Die Quidditchweltmeisterschaft 1978

von Caligula
MitmachgeschichteAllgemein / P12
10.10.2015
30.06.2020
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Luxemburg – USA
 

„Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, zu einem weiteren, großartigen Spieltag und zu einem Match, dem ich persönlich schon sehr entgegengefiebert habe - Luxemburg gegen die USA!“, begrüßte Brad Collister das Publikum euphorisch; die Vorfreude war ihm durchaus anzumerken. Adam Ozwald neben ihm lachte und übernahm es, das luxemburgische Team vorzustellen, das, vom Jubel der angeheizten Fans begleitet, ins Stadion einflog.
„Das Team von Luxemburg: Cécile Jänisch, Pierre Weber, Albert Wercollier, Jeannot Friedens, Adalbert Glück, Thierry Thill und Lydia van de Klock!“ Die Fans hießen die Mannschaft mit Jubelrufen willkommen und stapfte im Takt der Musik mit den Füßen auf. Der Jäger und Kapitän Cécile Jänisch ließ den Blick stolz über die Zuschauerreihen schweifen, seine beiden Jägerkollegen Weber und Wercollier fanden sich links und rechts von ihm ein. Der Treiber Friedens bot dem Publikum noch einige Flugmanöver und flog dazwischen so dicht an den Zuschauerrängen vorbei, dass die Fans die Hände nach ihm ausstreckten. Sein Kollege Glück beobachtete die Faxen des anderen mit einem Kopfschütteln. Der Hüter Thill verzog keine Miene, als er sich auf den Weg zu seinen Torringen machte, während die Sucherin van de Klock, jüngstes Mitglied und einzige Frau der Mannschaft, mit aufgewecktem und neugierigem Blick eine Runde durchs Stadion drehte.
Sobald ihre Musik verklungen war, setzte die nächste ein. Schnell und laut, so wie die sieben Spieler des amerikanischen Nationalteams ins Stadion geschossen kamen.
In V-Formation und vom Kreischen eines Adlers begleitet zogen sie von einem zum anderen Ende des Stadions, wobei jeder von ihnen eine blau-rot-weiße Spur hinter sich herzog, die sich wenige Meter hinter ihnen wieder in Luft auflöste. Schließlich fanden sie sich am Ende des Stadions zusammen und richteten ihre Zauberstäbe auf einen unbestimmten Punkt an der Decke, unter der kurz darauf eine riesige US-Flagge in einem imaginären Wind wehte. Der Applaus und Jubel schwoll noch einmal an. Brad Collister schien einer derjenigen zu sein, der am lautesten klatschte.
„Das Team der USA, meine Damen und Herren: Trish Madsen, Fin Hobbs, Jayden Smith, Austin Swimelar, Allegra Houston, Simon Garcia und Rebecca Myers!“
Hobbs hob die Faust zum Gruß, während sich Madsen neben ihm mit einem breiten Lächeln begnügte. Die vereinzelten Liebesbekenntnisse in Form von Bannern schienen ihr fast unangenehm zu sein. Smith winkte dem Publikum vereinzelt zu und machte dem höchst nervösen Swimelar Mut. Der Hüter Garcia stieß, durchs Publikum abgelenkt, fast in den luxemburgischen Treiber Friedens rein, als er sich auf den Weg zu seinen Torringen machte. Die Sucherin Myers beobachtete ihre Konkurrentin van de Klock, ehe die Kapitänin und Treiberin Houston ihren Kameraden noch einmal zunickte und die Mitte des Felds anstrebte, wo sich auch der italienische Schiedsrichter Danilo Ventura einfand, um das Spiel zu beginnen.
„Die Jäger machen sich bereit, Madsen und Jänisch an der Mittellinie“, berichtete Brad Collister, als es im Stadion mucksmäuschenstill wurde. Die Sucherin Myers hielt sich mit verkniffener Miene die Ohren zu, als Ventura schrill in seine Trillerpfeife blies und gleichzeitig den Quaffel in die Höhe warf, um ihn zum Abschuss freizugeben.

Schlagartig war es wieder vorbei mit der Stille, als Madsen sich den Quaffel schnappte und an Jänisch vorbei manövrierte. Vom Publikum angefeuert, passten sie und Hobbs den Ball blitzschnell hin und her, ohne dass die luxemburgischen Jäger eine Chance hätten, dazwischen zu gehen, durch den gegnerischen Strafraum. Überraschend spielte Madsen den Quaffel dort Smith zu, der sich unauffällig im Hintergrund gehalten hatte, und seinerseits wieder an Hobbs abgab - dem das erste Tor gelang.
„Ja! So muss das aussehen! So muss ein Spiel starten“, jubelte Brad Collister triumphierend.
„Ein toller Start für die USA“, gab Adam Ozwald zu. „Aber wir wissen alle, dass ein Tor noch lange nichts über den Ausgang eines Spiels aussagt. Noch ist absolut alles offen und es würde mich nicht verwundern, wenn das kleine Luxemburg uns ein spannendes Spiel bietet.“
Daraufhin wurde Brad Collister erst mal ruhig, vor allem als Thill ein weiteres Tor der Amerikaner verhindern konnte und sich der Kampf um den Quaffel auf die amerikanische Hälfte des Spielfelds verlegte. Auch das luxemburgische Jägertrio erwies sich als gut eingespielt und Garcia machte sich auf ihren Angriff gefasst, als es ein Klatscher war, der den aufs Tor geworfene Quaffel ablenkte.
„Ein gutes Manöver von Swimelar, das aber auch hätte schief gehen können“, lobte und kritisierte Adam Ozwald gleichermaßen. „Die USA wieder im Ballbesitz.“
Rasch eroberten die Luxemburger den Quaffel jedoch zurück. Weber nahm gerade den Ball an und duckte sich knapp unter einem Klatscherangriff weg, der fast seinen Kopf getroffen hätte. Hastig spielte er den Ball zu Jänisch, der entschlossen aufs Tor zuhielt. Friedens konnte gerade noch einen Klatscher von seinem Kapitän fernhalten, der seiner Umgebung keine Beachtung mehr schenkte und dann auf den linken Torring warf. Garcias Finger erreichten den Ball eine Millisekunde zu spät und die Zuschauer feierten lautstark den Ausgleich.
„10 : 10!“, verkündete Adam Ozwald den Zwischenstand. „Ich schätze, wir dürfen gespannt sein, wo uns dieses Match noch hinführt“, fügte er an seinen parteiischen Kollegen gewandt hinzu.

Wercollier hatte sich den Quaffel als Nächstes geschnappt, entschied sich aber diesen zunächst an Weber abzugeben, um eine bessere Chance zu haben, ihn durch den Torring zu bekommen - was ihm kurz darauf auch gelang.
„Luxemburg geht in Führung“, versuchte Brad Collister den Schein von Neutralität zu wahren, indem er selbst die Leistung des Gegners hervorhob. „Doch ein gezielter Klatscher von Houston nimmt den Luxemburgern den Ball wieder ab!“
Doch Smith sah sich plötzlich mit gleich zwei Klatschern konfrontiert, die ihm das luxemburgische Treiberduo effektiv auf den Hals hetzte. Schnell war Houston an seiner Seite erschienen und lenkte die gefährlichen Geschosse ab, konnte allerdings nicht verhindern, dass Jänisch dem Gegner den Quaffel aus den Händen riss. Wieder belagerten die Luxemburger das amerikanische Tor, das Garcia verzweifelt zu verteidigen versuchte. Zwei Angriff konnte er halten, der dritte ging durch.
„30 : 10 für Luxemburg!“
„Kommt schon, wir verlieren doch nicht gegen Luxemburg!“, stachelte Brad Collister sein Team verzweifelt an und erntete für seinen spöttischen Unterton laute Buhrufe.

Die amerikanischen Spieler schienen sich die Worte ihres Landsmannes zu Herzen zu nehmen, denn sie spielten noch offensiver. Garcia verhinderte ein weiteres Tor und ein Klatscher trieb den Quaffel schließlich zurück in die amerikanischen Hände, die sofort den gegnerischen Strafraum stürmten. Die luxemburgischen Treiber machten es ihnen nach wie vor nicht leicht, doch entwickelten ihre Gegner eine effektive Strategie um ihre Jäger bestmöglich zu schützen, sodass diese weitgehend ungehindert operieren konnten. Hobbs manövrierte sich durch die angreifenden Jäger Wercollier und Jänisch durch und passte zu Smith, der blitzschnell an Madsen weitergab, die den Quaffel im linken Torring versenkte.
„Jawohl! Die USA schlagen zurück!“, freute sich Brad Collister mit dem jubelnden Publikum. Und der Jubel sollte anhalten, als Hobbs kurz darauf der Ausgleich gelingen sollte. „Gleichstand mit jeweils dreißig Punkten!“
„Ich habe doch gesagt, das könnte noch ein spannendes Match werden“, meinte Adam Ozwald zufrieden. Dann schlug sein Ton plötzlich um und es verschlug ihm für einen Moment die Sprache. Auch das Publikum hatte fassungslos den Atem angehalten. „Myers rast zielstrebig übers Feld - ich glaube, sie hat den Schnatz entdeckt!“
Schon hatte sich van de Klock an ihre Fersen geheftet und beide Sucherin jagten tatsächlich dem goldenen Schnatz hinterher.
„Nach gerade mal zwanzig Minuten; das ist ein neuer Rekord! Und der letzte war schon schwer zu unterbieten.“

Das überraschend schnelle Auftauchen des Schnatzes, spornte die Spieler zusätzlich zu Höchstleistungen an. Die Amerikaner kämpften verbissen darum, unter allen Umständen in Ballbesitz zu bleiben. Sie spielten so geschickt im schnellen Wechsel, dass der Hüter Thill alle Hände voll zu tun hatte. Er huschte blitzschnell zwischen den drei Torringen hin und her und ließ erst nach einem Dauerangriff von fünf Minuten einen Ball durch, den Smith hinter den Torringen gleich wieder fing und an seine Kollegin abgab. Thill konnte Madsens Angriff abwehren, indem er den Ball mit der Faust zur Seite schlug, allerdings war es Hobbs, der den herrenlosen Ball daraufhin fing. Er lieferte sich einen kurzen Kampf mit Jänisch, den er gewann um an Madsen abzugeben, die den Ball so schnell zurückspielte, dass niemand rechtzeitig reagieren und ein weiteres Tor durch die Amerikaner verhindern konnte. Ihre Züge blieben unkommentiert, da sich die Konzentration aller auf den Suchern ballte, die immer noch hinter dem Schnatz her waren. Noch immer führte Myers die Jagd an.
„Es sieht so aus, als würde sich dieses Spiel jeden Moment entscheiden“, berichtete Adam Ozwald aufgeregt. „Und das bei einem Zwischenstand von 30 : 50 für Luxemburg!“

In der Zwischenzeit stürmten die Luxemburger wieder das gegnerische Tor. Ein gezielter Klatscher von Friedens verfehlte nur knapp Garcias Kopf und lenkte den Hüter soweit ab, dass Wercollier aus beachtlicher Distanz einen Wurf wagte und tatsächlich ein Tor machte.
„Wow, eine beachtliche Leistung von Wercollier!“, lobte Adam Ozwald beeindruckt. „Und damit nähern wir uns wieder einem Gleichstand zwischen beiden Mannschaften. Hier kommt es heute wirklich auf den Schnatz an!“
„Und da haben die USA immer noch die Nase vorn!“, berichtete Brad Collister stolz. „Van de Klock zeigt sich hartnäckig, kann Myers aber nicht einholen!“
Wie um die Aussage des Kommentators zu widerlegen, holte van de Klock auf, als der Schnatz abrupt nach rechts Richtung Spielfeldmitte und dann in die Höhe flog. Als sich beide Sucherinnen in die Tiefe stürzten, um dem goldenen Ball zu folgen, streckte van de Klock eine Hand nach ihm aus, dicht an dicht mit Myers, mit der sie nun gleichauf lag.
„Und ... und ...“, sagte Brad Collister ungeduldig, während das ganze Stadion den Atem anzuhalten schien.

Der schrille Pfiff des Schiedsrichters beendete das Spiel, als die Hände der Sucherinnen zuschnappten und der Quaffel ein letztes Mal durch einen der luxemburgischen Torringe ging. Die Spannung hielt an, denn Myers und van de Klock schienen für einen Moment aneinander zu kleben, sodass nicht zu sagen war, welche von beiden triumphiert hatte. Doch dann hob Myers mit einem Strahlen die Faust in die Höhe, aus der goldene Flügel zappelten.
„Ja! Myers fängt den Schnatz! Die USA gewinnen das Spiel und ziehen ins Achtelfinale ein!“, jubelte Brad Collister möglicherweise am lautesten, wenngleich das gesamte Stadion vor der lautstarken Begeisterung der Fans erbebte. Myers hatte einen Arm um van de Klock geschlungen und ihr einen Kuss auf die Wange gedrückt, ehe die luxemburgische Sucherin wusste wie ihr geschah und stürzte sich dann in die Arme ihrer gröhlenden Kameraden.
„Was für ein Spiel“, urteilte Adam Ozwald verwirrt, als wisse er nicht, ob er sich nun freuen sollte oder nicht. „Ich muss zugeben, ich hatte gehofft, der Schnatz würde noch einmal verschwinden, denn eines steht fest; das war ein höchst spannendes und ausgeglichenes Aufeinandertreffen und der Ausgang war bis zuletzt ungewiss.“
„Ich muss dir zustimmen, Adam, das Match war enttäuschend kurz“, musste auch Brad Collister zugeben. „Hoffentlich gibt das nächste Spiel den Amerikanern mehr Gelegenheit zu zeigen, was sie drauf haben.“
„Das bleibt wohl zu hoffen“, meinte Adam Ozwald schlicht, während sich die Kapitäne die Hände reichten und auch die restlichen Luxemburger den Gegnern zu ihrem Sieg gratulierten. „Aber ich bin davon überzeugt, dass auch Irland oder Dänemark es ihnen nicht leicht machen werden.“
Denn während im Nord-Stadion bereits gefeiert wurde, kämpften die beiden genannten Länder im Süd-Stadion noch um ihren Platz im Achtelfinale.
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