Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

I still dream of you - Minho und Cassy

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16 / Gen
Gally Minho Newt Thomas
07.10.2015
22.11.2015
68
146.207
48
Alle Kapitel
150 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
08.10.2015 1.710
 
Ich muss zugeben, die Stein-Szene habe ich etwas aus dem Hobbit geklaut. Aber ernsthaft die Runenstein-Szene 2.0 zwischen Killi und Tauriel ist herzzerreißend.
Kitschig, aber herzzerreißend!
*-*
---------------------------------------------------------------------------------

Kapitel (11) Abschied

Schwer atmend stand ich im Zimmer. Der Schmerz war unglaublich.
Der Körperliche. Dutzende Nadeln stachen auf mich ein. Die Wunden hatten sich entzündet. Jeder Stoff scheuerte, aber ich allein konnte die Schulter weder reinigen noch kühlen, wie es hätte getan werden müssen. Und den Jungs hatte ich nichts erzählt. Nachdem die Männer mich losgelassen hatten, war ich nahezu ohnmächtig zusammengebrochen. Blut hatte am Tisch und am Boden geklebt, aber ich war zu schwach gewesen es wegzuwischen. Auf dem Weg in mein Zimmer hatte ich blutige Handabdrücke an den Wänden, den Türklingen und dem Boden – wenn meine Beine mir den Dienst verweigert hatten – hinterlassen. Ich hatte mich eingeschlossen. Drei Tage lang. Hatte das geradezu panische Hämmern und Rufen der Jungs über mich hinweggleiten lassen. Ihre schnellen Schritte, das laute Klopfen, die flehenden Stimmen, alles hatte sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Der rechte Arm war so vom Schmerz betäubt, dass ich ihn eigentlich nicht mehr benutzen konnte. Nur einmal war ich beinahe schwach geworden. Newt hatte geklopft, es musste kurz nach Mitternacht gewesen sein. "Blume?", hatte er geflüstert und mein neuer Kosename hatte mir die Tränen in die Augen getrieben. "Mach die Tür auf, bitte. Was immer sie mit dir gemacht haben, wir helfen dir es zu verarbeiten. Bitte?" Diese Worte hatten den psychischen Schmerz hervorgerufen. Ja, mir war etwas in die Schulter geritzt worden, was wusste ich nicht, ich traute mich nicht nachzuschauen. Und ich wusste, dass Newt es wirklich ernst meinte. Er und die anderen würden mich durch diese höllischen Schmerzen schleifen, bis ich wieder allein gehen konnte. Aber es änderte nichts an der Tatsache, dass ich sie würde verlassen müssen. Dass man mir meine Erinnerung nehmen oder manipulieren würde und dass man mich in ein Labyrinth stecken würde. Dass ich – wenn ich die Jungs wiedersehen sollte – sie nicht wiedererkennen würde. Vielleicht hätte ich mich mit diesem Gedanken sogar anfreunden können, schließlich kannte ich alle sie erst seit ein paar Wochen. Aber welche Folter käme es gleich sie wissentlich zu vergessen? Gally würde toben. Chuck weinen. Newt würde mich so verletzt ansehen, dass mir das Herz bluten würde. Und Minho... Minho würde verstehen, warum ich es tat und ebenso handeln. Wahrscheinlich war dies der Grund, weshalb ich ihn so... mochte. Weil er im Grunde wie ich war. Ich mit einem losen Mundwerk.
Am Morgen war eine Durchsage gekommen. Ich und Nick hatten uns nach dem Mittagessen vor den Schiebetüren zum Versammlungssaal der Adligen einzufinden. Danach war wie immer die Glocke ertönt. Mit drei Schlägen weniger. Wer auch immer heute aus welchem Grund auch immer, wo auch immer bleiben musste, es interessierte mich nicht. Wichtig war gerade nur, dass ich los musste. Und es nicht konnte, weil meine Schulter schmerzte und mein Herz weinte. Mein Rucksack und eine Jacke lagen auf meine Bett bereit, wer wusste schon wo es mich hin verschlagen würde. Eine Sekunde lang überlegte ich die Sachen dort zu lassen. Irgendein Teil in mir murmelte, dass ich dann womöglich schneller sterben würde. Andererseits, sollte ich wirklich ohne Erinnerung aufwachen, wäre mein erster Instinkt um mein Überleben zu kämpfen. Also doch mitnehmen. Im Rucksack befanden sich einmal Wechselkleidung, typische Hygieneartikel für Mädels, ein Notizheft und Stifte. Nicht viel, aber für die ersten Tage würde es reichen. Am Ende schaffte ich es tatsächlich irgendwie das Schloss aufzuschließen und hinaus auf den leeren, stillen Gang zu treten. Ich schaffte es mich nach links zu drehen, hin in Richtung des Versammlungsraumes. Ich schaffte es an unserem Gemeinschaftsraum vorbeizugehen, an Minhos Tür rechter Hand, an einem der Fenster links. Was ich nicht schaffte war, den endgültigen Schritt zu tun. Endgültig hinter die Biegung des Ganges vor die Schiebetüren treten. Nick wartete wahrscheinlich schon.
Ich kniff die Augen zusammen und unterdrückte ein Schluchzen. Presste mir den Ärmel meines Shirts vor den Mund. Hektisch atmete ich aus und ein, versuchte mir Mut einzureden. Versuchte meine Verzweiflung unter Kontrolle zu bekommen.
Daher hörte ich wahrscheinlich auch nicht die Schritte. Ihre Schritte. Wobei es mir hätte klar sein müssen. Hallo, drei Leute, die nicht getestet wurden. Grübel, grübel, wer konnte das wohl sein?
"Cassandra!"
Ich drehte mich um und rang mir mit einem Seufzen ein tapferes Lächeln ab. "Hey Leute."
Gally umarmte mich fest. Zu fest. Ich versuchte noch mein Wimmern zu unterdrücken, schaffte es jedoch nicht vollends. Erschrocken ließ er mich los. "Was ist, habe ich dir wehgetan?"
Newt und Minho waren nun ebenfalls bei mir angekommen.
"Nein, hast du nicht", antwortete ich leise. "Es tut mir Leid", fügte ich noch hinzu. "Wirklich. Ich..." Erneut musste ich mein Schluchzen zurückdrängen.
Newt sah mich kopfschüttelnd und gequält an. "Was haben sie getan?", fragte er voller Schmerz in der Stimme.
"Nicht was ihr vermutet", sagte ich. "Wirklich nicht. Aber... vielleicht kann man es mit foltern vergleichen. Nur, dass keine Antwort erpresst werden sollte."
"Wo schicken sie dich und Nick hin?", fragte Minho.
"Zu einem Test. Er wird länger dauern ihr..." Ich schluckte krampfhaft. Zwang meine Stimme ruhig klingen zu lassen. "Ihr werdet uns eine Weile nicht sehen."
"Aber wir werden dich wiedersehen, richtig?", fragte Gally, als er mich umarmte – diesmal ganz vorsichtig.
"Ja. Ja ganz gewiss", log ich. "Bereite einen Wiedersehens-Kuchen vor."
"Mache ich, versprochen."
Newt tat es ihm gleich. "Du darfst uns nicht vergessen", wisperte er in mein Ohr.
Alles in mir schrie. Meine sanfte Seele Newt.
"In sechzig Jahren, wenn wir alt sind, mit grauen Haaren und jeder Menge Falten, werden wir auch dieser Situation etwas Gutes abgewinnen."
Nicht, wenn du den Brand hast, lag es mir auf der Zunge. Langsam aber sicher konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten. Newt sah es und legte eine Hand an meine Wange. Gab mir einen festen Kuss auf die Stirn. Gally musste ihn regelrecht von mir weg zerren.
"Wir warten hinten auf dich", sagte er an Minho gewandt. Immerhin einer, der versuchte nicht die Kontrolle zu verlieren.
Als Newt und Gally verschwunden waren, strich Minho die Jacke von meiner Schulter und besah sich die Wunden.
"Woher wusstest du es?", fragte ich leise.
"Die Blutabdrücke... Es war deine linke Hand, also musst du mit ihr versucht haben die Blutungen zu stillen. Und da du nicht hinkst oder so, hast du sie wohl über die Schulter an deinen Rücken gepresst." Er schluckte. Schien die Buchstaben entziffert zu haben.
"Ich bin noch nicht bereits zu wissen was dort steht", sagte ich leise.
"Und ich bin noch nicht bereit dich zu verlieren", erwiderte Minho ebenso leise.
Trotz der Situation musste ich lächeln. Ich konnte nicht anders, als ihn liebevoll anzublicken und meine Hand, wie Newt bei mir eben, an seine Wange zu legen. Minho atmete tief ein. Schluckte erneut. Ich sah seine Wangenmuskeln mahlen.
Ich legte meinen Kopf an seine Schulter. Nur kurz, Nick und die Adligen warteten. Das Labyrinth wartete. Minhos Hand strich über meinen Hinterkopf, während er mich einfach festhielt. "Sie werden dich umbringen", flüsterte er in mein Haar.
"Nein. Das wird Thomas nicht zulassen", widersprach ich sanft. Ich löste mich aus der Umarmung und Minho strich mir eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht. "Deine Haare sind länger geworden", murmelte er. Seine Augen strichen unglaublich traurig über mein Gesicht. "Alles in mir sehnt sich nach dir, Cassy. Und wäre A.N.G.S.T nicht, so würde ich dieser Sehnsucht nachgeben. Zu einhundert Prozent würde ich ihr nachgeben. Aber so... Ich wollte doch nur...", dann brach er erneut ab. "Cassy, ich..." Er ließ den Blick durch den Gang schweifen, ähnlich eines gefangenen Tieres. "Ich bin schlecht in sowas."
Langsam streckte ich die Hand wieder nach seinem Gesicht aus. Trat näher an ihn heran. Eine seiner Hände spannte sich in meinem Rücken. Es fehlten nur noch ein paar Millimeter zwischen unseren Lippen. "Es reicht vorerst wenn du deiner Sehnsucht nur kurz nachgibst", sagte ich.
Dann küsste ich ihn. So sanft und vorsichtig, als hätte ich Glas unter meinen Händen. Für ein paar Sekunden lagen unsere Lippen aufeinander. Ich hatte erwartet unser erster Kuss würde unkontrollierter sein. Voller Hitze und Begehren. Dieser Kuss war jedoch ähnlich einer zarten Blume, die sich zum ersten Mal unter der heißen Sonne öffnete, in dem Wissen womöglich verbrannt zu werden. Doch diese Blume liebe das Licht. Und die Hoffnung. Und den Mut.
Minho löste sich von mir und strich mir eine Träne von der Wange. "Du hast Newt gehört, nicht wahr?", flüsterte er. "Wir sehen uns wieder."
Ich nickte. Meine Tränen tropften auf meine Jacke.
"Probandin Cassandra wird an den Türen erwartet", ertönte eine weibliche Stimme aus den Lautsprechern.
Angst flutete meine Gedanken.
"Ich will", murmelte Minho, "dass du dies hier nimmst." Er legte einen kleinen runden Stein in meine Hand. Er hatte die Farbe der untergehenden Sonne und funkelte, als sei er von tausend Diamanten gespickt. "Meine Mutter hat ihn gefunden, als es noch Meere gab", flüsterte er. "Nimm ihn. Und gib ihn mir zurück, wenn wir uns wiedersehen." Er drückte meine Finger über dem Stein zusammen und küsste noch einmal meine Knöchel.
"Probandin Cassandra zu den Türen!" Die Stimme wurde lauter und  drängender.
Ich entzog Minho meine Hand und drehte mich von ihm weg. Ich spürte selbst ohne ihn zu berühren wie er zitterte und alles in ihm danach schrie mir nachzulaufen. Als ich um die Biegung ging und dort Nick stehen sah, ebenso bepackt wie ich und mit dem gleichen wissenden Ausdruck im Gesicht, fiel eine kleine Last von meinen Schultern. Wann auch immer Minho im Labyrinth ankommen würde, Nick würde dort sein. Ich umarmte ihn. "Pass auf dich auf."
"Du auch, Kleines."
Ich nahm seine Hand und drückte sie. In der anderen lag Minhos Stein.
Die Türen öffneten sich und wir traten hindurch.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast