Wahrheit

KurzgeschichteHumor / P12
11.10.2015
11.10.2015
1
1204
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Disclaimer: Mir gehört immer noch nichts. So ist das Leben... ;)


A/N: Mal wieder everyday life ;) diesmal im Hause... äh, Auto Schwarz ^_~




Wahrheit




„Woah... was ist das?“, Schuldigs enthusiastischer Aufruf reißt ihn nicht vom Hocker, geschweige denn aus seinem Sitz. Die Begeisterungsfähigkeiten des Deutschen hat solche absurden Ausmaße, der brach ja schon in Jubelstürmen aus, wenn er seinen Candy Crush Rekord knackte.
Außerdem ist er müde. Ja, er, Brad Crawford, ist nach dieser enervierend langen Nacht einfach durch. Das ist ja wohl der ätzendste, langweiligste Auftrag seit Menschengedenken. Dazu seit zehn Stunden ausgerechnet mit Schuldig in einem Auto eingesperrt zu sein, trägt nicht wirklich etwas dazu bei, seine Laune zu heben. Immerhin daddelte der Deutsche seit Stunden auf seinem Handy herum und außer gelegentlichem Fluchen, abwechselnd mit aufbrandenden Triumphschreien, war nichts von ihm zu hören. Leider neigte sich vor kurzem der Akku bedenklich der Neige. Ganze dreißig Minuten fiepte das Gerät schon jämmerlich nach Strom und hatte vor genau 87 Sekunden endgültig den Geist aufgegeben. Kurz nach 7.00 Uhr morgens, keine Sekunde geschlafen, kein Kaffee in Sicht und ein handyloser Deutscher... es würde ein Todesopfer geben, das war gewiss.
Brad fährt sich seufzend durch die Haare.
„Ach du... da sind ja noch mehr!“, Schuldig hat manchmal so ein ätzend lautes Organ, dass es Crawford beinahe das Trommelfell weg sprengt.
„Was?“, faucht er mehr als ungnädig zurück und wirft dem aufgeregt auf seinem Sitz herum rutschenden Telepathen einen vernichtenden Blick zu. Er hat gehofft, den Auftrag problemlos über die Bühne zu bringen. Es erschien ihm nicht sonderlich schwierig, eine Nacht mit Schuldig durch zu machen. Früher hätte er es auf einer halben Arschbacke abgesessen, Schuldig mit ein, zwei Drohungen zum Schweigen gebracht und wäre dann frisch und blühend wie der junge Morgen wieder nach Hause gefahren, um seinen nächsten Verpflichtungen nachzugehen. Aber heute... sein Rücken tut weh, seine Augen brennen und sein Hintern scheint schon seit Stunden eingeschlafen zu sein. Er sehnt sich nach Kaffee, einer heißen Dusche, seinem Bett...sein Bett... ohja...
Schuldig grinst sein unangenehmstes Grinsen, durchbrochen von leisem Glucksen und Brad platzt die Hutschnur.
„Was ist so komisch?“
„Woah... blaff mich doch nicht gleich so an! Kommt das mit dem Alter, ja?“, Brad blinzelt verwirrt. Welches Alter?
„Du bekommst graue Haare...“, selbstzufrieden lächelnd lehnt Schuldig sich zurück.
„Kann nicht sein...“, knurrt Brad und versucht, unauffällig in den Außenspiegel zu sehen. Schuldig nickt wichtig.
„Doch, ganz viele schon... du wirst alt.“, blaue Augen fixieren ihn lauernd unter halb gesenkten Lidern. Brad knirscht seine Zähne aufeinander. Darauf wird er nicht einsteigen.
„...“
„Hu? Habe ich da etwa ein Bastard gehört?“, Schuldigs Amüsement tropft aus jeder Silbe, beinahe schnurrend ruckelt er sich in seinem Sitz bequemer.
„Als ob ich fluchen würde...“, gibt Brad schnippisch zurück und schnaubt leise durch die Nase. Die einzige Waffe gegen Schuldig ist Ignoranz. Es dauert – es dauert teilweise eine Ewigkeit – aber irgendwann gibt der Deutsche auf. Wenige Male hat Brad den Fehler begangen und ist auf seine Provokationen eingegangen. Wie ein gieriger Hai hatte Schuldig seine Zähne in ihn geschlagen und es endete... grausam. Brad schiebt seine Brille zurecht und fährt sich mit zwei Fingern über den Nasenrücken. Und Schuldig kann jetzt gerne noch für Stunden leuchtend vor sich hin grinsen und ihn anstarren... keine Chance. Er ist knallhart, härter als hart, stahlhart - Nerven aus Drahtseil, abgebrüht und eiskalt... Er kann das breite Grinsen förmlich hören und seine Conteneance beginnt leicht zu wanken. Schuldig wartet nur darauf. Er lauert... er pirscht sich an, kreist ihn ein und wartet auf seine Chance... Brad glaubt, Blut zu schmecken, so sehr beißt er sich auf die Innenseite seiner Wangen. Schuldig grinst immer noch. Brad schnauft laut auf.
„WAS?!“ Verdammt. Fehler. Ganz, ganz böser Fehler! Schuldig erstrahlt förmlich.
„Es macht doch nichts... Du bist doch immer noch... attraktiv irgendwie.“
Brad schließt die Augen. Seine Zähnen mahlen wild aufeinander, vermutlich wird er seine Zunge abbeißen, wenn es so weitergeht.
„Hast du nichts zu tun? Kaffee holen wäre mal ein Vorschlag.“, blafft er zurück.
„Soll ich dir was dagegen mitbringen? Es gibt Mittel, weißt du? Dann sieht man es nicht mehr so arg...“, Brad bleibt vor Sprachlosigkeit über den mitleidigen, verständnisvollen Ton der Mund offen stehen. Was?!
„Ich habe keine grauen Haare! Und wenn! Wenn! - Dann wäre das völlig normal, viele Psi bekommen schneller graue Haare als gewöhnliche Menschen, das weißt du!“
„Wenn du meinst...“, Schuldig verschränkt die Arme, zwirbelt interessiert eine seiner satt rotblonden Strähnen und schenkt ihm eine halb hochgezogene Augenbraue, die ihm deutliche Zweifel signalisieren.
„Schuldig! Das sind Tatsachen!“
„Brad... wenn du es so besser erträgst, dann ist es doch okay! Aber es ist wirklich nichts Schlimmes. In deinem Alter ist es doch normal, dass sich langsam die Zeichen der Zeit zeigen...“
„SCHULDIG!“
„Entspann dich mal wieder... ich bin ja schon still...“, Wenn jemand weiß, dass das eine dicke Lüge ist, dann Crawford. Er krallt seine Finger ins Lenkrad und starrt stur aus der Frontscheibe. Jahre mit Jay haben seiner kreativen Ader, wenns ums töten geht, eine neue Qualität gegeben und so fällt es ihm nicht schwer, sich ein paar hübsche, blutige Szenarien für den Deutschen auszudenken. Als Erstes wäre seine Zunge fällig, definitiv. Ein ungehaltenes Knurren baut sich in seinem Brustkorb auf. Seine Finger greifen noch härter zu. Das Leder des Lenkrads knarrt unheilvoll. Brads Zähne reiben und knirschen. Ah... verdammt!
Zornig klappt er die Sonnenblende nach unten und schiebt die Abdeckung des Spiegels zur Seite. Für Sekunden starrt er hinein. Sein Mund eine schmale, blasse Linie in einem müden, unrasierten Gesicht.

„Ich hasse dich.“, tonloses Murmeln.
Schuldig lacht.

Brad schließt die Augen. Seufzt. Klappt die Blende wieder hoch.
Der Deutsche schweigt, aber das Grinsen ist noch da, er weiß es, ohne hinzusehen. Brad schnauft. Gott, er wird es bereuen. So was von bereuen...
„Hol den... Kaffee!“
Schuldigs Grinsen wird... gierig. Er angelt nach dem Türöffner und schiebt sich schon halb aus der Tür, als...
„Wie magst du deinen „Kaffee“...?“, er malt unnötige Gänsefüßchen in die Luft, „Schwarz? Oder lieber ein natürlicherer Mokkaton, der deine Hautfarbe unterstreicht? Vielleicht gibt es auch Hazelnut oder Caramel Latte... Woah! Pack die Waffe weg! Bin ja schon verschwunden, alter Mann!“



*
Review schreiben
 
 
'