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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
49
Alle Kapitel
150 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
17.10.2015 1.862
 
Habe den Titel der Story noch einmal geändert, ich fand' ihn etwas zu kitschig...
Für heute das letzte Kapitel, meine Lieben, morgen kommen Neue.
Wünsche euch eine schöne Nacht.
*-*
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Kapitel (31) Hören und einsperren

Ich wurde von einer Stimme geweckt, die weder mir noch Minho gehörte. Und die sich in meinem Kopf befand.
"Cassandra!", flüsterte eine Stimme. "Cassandra, du musst aufhören. Du musst dich von ihm trennen. Du bist zu weit gegangen! Hörst du? Sie werden dir weh tun! Sie werden sich rächen. Sie werden dich testen!"
Ich runzelte verschlafen die Stirn.
"Cassandra, bitte. Beende es. Wehr dich nicht!"
"Minho, bist du das?", flüsterte ich.
Doch statt einer Antwort, schwoll die Stimme an: "Cassandra, du musst aufhören!"
Erschrocken setzte sich mich auf. Sah mich im Zimmer um, konnte jedoch niemanden entdecken.
Minho rührte sich neben mir und öffnete flatternd die Augen. "Was ist los?"
"Hast du die Stimme nicht gehört?", fragte ich.
"Welche Stimme?", fragte er skeptisch.
"Eh die eher männliche, leicht drängende Stimme?"
Seine Skepsis wich Zweifel. Zweifel an meiner geistigen Gesundheit.
Ich winkte ab. "Ach vergiss es."
Misstrauisch setzte sich Minho auf. Legte eine Hand an meinen Hals. "Cassy, du bist kalkweiß und dein Puls rast. Was ist los?"
"Ich... da war diese Stimme, Minho! Ich habe mir das nicht eingebildet. Sie war in meinem Kopf!"
"Und was hat sie gesagt?"
"Das... ich aufhören muss. Ich wäre zu weit gegangen und nun würden sie sich an mir rächen!"
"Sie?"
"Himmel, Minho, keine Ahnung!" Ich fuhr mir über das Gesicht. Bemerkte mein Zittern und versuchte es unter Kontrolle zu bringen.
"In Ordnung, hey, Blume! Sieh mich an. Cassy, sieh mich an!" Minho zwang mein Gesicht in seine Hände. "So, jetzt atmest du tief ein und wieder aus, in Ordnung? Sieh nur mich an und beruhige dein kleines, aufgeregtes Herz."
Ich nickte. Versuchte meine Konzentration auf Minhos Gesicht zu zwingen. Meine Gedanken strudelten umher, bis ich mich an vergangene Nacht erinnerte. Meine Mundwinkel hoben sich etwas. "Es war schön", flüsterte ich.
Zärtlich drückte er mir einen Kuss auf die Wange. Ich erinnerte mich, dass wir noch immer nackt und nur in die Bettdecke gewickelt waren und meine Gedanken gerieten sofort auf Abwege.
Minho sah es und schloss die Augen. "Cassy, deine Fantasie in allen Ehren, aber wenn wir jetzt dort weiter machen, wo wir heute Nacht aufgehört haben, kommen wir den ganzen Tag nicht aus dem Bett."
"Das waren jetzt deine Worte!", rief ich aus und grinste. "Wir könnten ja abschließen und alle anderen ignorieren", knurrte ich, seine Stimme nachahmend.
Er runzelte die Stirn. "Die Tür war nicht abgeschlossen?"
"Nein..."
"Verdammt! Stell dir vor, jemand wäre hineingekommen! Stell dir vor, jemand ist hineingekommen und wir haben es nur nicht bemerkt!"
"Nun, dann hatte derjenige auf jeden Fall was zu sehen", erwiderte ich trocken. "Entspann dich, Läufer. Hier war schon niemand."
"Du kannst froh sein, so extrem hinreißend zu sein!", sagte er und stand auf. "Sonst würde ich dich haushoch aus diesem Zimmer werfen. Als Hüter muss ich auf meine Reputation achten."
"Welche Reputation?", witzelte ich und bekam einen finsteren Blick zugeworfen. "Außerdem... Ich bezweifle, dass du mich so", ich machte eine ausholende Handbewegung, die meinen Körper umschrieb, "auf den Flur schicken würdest."
Er grummelte irgendetwas und ich setzte mich im Schneidersitz hin. Sah die Blätter, welche ich von Newt mitgebracht hatte. "Meinst du, die Zahlenkombinationen ergeben einen Sinn? Eine Art Code vielleicht?"
Minho drehte sich zu mir um und knöpfte sich das Hemd zu. "Ja, möglich ist es schon. Aber... Ich weiß nicht. Ich glaube hier geht es nicht nur um die Zahlen."
"Sondern?"
"Keine Ahnung. Um den Abgrund? Um die Griewer? Auf jeden Fall benötigen wir mehr, als nur ein paar Zahlen, um hier herauszukommen." Er zog sich die Schuhe an. "Kommst du heute mit laufen?"
Meine Augen richteten sich auf ihn und ich schüttelte den Kopf.
"Cassy..."
"Ja, ich weiß... Aber... Minho, ich bin noch nicht so weit."
Er seufzte. Kam auf mich zu und stützte sie neben mir auf der Matratze ab. "Ich könnte dich dort draußen beschützen, Cassy. Du wärst nicht allein."
"Natürlich nicht. Aber du läufst auch mit Luke und ich muss ihn nicht wirklich sehen."
"Reicht dir Gally als Schutz hier?"
"Ja." Ich gab ihm einen Kuss auf die Nase. "Los Läufer, Abmarsch."
Minho nahm mein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und küsste mich noch einmal richtig.
"Pass auf dich auf", flüsterte ich wie sonst auch.
"Immer."

"Denkst du, die Warnung war ernst gemein?", fragte Newt.
"Vielleicht, ja. Aber ich frage mich eher, ob ich sie ernst nehmen sollte."
"Da war eine Stimme in deinem Kopf. Reicht das nicht aus?"
Sollte es wahrscheinlich. Ich biss von meinem Apfel ab und strich Wau über den Kopf. Es wurde immer wärmer und wir saßen draußen an den Tischen in der Küche. Gerade Newt brauchte etwas mehr Gesichtsfarbe. Nebenbei schälte und schnippelte ich Gemüse für das Mittagessen.
"Was ist, wenn ich mich getäuscht habe? Wenn ich geträumt habe?"
"Grundsätzlich musst du das wissen. Aber wer auch immer uns hier herein gesteckt hat – man kann ihm nicht trauen."
Ich stützte meinen Kopf in die Hände.
"Das nimmt dich wirklich mit, was?", murmelte Newt.
"Sie haben Zugang zu meinem Kopf, Newt", flüsterte ich. "Sie könnten weiß der Himmel was mit mir anstellen."
Er nahm meine Hand und drückte sie. "Egal was sie mit dir anstellen werden, ich werde an deinem Bett sitzen und über dich wachen. Das tun Freunde doch, oder?"
"Nein", sagte ich lächelnd. "Das tut nur die Familie."
Er erwiderte mein Lächeln erfreut.
Plötzlich ertönte ein Knall und ich wandte mich um. Gally rannte fluchend durch die Gegend und ich musste grinsen. Sein Gebäude war erneut zusammengestürzt.
"So wird das nichts mit dem neuen Gebäude bis zum Winter", grollte Newt.
"Ach, unsere tollen Baumeister kriegen das schon noch hin." Das Gemüse und auch das Obst zogen die Mücken magisch an und ich musste sie alle paar Sekunden verscheuchen. Eine stach mich auf den Handrücken und ich schlug die wütend tot. "Mistvieh." Dann klopfte ich mir heruntergepurzelte Schalen von der Hose. "Ich komme gleich wieder", sagte ich an Newt gewandt. "In meinem Zimmer liegt eine Rezept-Idee von mir."
"Soll jemand mitkommen?", fragte Newt.
"Ach Quatsch. Die fünf Schritte." Schnell sprang ich auf und sprintete ins Gehöft. Suchte in meinem Zimmer – wo ich eher selten war in letzter Zeit – nach dem Rezept. Gerade hatte ich es gefunden, als ich etwas Kaltes an meiner Kehle spürte.
"So, Blümchen", knurrte eine kalte und altbekannte Stimme an meinem Ohr. "Wollen wir die Sache endlich einmal zu Ende bringen." Luke ließ sein Messer an meiner Kehle entlangwandern.
Warum war er nicht laufen? "Was willst du?"
"Du gehst mir gehörig auf den Sack, Blümchen. Hast mich eine Woche in dem dreckigen Bau versauern lassen und am Ende nur etwas Kaffee kochen müssen. Und wirst auch noch bejubelt."
"Und nun?"
"Und nun wirst du mir von dem Ausgang erzählen."
"Ich weiß von keinem Ausgang."
"Nein? Komisch... Du, Minho und Newt quatscht dauernd darüber. Wenn ihr nicht gerade miteinander schlaft." Sein Atmen strich über meinen Nacken.
Ich musste Zeit schinden. Dringend.
Ich knirschte mit den Zähnen. "Also, wo bringst du mich hin?"
"In eine kleine Abstellkammer hier in im Gehöft."
"Newt weiß, dass ich hier her wollte."
"Na und? Wird er dich etwa retten kommen? Laufend?"
"Luke..."
"Keinen Mucks mehr, Blümchen. Und wenn du schreist, schneide ich dir den Hals schneller durch, als du Wau sagen kannst."
Ich nickte leicht. "Okay."
Ich musste mir etwas einfallen lassen. Und zwar schnell. Denn wenn er wütend würde, wäre das Messer definitiv das kleinere Übel.
Diese komische Abstellkammer war im Erdgeschoss ganz hinten. Ein kleines Türchen, was mir noch nie aufgefallen war. Und wahrscheinlich auch sonst niemanden. Spinnweben hingen dick und staubig von der Decke herunter, rostige Nägel und lockere Bohlen ließen den Raum abgenutzt und vergessen wirken.
Luke drückte mich in eine Ecke, zog ein Tuch aus der Tasche und band es mir locker um den Hals. Meine Hände wurden straff auf den Rücken gesurrt, selbst meine Füße knotete er zusammen.

Gedankennotiz: Läufer werden augenscheinlich nicht als dumme Blondchen gesehen.

Dann hockte er sich vor mich hin und ließ die Spitze der Klinge von meiner Schläfe hinunter zu meinem Schlüsselbein wandern. "Also... Es gibt einen Code, ja?"
"Wir gehen davon aus. Eine Zahlenkombination."
"Welche Kombination?"
"Keine Ahnung." Bevor ich weiter reden konnte, holte Luke aus und gab mir eine schallende Backpfeife. Ich schmeckte Blut auf meiner Unterlippe. "Es hat wahrscheinlich etwas mit den Sektoren zu tun. Die sind durchnummeriert."
"Ja, das sind sie", knurrte Luke. "Gut. Und wo muss man diese Zahlenkombination eingeben?"
"Was bin ich, ein Orakel?", fauchte ich. "Keine Ahnung! Wenn ich es wüsste, wäre ich schon längst hier weg."
"Du wirst doch wohl irgendetwas wissen, Blümchen, nicht wahr? Man rennt nicht einfach mit einer Zahlenkombi im Kopf durch das Labyrinth. Man probiert sie aus!
Ja. Die Frage war nur, wie lautete die Kombi und wo konnte man sie ausprobieren? Was hatte Minho gesagt? Griewer und Abgrund... "Ich nehme an, dass es etwas mit dem Abgrund zu tun hat."
"Inwiefern?"
"Ich habe es noch nicht ausprobieren können. Keine Ahnung."
Luke wollte irgendetwas sagen, als Schritte er klangen. Blitzschnell zog er das Tuch über meinen Mund und zog es fest. Richtete das Messer auf mich und zischte: "Ich komme wieder. Und dann will ich bessere Antworten haben."
Nachdem er die Tür hinter sich zugezogen hatte und ich allein in dieser Kammer hockte, fiel die Maskerade aus meinem Gesicht. Hektisch suchte ich nach irgendetwas, womit ich meine Fesseln würde durchschneiden können. Aber die Nägel waren allesamt an zu dämlichen Stellen. Es zog durch die Ritzen und ich wusste, dass ich heute Nacht – ohne Minho neben mir – extrem frieren würde. Falls ich überhaupt würde schlafen können.
So ein Quatsch!, schalt ich mich selbst. Minho würde aus dem Labyrinth kommen, mich suchen und finden. Und da Newt noch immer wartend in der Küche saß und Bratpfanne wahrscheinlich ebenso auf mich wartete, wäre ich bald wieder hier raus. Sehr bald.
Ich presste die Lippen aufeinander. Und versuchte, dass die Angst meine Hoffnung nicht erschlagen würde.
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