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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
49
Alle Kapitel
150 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
19.10.2015 1.642
 
Ein kleiner, gemeiner Cliffhanger zum Ende. Die nächsten Kapitel werden erst Ende der Woche hochgeladen werden, ich habe wieder Uni und muss lernen ;)
Bis dahin dürft ihr euch in euren Reviews gerne beschweren und aufregen.
Eine schöne Woche wünsche ich euch :)
*-*
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Kapitel (36) Leiden, leiden, leiden

Ich konnte die Tage nicht mehr voneinander unterscheiden. Ich hustete nur. Meine Körpertemperatur war unwahrscheinlich hoch. Meine Haut eiskalt. Und ich vertrug kaum etwas zu essen. Stattdessen schwitzte mein Körper, was das Zeug hielt.
Nur nebenbei, nur als Nebelgestalten nahm ich wahr, dass Newt sehr oft an meiner Seite war.
Er erzählte mir viele, viele Dinge. Erzählte mir, dass Bratpfanne versucht hatte, Blätterteig zu machen. Und natürlich gescheitert war. Er erzählte mir von seinen Tagen im Labyrinth und den Tagen auf der Lichtung, bevor ich da war. Und er erzählte mir mehr und mehr und mehr.
Nachts saß Minho an meinem Bett und erzählte, dass er und Ben das Modell fertiggestellt hatten. Dass sie nun den Abgrund nach einem Ausgang absuchen würden. Ich spürte seine Hände auf meinen und seine Tränen auf meinen Wangen. Aber ich konnte nur selten reagieren. Die meiste Zeit ging es nicht.
Ein paar Mal hatte ich klare Momente. Ich war nie allein. Und trotzdem einsam.
Heute wurde ich geweckt. Gerüttelt und geschüttelt, bis ich die Augenlider aufklappte und vor Schmerz stöhnte, weil das helle Licht meine Augen peinigte.
"Wir haben alles abgedunkelt, was ging", erklärte Newt leise. "Aber wir brauchen auch etwas Licht. Komm, wir müssen dich wieder eincremen."
"Leute, ich friere danach immer tagelang", klagte ich mir der Stimme eines Mannes, der jahrelang Kettenraucher gewesen war.
"Aber es ist die einzige Möglichkeit, dir zumindest etwas Linderung zu beschaffen", sagte Minho. "Keine Widerrede, Cassy."
Newt hatte mir erzählt, wie Minho total fertig aus dem Labyrinth gekommen war und nach mir Ausschau gehalten hatte. Innerhalb von Sekunden war ihm klar gewesen, dass etwas nicht stimmte und nachdem Newt ihm mit einem Todesblick entgegen gekommen war, hatte der Hüter alle Differenzen zwischen uns Dreien verdrängt und war regelrecht an mein Bett geflogen. Newt hatte ihm alles erklärt – bis auf die Wahrscheinlichkeit von 98%, dass ich sterben würde.
"Cassy!", riss mich Minho aus meinen Gedanken. "Los, konzentrier dich für ein paar Minuten, in Ordnung?"
Ich nickte. "Entschuldigung." Mit Gliedern wie Wackelpudding rutschte ich aus dem Bett und wurde von Newt aufgefangen. In Zeitlupe knöpfte ich Gallys Hemd auf und zog es mir über die Schultern. Total verausgabt schlang ich die Arme um Newt und legte meinen Kopf auf seine Schulter, während  Minho mir diese komische Kräuterpaste auftrug. Bei jeder zu festen Berührung zuckte ich zusammen.
"Der Husten ist besser geworden, nicht wahr?", fragte Minho und ich nickte leicht. "Ja." Ich sagte nicht, dass Newt etwas früher als er gekommen war und die Tücher in den großen Heizer geworfen hatte. Diese monströse Schüssel machte es mir zumindest etwas Wärmer. Schnell biss ich mir auf die Lippen, um nicht in Tränen auszubrechen. Doch ich spürte, wie Minho kurz zögerte, bevor seine Finger weiter auf meinem Rücken tanzten. Dann legte er mir das Hemd wieder um die Schultern, knöpfte es mir zu und trug mich ins Bett zurück.
Mir fiel auf, wie alt die beiden aussahen. Sie sorgten sich und konnten diese Sorge immer schwerer verbergen. "Ich will", flüsterte ich, "dass ihr euch ausruht."
"Nein", sagte Minho schlicht. Er hatte die Arme verschränkt und eine Maske der Emotionslosigkeit aufgesetzt. Doch seine Hände waren zu Fäusten geballt und seine Wangenmuskeln mahlten.
"Ich liege hier jetzt seit vier Wochen, Minho", sagte ich abgehackt. "Und wahrscheinlich werde ich auch weitere vier Wochen hier liegen. Ich will, dass ihr einmal richtig essen und schlafen tut."
"Wo wir uns unentwegt waschen dank dir?", fragte Newt und ich musste lächeln.
"Ganz genau."
"Hört. Verdammt. Nochmal. Auf", sagte Minho und betonte jedes einzelne Wort. "Du bist todkrank. Cassandra. Diese Situation ist nicht zum lachen, nicht einmal zum Lächeln." Seine Augen glänzten verdächtig und er musste offensichtlich alle Kraft aufwenden, um nicht völlig die Nerven zu verlieren.
Newt seufzte. "Hast du eine bessere Idee, wie wir damit umgehen sollen? Sollen wir uns bereits in Sack und Asche kleiden, obwohl Cassandra noch immer ums Überleben kämpft?"
"Jungs...", wisperte ich.
"Ich will nur damit sagen, dass wir uns nicht über die Umstände lustig machen sollten. Wir sollten die Schöpfer dazu bringen ein Heilmittel zu schicken."
"Das werden sie aber nicht tun!", sagte Newt, dessen Stimme langsam lauter wurde. "Diese Schöpfer haben ihr das schließlich angetan! Sieh dir ihre Hand an, ich wette diese verdammte Mücke hat das Virus übertragen."
"Es sind Bakterien", warf ich.
"Sei leise!", fuhren beide mich unisono an.
Ich zog nur eine Augenbraue hoch und sie schienen ihr Verhalten endlich zu realisieren. "Himmel, warum habe ich nur die größten Strünke der Lichtung als Freunde?", murmelte ich mehr zu mir selbst. Mit einiger Anstrengung begab ich mich in eine sitzende Position. "Jungs, ich versuche wirklich nicht die Hoffnung zu verlieren, aber ein wenig helfen müsst ihr mir schon dabei. In Ordnung?"
Die Wahrheit war, dass ich keine Hoffnung mehr hatte. Ich versuchte nur es nicht zu zeigen. Die anderen würden nur weiter leben, wenn ich es auch tat. Wenn ich blutgetränkte Tücher verbrannte und meine Energie zusammenkratzte, wenn jemand im Raum war.
Newt nickte kurz. Minho brauchte etwas länger.
"Ich lasse euch mal allein", murmelte ersterer und gab mir samt Mundschutz einen Kuss auf den Kopf. "Schlaf gut, Blume."
Ich rang mir noch ein Lächeln ab. Als Newt die Tür hinter sich geschlossen hatte, bröckelte Minhos Fassade für einen kurzen Moment und ich erkannte, dass auch er versuchte seine Hoffnungslosigkeit nicht zu zeigen. Wenn einer anfällig für psychotische Hoffnungslosigkeit war, dann Newt. Aber auch Minho verbannte seine Schmerzen so schnell es ging und kam stattdessen an mein Bett. Zog sich den Mundschutz ab und lächelte.
"Steck dich nicht an."
"Nein. Aber ich will mich normal mit dir unterhalten können. Und..." Er nahm mein Gesicht in seine Hände. "Ich will dich normal küssen können."
Ehe ich protestieren konnte, spürte ich seine Lippen. Im Nachhinein glaubte ich zu meinen, dass dieser eine Kuss alle Sparten abgelaufen hatte, die man beim Küssen nur ablaufen könnte. Zu Anfang fest und heiß, ein Versprechen auf bessere Tage. Dann kurzzeitig – weil ich sonst keine Luft mehr bekommen hätte – leidenschaftlich und voller Feuer, eine Erinnerung an all die Nächte, die wir miteinander verbracht hatten, schlafend, redend, liebend. Und dann sanft und ruhig. Das Erkennen meiner momentane Schwäche. Dieser eine Kuss hatte mich so fertig gemacht, dass ich mit geschlossenen  Augen ins Kissen sank. Minho schob mich zur Seite und legte sich neben mich in das enge Bett. Zog mich an sich und schlang die Arme um meine Schulter und meinen Bauch. "Schlaf", murmelte er. "Ich bin da."
Ich konnte nicht mehr antworten. Obwohl ich ihm gerne gesagt hätte, wie sehr ich ihn liebte. So unfassbar, dass selbst meine Schmerzen durch seine Anwesenheit, seine Küsse, seine Worte und seine Berührungen gelindert wurden. Er war wie mein Stein. Er war mein Licht, wenn es wieder einmal dunkel war und ich die Sterne verloren hatte.

Das nächste Mal wachte ich eine Woche später auf. Es war kurz. Schmerzhaft. Panisch. Und danach unglaublich erlösend.
Ich öffnete zuerst flatternd die Augen und konnte einen blonden Schemen rechts von mir ausmachen. "Newt?"
Der blonde Junge sah abrupt von seinen Plänen auf und hechtete auf meine Bettkante. "Cassandra!" Er fuhr mir über die Haare und strich mir mit einem feuchten Tuch den Schweiß von der Stirn. "Cassandra, ich bin da, es ist alles gut." Seine Hand strich über meine eingefallenen Wangen. Bratpfannes Essen hatte die Appetitlosigkeit tatsächlich aufgehalten, aber mein Körper verbrauchte jegliche Energie innerhalb von gefühlten Sekunden.
"Hörst du Blume, ich bin für dich da. Ich bin da, ich bin da." Es schien, als würde Newt diese Worte permanent intonieren, um nicht selbst den Verstand zu verlieren.
Ich ergriff seine Hand an meiner Wange. Drückte sie. "Newt, ich sterbe."
"Nein, nein, Blume, nein!"
"Doch." Ich schluckte und kämpfte mit meinem Bewusstsein. "Newt, hör mir zu bitte! Bitte hör mir zu!"
Seine Augen bohrten sich in meine.
"Ich spüre das Blut in meinen Lungen", murmelte ich. "Es ertränkt mich von Innen."
Seine Tränen tropften auf meine Wange.
"Und ich bin mittlerweile zu schwach, um dagegen anzukämpfen. Versprich mir..." Ich atmete rasselnd ein und kniff die Augen vor Schmerz zusammen. "Versprich mir zu gehen, sollte Minho jemals einen Weg raus finden."
"Nein, Cassy..."  
"Versprich es mir!", forderte ich mit all meiner Kraft. "Ich will sicher gehen, dass ihr lebend hier heraus kommt. Du und Minho. Jeff. Bratpfanne. Nick. Alby. Alle die wollen. Versprich es mir, Newt!"
"Ich verspreche es!", wisperte er.
"Und versprich mir..." Tränen rollten über meine Wange. "Versprich mir auf ihn aufzupassen. Auch nach dem Labyrinth."
Er konnte nur noch nicken, ich sah es durch meinen Tränenschleier. "Danke", wisperte ich und ließ mit im wahrsten Sinne des Wortes todmüde zusammensinken. "Newt, ich liebe dich so sehr..." Ich spürte sein Gesicht an meinem und seinen Körper, der herzerschütternd bebte. Er küsste mich. Tausende Male. Überall auf mein Gesicht. Immer und immer wieder.

Gedankennotiz, vorerst die Letzte: So schlimm das Labyrinth auch immer gewesen war, ich hatte für kurze Zeit eine Familie gehabt... Im Grunde sollte ich dankbar sein.
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