Alte Freunde, Neue Gefühle

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
11.10.2015
12.11.2018
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„Die Geschichte begann damals, als es noch keine Gebäude, Waffen oder Fahrzeuge gab und keiner auf zwei Beinen ging. Die Natur war unberührt und die Tiere waren wild und sprachen kein Wort. Doch eines Tages öffnete sich der Himmel und ein Strahl mit unglaublicher Kraft schlug..." Wie beinahe jeden Tag erzählt Lagravis den kleinsten Mitgliedern des Löwenclans wie alles wirklich begann und lässt dabei kein Detail aus. Auch die Bewegungen, die er während seiner ehrenhaften Wiedergabe der Geschichte ausübt, sind immer die gleichen und sein Sohn Laval, welcher ihn aus einer sicheren Entfernung beobachtet, kennt sie längst auswendig. Sich etwas zurückziehend, um sicher zu gehen dass sein Vater ihn nicht sehen kann, ahmt er diese nach und kann sich ein Kichern einfach nicht verkneifen. „Warum muss er diese Geschichte jedes Mal aufs neue erzählen?", fragt er leise flüsternd, während er noch immer die Spiegelung der Bewegungen ausführt, „Wieso schreiben wir sie nicht einfach irgendwo auf? Wäre doch viel einfacher und vor allem nicht so langweilig." Gelangweilt stoppt er die nicht böse gemeinte Verhöhnung seines Vaters und bewegt sich durch den Tempel der Löwen. Während er das geheiligte Becken, in dem das kraftvolle CHI geschützt gehalten wird, umkreist beobachtet er die anderen Löwen, welche jeder andere Tätigkeiten nachgeht. Einige der älteren Mitglieder stehen einfach zusammen und unterhalten sich über irgendwelche, bestimmt super langweilige, Themen während die Kinder spielen, lachen und Streiche spielen. Plötzlich erblickt er zwei junge Löwen, ein Junge mit dem Namen Leon und seine Schwester Lea, welche sich flüsternd unterhalten, auf einen alleinstehenden Löwenwachen zeigen und unauffällig kichern. Anscheinend haben sie etwas vor und das möchte der Prinz auf keinen Fall verpassen. Schnell begibt sich Laval an eine Wand und lehnt sich gegen diese während er noch immer die beiden Kinder im Sichtfeld behält. „Ich weiß nicht was sie vorhaben aber ich habe das Gefühl das es einfach zum Brüllen komisch sein wird", denkt sich der Löwe und bereits jetzt will er in einem lauten Gelächter ausbrechen, kann es aber zu einem leisen Kichern herunterstufen.

Langsam begibt sich die kleine Löwin vor die Wache und verwickelt ihn in ein Gespräch. Sie ist anscheinend für die Ablenkung zuständig, da Leon sich während dieser Unterhaltung hinter die Wache schleicht. In seiner linken Hand hält er einen Pinsel und in der rechten ein Glas mit schwarzer Farbe. Vorsichtig tunkt er die Pinselspitze in den Behälter und setzt diese dann an den Stoff der Kleidung der Wache an. Schnell malt er ein kleines Bild auf das Hinterteil des älteren Löwen und verschwindet noch bevor Lea die Unterhaltung beendet. Diese verabschiedet sich und folgt ihrem Bruder aus dem Tempel, während das Gelächter der beiden noch im Tempel wieder hallt und das leise Gemurmel übertönt. Beeindruckt folgt der Blick des Prinzen den beiden Löwen, bis sie das Gebäude verlassen, und klatscht dabei leise in seine Hände. „Nicht schlecht gemacht, dass muss ich zugeben. Gute Planung und super Reaktionen von den beiden", gibt er erfreut zu und wendet seinen Blick nun auf die ahnungslose Wache, „Nun will ich aber wissen was sie gemalt haben!" Ohne irgendwelche Anzeichen zu machen begibt sich auch Laval zum Ausgang des Tempels und geht dabei an der Wache vorbei. Kaum ist er an dieser vorbeigezogen wendet er seinen Kopf um und blickt auf das nun schwarze Hinterteil und liest leise: „Schlagt mich hart! Genau hier..." Diese Aufforderung bringt ihn zum lachen, jedoch hält er sich schnell seine Handfläche vor dem Mund damit der bemalte Wachmann keinen Verdacht schöpft. „Super Idee Leon und Lea... Echt super Idee. Muss ich gleich ausnutzen", gratuliert er den beiden gedanklich und geht wieder ein paar Schritte zurück bis er dicht hinter dem Opfer steht. Schnell holt er mit seiner linken Hand aus und schlägt mit seiner ganzen Kraft auf eine der beiden Backen, welche bei Kontakt ein wenig bebt. „Ahh!", schreit die Wache und einige andere Löwen blicken ihn an während er sich sein nun wundes Hinterteil reibt und sich verwundert umdreht. Einige Meter weiter erkennt er Laval, welcher lachend und winkend die Flucht ergreift. „Laval! Warst du das? Laval!", hört der laufende Prinz den angeschlagenen Löwen rufen und ein Hauch von Schmerz ist zu vernehmen. Dieser hält aber nicht an und ruft zurück: „Gern geschehen!" und verlässt das Tempelgebäude.

Es ist ein herrlicher, sonniger und warmer Tag und alle Löwen erfreuen sich an dem angenehmen Wetter. Laval war heute noch nicht einmal draußen gewesen, kann aber daran liegen dass er heute lange geschlafen hat und nicht wusste was er draußen machen sollte. Das Tempo des Prinzen drosselt sich bis er endlich anhält und sich umsieht. Hier und dort sieht er einige Adler, Bären und Gorillas stehen, liegen und sitzen. Auch ein oder zwei Raben und Wölfe sind zu erblicken und sogar ein Krokodil ist am Fuße der Treppe zu erkennen. „Echt schön zu sehen dass alle wieder miteinander leben und reden können... Vor einiger Zeit wäre das nicht wirklich möglich gewesen", denkt sich Laval und versinkt kurzzeitig in einen Gedanken aus seiner Vergangenheit. Er selbst steht an der Spitze der Treppe und blickt auf ein wahres Schlachtfeld hinab, grausamer Anblick. Löwen, Adler und Gorillas kämpfen gegen Wölfe, Raben und Krokodile. Er kann Eris erkennen und auch Gorzan ist nicht weit von ihr entfernt. Sie sind gerade in einen Kampf mit Worriz und Razar verwickelt, zwei alte Freunde von Laval aber auch von Eris und Gorzan. Freunde die zu Feinden werden und alles aufgeben was sie damals verbunden hatte. Auch er selber kennt dieses Gefühl nur zu gut. Plötzlich bedeckt ihn ein Schatten und kaum wendet er sich um , doch sieht er nur noch die rot leuchtende Klinge einer ihm sehr bekannte Waffe. Dieser Anblick weckt ihn aufschreiend aus seinem tranceähnlichen Gedankengang und panisch blickt er sich um. Aber zu seiner Überraschung, und Erleichterung, ist nichts so wie in seinem Traum sondern eher das Gegenteil ist der Fall. Überanstrengt massiert er seine Schläfen und murmelt leise: „Immer diese Träume... und immer enden sie wenn er auftaucht... Cragger, mein alter Freund und nun... Was sind wir nun? Feinde? Freunde? Ich weiß es nicht..." Erschöpfung macht sich in ihm breit und so entschließt Laval sich auf sein Zimmer zurückzuziehen. Seufzend wendet er sich dem Eingang des Tempels zu und betritt diesen wieder. Erneut bewegt er sich auf die Wache zu, geht aber dieses Mal an dieser vorbei ohne wirklich zu reagieren. Allgemein scheint er mit seinen Gedanken abwesend zu sein. Jeden Löwen, der ihn grüßt, ignoriert Laval gekonnt und sogar seinen Vater, welcher mit ihm reden möchte, schenkt er keine wirkliche Beachtung. „Laval? Würdest du gefälligst stehen bleiben. Ich rede mit dir Sohn! Laval!", versucht Lagravis zu seinem Sohn durchzudringen, jedoch vergebens. Außer ein paar Seufzern und einem eher lustlosen „Hallo" reagiert dieser nicht auf den König und, was noch viel schlimmer ist, seinen eigenen Vater. Wieder verlässt der Prinz den Tempel, jedoch dieses Mal um sich in sein Gemach zurückzuziehen um dort seine Gedanken, Gefühle und Sorgen zu sortieren. Auf dem Weg durch den Palast trifft er auf weitere ihm gut bekannte Wachen, Krieger und Freunde aber auch diese können kein wirkliches Gespräch aufbauen, bekommen manchmal sogar überhaupt keine Antwort. Endlich steht Laval vor seiner Zimmertür und blickt sie mehrere Minuten lang einfach nur an. „Was soll ich nur tun? Alles ist wieder in Ordnung in Chima und alle meine Freunde konnten sich versöhnen... Nur von Cragger habe ich seit dem Ende des Krieges nichts mehr gehört... Ich würde ihn besuchen aber irgendetwas hält mich auf! Was nur? Ist es mein gesunder Verstand? Meine Vorsicht? Oder etwa die Angst vor der Ablehnung von Craggers Seite? Irgendetwas muss es doch sein... nur was? Mein Kopf brummt als würden hundert Gorillas darauf Bongo spielen! Ich sollte mich hinlegen und ausruhen...", denkt sich der Löwe und öffnet die hölzerne Tür. Schnell zieht er sein Oberteil aus und wirft es über den Kopf seiner Trainingspuppe bevor er sich auf sein weiches Bett wirft. Während er langsam seine Augen schließt und in das Land der Träume eintaucht murmelt er etwas unverständlich: „Das Gleichgewicht in Chima ist hergestellt aber ... das zwischen mir und Cragger ... ist außer Kontrolle geraten." Schließlich liegt er entspannt in seinem Bett mit einer ruhigen Atmung und Träume bereichern seine Gedanken.
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