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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
48
Alle Kapitel
150 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
23.10.2015 2.369
 
Ein neues Kapitel, Ende der Woche, wie versprochen. Muss meine Kapitelanzahl, die ich hochlade leider drastisch reduzieren, weil ich keine Zeit zum Schreiben habe... :/
Das Gedicht ist von Ludwig Börne.
Freue mich über Reviews :)
Viel Spaß, meine Lieben,
*-*
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Kapitel (36a) Minho's Perspektive

Sein Schädel platzte. Er wusste warum er solche Kopfschmerzen hatte, aber er konnte partout nicht schlafen. Essen nur sporadisch. Aber laufen tat er mit so viel Energie, dass er die letzten Tage sogar allein unterwegs gewesen war, weil die anderen nicht mehr hatten mithalten können. Je schneller er lief, desto schneller würde er bei Cassy sein. Dies redete er sich zumindest ein. Aber als Hüter konnte und durfte er nicht einfach zusammenbrechen. Er musste Hoffnung und Stärke ausstrahlen.  
Minho sah in den Spiegel im Waschraum und stieß sich von dem Waschbecken ab. Wenn das nur so einfach wäre. Jedes mal sah sie blasser aus. Jedes Mal dünner, jedes Mal schwächer. Jedes Mal brauchte er länger und immer länger, bis sie die Augen aufschlug.
Mit viel Konzentration konnte er sich an ihre Augen vor der Krankheit erinnern. Strahlend Blau, wie der Sommerhimmel. Immer dieses leicht zynische Glänzen darin, gepaart mit einem Feuer, das Minho bei ihrem ersten Treffen so aus dem Takt gebracht hatte. Jetzt waren ihre Augen stumpf, nahezu grau, nur ab und zu flackerte etwas Licht darin auf. Aber ihr Kampfgeist, der sie zwei Jahre im Labyrinth hatte überleben lassen, war verschwunden. Selbst wenn sie sich erholen würde, mit einer kaputten Lunge würde Cassy nie wieder laufen können. Das, was ihre übersprudelnde Energie hatte eindämmen können, war für immer verloren. Minho wollte sich nicht ausmalen, was sie psychisch würde durchmachen müssen. Newt gefangen und nun auch sie. Er fluchte und schlug gegen den Spiegel, welcher unter lautem Getöse splitterte.
"Himmel, Läufer, hast du dein Gehirn im Labyrinth verloren?"
Minho wirbelte herum, doch da war niemand. Ich werde verrückt... Nun spricht Cassy schon in Gedanken mit mir.
Wobei seine Aktion wirklich blöd gewesen war. Er hielt die blutenden Knöchel unter Wasser, bis er die kleinen Splitter in der Haut sitzen sah und einen nach den anderen zog. Dann wickelte er eines der fleckigen Handtücher darum.
Als er Cassy am Morgen verlassen hatte, um im Labyrinth laufen zu gehen, war ihr Atem ruhig aber schwer und rasselnd gegangen. Auf seine Worte und seinen Abschiedskuss hatte sie nicht reagiert. Sonst hatte sie gelächelt, etwas gemurmelt und sich enger an ihn geschmiegt. Minho hatte sich geschworen das kleine, geradezu zarte Mädchen, das durch das Labyrinth teilweise so abschätzend und kühl geworden war, zu beschützen.
Und ich bin gescheitert, dachte er bitter. Wieder einmal. Am liebsten hätte er erneut auf den Spiegel eingeschlagen, aber er zügelte sich.
"Pass auf dich auf, Läufer", flüsterte ihre Stimme in seinem Kopf.
Er nickte. "Immer, Cassy, immer."
Noch einmal atmete er tief ein und wieder aus, bevor er die Schultern straffte und sich das dunkle, vom Duschen noch nasse Haar aus dem Gesicht strich. So sehr ihn das Rennen mal wieder ausgelaugt hatte, allein der Gedanke an seine kleine Cassy ließ neue Energie in ihm aufflammen.
Minho zog die Badtür hinter sich zu und rannte die Treppe hinab. Schnappte sich noch schnell den Teller mit ein wenig Essen, welches Bratpfanne ihm auf den Tisch am Eingang gestellt hatte. In dem Moment ging die Tür zum Krankensaal auf und Newt stolperte wortwörtlich hinaus.
"Wie geht es ihr?", fragte Minho und rang sich ein Lächeln ab. Der Selbstmordversuch seines besten Freundes hatte er noch immer nicht ganz verdaut und jedes harte Wort ihm gegenüber tat ihm unglaublich Leid. Daher das Lächeln.
Aber als Newt jetzt den Blick hob und Minho in zwei zerbrochene Augen blickte, glitt ihm der Teller mit Essen aus der Hand und schlug auf den Boden.
"Sie reagiert nicht mehr", flüsterte Newt und starrte ins Leere. "Sie... Ich musste ihr etwas versprechen und dann hat sie gelächelt und..." Newt hielt sich am Türrahmen fest, um nicht umzukippen. "Minho, ich... sie ist weg." Er schlug die Hand vor den Mund und Tränen perlten in seinen Augen.
Endlich schaffte es Minho seine Beine in Bewegung zu setzen und stürmte ins Krankenzimmer. "Hol Jeff und Clint!", schrie er Newt an.
Im Krankenzimmer stand die Luft, dieser Heizofen verwandelte alles in das Innere eines Vulkans.
Cassy war so blass, dass ihre Hände sich kaum von der Bettdecke abhoben. Ihre blonden Haare fielen wie ein Ring um das viel zu kantige Gesicht. Nur ihre Lippen waren rot wie Blut.
Diese Dinge verunsicherten Minho jedoch nicht. Diese Dinge ließen in ihm nicht die kalte, klammen Gewissheit aufsteigen, dass er jemanden verloren hatte, den er unbeschreiblich liebte. Es war diese Stille. Das Rasseln und Keuchen, welches ihre zerstörten Lungen verursacht hatten, war verstummt
Mit zitternder Hand legte er zwei Finger an ihren Hals. Ein trockenes Schluchzen quälte sich seinen Hals hinauf, als seine Finger ihm Gewissheit gaben: Kein Puls. Cassandra war tot.
"Blume?", flüsterte er dennoch. "Cassy, komm her. Verlass mich nicht. Komm zurück." Seine Finger strichen über ihre Haut, die wirklich kalt war. Trotz des Ofens. "Cassy, bitte..."
Erinnerungen stürzten auf ihn ein.
Ihre Haare, die im Sonnenlicht wie von Gold durchwirkt glänzten.
Ihre erste Umarmung, im Bunker. Er hatte es kaum realisiert, weil ihr Duft ihn beinahe verrückt gemacht hatte.
Ihre Beine, die bei der Flucht vor Luke und Karl so schnell über den Boden gelaufen waren. Leicht, federnd, ausdauernd. Das Lächeln, welches ihr dabei über die Lippen geflogen war, weil sie sich ihrer Schnelligkeit bewusst gewesen war.
Ihre hektische Atmung, als sie beinahe verbrannt wären. Und danach der Kuss, der ihm gezeigt hatte, warum er wirklich im Labyrinth war: Um sie zu beschützen.
"Cassy?" Die ersten Tränen flossen über sein Gesicht und vernebelten ihm die Sicht.
Minho erinnerte sich daran, wie sie Nick das Leben gerettet hatte. Sie hatte nicht aufgegeben, weiter die Luft in seine Lungen gepresst, bis der Anführer keuchend aufgefahren war.
Sein Daumen strich über den Stein um ihren Hals, sein Funkeln und Glitzern hatte er zuerst etwas kitschig gefunden, bis Cassy ihm von ihren Sternen erzählt hatte.
"Es ist niemals dunkel, Minho", hatte sie gewispert. "Dieser Stein funkelt immer. Er ist mein persönlicher Himmel." Es war in der Nacht gewesen, wo sie das erste Mal miteinander zusammen geschlafen hatten. Ihre noch heiße Haut, hatte ihm eine Gänsehaut verursacht und um diese etwas zu verstecken, hatte er den Stein in die Finger genommen.
"Ich habe auch einen persönlichen Himmel", hatte er flüsternd geantwortet und ihr in die Augen geschaut. "Er hat die Farbe von einem Sommerhimmel, der im Sonnenlicht Türkis erstrahlt. Er hat die Stimme des Windes, sanft und berauschend und den Duft nach Freiheit und..." Sie hatte ihn nicht weiter aussprechen lassen. Stattdessen waren ihre Finger in seine Haare gefahren und sie hatte ihn geküsst. Hatte ihn wieder so berauscht gemacht, wie es sonst nur mehrere Gläser von Gallys Selbstgebrauten geschafft hatten.
Minho nahm Cassy in den Arm, aber er war nicht stark genug, seine Beine gaben nach. Samt Decke rutschte er mit Cassy im Arm auf den Boden und umfing sie. Seine Tränen rannen in ihre Haare.
"Minho?" Nick, Alby, Newt, Jeff, Clint – die halbe Lichtung eigentlich – stürmten in den Raum. Nick brauchte etwas, bis seine Augen Minho mit Cassy im Arm erhaschten. Minho sah ihn an. "Tu was, Nick!", flehte er. "Bitte."
"Ich kann nicht, ich weiß nicht was", antwortete Nick.
"Moment!" Gally kam hinzu. "Die Box ist gerade hochgekommen! Darin lag nur diese Spritze und dieser Zettel!"
Hoffnung flammte in Minho auf.
"Wenn wir ihr die Spritze geben, wird sie gesunden, aber nur, wenn gleichzeitig jemand anderes geht", erklärte Gally.
"Wie bitte?", fragte Alby verwirrt.
"Einer muss gehen, damit Cassy geheilt wird. Augenscheinlich muss das Heilmittel aktiviert werden." Gally faltete den  Zettel auseinander. "Sie sprechen von Vergeltung. Hört:

Die Liebe ist jene Flamme,
welche die Göttern den Sterblichen missgönnen,
und die Eifersucht ist der fressende Geier,
der den Diebstahl furchtbar rächt."

Bei Minho machte es Klick. Er erinnerte sich an Cassys Traum von der Stimme. Die Stimme, welche gesagt hatte, dass sie es zu weit getrieben hätte. Sie rächten sich an ihr, weil sie sich in ihn verliebt hatte.
"Ich tu es." Newt trat nach vorn.
"Bist du wahnsinnig!", fauchte Gally. "Cassy wird uns umbringen! Sie wird... den Verstand verlieren." Er schüttelte den Kopf. "Nein. Nein, du nicht Newt. Und Minho auch nicht."
Stille breitete sich in dem Raum aus und Minho wurde panisch. "Verdammt, wir brauchen einen Strunk!", schrie er. "Und zwar schnell! Kein Medikament kann Menschen von den Toten zurückholen."
"Wir können nicht alle einweihen und eine Lösung abstimmen", sagte Nick leise. "Das würde zu lange dauern und am Ende meldet sich niemand freiwillig, dann sind wir keinen Schritt weitergekommen."
Verbissen strich Minho Cassandra weiter über den Kopf. Gab ihr einen Kuss auf die Haare. Bleib bei mir, flehte er innerlich. Bitte, Cassy. Bitte.
"Ich brauche eure Legitimation nicht", redete Nick weiter. "Und Alby und Newt sind sehr gute Nachfolger." Er schluckte. "Daher werde ich mich opfern."
Alby klappte der Mund auf. "Bist du wahnsinnig?"
"Cassy hat mir das Leben gerettet. Ich bin es ihr schuldig", erwiderte Nick ruhig.
"Das ist Wahnsinn!", flüsterte Jeff. Er sah aus als würde er gleich in Ohnmacht fallen.
Newt warf Minho einen kurzen Blick zu, dann zückte er sein Messer, welches er aus Gewohnheit noch immer trug. "Müssen wir das zeitgleich machen?", fragte er.
Fassungslose Blicke waren die Antwort.
Gally schüttelte den Kopf. "Nein. Cassy kriegt die Spritze. Nick stirbt. Das Heilmittel wird aktiviert. Cassy lebt. Zumindest habe ich es so verstanden."
Cassy lebt. An diese zwei Wörter klammerte sich jede einzelne Faser in Minhos Körper. Cassy wird leben!
"Wir sollten das wirklich noch einmal überdenken", hob Alby an, doch Nick unterbrach ihn. "Nein." Er schüttelte den Kopf. "Alby, meine Entscheidung ist gefallen. Diese Lichtung und ihre Strünke brauchen Cassy. Ich bin für das Wohl beider verantwortlich und daher ist meine gute Pflicht Cassy das Leben zu retten." Er streckte die Hand nach dem Heilmittel aus und Gally reichte es ihm. Dann hockte er sich vor Cassy und Minho hin.
"Danke", flüsterte dieser. "Nick, du weißt nicht, wie viel mir das bedeutet."
"Ich liebe Cassy", antwortete Nick leise. "Wie ein Vater. Und jeder Vater würde dies für seine Tochter tun." Er lächelte und setzte die Spritze direkt über Cassys Herz an. Drückte das Heilmittel vorsichtig in den Blutkreislauf.
Dann stand Nick wieder auf und wandte sich Newt zu. "Ihr müsst mir eines versprechen", sagte er leise.
Newt stöhnte. "Weißt du, wie viel Versprechen ich mittlerweile halten muss?"
"Das ist egal. Jeder von euch tritt nun in die Verpflichtung, sie zu beschützen. Jeder." Nick sah alle nacheinander an.
Bratpfanne, der sich stumm dazu gesellt hatte, nickte zustimmend.
"Das ist mein letzter Befehl als Anführer."
Newt trat nah an Nick heran und setzte das Messer schräg nach oben ausgerichtet an seinen Bauch. Auch ihm hingen Tränen im Gesicht. "Cassy wird dich vermissen", flüsterte er. "Und ich weiß, sie hätte das Gleiche für dich gemacht."
"Du bist jetzt erster Stellvertreter, versau es nicht", sagte Nick. "Pass auf sie auf", fügte er flüsternd hinzu.
Newt nickte.
Minho sah, wie sehr der Junge mit sich ringen musste. Wenn dies nicht funktionierte und die Schöpfe sich nur einen weiteren Scherz erlaubten, würde die Gemeinschaft unwillkürlich auseinanderbrechen.
Newt biss die Zähne zusammen und kniff die Augen zu. Mit einem Ruck rammte er Nick das Messer in den Bauch, da die Spitze nach oben gezeigt hatte, würde sie das Herz definitiv durchbohren. Keuchend klappte Nick nach vorn und Newt stützte ihn, so gut es ging. Mit Gallys Hilfe legten sie ihren Anführer auf den Boden, der stoßweise nach Luft schnappte. Blut rann ihm aus dem Mundwinkel und Newt ergriff automatisch seine Hand.
Jeff wandte sich ab und Minho spürte weitere Tränen auf seinen Wangen.
Mit einem letzten leisen Glucksen hörte Nicks Brustkorb auf sich zu heben und zu senken. Seine Augen bekamen einen fernen Glanz und seine Hand erschlaffte in Newts, welcher das Gesicht abwenden musste.
Minhos Augen hingegen richteten sich auf Cassys Gesicht. Wach auf! Wach auf, Blume! Los!
Auch die anderen sahen das leblose Mädchen an, welches noch immer keinen Muskel rührte.
Newt wurde blasser und blasser. "Komm schon, Cassy."
Wenn er Nick umsonst umgebracht hatte, würde Newt daran zerbrechen. Er hätte Cassy verloren und einen Mord begangen. Und Minho war nicht in der Lage seinen Freund aufzufangen. Nicht, wie Cassy es geschafft hatte.
"Sie haben uns mal wieder verarscht", murmelte Gally. Trat mit einer solchen Wucht gegen eines der Krankenbetten, dass das Bein abbrach und das Bett am Ende zusammenbrach. "Verdammter Klonk aber auch, sie haben uns..."
Hustend krampfte sich Cassandra in Minhos Schoß zusammen.
Gally wirbelte herum und Newt sackte in sich zusammen. Ein allgemeines, erleichtertes Aufseufzen glitt durch den Raum.
Minho hingegen schlang die Decke fester um Cassys schlotternden Körper. "Cassy? Blume?", flüsterte er und legte eine Hand an ihre Wange.
Newt hatte sich hingesetzt und sein gesundes Bein angezogen, fuhr sich andauernd mit der Hand über das Gesicht und schüttelte den Kopf in vollkommenen Unverständnis.
Bibbernd schmiegte sich Cassy in Minhos Arme. "Stellt den... verklonkten... Heizofen an."
Schluchzend nickte Minho und drückte ihr einen Kuss auf die kalte Nasenspitze. Dann auf den Kopf. Dann auf die Wange. "Sofort, Cassy, sofort." Tränen der Freude und zugleich der Trauer liefen ihm über das Gesicht. Newt presste eine Faust an die Lippen und Gally hatte sich perplex auf das zerstörte Bett gehockt. Alle anderen standen stumm daneben.
Bis Alby sagte: "Das mit Nick, dürft ihr Cassy erklären."
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