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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
49
Alle Kapitel
150 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
15.10.2015 1.910
 
So meine Lieben, voller Elan geht es jetzt weiter :) Erst einmal muss ich mich wegen der vielen kleinen Schreibfehler im letzten Kapitel entschuldigen und dann natürlich ein herzliches Danke für die Reviews ;) Brav weiterschreiben, ich freue mich immer.
Der Urlaub - und die Auffrischung meiner Fantasie Dank Scorch Trials, wo ich endlich im Kino war - haben ein paar nette Kapitel entstehen lassen, die ich aber wirklich nicht früher hätte hochladen können. Im Urlaub ist man immer irgendwie auf Achse. Nicht einmal das angekündigte "Erste-Highlight-Kapitel" habe ich geschafft. :/
Aber dafür jetzt: Weiterlesen!
*-*
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Kapitel (20) Verarzten und wegrennen

"Okay, ich hoffe ich mache das einigermaßen richtig", murmelte Minho." Jeff hat es mir nur kurz erklärt."
"Es kann nicht schlimmer werden", erwiderte ich müde. Die Versammlung war vertagt worden, weil ich mit dieser Migräne kein Stück laufen, geschweige denken und mit damit verteidigen konnte. Ich war gerade aus einem Schlaf aufgewacht, der einem tintenähnlichen Loch in meinen Gedanken glich und draußen war die Sonne am Untergehen.
Der Schlag gegen den Baum hatte mir eine hübsche Platzwunde zugefügt, die blau und lila schimmerte und die nun von einem äußerst unbegabten Sanitäts-Minho gepflegt wurde. Möglichst vorsichtig tupfte er die Creme, welche Jeff angerührt hatte, auf die Stirn. Ich hatte meine Haare zu einem Dutt hochgebunden, damit keine Haarsträhnen mit eingefettet wurden. Mit einem höchst angestrengten Gesichtsausdruck klebte Minho noch ein Pflaster darüber und lächelte dann erleichtert. "Geschafft. Wo tut es noch weh?"
"Ist überall sehr unpräzise?"
"Eigentlich schon, ja."
Ich antwortete nichts.
Seufzend und niedergeschlagen stellte Minho die Schale mit der Creme zur Seite. "Cassy, du hast heute enorm Mist gebaut. Nicht nur, dass unser Modell vom Labyrinth total hin ist, zwei Jahre Arbeit wohlbemerkt, nein, das Messer hat Karls Arterie voll durchschlagen und niemand traut sich das Messer zu ziehen! Wenn er verbluten sollte, hast du einen Mord begangen!"
"Und was, Minho?", fragte ich gereizt. "Wollt ihr mich verbannen? Weil ich dort draußen sofort drauf gehen würde?"
Ich raffte mich doch auf und setzte mich hin. Sah ihn wütend an.
"Ich weiß nicht, was wir machen!", rief er aus. "Aber es ist nicht so einfach zu sagen: Cassy, das arme, aufmerksamkeitsheischende Mädchen, hat Recht und die bösen, arroganten Läufer sind schuldig!"
Vielleicht waren seine Worte nicht ernst gemeint oder nur im Affekt daher gesagt, aber mich trafen sie trotzdem härter als erwartet. "Weißt du was? Den nächsten Griewer den ich sehe hetzte ich mit größter Liebe auf dich", flüsterte ich und erhob mich ganz.
Ob es an der kurzen Ohnmacht lag, meinen Kopfschmerzen oder der Müdigkeit in meinen Knochen... Ich konnte mich kaum auf den Beinen halten.
"Cassandra!" Minho hielt mich am Arm zurück. "So war das nicht gemeint."
"Ach?", fauchte ich. "Aber gut zu wissen. Würde die Sache auch so unklar sein, wenn ich mich nicht gewehrt hätte? Wenn ich tot wäre? Oder wenn ich vergewaltigt worden wäre?"
Er wich ihrem Blick aus und presste die Lippen aufeinander.
"Ihr habt hier Regeln, die toll funktionieren wenn nichts passiert, oder wenn nur kleine Probleme geschehen. Aber bei komplexen Dingen sind sie nicht haltbar! Und der freie Wille eines Menschen ist nun mal komplex! Diese Kerle haben mich angegriffen, mich zusammengeschlagen und mich gejagt! Und ich habe mich gewehrt. Mag sein, dass einer von ihnen nun abkratzt, aber soll ich ehrlich sein? Lieber er, als ich!" Der Ausbruch ließ Übelkeit in mir aufwallen und ich musste mehrfach schlucken. "Ich werde im Labyrinth übernachten."
Schlagartig erwachte Minho aus seiner Starre. "Nein!" Er sprang vor die Tür und versperrte mir den Weg. "In deinem Zustand bist du für die Griewer eine leichte Beute."
"Geh mir aus dem Weg, Minho!", rief ich und wollte mich an ihm vorbei drängen.
"Nein!"
Eine paar Sekunden lang rangen wir miteinander. Ich war klar unterlegen und nicht nur wegen meiner Verletzungen. Mit einem Mal lag sein Arm in meinem Rücken und meine Handflächen gegen seine Brust gedrückt. Unsere Lippen waren nur Millimeter voneinander getrennt und während Minho mich von oben herab betrachtete, durch leicht geschlossene Lider, konnte ich den Blick nicht von seinen wunderbar geschwungenen Lippen abwenden. Seine Hand bewegte sich auf meinem Rücken und seine andere Hand legte sich an meine Wange. Strich hauchzart darüber. Ich spürte unter meinen Fingerspitzen, wie sein Herz kurzzeitig flatterte.
"Tut mir Leid, Cassy", wisperte er. "Das war niveaulos."
"Was empfindest du für mich?" fragte ich und ging nicht auf seine Worte ein. "Sag es mir! Denn ich werde nicht mit mir spielen lassen."
Als Antwort küsste er mich. Legte seine Lippen einfach auf die meinen. Ganz sanft, als würde ich mit zu viel Druck seiner Lippen in tausend Scherben zerspringen. Mich schwindelte erneut und Minho löste sich von mir. "Ich würde niemals mit dir spielen", antwortete er. "Niemals."
Ich konnte nicht anders als lächeln. Meine Mundwinkel zuckten nach oben, Minhos taten es ebenfalls, als würde ich in einen Spiegel schauen. Ich nickte kurz, legte einen Arm um seinen Nacken und küsste ihn erneut. Ich musste mich etwas auf Zehenspitzen stellen und presste mich an ihn. Aus dem Lächeln wurde ein Grinsen und schließlich musste ich leise und glücklich lachen. Ich schmiegte mich an ihn.
"Ich... wollte dir mit meinem Verhalten nicht wehtun", sagte er und schluckte. Sein Daumen strich über meinen Wangenknochen. "Ich bin nicht... Ich... versuche weniger schlecht zu sein. Ich bin nicht gut, Cassy. Daher habe ich dich eher wie... Dreck behandelt, als dich zu schützen. Und jetzt hat man dir wehgetan." Er drückt seinen Kopf an meinen.
"Nein, dass ist nicht deine Schuld. Ich hätte aufmerksamer sein müssen", erwiderte ich. Meine blauen Flecke schmerzten und ich verzog das Gesicht.
"Du solltest dich ausruhen", meinte er und dirigierte mich zum Bett zurück.
"Du dich auch", presste ich zwischen meinen Lippen hindurch. "Du bist der Hüter, du musst morgen ebenfalls fit sein."
"Gut, aber ich bin am Ende des Ganges. Nur, falls etwas sein sollte, okay?"

Gedankennotiz: Wenn man Gefühle unterdrückt, stürmen sie irgendwann das Gehirn. Mit doppelter Schlagkraft.

Ich wusste nicht, wie ich mit seiner plötzlichen Interesse umgehen sollte, daher nickte ich bloß. "Ich schaffe das."
Ein trauriges Lächeln umspielte seine Lippen. Er drückte mir noch einen Kuss auf die Stirn und Minho verließ das Zimmer.
Nachdem er gegangen war schloss ich die Tür ab und verriegelte die Fensterläden. Dann begann ich meine Jacke auszuziehen und das Top über den Kopf zu stülpen. Man hatte mir einen Spiegel gebracht, damit ich ungefähr wusste, wo ich cremen musste. Trotzdem... Mein Rücken sah so zerstört aus, wie noch nie. Blaue, lila, grüne und orangene Flecken und Streifen verteilten sich überall. Meine Tattoo war plötzlich farbig ausgefüllt und an meiner rechten Seite, war eine Rippe zur Größe einer Walnuss angeschwollen. Die Schmerzen waren unglaublich.
Ich hörte ein Kratzen, griff mein Messer und drehte mich um. Aber dort war niemand. Wachsam huschten meine Augen durch den Raum, bis ich mich wieder etwas entspannte und meine Waffe sinken ließ. Die Creme würde gegen diese Prellungen nichts ausrichten, sie war für offene Wunden gedacht.
Jemand rammte im Nebenzimmer gegen den Tisch und erneut griff ich das Messer. Himmel! Warum genau hatte ich Minho nochmal weggeschickt?
Ich tauche ein Tuch in die Waschschüssel mit Wasser und drückte es mir auf die Rippe. Versuchte mit einer Hand Lampen und alles so im Raum zu verteilen, dass keine Stelle dunkel blieb. Selbst die Staubkörner, die im Licht flackernde Schatten an die Wand warfen, jagten mir einen riesigen Schrecken ein. Schließlich setzte ich mich aufs Bett und grub den Kopf in die Hände. So war es mir nach meinem ersten Griewer-Angriff ergangen. Überall hatte ich die Monster gesehen, überall waren zu laute, fremde Geräusche erklungen und überall hatte ein imaginärer Angreifer auf mich gewartet. Zwei Wochen hatte es gedauert, bis ich das erste Mal eine Nacht durchgeschlafen hatte.
Irgendwann legte ich mich immerhin hin. Umklammerte mein Messer und kniff gegen das helle Licht die Augen fest zusammen. Döste vielleicht sogar weg. Bis meine Hand sich entspannte und das Messer mit einem Knall auf den Boden fiel. Gut, eigentlich rappelte es nur etwas, aber in meinen Ohren war es ein Knall. Erneut starrte ich minutenlang an die Decke, bis mir die Augen wieder zufielen. Da quietsche einer meiner Fensterläden unter einem Windzug und ich stand regelrecht im Bett. Es reichte. So würde ich kein Auge zumachen.
Es war inzwischen dunkel geworden, wobei wir höchstens neun Uhr abends haben konnten. Schnell sammelte ich meine Sachen ein, zog meine Jacke über dem BH zu und griff nach meinem Messer. Die Tür knallte ich hinter mir zu. So schnell mich meine geschundenen Knochen tragen konnten, eilte ich den Gang entlang. Immer wieder blickte ich über die Schulter zurück. Immer wieder hörte ich es Schaben und Knacksen.
Am Ende lief ich nicht mehr, sondern rannte durch das Gehöft, bis ich bei der gesuchten Tür ankam. Ich wollte wie wild anklopfen, aber dann hielt ich inne. Hörte nur meinen eigenen Atem und meinen wilden Herzschlag.
Ich war kein kleines, verängstigtes Mädchen. Ich war eine Läuferin, die zwei Jahre allein Im Labyrinth überlebt hatte.
Ohne anzuklopfen huschte ich hinein. Es war tiefste Nacht, einer der Fensterläden stand offen und kühler, aber angenehmer Nachtwind flutete das Zimmer. Ich legte den Kopf schief. Läufer schliefen augenscheinlich auf dem Rücken. Stumm nahm ich Newts Rat an und kletterte über das Fußende in sein Bett. Das Messer legte ich zwischen uns.
Meine kühle, nahezu klamme Hand tastete nach der seinen. Ich verschränkte die Finger mit seinen.
Ein Schaudern überlief ihn. Flatternd öffnete Minho die Augen. Sah mich an und schüttelte den Kopf. "Anstatt dass du mich einfach hast bei dir schlafen lassen..."
"Ja, ich brauche länger um sowas zu verstehen", gestand ich.
Sein Blick fiel auf das Messer, welches ich noch immer umklammert hielt. Vorsichtig übernahm er es und legte es neben dem Bett auf den Boden. "Das brauchst du hier nicht." Dann zog er die Decke unter mir hervor und breitete sie über mich aus. Müde drehte er sich auf die Seite und wir sahen uns stumm in die Augen. Das war alles so seltsam.
"Kann ich zu dir kommen?", fragte ich flüsternd und ein leichtes Lächeln umflog seine Lippen. "Natürlich." Er drehte sich wieder auf den Rücken und ich kuschelte mich an seine Brust. Sein Atem strich über meinen Kopf hinweg und bevor ich endgültig schlief, stützte ich mich noch einmal auf und küsste ihn. Seine Finger fuhren in meine Haare. "Schlaf gut, Läufer", flüsterte ich, bevor ich mich an seine Schulter lehnte und die Augen schloss.

Am nächsten Morgen stand ich noch in der Dunkelheit auf. Minho schlief so tief und fest, dass sich mein schlechtes Gewissen regte. Heute würden die Läufer noch einmal auf der Lichtung bleiben, wegen der Versammlung. Die ohne mich nicht würde stattfinden können.
Ich schrieb ihm einen Zettel und legte ihn auf meine Seite des Bettes. Gab ihm einen Kuss auf die Wange, den er mit leichtem Murmeln bedachte.
Mit dem Rumpeln der Tore rannte ich ins Labyrinth, ohne noch einmal einen Blick zurück zu werfen.
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