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I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
46
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07.10.2015 1.304
 
Kapitel (2) Gefunden
Nach dem Abendessen erklärte ich Thomas meine absolut verzwickte Situation und während er mich noch für meine Schludrigkeit schalt, holte ich das letzte Buch und ging zu Gally Zimmertür. Klopfte zögerlich. Nach dem Abendessen waren alle irgendwie in den Gängen unterwegs. Ich war drei Kerlen begegnet, die mich allesamt ziemlich erstaunt und misstrauisch angesehen hatten. Ich wusste, dass sie irgendwo in der Nähe waren und mich beobachteten. Damit ich keinen Mist anstellte. Oder so. Wahrscheinlich war ich auch einfach paranoid.
"Na endlich", rief eine aufgebrachte Stimme aus dem Innern. "Seid ihr mittlerweile so unfähig..." Die Tür wurde aufgerissen und der wütende Wortschwall brach ab. "Cassandra." Gally blinzelte mich erstaunt an. Dann viel sein Blick auf das Buch in meinen Händen.
"Kann ich..." ich räusperte mich. "Kann ich hereinkommen?"
"Geht der Fehler auf dich zurück?"
Schnell streckte ich ihm das Buch entgegen. "Bitte. Und tut mir Leid."
"Warum hast du das getan?", fragte Gally und runzelte die Stirn. "Du weißt, dass wir immer in herbe Schwierigkeiten kommen, wenn wir die Sachen nicht rechtzeitig abgeben. Oder aber sie nicht gelernt haben. Die Tests können verdammt tödlich enden, wenn du mich fragst."
"Entschuldige", murmelte ich. Ich fühlte mich schrecklich unwohl.
Stille.
"Wie alt bist du, Cassandra?"
"Vierzehn."
"Mhmm..." Er runzelte die Stirn. "Dafür hast du kurze Haare."
"Ja.. ich..." Ich verstummte. Wich etwas zurück. "Hör zu, tut mir Leid, das mit dem Buch, ich wollte nur kurz reden aber vielleicht hast du recht, vielleicht bin ich doch schüchtern."
Gally hielt mich zurück. "Warte, nicht." Er streckte mir die Hand entgegen. "Bitte, es tut mir Leid, so war das nicht gemeint." Er deutete hinein, zu dem Tisch mit den 3 Stühlen. "Wollen wir und eine Heiße Schokolade machen und reden?"
Ich lächelte leicht. "Eine Heiße Schokolade?"
"Ja. Sag bloß, das kennst du nicht?"
"Wir haben einen sehr strikten Ernährungsplan", sagte ich und zog eine Grimasse.
Gally musste Lachen. "Du musst es probieren! Ein Gedicht!"
Ich musste unwillkürlich mit lachen und trat ein. Ein einzelnes Bett, der besagt Tisch mit den Stühlen und eine kleine Küche waren in dem Zimmer zu sehen, alles in hellen Brauntönen gehalten. In der rechten hinteren Ecke war noch eine Tür eingelassen, die wahrscheinlich zu der Toilette führte. Alles in einem wirkte der Raum jedoch karg und lustlos, was vielleicht auch an dem fehlenden Fenster lag.
"Tut mir Leid, ich mag diese Einrichtung hier nicht und daher kann ich mich nicht durchringen das Zimmer zu gestalten. Den Jüngeren fällt es leichter."
Gally zog mir einen Stuhl zurecht und ich nahm Platz, während er die Heiße Schokolade zubereitete.
Wir sprachen einige Minuten nicht. Doch dann purzelten die Worte einfach so aus mir heraus. Ich erzählte von meiner Kindheit. Davon, wie mein Vater Thomas beinahe umgebracht hatte und meine Mutter daraufhin A.N.G.S.T angerufen hatte. Wie Thomas und ich getestet wurden und überdurchschnittliche Gehirnaktivitäten aufwiesen. Immer wieder betonte ich, dass ich die Tests verabscheute und mich bisher geweigert hatte an ihnen mitzuarbeiten. Ich redete und redete und redete. Und Gally saß nur dort und hörte mir zu.

Nach und nach wurden wir tatsächlich richtig gute Freunde. Wieso auch immer war Thomas nicht offiziell dagegen. Er ließ mich einmal in der Woche die Bücher austeilen und ich konnte mit Gally reden. Danach herrschte zwischen uns wieder eine Art Funkstille. Nicht zu hundert Prozent, da ich begann kurze, lustige Durchsagen während des Mittagessens zu machen: "Du hast gekleckert." "Also entweder du isst oder du redest." "Das Hemd war ein Fehlgriff." Und so weiter.
Die anderen zogen Gally mittlerweile schon auf, aber dieser nahm das alles sehr gelassen. Und genoss es wahrscheinlich auch. Wir durften die Durchsagen eigentlich nur in Notfällen tätigen, aber da sie nicht verzeichnet wurden, konnte ich sie getrost machen. Außer einer von A.N.G.S.T hielt sich zufällig einmal in den Räumlichkeiten auf.
Ein paar Wochen später hatte Gally Geburtstag. Ich packte ein paar Sachen ein. Essen hatten sie genug, darum musste ich mich nicht kümmern. Aber ich gab ihm wertvollere Dinge. Papiere ihrer Gehirnscans, die ich heimlich kopiert hatte. Oder kurze Abschriften von Gesprächen der Testenden. Zudem packte ich ihm ein paar Dinge für sein Zimmer hinein. Wirklich, solch eine Kargheit war deprimierend. Er wurde siebzehn. Und ich, die vierzehn als dämliches Alter angesehen hatte, wollte dieses unbedingt feiern, wobei er dieses Alter wahrscheinlich als ebenso dämlich ansehen würde.
Ich schlich mich zu dem Versammlungsraum, während die anderen Kerle ebenfalls für ihn feierten. Wenn jemand Geburtstag hatte war der Tag frei. Ich hatte während der Mittagspause zwanzig Minuten, die ich meinem Platz fern verbringen durfte. Die musste ich ausnutzen, bevor jemand meine Abwesenheit bemerkte.
Ich klopfte und ich hörte, wie sich im Innern Stille ausbreitete. Dann trat ich ein. Ich konnte Gally nicht sehen. Verdammt. Konnte natürlich auch sein, dass er gar nicht hier war. Gerade, wo ich einmal hier sein konnte.
"Ehm... Hey", sagte ich und winkte kurz. "Eh... Ist Gally hier?"
Weitere Stille. Dutzende Augenpaare hatten sich auf mich gerichtet. Der Saal war ähnlich groß wie der für Thomas und die anderen, nur anders eingerichtet. Mit großen runden Tischen, einem Buffet, einer Couchecke und allem.
"Ist das eine so komplizierte Frage?" Ich blickte in die Runde. Sah viele mir bekannte Gesichter. Mein Blick streifte Chuck, der sich hinter Alby versteckte. Ich wurde wütend. Schließlich nahm ich eine unglaubliche Gefahr auf mich. Der Raum würde nur noch ein paar Minuten verwaist sein. Bis dahin musste ich außerhalb der Reichweite der Kameras und zurück im Wartungsraum sein.
"Oh kommt, spreche ich so unverständlich? Wo ist...?"
"Er ist gerade nicht hier. Mädchen."
Die eiskalte, knurrende Stimme ließ mich herumwirbeln. "Das Mädchen hat einen Namen. Der Cassandra lautet." Püh. Ich schluckte. Hui. Ach herrje. Der war ja gut aussehend. Dann erkannte ich ihn. So face-to-face hatte ich ihn nicht erkannt. Aber sofort erfüllte mein Herz diese tiefe Ruhe. Seine dunklen Haare, die ebenso dunklen Augen, die geraden Schultern und die fein geschwungenen Lippen. "Minho." Der Name entschlüpfte meinen Lippen, bevor ich diese daran hindern konnte. Nur leise, aber er hörte es.
"Woher weißt du meinen Namen?"
"Spielt das eine Rolle?"
"Natürlich. Denn ich kenne nicht den deinen. Was bedeutet dass du uns ausspionierst, was bedeutet, du..."
"Du kennst meinen Namen, ich habe ihn dir gerade genannt." Oh... Man unterbrach manche Menschen am besten nicht. Zumindest keine wie Minho. Er sah mich unverwandt, geradezu hasserfüllt an. Kam näher und baute sich vor mir auf. Ich hob den Blick, auch wenn mir das Herz bis zum Hals schlug. Unsere Augen verhakten sich für ein paar Augenblicke. Minho blinzelte leicht. "Ich...", setzte er leise an, da wurde die Tür aufgestoßen. Ich riss mich von ihm los und lugte über seine Schulter. Lächelte erfreut. "Gally!"
"Cassy?"
Ich drückte dem verdutzten Minho meine Korb mit Geschenken in die Hand und sprang Gally in die Arme. "Alles, alles Gute zum Geburtstag!"
"Du Verrückte, weißt du was sie machen, wenn sie dich hier sehen?"
"Ja. Und daher muss ich gleich wieder weg. Wir sehen uns ja heute Abend noch einmal, wenn ich die Bücher vorbeibringe." Ich drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. Umarmte ihn noch einmal. Lachend drehte er sich im Kreis. Ich konnte dieses neuartige Gefühl in meiner Brust nicht erklären. Vielleicht – aber nur vielleicht – konnte ich dieses Gefühl mit Glückseligkeit benennen.
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