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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
49
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10.10.2015 2.216
 
Kapitel (19) Essen und kämpfen

Das Frühstück fiel sogar recht üppig heraus. Bratpfanne stellte uns Brot hin, sowie Marmelade, Käse und Wurst. Mir wurde noch Eier, Obst, Gemüse und Speck hinzugestellt, was Minho mit einem fassungslosen Blick quittierte. Als er seinem Unmut darüber Ausdruck verlieh und ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen konnte, warf Bratpfanne dem Hüter einen Blick aus zusammengekniffenen Augen zu.
"Du sieht nicht so aus, als würde dich die nächste Windböe aus dem Labyrinth wehen", grunzte er. Und an mich gewandt murmelte er: "Bist eben viel zu dünn. Rennst zu viel durch die Gegend und isst nicht genug."
Ich warf ihm einen dankbaren Blick zu und begann zu essen. Die Sonne trocknete unsere Kleidung und ich sog die Sonne in mich auf. In den wärmeren Monaten hatte ich an manchen Tagen nur auf den Steinen gelegen und mich gesonnt. Ich war ja auch nachts durchs Labyrinth gerannt. Außerdem schadete ein wenig Sonnenbräune nie.
Bratpfannes Essen war viel zu viel. Schnell schob ich Minho noch war hinüber.
"Ne du, Bratpfanne hat schon Recht", sagte er mit vollen Mund. "Du musst mehr Essen."
"Ja, aber wenn ich zu viel esse und am Ende alles wieder herauskommt ist das auch nicht Sinn und Zweck der Sache oder?"
"Nein..."
"Also. Du kriegst noch den Speck und die Rühreier und ich esse Möhrchen und Äpfel."
Mit den Tellern neben mir und einer Tasse Kaffee in der Hand lehnte ich mich mit dem Rücken an die Tischkante und zog die Beine hoch auf die Bank. So konnte ich gut die Lichter beobachten, welche heute keinen freien Tag genießen durften und sich abplagen mussten. Minho, der nun links von mir saß, warf mir einen unergründlichen Blick zu, den ich geflissentlich ignorierte. Doch dann fiel sein Blick auf meine Schulter.
"Ein Blumen-Tattoo?"
"Mhmm, ja."
Er runzelte die Stirn und ich drehte fragend den Kopf in seine Richtung. Mit einer ähnlich schnellen Bewegung wie Newt, strich er meinen Träger zur Seite. Obwohl ich mich erschreckte, bekam ich eine ungehörige Gänsehaut. "Sag mal!"
"Hast du dir Nicks Tattoo einmal genauer angesehen?", fragte er und reagierte erst gar nicht auf meine Empörung.
"Nein, warum auch! Es geht bis zu seinem Rücken und ich bespanne keine fremden Leute."
"Cassy! Die Tattoos wurden definitiv vom gleichen Tätowierer gemacht!"
Ich drehte meinen Kopf dem Tattoo zu, um Minho dann etwas verunsichert anzusehen.

Gedankennotiz: Verunsicherung endgültig aus meiner Mimik streichen.

"Pass auf, ich hole Nick, Newt und Alby und wir treffen uns in ein paar Minuten im Bunker, in Ordnung? Der hat keine Fenster, da kann niemand hineinsehen."
"Und dann?"
"Dann überlegen wir, was das bedeuten könnte."
"Was soll es schon bedeuten, es ist ein Zufall!"
"Oder nicht", sagte Minho ruhig. "Im Bunker. Gleich." Seine Autorität als Hüter klang durch und ich verdrehte geschlagen die Augen. "Gut. Von mir aus. Ich bringe den Baumeistern nur den Stein vorbei."
Er nickte und schob seine Sachen zusammen, um sie Bratpfanne noch schnell auf die Küchenanrichte zu stellen. Dann joggte er zum Gehöft. Ich erhob mich kopfschüttelnd. Da hatten wir einen freien Tag und er musste ja trotzdem laufen.
Gally besah sich meinen Stein, der in seinen Pranken unglaublich winzig erschien und hielt ihn gegen die Sonne. "Hübsch. Wir haben grobe Lederbänder, mit denen wir die Holzsparren manches Mal aneinander binden. Aber wenn wir die um das Ding hier wickeln, sieht man nichts mehr von dem Stein."
"Hast du eine andere Idee?"
"Habe ich tatsächlich, kleine Cassy", lächelte Gally und hielt einen dünnen Pflanzenstängel hoch. "Farn. Wir teilen ihn noch einmal und drehen die einzelnen Fasern ganz dünn zusammen. Heute Abend hast du ihn wieder."
Ich lächelte ihn glücklich an. "Super!"
Spontan schlang Gally einen Arm um meine Schultern und drückte mir einen Kuss auf die Schläfe. "Bis nachher."
Zufrieden mit der Durchsetzbarkeit von Minhos Idee taperte ich zum Bunker. Dafür musste ich ein Stück durch das Waldstück auf der Lichtung laufen. Im Innern des Waldes war es viel kühler und ich lief schneller, um möglichst flott wieder in der warmen Sonne zu sein. Im Labyrinth war ich immerzu leise und fließend gelaufen, um möglichst wenige Geräusche zu verursachen. Hier trampelte ich wie ein Elefant durch die Gegend und niemand schien es zu interessieren.
Doch ich hörte ihn sofort. Seine Schritte waren nicht synchron mit den meinen und er trat häufig auf kleine Ästchen, die laut knackend zerbrachen. Das Knacken erinnerte mich an gestern Abend und meine Härchen stellten sich auf. Vorsichtig und langsam schloss ich meine Hand um den Messergriff. Behielt mein Tempo jedoch bei.
Wie vermutet sprang der fremde Junge mich von rechts an. Noch während er in meine Richtung flog zog ich mein Messer. Es durchschnitt die Luft. Die Klinge traf ihn nicht, doch der Knauf. Ich rammte ihn dem Jungen ins Gesicht. Seine Nase brach und Blut rann hinaus. Fluchend beugte er sich hinunter. Gekonnt trat ich ihm in den Bauch und er brach röchelnd auf dem Waldboden zusammen. Zufrieden, wenn auch wütend trat ich zurück.
Diesmal hatte ich jedoch Newts Fehler begangen. Ich hatte die Umgebung in meinem Rücken nicht im Auge behalten. Eine Hand schlang sich um meinen Oberarm und schleuderte mich gegen einen Baumstamm. Meine Stirn knallte frontal dagegen und ich schrie auf. Erneut zog er mich zurück, diesmal nutzte ich den Schwung jedoch, vergrößerte ihn noch und der Kerl musste mich loslassen, um nicht auch hinzufallen. Ich rollte mich auf dem Waldboden ab und jetzt erst erkannt ich den zweiten Angreifer. Es war einer von Minhos Läufern. Sein Name war Lukas oder Lars oder so. Der andere, kleinere Junge bekam wieder Luft und rappelte sich auf. Verdammt. Gegen Zwei würde ich nicht ankommen, ohne einen ernsthaft zu verletzen. Und das ginge wahrscheinlich über die normale Selbstverteidigung hinaus und im Grunde hatte ich Regel zwei schon gebrochen. Ohne noch lange zu überlegen, wirbelte ich herum und rannte los. Der Läufer nahm sofort meine Verfolgung auf. Als ich aus dem Wald draußen war, zog ich das Tempo an und flog regelrecht über den weichen Grasboden.
Hinter mir konnte ich den Jungen fluchen hören. Aber auch er wurde definitiv schneller. Ich sah Minho, Newt, Alby und Nick aus dem Gehöft treten, aufgeregt miteinander diskutierend. Ich stolperte und schrie erschrocken auf. Sofort flog Minhos Kopf in meine Richtung. "Cassandra!", schrie er und sprintete los.
Gehetzt kam ich beim Bunker an, dessen Tür etwas offen stand, und sprang hinein. Doch ich bekam die Tür nicht schnell genug zu. Der Läufer hatte mich eingeholt und war definitiv stärker als ich. Allein der Schwung der aufgestoßenen Tür ließ mich zurücktaumeln und als er mich dann an den Schultern packte und regelrecht über den Tisch warf, brauchte ich ein paar Sekunden um mich wieder zu fassen. Ich rutsche hinten über den Tisch herüber, schwang mich herum... und bekam einen Tritt in die Magengrube, der mich auf die Kisten, die an den Wänden standen, beförderte. Keuchend versuchte ich wieder Luft zu bekommen. Um nicht völlig fertig gemacht zu werden, machte ich mit dem Messer ein paar ungezielte Stöße nach vorn. Mein Sichtfeld war etwas verschwommen, aber ich sah mehrere Gestalten hineinkommen. Mein letzter Messerstich traf etwas und jemand grunzte verärgert auf. Mit einem Mal hörte ich ein Knurren und ein felliges Etwas sprang über mich hinweg. Wau riss den Läufer von mir weg und fletschte warnend die Zähne. Plötzlich war der Kerl gar nicht mehr so aggressiv sondern hielt wimmernd und schützend die Hände vors Gesicht.
Erschöpft taumelte ich umher und schüttelte den Kopf, um meine Sinne wieder klar zu kriegen.  
"Cassandra, nimm das Messer herunter!"
"Nein, nur über meine Leiche!", keuchte ich und hielt es auf die Gestalten, die nur langsam klarer wurden. Mein Kopf hatte definitiv einen hübschen Schlag abbekommen. Ich versuchte aus diesem engen Bunker herauszukommen und stürzte gegen den Tisch. Jemand nahm meinen Kopf in die Hände und tätschelte mir die Wange.
"Cassandra kannst du mich hören?"
Ich nickte.
"Cassandra!"
"Ja", flüsterte ich. Newts Gesicht nahm an Schärfe zu und er lächelte erleichtert. "Leg das Messer weg."
"Nein."
"Doch!", sagte Nick, der mit einem gespannten Bogen im Türrahmen stand. Doch statt auf meinen Angreifer, war der Pfeil auf mich gerichtet. Wau stand sabbernd über dem Läufer, der einen blutigen Schnitt am Oberschenkel aufwies, und knurrte bei der kleinsten Bewegung desjenigen.
"Alby, bring Luke hinaus!", befahl Nick. "Bring ihn in den Bau. Cassandra! Messer weg. Gib es Minho."
Mein Blick suchte den von Minho der rechts von mir stand, hinter ihm riss Alby Luke – das war also sein Name – hinauf und dahinter offenbarte sich mir... Ohne zu zögern, riss ich mich von Newt los, holt aus und warf das Messer. Es senkte sich mit einem schmatzenden Laut in den Arm des Jungen, der mich im Wald zuerst angegriffen hat. Zugleich flog ein Pfeil. Ich hatte das Sirren gehört und war nach hinten weggeduckt, sodass er mich verfehlte. Nur knapp, aber darum ging es nicht.
Minho hatte sich zu dem Jungen, der nun mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden hockte, umgedreht, und hob nun abwehrend die Hände. "Stopp! Sofort! Keine Pfeile werden mehr geschossen und keine Messer mehr geworfen! Sonst wird noch jemand unschuldiges verletzt."
Stille senkte sich über die kleine Versammlung und mein Blick schwankte panisch zwischen allen Anwesenden hin und her.
"Warum hast du das Messer geworfen, Cassy?", fragte Newt. Er hielt mich mittlerweile an den Oberarmen fest und aufrecht.
"Er hat mich im Wald zuerst angegriffen", flüsterte ich. "Ich habe ihm die Nase gebrochen."
Minho drückte das Kinn des Jungen hinauf. "Ja, die Nase ist hin." Er besah sich den Arm. "Das Messer kann erst herausgezogen werden, wenn wir das Blut abgeklemmt haben. Vielleicht ist eine Arterie getroffen." Mit einer fließenden Bewegung stand er auf und ging auf mich zu. "Newt, ich übernehme Cassandra, als Hüter ist sie meine Aufgabe. Und du bringst Karl zu Jeff und Clint. Und danach ebenfalls in den Bau mit ihm."
Nick hatte den Bogen mittlerweile sinken lassen. "Heute Abend wird es eine Versammlung geben", beschied er wütend. "So ein Kindergarten wird bestraft werden, darauf könnt ihr euch verlassen!" Er hielt Newt die Bunkertür auf, damit er und Karl sich vorbeiquetschen konnten. Wau saß hechelnd neben mir und ich schlang dankbar die Arme um seinen Hals. "Mein kleiner Lebensretter." Er leckte mir über das Gesicht. "Hat doch was Gutes einen Hund im Bunker zu haben, was?", fragte ich an Minho gewandt.
Dieser konnte mein Lächeln nicht erwidern. Stumm nahm er mich am Arm und führte mich ebenfalls weg. Draußen kam uns Gally entgegen.
"Was ist passiert?", rief er ihnen schon von Weitem entgegen. "Ich habe nur Karl und Luke gesehen, beide verletzt. Und..." Er brach ab, als er mich kalkweiß und mit einer Platzwunde an der Stirn in Minhos Armen hingen sah. "Haben die dich angegriffen?"
Ich nickte stumm und begann zu zittern. Eine einzelne Träne hin in meinen Wimpern.
"Zwei Angreifer an einem Morgen?"
Ich nickte wieder. Meine Finger krallten sich in Minhos Hemd.
"Und du hast sie so zugerichtet?"
Drittes Mal nicken.
"Wow. Eine gefährliche kleine Cassy haben wir hier."
"Ich bin nicht gefährlich", flüsterte ich.
"Heute Abend findet eine Versammlung statt", sagte Minho an Gally gewandt. "Ich bringe Cassandra in mein Zimmer, damit die Sanis sie sich ansehen können, aber Karl und Luke sind schwerer verletzt. Das kann noch dauern."
"Gut. Cassy, geht es einigermaßen?"
"Ja, danke", murmelte ich. "Mein Schädel dröhnt und mein ganzer Rücken wird über und über mit blauen Flecken versehen sein, aber es geht."
Gally sah nicht sehr glücklich mit meiner Antwort aus, aber da in dem Moment ein Rumpeln ertönte, was definitiv aus der Baumeister-Ecke kam, musste er wieder zurück an die Arbeit.
Minho schleifte mich förmlich über die Wiese.
"Ich kann allein gehen", sagte ich und riss mich los. Doch ohne die Stütze torkelte ich wie eine Betrunkene weiter und wäre beinahe sofort gestürzt. Ohne ein Kommentar abzugeben, fing Minho mich auf und hob mich hoch. Ich bettete meinen hämmernden Schädel auf seine Schulter. "Er hatte ein Messer in der Hand", wisperte ich. "Karl. Er wollte dich angreifen. Sieh nachher einmal hinter der Truhe in der linken Ecke nach, dort hat er es hingeworfen."
"In Ordnung, mache ich."
"Minho?"
"Ja?"
"Warum hilfst du mir plötzlich? Und komm mir nicht mit deiner Verantwortung."
Ich spürte wie er den Kopf mir zuwandte. Kurz bildete ich mir ein seine Lippen an meinem Kopf zu spüren. "Darüber reden wir nachher", sagte er nur ausweichend.
Irgendetwas wollte ich noch in eine Gedankennotiz packen, aber mein Gehirn verbot mir das Denken. Sekunden später hatte ich das Bewusstsein verloren.
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