In den Fängen der Tausendfüssler

KurzgeschichteDrama, Tragödie / P16
05.10.2015
05.10.2015
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Aaaaalso... ich hab mir so Gedanken darüber gemacht, warum Kanan sich vor Gonous Augen abgemurkst hat und DAS ist irgendwie im Zuge einer anderen Geschichte dabei herausgekommen. Um dem ganzen ein Gesicht zu geben, hab ich meine Theorie niedergeschrieben.
Vorsichtig Blut, Psycho-Spielchen...ehm, Tragik?

Viel... Spaß?

_____


"Du hast wirklich Kampfgeist, das muss man dir lassen... Die Untergebenen mussten einiges an Kraft aufbringen um dich hier her zu bringen", schnurrte der Dämon ihr durch die Gitterstäbe entgegen, graue Augen betrachteten sie unverwand, "Du sollst sogar einen von ihnen mit einem Küchenmesser getöten haben... Sehr beeindruckend."

Sie sah durch ihre grünen Iren hasserfüllt in sein lächelndes, blasses Gesicht und presste sich gegen die Zellenwand in ihrem Rücken, deren Kälte bis in ihre Knochen vordrang, blieb allerdings stumm.

"Ich habe gehört, dass du einen Liebsten hast", ihre Augen verhärteten sich bei dem belustigten, aber denoch neugierigen Klang seiner Stimme, "Wird er kommen um dich zu retten? Oder wird er ein neues Leben beginnen, jetzt da eure sündhafte Beziehung ein ehes Ende gefunden hat?"

Ihre Hände ballten sich an ihren Körper gepresst zu Fäusten. Sie biss sich auf die Unterlippe, um sich daran zu hindern etwas zu entgegnen und schmeckt bald Blut auf ihrer Zunge.

"Du willst nicht mit mir reden? Das verletzt mich zutiefst, wo ich doch extra den weiten Weg hier herunter auf mich genommen habe, um dir Gesellschaft zu leisten", das Lächeln auf seinen dünnen, blassen Lippen wurde breiter bis sie die Zähne dahinter erkennen konnte - nichts an dieser Geste sprach von Freundlichkeit oder Mitgefühl, sondern von einer sadistischen Freude.

Sie gab keinen Ton von sich.

"Ich frage mich wie er aussieht...", überlegte der Dämon laut, kam etwas näher an die Gitterstäbe heran und setzte sich auf einen einzelnen, hölzernen Stuhl zirka zwei Meter entfernt von ihrer Zelle, "Teilt ihr die gleiche Augenfarbe? Ist sein Haar eben so dunkel und voll? Trägt er sie lang oder doch kurz?"

Sie bemühte sich nicht auf seine Fragen zu reagieren, aber er schien durch sie hindurch sehen zu können, wie durch Glas und alle Antworten zu erkennen, die er erfahren wollte. Fast so als wäre sie eine blankgeputzte Scheibe durch welche er in ihr Innerstes sehen konnte.
Sein Fragespiel ging weiter und weiter bis ihm die Lust verging oder er genug Informationen hatte, die er verwerten konnte - was davon zutraf wusste sie nicht. Jedenfalls verließ er sie nach einer halben Ewigkeit und kam nicht mehr zurück.

Stattdessen kamen andere Dämonen, die sie unter Geschrei und Tränen aus ihrer Zelle zerrten und in ein Schlafgemach sperrten, welches als eine weitere ihrer zukünftigen Folterkammern dienen sollte.
Was dieses Monster mit ihr anstellte, war mit nichts zu vergleichen, dass sie mit ihrem lieben, sanften und rücksichtsvollen Bruder geteilt hatte.

Als das Ungetüm mit ihr fertig war, fühlte sie sich schmutzig und unwürdig jemals wieder Hand an ihren Geliebten zu legen. Sie wurde zusammengeflickt und wie ein kaputtes Spielzeug wieder in die Zelle zurück gebracht. Dort kauerte sie sich trotz der Schmerzen, die sie verspürte, zusammen und dachte an ihren Geliebten mit seinen schönen Händen, seiner sanften Stimme und seinem süßen Lächeln.


Als sie wieder aufwachte, befand sie sich trotz aller Hoffnungen noch immer in der Zelle, doch jemand stand vor den Gitterstäben und betrachtete sie aus Augen, die genauso grün waren wie ihre.

"Gonou?!", rief sie erleichtert aus und krabbelte in ihrer Hast auf allen Vieren an die Eisenstäbe, welche sie von dem Neuankömmling trennten und schlang ihre zarten Finger um das grobe Metall, "Gonou, du bist gekommen! Du-! Gonou...?"

"Das ist also sein Name?", der Dämon trat aus einem der unzähligen umliegenden Schatten heraus und beäugte ihren Bruder eingehend von oben bis unten, ehe er die blasse Wange tätschelte und sich zu ihr wand, "Ich dachte nicht, dass es so einfach werden würde... Sieht mein Shikigami ihm wirklich so ähnlich?"

Kaum hatte der Dämon zu ende gesprochen, erkannte Kanan nach und nach die Unterschiede zwischen ihrem Geliebten und der Gestalt vor sich. Die Nase war zu spitz, die Haare um einpaar Nuancen zu hell, die Schultern waren zu breit und die Farbe der Augen, die beim ersten Blick genau richtig gewirkt hatte, war zu dunkel. Hinzu kam, dass dieses... Wesen emotionslos durch sie hindurch sah.
Ihr Liebster blickte niemals an ihr vorbei, niemals!
Sie wand sich angewidert um und entfernte sich von dem Ungetüm, dass ihr einen Moment Hoffnung gegeben hatte.

"Er ist also noch nicht komplett... das lässt sich ändern", erklang die Stimme des Dämons und sie richtete ihren Blick zu ihm zurück.

Mit Schrecken sah sie mit an, wie seine Krallen durch das vermeintliche Fleisch glitten und die Gestalt ohne einen Mucks von sich zu geben vor ihren Augen zerbröselte. Auch wenn es sich nicht um ihren Geliebten handelte, so hatte der Shikigami doch genug Ähnlichkeit mit ihm besessen um das Blut in ihren Adern bei dem Anblick gefrieren zu lassen.
Das erstickte Aufkeuchen, dass über ihre Lippen glitt, konnte sie nicht aufhalten.
Sie sendete ein Stoßgebet in den Himmel, dass ihr geliebter Bruder sie vergessen und ein neues Leben ohne sie anfangen möge.


Während ihrer Zeit in Gefangenschaft erschuff der Dämon einen Shikigami nach dem anderen, die jedes Mal weniger Fehler aufwiesen, und stellte ihr jeden davon mit einer sadistischen Freude vor.

Eines Tages sprach einer sogar mit ihr und sie wusste, dass sie diesem Wahnsinn nur entkommen konnte, wenn sie ihrem Leben ein Ende bereitete.

Als der Dämon ihren Geliebten perfektioniert hatte, begann er die folgenden mit Wunden zu entstellen - tiefe Fleischwunden, abgetrennte oder gebrochene Gliedmaßen, herausgerissenen Augen oder Klingen, die sich durch den Körper bohrten. Sie hatte Angst vor jedem neuen Schreckensbild, aber weg zu sehen erlaubte sie sich nicht, in der Hoffnung ihren geliebten Gonou zu erkennen.
Doch er kam nicht.

Nachdem das Monster in dem Schlafgemach ihrem Körper die Schande seines Blutes zu Teil werden hatte lassen, hörten die Besuche der Shikigami für eine Weile auf.


"Kanan! Bist du hier?", erklang eine Stimme einpaar Tage später von der Treppe her, die sie aufsehen ließ - wie unzählige Male zuvor.

"Gonou...?", fragte sie denoch hoffnungsvoll und begutachtete die Gestalt, welche die Stufen herabstieg, ihre Finger um die mittlerweile vertrauten, groben Eisenstangen geschlungen, "Go...nou? Bist... bist du es... mein Gonou?"

"Du lebst! Ich bin so froh!", er kniete sich zu ihr herunter und griff durch die Metallstäbe nach ihr. Das hatte vorher noch kein Shikigami getan - hieß das, dass es sich tatsächlich um ihren Liebsten handelte?

"Du blutest...", murmelte sie mit Schrecken und legte eine Hand an seine blutige Wange, "Was tust du hier?"

"Es tut mir leid, was du alles erdulden musstest", flüsterte er ihr zu und presste sie trotz der Barriere, die sie voneinander trennten, an sich - da entdeckte sie aus dem Augenwinkel den Dämon und ließ all ihre Hoffnungen fallen, "Lass uns nach Hause gehen, Kanan! Ich werde dich beschützen..."

Sie entdeckte das Messer an seiner Hüfte und bereitete sich innerlich auf den letzten Schritt vor. Ihre Lider schließend sog sie seinen Duft in sich ein und ließ sich kurz von seiner Wärme täuschen, dann atemte sie aus und ließ die Worte über ihre Zunge rollen, welche sich nur an ihren echten, wahrhaftigen Gonou richtete, "...es ist zu spät. Gonou", zwang sie sich den Namen ihres Liebsten aus zu sprechen.

Der Shikigami sah sie aus dem unverletzten Augen verständnislos an, "Kanan?"

Sie griff nach der Klinge an seiner Hüfte und entfernte sich von dem Ebenbild ihres Geliebten.

"Was machst du...?", er schaute sie mit so einem Blick an, dass es ihr das Herz zusammen zog.
Hinter der kniehenden Gestalt kaum erkennbar in der Düsternis grinste der Dämon.

Sie schloss ihre Augen und stellte sich vor ihren über alles geliebten Gonou vor sich zu haben, "In diesem Bauch trage ich das Kind dieses Monsters... deshalb...", sie konnte die Tränen über ihre Wange rollen spüren und zwang sich für ihren Liebsten ein allerletztes Lächeln ab, "Auf Wiedersehen, Gonou!"

Noch während sie zum Stich ausholte hörte sie wie die Kreatur herzzerreißend ihren Namen rief, doch sie spürte keine Reue, als sie das Messer durch ihre Bauchhöhle rammte und sich aus diesem furchtbaren Albtraum befreite.

Das Letzte, dass sie sah, waren die Tränen, welche dem Shikigami über die Wangen liefen, sein entsetzter Gesichtsausdruck und das breite Grinsen des Dämons, der aus dem Schatten trat.
Sie konnte sich nur ein Lächeln abringen.

Endlich war sie frei.

_____


Okay, das ist also meine Theorie, über die Geschehnisse vor Gonou´s Ankunft und Kanan´s Grund sich abzumurksen.
Hauptsächlich kam ich auf die Idee, weil Chin Yisou einen Goku Shikigami hergestellt hat. Natürlich kam mir die Idee nicht sofort, sondern erst Jahre nachdem ich das Kapitel zum ersten Mal gelesen hatte.

See ya!
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