Du hast mein Herz gestohlen

von Graceland
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Bonifazius Mosca Prosper Riccio Scipio Wespe
06.10.2015
19.10.2015
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06.10.2015 969
 
Eine Freundin hat letztens den Herr der Diebe Film gesehen und da dachte ich, das könnte ich mir auch mal wieder reinziehen. War eine guter Plan, denn die Ideen fliegen mir nur so zu. Ich hoffe es gefällt euch :)
Ich versuche alles nah an den Film anzulehnen, da meine Lovestory genau dazwischen handelt :D

***

Hab ich die Ratten erwähnt?
„Komm zurück, du Dieb!“
Der Ruf tönte durch die leeren, dunklen Gassen Venedigs. Schritte hallten über den nassen Boden. Von den Geräuschen wurde er angelockt.
Wie eine Katze schlich er über die Dächer der Häuser, in denen längst Ruhe eingekehrt war, flog wie ein Vogel über die schmalen Gässchen hinweg. Das hier war seine Stadt. Sein Reich. Es war sein Spiel und seine Regeln.
Unter sich liefen die beiden Jungen. Sie waren schnell. Jedenfalls der Größere von beiden, der den kleinen hinter sich her zog. Doch sie waren hier fremd, das sah er sofort. Der Weg, den der Größere wählte, war unsicher, zögernd. So würde er niemals vor dem wütenden Verkäufer davon rennen können. Und vor allem würde er nie wieder nach Hause finden.
Doch dafür war er ja da. Er glitt an dem Seil zu Boden und benutzte eine seiner vielen Fallen, die er in der ganzen Stadt aufgestellt hatte. Der Verkäufer in dem weißen Kittel fiel zu Boden und blieb benommen liegen. Er würde gleich wieder aufstehen und vielleicht kurz nach Orientierung suchen, aber weiter fehlte ihm nichts. Das wusste er.
So hatte er genug Zeit die beiden Jungen von hier fort zu bringen.
Er beobachtete genau diese jetzt aus der Dunkelheit, wie sie sich unterhielten, verschreckt, frierend, allein, verloren. Obwohl der Größere versuchte mutig vor dem Jüngeren zu sein, der hellblonde Locken wie ein Engel hatte, sah man ihm an, dass er selbst langsam die Hoffnung verlor.
„Du bist müde, die Schatten spielen einem nachts manchmal Streiche.“
Das war sein Stichwort. Mit gelassenen, leisen Schritten trat er nun aus seinem Versteck und musste sich ein Grinsen verkneifen, als die beiden zusammenzuckten vor Schreck.
„Habt ihr euch verirrt?“
„Nein“, antwortete der Dunkelhaarige viel zu schnell, was die Glaubwürdigkeit der Antwort deutlich senkte.
„Ihr seht aber so aus.“
Wie ein Raubtier, das mit seiner Beute spielte. Nur, dass er nicht hier war, um ihnen etwas zu tun. Das würde er nie. Sie waren Kinder. Und die verdienten Schutz. Jeder von ihnen verdiente Schutz.
„Wer bist du? Was willst du?“
„Ich stelle die Fragen, ihr gebt die Antworten“, er ließ den Jungen kaum ausreden, überlegte aber genau, was er sagte.
Jetzt noch musste er den Eindruck machen, als sei er deutlich älter als die beiden.
„Prosper“, stellte sich der dunkelhaarige Lockenkopf dann vor und sah zu dem hustenden Engel, „mein kleiner Bruder Bo.“
„Habt ihr Mami und Papi verloren?“, er legte den Kopf schief und beobachtete die beiden genau, während er vor ihnen auf und ab ging.
„Ja, stell dir vor“, ein Schatten legte sich auf das Gesicht des großen Bruders.
„Dann helf ich euch suchen.“
„Das geht nicht…“, jetzt senkte er den Kopf, „weil sie nicht mehr leben.“
Er seufzte und verschränkte die Arme vor der Brust. Mitleid wuchs in seiner Brust und er war froh, dass seine schwarze Maske seinen traurigen Blick verdeckte. Er musste den Schien waren. Vorerst. So hatte er sie alle auf seine Seite gezogen. Und das einzige, was diese beiden Jungen nun brauchten, war ein Platz zum Schlafen und ein Freund. Und dieser Freund wollte er sein.
„Waisenkinder. Und ihr seid noch so jung.“  
Prosper schlug seine Hand weg, als er diese nach seinem Gesicht ausstreckte. Er hatte ihn natürlich nicht wirklich anfassen, sondern nur seine Reaktion testen wollen. Mutig war er. Und er wollte auch stark sein, für seinen Bruder. Das gefiel ihm. Aber da war noch etwas an diesem Jungen in den alten, weiten Kleidern. Etwas, das er nicht einzuordnen wusste.
Er provozierte den Dunkelhaarigen noch etwas, indem er ihn weiter ausfragte. Und jedes Mal antwortete dieser brav, versteckte immer seinen kleinen Bruder hinter seinem Rücken. Oder eher versuchte es, da der Kleine immer wieder den Kopf hervorstreckte und den schwarzgekleideten Jungen gegenüber mit großen, neugierigen, braunen Augen musterte.
Er war hier her gelockt worden, weil jemand als Dieb beschuldigt worden war. Nun, jeder Dieb war in seinem Haus willkommen. Und nun meinte dieser Junge, er sei keiner?
Gut, das würde sich noch zeigen.
„Ab jetzt wohnen wir hier!“, antwortete Prosper, als er ihm sagte, er solle nach Hause gehen.
Sie hatten also kein zuhause? Wie er erwartet hatte. Kein Geld. Keine Unterkunft. Keine Familie. Nur sie zwei.
„Mach dich nicht lächerlich. Weißt du, was hier passiert, wenn es dunkel ist?“, er machte eine Pause, in der er weiter auf die beiden zuging, „Dinge, die Kinderaugen niemals mit ansehen dürfen.“
„Wir haben keine Angst“, meldete sich zum ersten Mal der Kleinere zu Wort und seine Stimme war so weich und engelgleich, wie seine Haare und sein Blick.
Sie hatten Angst, das konnte er sehen. Er hatte sie schon auf seiner Seite. Nur wussten sie das noch nicht.
„Keine Angst? Bist ein richtiger kleiner Tiger, was?“
Oh, das konnte der Kleine ganz bestimmt nicht sein. Aber irgendwie musste er sie ja von diesem schrecklichen Ort wegbringen. Besonders, da der Blonde wieder zu zittern begann und sein Husten sich nicht gut anhörte. Medizin hatten sie sicher noch in seinem Versteck. Aber die beiden hatten gar nichts.
„Wir haben weder Angst vor dir, noch vor diesem Ort“, sagte Prosper, als wäre er genau da, wo er sein sollte.
„Dann kommt“, er wandte sich zum Gehen, „ich bring euch in Sicherheit. Hier lang. Oder schlaft ihr lieber in dunklen, feuchten Hauseingängen?“
Bevor er ihnen den Rücken zuwandte, sah er im Augenwinkel, wie sich der blonde Engel hinter seinem Bruder hervor kämpfte. Ein Lächeln huschte über sein verborgenes Gesicht.
„Hab ich schon die Ratten erwähnt?“ 
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