte den Kopf. „Ich muss meine Überlegenheit etablieren.“

„Du sagst es ihnen am Ende sowieso“, murmelte Chris in seinen nicht-vorhandenen Bart, die Arme vor der Brut verschränkend, als er weitere Leute auf das Trainingsgelände zukommen sah. Teenagers oder nicht, sie waren immer noch Menschen.

„Was war das?“, fragte Nakai mit einem Grinsen.

„Nichts.“

Nakai lachte nur und schüttelte den Kopf bevor er ein paar Schritte zur Seite machte um mit einem anderen Freund zu reden. Sich mit ihm zu unterhalten konnte anstrengend sein aber Chris konnte seinem besserwisserischen Drang nicht widerstehen.

Die letzten Nachzügler war eine Gruppe von Erstsemestern – einschließlich eines vertrauten braunen Haarschopfs. Als sie näher kamen, konnte Chris sehen, wie sich Kominato und Eijun unterhielten. Eijun benutzte eine Menge Gesten und lachte und Chris' Herzschlag verschnellerte sich, als wäre sein Herz konditioniert worden, auf ihn zu reagieren. Als wären zwei Jahre mit fast keinem Kontakt nicht genug Zeit gewesen, um es zu entwöhnen.

Als hätte er Chris' Blick auf sich gespürt drehte sich Eijun zu ihm und hörte mitten im Satz auf zu reden, als er ihn sah. Chris konnte sehen, wie die Worte auf Eijun's Lippen erstarben und das Lächeln, das sich auf seinem Gesicht geformt hatte, fiel ebenso schnell wieder davon ab. Und alles, was er denken konnte war Oh nein.

Eijun presste seine Lippen aufeinander und der jüngere Kominato Bruder trat näher an ihn heran, ließ vorsichtig ihre Schultern gegeneinander stoßen. Chris biss sich auf die Lippe und wandte seinen Blick ab.

Als sie endlich bei der größeren Gruppe ankamen klatschte Yuki in die Hände.

„Ich glaube, wir sind jetzt alle da“, sagte er laut. „Reiht euch bitte auf. Erstsemester, da drüben, bitte. Der Rest des Teams hinter mir.“

Chris trat hinter Yuki, irgendwie wieder neben Nakai zum Stehen kommend, und konnte dem Drang, Eijun mit den Augen zu folgen, nicht widerstehen. Er hatte sich neben Kominato eingereiht, natürlich, und zu seiner Rechten war Todoroki, was Chris überhaupt nicht überraschte.

Was ihn jedoch erstaunte war, wie bewusst Eijun ihn nicht ansah. Es sah ihm überhaupt nicht ähnlich, einem Blick auszuweichen, egal welche Geschichte ihn mit der Person verband und welche Probleme er mit ihr hatte. Und Chris kam nicht umhin, sich schlecht darüber zu fühlen, dass er ihn zu so einer uncharakteristischen Stille getrieben hatte.

Dies war nicht das Wiedersehen, auf das er gehofft hatte. Aber es war eines der Szenarien, die er sich in der letzten Woche ausgemalt hatte.



Er hörte der ersten Hälfte von Yukis Rede nur halb zu und ihm war bewusst, dass dies nicht die höflichste Umgehensweise war, doch sein Kopf war damit beschäftigt herauszufinden, wie er später mit Eijun reden sollte.

Erst als Yuki den neuen Teammitgliedern erklärte, sie sollen sich vorstellen, wurde er wieder aufmerksam, sah der Reihe hinunter zur ersten Person. Er kannte sie natürlich schon alle – er war seine Angewohnheit, Freund und Feind gleichermaßen zu studieren, nie losgeworden – aber sie sich selbst in eigenen Worten zusammen fassen zu lassen war die Aufmerksamkeit immer wert. Er hatte am Ende lernen müssen, dass mit jemandem auf dem Papier vertraut zu sein und jemanden wirklich zu kennen zwei fundamental verschiedene Dinge waren.

Sie kamen in ihrer Vorstellungsrunde zuerst zu Kominato, bevor Eijun an der Reihe war.

„Mein Name ist Kominato Haruichi, freut mich euch kennen zu lernen“, sagte er. „Ich war in der Oberschule Second Baseman aber ich passe mich schnell an.“

Kurz aber auf den Punkt gebracht. Chris runzelte trotzdem ein wenig die Stirn. Es hörte sich für ihn so an, als würde Kominato sein Licht unter den Scheffel stellen. Es war typisch, aber Chris gefiel es nicht.

Alle wandten ihre Aufmerksamkeit Eijun zu und Chris hielt instinktiv den Atem an.

„Sawamura Eijun, Pitcher und ehemaliger Ace Pitcher der Seidou High“, sagte er mit der gleichen Entschlossenheit und Energie, die er auch in alles andere steckte. „Ich weiß nicht, ob das hier eine gute Idee war aber hier bin ich, also werd ich mein Bestes geben!“

Es gab leises Gemurmel, sowohl in den Reihen der Erstsemester als auch um Chris herum. Er konnte Nakai neben sich deutlich „Was zur Hölle soll das heißen?“ sagen hören. Er sah ebenfalls, wie Yuki und der Trainer einen Blick austauschten aber sie ließen es beide durchgehen, sagten sich vermutlich, dass sie auf jedwede Einsatz- oder Motivationsprobleme im Training in den nächsten paar Tagen achten würden.

Er hoffte, dass es keine geben würde.



Das Training war, gelinge gesagt, unangenehm. Sie hatten sich entschlossen, eine kurze Leistungseinschätzung zu machen, bevor es an die eigentlichen Übungen ging und natürlich waren Chris und Eijun einander zugeordnet worden.

Es war nicht so, als würde Eijun sich weigern, mit ihm zu arbeiten. Oder dass er verbal ausschlug. Auf den ersten Blick sah er bemerkenswert ruhig aus. Das Problem waren seine mangelnde Kontrolle und seine Augen. Chris hatte genug über ihn gelesen um zu wissen, dass seine Kontrolle in den letzten zwei Jahren noch besser geworden war und dass die Würfe, die momentan trotz seiner ruhigen Anweisungen kreuz und quer gingen, definitiv nicht normal waren.

Eijun sah vermutlich für alle anderen wirklich nur ruhig aus. Aber Chris konnte die Anspannung in seinen Schultern und das Feuer in seinen Augen sehen. Und es war keine Motivation. Es war Wut.

Nur weil er nicht laut wurde, hieß das nicht, dass er gefasst war.

Chris wusste, dass der Trainer sie im Blick hatte, weswegen er nach dem zehnten Ball, der fast über seinen Kopf schoss, frustriert mit den Zähnen knirschte und mit einem resignierten Kopfschütteln aufstand.

„Das funktioniert nicht“, sagte er zu Eijun und sah den Anflug eines verletzten Ausdrucks auf seinem Gesicht. „Tut mir leid.“

Er ging zu ihrem anderen Catcher hinüber. „Kannst du die Einschätzung mit Sawamura machen, bitte? Ich glaub, mein Kopf ist heute nicht so ganz dabei.“ Eine unverhohlene Lüge aber lieber nahm er die Schuld auf sich, als Eijun's Chancen direkt am ersten Tag zu sabotieren.

Ein Stirnrunzeln und ein Schulterzucken waren seine Antwort. „Sicher, wenn du dafür den hier übernimmst.“ Ihr ehemaliger Relief Pitcher, Hiroto, war in den letzten Monaten darauf vorbereitet worden, ihr neuer Ace zu werden, nachdem die letzte Nummer Eins ihren Abschluss gemacht hatte, aber bisher blieb er hinter den Erwartungen zurück. Er war talentiert und hatte viel Ausdauer doch sein Arm und seine mentale Kraft waren noch nicht so stark, wie das Team es gerne wollte.

Eijun hatte hier wirklich eine große Chance und Chris wusste, dass er es schaffen konnte. Mit oder ohne ihm.




Er versuchte, Eijun nach dem Training abzufangen, doch der junge Pitcher klebte praktisch and Kominatos Seite und zog ihn schnell in Richtung des Ausgangs, als er Chris auf sich zukommen sah.

„Es läuft nicht so, wie du es gerne hättest, oder?“ fragte Yuki, als er ihn einholte und Chris schüttelte den Kopf.

„Ganz und gar nicht, nein“, seufzte er. „Er wird früher oder später aber trotzdem mit mir reden müssen. Er ist der Typ, der gerne auf Konfrontation geht, er wird mich nicht für immer ignorieren können.“

„Vielleicht schon“, sagte Yuki. „Aber ich hoffe, dass es schnell passiert. Für das Team.“

Er klopfte Chris kurz mitfühlend auf die Schulter bevor er in Richtung der Umkleiden davon joggte. Chris folgte ihm in langsamerem Tempo, seine Hände tief in seinen Taschen vergraben und die Augenbrauen zusammengezogen.


Bis er in der Umkleide ankam war Eijun bereits umgezogen – offensichtlich vermied er die Duschen, um schneller zu sein – und wartete darauf, dass Kominato sich die Schuhe fertig zuband.

„Eijun...“, sagte Chris doch Eijun sah ihn nicht einmal an. Stattdessen griff er sich seine Tasche von der Bank.

„Ich warte draußen“, sagte er zu Kominato und war so schnell zur Tür heraus, dass Chris nicht einmal reagieren konnte.

Kominato sah auf und verzog entschuldigend das Gesicht. „Tut mir leid“, sagte er. „Er wusste nicht, dass du auch hier sein würdest also ist er... überrascht.“

Chris hob die Augenbrauen. „Ich würde sein Verhalten nicht 'überrascht' nennen.“ Eijun hatte nicht gewusst, dass sie auf die gleiche Universität gehen würden? Wieso hatte ihm das niemand gesagt?

„Ja, ich weiß. Er ist nur... Ich glaube, er braucht einfach ein wenig Zeit, um sich an den Gedanken zu gewöhnen.“

„Das ist lächerlich“, sagte Chris, den Kopf schüttelnd. „Er sollte wirklich mit mir reden. Er hat ein Problem noch nie einfach so ignoriert.“

Kominatos Mundwinkel zuckten. „Naja, er ist nicht der Typ, um eine Herausforderung zu ignorieren... Okay, schau, ich geb dir meine Handynummer und werd versuchen, ihm ein wenig Vernunft beizubringen, aber ich kann nichts versprechen. Er ist höllisch dickköpfig.“

„Ich will nur, dass er sich richtig ins Team integriert“, sagte Chris und versuchte damit irgendwie, einen Weg zu finden, wie er sich ausdrücken konnte, ohne Kominato gegenüber zu viel zu verraten. „Unsere Battery wäre stark aber wenn er nicht mit mir arbeiten will kann ich da nichts machen. Aber ich möchte diesen Konflikt definitiv lösen.“ Er wollte einfach nur wieder Eijuns Freund sein.

Er hatte Kominatos Haarschnitt nie gemocht, er verbarg einfach so viel von seinem Gesicht – einschließlich seiner Augen – dass es manchmal unmöglich war, seine Stimmung zu erahnen. Trotzdem, sein Gesichtsausdruck sah momentan fast aus wie... Mitleid? Als wüsste er genau, was los war. Chris hasste es.

Er holte trotzdem sein Handy aus der Tasche und tauschte mit Kominato Nummern aus. Er wusste nicht, ob Eijuns Nummer noch die gleiche war und er wagte es nicht, zu fragen. Vielleicht würde er einfach versuchen, ihm eine Nachricht zu schicken und dann sehen, ob es wenigstens etwas gab, was sich in den letzten zwei Jahren nicht geändert hatte.

Kominato verschwand danach und Chris steuerte die Duschen an, wo Nakai ihn mit einem neugierigen Blick begrüßte. Chris ignorierte ihn. Er brauchte jetzt weder seine Neugier noch sein Mitleid.

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Ich bin auf Twitter (https://twitter.com/luffylaws) und auch auf Tumblr (http://crisyuu.tumblr.com) zu finden und immer auf der Suche nach jemandem, der mit mir über Sports Anime heult.

Das nächste Kapitel gibts hoffentlich nächste Woche!
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