Ahkmenrah, König der Ägypter

von Eldariel
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 Slash
Ahkmenrah Kahmunrah Larry Daley
04.10.2015
28.05.2016
12
17.481
5
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
04.10.2015 2.150
 
Ein Geräusch ließ ihn erstarren. Vorsichtig schaute der Pharao sich um, doch es war nichts zu erkennen. Er ging langsam weiter, bis er schließlich den Ursprung des Geräusches fand. Augenblicklich entspannte sich Ahkmenrah. Es waren nur Teddy und Sacagawea. Sie hielten sich an den Händen und redeten leise. Der Ägypter sah, dass Teddy ausversehen gegen etwas gestoßen war, was dann wohl das Geräusch verursacht hatte. Ahkmenrah lächelte, glücklich für die beiden, doch kurz darauf verblasste sein Grinsen. Er presste die Lippen zusammen, sah zu Boden und wandte sich dann ab, seine Hände klammerten sich an seine Tafel. Er wusste, was die beiden teilten. Er kannte das Gefühl. Der Pharao schloss die Augen und holte tief Luft. Er wollte nicht daran denken, doch je mehr er sich gegen seine Erinnerungen wehrte, desto schneller und heftiger kamen sie zurück. Und kurz darauf befand er sich wieder in Ägypten, vor 4000 Jahren…

4000 Jahre früher

Ahkmenrah atmete tief durch. Neben ihm stand Kahmunrah, sein vierzehn Jahre älterer Bruder. Heute wollten seine Eltern verkünden, wer der Thronerbe werden würde. Und das was Ahkmenrah. Ja, er, Ahkmenrah, der jüngere Sohn des Pharaos Merenkahre. Er, der er erst sechszehn war. „Nervös?“ Der junge Prinz zuckte bei Kamunrahs gehässigem Ton zusammen. Es schmerzte. Vor nicht allzu langer Zeit waren sie sich sehr nah gewesen. Zumindest dachte Ahkmenrah das. Doch seit ungefähr drei Jahren distanzierte Kahmunrah sich von ihm. „Bitte, Kah, ich wollte das nicht!“, flehte Ahkmenrah seinen älteren Bruder um Verständnis an. Doch dieser schnaubte nur. „Spar dir deinen Atmen.“ „Kahm-“ „Ich sagte: SPAR DIR DEINE WORTE!“ Ahkmenrah verstummte und sah seinen Bruder traurig an. „Wie du wünscht.“ Plötzlich flog die Tür auf und eine Dienerin lief hinein. „Der Pharao wünscht Euch zu sehen, Prinzen Ägyptens.“ Kahmunrah spannte sich an und Ahkmenrah seufzte erleichtert. „Danke.“, sagte er. Die Dienerin verbeugte sich tief, während die beiden Brüder an ihr vorbei gingen. Schweigend schritten sie zu den Gemächern ihres Vaters. Eine ungemütliche Stille machte sich zwischen ihnen breit und Ahkmenrah war froh, als sie endlich ankamen. Ein Diener spielte leise auf der Harfe, doch in dem Moment, als die Prinzen eintraten, hörte er auf, verbeugte sich tief und ging. „Vater, du riefst uns?“, fragte Kahmunrah steif. Merenkahre drehte sich um und lächelte. „Ja, das tat ich.“ Er stützte sich auf seinen Stab und musterte seine Söhne. „Ich fürchte, ich habe nicht mehr lange zu leben.“ „Vater, sag so etwas nicht!“, rief Ahkmenrah aus. Der Pharao zuckte mit den Schultern. "Ich fürchte, dem ist so. Ich werde bald dem Volk meinen Thronfolger verkünden, der am Tag meines Todes meinen Platz übernimmt.“ Er sah seinen jüngeren Sohn an. „Vater, es ist immer noch Zeit, es sich anders zu überlegen. Kahmunrah ist der bessere Phara-“, versuchte es dieser „Wer besser ist und mir nachfolgen wird, bestimme ich. Und der Thron gebührt dir, Ahkmenrah.“, erwiderte Merenkahre. „Ist dem wirklich so?“, fragte Kahmunrah eisig. „Ahkmenrah ist schwach. Ägypten braucht einen starken Führer. Und einen, der erfahren ist. Ein Sechszehnjähriger ist viel zu jung.“ „Ich wurde mit zwölf Pharao.“, erwiderte der Pharao scharf. „Du bist zu blutrünstig und Kriegssüchtig, um Herrscher über dieses Land zu werden, Kahmunrah. Und jetzt-“ Die Tür zum Gemach flog auf und eine Dienerin stürmte herein. „Schnell!“ Sie japste nach Luft. „Es ist Eure Gemahlin, mein Pharao. Sie- sie liegt im Sterben.“ Sie taumelte nach hinten und versuchte, Luft zu bekommen. „Du wagst es, so mit uns zu sprechen?“ Zornig zog Kahmunrah sein Sichelmesser und warf die Dienerin auf den Boden. Hastig stellte Ahkmenrah sich vor sie. „Bruder, bitte. Sie ist nicht schuld an dem. Hast du nicht gehört, was sie gesagt hat? Mutter liegt im Sterben!“ „Geh mir aus dem Weg! Oder ich töte dich ebenfalls!“ Die Dienerin schnappte nach Luft. Ahkmenrah zog sein Schwert. „Versuche es ruhig, Bruder.“, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen. „Genug!“, rief Merenkahre und hob seinen Stab. Die Prinzen spürten die Macht, die von ihm ausging und steckten ihre Waffen weg. „Ahkmenrah, du wirst den Thron besteigen. Dein Wohl kann nicht von einer einzigen Frau abhängen. Und Kahmunrah,“ Die Stimme des Pharaos wurde scharf. „Womit du drohst ist Brudermord. Ein weiterer Grund, weshalb Ahkmenrah so viel besser für den Thron geeignet ist als du, vor allem mit seiner Tafel an der Seite.“ „Gib mir die Tafel, Vater, und ich könnte großes bewirken.“, erwiderte Kahmunrah. „Dinge, zu denen Ahkmenrah nicht einmal zu träumen wagt!“ „Das reicht! Wachen!“ Zwei Wachen kamen herein. „Sperrt ihn weg, bis ich den Befehl aufhebe.“, befahl Merenkahre mit zorniger Stimme. Wortlos taten die Wachen wie befohlen. Ahkmenrah reichte der Dienerin währenddessen seine Hand und half ihr auf. „Verzeih meinen Bruder.“, murmelte der junge Prinz. Erst jetzt bemerkte er ihre Schönheit. Anders als alle anderen trug sie keine Perücke, sondern ihr echtes dichtes schwarzes Haar. Es war zu einer kunstvollen Frisur nach hinten gesteckt. Ihre klaren blauen Augen waren wunderschön. Und ihr weißes Kleid betonte ihre weibliche Figur. Ahkmenrah blinzelte schnell und besann sich seiner Herkunft. Als zukünftiger Pharao sollte er nicht starren. Er bemerkte, dass sie immer noch seine Hand hielt. Eilig ließ die Dienerin seine Hand los. „Ihr solltet Eure Mutter nicht warten lassen.“, murmelte sie. Ahkmenrah nickte. Dann fragte er: „Wie heißt du?“ „Malayka“, antwortete sie. Der Prinz lächelte. „Führe mich und Vater zu Shepseheret, Malayka.“ Malayka verbeugte sich und ging los.

Natürlich kannten sie den Weg zu den Gemächern der Frau des Pharaos. Doch Ahkmenrah wollte, dass Malayka mit ihnen ging. Er ging auch immer in Hörweite, damit Merenkahre ihn nicht zur Rede stellen konnte. Und er war noch nicht bereit, darüber zu reden. Malayka öffnete die Tür und der Pharao und der Prinz traten ein. Shepseheret lag in ihrem Bett, Schweißperlen auf der Stirn und sie hatte eine unnatürlich blasse Haut. „Mutter!“, rief Ahkmenrah erschrocken, alles andere vergessend und rannte zu ihr hin. Er stieß den Diener, der die Stirn seiner Mutter mit einem nassen Lappen befeuchtete, weg und übernahm dessen Aufgabe. „Ahkmenrah“ Der Prinz erschrak über die schwache Stimme. „Mutter“, flüsterte er. Shepseheret öffnete die Augen und musterte ihren jüngsten Sohn. Ihre Hand tastete nach seiner und Ahkmenrah ergriff sie. „Du wirst ein weiser Pharao sein.“, flüsterte sie. Nein, dachte Ahkmenrah, sprich noch keine Abschiedsworte. „Es muss doch irgendetwas geben, dass dich retten könnte!“ , rief er verzweifelt. Ein schwaches Lächeln erschien auf Shepseherets Lippen. „Nein, Sohn, meine Zeit ist gekommen.“ „Nicht unbedingt.“, meldete Merenkahre sich auf einmal zu Wort. „Es gibt noch eine Möglichkeit.“ Er sah seinen Sohn an. „Meine Tafel.“, murmelte dieser. „Ich bin gleich wieder zurück!“ Ahkmenrah sprang auf und rannte in sein Zimmer. Dort bewahrte er sie auf, versteckt in einem Geheimfach unter seinem Bett. Sein Lehrer, Magister Jakup, war der einzige, der außer ihm wusste, wo sie lag. Nicht einmal Ahkmenrahs bester Freund Nesim wusste von dem Verbleib der Tafel. Der junge Prinz bestaunte die Tafel wie jedes Mal, wenn er sie anschaute. Doch er rief sich schnell in Erinnerung, weshalb er eigentlich hier war und machte sich wieder auf den Weg zurück. „Vater“, rief er. Merenkahre drehte sich um, sein Gesicht drückte Erleichterung aus. „Nutze die Tafel, Ahkmenrah. Doch beeile dich, die Zeit ist gegen uns.“ Der junge Prinz holte tief Luft und fing an, Worte aufzusagen. Worte, die keiner kannte und ihm erst jetzt in den Sinn kamen. Auf einmal begann seine Tafel an zu glühen. Ahkmenrah lachte auf vor Glück. Es wirkte! Er wechselte aufgeregt einen Blick mit seinem Vater und sah dann zu Shepseheret. Ihr Gesicht nahm wieder Farbe an und ihr Atem wurde gleichmäßiger. „Vater“, hauchte er. „Es wirkt!“ „Ich sehe es.“ Der Pharo lachte leise und trat neben seine Frau. Ahkmenrah sah die beiden kurz glücklich an, dann trat er aus dem Zimmer. „Was Ihr getan habt ist sehr nobel.“ Der Prinz zuckte zusammen und sah zu der Quelle der Stimme. Es war Malayka. „Es ist meine Pflicht, alles Mögliche für meine Familie zu tun.“, erwiderte er. „Fragt Kahmunrah, und er würde Euch widersprechen.“ Ahkmenrah zuckte zusammen. Er öffnete den Mund, schloss ihn aber gleich wieder. Malayka hatte Recht. Kahmunrah würde seine Macht vor allem anderen stellen. „Verzeiht meine Worte.“, murmelte Malayka. „Nein, nein, du hast Recht.“, sagte Ahkmenrah. „Stimmt es also? Werdet Ihr der Thronfolger sein?“, fragte Malayka neugierig. Der Prinz verzog das Gesicht. „Ja, es ist wahr.“ Er blickte auf seine Tafel. „Wie alt bist du?“, fragte er die Dienerin. „Zwölf.“, antwortete sie. „Und… bist du schon jemandem versprochen?“ Kaum hatte er die Frage ausgesprochen, hätte Ahkmenrah sie am liebsten zurückgenommen. Er spürte, wie seine Wangen anfingen zu glühen. Auch Malayka wurde rot. „Nein“, antwortete sie. „Nein, bin ich nicht.“ Ahkmenrah atmete erleichtert auf. „Gut“, sagte er. Die Dienerin runzelte die Stirn. „Gut? Es ist gut, dass mich keiner will?“ „Nein, ich- ähm… verzeih mich.“ Ahkmenrah drehte sich um und eilte davon. Bei Osiris! Was war nur los mit ihm? Ahkmenrah versteckte die Tafel wieder. Dann legte er sich auf sein Bett und starrte in die Luft. Zu mehr war er nicht mehr fähig.

Nervös versuchte Ahkmenrah den Verschluss seines Mantels zu schließen. Doch seine Hände zitterten zu sehr. Frustriert gab der Prinz auf und der Mantel fiel zu Boden. Ahkmenrah schloss die Augen und holte tief Luft. Er musste ruhig, ausgeglichen und stark sein, wie sein Vater. „Brauch Ihr Hilfe?“ Ahkmenrah fing an zu lächeln und drehte sich um. „Hilfe wäre sehr willkommen.“ Seine Augen suchten Malaykas Blick. Als er ihn fand, hielt er ihn fest; versank in ihren blauen Augen. Irgendwie schenkten sie ihm Ruge und Halt. Ahkmenrahs Hände hörten auf zu zittern und er stand jetzt aufrechter. Amüsiert bemerkte er, dass ihre sich Wangen röteten. Eilig sah Malayka weg und hob den Mantel auf. „Mein Prinz, wenn Ihr es gestattet, würde ich Euch jetzt den Mantel umlegen.“ Ahkmenrahs Lächeln vertiefte sich. „Es wäre mir eine Ehre.“, erwiderte er. Er ging leicht in die Knie, damit Malayka es leichter hatte. Sie ging ihm immerhin nur bis zu seinen Schultern. Ahkmenrah spürte wie ihre Hände geschickt ihrer Arbeit nachkamen. „Haltet bitte den Mantel fest.“, bat sie ihn ruhig. Ahkmenrah kam ihrer Bitte nach. Malayka ging um ihn herum und stand nun vor ihm. Ahkmenrah ließ ihr Gesicht nicht aus den Augen und musterte sie aufs Genauste. „Fertig“, murmelte Malayka und trat zurück. Ahkmenrah ergriff ihre Hand und sah in ihre Augen. Sie waren so blau. Es war fast wie eine Droge. Er wusste, dass sie es war. Sie war diejenige, die er einmal zur Frau nehmen würde.  Er führte ihre Hand an seine Lippen und drückte einen sanften Kuss darauf. „Versprich mir, dass du wartest.“, hauchte er gegen ihre Hand. Er sah ihr dabei die ganze Zeit über tief in die Augen. „I- ich verspreche es.“, sagte sie leise. Ahkmenrah lächelte und ließ ihre Hand los. „Gut“ Was ihn gestern in Verlegenheit gebracht hatte, kümmerte ihn heute nicht mehr. Malayka biss sich auf die Unterlippe. „Ich sollte gehen. Die Königin braucht mich vielleicht.“ Mit diesen Worten ging sie fort. Ahkmenrah sah ihr hinterher, bis die Tür hinter ihr zufiel. Sobald sie weg war, kam seine Nervosität wieder zurück. Der Prinz sah sich um. Ein Diener kam durch die Tür und setzte ihm das Nemes-Kopftuch auf. Schließlich wurden seine Augen mit schwarzer Farbe umrandet. Der Diener trat zurück und lächelte. „Ihr seid bereit, Prinz Ägyptens.“ Ahkmenrah holte tief Luft und nickte. „Bring mich zu meinen Eltern.“  

Ahkmenrah atmete tief durch. Jakup stand neben ihm und strahlte Gelassenheit aus. „Bleibt ruhig, Ahkmenrah, dann wird alles gutgehen.“, riet er dem Prinzen. Dieser nickte und atmete wieder tief durch. Seine Augen glitten über das jubelnde Volk, als seine Eltern zu ihm und Kahmunrah auf den Balkon traten, von wo aus sie zu ihnen sprechen würden. Merenkahre hob eine Hand und das Volk verstummte. „Volk Ägyptens!“, rief er mit fester Stimme.  „Höret, was ich euch zu verkünden habe: Heute werdet ihr erfahren, wer mein Thronfolger sein wird.“ Er machte eine Pause. Merenkahre wusste, dass viele aus seinem Volk sich fragten, weshalb es erst heute verkündet wurde, und nicht wie geplant schon gestern. Doch er war der Pharao und seinem Volk keine Rechenschaft schuldig, vor allem, weil er ein Nachfahre des Sonnengotts Re war. Merenkahre hob wieder seine Hand, um sein unruhig gewordenes Volk wieder zu beruhigen. „Ich musste nicht lange überlegen und aufgrund gewisser Umstände, habe ich mich entschlossen, Ahkmenrah zu meinem Nachfolger zu ernennen!“ Das Volk brach in Jubel aus und Ahkmenrah trat vor. Er konnte sich ein leichtes Lächeln nicht verkneifen, auch wenn er wusste, dass sich das nicht wirklich geziemte. Seine Augen wanderten über das Volk, die Diener und die Sklaven, und ein merkwürdiges Gefühl machte sich in ihm breit. Er würde für all diese Menschen, und noch viele mehr, zuständig sein. Und er würde sein bestes für sie tun. Ahkmenrah suchte nach einem gewissen Augenpaar, und als er es fand, lächelte er sie an und eine innere Ruhe machte sich in ihm breit. Egal wie schwer es sein würde, er würde es schaffen.
Review schreiben