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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
49
Alle Kapitel
150 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.10.2015 2.129
 
Mir ist aufgefallen, dass dieses Kapitel erstaunlich lang geworden ist. Hoffentlich stört es euch nicht :)
*-*
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Kapitel (25) Duschen und kochen

Als wir auf der Lichtung ankamen war ich schockgefroren. Für meinen ersten Tag als rehabilitierte Läuferin, war das ziemlich viel auf einmal gewesen. Zitternd schlang ich die Arme um Newt, der mich mit einem Schwall liebevoller Schimpfwörter versah "Du blöder Strunk! Wau ist wie ein Blöder bellend über die Lichtung gerast, ich dachte, der stirbt gleich an einem Herzinfarkt.  Weißt du eigentlich, was für Gedanken ich mir um euch Strünke gemacht habe?"
Ich antwortete mit klappernden Zähnen: "Nein."
"Duscht euch heiß ab!", befahl Alby. "Newt du stellst dich zum Schutz vor Cassys Tür. Jeff besorgt neue Wäsche für beide."
"Nein, nein", wehrte ich ab. Ich wollte nicht, das jemand in meiner Wäsche wühlte. "Bitte. Mir geht es gut."
"Hey, soll ich Wäsche holen?", fragte Newt. "Du kannst ja erst unter die Dusche springen, wenn ich zurückkomme."
Unsicher sprang ich von einem Fuß auf den anderen. Warf Minho einen kurzen Blick zu. Dann nickte ich. "Okay."
"In Ordnung, ab mit euch ins Bad." Alby scheuchte uns in die Bäder und Newt joggte zum Gehöft.
"Ich warte, bis auch du unter die Dusche kannst", sagte Minho, der nicht weniger zitterte als ich.
"Ach Quatsch!", sagte ich und begann seinen Läufergurt zu lösen. Dann knöpfte ich sein Hemd auf.
"Cassy!" Er riss mir en Stoff aus den Fingern. "Verdammt! Das bleibt im Labyrinth!"
"Ach, weil wir uns da auch so oft über den Weg laufen?", fauchte ich. Im wahrsten Sinne des Wortes.
"Nein, aber hier geht das nicht. Nicht ohne dich in Gefahr zu bringen!"
Ich machte einen Schritt zurück und nickte. "Gut, von mir aus."
"Hey, ich weiß, dass ist totaler Klonk", murmelte Minho und strich mir eine Haarsträhne hinter das Ohr. "Aber bitte... Mach es mir nicht zu schwer."
Ich nickte erneut und rang mir ein Lächeln ab.
Newt kam herein geplatzt, warf Minho ein Bündel zu und wedelte mit dem anderen in meine Richtung. "Los Schweinchen, waschen!"
Wir verschwanden in zwei Kabinen, eine leere zwischen uns. Nach und nach entblätterte ich mich und packte alles wieder in ein Bündel.
Ein paar Minuten lang war nur das laufende Wasser zu hören und der Dreck sammelte sich am Boden. Hier könnte man nach dem Bad einen Apfelbaum pflanzen.
Ein Waschlappen segelte über die Tür und ich seifte mich ein. Irgendwann begann ich leise zu summen. Meine Haare wurden wieder blond und meine Narben schimmerten rot.
"Cassy?"
"Ja, Newt?"
"Meinst du wirklich, wir kommen hier heraus?"
Ich stellte die Dusche ab und begann mich mit den Handtuch abzureiben. "Ja. Ja, das glaube ich, warum?"
"Weil wir hier seit zwei Jahren festsitzen und kein Ende in Sicht ist. Und stattdessen muss ich miterleben, wie Menschen laufend in Gefahr geraten, die ich mag."
Ich wickelte das Handtuch um meinen Körper und trat hinaus. Newt hatte wieder diesen traurigen Ausdruck im Gesicht, den ich ihm gestern noch hatte wegkitzeln können.
"Ich fühle mich manchmal als würden die Wände auf mich hinab stürzen", flüsterte er. "Wir rennen dort hinein und finden eh nichts. Stattdessen immer neue Wände. Immer neue Monster." Er schloss kurz die Augen. "Manchmal beneide ich die Leute, welche hinten im Wald liegen."
"Nein, Newt!", wisperte ich entsetzt. Ich band mein Handtuch fest und nahm sein Gesicht in meine Hände. "Niemals wieder will ich diese Worte von dir hören! Ich war zwei Jahre allein und ich habe niemals aufgegeben, weil dies nicht in Frage käme."
Wir bemerkten nicht, wie die andere Dusche ebenfalls abgestellt wurde.
"Newt, du musst mir versprechen niemals zu gehen! Niemals! Ich würde dich reanimieren um dir eigenhändig den Hals umzudrehen."
Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht.
"Versprich es mir!"
Die andere Duschkabine ging auf und Minho bedachte uns mit hochgezogener Augenbraue. "Soll ich euch allein lassen?"
"Nein", sagten wir unisono. Newt drückte mir meine frische Kleidung in die Hand. "Zieht euch an, ich bitte Bratpfanne um etwas Mittagessen."
Damit ging er und ließ mich ziemlich perplex und panisch zurück.
Er hatte es nicht versprochen.

Die Tage waren klar und deutlich abgegrenzt und gingen trotzdem ineinander über. Abwechselnd rannte ich mit Minho und Newt durch das Labyrinth und hielt ihnen die Griewer vom Leib. Aber ich spürte, wie meine neutrale Haltung zu ihnen verkümmerte. Sie griffen meine Freunde an und wollten sie töten. Und da ich nun zu den Lichtern gehörte, wollten sie mich auch töten.
Zwischendurch half ich überall mit, wo ich gebraucht wurde. Half Bratpfanne in der Küche, Zart in den Gärten, Jeff im Gehöft. Ich kümmerte mich um die Tiere. Wenn ich Freizeit hatte und weder etwas aß noch schlief ging ich mit Wau joggen. Hauptsache Laufen. Hauptsache Bewegung.
Abends saßen wir oft am Lagerfeuer und genossen die wärmer werdenden Abende. Ich wusste noch immer nicht, was diese Verbannungen bedeuteten, aber bis jetzt hatte keiner mehr versucht mich umzubringen, weshalb meine Haltung zu allen neutral bis sehr gut war. Tatsächlich wurde mir immer öfter nett zugelächelt und Gally hatte mir erzählt, dass viele mir eine zweite Chance gegeben hatten. Augenscheinlich war ich doch nicht so schlimm wie angenommen.
Zudem hatte ich eine neue Kette. Der Stein lag angenehm auf meinem Dekolleté und Minho liebte es mit dem Finger die Umrisse auf meine Haut zu zeichnen. Was selten vorkam. Sehr selten. Wir waren noch einmal in meiner Höhle gewesen. Nichts war erhalten geblieben. Überreste der Waffen warne noch zu erkennen gewesen, sowie der Steinvorsprung, wo mein Tagebuch drauf gelegen hatte. Dieses war nur noch ein Haufen Asche. Ich gehörte nun zu den Lichtern, es gab kein Zurück mehr. Minho und ich hatten eine Beziehung, die auf Blicken und kurzen, zarten Berührungen basierte. Beim Karten abzeichnen, wenn ich um einen Stift bat und er meine Hand umfing. Wenn ich abends ins Bett ging und mich von meiner kleinen Garde verabschiedete. Wenn ich beim Laufen innehielt und er rein zufällig in mich hinein lief. Dies waren meist die Zeiten, wo er mich herumdrehte und meine Lippen mit seinen Küssen benetzte. Es waren die Zeiten, die ich in mich aufsog wie eine Ertrinkende.

Gedankennotiz: Nachforschen ob solche Gefühle unter dem großen Term Liebe zu verstehen sind.

Nick war noch immer nicht aufgewacht. Das Fieber war besser geworden und die Wunde verheilte gut. Aber bis der Körper nicht bereit war, würde er Nick nicht zurückkehren lassen.
Da wir Strom und fließend Wasser hatten, sowie einen Spiegel, experimentierte ich viel an mir herum. Haare und Kleidung und, und, und. Und trotzdem blieb ich meinem Style treu. Also Hose und Bluse mit Top. Zwiebelschicht eben. Gut zum krempeln und arbeiten.
Heute würde  ich ausnahmsweise komplett auf der Lichtung bleiben. Bratpfanne wollte ein neues Rezept ausprobieren und was ich bisher gerochen hatte, lief es eher schlecht. Ich wischte mir meine nassen Haare aus dem Gesicht und machte mir schnell noch einen Zopf. Minho wartete mit dem Rücken zur Lichtung am Tor. Heute würden er, Luke und ein anderer der Läufer ein Dreierteam bilden. Zuvor, wollte ich mich noch schnell verabschieden. Ich lachte, rannte los, nahm richtig Anlauf und sprang auf seinen Rücken.
"Cassy!"
"Minho!"
Ich lachte. Schwang mich herum und gleichzeitig herunter. "Guten Morgen."
Er verdrehte die Augen. "Hallo Blume." Dann lächelte er. Strich mir flüchtig über die Wange. "Was tust du hier?"
"Mich von dir verabschieden." Ich stellte mich auf Zehenspitzen und umarmte ihn fest. "Pass auf dich auf Läufer."
"Immer", erwiderte er. Drückte mich an sich. "Wir kommen nachher früher zurück. Wegen Bratpfannes neuem Gericht."
Ich grinste. "Und meinem. Ich helfe ihm."
"Oh nein!", stöhnte Minho gespielt gequält. "Hilfe!" Er löste sich etwas von mir und sah sich hilfesuchend um.
"Ey, ich kann gut kochen! Nun, zumindest besser als andere!"
"Besser als Bratpfanne selbst, ja."
Ich lachte. Dann wurde ich ernst. "Minho, bitte habe einen Blick auf Newt. Er geht mir aus dem Weg und er sieht extrem unglücklich aus. Irgendetwas stimmt nicht."
"Meine kleine Cassy, Blume... Newt würde uns nicht einfach so im Stich lassen. Niemals." Er lächelte mich aufmunternd an. "Wirklich."
Ich nickte. "In Ordnung."
Minho ließ mich los und trat einen Schritt zurück. Mein Zeichen, dass jemand kam und ich mich davon machen musste. Unsere Finger trennten sich und ich lief rückwärts davon. Dann drehte ich mich um und lief schwungvoll zu Bratpfanne. Minhos Blick klebte in meinem Rücken und schwenkte etwas nach unten. Ich musste grinsen. Nun machte es mir nichts mehr aus, dass er mich so beobachtete.
Bratpfanne empfing mich mit dem frisch geschlachteten Schwein und einem Berg Kartoffeln.
Stundenlang schälten wir Gemüse und das Tier sah extrem nach Schwein Berta aus, dem ich gestern noch den Kopf getätschelt hatte. Wau sammelte alle Reste auf, die rein zufällig auf dem Boden landeten und Gally kam regelmäßig vorbei um nach mir zu sehen und sich etwas vom Nachtisch zu klauen, der gerade auskühlte. Als Strafe schmierte ich ihm Mehl ins Gesicht, weshalb ich kurzerhand geschultert wurde und beinahe im See schwimmen ging.
Bratpfanne grummelte still vor sich hin, aber auch er lächelte immer öfter.
Einmal sah er mich an, beobachtete, wie ich das Obst klein schnitt und liebevoll auf dem Teller anrichtete. Da sagte er: "Cassy, du tust uns gut. Und deshalb mag ich dich."
Ich war etwas überrascht gewesen und hatte ihn erstaunt angesehen. Aber da hatte er sich schon mit dem Rücken zu mir gedreht.
Ich rührte die Soße an, als ein Haufen verschwitzter Läufer in die Küche gerammelt kam. Sofort strotzte der Raum vor Testosteron.
Newt klaute sich einen Apfel und schwang sich auf die Anrichte. Grinste. "Na, Blume?"
"Halt nicht hineinbeißen!", befahl ich. "Augen zu!"
Misstrauisch schloss Newt die Augen.
"Mund auf."
Gehorsam klappte sein Mund auf und ich schob den Löffel mit der Soße hinein. "Und?"
Er schluckte und riss die Augen wieder auf. "Wahnsinn! Hast du das gemacht?"
"Klar, wer sonst?"
"Wow!" Er bis in einen Apfel und klopfte mir hart auf die Schulter. Sprang vom Tresen und lief aus der Küche, die anderen Läufer im Schlepptau. Nur Minho blieb und probierte ebenfalls von der Schokosoße.
"Was ist denn mit ihm los?", fragte ich und rieb mir die Schulter.
"Ich habe mit ihm geredet. Ihm seine Depri-Nummer ausgeredet. Hey, das ist wirklich gut!"
"Mhmm..." Ich wandte mich dem letzten bisschen Obst zu.

Gedankennotiz: Herausfinden was Minho gesagt hatte. Ich hatte den blöden Eindruck, dass es mehr als nur unsensibel gewesen sein könnte.

Ich spürte zwei Arme um meiner Taille und warme Lippen an meinem Nacken. Ich hatte mir einen wuscheligen Dutt gemacht und meine Härchen im Nacken stellten sich auf. "Was tust du da?", fragte ich leise.
"Du riechst gut", murmelte Minho. Seine Lippen wanderten meinen Nacken hinauf zu meinem Ohr. Zeitgleich strichen seine Finger zu meinem Bauch.
"Minho... hör auf!" Meine Stimme zitterte leicht. Ich drehte mich um. Minhos Gesicht war nur wenige Zentimeter von meinem entfernt. Auf diesen Schritt meinerseits hatte er wohl gewartet. Er schob mit einer Hand das Obst hinter mir zur Seite und hob mich mit Leichtigkeit hinauf. Automatisch schlang ich die Beine um seine Hüften und meine Finger legten sich um seinen Kopf.
"Es macht mich verrückt", flüsterte er heiser. "Ich sehe dich und kann dich nicht berühren. Deine Lippen so nah an meinen und ich kann dich nicht küssen. Es liegen nur ein paar Zimmer zwischen den unsrigen und ich kann nicht damit rechnen, dass du wieder an meinem Bett stehst. Weil Newt vorsorglich deine Tür abgeschlossen hat." Eine Hand legte sich an meinen Hinterkopf, sein Daumen strich über meinen Wangenknochen und seine Augen sahen gequält und zärtlich zugleich aus.
Ich wusste nicht, wie ich dieses Gefühl in meiner Brust benennen sollte. Aber seine Worte hatten mich sehr berührt und ich wollte ihm etwas wiedergeben. "Minho, ich..."
Es ertönten schwere Schritte vor der Tür und ich zuckte zusammen. Minho schloss wütend die Augen und riss mich regelrecht von dem Tresen herunter. Bevor die Tür aufspringen oder ich auf Minhos Worte reagieren konnte, war er verschwunden und Bratpfanne pfiff zum Essen.
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