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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
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07.10.2015 2.147
 
Kapitel (3) Konflikte

Am Abend traf ich mich wie vereinbart mit Gally. Nur dass wir diesmal nicht allein waren. Minho hatte sich rittlings auf einen der Stühle geschwungen und sah mich aus nahezu schwarzen Augen musternd und kühl an. Und Newt lehnte mit verschränkten Armen am Küchentresen. Mir fiel auf, dass viele blonde Jungs in der Gruppe waren. Auch Newt war blond, nicht ganz so groß wie Gally, etwas schlanker aber trotzdem muskulös. Seine blauen Augen waren ebenso distanziert auf mich gerichtet, wie die von Minho.
"Also kleine Spionin, was erzählst du den da oben nachher alles?", fragte dieser gerade.
"Nichts." Ich biss in einen Apfel. Lächelte Gally dankbar an, der mir meine wöchentliche Schokolade vor die Nase stellte. "Ihr werdet mit Kameras überwacht, die wissen doch eh alles."
"Die Zimmer auch?", hakte Minho nach.
Ich schüttelte den Kopf. "Nein."
"Wer's glaubt", murmelte Newt.
"Ihr braucht mir nicht glauben."
Minho lachte leise. "Ach komm. Nenn uns einen Grund, warum wir dir glauben sollten? Einem Mädchen mit der Frisur eines Kerls?"
Das saß. Ich zuckte zusammen. Und Gally sah Minho kopfschüttelnd an. "Musste das sein?"
"Was war daran nun schon wieder so böse?"
"Ist okay", sagte ich leise zu Gally. "Er hat ja Recht."
Gally schüttelte den Kopf. "Man zwingt niemanden zum Reden."
"Augenscheinlich doch." Ich sah Minho und dann Newt an. "Meine beste Freundin hatte Krebs. Schlimmen, schlimmen Krebs." Ich sah auf meine Hände hinunter. Spürte die Trauer wieder in meinen Knochen. "Die Therapie hat ihr ihre Haare genommen." Nun lächelte ich. "Wenn ihr wüsstet wie wunderschön ihre Haare allein gewesen waren... Und wie sehr sie darunter gelitten hat, dass sie ihr ausgefallen sind..." Ich schluckte und hob mit Tränen in den Augen den Blick. "Ich wollte ihr zeigen, dass ich bei ihr bin. Daher habe ich mir meine Haare ebenfalls abrasiert."
Newt zog die Augenbrauen hoch.
"Das ist ein Jahr her. Und meine Haare wachsen wieder."
"Und die deiner Freundin?", fragte Minho.
Ich brauchte etwas bis ich antworten konnte. "Meine Freundin ist tot." Tapfer rang ich mir ein Lächeln ab. "Aber sie war froh an Krebs erkrankt zu sein und nicht am Brand."
"Hört mal", meinte Gally, "Cassy ist nicht wie die anderen. Sie hat noch keine einzigen Test erschaffen. Sie wurde in eine Sache mit hineingezogen, in die niemand freiwillig mit hineingezogen werden will!"
"Sie hätte sich von ihnen trennen können", wandte Newt ein.
"Ja. Als Kind", nickte ich sarkastisch. "Weil ich auch so viel Mut besaß. Oder besitze."
"Du besitzt viel Mut, wenn du einfach so, jede Woche einmal, mit Gally einen Plausch hälst", knurrte Minho. Wollte nach meiner Schokolade greifen, die ich schnell und mit wütendem Blick in Sicherheit brachte.
"Fakt ist, dass sie sich irgendwann entscheiden muss", sagte Newt. Machte eine ausholende Handbewegung. "Und dann? Wenn sie sich für die entscheidet, wirst du monatelang die übelste Laune haben. Richtig? Gut. Und wenn sie sich für uns entscheidet, wird sie mit getestet werden. Die Frage ist, ob du dir das eher verzeihen könntest."
Gally sah mich an. "Vielleicht könnte man verhandeln."
"Verhandeln?", spie Minho aus. "Vergiss es. Wenn dieses Würmchen sich in unsere Mitte begibt, werden wir es beschützen müssen. Und ich persönlich habe keine Lust darauf."
"Was habe ich dir eigentlich getan?", fragte ich wütend.
"Dein Bruder quält uns! Behandelt uns wie Vieh!", rief Minho aus. "Und darüber hinaus..." Er schüttelte wütend den Kopf. "Darüber hinaus braut sich irgendetwas zusammen! Ansonsten würden sie ihre Hündchen nicht an der langen Leine halten."
Diesmal war ich es, welche die Augen hasserfüllt zu Schlitzen verengte. Ich wusste allerdings nicht, was ich darauf erwidern sollte. Daher stand ich einfach auf, schob Minho meine Schokolade entgegen und verließ den Raum.
"Großartig", hörte ich Newt sagen. "Das hast du mal wieder fantastisch geregelt bekommen!"

Als hätte der Tag nicht schlimmer enden können, erwartete Thomas mich in meinem Zimmer.
Stöhnend wollte ich wieder beidrehen.
"Cassandra, wir müssen reden."
"Warum? Ich hatte einen echt miesen Tag."
"Ach?" Thomas zog eine Augenbraue hoch. "Bitte, es dauert nur fünf Minuten."
Super. Das bedeutete eine ellenlange Strafpredigt wartete auf mich. "Leg los", murmelte ich und schob die Hände in die Hosentaschen.
"Du darfst sie nicht wiedersehen."
Mir fiel alles aus dem Gesicht. Ich hatte zwar nicht wirklich das Bedürfnis Minho oder Newt erneut wiederzusehen, aber Gally?
"Die Sache ist", redete Thomas weiter, "dass wir eine Stufe weiter gehen was die Tests angeht. Wir haben ein Labyrinth entworfen, wo die Probanden in gefährlichen Situationen getestet werden. Es geht ums Überleben, um Gemeinschaft und um das richtige und sinnvolle Nutzen des Gehirns."
"Wie bitte?", flüsterte ich.
"Paige hat bereits alle Unterschriften, außer der meinen. Cassy..." Mein Bruder brach ab. "Die Freundschaft mit Gally war in Ordnung, weil ich annehme, dass du die Notwendigkeit unseres Vorhabens erkennst. Wenn wir das Heilmittel haben können du und Gally eure Freundschaft eher ausleben, richtig? Aber jetzt hast du auch andere von ihnen kennen gelernt und ich fürchte..." Er seufzte. "Ich fürchte, bevor daraus eine Familie wird, muss ich diese Treffen unterbinden. Du darfst sie im Labyrinth beobachten."
"Du willst sie umbringen", wisperte ich entsetzt. Er wollte meine Freunde irgendwo aussetzen und dann... "Wann? Wann soll das stattfinden?"
"In vier Wochen soll der Erste hinein. Und dann jeden Monat einer. Die Mädchen bekommen ein anderes Labyrinth zugeordnet."
Mir wurde schwindlig. Vor ein paar Minuten hätte ich Minho am liebsten den Hals herumgedreht und nun überlegte ich fieberhaft, wie ich ihn und Newt – und natürlich auch Gally – vor dem Tod retten konnte. "Ihr habt nicht das Recht dazu."
"Wir haben alles Recht dazu", antwortete Thomas ruhig.
"Nein, das könnt ihr nicht machen, Thomas!", sagte ich wütend. "Das ist Schwachsinn. Wie viele von ihnen werden überleben?"
"Ich weiß es nicht." Er fuhr sich durch seine dunklen Haare. "Cassy, hier geht es nicht um uns..."
"Um wen geht es dann? Wer kann wichtiger sein als diese Menschen hier?"
"Die gesamte Menschheit, verdammt!" Er wurde wütend.
"Ich wurde nicht gefragt, ob ich das möchte."
"Hier geht es ja auch nicht um deinen freien Willen."
"Herrgott, Thomas, um was geht es dann!" Ich breitete die Arme aus. "Wir sind alle Menschen und wir alle haben das Recht zu leben. Und mit diesem Pamphlet maßt du dich an über das Leben anderer zu entscheiden!"
"Hör auf so einen Mist zu reden", fauchte Thomas und kam mir gefährlich näher. Dann hob er den Blick und runzelte die Stirn.
Ich spürte Gally direkt hinter mir.
"Alles okay, Cassy?"
Ich sah Thomas an. "Ich weiß es nicht. Thomas?"
"Ich habe dich gefragt, nicht Thomas."
"Du hast hier überhaupt nichts zu fragen", knurrte Thomas.
"Doch, wenn es um Cassy geht."
"Cassandra hat sich in Sachen eingemischt, von denen sie nichts versteht..."
"Sag mal!", rief ich fassungslos aus.
"Du bist noch ein Kind, Cassandra und ich habe dich zu beschützen. Abgesehen davon, dass es ein Regelverstoß wäre mit den anderen allein schon zu reden. Ich habe dich gedeckt, aber damit ist nun Schluss!"
"Das war meine Schuld", sagte Gally ruhig. "Ich habe sie in dem Raum angesprochen."
"Du hast mich gedeckt, ganz genau!", sagte ich zu Thomas. Fassungslos warf ich die Arme in die Luft. "Du hast mich gedeckt!", wiederholte ich, wie um ihn zum Umdenken zu bewegen.
"Der größte Fehler meines Lebens."
Innerlich spürte ich, wie verletzt ich doch war.
"Also", sprach Thomas weiter und packte mich am Arm. "Ende der Diskussion. Du", sagte er zu Gally, "gehst zurück zur Gruppe, warum auch immer du überhaupt hergekommen bist. Und du Cassy kommst mit mir."
"Du kannst auch mit mir kommen", sagte Gally plötzlich. "Ich bin hier, weil ich mich für Minhos und Newts Verhalten entschuldigen wollte."
Erstaunt sahen sowohl ich als auch Thomas ihn an.
"Du hast einen freien Willen. Komm mit mir, wenn du magst."
"Und was ist wenn sie nicht will?", fragte Thomas.
"Dann geht sie mir dir. Freiwillig. Und ich akzeptiere es."
Ich sah Gally gerührt an. Aber Thomas war doch mein Bruder...
"So ein Unfug. Komm, Cassandra." Erneuter fester Griff an meinen Oberarmen.
Irgendwo in meinem Innern flüsterte eine kleine Stimme, dass mein Bruder sich niemals so benehmen würde. "Thomas, dein Chip", murmelte ich und wehrte mich gegen seinen Griff. "Wenn du gelassener reagieren würdest, würde dein Chip nicht aktiviert werden."
"Woher willst du wissen, dass es mein Chip ist, mhmm?" Mit einem Ruck zog er mich zu sich heran und ich konnte die Wut in seinem Blick pulsieren sehen.
"Weil du mir weh tust."
Sein Blick wechselte zu Verwirrung und Unverständnis. Er sah auf seine Hand an meinem Oberarm. Seine Fingerknöchel stachen weiß hervor, so sehr krallte er sich an mir fest. Abrupt ließ Thomas mich los. Ich konnte sehen wie Leid es ihm tat und wie sehr er sich zwischen seiner Liebe zu mir und seiner Verantwortung gegenüber A.N.G.S.T hin und her gerissen fühlte.
Langsam wich ich zu Gally zurück, der einen Arm um meine Schulter legte. "Thomas, ich muss bei ihnen bleiben."
Gepeinigt sah er mich an. "Ich kann dir doch keinen Schaden zufügen!", hauchte er. "Ich kann dich doch nicht..."
Mir schossen Tränen in die Augen. "Doch. Damit ihr alle erkennt, dass das, was ihr tut, falsch ist. Diese Menschen hier", und damit sah ich zu Gally hoch, "sind nicht weniger wert, als du oder ich. Nur weil ihre Gehirnaktivität eine andere ist." Ich schluckte und kämpfte weiterhin gegen die Tränen.
Thomas wankte, als hätte ich ihm eine schallende Ohrfeige verpasst. Er stolperte und stützte sich an der Wand ab, um nicht zu stürzen. Seine braunen Augen stachen groß und dunkel in seinem blassen Gesicht heraus. "Cassandra... Cassy..."
Ich schloss die Augen. "Es tut mir Leid." Bei dem Schmerz in seinen Augen schlug ich die Hand vor den Mund.
"Ich kann dich nicht mehr beschützen."
"Das übernehme ich", sagte Gally.
"DU!", lachte Thomas höhnisch. Drängte sich an uns zur Tür vorbei. Bitternis klang in seinem Lachen nach. "Ihr werdet sie niemals beschützen können! Ihr werdet zusehen müssen, wie sie leidet, wie sie fleht, wie sie gebrochen wird! Und nur, weil ihr Menschlichkeit beweisen wollt."
"Thomas...", flüsterte ich. "Bitte, hör auf!"
"Ich will doch auch nur menschlich sein!", brüllte er. Seine Stimmungsschwankungen machten mir langsam Angst. "Ich will meine Schwester, meine einzig verbliebene Familie beschützen! Am Leben erhalten! Und dafür würde ich mit den Cranks persönlich verhandeln!"
Seine Liebe zu mir, machte meinen Schritt immer schlimmer und schmerzhafter. "Halt mich zurück, Gally, sonst werde ich wieder zu ihm zurückkehren", bat ich leise. Sofort schloss sich sein Arm fester um meine Schultern.
"Du hast keine Ahnung, was du ihr antust!", schrie Thomas. Öffnete die Tür und stolperte hinaus. Drehte sich wirr im Gang um sich selbst. Mit einem Mal wurden seine Augen sanfter. "Es tut mir Leid, Schwesterherz." Sein Flüstern war wie ein Windhauch. Mit einem letzten verzweifelten Aufstöhnen drehte mein Bruder sich um und verschwand aus meinem Blickfeld.
Fast augenblicklich brach ich in Gallys Armen zusammen. Die Tränen rannen mir über das Gesicht und ich sah die Welt in verschwommenen, schillernden Bildern. Alle Wärme war aus meinem Körper gewichen und Gally zuckte erschrocken zusammen, als meine klammen Fingerspitzen seine nackten Oberarme berührten.
"Komm, Cassy, ich bringe dich hier weg. Willst du etwas mitnehmen?"
Ich konnte nur den Kopf schütteln. Thomas. Den wollte ich mitnehmen. "Was habe ich getan?", fragte ich benommen.
"Du hast das Richtige getan", beruhigte mich Gally.
"Ist es wirklich richtig seine Familie zu verraten?"
Er schwieg. "Ich weiß es nicht."
Ich sah ihn aus tränenverschmierten Augen an.
Ein leichtes aber trauriges Lächeln umspielte seinen Mund. "Ich habe keine Familie."
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