Augenblicke in Raum und Zeit

von Arielen
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Der neunte Doktor (Nine) Der zehnte Doktor (Ten) Doktor 1 bis 8 Jackie Tyler River Song Rose Tyler
04.10.2015
09.11.2019
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Anmerkung:

Auch hier musste ich die Parts von Rose außen vor lassen und habe nur grob erwähnt, was sie gemacht hat, was natürlich zu hoffentlich nicht all zu schlimm spürbaren Lücken führt.  Leider wird nur noch ein Teil kommen, da meine Mitspielerin die Geschichte von sich aus abgebrochen hat.


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Rose riss die Unterhaltung an sich und versuchte sich zwischen die beiden zu schieben, daber das brachte leider nicht viel. Die vergebliche Intervention bewirkte zumindest eines. Der Anführer der Zygonen lockerte den griff um die Kehle des Doktors und stieß ihn ein Stück von sich, direkt in die Arme von zwei Gefolgsleuten, die den Timelord kurzerhand festhielten. Gut, jetzt kannte er immerhin dessen Geduldsgrenzen und wusste, wann er aufhören musste, diese zu strapazieren.

Jetzt ließen die Zygonen nicht mehr mit sich reden, das merkte er, deshalb hielt er jetzt auch den Mund. Er wurde wie die beiden anderen Gefangenen indessen unsanft weiter geschoben und gezerrt.

Sie setzten ihren Weg durch den schmalen Tunnel und über eine steile Treppe hinunter fort. Das alles mündete schließlich in einem dunklen, kerkerähnlichen Raum … und nicht wie er eigentlich erwartet hatte, im Schiff der Zygonen.

Als die Gruppe stehen blieb, hatte der Doktor endlich Gelegenheit, sich genauer umzusehen. Mit schmalen Augen registrierte er die Bodyprint-Maschinen auf einer Seite des weitläufigen Gewölbes. Zwanzig … vermutlich mehr. Die Zahl erstaunte ihn weniger als die Tatsache, dass die Zygonen die schweren Gerätschaften aus ihrem Schiff entfernt hatten … und das waren nicht die einzigen.

Merkwürdig …

Er zog eine Augenbraue hoch. Konnte es sein, dass die Zygonen mehr Probleme hatten, als sie bisher zugegeben hatten? Hatte einer der Soldaten bei seinem Zwischenruf nicht etwas von „Ersatzteilen“ erwähnt?

Doch bevor er diesen Gedankengang weiterverfolgen konnte, wurde er aus seinen überlegungen gerissen. Der Anführer hatte sich wieder vor ihm aufgebaut, sah herablassend zu dem mehr als einen Kopf kleineren Timelord hinunter und tippte ihm nun grob gegen die Brust.

"Wir machen's dir ganz einfach, Doctor, kooperiere, dann wird deinen Begleitern nichts passieren. Stell dich stur, hast du die Konsequenz zu tragen."

„Eine klare Aussage!“ Der Doktor nickte. Das und nichts anderes hatte er erwartet, denn es lief eigentlich immer so. Seine Gegenspieler kannten nichts anderes, um ihn unter Druck zu setzen … und nun ja, es funktionierte ja auch immer wieder, weil er keine andere Wahl hatte, als darauf einzugehen.
Um der Drohung Nachdruck zu verleihen, erhielt Rose einen Stoß zwischen die Schulterblätter. Der Doktor versuchte auf sie zuzugehen, wurde aber unsanft daran erinnert, dass ihn immer noch zwei Zygonen in der Gestalt französischer Soldaten festhielten, die ihren Griff um seine Oberarme nun verstärkten und grob zurückhielten.

"Bis dahin werden wir uns fürsorglich um dein Bündel kümmern."

„Halt!“, rief er deshalb scharf, als die Zygonen Rose abzuführen drohten und drehte seinen kopf nun wieder zum Anführer hin. „Ich bin bereit zu kooperieren!“

„Na bitte, geht doch!“ Der Anführer grinste breit und gab dem Doktor erneut einen Klaps, diesmal auf die Schulter. Der zuckte mit den Mundwinkeln. So langsam wurden selbst ihm diese Vertraulichkeiten zu viel. „Der kleine Gauner … “

„Hey!“, protestierte Vidocq dazwischen. „Wir hatten einen Deal. Das könnt ihr nicht machen!“

„Ach, hatten wir?“ Der Anführer blickte zu dem Franzosen hinüber. „Nun … ich denke, der ist jetzt null und nichtig.“ Ehe er seinen Leuten einen Wink geben konnte, den jungen Mann zu töten, mischte sich der Doktor erneut ein. „Ich bin bereit, euch zu helfen, wenn ihr Vidocq ebenfalls in Ruhe lasst!“

„Wie edelmütig von dir, Timelord, dich so für die beiden Erdlinge hier einzusetzen.“ Der Anführer schürzte die Lippen. „Ich hoffe nur, du hältst das Wort, das du gerade eben gegeben hast, sonst wird der Bursche es zuerst zu spüren bekommen … “

„Warum sollte ich nicht?“, entgegnete der Doktor. „Ich pflege normalerweise niemanden zu hintergehen“, fügte er scharf hinzu und erwiderte die Herablassung seines Gegenübers ruhig, wechselte dann das Thema, um diesen auf andere Gedanken zu bringen – damit er doch nicht auf die Idee kam, ihn von den beiden Menschen zu trennen. „Mich wundert, dass wir uns immer noch in der Burg befinden und nicht in eurem Schiff. Gehe ich recht in der Annahme, dass es da ein paar kleinere Probleme gibt?“

Die Finger der Zygonen krallten sich tiefer in seinen Arm. „Aaaauuuu!“, stieß er empört aus und verzog dann das Gesicht. Auch wenn die Männer um sie herum und der Anführer sein Pokerface nicht verlor, so schien er doch ins Schwarze getroffen zu haben.

Also bohrte er weiter. „Mir sieht es ganz danach aus, als sei euer Aufenthalt nicht so geplant verlaufen, wie gedacht …“ Er ließ den Blick schweifen. „Ich vermute einmal, euer Schiff ist so schwer beschädigt, dass ihr euch hier häuslich einrichten musstet, um die Materialien zusammen zu bekommen, die ihr für die Reparatur benötigt. Dumm nur …“, er blickte auf die französischen Soldaten, „ …, dass ausgerechnet ein irdischer Feldherr, diese Burg zu seinem Stützpunkt machen musste …“
Er zuckte mit den Schultern.
„ … und vermutlich genau so ärgerlich, dass ihr ihn nicht einfach vernichten könnt, weil das vermutlich die Aufmerksamkeit der oder desjenigen auf sich ziehen könnte, die euch verfolgen … ein Risiko, welches ihr jetzt aber eingegangen seid, und das euch den Kopf kosten könnte.“

„Sei vorsichtig bei dem, was du sagst, Timelord!“ Der Anführer der Zygonen schnaubte. „Du spekulierst ins Blaue hinein.“

Der Doktor lächelte sanft. „Das mag sein, aber ich denke, ich liege mit meinen Vermutungen gar nicht einmal so falsch, oder? Deshalb habt ihr – um mich zu schnappen, alles auf eine Karte gesetzt.“

„Genug geredet!“, fauchte der Zygone, gab seinen Männern aber den Wink, den Doktor loszulassen und streckte dann die Hand aus. „Jetzt erst einmal her mit deinem Schallgerät!“

Der Doktor lockerte gelassen die Arme. „Mein Schallschraubenzieher ist ein nützliches Werkzeug, keine Waffe!“ erwiderte er empört. „Wenn ich euch helfen soll, brauche ich ihn allerdings. Genau so wie meine Begleiter!“, fügte er dann mit fordernder Stimme hinzu. „Ah ja, und ich wüsste gerne, wo meine Blaue Box, meine Tardis, ist, denn ich vermute, dass der Angriff auch dazu diente, ihrer habhaft zu werden, oder?“

Er warf kurz einen Blick zu Vidocq, die zwar immer noch festgehalten wurden, man aber keine Anstalten machte – sie abzuführen.

„Du solltest nicht zu viele Forderungen auf einmal stellen, Timelord!“ Der Anführer winkte einen seiner unverwandelten Untergebenen herbei und wechselte ein paar Worte. Der Doktor fing nur ein paar Fetzen auf. Ganz offensichtlich wusste niemand genau, was inzwischen oben los war.

Aber das änderte sich, als der Mann an eine der halborganischen Konsolen herantrat und mit ein paar Handgriffen eine dreidimensionale Projektion aktivierte – ganz offensichtlich von der Kamera, die der Doktor bereits entdeckt hatte.

Dort tobten immer noch Kämpfe – ein erbittertes Gefecht um die blaue Telefonzelle, die gerade von einer ganzen Gruppe Soldaten gekippt und auf einen Pferdekarren gewuchtet wurde, während andere die Stellung hielten und die Angreifer in Schach hielten. Wer da gegen wen kämpfte, war nicht wirklich auseinander zu halten, nur, dass einige der Toten nicht mehr wirklich menschlich aussahen.

Ein Fluch, blubbernd ausgestoßen vom Anführer der Zygonen machte allerdings eines deutlich – es waren nicht unbedingt seine Leute, die gerade die Tardis einkassierten, sondern die Napoleons! Er erkannte nun auch den jungen Adjutanten, der die ganze Aktion überwachte, wieder und schnappte unwillkürlich nach Luft.

Denn das war ein Schachzug, mit dem auch er ganz und gar nicht gerechnet hatte, eine Aktion, die ihn das, was er bisher erlebt hatte, erneut in Frage stellte und darüber nachrätseln ließ, wie tief die Schwierigkeiten eigentlich wirklich waren, in denen er steckte.

Aber das machte die ganze Sache noch spannender und aufregender als sie ohnehin schon war. Er klatschte in die Hände und lenkte so die Aufmerksamkeit wieder auf sich. „Nun … ich glaube, ihr habt die Erdlinge gründlich unterschätzt!“

Der Anführer funkelte ihn an. „Du aber auch, Timelord … du aber auch.“

„Nein, ich weiß durchaus, dass sie manchmal dazu neigen, unvorhergesehen zu handeln“, er setzte sich bei dieser Rede in Bewegung und näherte sich Rose und Vidocq. „Aber ich würde euch auch davon abraten, jetzt mit Kanonen auf Spatzen zu schießen!“, meinte er dann. „Das könnte nämlich übelste Konsequenzen haben und eure Verfolger schneller auf den Plan locken als ihr denkt – und ich befürchte, die Timelords werden dann auch noch ein Wörtchen mitzureden haben … “

Für einen Moment herrschte Schweigen in der Halle. „Ich denke“, sprach der Doktor nachdenklich weiter, „es gibt auch unauffällige Wege, das Problem zu unser aller Zufriedenheit zu lösen.“

Und auch Rose beteiligte sich nun wieder an dem Gespräch. Das Mädchen bewies doch recht viel Geschick.

Der Doktor war erleichtert darüber, dass Rose in diesem Moment durch ihre Einwürfe etwas Spannung aus der Situation nahm. „Ja, wir sollten verhandeln …“, sagte er dann ruhig und blickte zu dem Anführer der Zygonen hin. „Hegoth, ich unterschätze die Affenabkömmlinge schon lange nicht mehr“, erinnerte er sich an dessen Namen. „Aber sie können mich immer noch überraschen, wie du siehst.“

Er seufzte und blickte zu Rose hin. „Es mag sein, dass Napoleon Bonaparte mit der Tardis erst einmal nichts anfangen kann, aber er wird seine Schlüsse ziehen – nach all dem, was wir ihm erzählt haben. Ich vermute, er nimmt jetzt nicht mehr an, dass ich ein deutscher Gelehrter bin, sondern hält mich nach dem Angriff eher für einen Spion der Koalition, der zusammen mit seiner Truppe seinen Feldzug zu sabotieren versucht.“ Dabei ließ er seinen Blick über die Zygonen schweifen. „Euer Angriff hat ihn vermutlich in diesem Glauben bestärkt.“

Dann hielt er einen Moment inne und rieb sich nachdenklich über das Kinn. „Die logische Folgerung ist … dass er etwas an sich bringen muss, was seinen Gegner aus der Reserve lockt. Also hat er alles daran gesetzt, um das Reisekabinett an sich zu bringen. Und ich denke, er wird es entsprechend scharf bewachen lassen.“

„Nun, dann tun wir das, was wir schon einmal getan haben. Die Erdlinge haben unseren Waffen nichts entgegen zu setzen und dein Schiff ist im Nu wieder in unserer Hand“, meinte Hegoth, breit grinsend. „Und dann stehst du in unserer Schuld. Also Jungs ...“

„Nein!“, unterbrach ihn der Doktor scharf. „Keine Gewalt mehr! Es hat hier und jetzt schon viel zu viele Tote gegeben!“ Er sah den Anführer der Zygonen herausfordernd an. „Und wenn wir die ganze Sache zu aller Zufriedenheit regeln wollen, dann solltet ihr jetzt meinem Rat folgen und nicht wieder nur euren Weg gehen!“
Er hielt einen Moment inne.
„Habe ich mich nicht schon bereiterklärt, euch zu helfen. Aber …“, er senkte ein wenig die Stimme, „dazu muss ich wissen, was eigentlich passiert ist, warum und wie lange ihr hier bereits festsitzt … und welche Schäden euer Schiff hat. Dann sehen wir weiter …“

Die Saugnäpfe am Hegoths Kopf wackelten, als er nach einem Moment eindringlichen Starrens plötzlich lauthals zu lachen begann. „Du spuckst ganz schön große Worte! Lese ich da wieder eine versteckte Drohung in deinen Worten, eine Warnung, über die ich nur lachen kann?“

Der Doktor überkreuzte die Arme vor der Brust? Warum eigentlich machten es sich manche seiner Gegner immer so schwer? Dabei hatte er diesmal nicht die Absicht gehabt, den Zygonen zu drohen – ja, sie waren mit Vorsicht zu genießen – aber in diesem Fall war der Schutz Menschen und der irdischen Geschichte wichtiger. Genau so wie Vidocq mussten auch Napoleon und sein Stab am Leben bleiben. Und überhaupt …

Hegoth indessen grinste aber so breit, dass sich sein Gesicht kräuselte und fügte dann in aller Seelenruhe hinzu: „Sag mal, in welcher verlassenen Ecke des Universums hast du dich eigentlich herumgetrieben, Timelördchen, dass du nicht weißt, dass dein ach so erhabenes Volk seit dem Ende des großen Krieges nur noch Staub und Asche ist, so wie ihr Planet Gallifrey. Also achte drauf was du sagst - du kannst dir deine Arroganz sonst wohin stecken.“

„Was?“, entfuhr es dem Doktor unwillkürlich. Die letzten – völlig unerwarteten - Worte des Zygonen waren gerade wie Messerstiche durch seine Herzen gefahren und versetzten ihm einen Schock.

Zeitkrieg? Gallifrey zerstört? Die Timelords tot?

Seine Augen weiteten sich, seine Lippen zitterten für einen Moment. Auch wenn er sich jetzt mit aller Macht einzureden versuchte, dass dies eine Lüge war – eine Behauptung, um ihn zu verunsichern, ihn aus dem Konzept zu bringen, so lag doch ein Ton in der Stimme seines Gegenübers, der keinen Zweifel daran ließ, dass in der Aussage mehr als ein Körnchen Wahrheit steckte.

Zugleich schlugen seine Sinne Alarm, wusste er, dass er dies gar nicht erst hätte hören dürfen …

Er starrte einen Moment ins Leere und biss sich auf die Lippen, vermied es irgendwen direkt anzusehen.

Jetzt war das Unheil geschehen - war es zu spät sich der Wahrheit zu verschließen und er musste damit leben … Vor allem durfte er sich nicht weiter damit beschäftigen, anfangen, das Gehörte hinterfragen und damit einen Weg zu suchen, das Zeitengefüge noch mehr durcheinander zu bringen, als es bereits war.

Deshalb, auch wenn sein Geist in völliger Aufruhr war, holte er nun tief Luft und fasste sich wieder – auch wenn das nicht gerade leicht fiel.

Dann sah er Hegoth ernst an. „Meine letzten Worte waren nicht als Drohung gemeint“, erwiderte er, so fest, ruhig und entschlossen, wie er nur konnte, auch wenn die Gedanken in seinem Kopf immer noch wild durcheinander wirbelten. „Wohl aber als Angebot.“
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