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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
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07.10.2015 1.649
 
Kapitel (7) Minho

Am nächsten Tag zog ich meinen Verband von der Hand ab und besah die Wunde. Das würde eine nette Narbe geben. Ich war wieder einmal zum Nichtstun verdammt. Und das, wo alle – wirklich alle – getestet wurden. Langsam war ich nicht mehr nur wütend auf A.N.G.S.T sondern ernsthaft genervt. Und wenn Newt irgendwann spätabends ins Bett torkelte, brachte ich es nicht übers Herz ihn noch zum Reden anzuhalten. Aber ich hatte definitiv ein Kommunikations-Defizit.
Plötzlich hörte ich schnelle Schritte und hektisches Gemurmel. Neugierig trat ich auf den Flur. Es tat sich ja doch etwas, halleluja! Allerdings sahen mich die Jungs kaum an, eilten an mir vorbei und ihre Mimik verhieß nichts Gutes.
"Was ist los?", fragte ich Gally und schwamm mit dem Strom. Krallte mich an seinem Arm fest.
Er sah mich merkwürdig an.
"Was?"
"Einer der Tests lief nicht ganz so gut."
"Und?"
"Minho..."
Ich erbleichte. Überholte die anderen Jungs, rannte den Gang entlang, bis ich die beiden weißen Gestalten ausmachen konnte, welche eine Trage geschultert hatten. "Minho?"
Eine Tür zur Linken wurde aufgestoßen und die Leute trugen ihn in den Raum. Mir wurde die Tür vor der Nase zugeschlagen. Verwirrt starrte ich auf die Tür. Die Klinke. Das Schloss. Klopfte. "Hey! Hallo?"
Ich sah über die Schulter zu den anderen Jungs. Gally quetsche sich gerade in die vorderen Reihen.
Verunsichert sah ich ihn an.
"Vielleicht solltest du einmal deinen Einfluss geltend machen?", schlug er leise vor.
"Welchen Einfluss? Ich hatte nie welchen."
"Er hat Recht", sagte Nick. "Du bist eine von Ihnen. Zumindest mal gewesen."
Das war eine schlechte Idee. Andererseits ging es um Minho, oder nicht?
Ich kratzte all meinen Mut zusammen und klopfte erneut. "Hallo? Hier ist Cassandra. Ich bin die Schwester von Thomas. Öffnet die Tür!" Mein Klopfen wurde zusammen mit meinen Worten lauter. "Die Tür öffnen, sagte ich!" Vor meinem Inneren Auge konnte ich förmlich sehen, wie die Wachen hinter der Tür - wenn es denn mehrere Wachen waren - einen Blick miteinander tauschten und dann überlegten was zu tun war. Lächelnd half ich ihnen auf die Sprünge: "Hören Sie, wenn Sie nicht die Tür öffnen, werde ich mich beschweren. Ich habe gehört, es gäbe... diverse Engpässe und dass das Personal ausgedünnt werden müsste. Und ich kann dafür sorgen, dass Sie zu dieser Ausdünnung zählen." Die letzten Sätze waren absoluter Quatsch und ich hatte mich teilweise mit meinen eigenen Worten verwirrt, aber die Wachen – wenn es denn welche waren – hatten sie für bare Münze gehalten und öffneten die Tür. Er hielt eine große Waffe in seinen Händen und einen Munitionsgürtel um die Hüften. Ansonsten war er in Weiß gekleidet, wie alle... Wie hatte Gally sie genannt? Adligen.
"Thomas' Schwester sagen Sie?", grollte einer von ihnen. "Was willst du?"
"Der junge Mann dort", sagte ich und deutete über seine Schulter auf Minho. Ich musste schlucken. Das war eine Menge Blut. "Der junge Mann", nahm ich den Faden wieder auf, "gehört zu mir. Was ist geschehen?" Ein wenig Autorität schien doch in meiner Stimme mitzuschwingen, denn die Wache antwortete sofort. "Einer der Tests ging schief. Der Proband ist mit einem Tier aneinander geraten und eine Klinge hat ihm am Buch erwischt."
"Wie schlimm ist es?"
Kurzes Zögern. Dann: "Die Ärzte geben ihr bestes."
Die Ärzte geben ihr bestes. Was bedeutete, dass er nicht über den Berg war. Ich blinzelte. Versuchte mich zu fangen. "Wann kann ich ihn sehen?"
"Sobald er versorgt wurde."
"Lassen Sie mir eine Nachricht zukommen." Ich nickte kurz und tat als würde ich zu irgendeiner Aufgabe eilen – die Jungs machten mir sogar sehr vorbildlich den Weg frei – doch als ich das Schließen der Tür hörte, wirbelte ich wieder herum und stellte mich erneut vor die Tür. Nur dass ich diesmal den Kopf dagegen lehnte, bevor ich einfach auf den Boden rutschte und mich an die Wand lehnte.
Newt zog eine Augenbraue hoch. "Nicht schlecht, Kleines."
"Doch. Sie wissen nicht ob er durchkommt." Ich biss mir auf die Unterlippe und fluchte. So viele ungenutzte Chancen und sinnlose Streitereien. Wenn er jetzt sterben würde, würde ich mir das niemals verzeihen.
Nach und nach lichtete sich die Menge und nur Gally, Nick, Newt, Alby und Chuck rutschten neben mich. Meine Finger verschränkten sich mit Newts und ich lehnte den Kopf an seine Schulter. Und schloss die Augen.

Ich fuhr aus meinem Dämmerschlaf auf, als Newt mich sanft wachrüttelte. Ich hob den Kopf und sah ihn die angedeutete Richtung. Die Wache, mit der ich gesprochen hatte, sah uns mit einem undurchdringlichen Blick an. Dann deutete er auf mich. "Sie darf rein."
Ich wechselte einen Blick mit Newt und Gally, beide zuckten leicht mit den Schultern. Schließlich drückte ich mich an der Wand hoch und schlich regelrecht an dem Wachmann vorbei in den Raum. Es schien eine Art Krankenraum zu sein. Ich war mir nicht bewusst gewesen, dass wir überhaupt einen besaßen, aber es schien doch sehr naheliegend. Doch ich hatte keine Augen für den Raum und seine Inventur.
Schnell eilte ich an das Bett. Er lag dort, mit einem dicken Verband um den Oberkörper und für seine Verhältnisse kalkweiß. Meine Hand umschlang die seine und drückte sie. Ganz fest.
So saß ich tagelang neben ihm. Der Wachmann stand stumm neben der Tür. Er hatte mich zuerst etwas beklommen gemacht, aber nach und nach blendete ich ihn aus. Dreimal am Tag kam jemand von den Jungs hinein und brachte mir etwas zu essen. Nun, und um einen Blick auf den sonst so starken und schlecht gelaunten Minho zu werfen.
Ich hatte gerade im Sitzen etwas die Augen geschlossen, als ich eine Bewegung spürte. Sofort riss ich die Augen auf und sah auf das Bett. Augenscheinlich hatte man das Narkosemittel herabgesetzt. All die Ärzte, welche ständig im Raum umherwuselten... Ich hatte keine Ahnung, was sie immer getan hatten. Was auch immer es gewesen war, Minho öffnete flackernd die Augen und verzog schmerzerfüllt das Gesicht.
"Minho", wisperte ich erleichtert. "Oh, du lebst!"
"Cassandra?", murmelte Minho benommen. "Was tust du hier?"
"Auf dich aufpassen."
Er stöhnte. "Da war was schief gegangen."
"Absolut." Ich strich ihm übers Gesicht. "Es wird alles wieder gut. Versprochen."
Minho sah mich müde an. "Wie lange war ich weg?"
"Fünf Tage." Und im meinem Kopf: Noch zwei Wochen, bis sie den Ersten von euch wegschicken.
"Und du warst die ganze Zeit hier?"
"Natürlich. Tag und Nacht."
"Warum?"
Ich wich seinen Blick aus. Wusste nicht, was ich antworten sollte.
"Warum, Cassy? Warum warst du hier und nicht bei Newt?"
Um Newt ging es? Nun war ich es die das "Warum" fragte. "Bei Newt? Was..." Ich musste wohl ernsthaft verwirrt ausgesehen haben, denn Minho runzelte die Stirn. "Du schläfst bei ihm."
"Ja. Bis auf die letzten fünf Tage." Oh. Cassandra du dummes Ding. Jetzt endlich hatte es auch bei mir klick gemacht. "Minho... meine erste Woche hier war einfach nur kompliziert und Newt war derjenige von euch beiden, welcher mein Leben nicht noch komplizierter gemacht hat. Aber das heißt doch nicht, dass ich ihn..." Liebe, hatte ich sagen wollen, mich jedoch schnell auf die Zunge gebissen. Man konnte sich nicht innerhalb weniger Tage in einen Menschen verlieben. "Ich brauche ihn an meiner Seite. Wie dich. Wie Gally. Und jeden von euch auf eine andere Art und Weise."
"Auf welche Art und Weise brauchst du mich?", fragte er heiser. Seine Augen verhakten sich mit meinen, wie bei unserer ersten Begegnung.
"Ich würde vorschlagen, dass finden wir nach deiner Entlassung heraus", erwiderte ich und lächelte.

Zwei Tage später konnte er in sein reguläres Zimmer umziehen. Mehr den je wünschte ich mir Fenster für diese Räume. Wenn jemand krank war, brauchte er frische Luft. Stattdessen versuchte ich es ihm so gemütlich wie nur möglich zu machen.
"Brauchst du noch etwas?", fragte ich. "Sonst würde ich einmal mein Bett aufsuchen. Im liegen zu schlafen erscheint mir plötzlich ein Privileg zu sein."
Er schüttelte den Kopf, sagte aber: "Ja, ich brauche noch etwas."
In Ordnung... Fragend zog ich eine Augenbraue hoch.
Typisch Minho, stützte dieser sich auf die Ellbogen und hievte sich irgendwie in Wandnähe. Mein Blick glich einer Gewitterwolke. Ich hatte gefühlte Stunden gebraucht um die Kissen, Decken, Bücher, Lampen und was weiß ich, richtig und schön und fluffig hinzulegen. Und nun wälzte er darüber wie ein betrunkenes Nashorn.
Minho fiel mein Blick auf und grinste. "Tut mir Leid, aber mein Bett ist kein Ausstellungsstück." Er klopfte neben sich auf die Matratze. "Komm her."
Perplex verschwand mein Gewitterwolken-Blick. "Wie bitte?"
"Ich brauche nur noch eine Sache: Dich neben mir. Du willst schlafen? In Ordnung, hier ist ein Bett." Sein Blick wurde sanfter. "Bitte."
Zögerlich zog ich meine Schuhe aus und legte mich neben ihn ins Bett. Es war eine verdammt seltsame Situation. Richtig seltsam. Richtig, richtig seltsam! Stumm sahen wir einander in die Augen. Ich hatte mich zusammengekugelt und meine Wangen glühten. Aber Minho, tough wie immer, grinste nur schelmisch, drehte sich auf den Rücken und schloss die Augen.
Das nächste Mal als ich wach wurde, lag ich in einem Stapel Kissen – Minho hatte ich nur eines gelassen – und fühlte mich pudelwohl. Ich schlug die Augen auf und lächelte. Minho lag ruhig neben mir und atmete tief ein und wieder aus. Seine Finger hatten sich mit meinen verschränkt.
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