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Blaue Augen

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
05.10.2015
30.10.2015
8
20.749
 
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05.10.2015 2.074
 
Bevor es losgeht, wie immer der Verweis auf das Zirpische Gestz: Ich zeichne keine Biographien nach, zum Schutze der Privatsphäre der Protagonisten. Don't like, don't read ;) Des weiteren leihe ich mir alle Profiköche, sowie Steffen Henssler nur zum spielen aus, und gebe sie hinterher unversehrt wieder zurück. Julia und Pia, die OC's gehören Juli Malfoy und mir :)

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Julia saß nachdenklich an der Elbe. Sie hatte ihre High Heels ausgezogen, und suchte nun im kühlenden Wasser Linderung für ihre geschundenen Füße. Dass man sich für ein Vorspiel aber auch derart aufbrezeln musste. Eigentlich war sie ja Fashionista durch und durch, und sie liebte Modezeitschriften, aber diese Schuhe waren ihr persönliches Waterloo! Sie hatte gerade die Aufnahmeprüfung an der Stage Music School abgelegt, und wartete nun sehnsüchtig auf den alles entscheidenden Anruf.
Sie fuhr sich müde durch ihr kurzes, blondes Haar, und ihre eisblauen Augen fielen ihr fast zu. Vier Stunden lang war sie von Prüfung zu Prüfung gerannt. Von Klavier über Gesang bis hin zu Tanz. Da dies aber ihre Paradediszplinen waren, hatte sie eigentlich ein ganz gutes Gefühl bei der Sache. Sie fummelte ihr Handy aus ihrer Tasche und schrieb ihrer Freundin Pia, die sehnsüchtig auf eine Nachricht wartete.

„Mrs.Germany: Prüfungen sind gut gelaufen, warte nur noch auf Nachricht von der Schule, Liebe Grüße, Juli“
Die Antwort ließ auch nicht lange auf sich warten.
„PiaE: Wenn die dich nicht nehmen, sind sie schön blöd. Melde dich, sobald du etwas neues weißt :*“

Julia verstaute das Handy wieder in der Tasche, und zog ihre Füße aus dem Wasser. Die Schuhe würde sie nicht mehr anziehen, was bedeutete, dass sie barfuß durch halb Hamburg laufen müsste. Aber angesichts der Schmerzen, die alleine schon durch den Gedanken an diese Treter ausgelöst wurden, erschien ihr das die angenehmere Lösung.
Sie war gerade ein paar Meter gelaufen, als sie eine riesige Wasserblase an ihrem kleinen Zeh entdeckte. Na wunderbar, konnte es heute noch beschissener laufen? Da prallte sie mit jemandem zusammen. Es konnte also offensichtlich wirklich noch beschissener werden, dachte sie bei sich. Sie murmelte eine Entschuldigung, und wandte sich zum weitergehen, als sie ihr Gegenüber vorsichtig am Arm festhielt. „Das kann ich ja leiden. Erst rempelst du mich an, und dann willst du einfach abhauen, ohne dass ich dich nach deiner Nummer fragen kann!“ Julia hob den Blick und sah in tiefblaue Augen. „Nummer?“ stammelte sie. Der junge Mann, der vor ihr stand, schenkte ihr ein breites Grinsen. „Immerhin wird man nicht jeden Tag von so einer Schönheit angerempelt“, erwiderte er. Julia gab sich geschlagen. Sie war erst vor kurzem von ihrem Exfreund Mario schändlich betrogen worden, und hatte eigentlich keine Lust auf Dates oder ähnliches, aber dieser Kerl sah einfach unverschämt gut aus. Er war schätzungsweise 1,85 groß, hatte rotblondes, kurzes Haar, die eben schon bemerkten tiefblauen Augen und einen Dreitagebart. Und das verschmitzte Grinsen nicht zu vergessen.
„Okay, du hast gewonnen. Ich heiße Julia. Und wenn du mir dein Handy gibst, speichere ich dir meine Nummer schnell ein. Oder wir vertagen das auf nachher. Da vorne gibt es ein kleines Cafe, das wäre doch ein Anfang?“ Der rotblonde schaute sie irritiert an. Er war wohl derart offensive Frauen nicht gewohnt? Er reichte ihr seine Hand. „Einverstanden. Ich bin übrigens der Nils. Was hat dich denn an die Elbe verschlagen? Du wolltest doch hoffentlich nicht ins Wasser gehen?“ Die blonde junge Frau gluckste. „Nein, das hatte ich nicht vor.“ Sie zeigte mit Leidensmine auf die Schuhe, die sie in der Hand trug. Nils lächelte schief. „Dass ihr Frauen euch aber auch immer so quälen müsst mit diesen Teufelsdingern!“ „Naja, ich hatte meine Aufnahmeprüfung an der Stage Music School. Da kann ich nicht im Bauarbeiter-Look erscheinen.“ „Ich glaube, selbst in dem würdest du noch eine gute Figur machen.“ Sie waren an dem kleinen Cafe angekommen, und Julia ließ sich mit einem Seufzer der Erleichterung auf einen der Stühle sinken. „Meine beste Freundin hat auch schon gemeint, ich wäre total bescheuert. Aber sie ist eher so der sportliche Typ. High Heels würde sie nur unter Androhung von Gewalt anziehen“, grinste die junge Fränkin. „Deine Freundin ist mir jetzt schon sympathisch“, meinte Nils. „Ja, sie ist auch eine Liebe. Das Problem bei ihr ist nur, dass sie einfach keinen Mann findet.“ „Hast du mal ein Foto von ihr? Ein Kollege von mir ist frisch geschieden, vielleicht wäre sie ja etwas für ihn?“ Julia rümpfte die Nase. „Sind wir hier auf dem Heiratsmarkt? Aber ich zeige sie dir.“ Sie klickte auf ihrem Handy herum, und zeigte dem rotblonden ein Foto von Pia. Dieser grinste. „Die ist original Andis Kragenweite!“ „Ich dachte, das hier wäre so etwas wie ein Date, und keine Verkupplungsaktion?“ Nils legte entschuldigend seine Hand auf Julias Arm. „Hast ja recht. Lass‘ uns bestellen.“ Die beiden saßen noch lange zusammen, und verstanden sich ausnehmend gut. Als es schon dämmerte, beschloss Julia, dass es Zeit wäre, ins Hotel zurück zu kehren. „Nils? Ich glaube es wird Zeit für mich. Heute war ein langer Tag, und ich fühle mich mies, weil ich noch keinen Rückruf bekommen habe.“ Der rotblonde nickte verstehend. „Lass‘ mich dich wenigstens begleiten. Nicht, dass du unterwegs noch entführt wirst?“ Julia zwinkerte kokett. „Der würde mich nach fünf Minuten wieder zurückbringen.“ „Gut für mich“, neckte Nils sie.
Da klingelte ihr Handy. „Hartmann?“ „Maier von der Stage Music School hier.“ Julia riss ihre Augen auf, und bedeutete Nils, kurz stehen zu bleiben. „Wir wollten ihnen mitteilen, dass sie ab dem kommenden Semester eine Schülerin bei uns sind. Herzlichen Glückwunsch!“ „Ähm….danke! Da freue ich mich aber!“ „Sie bekommen in den nächsten Tagen Post von uns, da steht dann alles ganz ausführlich. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen noch!“ „Ihnen auch!“ Julia legte auf, und quietschte auf. Danach fiel sie Nils begeistert um den Hals. Der erwiderte die Umarmung direkt. „Ich gehe davon aus, dass die Schule dich angenommen hat?“ Als Julia wieder bei sich war, und feststellte, dass sie den hübschen jungen Mann einfach umarmt hatte, wurde sie puterrot. „Ja hat sie. Entschuldige bitte, aber ich könnte gerade zerspringen vor Freude! Das war schon immer mein Traum!“ Nils lachte. „Da gibt es nichts zu entschuldigen. Darf ich dich dann zur Feier des Tages zum Essen einladen?“ Die Blonde nickte. „Jetzt merke ich erst, was für einen Hunger ich habe!“ Der junge Koch nahm sie bei der Hand. „Ich habe da eine Idee. An meinem freien Abend habe ich keine Lust, in mein eigenes Restaurant zu gehen-lass‘ uns meinem Kollegen Ole einen Besuch abstatten!“ „Ist das so ein Sternetempel?“ fragte Julia beunruhigt. Nils lachte schallend. „Um Himmels Willen! Ole und seine Frau sind sehr unkonventionell, die lassen dich auch barfuß rein!“ Die junge Frau seufzte erleichtert. „Sehr gut.“ Sie ließ sich bereitwillig durch die Stadt führen, bis sie vor einem urgemütlich wirkenden Restaurant standen. Es hieß „Olsen“. Nils hielt ihr charmant die Tür auf. „Nach ihnen, Mylady!“ Julia trat ein, und war sofort begeistert. Das Restaurant war tatsächlich unkonventionell eingerichtet, aber mit viel Herz und Charme. Da kam eine hübsche Brünette auf sie zu. „Nils, das freut mich aber, dass du mal wieder vorbeischaust!“ Herzlich umarmte sie den Kollegen ihres Mannes. „Und wer ist deine hübsche Begleitung?“ Julia streckte ihr die Hand entgegen. „Ich bin Julia.“ Beate umarmte sie jedoch auch direkt. „Ich bin Beate Plogstedt, einer der beiden Chefs hier, aber du kannst gerne du und Bea sagen. Wäre mir sogar lieber, sonst fühle ich mich steinalt. Wobei, das bin ich ja, immerhin werde ich bald Oma!“ plapperte sie munter drauflos.
Sie führte sie an einen kleinen Ecktisch, und legte ihnen die Speisekarten hin. Nachdem sie die Getränkebestellung aufgenommen hatte, verschwand sie in Richtung der Theke. Kaum war sie verschwunden, tauchte ein großer dunkelhaariger Mann vor ihnen auf. „Moin, Nils! Hättest ja mal anrufen können!“ An Julia gewandt meinte er „Ich bin Ole, Nils‘ Kollege und Freund. Und du bist seine Freundin?“ Die Fränkin lachte. „Neugierig san sie aber ned?“ Ole schaute sie entrüstet an. „Wenn überhaupt heißt das: Neugierig bist du aber ned? Und ja, das ist mein chronisches Leiden.“ „Kenne ich von meiner besten Freundin. Aber nein, ich bin nicht Nils‘ Freundin. Das hier ist quasi unser erstes Date.“ Der dunkelhaarige schaute verzückt drein. „Oh, zwei Turteltäubchen, wie romantisch! Nils, ich sage dir jetzt schon: Dieses Mädel gefällt mir besser als Ella!“ Damit verschwand er. „Ella?“ „Meine Ex. Sie hat mich vor einem halben Jahr sitzen lassen. Wegen Tim Mälzer. Glaubt man das?“ Julia schüttelte den Kopf. „Ich war ihr nicht prominent genug. Diese blöde Kuh! Aber ich bin darüber hinweg.“
Kurt darauf kam Beate mit den Getränken. „Hat Ole euch schon ins Kreuzverhör genommen?“ lachte sie. Nils nickte bestätigend, und die beiden gaben ihre Bestellungen auf. Eine halbe Stunde später stand das Essen vor ihnen. Julia begann, mit großer Begeisterung zu essen. „Mei, hab ich einen Hunger g’habt!“ posaunte sie begeistert los. Nils lachte. „Praktisch, wenn man eine Frau mit so einfachen Mitteln glücklich machen kann!“ Die Blondine ließ sich davon allerdings nicht beirren, und aß unbekümmert weiter. Da fiepte ihr Handy erneut.
„PiaE: Gibt es schon was Neues? Es ist fies, so auf die Folter gespannt zu werden!“
Julia grinste und tippte direkt eine Antwort:
„MrsGermany: Hab den Platz, ein Date und nen Mann für dich :P Alles weitere morgen :*“
Nils hatte ihr beim Tippen über die Schulter gesehen. „Wir haben ein Date?“ meinte er amüsiert. „Oder doch nicht?“ fragte Julia irritiert. „Doch, eigentlich war es tatsächlich so ausgelegt.“ Er strich ihr mit einem Finger vorsichtig über die Wange, und Julia spürte, wie ihr heiß und kalt wurde. Sie bekam eine leichte Gänsehaut, und erschauerte vorsichtig. Nils beugte sich nun vollends zu ihr und küsste sie vorsichtig. Sie erwiderte, und so wurde aus dem zunächst zaghaften Kuss mehr. Minutenlang waren sie in ihrer eigenen Welt versunken, und bekamen vom Restaurantbetrieb um sie herum nichts mehr mit. Erst das wilde Klatschen und Johlen von Ole und Beate holte sie zurück in die Wirklichkeit. Sie lösten sich von einander und Julia lief direkt rot an, als sie in die amüsierten Gesichter des Ehepaars Plogstedt blickten. „Ihr seid ja zwei. Wir sind hier doch kein Stundenhotel!“ spöttelte Ole. „Dir gebe ich gleich Stundenhotel, Opa!“ brummte der rotblonde Jungkoch unwirsch. Daraufhin streckte ihm der ältere die Zunge heraus. Beate gab ihrem Mann einen Klaps auf den Hinterkopf. „Ole Plogstedt, wirst du wohl aufhören, die jungen Leute zu ärgern? Was soll Julia denn von uns denken?“ Diese lachte nur. „Ach, das kenne ich von meinen Eltern, die necken mich auch immer. Und gegen die seid ihr beiden harmlos!“ Nils‘ tiefblaue Augen blitzten belustigt auf. „Noch schlimmer wird es aber, wenn du auf Fo triffst, glaub mir. Der hat sich noch mehr als der da“, er zeigte genervt auf Ole, „auf die Fahne geschrieben, so etwas wie mein Vaterersatz zu sein. Meine Mutter lebt auf Fuerteventura, und ich sehe sie nur 3x im Jahr. Deswegen meinen Ole und Fo, sie müssten meine Eltern spielen.“ Ole rollte mit den Augen. „Du brauchst aber auch Babysitter. Sonst hätte dich die hübsche Kellnerin beim letzten Dreh direkt in das Kühlhaus verschleppt.“ Nils prustete los. „Ja, die war wirklich leicht penetrant. Ich bin erst aus der Nummer wieder herausgekommen, als ich ihr versichert habe, schwul zu sein, und rettungslos in Andi verliebt.“ Ole wurde von einem Lachkrampf geschüttelt. „Andi hat aber zum Glück mitgezogen. Aber wenn ihr euch noch einmal „Schätzchen“ nennt, komme ich um. Ehrlich!“ Julia musste sich beide Hände vor den Mund halten, um nicht laut los zu lachen. „Schätzchen? Und ich dachte, du wolltest diesen Andi meiner besten Freundin andrehen?“ Ole starrte Nils an. „Du weißt aber schon, dass Andi der Frauenwelt abgeschworen hat?“ „Na und, ich doch eigentlich auch. Aber du siehst, es hat nicht funktioniert.“ Er küsste Julia erneut.
Als sie bezahlt hatten, verließen die beiden das Olsen, und Nils begleitete Julia zu ihrem Hotel. Als sie vor dem Gebäude angekommen waren, kratzte er sich verlegen am Hinterkopf. „Danke für den schönen Tag mit dir. Ich..ähm, ich würde dich wirklich gerne wiedersehen. Und du schuldest mir ohnehin noch deine Nummer.“ Julia lachte. „Dann gib mir dein Handy, damit ich sie einspeichern kann.“ Nils reichte ihr das Handy und sie tippte vergnügt ihre Nummer hinein. „So, jetzt habe ich meine Schulden beglichen, würde ich sagen. Ich würde mich freuen, von dir zu hören.“ Sie küsste ihn sanft auf die Wange, und war mit einem koketten Zwinkern im Hotel verschwunden.
 
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