Alte Freunde, Neue Gefühle

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
11.10.2015
12.11.2018
15
31.045
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
11.10.2015 2.127
 
(Zur gleichen Zeit im Sumpfgebiet der Krokodile)

Cragger, der alleinige König der Krokodile, sitzt auf seinem Thron und hört sich ein paar Probleme seiner Untertaten an. Seitdem seine Schwester und ihre gedanken-kontrollierende Blume endlich in das Exil verbannt wurden ist eine neue Art der Herrschaft angebrochen. Statt einem machthungrigen Ziel und dem Traum der völligen Unterjochung von Chima steht nun das Glück und die Freude des eigenen, sowie die der anderen Stämme im Vordergrund. Und auch Cragger hat sich geändert. Damals war er noch auf sein eigenes Wohl besinnt und nur der Sieg war ihm wichtig aber nun will er ein weiser, gutmütiger und fairer König werden, genau wie es sich sein Vater gewünscht hätte.

„Lieber Herrscher, ich würde gerne eine Beschwerde einreichen. Meine selbstgenähten Kleider wurde mir von Raben gestohlen und nun wollen sie sie nur wieder herausrücken wenn ich sie ihnen für den doppelten Preis abkaufe, den ich vorhatte anzugeben. Können Sie da nicht etwas unternehmen?", bittet eine junge Krokodilsdame ihn, während sie sich vor dem Thron des Königs zu Boden wirft und den Kopf gesenkt behält. Diese Pose kann Cragger überhaupt nicht leiden, da er sich dabei wie etwas soviel besseres fühlt. Und er weiß selber am Besten, dass dies nicht der Fall ist. „Ersteinmal, meine liebe Dame, erhebe dich bitte. Auch wenn ich der König bin heißt das nicht, dass ich besser bin als du, deine Familie oder als irgendein anderer in diesem schönen Land Chima. Auch ich bin nur ein einfaches Krokodil dessen Blut ihn zu etwas vermeintlich Besseren macht. Aber es ist ein Unterschied ob man zu einem besseren Krokodil gemacht wird oder ob man für sich selbst entscheidet besser zu sein. Um das zweitgenannte aber wahr zu machen muss man sich dieses Recht erkämpfen und verdienen... Das habe ich wirklich nicht getan. Daher erzähle bitte all deinen Bekannten dass sie sich nicht mehr niederknien müssen wenn sie mit mir sprechen wollen und auch diese förmliche Anrede mit dem „Sie" ist unnötig. Ein einfaches „Du" reicht mir komplett aus, okay?", bittet Cragger seinen Gast, welcher ihn etwas überrascht anblickt, sich aber trotzdem erhebt und aufmerksam aufpasst. Nun erhebt sich der König von seinem Thron und geht die kleine, vier Stufen lange Treppe hinunter bis er vor der jungen Dame steht und seine Hände auf ihre Schultern legt. Zielstrebig blickt er ihr in die gelblichen Augen und erklärt: „Ich werde mich dieser Sache annehmen und mich sofort mit meinem Kontaktmann der Raben treffen. Sicherlich werden wir eine Lösung finden, okay? Überlasse die Sache einfach mir." Freude macht sich im Gesicht der jungen Krokodilsdame breit, welche sie kaum zurückhalten kann. „Danke, danke, danke! Ich wusste Sie, ähm, ich meine du würdest mir helfen. Ich gehe sofort los und werde meine Familie informieren. Ach ja, und jedem deine zuvor geäußerte Bitte mitteilen", bedankt sie sich bei ihrem Herrscher und rennt aufgeregt auf den Ausgang des Thronsaals zu.

Cragger blickt ihr hinterher und beginnt zu schmunzeln, während er sich im Gedanken das Versprochene Gespräch mit dem Raben ausmalt: „Eigentlich will ich mich nicht mehr mit anderen Stämmen anlegen, jedoch kann ich es nicht zulassen das meinen Leuten unrecht getan wird... sie mussten bereits einmal leiden wegen meiner eigenen Unachtsamkeit und meinen falschen Entscheidungen. Am Besten sage ich gleich Razar Bescheid, mit ihm komme ich am Besten klar. Sicherlich lässt er mit sich reden, obwohl auch er es ziemlich oft auf den puren Profit abgesehen hat... aber einem alten Freund kann er sicherlich keine Bitte abschlagen." Schnell ruft er einen seiner Wachmänner zu sich um ihn um einen besonderen Gefallen zu bitten. Natürlich kommt dafür nicht nur irgendeine Wache in Frage sondern nur der beste, verlässlichste und älteste Wachmann im ganzen Reich der Krokodile. „Crock! Könntest du kurz herkommen? Ich brauch deine Hilfe", ruft er nach dem gewünschten Wachmann und kurz nachdem er das letzte Wort ausgesprochen hat taucht Crock bereits im Eingang auf und bewegt sich hastig auf seinen Vorgesetzten zu. Obwohl er eine ziemlich schwere, metallische Rüstung trägt, welche seinen gesamten Körper bis auf seinen Krokodilschweif bedeckt, kann er sich ziemlich schnell bewegen. „Ich frage mich wirklich wie man so schnell laufen kann in einer solchen Rüstung? Er muss wohl an das Gewicht gewöhnt sein... Wie lange das wohl dauern würde? Halt, Cragger! Konzentration! Du darfst dich nicht immer ablenken lassen!", denkt sich der Krokodilskönig und schüttelt seinen Kopf. Wenige Sekunden später steht sein Wachmann stramm vor ihm und erklärt mit einer kräftigen Stimme: „Hauptmann Crock zu Ihren Diensten! Wie kann ich Ihnen helfen, Sir?" Crock dient Cragger schon länger und weiß ganz genau, dass dieser es einfach nicht leiden kann wenn man ihn so förmlich anredet, daher tut er es auch so gerne. „Crock wirklich? Ihren Diensten? Ihnen helfen? Sir? Du kennst mich doch wohl besser, oder?", fragt der König in einer leicht sarkastischen Tonlage seinen Wachmann, welcher leise kichert. Schnell verliert Crock seine aufmerksame Haltung und lächelt seinen König an, welcher erfreut zurück lächelt. „Natürlich kenne ich dich besser. Ich habe dich schon gekannt als du noch ein kleines Krokodil warst. Aber du hast dich irgendwie verändert", entgegnet das Krokodil in seiner Rüstung und legt seine Hand an sein Kinn, welches er dabei langsam kratzt. Cragger blickt ihn amüsiert an und verdreht die Augen, wartet aber eine Antwort ab. „Jetzt weiß ich es! Du hast eine neue Frisur, wirklich klasse!", scherzt Crock und Cragger lacht leise, schüttelt aber den Kopf. Erneut überlegt der Wachmann, obwohl er die richtige Antwort schon lange weiß. „Komm schon Crock. Ich dachte du kennst mich so gut", feuert sein Kumpel ihn an und schließlich erklärt er: „Du bist nicht mehr so kindisch wie damals. Viel reifer und erwachsener als damals. Du durchdenkst die gesamte Situation und analysierst jede mögliche Lösung auf Möglichkeit, Resultat und Folgen. Ein wirklicher Herrscher bist du geworden."

Trotz diesen aufmunternden Worten zeigt sich eine gewisse Trauer und Reue ihm Gesicht des neuen, jungen Königs, was Crock jedoch nicht verstehen kann. „Alles okay? Was ist los?", fragt er seinen Freund und umfasst die linke Schulter mit seiner metallischen Hand. Es bereitet ihn immer wieder Sorge wenn er seinen König und Freund traurig sieht und das geschieht in letzter Zeit nicht gerade selten. Seufzend schiebt Cragger die Hand von seiner Schulter und setzt sich wieder auf seinen Thron, wo er stumm auf den dunkelbraunen Boden blickt. Eine bedrückende Stille macht sich im Saal breit und Crock beobachtet mit einem besorgten Gesicht den beunruhigten Herrscher der Krokodile. „Weißt du...", beginnt Cragger mit einer leisen, wehklagenden Stimme zu erklären, „Es ist echt schwer der gleiche zu bleiben wenn man im Inneren weiß das man selbst für den Tod seiner eigenen Eltern verantwortlich ist. Ich kann nicht mehr so handeln wie damals, wenn man bedenkt was ich alles angerichtet habe... Wenn ich verletzt habe..." „Aber du warst nicht du selbst! Crooler hat dich beeinflusst und ausgetrickst! Du warst doch nur eine Marionette für sie. Dich trifft keine Schuld!", versucht sein Kumpel ihn zu beruhigen, jedoch vergebens. Plötzlich erhebt sich der König wieder von seinem Thron, geht an seinem Wachmann vorbei auf den Ausgang des Saales zu und erwidert: „Nein! Nicht immer war sie schuld. Selbst als die Wirkung der Blume erlosch war ich noch immer voller Hass! Ich habe die Löwen angegriffen. Ich habe meine Freunde verraten und verletzt... Ich habe ihn verraten und zutiefst verletzt. Da ist es auch keine Überraschung mehr dass er mich nicht mehr sehen will... Manchmal will ich mich selbst nicht einmal mehr sehen! Crock, verwalte du den Thron für die nächsten Stunden. Ich muss mich um ein Problem kümmern welches eine Bürgerin mir offenbart hat." „Geht klar Cragger, verspreche mir nur eines Sache", entgegnet der in Metall gehüllte Hauptmann und Cragger wendet sich im Torbogen noch einmal um und blickt ihn an. „Sei nicht zu streng zu dir selbst... Jeder macht mal Fehler und enttäuscht andere, das ist normal. Man kann aber erst damit abschließen, wenn man sich ausgesprochen und gegebenenfalls dafür bezahlt hat." Gedankenversunken wendet das, in roten Stoff gehülltes, Krokodil seine Blick von dem Wachmann ab und beobachtet eine Wolke, welche am Himmel vorbeizieht und sich langsam in zwei kleinere trennt. „Andere...", beginnt er und blickt wieder seinen Kumpel an, „begehen Fehler und büßen dafür. Ich aber verursache Katastrophen und laufe vor meinen Problemen davon... Ich könnte ihn jeden Tag in seinem Tempel besuchen, lasse es aber da mich meine Furcht von ihm fern hält. Aber es ist nicht wie jede normale Furcht vor einer Strafe oder vor Schmerzen und Wut... Sie geht tiefer und scheint meine Seele zu fressen. Es ist die Angst davor die Enttäuschung in Lavals Augen zu sehen. Ich werde damit abschließen, irgendwann. Aber zuerst werde ich dafür sorgen dass ich nie wieder jemanden enttäusche." Schnell wendet sich Cragger von dem Wachmann ab und verlässt den Saal.

Auch hier ist der Tag himmlisch und alle Bürger genießen die angenehm warmen Sonnenstrahlen, jedoch hat Cragger nun keine Zeit diese zu genießen. Einige Raben und Adler fliegen durch die Luft und zwei Wolfdamen bieten verschiedene Gegenstände an. „Ich muss nun irgendwie Razar kontaktieren. Vielleicht geht er ja an sein CHImunikator...", denkt sich das Krokodil und holt seines aus seiner Seitentasche heraus. Schnell den richtigen Kontakt gewählt und schon blickt er auf den rauschenden Bildschirm, welcher versucht Verbindung aufzunehmen, aber sogar nach etwa zwanzig Sekunden passiert nichts. Erst kurz bevor er das Gerät wieder ausschalten will kommt endlich ein Zeichen des Raben, welcher ihn freundlich grüßt: „Hallo Cragger, was gibt es? Brauchst du wieder eine neue Flasche mit Schuppenpoliermittel? Ich habe echt super Angebote für dich parat." „Einfach unbelehrbar dieser Rabe... Aber das gefällt mir so an ihm", denkt sich das Krokodil während er seinen Kopf leicht schüttelt und dabei seine Augen verdreht. „Eigentlich", antwortet Cragger und beginnt damit sich auf den Weg zu seinem Speedorz zu machen, „muss ich mit dir über eine Angelegenheit sprechen die etwas mit den Raben und den Krokodilen zu tun hat. Könntest du mich gleich beim großen Baum treffen?" Kurze Denkphase tritt bei Razar ein und der Anrufer nutzt diese Gelegenheit um sich etwas zu orientieren. Nur noch einen halben Kilometer bis zum Haupttor und dort würde sein Gefährt stehen. „Ja, das wird schon klappen. Beim großen Baum sagtest du? Wo wir uns immer wieder mit Worriz beraten haben während des Kampf... ähm.. wo wir uns immer mit Worriz getroffen haben?", antwortet der bekannte Rabe und Cragger blickt ein wenig gedankenversunken Richtung Boden. „Tut mir wirklich Leid", versucht Razar das beinahe gesagte wieder gutzumachen, „Ich wollte dich nicht mit diesem Thema konfrontieren. Tut mir echt Leid Kumpel." „Ist schon okay. Ich muss langsam damit klar kommen dass mich andere auf diese Ereignisse ansprechen", beruhigt er seinen sichtlich aufgewühlten Freund, „Aber zurück zum Thema. Genau diesen Treffpunkt meine ich. Sehen wir uns dann dort in etwa fünf bis zehn Minuten?", erkundigt er sich erneut und sein Gesprächspartner nickt zustimmend. Kurz darauf legt dieser auf und Cragger steckt sein CHImunikator in die Tasche zurück. „Nun aber schnell! Hoffentlich springt mein Speedorz sofort an, habe nicht wirklich Lust zu spät zu kommen", denkt sich der junge König und erhöht sein Tempo bis dieses einem schnellen Sprint gleicht. Links und rechts von ihm sieht er einige Krokodile, die ihm zufrieden zuwinken und sogar eine Gruppe von vier Löwen grüßen ihn.

"Es tut eigentlich ganz gut zu sehen dass mir die meisten Löwen verziehen haben. Jedoch der Einzige der mich wirklich interessiert ist Laval... und von ihm habe ich seit dem Ende des Krieges nichts mehr gehört. Vielleicht weiß Razar ja etwas über ihn. Ich kann ihn ja später einmal fragen." Gedankenversunken bemerkt er gar nicht, dass er bereits das Haupttor durchquert hat und nun direkt auf sein Fahrzeug zuläuft. Erst kurz bevor dieses mit seinem Fuß Kontakt aufnehmen kann wacht er aus seinen Gedanken auf und erschreckt sich ein wenig. „Wow! Ich habe gar nicht gemerkt wie weit ich bereits gelaufen bin. Also los, auf geht es", murmelt er und setzt sich in das grün-braune Gefährt. Es gleicht vom Aussehen her einem Krokodil, nur die linke Seite besitzt einen rötlichen Fleck, was sein beschädigtes Auge darstellen soll. Diese Idee hatte Laval und sie gefällt Cragger noch immer. Erst dadurch wurde sein Speedorz erst richtig einzigartig. Während er sich gedanklich etwas sammelt zieht er an dem Zündschlüssel und, zu seinem Glück, startet sein Wagen sofort. „So", flüstert er während der Motor laut aufbrummt, „Ich werde dich nicht enttäuschen, junge Dame. Ich werde nie wieder jemanden Enttäuschen!" Das Gaspedal gedrückt und schon bewegt sich das Fahrzeug rasend schnell über den braunen Erdboden in Richtung Dschungel.
Review schreiben