Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
49
Alle Kapitel
150 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
27.10.2015 2.485
 
Gestern das Kapi später, heute das Kapi früher als sonst :D Aber ich bin nachher bei der Uni-Zeitung und komme erst sehr spät zurück und noch kann ich regelmäßig hochladen, genießt es ;)

Danke littlewolf übrigens für deine sehr zuverlässigen Reviews, die bauen mich immer sehr auf und motivieren mich zum Weiterschreiben :)
Apropos, wo sind denn die anderen dutzenden Favis meiner Story? Ihr könnt immer gerne euer Feedback abgeben, auch wenn es Kritik sein sollte.

Ich hoffe meine Fantasie flüstert mir demnächst was ich mit Thomas machen soll, aber momentan schweigt sie eisern :/
Ihr könnt mir ja ein paar Vorschläge da lassen ;)

Küsschen und Drücker *-*
-------------------------------------------------------------------
Kapitel (40) Versöhnen und den Alltag zurückgewinnen

Mit der Schüssel Erdbeeren stand ich vor der Tür. Es war früher Abend und da Minho, nachdem er Ben zu den Sanis gebracht hatte, nicht noch einmal ins Labyrinth gegangen war, entspannte er sich seitdem in seinem Zimmer. Nun bis auf die fünf Minuten wo ich ihm für seine Worte an den Greenie beinahe eine gescheuert hätte.
Ich klopfte an und aus dem Innern ertönte ein leises Herein.
Vorsichtig öffnete ich die Tür und sah den gleichen erstaunten Ausdruck auf Minhos Gesicht, wie vorhin auf Newts. Er lag auf dem Bett und hatte augenscheinlich nur stumm an die Decke gestarrt. Nun drehte er mir das Gesicht zu und stand mit einer fließenden Bewegung auf.
"Hey", sagte ich leise. Hielt die Schüssel hoch. "Ich wollte dir dein Dessert bringen."
"Wir hatten nicht einmal Abendessen."
"Dann eben die Vorspeise."
Er runzelte die Stirn.
Ich stellte die Schüssel auf seinen Schreibtisch. "Ich..." Meine Stimme brach.
Wie oft hatte ich ihn das in den letzten Wochen gefragt und immer eine Abfuhr erhalten? Wie hoch standen die Chancen, dass er nach einer kleinen Strafpredig seitens Newt einen Gesinnungswandel hatte? Wahrscheinlich ebenso hoch wie die Wahrscheinlichkeit jemals aus dem Labyrinth zu entkommen.
"Können wir reden?", wisperte und schloss die Augen.
Sollte ich jetzt eine Abfuhr erhalten wäre es das letzte Mal gewesen, dass ich hier stand und bettelte. Wer war ich denn? Nie hatte ich gebettelt, auch nicht als Luke mich entführt hatte.
Ich bettelte nicht.
Ich. Bettelte. Nicht.
"Ja."
Meine Augen sprangen auf und meine Stirn legte sich ebenfalls in Falten. "Was? Hast du ja gesagt?"
Minho nickte. Zog sich einen Stuhl heran und setzte sich rittlings darauf.
Etwas misstrauisch nahm ich auch Platz. Zog die Beine hoch auf die Sitzfläche des Stuhls und schlang die Arme darum. Minho nahm sich eine Erdbeere.
Ein paar Minuten saßen wir schweigend beieinander. Ich wusste nicht, wie ich anfangen sollte oder was ich überhaupt hatte sagen wollen. Super.

Gedankennotiz: Manchmal sollte man nicht nur den Ansatz eines Planes haben. Manchmal wäre ein durchdachter Plan besser.

"Warum hast du Schuldgefühle?", fragte ich leise.
Immerhin schluckte Minho hinunter bevor er antwortete. "Weil du meinetwegen beinahe gestorben wärst."
"Nein. Ich bin wegen einer Mücke beinahe gestorben." Ich hielt meine Hand mit dem vernarbten Mückenstich hoch.
"Ja, und wann wurdest du gestochen? Den Morgen nachdem wir das erste Mal miteinander geschlafen haben." Seine Augen glänzten. "Als du fragtest, ob wir aufhören sollten, hat meine Vernunft mich angeschrien aufzuhören. Ich wusste mit jeder Pore, dass es gefährlich war. Aber ein Teil von mir hat meine Vernunft ausgeschaltet."
Meine Mundwinkel zuckten leicht und Minho verdrehte die Augen. "Ich rede von meinem Herz, Cassandra." Er seufzte.
"Das heißt du bereust es?", fragte ich flüsternd.
"Nein." Todernst sah er mich an. "Keine verdammt Sekunde. Weder in der Nacht noch danach. Erst als ich keinen Puls bei dir fühlen konnte habe ich es bereut."
"Das widerspricht sich."
"Ja. Das ist das Problem." Minho lachte kurz auf. "Ich bereue es und gleichzeitig nicht. Wenn du gestorben wärst hatte ich immerhin ein paar schöne Momente mit dir. Aber jetzt weiß ich nicht, ob ich noch weiter sammeln darf, wenn du dafür erneut in Gefahr schwebst."
"Du zweifelst an mir."
"Nein." Er machte eine wegwerfende Handbewegung. "Ja. Nein, ich zweifle nicht an dir und deiner Stärke. Aber du bist eben nicht unsterblich und wenn ich eines gelernt habe dann, dass ich dich nicht verlieren kann." Zärtlich sah er mich an. "Niemals. Und das Verrückte ist, dass Newt nicht das Problem hat. Er denkt nicht, dich im nächsten Augenblick verlieren zu können. Dies war auch der Grund, warum ich so verdammt strunkmäßig auf ihn reagiert habe, nachdem Luke dich entführt hatte. Er denkt: Du lebst, alles ist gut. Keine Angst, keine Sorge, nichts! Es macht mich wahnsinnig!"
Ich schüttelte den Kopf. "Minho, wir müssen weitergehen und solche Dinge zu verarbeiten lernen. Wenn dies nicht funktioniert drehe ich ab. Du redest nicht mit mir. Du siehst mich nicht an. Du berührst mich nicht. Das ist etwas, was mich wahnsinnig macht! Abgesehen davon, dass dich absolut keine Schuld trifft, in Ordnung?"
Er nickte kurz.
"Gut." Ich begann die Maserung des Tisches nachzuzeichnen. "Ich hätte dich gebraucht, Minho. Nein, ich brauche dich immer noch. Newt ist... Newt hat mich die letzten Wochen vor einem totalen Nervenzusammenbruch bewahrt, aber... Aber ich hätte dich gebraucht und du... warst nicht da." ein paar einzelne Tränen rollten mir über die Wange. "Nick ist nicht mehr da. Du warst nicht da. Und Gally war zu grobmotorisch. Ich war allein." Meine Stimme brach und ich schlug die Hand vor den Mund. Brachte mich zwanghaft dazu mit weinen aufzuhören. Weiterhin starrte ich auf den Tisch, statt Minho anzusehen.
Eine Hand legte sich über meine und diesmal zog ich sie nicht weg. "Cassy es war seine Entscheidung", sagte Minho sanft. "Er hat sich geopfert, weil er meinte die Lichtung und die Lichter bräuchten dich."
"Aber ich lebe und er ist tot", sagte ich leise.
"Ja. Und genau das war es, was Nick wollte", erwiderte Minho ernst. "Cassy, er hat dich geliebt. Er hat es mir gesagt, als er dir das Heilmittel gespritzt hat. Und lieber sah er sich tot als seine Tochter."
Ich nickte. "Ich weiß", wisperte ich. "Das macht die Sache aber nicht leichter."
Ein paar Minuten lang saßen wir so beisammen. Er hielt meine Hand und sah mich an, ich hatte meine Augen unverwandt auf den Tisch gerichtet und versuchte nicht erneut einen Heulkrampf zu bekommen. Aber diese kleine Berührung, die paar Sätze bisher und der kurze Moment in diesem Raum hatten mir mehr geben können, als jegliche Nacht bei Gally und Newt.
"Ich war bei dem Greenie", wechselte Minho leise und abrupt das Thema, als ich nach weiteren Minuten nichts gesagt hatte.
Ich sah ihn erstaunt an. "Bei dem Greenie? Warum?"
"Um mich zu entschuldigen. Ich hätte die Worte nicht sagen dürfen. Vielleicht stellt er sich bei Newt ja doch nicht ganz so blöd an."
Ein leichtes Lächeln erschien in meinem Gesicht. Minho erwiderte es zaghaft. Dann deutete er auf die leere Schüssel. "Kriege ich nach dem Abendessen noch einmal welche?"
"Das entscheidet Bratpfanne. Ich habe keine Ahnung wie viel Newt gepflückt hat, ich habe mich ja um den Greenie gekümmert." Ich merkte, wie unser Gespräch ruhiger und weniger emotional wurde und innerlich verdrehte ich über mich selbst die Augen. Hatte ich es ihm nicht schwer machen wollen? Stattdessen brauchte er nur meine Hand nehmen und mir ging es besser. Was ich mit trotz allem merken sollte. Vielleicht plante mein zukünftiges Ich neue emotionale Ausnahmesituationen.

Gedankennotiz: Okay, ein durchdachter Plan wäre besser, allerdings ist ein Plan nicht von Nöten, wenn man den geplanten Plan nicht plant durchziehen...

Ich merkte, wie Minho mich noch immer ansah und zog fragend eine Augenbraue hoch. "Was ist?"
"Fangen wir noch einmal neu an?", fragte er leise.
Mein Blick fiel auf unsere verschränkten Finger und ich nickte. "Ja. Natürlich. So oft wir eben neu anfangen müssen."
"Und wenn etwas ist, dann bin ich jetzt da, in Ordnung? Ich... Ich kriege die Sache vielleicht auch besser unter die Füße, wenn ich es nicht mit mir allein ausmachen muss."
Erneut nickte ich. "Ich kann nur nicht hier schlafen. Es geht einfach noch nicht."
Jemand klopfte an die Tür. Eine Stimme rief: "Abendessen fertig!" Schnelle Schritte huschten davon.
Ich musste grinsen und stand auf, Minho ebenso. "Ich ziehe mir schnell noch eine dünne Jacke über", sagte ich an ihn gewandt.
Minho verschränkte die Arme. "Klar. Wir sehen uns gleich."
Ich wollte auf die Tür zusteuern, hielt jedoch noch einmal inne. Mein Plan war doch eh gescheitert, oder? Über mich selbst seufzend und stöhnend, drehte ich mich schnell zu Minho um und umarmte ihn. Schlang die Arme um seinen Rücken und bettete meinen Kopf an seine Schulter. Minho selbst war etwas überrascht und brauchte etwas, bis er die Umarmung erwiderte, doch dann zog er mich so fest an sich, dass er mir beinahe das Rückgrat brach. Für ein paar Sekunden sogen wir diese intensive Umarmung in uns auf.
"Du kannst auch eine Jacke von mir haben", murmelte er in meine Haare.
"Okay."
Er reichte mir eine seiner Läufer-Jacken, die er draußen anzog wenn mal wieder leichter Sprühregen auf die Lichtung niederging. Sie war mir natürlich zu groß, aber gemütlich. Außerdem schien mit dieser Jacke um meinen Schultern etwas mehr Normalität zurückzukehren.
Außerhalb des Gehöfts tastete ich nach Minhos Hand, die er dankbar und dennoch zögerlich ergriff – ich sah es an dem glücklichen Lächeln auf seinem Gesicht. Wir holten Newt bei den Gärten ab und als dieser noch einen Arm um meine Taille schlang und Minho wissend zuzwinkerte, hatte ich zum ersten Mal seit Monaten das Gefühl, dass alles wieder gut werden würde.

Und die nächsten Tage wurden tatsächlich etwas besser.
Der Greenie – sein Name war Chuck – war zu einem Schwapper ernannt worden. Bei den Schlitzern hatte er sich ins Bluthaus übergeben, bei Gally sich beinahe den Arm abgesägt, Zart hatte er dreimal die Harke über den Kopf gezogen – was ich und Newt sehr amüsant gefunden hatten – und unser Essen bei Bratpfanne war gelinde gesagt ein Desaster gewesen. Als ein Verletzter zu den Sanis gekommen war, hatte Chuck alles verbunden außer die Wunde selbst.
Ich schätzte, dass Chuck ohne mich und Newt ziemlich allein auf der Lichtung wäre. Er war eben klein und unerfahren, ein Kind.
Wobei Newt manches Mal einfach kopfschüttelnd wegging. Was besser war als Chuck mit leisen, sarkastischen Worten fertig zu machen, welche Minho sich nicht verkneifen konnte.
Minho und ich bauten langsam wieder eine Beziehung auf. Ganz vorsichtig, aber immerhin. Ich verabschiedete ihn morgens an den Toren und kam ihm dort abends wieder entgegen. Rannte auf ihn zu, hielt kurz vor ihm inne und umarmte ihn dann ruhiger. Und gestern hatte er mir zum ersten Mal seit Wochen wieder einen kleinen, zarten Kuss auf die Lippen gehaucht.
Auch wenn er total dagegen war, so lief ich morgens Runde um Runde über die Lichtung um meine Lunge neu zu trainieren. Minho würde mich wahrscheinlich in zehn Jahren nicht mit hinaus ins Labyrinth nehmen – abgesehen davon, dass ich hoffte bis dahin hier draußen zu sein – aber ich wollte einfach fitter werden. Ansonsten passte ich auf Chuck auf, korrigierte Gallys Gebäude und quatschte Newt den lieben langen Tag mit Mädchen-Problemen zu.

Gedankennotiz: Herausfinden, ob meine Mädchen-Probleme wirklich Mädchen-Probleme sind. Ich habe schließlich zwei Jahre allein und fast ein Jahr nur mit Jungs gelebt, ich hatte im Grunde keinen Vergleich.

Anmerkung zur Gedankennotiz: Doch, es sind Mädchen-Probleme. Zumindest was die Themen über Haare und Schuhe angeht. Warum genau haben Kerle keinen Spliss?

Ab und zu half ich Bratpfanne in der Küche und natürlich durfte auch Wau nicht fehlen, der mittlerweile fast wie früher über die Lichtung tollte. Nur dem Tor zum Labyrinth blieb er fern und jedes Mal ,wenn das Kreischen eines Griewers erklang, fiepte er und versteckte sich.
Ich kam gerade aus der Küche und sah Newt fix und fertig am Tisch sitzen. Oder wohl eher liegen. Den Kopf hatte er auf die Arme gelegt und die Beine weit von sich gestreckt. Schnell holte ich ihm eine Tasse Kaffee und ein paar Kekse und schob sie ihm hin.
Er hob den Kopf und sah mich dankbar an. "Du gibst mir etwas von deinem heiligen Kaffee ab?"
"Ja. Fühl dich geehrt."
Sein Kopf sackte zurück auf die Arme.
Ich wusste, dass er die letzten Tage sehr schlecht geschlafen hatte. Gefühlte dutzende Male war ich aufgewacht, weil Newt plötzlich hochgezuckt war. Stumm stellte ich mich hinter ihn und begann seine Nacken- und Schulterpartie zu massieren. Meine Daumen strichen in die blonden Haare hinein und wieder zurück.
"Blume, du bist unverbesserlich."
"Ich weiß." Langsam spürte ich, wie Newt sich etwas entspannte. "Was ist los, Läufer?", fragte ich ihn und seine Schulter hoben und senkten sich unter seinen Seufzern.
"Ich habe diese Träume..." Newt hob den Kopf und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. "Ich  kann mich nicht daran erinnern, was ich geträumt habe. Aber es war schrecklich. Am Ende des Traumes habe ich immer dieses quälende Gefühl in der Brust jemanden wehgetan zu haben, den ich sehr liebe und gleichzeitig wispert eine Stimme in meinem Ohr, dass es egal sei."
Mit gerunzelter Stirn ließ ich meine Hände über seine Schulter gleiten, bis sie vor seiner Brust baumelten und legte den Kopf auf seine Schulter. "Solange die Stimme in deinem Ohr nicht zu stark wird Newt, ist der Traum nur halb zu schlimm. Wie eine Warnung. Gib ihr nicht nach."
Seine Hände schlossen sich um meine Unterarme. "Cassy, ich glaube du bist diese Person in dem Traum", flüsterte er mit verzerrter Stimme. "Mir klingt ein Schrei in den Ohren nach, als würde die Welt für dich in tausende Einzelteile zerspringen. Eine Mischung aus deinem Schrei, als wir von der Wand gefallen sind und deinen Schreien, als du Nicks Tod nicht wahrhaben wolltest. Nur viel, viel schlimmer. Mehr Grauen, mehr Fassungslosigkeit, mehr Schmerz."
Ich atmete einmal tief ein und aus. Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Die Tore schlossen sich rumpelnd und ich wusste, wenn Minho mich so sah, wie ich Newt von hinten umarmte und alles, würde er mal wieder im Dreieck springen. "Gib der Stimme einfach nicht nach, Newt", bat ich leise. "Dann werde ich keinen Grund haben derart zu schreien." Ich drückte ihm einen Kuss auf die Schläfe und befreite mich aus seinen Armen.
"Trink und iss auf", befahl ich und strich ihm noch einmal über die Schulter. Dann joggte ich zum Bunker um Minho zu begrüßen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast